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Wie es euch gefällt

William Shakespeare: Wie es euch gefällt - Kapitel 20
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleWie es euch gefällt
pages245-247
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Aufzug

Erste Szene

Der Wald

Probstein und Käthchen kommen

Probstein. Wir werden die Zeit schon finden, Käthchen. Geduld, liebes Käthchen!

Käthchen. Wahrhaftig, der Pfarrer war gut genug, was auch der alte Herr sagen mochte.

Probstein. Ein abscheulicher Ehrn Olivarius, Käthchen, ein entsetzlicher Textdreher. Aber, Käthchen, da ist ein junger Mensch hier im Walde, der Anspruch auf dich macht.

Käthchen. Ja, ich weiß, wer es ist; er hat in der Welt nichts an mich zu fordern. Da kommt der Mensch, den Ihr meint.

Wilhelm kommt.

Probstein. Es ist mir ein rechtes Labsal, so einen Tölpel zu sehen. Meiner Treu, wir, die mit Witz gesegnet sind, haben viel zu verantworten. Wir müssen necken, wir können's nicht lassen.

Wilhelm. Guten Abend, Käthchen.

Käthchen. Schönen guten Abend, Wilhelm.

Wilhelm. Und Euch, Herr, einen guten Abend.

Probstein. Guten Abend, lieber Freund. Bedeck den Kopf! bedeck den Kopf! Nun, sei so gut, bedecke dich! Wie alt seid Ihr, Freund?

Wilhelm. Fünfundzwanzig, Herr.

Probstein. Ein reifes Alter. Ist dein Name Wilhelm?

Wilhelm. Wilhelm, Herr.

Probstein. Ein schöner Name. Bist hier im Walde geboren?

Wilhelm. Ja, Herr, Gott sei Dank!

Probstein. «Gott sei Dank» – eine gute Antwort. Bist reich?

Wilhelm. Nun, Herr, so, so.

Probstein. «So, so» ist gut, sehr gut, ganz ungemein gut – nein, doch nicht, es ist nur so so. Bist du weise?

Wilhelm. Ja, Herr, ich hab einen hübschen Verstand.

Probstein. Ei, wohl gesprochen! Da fällt mir ein Sprichwort ein: «Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiß, daß er ein Narr ist.» Wenn der heidnische Philosoph Verlangen trug, Weinbeeren zu essen, so öffnete er die Lippen, indem er sie in den Mund steckte; damit wollte er sagen, Weinbeeren wären zum Essen gemacht und Lippen zum Öffnen. Ihr liebt dieses Mädchen?

Wilhelm. Das tu ich, Herr.

Probstein. Gebt mir Eure Hand. Bist du gelehrt?

Wilhelm. Nein, Herr.

Probstein. So lerne dieses von mir: haben ist haben, denn es ist eine Figur in der Redekunst, daß Getränk, wenn es aus einem Becher in ein Glas geschüttet wird, eines leer macht, indem es das andere anfüllt; denn alle unsre Schriftsteller stimmen darin überein: ipse ist er; Ihr seid aber nicht ipse, denn ich bin «er».

Wilhelm. Was für ein «er», Herr?

Probstein. Der «er», Herr, der dies Mädchen heiraten muß. Also, Ihr Tölpel, meidet – was in der Pöbelsprache heißt, verlaßt – den Umgang – was auf bäurisch heißt, die Gesellschaft – dieser Frauensperson – was im gemeinen Leben heißt, Mädchen; welches alles zusammen heißt: meidet den Umgang dieser Frauensperson, oder, Tölpel, du kommst um; oder, damit du es besser verstehst, du stirbst; nämlich ich töte dich, schaffe dich aus der Welt, bringe dich vom Leben zum Tode, von der Freiheit zur Knechtschaft. Ich will dich mit Gift bedienen, oder mit Bastonaden, oder mit dem Stahl; ich will eine Partei gegen dich zusammenrotten, dich mit Politik überwältigen; ich will dich auf hundertundfünfzig Arten umbringen: darum zittre und zieh ab.

Käthchen. Tu es, guter Wilhelm.

Wilhelm. Gott erhalt Euch guter Dinge, Herr. (Ab.)

Corinnus kommt.

Corinnus. Unsre Herrschaft sucht Euch. Kommt! geschwind! geschwind!

Probstein. Lauf, Käthchen! Lauf, Käthchen! Ich komme nach, ich komme nach.

(Alle ab.)

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