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[Werke des] Mong Dsï

Mong Dsï: [Werke des] Mong Dsï - Kapitel 8
Quellenangabe
authorong Dsï
title[Werke des] Mong Dsï
publisherEugen Diederichs Verlag
printrunDrittes bis fünftes Tausend
editorRichard Wilhelm
year1921
translatorRichard Wilhelm
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160908
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Abschnitt B

1. Über die Pflege der Musik

Dschuang Bau Dschuang Bau war ein Minister in Tsi. Die Geschichte spielt im unmittelbaren Anschluß an die vorige. Der König ist ebenfalls König Süan von Tsi. suchte den Mong Dsï auf und sprach: »Als ich heute beim König war, sprach er mit mir von seiner Liebe zur Musik. Ich wußte nicht, was ich darauf erwidern sollte. Er sagte nämlich: ›Was ist von der Liebe zur Musik zu halten?‹«

Mong Dsï sprach: »Wenn der König nur wirklich die Musik recht liebt, so kann aus dem Staat Tsi noch etwas werden.«

Tags darauf trat er vor den König und sprach: »Ist es wahr, daß Eure Hoheit mit Dschuang Bau über die Liebe zur Musik gesprochen haben?«

Der König errötete und sprach: »Der Liebe zur ernsten, alten Musik bin ich nicht fähig, ich liebe eben nur die leichte, weltliche Musik.«

Mong Dsï sprach: »Wenn Eure Hoheit nur wirklich die Musik recht lieben, so kann aus dem Staate Tsi noch etwas werden. Ob es alte oder neue Musik Wörtlich: »Die heutige Musik ist wie (yu »von« hier = yu »wie«) die alte Musik.« Diese Konnivenz gegen die Schwäche des Königs unter dem Gesichtspunkt »der Zweck heiligt das Mittel« unterschied den Mong von Kung. Die neue Musik ist unzweifelhaft die Musik von Dschong, die Kung verhaßt ist (vgl. Lun Yü XV, 10). Mong Dsï geht im Verlauf des Gesprächs dazu über, das Zeichen yo »Musik« in seiner anderen Bedeutung (lo = Freude) zu gebrauchen, eine sophistische Spielerei, die einigermaßen an die Sophisten in Liä Dsï II, 21 erinnert. Selbstverständlich ist auf seiten Mongs der größere moralische Ernst. ist, darauf kommt es dabei nicht an.«

Der König sprach: »Kann man etwas Näheres darüber hören?«

Mong Dsï sprach: »Was macht mehr Freude: die Musik einsam zu genießen oder sie mit andern gemeinsam zu genießen?«

Der König sprach: »Schöner ist's mit andern gemeinsam.«

Mong Dsï sprach: »Was macht mehr Freude: die Musik mit wenigen oder mit vielen gemeinsam zu genießen?«

Der König sprach: »Schöner ist's mit vielen.«

Mong Dsï sprach: »Ich bitte mit Eurer Hoheit über wahre Freude an der Musik reden zu dürfen. Wenn z. B. ein König Musik macht und die Leute, die den Klang der Glocken und Pauken und die Töne der Flöten und Pfeifen vernehmen, mit schmerzendem Kopf und mit umflorter Stimme Wörtlich: »Mit verstopfter Nase«. Dies wird meist übersetzt: »Mit zusammengezogenen Brauen«. Wir schließen uns an die Deutung von Man Si Ho an. zueinander sprechen: ›Weshalb doch bringt die Liebe unseres Königs zur Musik uns in diese äußerste Not, also daß Vater und Sohn sich nimmer sehen, daß Brüder, Weib und Kind getrennt und zerstreut sind?‹ oder wenn z. B. ein König eine Jagd abhält und die Leute, die den Lärm der Wagen und Pferde hören und die schmucken Fahnen und Banner sehen, mit schmerzendem Kopf und mit umflorter Stimme zueinander sprechen: ›Weshalb doch bringt die Liebe unseres Königs zur Jagd uns in diese äußerste Not, also daß Vater und Sohn sich nimmer sehen, daß Brüder, Weib und Kind getrennt und zerstreut sind?‹ so hat das keinen anderen Grund, als daß er nicht versteht, mit seinem Volk seine Freuden zu teilen. Wenn aber z. B. ein König Musik macht und die Leute, die den Klang der Glocken und Pauken und die Töne der Flöten und Pfeifen vernehmen, mit fröhlichen Herzen und heiteren Mienen zueinander sprechen: ›Unser König scheint gesund und wohl zu sein, daß er so musizieren kann‹; oder wenn z. B. ein König eine Jagd abhält und die Leute, die den Lärm der Wagen und Pferde hören und die schmucken Fahnen und Banner sehen, alle mit fröhlichen Herzen und heiteren Mienen zueinander sprechen: ›Unser König scheint gesund und wohl zu sein, daß er so jagen kann‹; so hat das keinen andern Grund, als daß er mit dem Volk seine Freuden zu teilen versteht. Ein König nun, der mit seinem Volke seine Freuden teilt, der wird der König der Welt.«

2. Der königliche Park

König Süan von Tsi fragte den Mong Dsï und sprach: »König Wens Vgl. I, A, 2. Park soll 70 Geviertmeilen groß gewesen sein. Ist das wahr?«

Mong Dsï erwiderte und sprach: »Die Überlieferung hat es so.«

Der König sprach: »War er wirklich so groß?«

Mong Dsï sprach: »Ja, und dem Volk war er doch noch zu klein.«

Der König sprach: »Mein Park ist nur 40 Geviertmeilen groß, und dem Volk ist er dennoch zu groß. Wie kommt das nur?«

Mong Dsï sprach: »König Wens Park war 70 Geviertmeilen groß, aber wer Gras oder Reisig sammeln wollte, durfte hinein; wer sich einen Fasan oder einen Hasen schießen wollte, durfte hinein. So besaß er ihn mit seinem Volk gemeinsam, und daher war es ganz in der Ordnung, daß er dem Volk zu klein war. Als ich an die Grenzen Eures Reiches kam, da erkundigte ich mich erst nach den wichtigsten staatlichen Verboten, ehe ich wagte einzutreten. Ich vernahm, daß innerhalb des Vorstadtbezirks ein Park sei, 40 Geviertmeilen groß. Wer darin einen Hirsch oder ein Reh töte, der werde bestraft, als habe er einen Menschen getötet. Auf diese Weise sind die 40 Geviertmeilen eine große Fallgrube mitten im Land. Daß das den Leuten zu groß ist, ist das nicht auch ganz in der Ordnung?«

3. Die Liebe zur Tatkraft

König Süan von Tsi befragte den Mong Dsï und sprach: »Gibt's eine Norm für den Verkehr mit Nachbarstaaten?«

Mong Dsï erwiderte: »Gewiß! Entweder man muß gütig sein, damit man als Großer dem Kleinen dienen kann. Huf diese Weise hat Tang Über den hier erwähnten Vorfall vgl. III, B, 5, wo die Sache ausführlich erzählt ist. dem Go gedient und König Wen Von den chinesischen Kommentaren wird auf Schï Ging III, 1, 3, v. 8 verwiesen. Sie sind sich über den historischen Hergang nicht ganz einig. Offenbar handelt es sich um eine Etappe auf dem Wege des Hauses Dschou vom barbarischen Westen herein nach China. den Kun-Barbaren. Oder man muß weise sein, damit man als Kleiner dem Großen dienen kann. Auf diese Weise hat der Große König Über den »Großen König«, den Großvater des Königs Wen, s. Abschnitt 15. den Hunnen gedient und Gou Tsiän Gou Tsiän war ein König des Staates Yüo, der mit Wu im Kampfe lag, und als er besiegt wurde, sich selbst als Diener dem König von Wu anbot. dem Staate Wu. Wer als Großer einem Kleinen dienen kann, ist fröhlich in Gott Chinesisch: tiän Himmel. Hier ist die Übersetzung mit »Gott« das unmittelbar Gegebene, zumal da sich auch sonst in der alten chinesischen Literatur Instanzen dafür finden. Vgl. zur Sache Laotse, Taoteking, Abschn. 61.; wer als Kleiner einem Großen dienen kann, der fürchtet Gott. Wer fröhlich ist in Gott, vermag die Welt zu schirmen; wer Gott fürchtet, vermag sein Reich zu schirmen. Im Buch der Lieder Schï Ging IV, 1,1. steht:

›Ich fürchte Gottes Majestät,
Um seine Gunst mir zu bewahren.‹«

Der König sprach: »Das ist fürwahr ein großes Wort. Aber ich habe einen Fehler: ich liebe die Tatkraft.«

Mong Dsï erwiderte: »Ich bitte Eure Hoheit, nicht kleinliche Tatkraft zu lieben Auch hier wieder eine Instanz für die pädagogische Anpassung des Mong an die Äußerungen der Fürsten, die er beeinflussen will.. Ans Schwert zu schlagen und mit wilden Blicken zu sprechen: wie darf der Kerl es wagen, mir entgegenzutreten! Das ist die Tatkraft des kleinen Mannes, der sich mit einem einzelnen herumschlägt. Ich bitte Eure Hoheit, die Sache größer zu fassen. Im Buch der Lieder Schï Ging III, 1,7, v. 5. Übersetzung von Strauß. heißt es:

›Der König, zürnend aufgefahren,
In Ordnung stellt er seine Scharen,
Zu wehren eingedrung'nen Scharen,
Dschous Wohl zu sichern vor Gefahren
Und allem Reich entsprechend zu gebaren.‹

Das war die Tatkraft des Königs Wen. Der König Wen brauchte nur ein einziges Mal zu zürnen, um allem Volke auf Erden Frieden zu geben.

Das Urkundenbuch Vgl. Schu Ging V, 1, Abschnitt 1, 7. Doch ist der Text bei Mong sehr stark abweichend. sagt:

›Als der Himmel die Menschen geschaffen, da machte er ihnen Herrscher, da machte er ihnen Lehrer. Seine Absicht war, daß sie Gehilfen Gottes seien, darum verlieh er ihnen die Länder der Welt. Schuld oder Unschuld ruht allein auf ihnen. Wer wagt auf Erden ihren Willen zu mißachten?‹

Daß ein Tyrann als einzelner der ganzen Welt sich entgegensetze, empfand König Wu König Wu, der Sohn des Königs Wen von Dschou, der die Herrschaft über das Reich tatsächlich angetreten hat unter Beseitigung des Dschou Sin, des Tyrannen aus der Yindynastie. als Schmach. Das war die Tatkraft des Königs Wu. Der König Wu brauchte nur ein einziges Mal zu zürnen, um allem Volk auf Erden Frieden zu geben. Wenn nun Eure Hoheit auch nur ein einziges Mal zu zürnen braucht, um allem Volk auf Erden Frieden zu geben, so wird das Volk nur darum besorgt sein, daß Eure Hoheit etwa die Tatkraft nicht lieben möchte.«

4. Im Schneepalast

Der König Süan von Tsi empfing den Mong Dsï im Schneepalast Der Ort dieses Palastes wird heute noch gezeigt in Tsingdschou-fu in Schantung. Ob mit Recht oder nicht, ist schwer zu entscheiden.. Der König sprach: »Hat der Weise auch eine Freude an solchen Dingen?«

Mong Dsï erwiderte: »Gewiß! Es gibt Leute, die tadeln ihre Herren, wenn sie selbst solche Dinge nicht haben können. Wer seinen Herren tadelt, weil er solche Dinge nicht bekommt, der ist zu tadeln. Ein Herr des Volkes aber, der seine Freuden nicht mit seinem Volke teilt, ist ebenfalls zu tadeln. Wenn ein Fürst teilnimmt an den Freuden seines Volkes, so wird das Volk auch teilnehmen an seinen Freuden. Wenn ein Fürst teilnimmt an den Leiden seines Volkes, so wird das Volk auch teilnehmen an seinen Leiden. Daß einer, der sich freut mit der ganzen Welt und leidet mit der ganzen Welt, nicht König der Welt würde, das ist noch nie geschehen ... Im Folgenden kommt ein Abschnitt aus »Yän Dsï Tschun Tsiu« über eine Unterredung des Fürsten Ging von Tsi mit seinem Minister Yän Dsï, der hier wahrscheinlich interpoliert ist.«

5. Das Lichtschloß. Liebe zum Besitz und zur Frauenschönheit

König Süan von Tsi befragte den Mong Dsï und sprach: »Jedermann rät mir, das Lichtschloß Ming Tang »die lichte Halle« am Fuße des Taischan war zur Dschouzeit als kaiserliches Absteigequartier und Audienzhalle erbaut. Außer diesem Lichtschloß gab es noch vier andere am Fuße der anderen heiligen Berge. Dort wurde auch der König Wen verehrt. Vgl. Hiau Ging. Der König von Tsi hatte den Platz erobert. Man riet ihm, das Lichtschloß abzureißen, einerseits um nicht einen Rest kaiserlicher Würde in seinen Grenzen zu haben, andererseits um nicht als Usurpator zu erscheinen, wenn er ein Kaiserschloß für sich benutze. Mong ist in letzterer Hinsicht ganz ohne Skrupel und weicht weit ab von Kung. abzubrechen. Soll ich es nun abbrechen oder soll ich es sein lassen?«

Mong Dsï erwiderte: »Das Lichtschloß ist eines großen Königs Schloß. Wenn Eure Hoheit als König der Welt herrschen wollen, so braucht Ihr es nicht abzubrechen.«

Der König sprach: »Darf man hören, wie man als König der Welt herrschen muß?«

Mong Dsï erwiderte: »König Wen herrschte einstens über das Land Ki. Da brauchten die Bauern nur ein Neuntel des Landes für ihn zu pflügen. Die Familien der Staatsdiener behielten ein dauerndes Einkommen. An den Grenzpässen und auf den Märkten wurde eine regelmäßige Aufsicht geübt, doch keine Abgaben erhoben. Fischfang und Jagd waren unbehindert. Verbrechen wurden nicht an den Angehörigen geahndet.

Ein alter Mann, der keine Gattin mehr hat, heißt ein Witwer; eine alte Frau, die keinen Gatten mehr hat, heißt eine Witwe; alte Leute ohne Söhne heißen Einsame; junge Kinder ohne Vater heißen Waisen. Diese vier sind die Elendesten unter allen Menschen, denn sie haben niemand, bei dem sie Hilfe suchen können. Der König Wen ließ bei der Ausübung der Herrschaft Milde walten. Darum sorgte er zuerst für diese Vier. Im Buch der Lieder Schï Ging II, 4, 8. v. 13 mit einer kleinen Abweichung. heißt es:

›Und halten's noch die Reichen aus, –
Weh', wer allein steht und verlassen.‹«

Der König sprach: »Fürwahr, trefflich sind diese Worte!«

Mong Dsï sprach: »Wenn sie Eurer Hoheit trefflich scheinen, warum tut Ihr nicht danach?«

Der König sprach: »Ich habe einen Fehler; ich liebe den Besitz.«

Mong Dsï erwiderte: »Der Herzog Liu Der Herzog Liu war der eigentliche Begründer des Hauses Dschou. liebte einst auch den Besitz. Im Buch der Lieder Schï Ging III, 11, 4. Übersetzung von Strauß. heißt es von ihm:

›Er sammelte, bewahrte auf,
Dörrfleisch, Getreide kam zuhauf.
In Beuteln, Säcken hob man's auf.
Durch Einung wollt er Ruhm erteilen.
Bewehrt mit Bogen und mit Pfeilen,
Mit Schilden, Speeren, Äxten, Beilen,
Macht er sich fertig, fortzueilen.‹

So hatten die Zurückbleibenden gefüllte Scheunen, und die Ausziehenden hatten Mundvorrat. Darauf erst konnte er sich daran machen, auszuziehen. Wenn Eure Hoheit den Besitz lieben, so teilt ihn mit Euren Leuten. Dann ist das kein Hindernis dafür, König der Welt zu werden.«

Der König sprach: »Ich habe noch einen Fehler; ich liebe die Frauenschönheit.«

Mong Dsï erwiderte: »Der Große König Vgl. Abschnitt 15. liebte einst auch die Frauenschönheit, und er war infolge davon seiner Gattin zugetan. Im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging III, 1, 3 v. 2. Übersetzung von Strauß. Dan Fu ist der Name des »Großen Königs«. Seine Frau war eine geborene Giang. Hier ist uns ein sehr lebhaftes Bild vom Eindringen der Dschou in China erhalten. heißt es von ihm:

›Altfürst Dan Fu, beim Morgengrauen
Auf flücht'gem Roßgespann zu schauen,
Kam längs der Westgewässer Auen
Bis an des Ki-Bergs untre Gauen;
Da kam er hin mit Giang, der Frauen,
Um dort mit ihr sich anzubauen.‹

Zu jenen Zeiten gab's in den inneren Gemächern Empfehlung der Monogamie für einen Fürsten, wie sie in der chinesischen Literatur nicht häufig ist. keine unbefriedigten Frauen und draußen keine ledigen Männer. Wenn Eure Hoheit Frauenschönheit lieben, dann laßt Eure Leute auch ihr Teil haben. Dann ist das kein Hindernis dafür, König der Welt zu werden.«

6. Der König in Verlegenheit

Mong Dsï redete mit dem König Süan von Tsi und sprach: »Wenn unter Euren Dienern einer ist, der Weib und Kind seinem Freunde anvertraute und auf Reisen ging in ferne Lande Wörtlich: nach Tschu., und wenn er heimkommt, da hat der andere seine Frau und Kinder frieren und hungern lassen: was soll mit jenem Mann geschehen?«

Der König sprach: »Er soll verworfen werden.«

Mong Dsï fuhr fort: »Wenn der Kerkermeister Vgl. Dschou Li, Herbstbeamte, wo das Amt genannt ist. nicht imstande ist, seinen Kerker in Ordnung zu halten, was soll mit ihm geschehen?«

Der König sprach: »Er soll entlassen werden!«

Mong Dsï fuhr fort: »Wenn Unordnung im ganzen Lande herrscht, was soll da geschehen?«

Der König wandte sich zu seinem Gefolge Das Gefolge (die »Rechts und Links«) stand ein wenig hinter dem König, daher der Ausdruck »gu« = »nach rückwärts sehen«. und redete von anderen Dingen.

7. Mitwirkung des Volks bei der Regierung

Mong Dsï trat vor den König Süan von Tsi und sprach: »Wenn man von einem alten Reiche spricht, so meint man damit nicht, daß hohe Bäume drinnen sind, sondern daß es Diener hat, die ihre Erfahrung vererben. Eure Hoheit haben keine vertrauten Diener. Von denen, die gestern vor Euch standen, wußtet Ihr nicht, daß sie heute schon entlassen sein würden Umstellung der grammatikalischen Struktur: »gin jï bu dschï ki wang yä« für »bu dschï ki gin jï dschï wang«. Diese Umstellung kommt zuweilen vor.

Der König sprach: »Wie konnte ich wissen, daß sie unfähig waren, so daß ich mich fern von ihnen hätte halten können?«

Mong Dsï sprach: »Der Landesfürst muß die Würdigen befördern, gleich als könnte es gar nicht anders sein. Nur mit größter Vorsicht darf er einen Niedrigen einem Höheren vorziehen, einen Fremden einem Vertrauten vorziehen. Wenn alle Höflinge von einem sagen: er ist würdig, so genügt das noch nicht; wenn alle Minister sagen: er ist würdig, so genügt das noch nicht; wenn alle Leute im Reiche sagen: er ist würdig, dann erst mag der Fürst ihn prüfen, und wenn er selber sieht, daß er würdig ist, dann mag er ihn berufen. Wenn alle Höflinge von einem sagen: er ist unbrauchbar, so höre man nicht darauf; wenn alle Minister sagen: er ist unbrauchbar, so höre man nicht darauf; wenn alle Leute im Volke sagen: er ist unbrauchbar, dann erst mag der Fürst ihn prüfen, und wenn er selber sieht, daß er unbrauchbar ist, dann mag er ihn entfernen. Wenn alle Höflinge von einem sagen: er ist des Todes schuldig, so höre man nicht darauf; wenn alle Minister sagen: er ist des Todes schuldig, so höre man nicht darauf; wenn alle Leute im Volke sagen: er ist des Todes schuldig, dann erst mag der Fürst ihn prüfen, und wenn er selber sieht, daß er des Todes schuldig ist, dann mag er ihn töten lassen. So heißt es dann, daß die Bürger ihn getötet haben. So nur vermag man Vater Wörtlich: »Vater und Mutter«. seines Volkes zu sein.«

8. Verscherzte Königswürde

König Süan von Tsi befragte den Mong Dsï und sprach: »Es heißt, daß Tang den König Giä verbannt; daß König Wu den Dschou Sin getötet habe. Ist das wahr?«

Mong Dsï erwiderte und sprach: »Die Überlieferung hat es so.«

Der König sprach: »Geht das denn an, daß ein Diener seinen Fürsten mordet?«

Mong Dsï sprach: »Wer die Liebe raubt, ist ein Räuber; wer das Recht raubt, ist ein Schurke. Ein Schurke und Räuber ist einfach ein gemeiner Kerl. Das Urteil der Geschichte lautet, daß der gemeine Kerl Dschou Sin hingerichtet worden ist; ihr Urteil lautet nicht, daß ein Fürst ermordet worden sei« Aussprüche wie der vorliegende, die sehr radikal klingen, machen den Mong zum begünstigten Klassiker der Republik China. In Wirklichkeit liegt der Radikalismus mehr nur in der Ausdrucksweise. Sachlich ist die Bezeichnung des Dschou Sin als »gemeiner Kerl«, das heißt »Privatmann«, schon im Schu Ging vorgebildet. Über Tang und König Wu vgl. I, A, Anm. 4, und I, B, Anm. 14..

9. Notwendigkeit der Bildung als Vorbereitung für den Staatsdienst

Mong Dsï trat vor den König Süan von Tsi und sprach: »Wenn Ihr ein großes Schloß bauen wollt, so laßt Ihr den Werkmeister sicher nach großen Bäumen suchen, und wenn der Werkmeister große Bäume findet, so seid Ihr zufrieden und haltet dafür, daß sie ihren Zweck erfüllen. Wenn dann beim Bearbeiten der Zimmermann sie zu klein macht, so werdet Ihr böse und haltet dafür, daß sie ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Wenn nun ein junger Mensch sich durch Lernen darauf vorbereitet, was er, erwachsen, ausüben will, und Eure Hoheit sprechen zu ihm: ›Laß einmal dein Lernen beiseite und folge mir nach!‹ Was ist davon zu halten? Angenommen, hier wäre ein kostbarer, aber noch roher Stein, er mag zweihunderttausend Lot Das Gewicht »I« wird teils = 20 Lot, teils = 24 Lot angegeben. schwer sein, man müßte dennoch erst einen Steinschneider kommen lassen, um ihn zu schneiden und zu glätten. Wenn es sich aber um die Ordnung eines Reiches handelt, da sollte es angehen, zu sagen: ›Laß einmal dein Lernen beiseite und folge mir nach!‹? Was berechtigt dazu, es hier anders zu machen, als bei einem Edelstein, den man dem Steinschneider übergibt, um ihn zu schneiden und zu glätten?« Vgl. Lun Yü XI, 24. Der letzte Satz ist in der Form: »der Nephrit, nicht geglättet, wird kein Gerät« in den Dreizeichenklassiker, die chinesische Fibel der letzten Jahrhunderte, übergegangen. Auch hier heißt es statt »Edelstein« im Text wörtlich »Yü« = Nephrit, Jade..

10. Wann darf man einen Staat annektieren?

Der Staat Tsi hatte den Staat Yän Yän lag im Norden des Staates Tsi, in der heutigen Provinz Tschïli. angegriffen und besiegt. Da befragte der König Süan den Mong Dsï und sprach: »Die einen raten mir, den Staat Yän nicht zu annektieren, die anderen raten mir, es zu tun. Wenn ein Staat mit zehntausend Kriegswagen einen anderen gleich starken Staat angreift und ihn in fünfzig Tagen vollkommen in der Hand hat, so ist das ein Erfolg, der durch Menschenkraft allein nicht zu erreichen war. Annektiere ich ihn nicht, so wird sicher Unheil vom Himmel über mich Der Sinn ist: Daß ich mit Yän so leicht fertig geworden, das ist Gottes Finger; nehme ich den Staat nicht in Besitz, so widerstrebe ich Gottes Absicht und ziehe mir Unheil zu. Was also ist zu tun? Mong schiebt diese Anschauung zurück und stellt auch hier den Grundsatz der Volkssouveränität auf. Der Erfolg ist nur ein Zeichen der Mißstimmung des Volks von Yän gegen seinen Herrscher. Damit ist für die Frage der Berechtigung der Annexion nichts ausgesagt. Immerhin widerspricht Mong nicht in abstracto, weshalb er dann von manchen für die Handlungsweise von Tsi verantwortlich gemacht worden ist. Es handelt sich auch hier wieder um einen fehlgeschlagenen Versuch des Weisen, einem Fürsten durch seinen Rat zur Weltherrschaft zu verhelfen. Die Situation in Yän war wie folgt: Der offenbar törichte König Kuai wollte dem Großen Yau es gleich tun und gab den Thron an seinen schlechten Minister Dsï Dschï ab (314 v. Chr.). Die Unruhen, die infolge davon entstanden, benützte Tsi zu einem Überfall, der auch vollständig gelang, da die Bevölkerung von Yän auf der Seite von Tsi stand, von dem sie Befreiung erhoffte. Der Usurpator Dsï Dschï wurde in Stücke gehackt, der Ex-König Kuai getötet. Aber Tsi annektierte das Land und ließ sich viele Grausamkeiten zu Schulden kommen. Infolge davon kam es zu einem Aufstand der Bevölkerung von Yän, die übrigen Fürsten drohten sich einzumischen. Mong Dsï verließ Tsi 312 v. Chr. kommen. Wenn ich ihn nun annektiere, was dann?«

Mong Dsï erwiderte: »Wenn das Volk von Yän mit der Annexion einverstanden ist, so mögt Ihr ihn annektieren. Auch im Altertum kam diese Handlungsweise vor. König Wu ist ein Beispiel dafür. Wenn das Volk von Yän mit der Annexion nicht einverstanden ist, so annektiert ihn nicht. Im Altertum kam auch diese Handlungsweise vor. König Wen ist ein Beispiel dafür. Ihr habt mit einem Staat von zehntausend Kriegswagen einen gleich starken Staat angegriffen, und seine Einwohner brachten Speise in Körben und Suppe in Töpfen Eurem Heer entgegen aus keinem anderen Grunde, als weil sie hofften, durch Euch von einer Not befreit zu werden, so schlimm wie Wasser und Feuer. Wenn Ihr nun noch tiefere Wasser und noch heißere Feuer über sie bringt, so wird die einfache Folge sein, daß sie auch von Euch sich abwenden.«

11. Rücksicht auf das Volk des besiegten Staates

Der Staat Tsi hatte Yän angegriffen und annektiert. Da hielten die anderen Landesfürsten einen Rat, wie sie Yän zu Hilfe kämen. König Süan sprach: »Die Fürsten schmieden viele Pläne, mich anzugreifen. Wie soll ich ihnen begegnen?«

Mong Dsï erwiderte: »Ich habe wohl gehört, daß einer, der nur siebzig Meilen Land besaß, die Herrschaft über die ganze Welt in die Hand bekam. Tang ist ein Beispiel dafür. Ich habe noch nie gehört, daß einer mit tausend Meilen sich vor anderen fürchtet.

Im Buch der Urkunden heißt es Schu Ging IV, II, 6. Der Text weicht etwas ab. Die hier erwähnte Geschichte ist dieselbe wie III, B, 5.: ›Sobald Tang begonnen hatte mit seinem Angriff auf Go, fiel alle Welt ihm zu. Wenn er sich nach Osten wandte und das Land unterwarf, so waren die Grenzvölker im Westen unbefriedigt. Wenn er sich nach Süden wandte und das Land unterwarf, so waren die Grenzvölker im Norden unbefriedigt. Sie alle sprachen: ›Warum nimmt er uns zuletzt dran?‹‹

Das Volk sehnte sich nach ihm, wie man sich in großer Dürre nach Wolken und Regenbogen sehnt. Die Leute gingen auf den Markt wie gewöhnlich, die Bauern unterbrachen ihre Arbeit nicht. Er richtete wohl den Fürsten hin, aber tröstete das Volk. Wie wenn ein Regen zu seiner Zeit herniedergeht, also war das Volk hocherfreut. Im Buch der Urkunden heißt es: ›Wir harren unseres Herrn. Kommt unser Herr, so werden wir wieder leben‹.

Nun hat der Herrscher von Yän sein Volk bedrückt, Eure Hoheit gingen hin und griffen ihn an. Das Volk war der Meinung, daß Ihr es retten wolltet aus Feuers- und Wassersnot. So brachten sie Essen in Körben und Suppe in Töpfen Euren Heeren entgegen. Aber wenn Ihr die kräftigen Männer tötet und die unmündigen Kinder in Bande legt; wenn Ihr den Reichstempel zerstört und seine kostbaren Geräte wegführt, wie sollte das hingehen?

Die Welt ist ohnehin in Furcht vor der Macht des Staates Tsi. Wenn Ihr nun abermals Euer Gebiet verdoppelt habt, ohne ein mildes Regiment einzuführen, so werden dadurch die Waffen der ganzen Welt gegen Euch in Bewegung gesetzt. Eure Hoheit mögen schleunigst den Befehl ausgeben, daß dem Staate Yän seine Gefangenen, alt und jung, zurückgeschickt werden und daß seine kostbaren Geräte an Ort und Stelle bleiben, darauf mit allem Volk von Yän beraten und ihm einen Fürsten setzen und dann es sich selbst überlassen. So wirds vielleicht noch möglich sein, das Unheil abzuwenden.«

12. Wie man das Volk für seine Herren günstig stimmt

Der kleine Staat Dsou Dsou ist der Heimatstaat des Mong, das heutige Dsou Hiän in Schantung. Die Begegnung fand vermutlich statt, als Mong auf dem Wege von We nach Tsi unterwegs seine Mutter in Dsou besuchte (319). lag mit dem Staate Lu in Streit. Da befragte der Herzog Mu den Mong Dsï und sprach: »Dreiunddreißig meiner Beamten sind ums Leben gekommen, und unter dem Volke fand sich niemand, der für sie zu sterben bereit war. Will ich mit Hinrichtungen vorgehen, so kann ich mit Hinrichten gar nicht fertig werden. Stehe ich von Hinrichtungen ab, so denken die Leute, sie können schadenfroh zusehen, wie ihre Vorgesetzten getötet werden, ohne etwas für ihre Rettung zu tun.«

Mong Dsï erwiderte und sprach: »In üblen Jahren und Hungerszeiten, da sah es in Eurem Volke also aus, daß die Alten und Schwachen sich in den Straßengräben vor Hunger krümmten, während die Kräftigen zerstreut waren in alle Winde. Tausende waren in dieser Not, während in den fürstlichen Scheunen Korn die Fülle war und alle Vorratskammern und Schatzhäuser voll waren. Unter den Beamten war keiner, der Euch Bericht erstattet hätte. So rücksichtslos und grausam waren die Oberen gegen das niedere Volk.

Meister Dsong hat gesagt: ›Hüte dich, hüte dich! Was von dir ausgeht, fällt auf dich zurück.‹ Diesmal nun kam für das Volk der Tag der Vergeltung. Ihr, o Fürst, habt keinen Grund, Euch zu beklagen. Übt ein mildes Regiment aus, so wird das Volk anhänglich sein an seine Oberen und für seine Vorgesetzten in den Tod gehen.«

13. Bis zum letzten Mann

Herzog Wen von Tong Tong war ein kleiner Staat zwischen Tschu im Süden und Tsi im Norden. Die hier und in den folgenden zwei Abschnitten genannten Unterhaltungen fallen wohl in das Jahr 300. befragte den Mong Dsï und sprach: »Tong ist ein kleines Land und liegt mitten zwischen den beiden Großstaaten Tsi und Tschu. Soll ich mich nun an Tsi anschließen oder an Tschu?«

Mong Dsï erwiderte: »Diese Pläne sind zu hoch für mich. Doch wenn's nicht anders sein kann: Eine Auskunft weiß ich: Macht Eure Gräben tiefer und Eure Wälle höher und verteidigt sie gemeinsam mit Eurem Volk bis zum letzten Atemzug. Wenn das Volk Euch nicht im Stiche läßt, so läßt sich das durchführen.«

14. Ubi bene, ibi patria

Herzog Wen von Tong befragte den Mong Dsï und sprach: »Der Staat Tsi ist im Begriff, den Grenzort Süo zu befestigen. Ich bin in großer Sorge. Was ist zu machen?«

Mong Dsï erwiderte und sprach: »Einst wohnte der Große König Der »Große König«, der Großvater des Königs Wen von Dschou. Vgl. zu dieser Geschichte den nächsten Abschnitt. Bin ist im Westen, der Aufenthaltsort der Dschous vor ihrer Niederlassung am Ki-Berge. im Lande Bin. Die wilden Grenzstämme machten ihre Einfälle, da verließ er das Land und ließ sich nieder am Fuße des Ki-Berges. Nicht aus freiem Willen siedelte er sich dort an, sondern der Not gehorchend. Wenn einer wirklich das Gute tut, so wird unter seinen Söhnen und Enkeln sicher einer sein, der König der Welt wird. Der Edle sorgt dafür, eine Grundlage zu schaffen und seinen Nachkommen zu hinterlassen, auf der sich weiterbauen läßt. Ob das Werk vollendet wird, das steht beim Himmel. Was gehen Euch die anderen an? Seid stark im Guten. Das ist alles.«

15. Weichen oder Bleiben

Der Herzog Wen von Tong befragte den Mong Dsï und sprach: »Tong ist ein kleiner Staat. Ich mag mir Mühe geben, wie ich will, um den großen Nachbarstaaten zu dienen, ich werde ihnen doch nicht entgehen. Was ist da zu machen?«

Mong Dsï erwiderte und sprach: »Einst wohnte der Große König im Lande Bin, und die wilden Grenzstämme machten ihre Einfälle. Da brachte er ihnen Pelze dar und Seidenzeug, doch es half ihm nichts. Da brachte er ihnen Hunde dar und Pferde, doch es half ihm nichts. Da brachte er ihnen Perlen dar und Edelsteine, doch es half ihm nichts. Darauf versammelte er die Ältesten des Landes und teilte es ihnen mit. Er sprach: ›Was jene Wilden wollen, das ist mein Land. Ich habe sagen hören: Der Edle bringt nicht durch das, wodurch er die Menschen erhalten soll, die Menschen in Schaden. Meine Kinder, was tut's, wenn ihr nun keinen Herrn mehr habt? Ich will weggehen.‹ So verließ er Bin, überstieg den Berg Liang, baute eine Stadt am Fuße des Berges Ki und wohnte daselbst. Da sprachen die Leute von Bin: ›Das ist ein guter Mensch! den dürfen wir nicht verlieren.‹ Und sie folgten ihm nach in solchen Scharen, als ginge es zu einem Markte.

Oder aber kann man sagen: ›Das Erbe der Vergangenheit muß für künftige Geschlechter gewahrt werden. Es ist nicht etwas, worüber der Einzelne frei verfügen könnte. Lieber sterben, als es preisgeben!‹

Ich bitte Eure Hoheit, unter diesen beiden Möglichkeiten zu wählen.«

16. Der Weise und der Günstling

Der Herzog Ping von Lu Diese mißglückte Begegnung mit dem Fürsten von Lu fällt in das Jahr 315. Nachdem Mong seine Mutter zum letztenmal im Jahre 318 in Tsi bei sich gesehen hatte, starb sie in Lu. Im Jahre 317 verließ Mong daher Tsi zum erstenmal wieder und ging nach Lu zur Beerdigung seiner Mutter. Dort blieb er der Sitte gemäß drei Jahre. Als die Trauerzeit zu Ende war, wollte der Fürst von Lu ihn auf den Rat seines Ministers Yüo Dschong, eines Schülers von Mong, aufsuchen, ohne jedoch seinem Günstling davon zu sagen. Der hatte die Sache jedoch bemerkt und wußte die Begegnung zu hintertreiben. Der Grund, daß Mong seine Mutter prächtiger beerdigte als seinen Vater (wörtlich: »Die zweite Beerdigung war prächtiger als die frühere«), ist nicht nur aus den hier gegebenen Instanzen nichtig, sondern vor allem, weil Mong beim Tode seines Vaters erst im dritten Jahre stand. Zu der Art, wie Mong sich mit dem Ereignis abfindet, vgl. Lun Yü VII, 22; IX, 5; XIV, 38. war im Begriff auszufahren. Da trat sein Günstling Dsang Tsang bittend zu ihm und sprach: »Wenn Eure Hoheit sonst ausfuhren, so wieset Ihr immer Eure Beamter an, wohin Ihr wolltet. Heute ist der Wagen schon angespannt, und die Beamten wissen noch nicht, wohin es geht. Darf ich darnach fragen?«

Der Herzog sprach: »Ich bin im Begriff, den Meister Mong aufzusuchen.«

Er sprach: »Wahrlich, Ihr erniedrigt Euch mit Eurem Tun, indem Ihr einem gemeinen Manne entgegengeht. Denkt Ihr, er sei ein Weiser? Ordnung und Recht geht von den Weisen aus. Aber Meister Mong hat für seine Mutter mehr getrauert als für seinen Vater. Ihr müßt ihn nicht besuchen.«

Der Herzog sagte: »Gut.«

Da trat Yüo Dschong Dsï zu dem Fürsten hinein und sprach: »Warum wollen Eure Hoheit den Mong Ko nicht besuchen?«

Er sprach: »Es hat mir jemand gesagt, daß Meister Mong für seine Mutter mehr getrauert hat als für seinen Vater, darum ging ich nicht hin, ihn aufzusuchen.«

Jener sprach: »Was meinen Eure Hoheit denn mit diesem ›mehr‹? Hat er für seinen Vater getrauert wie für einen einfachen Gelehrten und für seine Mutter wie für einen Minister? Hat er für seinen Vater nur drei Opfergefäße aufgestellt und für seine Mutter fünf?«

Der Fürst sprach: »Nein, ich meine damit, daß der Sarg und Sarkophag, die Leichenkleidung und die Grabtücher schöner waren.«

Jener sprach: »Das ist nicht ein ›mehr‹ an Trauer; das zeigt nur, daß er erst arm war und später reich.«

Yüo Dschong Dsï trat darauf vor Mong Dsï und sprach: »Ich habe dem Fürsten von Euch erzählt, und der Fürst wollte deshalb kommen, um Euch aufzusuchen. Aber unter seinen Günstlingen ist einer, namens Dsang Tsang, der hat den Fürsten verhindert. Darum ist der Fürst schließlich doch nicht gekommen.«

Mong Dsï sprach: »Wenn einer geht, so ist immer einer da, der ihn veranlaßt. Wenn einer bleibt, ist immer einer da, der ihn verhindert. Aber Gehen oder Bleiben liegt nicht in der Macht der Menschen. Daß ich den Fürsten von Lu nicht getroffen habe, ist Fügung des Himmels. Wie hätte der Sohn Dsangs es bewirken können, daß ich ihn nicht getroffen habe!«

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