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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 14
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Dierkhof, den 1. März 19 ..

Man geht hier immer noch in einem Bogen um mich herum. Weil man nicht weiß, was man aus mir machen soll. Ein Mordskerl, dem man ansieht, daß er sich wohl rumgeschlagen hat und den Kugeln alles hingehalten, was die haben wollten, dann mit Heimatsrecht auf dem reichsten und angesehensten Heidehof Sleefkamp und Freund dem Inhaber gleichen Namens. Und kommt angegangen per pedes apostulorum mit einer Reisetasche wie eine alte Jungfer. Bon voyage mit schwarzen Seiden gestickt zwischen himmelblauen Perlen. »Ein Ausländer«, hat die Magd gesagt zum Knecht. Aber erst später. Denn wie ich hingekommen bin, war es höchste Zeit, daß der Herrgott mich schickte, und brannte der Dierkhof wie eine Fackel mir entgegen.

So vornehmen Empfang war ich gar nicht vermutend. Brüllendes Vieh, jammernde Insten. Aber nur zwei. Knecht und Magd. Mehr trägt der Dierkhof nicht. Ich werf' also meine Bonvoyage weit von mir und stürze ins brennende Haus. Denn man rief mir entgegen: »Jesus! Die Dierkhofer beide im Feuer!« Habe sie beide glücklich herausgeholt, nicht aus eigener Kraft, so viel weiß ich. War auch nicht so einfach, wie der Satz hier steht. Denn etwelche Brandwunden sind wieder an mir hängengeblieben, aber ich gebranntes Kind werde wohl doch niemalen das Feuer scheuen. Sauste mir auch zuletzt, als die zwei Dierkhofer in Sicherheit waren und ich mich an das Retten vom »Habchen und Babchen« begab, noch ein Balken auf den Arm. So daß wir jetzt eine nette Gardekumpanei sind. Denn der Dierkhofer lag an »Rheumatiß« zu Bett und sein Weib an Krampfadern, als das Feuer auskam. Sind aber einigermaßen gut zuweg, loben mich über den Schellenkönig, und sogar der Gemeindevorsteher aus Dierksen und der Herr Landrat aus der Kreisstadt sind schon hier gewesen. Wie wird die Muhme Kordula und der Doktorvetter Augen machen, wenn der »Esel-Sleef« mit der Rettungsmedaille zu Gange ist. Blödsinn über und über. Daß man sie beantragt hat – ich frag' nix dornah. Aber die zwei geretteten Dierkhofer sind die Brandwunden und den verstauchten Arm wert. Außerdem muß der liebe Gott wissen, wen er sich zum Handlangen aussucht.

Jetzt bleib' ich erst mal hier. Hab' genug mit Fite Grot zu tun, das Dach neu zu decken. Der Heustadel liegt auch und streckt alle Viere von sich, aber die Kuh und drei Schweine leben doch, und das ist augenblicklich der Mittelpunkt der Freude vom Dierkhof.

»Seid brave Kirls, ihr zwei«, fagt ich zu Fite und Stina. – »Das unbesinnte Vieh hat's euch sauer werden lassen.« Denn ich hatte es ja gesehen, wie die Tiere immer wieder zurückwollten in die Flammen. »Jo«, meinte Stina murrend, »so is es. Aber der Wien Sleef kriegt die Medaille.« Da mußt' ich wohl ludhals lachen. Hab' lange nicht gelacht, es tat ordentlich weh. Versteh ja gut die Enttäuschung von der Magd, denn sie brennt lichterloh, genau wie der Viehstadel es tat. Sie ist mit Fite Grot versprochen und hatt' dem Schatz eher den Orden vergönnt.

Gut ist's auf dem kleinen Dierkhof zu sein. Und ich bin augenblicklich der Kronensohn. Kinder sind keine da. Statt dessen die Dankbarkeit. So was wächst ja so karg sonst. Schier, als wollt' man Apfelsinen pflücken in der Heide. – Und durch die Angst und das ungeheure Schwitzbad hat der Rheumatis den beiden Alten Valet gegeben. Sind schier munter zuwege. Jeden Morgen vor Tau und Tag wird der Psalter vorgenommen und wieder hol' ich meinen Tenor herfür und stimme an. Und wollt' Weisheit auskramen und sag': »Ein feines Quintett!« Aber Dierkhofmutter meint: »Von Quintett steht hier nix. ›Herrgott, dich loben wir‹ – heißt das Lied.« So wird man auf die Bescheidenheit zurückgeführt. Und die Frömmigkeit kleidet uns gut, weil so gar niemand da ist, der »wider den Stachel lökt«, und auch niemand, der frömmer sein will als der andere, und auch nicht gottloser.

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