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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 18
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Den 20. März 19 ..

Hab' heute einen Brief von der Muhme Kordula gekriegt. Zwölf Tage durfte der große Walfisch mit der Harpune herumschwimmen. Nix gehört, nix gesehen vom Sleefkamp.

Und die Gute ist nun fuchsteufelswild. Das ist man ja immer, wenn man Unrecht hat. Ich kleb' das Schreiben hier ein – der »Fulliant« wird immer größer und wird bei meinem endgültigen Ableben so ein Mammut sein, wie ich.

»Mein alter Wien! Dieser und jener soll dreinschlagen, daß wir zwei beiden, wir Spießgesellen einander schreiben müssen. Schämst dich nicht? Dann fang aber bei klein an. Ausreißen! Ja freilich. Vor dem Feind hast es nicht getan, aber vor deinen Freunden. Hast auf der Gotteswelt jemand, der es besser meint mit dir, als ich, dann her mit dem Kerl, oder mit dem Weibsen, damit ich sie auf Herz und Nieren prüfe. Solange du mir eine solch blöde Kreatur nicht aufzeigst, die noch mehr vor dir toggenburgert als ich – solange bleib' ich auf Posten. Aber mein Herz fängt an zu puckern, nicht nur aus Liebe zu dem Goliath, sondern, weil die schwarzen Brasils es in sich haben, die ich deinetwegen mir aus der runden Blechschachtel einverleibe. Schäm' dich in de grawe Grund. Könntest du hellsehen, dann würdest du nicht eine Minute länger als nötig auf dem ehrenwerten Dierkhof bleiben. ›Auch Brutus war ein ehrenwerter Mann.‹ Aber was hab' ich mit ihm zu tun? Hierher gehörst du. Allein bin ich. Gewiß, ich brauch' keinen Mist zu fahren, außer dem, den der Tag so bringt an Schreiben vom Amt und von säumigen Kunden, die da einfach meinen: ›Gepumpter Roggen macht auch fett.‹

Das Auge des Herrn fehlt. Ich kann's nicht mehr allein ab. – Der neugebackene »Brüjam« hat sich einer »wirtschaftlichen Expedition nach Amerika« angeschlossen. Wat saggst nu? Nachdem ich ihm vorher die Braut vorsorglich verstaut und zu ihrem Vater geschickt hatte. Weil mir das Gör bei diesem Wildling vor die Hunde gegangen wäre. Ich hab' nicht Detektiv gelernt, und wir waren doch früher zahmer. Der General aber wird aufpassen auf sein Döchting, da kannst was beleben. Denn wenn er sie auch mir auf Gedeih und Verderb übergab, so doch nicht einem Kerl, mit dessen Vater er sich außerdem mal duelliert hat. Er hat sich's auch in den Kopf gesetzt, den Doktor Jochen, seinen Neffen, gar nicht kennenzulernen.

Aus der Amei wurde ich überhaupt nicht klug. Mich dünkte sie hundeschnäuzig kalt, aber als ich's ihr sagte, ob sie sich nicht übereilt versprochen hätte, tobte sie wie ein Waldschratt und behauptete, sie liebte den Jochen › fürchterlich‹. Ich kenne solche Liebe nicht, und wenn der Jochen sie dann unbeschadet um mein Dabeisein abküssen wollte, dann lag sie wie ein zufällig hingewehtes Hälmchen an seiner Brust, schneeweiß im Gesicht, beide Arme von sich gestreckt, Hände gespreizt, daß er sie erst zusammen biegen mußt'. Ich bin immer kopfschüttelnd hinausgegangen. Hab' gedacht: Sieht fürchterliche Liebe so aus? Denn man zu. – Aber sie war kreuzunglücklich, daß sie fortmußte vom Sleefkamp. Nun sind sie beide weg, und der Jochen ohne Abschied von mir, weil ich ja schuld bin an Ameis heimlicher Abreise. – Wien, alter Wien, komm wieder her! Wir zwei hätten allein auf dem Erbe Deiner Väter hausen sollen, das ist meine Meinung. Und mich dünkt, unsere Insten denken desgleichen so. Wie hat der Ahn Erne Sleef gesagt? ›Der Hof darf nüms zu Bruch gehen.‹ Komm alter Wien!«

Muhme Kordula.

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