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Wie es euch gefällt

William Shakespeare: Wie es euch gefällt - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleWie es euch gefällt
pages245-247
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweiter Aufzug

Erste Szene

Der Ardenner Wald

Der Herzog, Amiens und andre Edelleute in Jägerkleidung

Herzog. Nun, meine Brüder und des Banns Genossen,
Macht nicht Gewohnheit süßer dieses Leben
Als das gemalten Pomps? Sind diese Wälder
Nicht sorgenfreier als der falsche Hof?
Wir fühlen hier die Buße Adams nur,
Der Jahrszeit Wechsel; so den eisgen Zahn
Und böses Schelten von des Winters Sturm;
Doch, wenn er beißt und auf den Leib mir bläst,
Bis ich vor Kälte schaudre, sag ich lächelnd:
«Dies ist nicht Schmeichelei; Ratgeber sind's,
Die fühlbar mir bezeugen, wer ich bin.»
Süß ist die Frucht der Widerwärtigkeit,
Die gleich der Kröte, häßlich und voll Gift,
Ein köstliches Juwel im Haupte trägt.
Dies unser Leben, vom Getümmel frei,
Gibt Bäumen Zungen, findet Schrift im Bach,
In Steinen Lehre, Gutes überall.

Amiens. Ich tauscht es selbst nicht; glücklich ist Eur Hoheit,
Die auszulegen weiß des Schicksals Härte
In solchem ruhigen und milden Sinn.

Herzog. Kommt, wolln wir gehen und uns Wildbret töten?
Doch schmerzt's, daß wir den armen fleckgen Narren,
Die Bürger sind in dieser öden Stadt,
Auf eignem Grund mit hakgen Spitzen blutig
Die runden Hüften reißen.

Erster Edelmann. Ja, mein Fürst,
Den melancholschen Jacques kränkt dieses sehr;
Er schwört, daß Ihr auf diesem Weg mehr Unrecht
Als Euer Bruder übt, der Euch verbannt.
Heut schlüpften ich und Amiens hinter ihn,
Als er sich hingestreckt an einer Eiche,
Wovon die alte Wurzel in den Bach
Hineinragt, der da braust den Wald entlang;
Es kam dahin ein arm verschüchtert Wild,
Das von des Jägers Pfeil beschädigt war,
Um auszuschmachten; und gewiß, mein Fürst,
Das arme Tier stieß solche Seufzer aus,
Daß jedesmal sein ledern Kleid sich dehnte
Zum Bersten fast, und dicke runde Tränen
Längs der unschuldgen Nase liefen kläglich
Einander nach; und der behaarte Narr,
Genau bemerkt vom melancholschen Jacques,
Stand so am letzten Rand des schnellen Bachs,
Mit Tränen ihn vermehrend.

Herzog. Nun, und Jacques?
Macht er dies Schauspiel nicht zur Sittenpredigt?

Erster Edelmann. O ja, in tausend Gleichnissen. Zuerst
Das Weinen in den unbedürftgen Strom:
«Ach, armer Hirsch!» so sagt' er, «wie der Weltling
Machst du dein Testament: gibst dem den Zuschuß,
Der schon zuviel hat.» – Dann, weil er allein
Und von den samtnen Freunden war verlassen:
«Recht!» sagt' er, «so verteilt das Elend stets
Des Umgangs Flut.» – Alsbald ein Rudel Hirsche,
Der Weide voll, sprang sorglos an ihm hin,
Und keiner stand zum Gruße. «Ja», rief Jacques,
«Streift hin, ihr fetten, wohlgenährten Bürger!
So ist die Sitte eben; warum schaut ihr
Nach dem bankrotten, armen Schelme da?»
Auf diese Art durchbohrt er schmähungsvoll
Den Kern vom Lande, Stadt und Hof, ja selbst
Von diesem unserm Leben; schwört, daß wir
Nichts als Tyrannen, Räuber, Schlimmres noch,
Weil wir die Tiere schrecken, ja sie töten
In ihrem eignen heimatlichen Sitz.

Herzog. Und ließet ihr in der Betrachtung ihn?

Erster Edelmann. Ja, gnädger Herr, beweinend und besprechend
Das schluchzende Geschöpf.

Herzog. Zeigt mir den Ort,
Ich lasse gern in diesen düstern Launen
Mich mit ihm ein; er ist dann voller Sinn.

Erster Edelmann. Ich will Euch zu ihm bringen. (Ab.)

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