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[Werke des] Mong Dsï

Mong Dsï: [Werke des] Mong Dsï - Kapitel 14
Quellenangabe
authorong Dsï
title[Werke des] Mong Dsï
publisherEugen Diederichs Verlag
printrunDrittes bis fünftes Tausend
editorRichard Wilhelm
year1921
translatorRichard Wilhelm
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160908
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Abschnitt B

1. Der Weg ist einer

Mong Dsï sprach: »Schun Die Orte, die hier für Schun angegeben werden, stimmen mit den im Schu Ging genannten nicht überein. Mong Dsï scheint hier einer anderen Tradition zu folgen, die die Tätigkeit Schuns nach Schantung verlegt. Dschu Fong wird von manchen mit dem heutigen Dschu Tschong westlich der Kiautschoubucht identifiziert; Fu Hia wäre demnach am Golf von Tschili. Eine Überlieferung verbindet die Tätigkeit Schuns auch mit Tsinanfu, der Provinzhauptstadt von Schantung, in dessen Nähe der Lischan, wo Schun gepflügt habe, gewesen sein soll. Im übrigen ist es müßig, den Details dieser Mythen nachzugehen. Daß die Dschoudynastie aus dem Westen stammt, ist allgemein anerkannt, wenn auch die Kühnheit, mit der Mong Dsï den König Wen als Westbarbaren bezeichnet, frappant ist. Sachlich hat er damit allerdings recht. ist geboren in Dschu Fong, wanderte nach Fu Hia und starb in Ming Tiau: er war ein Mann aus der Gegend der Ostbarbaren. König Wen ist geboren in Dschou am Ki-Berg, er starb in Bi Ying: er war ein Mann aus der Gegend der Westbarbaren. So waren ihre Geburtsorte über tausend Meilen voneinander entfernt, zeitlich waren sie durch über tausend Jahre voneinander getrennt. Sie erreichten ihr Ziel, im Mittleren Reich zu wirken, und sie passen zusammen wie die beiden Hälften eines Talismans Chinesisch Fu Dsïä. Es waren Erkennungszeichen, die aus zwei genau zusammenpassenden gleichen Hälften bestanden. Die Fus waren aus Bambus, sie dienten als Erkennungszeichen für Paß- und Torwächter, hier natürlich im allgemeinen Sinn genommen.. Der Heilige der alten Zeit und der Heilige der späteren Zeit sind in ihren Maßnahmen gleich.«

2. Die wahre Freundlichkeit gegen Untertanen

Als Dsï Tschan Über Dsï Tschan oder Gung-Sun Kiau, den Kanzler von Dschong, vgl. Lun Yü V, 15; Liä Dsï VI, 4; VII, 8; Dschuang Dsï V, 2. In Gia Yü (Hausgespräche) IV, 4 wird die hier vorausgesetzte Geschichte von Kung Dsï erzählt. Dsï Yu fragte den Meister über Dsï Tschans Gnädigkeit. Der antwortete, er liebte das Volk, wie eine Mutter ihre Kinder liebt, aber er vermochte die Leute nicht zu erziehen. Er setzte im Winter die Leute, die er beim Durchwaten des Flusses vor Kälte zittern sah, in seinem eigenen Wagen über, aber er sorgte nicht für ihre Belehrung. Mong Dsï führt hier offenbar den Gedanken weiter aus. Die Geschichte wird auch sonst berichtet. im Staate Dschong die Regierung führte, da setzte er auf seinem eigenen Wagen die Leute über den Dschen- und We-Fluß. Mong Dsï sprach: »Es war gut gemeint, aber er verstand sich nicht auf die Regierung. Wenn man dafür sorgt, daß in der trockenen Jahreszeit Wörtlich: »daß im elften Monat die Fußsteige fertig werden und im zwölften Monat die Wagenbrücken fertig werden«. Der elfte und zwölfte Monat nach der Rechnung der Dschouzeit ist der neunte und zehnte Monat des Hia-Kalenders, der heutzutage noch immer in China gilt, etwa Oktober und November nach europäischer Rechnung. Im Herbst, wenn die Feldarbeiten zu Ende waren, war die Zeit, die Leute zu Fronden für öffentliche Arbeiten, wie Straßen- und Brückenbau, heranzuziehen. die Brücken instand gesetzt werden, so wird den Leuten die Unannehmlichkeit, die Flüsse durchwaten zu müssen, erspart. Wenn der Edle seine Regierung in Ordnung hat, so mag er, wenn er ausgeht, die Leute ausweichen lassen. Wie kann er jeden einzelnen über den Fluß setzen? Wenn der Regierende allen Leuten zu Gefallen sein wollte, so wären die Tage nicht lang genug.«

3. Fürsten und Beamte

Mong Dsï warnte den König Süan von Tsi und sprach: »Wenn der Fürst seine Diener betrachtet als seine Hände und Füße, so betrachten die Diener ihren Fürsten als ihr Herz und Inneres. Wenn der Fürst seine Diener betrachtet als Hunde und Pferde, so betrachten seine Diener ihn wie einen fremden Menschen im Lande. Wenn der Fürst seine Diener betrachtet als Gras und Erde, so betrachten seine Diener ihn als Feind und Räuber Eine ähnliche Unterredung wird zwischen Dsï Sï, dem Enkel Kungs, und dem Fürsten Mu von Lu berichtet. Offenbar hat unsere Stelle jene andere zum Vorbild. Der überaus starke Ausspruch, mit dem Mong Dsï das Gespräch beginnt, hat ihm in neuester Zeit anläßlich der chinesischen Revolution viel Kredit gebracht. Zu Unrecht; denn für die gegenwärtige Revolution kann man sich nicht auf Mong Dsï berufen. Der Vorfall muß wohl in das Jahr 312 fallen.

Der König sprach: »Dem Brauche nach legt ein Diener auch für den Fürsten, dem er früher gedient hat, Trauer an. Was muß man tun, daß die früheren Diener um einen Trauer tragen?«

Mong Dsï sprach: »Man muß nach ihrem Rate handeln, auf ihre Worte hören, so daß Segen herabträufelt auf das Volk. Geht einer aus bestimmten Gründen weg, so läßt der Fürst ihm das Geleite geben bis über die Grenze und bereitet ihm eine freundliche Aufnahme in dem Land, wohin er geht. Erst wenn er drei Jahre weg ist ohne zurückzukehren, zieht er sein Feld und seine Wohnung ein. Das heißt der Ordnung folgen. Wer es also hält, für den tragen die früheren Diener sicher Trauer. Nun aber ist einer Diener: er rät, so handelt man nicht darnach; er redet, so hört man nicht darauf; kein Segen fließt auf das Volk herab. Geht er aus bestimmtem Grunde weg, so sucht der Fürst ihn gewaltsam festzuhalten und verfolgt ihn noch in dem Lande, wohin er geht. Am selben Tag, an dem er geht, zieht er sein Feld und seine Wohnung ein. Das heißt als Räuber und Feind handeln. Wie sollte aber jemand daran denken, für einen Feind und Räuber Trauer anzulegen?«

4. Folgen der Willkür der Fürsten

Mong Dsï sprach: »Wenn ohne Schuld ein Ritter getötet wird, so mag der hohe Adel weggehen. Wenn ohne Schuld ein Mann aus dem Volke getötet wird, so mögen die Ritter gehen Dschau Ki zitiert hierbei eine Geschichte, die in Schï Gi, Lebensgeschichte des Kung, steht: »Meister Kung war im Begriff, nach Westen zu gehen, um den Dschau Giän Dsï (den Kanzler von Dsin) zu sehen. Als er schon im Flusse angekommen war, hörte er von der Ermordung von Dou Ming Dou und Schun Hua. Er trat vor den Fluß und sagte seufzend: ›Wie schön ist es doch, dieses Wasser, und wie unendlich! Daß ich nicht hinüberkomme, ist Gottes Wille.‹ Dsï Gung eilte herbei und fragte: ›Darf ich fragen, was das heißt?‹ Meister Kung sprach: ›Dou Ming Dou und Schun Hua waren die weisesten Minister im Land ... Ich habe sagen hören: Wenn man trächtige und ungeborene Tiere tötet, so kommt das Kilin nicht auf den Anger. Wenn man die Teiche austrocknet, um die Fische zu fangen, so bringt der Drache nicht die Kraft des Lichten und Trüben in Einklang. Wenn man Nester zerstört und Eier ausnimmt, so kommt der Phönix nicht herbei ... Warum sollte nicht auch der Edle ausweichen, wo es seinesgleichen ans Leben geht?‹« Vgl. Chavannes, Se-Ma Ts'ien, Vol. V, pag. 351 ff. Übrigens hat einem anderen Bericht nach Kung Dsï sehr recht gehabt; denn er sollte auf der Überfahrt ertränkt werden.

5. Das Vorbild der Fürsten

(Wiederholung eines Teils von IV A 20).

6. Ordnung und Recht

Mong Dsï sprach: »Unordentliche Ordnung, unrechtes Recht verschmäht der große Mann.«

7. Erziehung, nicht Hochmut

Mong Dsï sprach: »Wo Männer von abgeschlossener Bildung Wörtlich: »Die Mittleren erziehen die nicht Mittleren« (die »Mittleren« sind die, die zu innerer Harmonie, zum Abschluß gekommen sind), »die Brauchbaren, Geformten erziehen die Ungeformten.« Der Sinn ist der in unserer Übersetzung gegebene. Der Abstand zwischen Festgeschnittenen und Ungezogenen wird von den letzteren dankbar anerkannt, wenn sie emporgezogen werden, wogegen es Abfall vom höchsten Maßstab ist, wenn die Vorgeschrittenen die anderen verächtlich zurückstoßen. Vgl. Laotse Taoteking 62. die Unfertigen und Unwissenden erziehen, da freuen sich die Menschen, daß sie tüchtige Väter und Brüder haben. Wenn aber die Fertigen und Gebildeten die Unfertigen und Unwissenden zurückstoßen, dann ist zwischen den Tüchtigen und Untüchtigen kein Zoll breit Abstand mehr.«

8. In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister

Mong Dsï sprach: »Nur der Mensch, der zu manchen Taten nicht fähig ist, ist fähig, Taten zu vollbringen Wörtlich: »Der Mensch (muß etwas) haben, (das er) nicht tut, dann erst mag er haben, das er tut.«

9. Vorsicht im Reden

Mong Dsï sprach: »Wer über andere Leute Übles redet, wie will der künftigem Leid entgehen Der Text ist vielleicht verderbt. Ein Vorschlag ist: »Wer es liebt, über anderer Fehler zu reden«. Andere mögliche Übersetzung: »Beim Reden über die Fehler anderer soll man sich von der Erwägung leiten lassen, was sie in Zukunft für Schaden anrichten können.«

10. Zurückhaltung des Meisters Kung

Mong Dsï sprach: »Meister Kung hielt sich fern von allen Übertriebenheiten Was hier von Kung Dsï ausgesagt ist, bezieht sich darauf, daß er fern von allem Fanatismus war. Es ist das Konziliante, das Goethe von sich aussagt.

11. Freiheit von Pedanterie

Mong Dsï sprach: »Der große Mann hält Hier kommen Stellen wie Lun Yü IV, 10 oder XIII, 20 in Betracht. Auch dieses Wort ist gegen eigensinnige Pedanterie gerichtet. Keine einzelne Tugend hat einen absoluten Selbstwert. Der absolute Wert wird nur durch die Pflichtgemäßheit der betreffenden Handlung bestimmt. sich nicht unter allen Umständen genau an seine Worte und führt nicht unter allen Umständen seine Arbeiten durch: die Pflicht allein ist es, die ihn bestimmt.«

12. Das kindliche Herz

Mong Dsï sprach: »Der große Mann bewahrt sein kindliches Herz Dschau Ki erklärt: »Der große Mann ist der, der nicht das Herz seiner Kindlein (d. i. seiner Untertanen) verliert«. Daneben gibt er jedoch auch schon die im Text akzeptierte Auffassung, die auch von Dschu Hi gestützt wird.

13. Die wahre Pietät

Mong Dsï sprach: »Die Pflege der Eltern, solange sie am Leben sind, ist noch nicht der größte Dienst. Erst das Geleite, das man den Toten gibt: das ist der größte Dienst Der Sinn ist: Die Pflege der lebenden Eltern ist selbstverständlich. Dadurch, daß man die lebenden Eltern immer vor Augen hat, wird einem diese Pflicht von selbst erleichtert. Etwaige Versehen lassen sich zu Lebzeiten der Eltern auch immer wieder gut machen. Anders bei der Bestattung der Toten. Da liegt die ganze Verantwortung auf dem Sohn, auf den die toten Eltern hilflos angewiesen sind. Was dabei versäumt wird, bleibt dauernd als Stachel im Herzen. Die Stimmung der Unwiederbringlichkeit entspricht ungefähr dem Freiligrathschen: O lieb', so lang du lieben kannst ...

14. Selbständigkeit im Forschen

Mong Dsï sprach: »Ein Edler, der tief eindringen will in die Wahrheit, strebt danach, sie selbständig zu erkennen. Hat er sie selbständig erkannt, so verweilt er bei ihr in Sicherheit. Verweilt er in Sicherheit bei ihr, so hat er sie reichlich zur Verfügung. Hat er sie reichlich zur Verfügung, so mag er nach rechts oder links greifen: immer trifft er auf ihre Quelle. Darum strebt der Edle nach selbständiger Erkenntnis.«

15. Kürze

Mong Dsï sprach: »Wenn man sich ausgebreitetes Wissen erworben und ausführlich alles besprochen hat: dann muß man dahin kommen, es kurz und bündig auszudrücken.«

16. Wie man die Menschen gewinnt

Mong Dsï sprach: »Wer durch seine Tüchtigkeit die Menschen dahin bringen will, ihn anzuerkennen, dem wird es nicht gelingen. Wer aber durch seine Tüchtigkeit den Menschen Gutes zukommen läßt, der erst wird die Welt dahin bringen, ihn anzuerkennen. Wen die Welt nicht im innersten Herzen anerkennt, dem wird es nie gelingen, König der Welt zu werden.«

17. Gefährliche Worte

Mong Dsï sprach: »Worte sind nicht wirklich Dschu Hi hat die andere Auffassung: »Worte, die nicht wahr sind, sind unheilbringend. Wahrhaft unheilbringend aber ist es, die Würdigen zu verdunkeln.« Vgl. zur Sache Lun Yü XV, 13. unheilbringend. Als wirklich unheilbringend kann nur gelten, Würdige zu verdunkeln.«

18. Das Wasser

Sü Dsï Sü Dsï = Sü Pi, der an neunter Stelle genannte Jünger. sprach: »Meister Kung hat das Wasser so sehr gelobt, indem er sagte: ›Das Wasser! Das Wasser Die Stelle bezieht sich wohl auf Lun Yü IX, 16, obwohl der Wortlaut abweicht.!‹ Was hat er am Wasser Besonderes gefunden?«

Mong Dsï sprach: »Die Quelle sprudelt Tag und Nacht ohne Aufhören, sie füllt jede Vertiefung und fließt weiter bis zum Meer. So ist es, wenn es einen Ursprung hat. Das hat der Meister als Gleichnis genommen. Wo aber kein wirklicher Ursprung ist, da sammelt sich im Hochsommer Wörtlich: »im siebten und achten Monat«. Es ist hier wieder wie in I, A, 6 die Zeitrechnung der Dschouzeit zugrunde gelegt. wohl der Regen, und alle Gräben und Kanäle sind voll. Doch kann man stehen und warten, bis alles wieder trocken ist. So schämt sich der Edle dessen, daß sein Ruhm seine Leistungen übertreffe.«

19. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier

Mong Dsï sprach: »Wie wenig ist es doch, das den Menschen von den Tieren unterscheidet. Die Masse geht darüber hinweg; der Edle hält es fest ... Hier steht in den Ausgaben der erste Satz des nachfolgenden Abschnittes, der von den folgenden durch »Mong Dsï sprach« getrennt ist. Die Bemerkung über Schun gehört aber sachlich mit dem folgenden zusammen; sie ist offenbar abgetrennt wegen der »drei Könige und vier Arbeiten« im Abschnitt über Dschou Gung. Im übrigen fehlt hier ganz sicher ein Abschnitt über Yau, um die sieben Heiligen zusammenzubringen.«

20. Die Heiligen

Mong Dsï sprach: »Schun war klar in allen Dingen und kannte die Ordnungen der Menschen. Liebe und Pflicht war für ihn ein Sollen, nicht ein Müssen Wörtlich: »Er ging auf dem Pfad von Liebe und Pflicht, nicht wollte er Liebe und Pflicht gehen machen.«.

Yü haßte süßen Wein Zur Zeit von Yau bereitete I Di Wein. Yü trank davon und fand ihn süß, darauf verbannte er I Di und verbot den Wein. Diese Geschichte ist mit ein Grund, warum Yü von den Jesuiten mit Noah identifiziert wurde. und liebte tüchtige Worte.

Tang hielt fest am Wesentlichen, er beförderte die Würdigen, woher sie auch kamen.

Der König Wen sah voll Erbarmen die Wunden des Volkes, er blickte sehnsüchtig aus nach dem Weg der Rettung, ob er ihn nicht erspähe.

Der König Wu war nicht lässig gegen die Diener in seiner Nähe und vergaß nicht die Lehensfürsten in der Ferne.

Der Fürst von Dschou gedachte es den drei Königen gleich zu tun in der Ausübung der vier Arbeiten Unter den Kommentaren herrscht viel Unklarheit, wer die drei Könige und was die vier Arbeiten seien. Dschau Ki faßt den Abschnitt: die drei Könige = die drei Dynastien (Hia, Yin, Dschou). Dagegen spricht, daß die Dschoudynastie damals ja eben erst begründet war. Die vier Arbeiten wären dann die von Yü bis König Wu genannten. Eine andere, wohl plausiblere Erklärung faßt die drei Könige als die Herrscher von Himmel, Erde und Menschen (san tsai) und die vier Arbeiten als die während der vier Jahreszeiten zu leistenden Arbeiten. Demnach wäre der Sinn: Er suchte die Kräfte der unsichtbaren und sichtbaren Welt mit den Menschen in Einklang zu bringen, um Gedeihen und Segen für das Volk zu erreichen.. Wo etwas noch nicht zusammenstimmte, da blickte er sinnend empor, die Nacht zum Tage fügend, und wenn er es glücklich erlangt hatte, dann saß er da, den Morgen erwartend Vor Ungeduld brennend es auszuführen.

21. Frühling und Herbst

Mong Dsï sprach: »Als die Spuren der heiligen Herrscher erloschen, da verstummten die Lieder. Als die Lieder verstummt waren, da entstand das Werk »Frühling und Herbst«. Die Schong-Annalen des Staates Dsin, die Tau-Wu-Annalen des Staates Tschu, die Frühlings- und Herbst-Annalen des Staates Lu waren ursprünglich von derselben Art. Die Geschichten, die darin stehen, sind die eines Herzogs Huan von Tsi und eines Herzogs Wen von Dsin, ihr Stil ist geschichtlich. Meister Kung sprach: ›Ihren Sinn erlaubte ich mir festzustellen Der Abschnitt reiht Kung unter die Heiligen der Vorzeit ein, als ungekrönten König, der durch die Frühlings- und Herbstannalen das königliche Richteramt über die Welt ausübte (vgl. III, B. 9. Der Gedankengang in den Abschnitten 20-22 ist derselbe wie dort, ein Lieblingsthema Mong Dsï's, wobei er in der Regel im Verfolg der Reihe der Heiligen auf sich selbst zu sprechen kommt). Der Sinn ist: Mit dem Verfall der Dschoudynastie infolge der Verlegung der Hauptstadt nach Lo Yang im Osten war die Sammlung der Preislieder im Schï Ging abgeschlossen. Nun kommt die Periode des »Frühlings und Herbsts« 722-481, die in den verschiedenen im Text genannten Geschichtswerken aufgezeichnet ist. Es ist die Zeit der sogenannten fünf Hegemonen, deren bedeutendste der Herzog Huan von Tsi und Herzog Wen von Dsin waren. In dieser Zeit gab es keine königliche Autorität mehr. Der ungekrönte König, der in dieser Zeit Recht und Unrecht nach königlichem Maßstab zumaß, war Konfuzius in seinen Frühlings- und Herbstannalen. Was das historische Material anlangt, so schließt er sich an die gegebenen Annalen der anderen Staaten ziemlich übereinstimmend an; was von ihm stammt, ist die Feststellung des Sinns der Ereignisse. Durch Abweichungen im Ausdruck, die er gelegentlich vornimmt, wird über die Handlungsweise der einzelnen Träger der Geschichte ein moralisches Urteil gefällt, das seinen Eindruck auf die Zeitgenossen nicht verfehlt hat. Wir sehen bei dieser Auffassung von der Hypothese Grubes ab, daß das unter dem Namen Dso Dschuan bekannte Geschichtswerk in Wirklichkeit die von Konfuzius geschriebenen Tschun-Tsiu-Annalen repräsentiere. Wir können durch Grubes Gründe, die doch gar zu sehr der Unterstützung chinesischer Quellen entbehren, nicht überzeugt werden, so anziehend der kühne Gedanke auf den ersten Blick auch scheinen mag..‹«

22. Historische Wirkungen

Mong Dsï sprach: »Der Einfluß des Edlen Die Dschu Hische Erklärung, nach der der »Edle« der Heilige auf dem Thron sein soll, der »kleine Mann« der ungekrönte Heilige, steht doch gar zu sehr im Widerspruch mit dem Sprachgebrauch. Dschau Ki erklärt: »Große Tugend und große Schlechtigkeit wirkt auf fünf Generationen hinaus«. Wir müssen gestehen, daß der Sinn des Satzes nicht ganz klar ist. Vielleicht kann zur Erklärung VII, B, 38 herangezogen werden, wo wir möglicherweise eine Rezension der hier gemachten Aufstellungen haben. Die anderen, an denen Mong sich herangebildet, sind die Schüler des Dsï ST, des Enkels von Kung, wonach Mong selbst die vierte Generation nach Kung repräsentieren würde. reicht fünf Geschlechter weit, dann hört er auf; der Einfluß des kleinen Mannes reicht fünf Geschlechter weit, dann hört er auf.

Mir war es nicht vergönnt, Schüler des Meister Kung zu sein. Ich habe durch eigenes Bemühen mich an anderen herangebildet.«

23. Sparsamkeit im Zweifelsfall

Mong Dsï sprach: »Wo man etwas annehmen mag oder auch nicht annehmen mag, ist es uneigennütziger Wörtlich: »Es schadet, d. h. beeinträchtigt die Uneigennützigkeit, etwas anzunehmen«; entsprechend in den beiden anderen Fällen., nichts anzunehmen. Wo man etwas schenken mag oder auch nicht schenken mag, da ist es rücksichtsvoller, nichts zu schenken. Wo man sterben mag oder auch nicht sterben mag, da ist es mutiger, nicht zu sterben.«

24. Die Schützen

Pang Mong Die Geschichte von Pang Mong und I, die in Tschun Tsiu Dschuan erzählt ist, erinnert an die ähnliche Geschichte in Liä Dsï V, 15 zwischen Gi Tschang und Fe We. Pang Mong und I sind als geschickte Schützen auch in Dschuang Dsï XX genannt. In Dso Dschuan Siang Gung, Jahr 14, wird ein Yin Gung To als Schüler des Yu-Gung Tscha genannt. Die dortige Geschichte ist jedoch von der hier erzählten gänzlich verschieden. hatte das Bogenschießen bei J gelernt. Als er die Kunst Js inne hatte, gedachte er, daß nunmehr auf der ganzen Welt nur J ihm überlegen sei; darauf tötete er den J.

Mong Dsï sprach: »Da trifft auch den J eine Schuld. Gung-Ming J hat zwar gesagt, er scheine unschuldig gewesen zu sein, doch wollte er damit nur sagen, daß seine Schuld verhältnismäßig geringer war; unmöglich kann man ihn von aller Schuld freisprechen.

Der Fürst von Dschong sandte den Dsï-Dscho Ju Dsï, im Staate We einzufallen; der Staat We sandte den Yu-Gung Dschï Si, ihn zu verfolgen. Dsï-Dscho Ju Dsï sprach: ›Heute bin ich plötzlich erkrankt, daß ich den Bogen nicht mehr halten kann; ich bin sicher des Todes.‹ Dann fragte er seinen Knecht: ›Wer ist's, der mich verfolgt?‹ Sein Knecht sprach: ›Es ist Yu-Gung Dschï Si.‹ Da sprach er: ›Dann werde ich am Leben bleiben.‹ Der Knecht sprach: ›Jener ist doch der beste Schütze von We. Was meint Ihr damit, daß Ihr saget: ich werde am Leben bleiben?‹ Da antwortete er: ›Jener hat das Bogenschießen gelernt bei Yin-Gung Dschï To, der aber war mein Schüler. Er war ein rechter Mann, und wen er zum Freund erkoren, der muß auch ein rechter Mann sein.‹ Als Yu-Gung Dschï Si nun herankam, fragte er: ›Meister, warum haltet Ihr den Bogen nicht in der Hand?‹ Er sprach: ›Ich bin heute plötzlich erkrankt, so daß ich den Bogen nicht halten kann.‹ Jener sprach: ›Ich habe das Schießen gelernt bei Yin-Gung Dschï To; der aber war Euer Schüler, o Meister. Ich bringe es nicht über mich, durch Eure eigne Kunst Euch zu verletzen, o Meister. Immerhin, ich bin heute hier in meines Fürsten Auftrag, den ich nicht zu übertreten wage.‹ Damit nahm er einige Pfeile hervor und schlug am Rad ihre metallne Spitze ab; er entsandte vier nach ihm, dann kehrte er um.«

25. Was mehr ist als Schönheit

Mong Dsï sprach: »Wenn eine Schönheit wie Si Schï Über die schöne Si Schï, die chinesische Helena, vgl. Dschuang Dsï II, 4; XIV, 4. ein schmutziges Kopftuch um hat, so halten sich die Leute die Nase zu, wenn sie an ihr vorüberkommen. Selbst ein häßlicher Mensch aber, wenn er fastet und badet, mag vor Gott zum Opfern treten.«

26. Die Natur

Mong Dsï sprach: »Alle Menschen auf Erden, die von der Natur reden, verstehen darunter einfach das Regelmäßige Die Worte Sing »Natur« und Gu, das »Regelmäßige«, die »Gewöhnung«, kommen in Verbindung mit Ming, das »Schicksal«, wenn auch in anderer Reihenfolge, in Liä Dsï II, 9 vor. Der Gedankengang von Mong Dsï mutet ganz modern an. Außer dem Regelmäßigen nimmt er ein Wandelbares (Li in dem in J-Ging gebrauchten Sinne) an. Die hier gegebene Ausführung ist zugleich eine Verteidigung gegen die taoistische Verachtung des Wissens. Mong Dsï hält dieser Verachtung, deren relative Berechtigung er bei den sophistischen Spitzfindigkeiten der Zeit vollkommen anerkennt, ein anderes Ideal des Wissens, das sozusagen dem Natürlichen, der Linie des geringsten Widerstandes folgt, entgegen. Damit kommt er dem Tao sehr nahe.. Aber das Regelmäßige hat zu seiner Wurzel die Anpassungsfähigkeit. Was die Wissenden verächtlich macht, ist ihre Verbohrtheit. Wenn die Wissenden es machten wie Yü, als er den Wassern ihren Lauf gab, so wäre nichts Verächtliches an ihrem Wissen. Yü gab den Wassern dadurch ihren Lauf, daß er sie dahin laufen ließ, wo sie keinen Widerstand fanden. Wenn die Wissenden auch dem Weg folgten, der keinen Widerstand bietet, so wäre ihre Erkenntnis auch groß. Trotz der Höhe des Himmels, trotz der Ferne der Gestirne: wenn man das Gesetz ihrer Regelmäßigkeiten erfaßt hat, so kann man sich hinsetzen und auf tausend Jahre hinaus eine Sonnenwende ausrechnen.«

27. Meinungsverschiedenheit

Gung-Hang Dsï hielt die Leichenfeierlichkeiten für seinen ältesten Sohn ab. Da ging auch der Minister Wang Huan Dieser Wang Huan ist der Feind des Mong Dsï in Tsi. Der Vorgang fällt wohl in die Nähe von II, B, 6. Die Argumentation des Mong Dsï ist, daß anläßlich der Beileidsbezeugung, die auf Befehl des Königs erfolgte, Hofzeremoniell zu herrschen habe, weshalb keine Privatunterhaltungen statthaft seien. In Wirklichkeit handelt es sich bei diesem ganzen Hergang wieder um einen geschickt maskierten Hieb Mong Dsïs gegen seinen Feind. Vielleicht ist es nicht ganz zufällig, daß gerade die Regeln über das Verhalten zu Feinden sich unmittelbar anschließen. hin, sein Beileid zu bezeugen. Als er eintrat, da kamen ihm manche der Beileidbezeugenden entgegen, um mit dem Minister zu sprechen. Nachher nahten sich manche dem Platz des Ministers, um mit dem Minister zu sprechen. Mong Dsï sprach nicht mit dem Minister. Da ward der Minister mißvergnügt und sprach: »Alle Herren kamen, mit mir zu reden, nur Mong Dsï allein redete nicht mit mir, er mißachtet mich.«

Mong Dsï hörte es und sprach: »Die Sitte will es, daß man bei Hofe nicht aus der Reihe tritt, um miteinander zu reden, noch daß man hinauf- oder hinuntersteigt, um einander zu begrüßen. Ich wollte dieser Sitte folgen, und Wang Huan denkt darum, ich mißachte ihn. Ist das nicht seltsam?«

28. Verhalten zu Feinden

Mong Dsï sprach: »Wodurch der Edle sich von andern Menschen unterscheidet, ist das, was er im Herzen hegt. Er hegt Gütigkeit im Herzen, er hegt Anstand im Herzen. Der Gütige liebt die Menschen; wer Anstand hat, achtet die Menschen. Wer andre liebt, den lieben die andern immer auch wieder. Ist nun einer da, der mich quer und unfreundlich behandelt, so werde ich, wenn ich edel denke, sicher in mich gehen und mich fragen: Sicher war ich nicht gütig, sicher habe ich den Anstand verletzt. Warum nur mußte das mir zustoßen? Wenn ich in mich gegangen und gütig bin, wenn ich in mich gegangen bin und Anstand habe, und jener fährt fort, mich quer und unfreundlich zu behandeln, so werde ich als Edler sicher in mich gehen und mich fragen: Sicher war ich nicht gewissenhaft. Wenn ich in mich gegangen und gewissenhaft bin, und jener fährt fort, mich quer und unfreundlich zu behandeln, so werde ich als Edler sagen: Dieser Mensch weiß nicht, was er tut. Damit steht er für mich einem Tiere gleich. Was wollte ich aber mit einem Tiere mir für Schwierigkeiten machen?

Darum ist der Edle sein Leben lang besorgt, aber er ist nicht einen Morgen lang betrübt. Was seine Sorge anlangt, so ist es die: Schun war ein Mensch, ich bin auch ein Mensch. Schun war ein Vorbild für die Welt, würdig, auf späte Geschlechter überliefert zu werden. Und ich habe es noch nicht weiter gebracht als ein gewöhnlicher Mensch? Darüber mag man sich sorgen. Man sorge sich darum, wie man werde gleich Schun, und über nichts mehr.

Aber etwas, das den Edlen betrüben könnte, gibt es nicht. Was nicht der Gütigkeit entspringt, das tut er nicht; wie es nicht dem Anstand entspricht, so handelt er nicht. Und wenn er dann doch auf eines Morgens Dauer Betrübnis hätte, so ist der Edle nicht betrübt darüber.«

29. Heilige in verschiedener Lage

Yü und Dsï Über den Großen Yü und Dsï (Hou Dsï) spricht der Jünger Nan Gung Go in Lun Yü XIV, 6. Über Yüs Einfachheit redet Kung lobend in Lun Yü VIII, 21. Keine der Stellen stimmt mit den hier zitierten Stellen überein. Die Schilderung des Lebens des Yän Hui findet sich mit einigen textlichen Abweichungen in Lun Yü VI, 9. Das Gleichnis von den beiden Schlägereien ist so zu deuten, daß Yü und Hou Dsï, die durch ihre Stellung verpflichtet waren, für das Volk zu sorgen, im Rechte waren, als sie alles andere über ihrer Arbeit vergaßen. Yän Hui aber, der kein Amt hatte, hatte durch aufgedrungene Hilfe in einem Fall, der ihn nichts anging, nur Mißtrauen erregt. Vgl. dazu Lun Yü VII, 10. Zum Bild ist zu bemerken, daß im alten China das Haar auf dem Kopf in einen Knoten geschlungen war, in dem der Hut durch einen Pfeil befestigt war. An der Seite des Hutes hingen geflochtene Bänder herab, die unter dem Kinn gebunden werden konnten. lebten in geordneten Zeiten. Dreimal kamen sie an ihrer Tür vorbei und traten nicht ein. Meister Kung pries sie darob. Yän Hui Über den Großen Yü und Dsï (Hou Dsï) spricht der Jünger Nan Gung Go in Lun Yü XIV, 6. Über Yüs Einfachheit redet Kung lobend in Lun Yü VIII, 21. Keine der Stellen stimmt mit den hier zitierten Stellen überein. Die Schilderung des Lebens des Yän Hui findet sich mit einigen textlichen Abweichungen in Lun Yü VI, 9. Das Gleichnis von den beiden Schlägereien ist so zu deuten, daß Yü und Hou Dsï, die durch ihre Stellung verpflichtet waren, für das Volk zu sorgen, im Rechte waren, als sie alles andere über ihrer Arbeit vergaßen. Yän Hui aber, der kein Amt hatte, hatte durch aufgedrungene Hilfe in einem Fall, der ihn nichts anging, nur Mißtrauen erregt. Vgl. dazu Lun Yü VII, 10. Zum Bild ist zu bemerken, daß im alten China das Haar auf dem Kopf in einen Knoten geschlungen war, in dem der Hut durch einen Pfeil befestigt war. An der Seite des Hutes hingen geflochtene Bänder herab, die unter dem Kinn gebunden werden konnten. lebte in wirren Zeiten. Er wohnte in einer elenden Gasse, eine Holzschüssel zum Essen, eine Kürbisschale zum Trinken; andere konnten seine trostlose Lage nicht mit ansehen. Aber Yän Hui ließ sich seine Fröhlichkeit nicht rauben. Meister Kung pries ihn darob.

Mong Dsï sprach: »Yü und Dsï und Yän Hui stimmten in den Grundsätzen überein. Wenn irgendwo auf Erden Menschen in Wassersnot waren, so war es Yü, als sei er selbst in Wassersnot. Wenn irgendwo auf Erden Menschen in Hungersnot waren, so war es Dsï, als sei er selbst in Hungersnot. Darum waren sie so eifrig. Wenn Yü und Dsï und Yän Hui ihre Stellen vertauscht hätten, hätte jeder ebenso gehandelt.

Es verhält sich im einen Fall, wie wenn im selben Haus mit uns eine Schlägerei ausbricht. Man kommt zu Hilfe. Man braucht sich nicht erst Zeit zu nehmen, Haar und Kopfbedeckung in Ordnung zu bringen, ehe man zu Hilfe kommt. Im andern Fall ist es, wie wenn in der Nachbarschaft irgendwo eine Schlägerei ist. Wollte man da mit aufgelöstem Haar und ungeordneter Kopfbedeckung hingehen, um zu Hilfe zu kommen, man würde nur Argwohn erregen. Eher mag man die Tür vor dem Lärm schließen.«

30. Entfremdung zwischen Vater und Sohn ohne Pietätlosigkeit

Gung-Du Dsï Gung-Du Dsï vgl. III, B, 9. sprach: »Kuang Dschang Kuang Dschang vgl. III, B, 10. steht durchs ganze Land im Ruf der Pietätlosigkeit. Ihr geht mit ihm zusammen, Meister, und begegnet ihm mit großer Höflichkeit. Darf ich fragen, was das bedeutet?«

Mong Dsï sprach: »Fünf Dinge Es ist bemerkenswert, daß die Aufzählung der pietätlosen Dinge von der Stelle IV, A, 26 abweicht. Über das tadelnde Richten »Anforderungen im Guten stellen« zwischen Vater und Sohn vgl. IV, A, 18. gibt es, die man gemeinhin als pietätlos bezeichnet: die erste Pietätlosigkeit ist, seine Glieder nicht zu regen und darüber die Pflege der Eltern zu vernachlässigen; die zweite Pietätlosigkeit ist, zu spielen und zu trinken und darüber die Pflege der Eltern zu vernachlässigen; die dritte Pietätlosigkeit ist, selbstsüchtig das eigene Weib und die eigenen Kinder zu bereichern und darüber die Pflege der Eltern zu vernachlässigen; die vierte Pietätlosigkeit ist, den Lüsten der Sinne zu folgen und dadurch Schande auf die Eltern zu bringen; die fünfte Pietätlosigkeit ist, sich in Waghalsigkeiten und Streitereien einzulassen und dadurch die Eltern in Gefahr zu bringen. Tut Kuang Dschang auch nur ein einziges von diesen Dingen?

Vielmehr liegt es so, daß Kuang Dschang und sein Vater einander tadeln und richten und dadurch einander nicht finden. Tadeln und richten ist zwischen Freunden am Platz. Wenn Vater und Sohn einander tadeln und richten, so beeinträchtigt es aufs schlimmste ihre Zuneigung. (Wie ernst aber Kuang Dschang das Verhältnis zu seinem Vater nimmt, das sieht man aus folgendem:) Sicherlich wäre dem Kuang Dschang ein Leben mit Weib und Kind zusammen auch angenehm gewesen. Aber weil er seinen Vater gekränkt hatte, so daß er ihm nicht mehr sich nähern konnte, verstieß er sein Weib und trennte sich von seinen Kindern und versagte sich sein Leben lang ihre liebende Fürsorge. Wenn er anders gesinnt wäre, dann erst hätte er sich wirklich versündigt. So verhält es sich mit Kuang Dschang.«

31. Verschiedene Handlungsweise bei gleichen Grundsätzen

Meister Dsong wohnte als Lehrer in Wu Tschong Die Meinungen über die Lage dieser Stadt gehen auseinander. Manche suchen sie bei Giasiang in Südwestschantung, andere im Bezirk Itschoufu.. Da brachen Räuber aus dem Süden Wörtlich: aus Yüo. Der Staat Yüo hatte den Staat Wu 473 annektiert und war so Grenznachbar von Lu geworden. ein. Jemand sagte zu ihm: »Es sind Räuber eingefallen. Wollt Ihr nicht fliehen?« Da ordnete Meister Dsong vor seinem Weggehen in seinem Hause an: »Laßt niemand in meinem Hause wohnen oder die Bäume und Sträucher beschädigen!« Als die Räuber sich zurückgezogen hatten, da sandte er Botschaft: »Setzt Haus und Mauern wieder instand! Ich werde wieder zurückkommen.«

Die Höflinge sprachen: »Nachdem man den Meister mit solcher Gewissenhaftigkeit und Achtung behandelt hat, ist er, wie die Räuber kamen, weggegangen angesichts des ganzen Volks, und erst nachdem die Räuber sich zurückgezogen, ist er wieder gekommen. Das sieht fast aus, als wäre es nicht angängig.«

Schen-Yu Hing Schen-Yu Hing war ein Schüler des Meisters Dsong. Er erklärt die Flucht des Meisters für etwas, das seiner allgemeinen Überzeugung entspreche, eine Anschauung, in der er von Mong Dsï korrigiert wird. sprach: »Das ist etwas, das ihr nicht versteht. Als einst die Familie Schen-Yu in Schwierigkeiten war mit ihren Holzhauern Nach manchen Kommentaren ist Fu Tschu ein Eigenname., da war der Meister mit siebenzig Schülern in der Nähe, ohne sich zu beteiligen.«

Dsï Sï Dsï Sï = Kung Gi, der Enkel Kungs und Schüler Dsongs, hat angeblich das Buch von Maß und Mitte (Dschung Yung) verfaßt. Er war in We (östlich) eine Zeitlang Beamter. weilte als Beamter in We. Da kamen Räuber aus Norden Wörtlich: aus Tsi.. Jemand sprach zu ihm: »Es sind Räuber eingefallen. Wollt Ihr nicht weggehen?« Dsï Sï erwiderte: »Wenn ich gehe, wer steht dann dem Fürsten bei der Verteidigung zur Seite?«

Mong Dsï sprach: »Meister Dsong und Dsï Sï hatten dieselben Grundsätze. Meister Dsong war Lehrer und geehrtes Familienhaupt. Dsï Sï war Beamter und Untergebener. Meister Dsong und Dsï Sï hätten, wenn einer an der Stelle des andern gestanden, gleich gehandelt.«

32. Kein Unterschied im Äußeren

Tschu Dsï Tschu Dsï war ein Beamter im Staate Tsi. Die Geschichte fällt wohl in die Zeit, als Mong von Liang nach Tsi kam und der König von Tsi ihn nur dem Namen nach kannte. 319 v. Chr. sprach: »Der König hat Leute ausgesandt, nach Euch zu spähen, Meister, ob Ihr wirklich anders aussehet als gewöhnliche Menschen.«

Mong Dsï sprach: »Warum sollte ich anders sein als andere Menschen? Selbst Yau und Schun waren gleich wie andere Menschen.«

33. Der erbärmliche Gatte

Es war einmal ein Mann in Tsi Zum Beginn der Geschichte, die übrigens ein Musterstück chinesischer Prosa ist, fehlt das übliche: »Mong Dsï sprach«., der hatte eine Frau und eine Nebenfrau, die waren immer zu Hause. Wenn ihr Gatte ausging, so kam er immer nach Hause satt von Wein und Fleisch. Wenn seine Frau ihn fragte, mit wem er gegessen und getrunken, so waren es lauter reiche und vornehme Leute. Eines Tages sprach die Frau zur Nebenfrau: »Wenn unser Gatte ausgeht, so kommt er immer satt von Wein und Fleisch zurück, und wenn man ihn fragt, mit wem er gegessen und getrunken, so sind es lauter reiche und vornehme Leute, und doch ist noch nie einer von den angesehenen Leuten zu uns gekommen. Ich will einmal sehen, wo unser Gatte hingeht.«

So stand sie frühe auf und schlich heimlich dem Gatten nach, wohin er gehe. In der ganzen Stadt war niemand, der stehen geblieben wäre und mit ihm geplaudert hätte. Schließlich ging er auf den Anger im Osten vor der Stadt, wo zwischen den Gräbern Leute Opfer darbrachten. Die bettelte er um die Überreste an. Hatte er noch nicht genug, so blickte er sich um und ging zu einem andern. Das war die Art, wie er sich satt aß.

Seine Frau kehrte heim und erzählte es der Nebenfrau und sprach: »Zu unserem Gatten haben wir unser Leben lang hinaufgesehen, und nun macht er's so!« Dann schalt sie mit der Nebenfrau zusammen auf ihren Gatten, und sie weinten zusammen mitten im Hof. Der Gatte aber, der noch von nichts wußte, kam frohen Mutes von draußen zurück und war hochmütig gegen Frau und Nebenfrau.

Wenn man von einem höheren Standpunkt aus die Menschen betrachtet: Wie selten sind doch die Menschen, die in ihrem Streben nach Reichtum und Ehre, Vorteil und Erfolg sich so benehmen, daß ihre Frauen und Nebenfrauen nicht vor Scham über sie zusammen weinen müßten!

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