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[Werke des] Mong Dsï

Mong Dsï: [Werke des] Mong Dsï - Kapitel 13
Quellenangabe
authorong Dsï
title[Werke des] Mong Dsï
publisherEugen Diederichs Verlag
printrunDrittes bis fünftes Tausend
editorRichard Wilhelm
year1921
translatorRichard Wilhelm
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160908
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Buch IV
Li Lou

Abschnitt A

1. Die Hilfsmittel der Kultur

Mong Dsï sprach: »Selbst eines Li Lou Li Lou ist derselbe wie Li Dschu. Vgl. Liä Dsï V, 2, Dschuang Dsï VIII, 1; X; XII, 4. Ein sagenhafter Begleiter des Herrn der gelben Erde (Huang Di), der auf hundert Schritt Entfernung noch die Spitze eines Flaumhaares sah. scharfe Augen und eines Gung-Schu Gung Schu Ban aus Lu, angeblich der Sohn des Herzogs Dschau (541-510), als Musiker berühmt. Im Dienste des Staates Tschu leitete er die Belagerung der Hauptstadt von Sung, wobei er die sogenannte Wolkenleiter verwandte. Seine Kunstgriffe wurden aber durch die Gegenmaßregeln des Mo Di zunichte gemacht. Er scheint eine Art chinesischer Archimedes gewesen zu sein. Vgl. Liä Dsï VIII, 12 und namentlich den Schluß von V, 14, der merkwürdigerweise zu der Stelle hier Beziehung zu haben scheint. Geschicklichkeit können ohne Zirkel und Richtmaß keine Kreise und Quadrate fertigbringen. Selbst eines Meister Kuang Der blinde Musikmeister Kuang vom Staate Dsin aus der Zeit des Konfuzius wird auch in Liä Dsï V, 11 und in Dschuang Dsï an verschiedenen Stellen genannt. (Die Stelle Dschuang Dsï II, Anm. 7 ist zu korrigieren, ebenso wie die Schreibweise der übrigen Stellen bei Dschuang Dsï. Der Mann heißt trotzdem und endgültig Kuang und nicht Guang). Die »sechs Pfeifen« (lü) sind eigentlich zwölf, sechs »männliche« und sechs »weibliche«. Sie sollen von Huang Di erfunden sein. Es sind Röhren von genau bestimmtem Längenmaß und Kubikinhalt, die zur Bestimmung der Tonhöhe der einzelnen Noten dienten; die fünf Töne (wu Yin) heißen: Gung, Schang, Güo, Dschï, Yü. Es sind die fünf schwarzen Tasten der Fis-dur-Tonleiter. Die chinesischen Kommentare geben hier zum Teil eine ausgeführte Musiktheorie, die aber für den Zusammenhang hier belanglos ist. Gehör kann ohne Stimmpfeifen nicht die Höhe der Töne bestimmen. Selbst eines Yau und eines Schun Art kann ohne mildes Regiment die Welt nicht in Ordnung bringen. Wenn nun auch einer ein gutes Herz hat und einen guten Ruf, aber das Volk genießt nicht Segen von ihm, so kann er nicht als Vorbild für die Nachwelt dienen, darum, weil er nicht im Pfad der alten Könige wandelt. So heißt es: Gute Meinung allein genügt noch nicht zum Herrschen, aber gute Gesetze allein können sich auch nicht selber durchsetzen. Im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging III, II, 5 v. 2. heißt es:

›Ohne Hast, ohne Rast
Nach alter Sitte Brauch‹.

Daß einer, der der alten Könige Gesetze hochhielt, dennoch Fehler gemacht hätte, das ist noch nie geschehen. Während die berufenen Heiligen einerseits ihrer Augen Kraft aufs äußerste anstrengten, kamen sie ihr andrerseits zu Hilfe mit Zirkel und Richtmaß, Lot und Schnur, um ihre Werke rechteckig, rund, eben und senkrecht zu machen, und die Wirkung war unübertrefflich. Während sie ihres Gehöres Schärfe aufs äußerste anstrengten, kamen sie ihr zu Hilfe mit den Stimmpfeifen, um die Höhe der Töne festzusetzen, und die Wirkung war unübertrefflich. Während sie ihres Herzens Gedanken aufs äußerste anstrengten, gaben sie ihnen Ausdruck in einem barmherzigen Regiment Vgl. Luther »gut Regiment« = gute Regierungsweise., und ihre Güte schirmte die ganze Welt.

Darum heißt es:

›Wer hoch hinauf will, muß die Berge zum Ausgangspunkt nehmen,
wer tief hinunter will, muß die Täler zum Ausgangspunkt nehmen.‹

Wer aber regieren will und nicht den Pfad der alten Könige zum Ausgangspunkt nimmt, kann man den weise nennen?

Darum gebührt allein dem Gütigen eine hohe Stelle. Wer, selbst ungütig, an hoher Stelle weilt, der verbreitet seine Schlechtigkeit unter der Menge. Wenn der Fürst keine Ordnung in sich hat, um Maß und Richtung zu geben, so haben die Diener kein Gesetz, um sich daran zu halten. Die Höflinge werden unzuverlässig in der Ordnung, die Handwerker werden unzuverlässig im Maß, die Herren verletzen die Pflicht, die Gemeinen verletzen das Strafrecht, und der Bestand des Reichs hängt dann vom Zufall ab.

Darum heißt es:

Wenn Mauern und Wälle nicht fest sind,
Wehr und Waffen nicht zahlreich:
Das ist kein Unglück für ein Land.
Wenn Felder und Äcker sich nicht ausdehnen,
Güter und Reichtum sich nicht mehren,
Das ist kein Schade für ein Land.
Doch wenn der Fürst keinen Anstand übt,
Die Untern keine Bildung haben
Und räuberisches Volk aufkommt:
Dann steht das Ende jeden Tag bevor.

Im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging III, II, 10 v. 2, Übersetzung von Strauß. Das Lied enthält die Warnung eines Alten in schwerer Zeit. heißt es:

›Ist jetzt der Himmel so erregt,
So zeigt euch nicht so unbewegt.‹

›Unbewegt‹ ist so viel wie nachlässig: wenn man im Dienst des Herrschers die Pflicht mißachtet, in allem Tun und Lassen die Regeln der Sitte mißachtet, in Wort und Rede den Pfad der alten Könige verurteilt: das ist nachlässig.

Darum heißt es:

Seinem Herrscher Schweres zumuten, heißt ihn ehren,
Seine guten Neigungen fördern und seine verkehrten hindern, heißt ihn achten.
Zu sagen: Unser Herr ist unfähig dazu, heißt zum Räuber an ihm werden.«

2. Ideale

Mong Dsï sprach: »Zirkel und Richtmaß geben vollkommene Kreise und Quadrate; die berufenen Heiligen zeigen vollkommenes Menschentum. Wer als Herrscher seiner Herrscherpflicht genug tun will oder als Diener seiner Dienerpflicht genug tun will, beide mögen einfach Yau und Schun zum Vorbild nehmen. Wer nicht auf die Art, wie Schun dem Yau diente, seinem Herrn dient, ist einer, der seinen Herrn nicht achtet. Wer nicht auf die Art, wie Yau das Volk regierte, sein Volk regiert, ist einer, der sein Volk mißhandelt.

Meister Kung sprach: ›Nur zwei Wege gibt es: Gütigkeit und Ungütigkeit.‹ Wenn einer sein Volk bedrückt und darin schlimm ist, der zieht sich selbst den Tod und seinem Reich den Untergang zu. Treibt er es nicht ganz so schlimm, so stürzt er doch sein Leben in Gefahr und sein Reich in Verluste. Die Nachwelt nennt ihn: der ›Finstere‹ König Li »der Schreckliche« regierte von 878-842. Infolge seiner Volksbedrückung entstand Unzufriedenheit im Volk. Die Unzufriedenen ließ der König durch physiognomische Hilfsmittel herausfinden und hinrichten (vgl. die ähnliche Geschichte Liä Dsï VIII, 9). Darüber entstand ein Aufruhr, in dessen Verlauf der König, der sich nach Schantung geflüchtet, ums Leben kam. Die Regierung für den unmündigen Thronfolger, den späteren Kaiser Süan, führten zwei Verwandte des Kaisers unter dem Namen Gung Ho (Friedliches Zusammenwirken. Denselben Namen führt gegenwärtig die republikanische Staatsform in China). König Yu der »Finstere« regierte von 781-771. Er war der Sohn König Süans, verstieß seine Frau und den Thronerben und begünstigte eine Nebenfrau, der zu Liebe die Alarmfeuer angezündet wurden, weil sie über das daraufhin erfolgende Herbeieilen der Vasallen sich amüsierte. Schließlich wollte der König den rechtmäßigen Thronerben töten, da erhob sich dessen Großvater mütterlicherseits im Verein mit den westlichen Barbarenstämmen, die ins Reich eindrangen und den König töteten, ohne daß die Vasallen zu Hilfe gekommen wären. Erst nachher wurden die Eindringlinge vertrieben und der rechtmäßige Erbe als König Ping auf den Thron gesetzt., der ›Schreckliche‹ König Li »der Schreckliche« regierte von 878-842. Infolge seiner Volksbedrückung entstand Unzufriedenheit im Volk. Die Unzufriedenen ließ der König durch physiognomische Hilfsmittel herausfinden und hinrichten (vgl. die ähnliche Geschichte Liä Dsï VIII, 9). Darüber entstand ein Aufruhr, in dessen Verlauf der König, der sich nach Schantung geflüchtet, ums Leben kam. Die Regierung für den unmündigen Thronfolger, den späteren Kaiser Süan, führten zwei Verwandte des Kaisers unter dem Namen Gung Ho (Friedliches Zusammenwirken. Denselben Namen führt gegenwärtig die republikanische Staatsform in China). König Yu der »Finstere« regierte von 781-771. Er war der Sohn König Süans, verstieß seine Frau und den Thronerben und begünstigte eine Nebenfrau, der zu Liebe die Alarmfeuer angezündet wurden, weil sie über das daraufhin erfolgende Herbeieilen der Vasallen sich amüsierte. Schließlich wollte der König den rechtmäßigen Thronerben töten, da erhob sich dessen Großvater mütterlicherseits im Verein mit den westlichen Barbarenstämmen, die ins Reich eindrangen und den König töteten, ohne daß die Vasallen zu Hilfe gekommen wären. Erst nachher wurden die Eindringlinge vertrieben und der rechtmäßige Erbe als König Ping auf den Thron gesetzt., und hätte er auf hundert Geschlechter hinaus ehrfürchtige Söhne und liebevolle Enkel, sie können das nicht mehr ändern.

Das ist gemeint, wenn es im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging III, III, 1 v. 8. Die Ode ist eine Warnung an den König Li den »Schrecklichen«. Diese ist eingekleidet in die Worte des Königs Wen, mit denen er dem Tyrannen Dschou Sin der Yindynastie das warnende Exempel des Tyrannen Giä aus der Hiadynastie als Spiegel vorhält. heißt:

›Yin hat den Spiegel nah genug;
Die Zeit der Herrscher Hias hat ihn gewährt.‹«

3. Die Gründe für Steigen und Fallen der Reiche

Mong Dsï sprach: »Alle drei Herrscherhäuser haben die Herrschaft über die Welt erlangt durch Gütigkeit und haben die Herrschaft über die Welt verloren durch Ungütigkeit. Ganz ebenso verhält es sich mit Untergang und Blüte, Bestehen und Vergehen der einzelnen Staaten. Wenn der Himmelssohn nicht gütig ist, vermag er nicht das Land zwischen den vier Meeren zu wahren. Wenn ein Landesfürst nicht gütig ist, vermag er nicht die Altäre des Landes und Korns Die Altäre des Landes und Kornes – Schä Dsï – sind die Symbole der Herrschaft, wie etwa Thron und Szepter in Europa. Die Heiligtümer des hohen Adels (King und Daifu) waren ihre Ahnentempel. zu wahren; wenn Grafen und Adlige nicht gütig sind, vermögen sie nicht ihre Ahnentempel zu wahren; wenn Ritter und Volk nicht gütig sind, vermögen sie nicht ihre vier Glieder zu wahren. Wer nun Tod und Untergang haßt und dennoch sich der Ungütigkeit erfreut, der gleicht dem Manne, der Trunkenheit haßt und dennoch sich dem Wein ergibt.«

4. Wo man den Fehler suchen muß

Mong Dsï sprach: »Wer andre liebt, und sie sind ihm nicht zugetan, der prüfe seine Gütigkeit. Wer andre regiert, und sie lassen sich nicht regieren, der prüfe seine Weisheit. Wer andre ehrt und findet keine Antwort, der prüfe seine Achtung. Wer etwas wirken will und keinen Erfolg hat, der suche den Grund bei sich selber. Ist seine Person recht, so fällt die ganze Welt ihm zu« ... Hier ist das Zitat aus dem Schï Ging, das sich in II, A, 4 findet, wiederholt..

5. Welt, Staat, Familie

Mong Dsï sprach: »Man spricht beständig von Welt, Staat und Familie. Die Wurzeln des Weltreichs sind im Einzelstaat, die Wurzeln des Staates sind in der Familie. Die Wurzeln der Familie sind in der einzelnen Person Vgl. Da Hüo I.

6. Die Wurzeln der Autorität

Mong Dsï sprach: »Regieren ist nicht schwer: man darf nur keinen Anstoß erregen bei den angesehenen Häusern Bis auf den heutigen Tag sind diese angesehenen Häuser, die Schenschi (Gürtelträger, meist mit dem englischen Wort Gentry übersetzt) die Aristokratie der Bildung und des Besitzes, die Grundlage der öffentlichen Meinung.. Wen die angesehenen Häuser ehren, den ehrt das ganze Land. Wen ein Land ehrt, den ehrt die ganze Welt.

Darum:

›Stromgleich erfüllt geistiger Einfluß das Erdenrund‹.«

7. Schickt Euch in die Zeit – oder überwindet sie

Mong Dsï sprach: »Wenn die Welt in Ordnung ist, so dient der Geringe an Geist dem, der groß ist an Geist, so dient der Mann, der gering ist an Würdigkeit, dem, der groß ist an Würdigkeit. Wenn die Welt in Unordnung ist, so muß der Kleine dem Großen dienen, der Schwache dem Starken dienen. Beides ist Gesetz der Natur. Wer diesem Naturgesetz folgt, besteht; wer dem Naturgesetz widerstrebt, der vergeht.

Fürst Ging von Tsi sprach: ›Wenn man nicht vermag zu befehlen und doch auch nicht gehorchen mag, so wird man vereinsamt.‹ Obwohl daher seine Tränen flossen, gab er seine Tochter dem Prinzen von Wu Die Geschichte spielt in der Zeit des Konfuzius. Der Staat Wu unter dem Fürsten Ho Lu hatte im Sinn, Tsi anzugreifen. Herzog Ging fühlte sich dem Angriff nicht gewachsen. Daher verstand er sich mit schwerem Herzen, seine Tochter dem Kronprinzen des damals noch als barbarisch angesehenen Staates Wu (im heutigen Chekiang) zur Ehe zu geben..

Heute aber ist es so, daß kleine Staaten die großen zwar zu Lehrmeistern nehmen und doch sich schämen, ihren Befehlen zu gehorchen. Das ist gerade, wie wenn ein Junger sich schämen wollte, von seinem Meister sich etwas befehlen zu lassen.

Wenn man sich einer solchen Abhängigkeit schämt, so gibt es keinen besseren Ausweg, als König Wen zum Lehrmeister zu nehmen. Mit König Wen als Lehrmeister würde ein großes Reich in sieben Jahren die Herrschaft über die Welt in Händen haben.

Im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging III, I, 1 v. 4, 5. Übersetzung von V. von Strauß. Das Lied bezieht sich auf den Übergang der Herrschaft von dem Hause Yin auf das Haus Dschou, der dem geistigen Einfluß des Königs Wen zugeschrieben wird. heißt es:

›Die Zahl der Enkel all von Schang
Steigt mehr als hunderttausend an.
Der Höchste Herr verlieh das Amt,
Da wurden Dschou sie untertan.
Sie wurden Untertanen Dschous,
Das Amt des Himmels kann ja enden,
Und Yins Beamte eilten hin,
Trankopfer im Palast zu spenden.‹

Meister Kung sprach: ›Dem Gütigen kann man nicht mit der bloßen Mehrheit beikommen.‹ Ein Landesherr, der die Milde liebt, hat auf der ganzen Welt keinen Feind. Wer nun gerne möchte auf der Welt keinen Feind haben und doch nicht Milde übt, der gleicht dem Mann, der etwas Heißes anfassen will, ohne es vorher in Wasser zu tauchen.

Im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging III, III, 3 v. 5. heißt es:

›Wes Hand kann Glühendes erfassen,
Taucht er's zuvor in Wasser nicht?‹«

8. Sein Unheil zieht sich jeder selber zu

Mong Dsï sprach: »Ungütige lassen sich ja nicht raten! Sie halten ihre Gefahr für Sicherheit und achten ihr Unheil für Gewinn und ergötzen sich an dem, was ihnen den Untergang bringt. Wenn ungütige Fürsten sich raten ließen, so gingen nicht so viele Staaten unter und brächen nicht so viele Häuser zusammen!

Es sangen einmal ein paar Knaben:

›Ist des Flusses Wörtlich: des »Tsang Lang«, d. h. blaue Wellen. Name verschiedener Flüsse. Das Lied kommt in verschiedener Lokalisierung vor. Voraussetzung ist, daß es ehrenvoller für das Wasser ist, wenn die Mützenbänder, als wenn die Füße darin gewaschen werden. Wasser klar,
Wasch' ich meiner Mütze Bänder.
Ist des Flusses Wasser trüb',
Wasch' ich meiner Füße Sohlen.‹

Meister Kung sprach: ›Kinder, hört zu! Nur wenn es klar ist, wäscht man die Mützenbänder darin. Nur wenn es trüb ist, wäscht man die Füße darin. Es kommt allein auf das Wasser an.‹ –

Erst muß der Mensch sich selbst schänden, ehe andre ihn schänden. Erst muß ein Haus sich selbst verderben, ehe andre es verderben. Erst muß ein Reich sich selbst bekämpfen, ehe andre es bekämpfen ... Zum Schluß steht hier nochmals das Zitat aus Tai Gia, das schon in II,A,4 gebraucht war.«

9. Der Menschen Herz ist wie das Wasser

Mong Dsï sprach: »Dschou Sin und Giä haben die Weltherrschaft verloren, indem sie die Leute verloren. Sie haben die Leute verloren, indem sie ihr Herz verloren. Die Weltherrschaft zu gewinnen, gibt es einen Weg: gewinnt man die Leute, so hat man damit schon die Weltherrschaft. Die Leute zu gewinnen, gibt es einen Weg: gewinnt man ihr Herz, so hat man damit schon die Leute. Ihr Herz zu gewinnen, gibt es einen Weg: Was sie haben möchten, gib ihnen, was sie verabscheuen, tu ihnen nicht an.

Die Leute fallen einem milden Herren zu, wie das Wasser nach unten fließt, wie die Tiere in ihre Höhlen laufen. Darum: Wer der Tiefe die Fische zutreibt, ist der Otter; wer dem Dickicht die Sperlinge zutreibt, ist der Habicht, wer den Herrschern Tang und Wu die Leute zutrieb, waren Giä und Dschou Sin. Wenn heute unter den Herren der Welt einer wäre, der Milde liebte, so würden die Landesfürsten alle ihm die Leute zutreiben. Selbst wenn er wünschte, nicht König zu sein, er könnte dem Königsein nicht entgehen. Die heute das Königtum erstreben, gleichen Leuten, die für ein siebenjähriges Leiden dreijährigen Beifuß auf dem Felde suchen wollten. Hält man ihn nicht auf Vorrat, bekommt man ihn sein Lebtag nicht. Wer seinen Willen nicht auf Milde richtet, der bleibt sein Leben lang in Not und Schande und fällt zuletzt in Tod und Untergang.

Im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging III, III, 3 v. 5 (Schluß). heißt es:

›Und wie kann Einer Heilung bringen,
Wenn alles schon zusammenbricht!‹«

10. Die Verirrten

Mong Dsï sprach: »Wer sich selbst mißhandelt, dem ist nicht zu raten; wer sich selbst wegwirft, dem ist nicht zu helfen. In seinen Worten Ordnung und Recht mißachten, heißt sich selbst mißhandeln; zu sagen, ich kann nicht in der Güte verharren und der Pflicht folgen: heißt sich selbst wegwerfen. Die Gütigkeit ist die friedliche Wohnung Vgl. II, A, 7. des Menschen, die Pflicht ist der rechte Weg des Menschen. Wer diese friedliche Wohnung leer stehen läßt, statt drin zu wohnen, wer diesen rechten Weg verläßt, statt drauf zu wandeln, der ist übel daran!«

11. Das Gute liegt so nah

Mong Dsï sprach: »Der Weg ist nahe, und sie suchen ihn in der Ferne. Das Werk ist leicht, und sie suchen es in Schwierigkeiten. Wenn alle Menschen ihre Nächsten lieben und ihre Älteren ehren, so ist die Welt in Frieden.«

12. Der Weg zur Wirksamkeit

Mong Dsï sprach Vgl. Dschung Yung 20 und Gia Yü.: »Wenn die Untergebenen nicht das Vertrauen ihrer Oberen besitzen, so kann das Volk nicht in Ordnung gebracht werden. Das Vertrauen der Oberen zu gewinnen gibt's nur einen Weg: – wem seine Freunde nicht glauben, der kann nicht das Vertrauen seiner Oberen gewinnen. Den Glauben der Freunde zu gewinnen gibt's nur einen Weg: – wer nicht mit seinen Nächsten in Eintracht lebt, der kann nicht den Glauben seiner Freunde gewinnen. Mit den Nächsten in Eintracht zu leben gibt's nur einen Weg: – wer beim Insichgehen nicht wahr ist, der kann nicht mit seinen Nächsten in Eintracht leben. Sein Leben wahr zu machen gibt's nur einen Weg: – wer sich nicht klar ist über das Gute, der kann nicht wahr werden in seinem Leben. Darum: Die Wahrheit haben ist göttlich, nach Wahrheit streben ist menschlich. Wer wahr ist, wird immer Eindruck machen. Aber ein Unwahrhaftiger ist noch nie imstande gewesen, Eindruck zu machen.«

13. Der Weg über die Eltern

Mong Dsï sprach: »Be-J Be J, der Prinz von Gu Dschu, der mit seinem Bruder Schu Tsi auf den Thron verzichtet hatte, war damals, als König Wen hochkam, schon alt. Welches der Platz am Nordmeer (Golf von Tschili) war, wohin er sich zurückgezogen, ist unbestimmt. König Wen war Markgraf des Westens. war von Dschou Sin gewichen und weilte am Strande des Nordmeeres. Als er hörte, daß König Wen seine Wirksamkeit begonnen, erhob er sich und sprach: Warum nicht hingehen und mich ihm anschließen? Der Markgraf des Westens verstehe es ja, für die Alten zu sorgen. Tai Gung Tai Gung oder Tai Gung Wang (= des Großvaters Hoffnung) ist Lü Schang, der berühmte Feldherr der aufkommenden Dschoudynastie. Er soll angeblich beim Lang-Yä-Berg im Westen der Kiautschoubucht sich verborgen gehalten haben. Über seinen Übertritt in die Dienste des Königs Wen gehen viele Sagen. Eine derselben findet sich in Dschuang Dsï XXI, 8. Dort wird erzählt, wie König Wen auf der Jagd den Lü Schang erblickte, wie er ohne Angelhaken fischte. Auf Grund eines Traumes erkennt er in ihm den ihm von seinem Großvater, dem Großen Herzog, verheißenen Ratgeber. Hier bei Mong Dsï ist eine andere Version der Sage. Noch ist zu erwähnen, daß nach der Ansicht mancher Kommentare Mong diese Geschichten aus seinem Paralipomenon zum Schu Ging hat. war von Dschou Sin gewichen und weilte am Strande des Ostmeeres. Als er hörte, daß König Wen seine Wirksamkeit begonnen, erhob er sich und sprach: Warum nicht hingehen und mich ihm anschließen? Der Markgraf des Westens verstehe es ja, für die Alten zu sorgen. Diese beiden Alten waren die größten Alten auf Erden. Damit, daß sie ihm zufielen, fielen alle Väter auf Erden ihm zu. Da aber die Väter auf Erden ihm zugefallen waren, wo hätten die Söhne sonst hingehen sollen? Wenn unter den Landesfürsten einer wäre, der die Regierung führte wie König Wen: innerhalb von sieben Jahren hätte er die Herrschaft auf Erden.«

14. Wider Bereicherung harter Fürsten

Mong Dsï sprach: »Kiu Jan Kiu, Jünger Kungs. Die Geschichte steht in Lun Yü XI, 16. war im Dienst des Gi. Er brachte es nicht zuwege, dessen Art zu bessern, aber die Kornabgaben des Volkes verdoppelte er. Meister Kung sprach: ›Kiu ist kein Schüler von mir. Kinder, ihr mögt die Trommel schlagen und ihn bekämpfen.‹

Daraus ersieht man, daß, wenn ein Herr nicht milde herrscht und einer ihn dennoch bereichert, dieser Mann von Meister Kung verworfen würde. Wie erst, wenn einer für einen solchen Fürsten harte Kriege führt! Wenn er Krieg führt um Länder, so daß die Getöteten den Anger füllen! Wenn er Krieg führt um Städte, so daß die Getöteten die Stadt erfüllen! Das heißt die Erde dazu bringen, daß sie Menschenfleisch frißt. Dieser Frevel kann selbst durch den Tod nicht gesühnt werden.

Darum: Die, die tüchtig sind im Kampfe, verdienen die oberste Strafe; die, die Landesfürsten zusammenzuschließen suchen, die nächste; die, die Wildnisse roden und gierig sind nach Land, die dritte Die Verurteilung trifft die Wanderlehrer zu Mongs Zeit, die die Fürsten in allerhand Kriege stürzten.

15. Das Auge des Menschen

Mong Dsï sprach: »Nichts zeigt Tsun bestehen, auch = tscha erforschen. besser, was im Menschen ist, als das Auge Wörtlich: »die Pupille«.. Das Auge kann nichts Böses verbergen. Ist in der Brust eines Menschen alles richtig, so ist das Auge klar, steht es nicht richtig in der Brust, so ist das Auge glanzlos. Hör, was einer sagt, und sieh ihm ins Auge: Wie kann ein Mensch dir entschlüpfen Vgl. Lun Yü II, 10, wo ein anderer Weg zur Menschenkenntnis genannt ist.

16. Lächelnde Schurken

Mong Dsï sprach: »Achtung zeigt sich darin, daß man die andern nicht geringschätzt, Mäßigkeit darin, daß man den andern nichts wegnimmt. Fürsten, die die Menschen geringschätzen und berauben, sind nur besorgt, die Leute könnten ihnen nicht zu Willen sein. Wie sollten sie wirklich Achtung und Mäßigkeit besitzen! Achtung und Mäßigkeit ist doch nicht etwas, das sich allein in freundlichen Worten und lächelnden Mienen zeigt.«

17. Rettung der Welt

Schun-Yü Kun Schun-Yü Kun war ein bekannter Sophist der Zeit. Er stammte aus Tsi. Er scheint am Hofe des Königs Hui von Liang mit Mong zusammengetroffen zu sein. Weniger skrupulös als dieser hat er sich von dem Fürsten gut bezahlen lassen. Hier sucht er die Zurückhaltung des Mong zu verspotten. Doch ist ihm Mong gewachsen. sprach: »Ist es wahr, daß es die Sitte verlangt, daß ein Mann und eine Frau, wenn sie sich etwas reichen, sich nicht mit der Hand berühren dürfen?«

Mong Dsï sprach: »So ist es Sitte.«

Jener sprach: »Wenn die Schwägerin am Ertrinken ist, darf man sie dann an der Hand herausziehen?«

Mong Dsï sprach: »Wer seine Schwägerin, die am Ertrinken ist, nicht rettet, der ist ein Wolf. Daß ein Mann und eine Frau sich nicht berühren, das ist die Regel; daß einer seine Schwägerin, die am Ertrinken ist, an der Hand herauszieht, das ist die Ausnahme.«

Jener sprach: »Heutzutage ist die Welt am Ertrinken; was ist der Grund, daß Ihr, Meister, sie nicht rettet?«

Mong Dsï sprach: »Ist die Welt am Ertrinken, so muß man sie retten durch Verkündigung der Wahrheit. Eine Schwägerin, die am Ertrinken ist, kann man an der Hand herausziehen. Wollt Ihr denn, daß ich die Welt an der Hand herausziehe?«

18. Erziehungsfragen

Gung-Sun Tschou sprach: »Was ist der Grund, daß der Gebildete seinen Sohn nicht selbst unterrichtet?«

Mong Dsï sprach: »Die Verhältnisse erlauben es nicht. Der Lehrende unterweist gewiß den Schüler im Rechten. Haben die Unterweisungen im Rechten keinen Erfolg, so geht er über zur Strenge. Geht er über zur Strenge, so wird der Schüler innerlich entfremdet und denkt: Der Lehrer unterweist mich im Rechten, aber der Lehrer tut das Rechte noch nicht einmal selber. Auf diese Weise würden Vater und Sohn einander entfremdet; wenn aber Vater und Sohn einander entfremdet werden, so ist das übel. Die Alten tauschten deshalb ihre Söhne aus zum Unterrichten; denn zwischen Vater und Sohn darf es nicht zu tadelndem Richten Wörtlich: »Anforderungen im Guten«, d. h. »Anlegen moralischer Maßstäbe«, »moralische Zumutungen«. kommen. Durch solch tadelndes Richten kommen sie auseinander. Wenn Vater und Sohn auseinanderkommen: das ist das größte Unglück.«

19. Pietät

Mong Dsï sprach: »Welcher Dienst ist der größte? Der Dienst der Eltern ist der größte. Welche Verantwortung ist die größte? Die Verantwortung für die eigne Person ist die größte. Daß einer, der sich selbst nicht verliert, den Eltern zu dienen vermag, das habe ich schon gehört. Daß einer, der sich selbst verloren, den Eltern zu dienen vermag, das habe ich noch nie gehört. Was heißt nicht alles Dienst? Der Dienst der Eltern ist die Wurzel jedes Dienstes. Was heißt nicht alles Verantwortung? Die Verantwortung für sich selbst ist die Wurzel jeder Verantwortung.

Meister Dsong sorgte für seinen Vater Dsong Si Dsong Si vgl. Lun Yü. Dsong Yüan war der Sohn des Meisters Dsong. Demnach scheint Dsong Si (Buch II, A, 1) der Enkel oder ein jüngerer Sohn von Dsong Schen gewesen zu sein. so, daß allezeit Wein und Fleisch vorhanden war. Beim Abräumen fragte er stets, wem er das übrige zugedacht, und wenn der Vater fragte: ›Ist denn noch etwas übrig?‹ so bejahte er stets. Dsong Si starb, und der Sohn des Meister Dsong, Dsong Yüan, hatte nun für Meister Dsong zu sorgen. Er sorgte auch dafür, daß stets Wein und Fleisch vorhanden war. Aber beim Abräumen fragte er nicht, wem er die Überreste zugedacht, und wenn Meister Dsong fragte, ob etwas übrig sei, so sagte er nein, in der Absicht, die Reste das nächste Mal wieder aufzuwarten. Das heißt für Mund und Leib der Eltern sorgen. Was aber Meister Dsong getan hatte, das kann man Sorge für das Gemüt der Eltern nennen. Wer den Eltern dient wie Meister Dsong, der mag gelten.«

20. Der Ansatzpunkt der Staatsordnung im Fürsten

Mong Dsï sprach: »Es lohnt sich nicht, die Menschen zu tadeln; es lohnt sich nicht, die Regierung zu verurteilen. Allein der große Mann versteht es, die Fehler im Herzen des Fürsten zurecht zu bringen. Ist der Fürst erst gut, so wird alles gut. Ist der Fürst erst pflichttreu, so wird alles pflichttreu. Ist der Fürst erst recht, so wird alles recht. Sowie der Fürst zurecht gebracht ist, ist das Reich gefestigt.«

21. Ruhm und Schande sind unsicher

Mong Dsï sprach: »Oft wird einer durch eine Unbesonnenheit berühmt. Oft kommt einer dadurch, daß er alles ganz recht machen will, in Schande.«

22. Die Unverantwortlichen

Mong Dsï sprach: »Daß Leute ihre Worte leicht nehmen, kommt, wenn sie keine Verantwortung zu tragen haben.«

23. Die Aufdringlichen

Mong Dsï sprach: »Die Menschen stürzen sich in Ungemach, wenn sie als Lehrmeister der andern sich zu gebärden lieben.«

24. Besuchsregeln

Yüo-Dschong Dsï Yüo-Dschong Dsï ist der an erster Stelle genannte Jünger Mongs mit Vornamen Ko. Vgl. I, B, 16. Der hier genannte Dsï Au ist der in II, B, 6 genannte Wang Huan. Kein Wunder, daß Mong, wie aus diesem und dem folgenden Abschnitt hervorgeht, etwas eifersüchtig war. Die Geschichte fällt wohl in das Jahr 313. Yüo-Dschong war dem Wang von Lu nach Tsi gefolgt. kam in Begleitung des Dsï Au nach Tsi. Yüo-Dschong Dsï besuchte den Mong Dsï. Mong Dsï sprach: »Ach, kommt Ihr doch auch, nach mir zu sehen?«

Jener sprach: »Warum sprecht Ihr so, Meister?«

Er sprach: »Wie viele Tage seid Ihr denn schon hier?«

Antwort: »Ein paar Tage.«

Er sprach: »Nun, wenn es schon ein paar Tage sind, habe ich dann nicht ganz recht, so zu sprechen?«

Antwort: »Ich war mit meiner Wohnung noch nicht in Ordnung.«

Mong Dsï sprach: »Wo habt Ihr denn gelernt, daß man erst seine Wohnung in Ordnung bringen muß, ehe man seine älteren Freunde aufsucht?«

Jener sprach: »Ich bitte um Entschuldigung Wörtlich: »Ich habe mich verfehlt.«

25. Warnung vor Schmarotzertum

Mong Dsï sprach zu Yüo-Dschong Dsï: »Im Gefolge des Dsï Au müßt Ihr Euch beschränken auf Saufen und Fressen. Ich hätte nicht gedacht, daß Ihr dazu die Wege der Alten gelernt habt, um Euch am Ende dem Fressen und Saufen zu widmen.«

26. Warum Schun ohne Wissen seiner Eltern geheiratet

Mong Dsï sprach: »Drei Dinge Dschau Ki: »Durch parteiische Schmeicheleien die Eltern vom rechten Weg abbringen und sie dadurch gefährden: ist die erste Pietätlosigkeit; wenn die Familie arm, die Eltern alt sind, nicht um Lohn ein Amt zu übernehmen: ist die zweite Pietätlosigkeit; nicht zu heiraten und durch Kinderlosigkeit die Ahnenopfer zum Stillstand zu bringen: ist die dritte Pietätlosigkeit.« gehen gegen die Pflicht der Kindesehrfurcht: Keine Nachkommen zu haben, ist das schlimmste davon. Schun Schuns Eltern waren so böse, daß sie ihn am Heiraten gehindert hätten. Darum konnte er, gerade um der Kindespflicht willen, sie nicht fragen, ehe er die beiden Töchter Yaus heiratete. Vgl. V, A, 2. hat, ohne seinen Eltern Anzeige zu machen, geheiratet, weil er keine Nachkommen hatte. Der Edle schätzt das grade so, als hätte er Anzeige gemacht.«

27. Die Früchte

Mong Dsï sprach: »Die Frucht der Gütigkeit Hier sind die beiden Brennpunkte der konfuzianischen Ethik zusammengestellt. Ein guter Sohn und ein guter Bürger ist das, was der Konfuzianismus aus dem Menschen machen will. Was als Brüderlichkeit bezeichnet zu werden pflegt, ist eben die Gesinnung der Bescheidenheit, die sich in einen umfassenden Organismus einzufügen weiß., das ist, den Eltern zu dienen; die Frucht der Gerechtigkeit, das ist, den Brüdern zu folgen; die Frucht der Weisheit, das ist, diese beiden Dinge zu erkennen und nicht fahren zu lassen; die Frucht der Ordnungen, das ist, diese beiden Dinge in rechter Weise und in Schönheit zu tun; die Frucht der Musik Die Gleichsetzung von Musik und Freude, die im Chinesischen mit demselben Zeichen geschrieben werden, ist bei Mong Dsï überaus häufig., das ist, dieser beiden Dinge sich zu freuen. Wo Freude, da Leben; wo Leben, da Selbsttätigkeit; wo Selbsttätigkeit, da hebt sich, ohne daß man's merkt, der Fuß zum Tanze und die Hand zum Reigen.«

28. Wie Schun seinen Vater bekehrte

Mong Dsï sprach: »Nur Schun allein war so, daß, als die ganze Welt ihm freudig zufiel, diese ganze ihm freudig zufallende Welt in seinen Augen nicht mehr war als ein Büschel Stroh. Solange er es nicht erreicht hatte, in Eintracht mit seinem Vater zu leben, vermochte er sich nicht als Menschenkind zu fühlen. Schun erschöpfte alles, was er seinem Vater zuliebe tun konnte, und schließlich brachte er seinen Vater Gu Sou Gu Sou, der Blinde, oder – anders geschrieben – der blinde Greis, war der verblendete Vater Schuns, der durch dessen große Liebe schließlich bekehrt ward. zur Zufriedenheit. Als Gu Sou zufrieden gestellt war, da ward die ganze Welt bekehrt. Als Gu Sou zufrieden gestellt war, da waren auf der ganzen Welt alle Väter und Söhne im rechten Verhältnis zueinander. Das war wahrhaft große Kindesehrfurcht.«

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