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Wia der Schnabi g'wachsen is

Max Hofmann: Wia der Schnabi g'wachsen is - Kapitel 9
Quellenangabe
typepoem
booktitle»Wia der Schnabi g'wachsen is.«
authorMax Hofmann
year1898
publisherVerlagsbuchhandlung Seitz & Schauer
addressMünchen
titleWia der Schnabi g'wachsen is
created20040112
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1898
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Vergelt's Gott.

                  Der Sepperl is a armer Bua,
Sei Vater is scho tot,
Sei Muatter plagt si redli zwar,
Doch wird's kaum Herr der Not.

Für »fünfi« schafft die schwache Frau
Das Brot her jeden Tag,
Sie scheucht koa Müah, koa Arbeit net,
Nimmt gern auf sich die Plag.

San fleißig doch und liab und guat,
Die Kinder allesamm,
Und folgen thun s' ihr aa aufs Wort,
Weil s' gern ihr Muatterl ham.

Doch oanes macht ihr's Herz oft schwer,
Daß net, wia andre Leut,
Den Kindern, wenn so d' Zeit herkommt,
Koo macha aa a Freud.

Ganz b'sonders druckt's die arme Frau,
Wenn's Christkind kumma sollt,
Und sie gar nix do geben koo,
So gern s' aa geben wollt.

Fragt gar der Sepperl: »Muatter, ha,
Kennt's Christkind uns denn net?«
Na fühlt sie's arm sei doppelt schwer,
Woaß auf dö Frag koa Red.

Doch heuer is a andere Sach –
Es kriagt der kloane Bua
Von guate Leut – drinn in der Schul –
A ganz a neu's Paar Schuah.

Dazua no Strümpf, recht dick und warm
Und Aepfi, Nuß, an Stoll'n –
So viel hätt ja vom Christkindl
Der Sepperl gar net woll'n.

Voll Freud springt mit sei'm Packl er
Vom Schulhaus weg und hoam;
Gern hat er sunst in d' Läden g'schaugt;
Heut bleibt er steh' vor koam.

A jedes von die G'schwister kriagt
Von Sepperls Christkind was,
An Apfi gaab der Muatter er,
Der lang scho d' Augen naß.

»Host aa schö dankt, host d' Hand hergeb'n?«
An Buam sie nacha fragt –
»»Na – sagt der Sepp – dös hob i net,
Vergelt's Gott hob i g'sagt.««

»Vergelt's Gott!« sagt aa d' Muatter laut,
»Vergelte Gott!« jedes Kind,
Und jed's »Vergelt's Gott«, ohne Frag,
Sein Weg zum Herrgott find.

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