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Wie es euch gefällt

William Shakespeare: Wie es euch gefällt - Kapitel 23
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleWie es euch gefällt
pages245-247
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Szene

Ein anderer Teil des Waldes

Der Herzog. Amiens, Jacques, Orlando, Oliver und Celia treten auf

Herzog. Und glaubst du denn, Orlando, daß der Knabe
Dies alles kann, was er versprochen hat?

Orlando. Zuweilen glaub ich's, und zuweilen nicht,
So wie, wer fürchtet, hofft, und weiß, er fürchte.

Rosalinde, Silvius und Phöbe treten auf.

Rosalinde. Habt noch Geduld, indes wir den Vertrag
In Ordnung bringen, Herzog, Ihr erklärt,
Daß, wenn ich Eure Rosalinde stelle,
Ihr dem Orlando hier sie geben wollt?

Herzog. Ja, hätt ich Königreich' ihr mitzugeben.

Rosalinde (zu Orlando).
Ihr sagt, Ihr wollt sie, wenn ich sie Euch bringe?

Orlando. Ja, wär ich aller Königreiche König.

Rosalinde (zu Phöbe).
Ihr sagt, Ihr wollt mich nehmen, wenn ich will?

Phöbe. Das will ich, stürb ich gleich die Stunde drauf.

Rosalinde. Wenn Ihr Euch aber weigert, mich zu nehmen,
Wollt Ihr Euch diesem treuen Schäfer geben?

Phöbe. So ist der Handel.

Rosalinde (zu Silvius).
Ihr sagt, wenn Phöbe will, wollt Ihr sie haben?

Silvius. Ja, wär sie haben und der Tod auch eins.

Rosalinde. Und ich versprach, dies alles auszugleichen.
O Herzog, haltet Wort, gebt Eure Tochter;
Orlando, haltet Eures, sie zu nehmen.
Ihr, Phöbe, haltet Wort, heiratet mich:
Wenn Ihr mich ausschlagt, ehlicht diesen Schäfer.
Ihr, Silvius, haltet Wort, heiratet sie,
Wenn sie mich ausschlägt – und von dannen geh ich,
Zu schlichten diese Zweifel. (Rosalinde und Celia ab.)

Herzog. An diesem Schäferknaben fallen mir
Lebendge Züge meiner Tochter auf.

Orlando. Mein Fürst, das erste Mal, daß ich ihn sah,
Schien mir's, er sei ein Bruder Eurer Tochter.
Doch, lieber Herr, der Knab ist waldgeboren
Und wurde unterwiesen in den Gründen
Verrufner Wissenschaft von seinem Oheim,
Den er als einen großen Zaubrer schildert,
Vergraben im Bezirke dieses Walds.

Probstein und Käthchen kommen.

Jacques. Sicherlich ist eine neue Sündflut im Anzuge, und diese Paare begeben sich in die Arche. Da kommt ein Paar seltsamer Tiere, die man in allen Sprachen Narren nennt.

Probstein. Gruß und Empfehlung euch allen!

Jacques. Werter Fürst, heißt ihn willkommen; das ist der scheckicht gesinnte Herr, den ich so oft im Walde antraf. Er schwört, er sei ein Hofmann gewesen.

Probstein. Wenn irgend jemand das bezweifelt, so laßt ihn mich auf die Probe stellen. Ich habe mein Menuett getanzt, ich habe den Damen geschmeichelt, ich bin politisch gegen meinen Freund gewesen und geschmeidig gegen meinen Feind; ich habe drei Schneider zugrunde gerichtet, ich habe vier Händel gehabt und hätte bald einen ausgefochten.

Jacques. Und wie wurde der ausgemacht?

Probstein. Nun, wir kamen zusammen und fanden, der Handel stehe auf dem siebenten Punkt.

Jacques. Wie, siebenten Punkt? – Lobt mir den Burschen, mein gnädiger Herr.

Herzog. Er gefällt mir sehr.

Probstein. Gott behüt Euch, Herr! ich wünsche das nämliche von Euch. Ich dränge mich hier unter die übrigen ländlichen Paare, zu schwören und zu verschwören, je nachdem der Ehestand bindet und Fleisch und Blut bricht. Eine arme Jungfer, Herr, ein übel aussehend Ding, Herr, aber mein eigen; eine demütige Laune von mir, Herr, zu nehmen, was sonst niemand will. Reiche Ehrbarkeit, Herr, wohnt wie ein Geizhals in einem armen Hause, wie eine Perle in einer garstigen Auster.

Herzog. Meiner Treu, er ist sehr behende und spruchreich.

Probstein. Gemäß dem Spruch vom Narrenbolzen und derlei Lieblichkeiten.

Jacques. Aber der siebente Punkt! Wie fandet Ihr den Handel auf dem siebenten Punkt?

Probstein. Wegen einer siebenmal zurückgeschobenen Lüge. – Halt dich grade, Käthchen! – Nämlich so, Herr. Ich konnte den Schnitt von eines gewissen Hofmanns Bart nicht leiden; er ließ mir melden, wenn ich sagte, sein Bart wäre nicht gut gestutzt, so wäre er andrer Meinung: das nennt man den höflichen Bescheid. Wenn ich ihm wiedersagen ließ, er wäre nicht gut gestutzt, so ließ er mir sagen, er stutzte ihn für seinen eignen Geschmack: das nennt man den feinen Stich. Sagte ich noch einmal, er wäre nicht gut gestutzt, so erklärte er mich unfähig, zu urteilen: das nennt man die grobe Erwiderung. Nochmals, er wäre nicht gut gestutzt, so antwortete er, ich spräche nicht wahr: das nennt man die beherzte Abfertigung. Nochmals, er wäre nicht gut gestutzt, so sagte er, ich löge: das nennt man den trotzigen Widerspruch, und so bis zur bedingten Lüge und zur offenbaren Lüge.

Jacques. Und wie oft sagtet Ihr, sein Bart wäre nicht gut gestutzt?

Probstein. Ich wagte nicht, weiter zu gehn, als bis zur bedingten Lüge, noch er, mir die offenbare Lüge zuzuschieben, und so maßen wir unsre Degen und schieden.

Jacques. Könnt Ihr nun nach der Reihe die Grade nennen?

Probstein. O Herr, wir streiten wie gedruckt nach dem Buch, so wie man Komplimentierbücher hat. Ich will Euch die Grade aufzählen. Der erste der höfliche Bescheid; der zweite der feine Stich; der dritte die grobe Erwiderung; der vierte die beherzte Abfertigung; der fünfte der trotzige Widerspruch; der sechste die Lüge unter Bedingung; der siebente die offenbare Lüge. Aus allen diesen könnt Ihr Euch herausziehen, außer der offenbaren Lüge, und aus der sogar mit einem bloßen Wenn. Ich habe erlebt, daß sieben Richter einen Streit nicht ausgleichen konnten, aber wie die Parteien zusammenkamen, fiel dem einen nur ein Wenn ein; zum Beispiel: «Wenn Ihr so sagt, so sage ich so», und sie schüttelten sich die Hände und machten Brüderschaft. Das Wenn ist der wahre Friedensstifter; ungemeine Kraft in dem Wenn.

Jacques. Ist das nicht ein seltner Bursch, mein Fürst? Er versteht sich auf alles so gut und ist doch ein Narr.

Herzog. Er braucht seine Torheit wie ein Stellpferd, um seinen Witz dahinter abzuschießen.

Hymen, mit Rosalinde in Frauenkleidern an der Hand, und Celia treten auf.

(Feierliche Musik.)

Hymen. Der ganze Himmel freut sich,
Wenn irdscher Dinge Streit sich
In Frieden endet.
Nimm deine Tochter, Vater,
Die Hymen, ihr Berater,
Vom Himmel sendet;
Daß du sie gebst in dessen Hand,
Dem Herz in Herz sie schon verband.

Rosalinde (zum Herzog).
Euch übergeb ich mich, denn ich bin Euer.
(Zu Orlando.) Euch übergeb ich mich, denn ich bin Euer.

Herzog. Trügt nicht der Schein, so seid Ihr meine Tochter.

Orlando. Trügt nicht der Schein, so seid Ihr meine Rosalinde.

Phöbe. Ist's Wahrheit, was ich seh,
Dann – meine Lieb, ade!

Rosalinde (zum Herzog).
Ich will zum Vater niemand, außer Euch.
(Zu Orlando.) Ich will zum Gatten niemand, außer Euch.
(Zu Phöbe.) Ich nehme nie ein Weib mir, außer Euch.

Hymen. Still! die Verwirrung end ich,
Die Wunderdinge wend ich
Zum Schluß, der schön sich fügt.
Acht müssen Hand in Hand
Hier knüpfen Hymens Band,
Wenn nicht die Wahrheit lügt.
    (Zu Orlando und Rosalinde.)
Euch und Euch trenn nie ein Leiden;
    (Zu Oliver und Celia.)
Euch und Euch kann Tod nur scheiden;
    (Zu Phöbe.)
Ihr müßt seine Lieb erkennen,
Oder ein Weib Gemahl benennen;
    (Zu Probstein und Käthchen.)
Ihr und Ihr seid euch gewiß,
Wie der Nacht die Finsternis.
Weil wir Hochzeitschöre singen,
Fragt euch satt nach diesen Dingen,
Daß euer Staunen sei verständigt,
Wie wir uns trafen, und dies endigt.

Lied.

Ehstand ist der Juno Krone:
O selger Bund von Tisch und Bett!
Hymen bevölkert jede Zone,
Drum sei die Eh verherrlichet.
Preis, hoher Preis und Ruhm zum Lohne
Hymen, dem Gotte jeder Zone!

Herzog. O liebe Nichte, sei mir sehr willkommen!
Als Tochter, nichts Geringres, aufgenommen.

Phöbe (zu Silvius).
Ich breche nicht mein Wort: du bist nun mein;
Mich nötigt deine Treue zum Verein.

Jacques de Boys tritt auf.

Jacques de Boys. Verleiht für ein paar Worte mir Gehör:
Ich bin der zweite Sohn des alten Roland,
Der Zeitung diesem schönen Kreise bringt.
Wie Herzog Friedrich hörte, täglich strömten
Zu diesem Walde Männer von Gewicht,
Warb er ein mächtig Heer; sie brachen auf,
Von ihm geführt, in Absicht, seinen Bruder
Zu fangen hier und mit dem Schwert zu tilgen.
Und zu dem Saume dieser Wildnis kam er,
Wo ihm ein alter, heilger Mann begegnet,
Der ihn nach einigem Gespräch bekehrt
Von seiner Unternehmung und der Welt.
Die Herrschaft läßt er dem vertriebnen Bruder,
Und die mit ihm Verbannten stellt er her
In alle ihre Güter. Daß dies Wahrheit,
Verbürg ich mit dem Leben.

Herzog. Willkommen, junger Mann!
Du steuerst kostbar zu der Brüder Hochzeit:
Dem einen vorenthaltne Länderein,
– Ein ganzes Land, ein Herzogtum, dem andern.
Zuerst laßt uns in diesem Wald vollenden,
Was hier begonnen ward und wohl erzeugt;
Und dann soll jeder dieser frohen Zahl,
Die mit uns herbe Tag und Nächt erduldet,
Die Wohltat unsers neuen Glückes teilen,
Wie seines Ranges Maß es mit sich bringt.
Doch jetzt vergeßt die neue Herrlichkeit,
Bei dieser ländlich frohen Lustbarkeit.
Spiel auf, Musik! – Ihr Bräutigam' und Bräute,
Schwingt euch zum Tanz im Überschwang der Freude.

Jacques. Herr, mit Erlaubnis: – hab ich recht gehört,
So tritt der Herzog in ein geistlich Leben
Und läßt die Pracht des Hofes hinter sich.

Jacques de Boys. Das tut er.

Jacques. So will ich zu ihm. Diese Neubekehrten,
Sie geben viel zu hören und zu lernen.
    (Zum Herzog.)
Euch, Herr, vermach ich Eurer vorgen Würde;
Durch Tugend und Geduld verdient Ihr sie;
    (Zu Orlando.)
Euch einer Liebsten, Eurer Treue wert;
    (Zu Oliver.)
Euch Eurem Erb und Braut und mächtgen Freunden;
    (Zu Silvius)
Euch einem lang und wohlverdienten Ehbett;
    (Zu Probstein.)
Und Euch dem Zank: denn bei der Liebesreise
Hast du dich auf zwei Monat nur versehn
Mit Lebensmitteln. – Seid denn guter Dinge!
Ich bin für andre als für Tänzersprünge.

Herzog. Bleib, Jacques, bleib!

Jacques. Zu keiner Lustbarkeit; – habt Ihr Befehle,
So schickt sie mir in die verlaßne Höhle. (Ab.)

Herzog. Wohlan! wohlan! begeht den Feiertag:
Beginnt mit Lust, was glücklich enden mag.

(Ein Tanz.)

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