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Wie es euch gefällt

William Shakespeare: Wie es euch gefällt - Kapitel 9
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleWie es euch gefällt
pages245-247
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Szene

Ein anderer Teil des Waldes

Amiens, Jacques und andere

Lied.

Amiens.

Unter des Laubdachs Hut
Wer gerne mit mir ruht
Und stimmt der Kehle Klang
Zu lustger Vögel Sang:
Komm geschwinde! geschwinde! geschwinde!
Hier nagt und sticht
Kein Feind ihn nicht
Als Wetter, Regen und Winde.

Jacques. Mehr, mehr, ich bitte dich, mehr!

Amiens. Es würde Euch melancholisch machen, Monsieur Jacques.

Jacques. Das danke ich ihm. Mehr, ich bitte dich, mehr! Ich kann Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt. Mehr! mehr! ich bitte dich.

Amiens. Meine Stimme ist rauh; ich weiß, ich kann Euch nicht damit gefallen.

Jacques. Ich verlange nicht, daß Ihr mir gefallen sollt; ich verlange, daß Ihr singt. Kommt, noch eine Strophe! Nennt Ihr's nicht Strophen?

Amiens. Wie es Euch beliebt, Monsieur Jacques.

Jacques. Ich kümmre mich nicht um ihren Namen; sie sind mir nichts schuldig. Wollt Ihr singen?

Amiens. Mehr auf Euer Verlangen als mir zu Gefallen.

Jacques. Gut, wenn ich mich jemals bei einem Menschen bedanke, so will ich's bei Euch; aber was sie Komplimente nennen, ist, als wenn sich zwei Affen begegnen. Und wenn sich jemand herzlich bei mir bedankt, so ist mir, als hätte ich ihm einen Pfennig gegeben und er sagte: «Gotteslohn dafür.» Kommt singt, und wer nicht mag, halte sein Maul!

Amiens. Gut, ich will das Lied zu Ende bringen. – Ihr Herren, deckt indes die Tafel; der Herzog will unter diesem Baum trinken – er ist den ganzen Tag nach Euch aus gewesen.

Jacques. Und ich bin ihm den ganzen Tag aus dem Wege gegangen. Er ist ein zu großer Disputierer für mich. Es gehn mir so viele Gedanken durch den Kopf als ihm; aber ich danke dem Himmel und mache kein Wesens davon. Kommt, trillert eins her.

Lied. Alle zusammen.

Wer Ehrgeiz sich hält fern,
Lebt in der Sonne gern,
Selbst sucht, was ihn ernährt,
Und es mit Lust verzehrt:
Komm geschwinde geschwinde geschwinde!
Hier nagt und sticht
Kein Feind ihn nicht
Als Wetter, Regen und Winde.

Jacques. Ich will Euch einen Vers zu dieser Weise sagen, den ich gestern meiner Dichtungsgabe zum Trotz gemacht habe.

Amiens. Und ich will ihn singen.

Jacques. So lautet er:

Besteht ein dummer Tropf
Auf seinem Eselskopf,
Läßt seine Füll und Ruh
Und läuft der Wildnis zu:
Duc ad me! duc ad me! duc ad me!
Hier sieht er mehr
So Narrn wie er,
Wenn er zu mir will kommen her.

Amiens. Was heißt das: duc ad me?

Jacques. Es ist eine griechische Beschwörung, um Narren in einen Kreis zu bannen. Ich will gehn und schlafen, wenn ich kann; kann ich nicht, so will ich auf alle Erstgeburt in Ägypten lästern.

Amiens. Und ich will den Herzog aufsuchen, sein Mahl ist bereitet.

(Von verschiedenen Seiten ab.)

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