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[Werke des] Mong Dsï

Mong Dsï: [Werke des] Mong Dsï - Kapitel 12
Quellenangabe
authorong Dsï
title[Werke des] Mong Dsï
publisherEugen Diederichs Verlag
printrunDrittes bis fünftes Tausend
editorRichard Wilhelm
year1921
translatorRichard Wilhelm
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160908
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Abschnitt B

1. Selbstachtung im Verkehr mit Fürsten

Tschen Dai Tschen Dai ist der im Verzeichnis von Dschau an elfter Stelle genannte Jünger des Mong. sprach zu Mong Dsï: »Der Grundsatz, die Fürsten nicht aufzusuchen, scheint mir kleinlich. Denn sobald Ihr sie aufsuchen würdet, könntet Ihr günstigen Falles einem helfen, König der Welt zu werden, zum mindesten aber dazu, daß er die Vorherrschaft im Reiche erlangt. Auch steht geschrieben Das Sprichwort kommt bei Wen Dsï und Schï Dsï vor. Vielleicht daß sich Tschen Dai auf diese Schriften bezieht.: ›Man muß auch einen Fuß breit krumm machen können, wenn man dadurch hundert Fuß gerade machen kann.‹ Es scheint mir daher, daß Ihr es wohl tun könntet.«

Mong Dsï sprach: »Einst war der Herzog Ging von Tsi auf der Jagd In Dso Tschuan wird dieses Ereignis in das Jahr 522 verlegt. Doch wird es etwas abweichend erzählt: Der Fürst von Tsi jagte in Pe. Er winkte einem Förster mit dem Bogen. Der kam nicht. Da ließ er ihn festnehmen. Er entschuldigte sich: »Unter dem seligen Herrn war es üblich, daß ein Flaggenzeichen den Ministern, ein Zeichen mit dem Bogen den Rittern, ein Zeichen mit der Pelzmütze dem Förster galt. Ich sah keine Pelzmütze, darum wagte ich nicht zu kommen.« Darauf ließ man ihn laufen.. Er winkte seinen Förster mit einer Flagge heran (während er der Ordnung nach ihm mit einer Pelzmütze hätte winken sollen). Jener kam nicht, und der Herzog hätte ihn darum beinahe töten lassen. ›Ein entschlossener Mann vergißt nie, daß er eines Tages in einem Graben oder Tümpel enden kann, ein mutiger Mann vergißt nie, daß er eines Tages um den Kopf kommen kann Dieses Zitat kommt in Han Schï Wai Dschuan vor, wo es Wu Ma Ki dem Dsï Lu gegenüber als Wort des Meisters erwähnt, nur mit Umstellung der beiden Sätze. Ein ähnlicher Ausspruch steht in Lun Yü XV, 8..‹ Was hat wohl auf den Meister Kung (als er dieses Urteil über ihn fällte) an dem Manne solchen Eindruck gemacht? Es machte Eindruck auf ihn, daß jener, ohne ordnungsgemäß berufen zu sein, nicht zu dem Fürsten ging. Wenn ich nun, ohne ordnungsgemäß berufen zu sein, hinginge: wie wäre das?

Außerdem bezieht sich das Sprichwort, daß man einen Fuß breit krümmen müsse, um hundert Fuß gerade zu machen, auf den Vorteil. Wenn es mir um Vorteil zu tun wäre, so möchte ich auch wohl hundert Fuß krümmen, um einen gerade zu machen, falls es so vorteilhaft wäre Nach anderer Auffassung ist der Sinn: »Außerdem ist die Voraussetzung dieses Sprichworts, daß es etwas nützt, wenn man einen Fuß krümmt mit der Absicht, hundert Fuß gerade zu machen. Müßte man aber hundert Fuß krümmen, um einen gerade zu machen, würde man das auch tun – selbst wenn es etwas nützte?«.

Einst gab Dschau Giän Dsï Dschau Giän Dsï war unter dem Herzog Ding Kanzler in Dsin. In Dso Dschuan ist berichtet, daß Dschau Giän Dsï im Jahre 493 den Yu Wu Sü (= Wang Liang) als Wagenlenker hatte. Über Dschau Giän Dsï vgl. Liä Dsï VIII, 27. den Wang Liang als Wagenführer seinem Günstling Hi mit auf die Jagd. Den ganzen Tag erlegte er nicht ein einziges Stück Wild. Der Günstling Hi berichtete die Sache dem Dschau Giän Dsï und sprach: ›Dieser Wang Liang ist der schlechteste Lenker auf der ganzen Welt.‹ Es wurde dem Wang Liang hinterbracht.

Wang Liang sprach: ›Ich bitte, es nochmals machen zu dürfen.‹ Mit Mühe setzte er es durch. Und an einem Morgen erlegte der Günstling nun zehn Stück Wildbret. Der Günstling Hi berichtete die Sache abermals und sprach: ›Er ist der beste Wagenlenker auf der Welt.‹

Dschau Giän Dsï sprach: ›Ich will ihn dir dauernd als Wagenlenker geben.‹ Und er redete mit Wang Liang. Aber Wang Liang lehnte ab. Er sprach: ›Als ich für ihn dem Jagdbrauch nach den Wagen lenkte, erlegte er kein einziges Stück; als ich für ihn mit List an die Tiere heranfuhr, erlegte er an einem Morgen zehn. Im Buch der Lieder Vgl. Schï Ging II, III, 5 v. 6. heißt es:

›Sie trieben an die Roß' in Eil',
Und ein Axthieb saß jeder Pfeil.‹

Ich bin nicht gewöhnt, mit einem gemeinen Manne zu fahren. Ich bitte um meine Entlassung.‹

So schämte sich ein Wagenlenker, mit einem solchen Schützen sich gemein zu machen. Selbst wenn auf diese Weise Berge von Wild erlegt worden wären: er tat es nicht. Wie könnte ich auf krummen Wegen gehen, um jenen nachzufolgen? Auch irrt Ihr Euch. Dadurch, daß einer selbst auf krummen Wegen ging, hat er noch nie die andern recht gemacht.«

2. Der rechte Mann

Ging Tschun Ging Tschun wird nicht unter den Jüngern Mongs erwähnt. Er war einer der Sophisten der Zeit; ein Werk eines »Yin Yang Gia« namens Ging wird im Hankatalog erwähnt. sprach: »Gung-Sun Yän Gung-Sun Yän war der Kriegsminister (»Rhinozeroskopf«) zur Zeit des Königs Hui (vgl. I, A, 1), 370-319, derselbe, der in Dschuang Dsï XXV, 4 genannt ist. Dschang J war der berühmte Rivale des Su Tsin in der Zeit der streitenden Reiche. Während Su Tsin den Bund der sechs Staaten unter der Führung von Tschu zusammenbrachte, wußte Dschang J, der in Tsin Minister war, seine Anschläge zu vereiteln und brachte, nachdem er in verschiedenen Staaten Minister gewesen war, einen Bund von fünf Staaten unter der Führung von Tsin zustande, während Su Tsin schon vorher erschlagen worden war. Es handelt sich um Ereignisse der letzten Jahrzehnte des vierten vorchristlichen Jahrhunderts. und Dschang J Gung-Sun Yän war der Kriegsminister (»Rhinozeroskopf«) zur Zeit des Königs Hui (vgl. I, A, 1), 370-319, derselbe, der in Dschuang Dsï XXV, 4 genannt ist. Dschang J war der berühmte Rivale des Su Tsin in der Zeit der streitenden Reiche. Während Su Tsin den Bund der sechs Staaten unter der Führung von Tschu zusammenbrachte, wußte Dschang J, der in Tsin Minister war, seine Anschläge zu vereiteln und brachte, nachdem er in verschiedenen Staaten Minister gewesen war, einen Bund von fünf Staaten unter der Führung von Tsin zustande, während Su Tsin schon vorher erschlagen worden war. Es handelt sich um Ereignisse der letzten Jahrzehnte des vierten vorchristlichen Jahrhunderts., das sind doch wahrlich große Männer! Sie brauchen nur zu zürnen, und alle Fürsten fürchten sich. Sie weilen in Frieden, und die ganze Welt kommt zur Ruhe.«

Mong Dsï sprach: »Wie kann man die als große Männer bezeichnen! Habt ihr noch nicht die Ordnungen Die Zitate der Ordnungen, die Mong Dsï hier bringt, weichen von den Bräuchen, die in I Li verzeichnet sind, wesentlich ab. Danach sprach bei der Hutübergabe nicht der Vater selbst, sondern zwei Gäste nahmen den jungen Mann in die Gemeinschaft der Erwachsenen auf. Ebensowenig begleitete die Mutter die junge Braut zur Tür des Bräutigams, sondern sie verabschiedete sich von ihr in den inneren Gemächern. Offenbar haben sich hier im Laufe der Zeit Abweichungen von den alten Bräuchen eingefunden. Die Sache ist an sich ziemlich nebensächlich. Der Sinn des Gleichnisses ist klar: Während dem jungen Manne von seinem Vater Selbständigkeit anempfohlen wird, muß das Mädchen in der neuen Familie sich anschmiegen und fügen. Ganz ebenso machten es jene gerühmten Helden, die durch Schlauheit und Schmiegsamkeit von Staat zu Staat sich durchfanden. gelernt: wenn ein Jüngling zum Manne wird und seinen Hut erhält, redet zu ihm sein Vater. Wenn ein Mädchen sich verheiratet, so redet zu ihr ihre Mutter, begleitet sie bis an die Tür und spricht die mahnenden Worte: ›Wohin du jetzt gehst, das ist deine Familie; du mußt acht haben, du mußt dich hüten, daß du deinem Manne nicht widerstrebst.‹ Der Weiber Art ist es, daß Anpassung für sie das Rechte ist.

Wer aber weilet in dem weiten Haus der Welt Dieser Abschnitt über den rechten Mann gehört mit Recht zu den berühmtesten Stücken der chinesischen Literatur. »Das weite Haus der Welt« ist die Liebe, der gerade Weg (wörtlich: die große Straße) ist die Pflicht. und in der Welt am rechten Orte steht und wandelt in der Welt auf gradem Wege; wenn's ihm gelingt, Gemeinschaft mit dem Volke hält; wenn's ihm mißlingt, dann einsam seine Straße zieht; nicht Reichtum oder Ehre kann ihn locken; nicht Armut oder Schande kann ihn schrecken; nicht Macht und Drohung kann ihn beugen: das ist ein Mann.«

3. Der rechte Weg zum Fürstendienst

Dschou Siau Dschou Siau war ein Mann aus We zur Zeit des Königs Siang. Das hier erwähnte Gespräch fällt wohl kurz nach der Audienz des Mong bei König Siang. fragte den Mong Dsï und sprach: »Sind die Edlen der alten Zeiten in Fürstendienst getreten?«

Mong Dsï sprach: »Sie haben gedient. In der Überlieferung Die betreffende Überlieferung scheint verloren zu sein. Der Satz würde im zehnten Buch der Lun Yü seine Stelle finden können. Über die verschiedenen Einführungsgaben vgl. Li Gi I, B, 3, 18. heißt es: ›Wenn Meister Kung drei Monate lang ohne Herren war, so war er beunruhigt. Und wenn er über die Grenze ging, nahm er immer Einführungsgaben mit.‹ Gung-Ming I Über Gung-Ming I ist nichts Näheres bekannt. Der Name Gung-Ming kam in We vor (vgl. Lun Yü XIV, 14). sagte: ›Wenn die Edlen der alten Zeit drei Monate ohne Herren waren, so bezeugte man ihnen Beileid.‹«

Dschou Siau sprach: »Beileid zu bezeugen, wenn einer drei Monate ohne Herrn ist, ist das nicht allzu eilig?«

Mong Dsï sprach: »Wenn ein Ritter sein Amt verliert, ist es, wie wenn ein Fürst sein Reich verliert. Im Buch der Ordnungen Das Zitat findet sich so in Li Gi nicht. Ähnliche Stellen vgl. Li Gi XXIV, 2, 5. 7 und V, 3, 9. heißt es: ›Der Fürst führt den Pflug unter Beihilfe der Diener, um die Opferhirse zu gewinnen. Seine Gemahlin zieht Seidenraupen und spinnt Seide, um Feierkleider zu bereiten. Sind die Opfertiere nicht vollkommen, ist die Hirse in den Opfergefäßen nicht rein, sind die Kleider nicht bereit, so wagt er nicht zu opfern. Hat ein Ritter kein Feld Es handelt sich hier um die Felder, die den Rittern bei ihrem Eintritt in den Dienst zugewiesen wurden, um davon die Opfer für ihre Ahnen zu bestreiten (vgl. III, A, 3). Konnten sie in Ermangelung dieses Einkommens nicht opfern, so war der ganze Gang des Lebens unterbrochen, daher Grund zum Beileid. – Die im Text noch stehenden Worte: »Ist das Schlachten des Tieres, die Geräte, die Kleider nicht bereit« stören den Zusammenhang., so opfert er auch nicht ... Wagt er nicht zu opfern, so wagt er auch kein frohes Mal zu halten.‹ Ist das nicht Grund genug zum Beileid?«

Dschou Siau fragte weiter: »Was bedeutet es, daß Meister Kung, wenn er über die Grenze ging, immer Einführungsgaben mit sich nahm?«

Mong Dsï sprach: »Für den Ritter ist der Dienst wie für den Bauern das Pflügen. Läßt ein Bauer, der über die Grenze geht, etwa Pflug und Pflugschar dahinten?«

Dschou Siau sprach: »Unser Dsin-Reich ist auch ein Beamtenstaat, aber ich habe noch nie gehört, daß es mit der Anstellung eine solche Eile hätte. Wie kommt es dann übrigens, daß der Edle, wenn er es so eilig hat, dennoch so schwer ein Amt übernimmt?«

Mong Dsï sprach: »Wird ein Knabe geboren, so wünscht man ihm ein Weib, wird ein Mädchen geboren, so wünscht man ihr einen Mann: diese elterlichen Gefühle haben alle Menschen. Wenn nun aber die jungen Leute, ohne der Eltern Willen und der Vermittler Worte abzuwarten, Löcher in die Wände bohren, um einander zu erspähen oder über die Mauern klettern, um beieinander zu sein, so werden sie von den Eltern und Mitbürgern insgesamt verachtet. Nie war es der Fall, daß die Alten nicht wünschten, ein Amt zu haben, aber sie verschmähten es, auf krummen Wegen dazu zu kommen. Ohne daß sich ein geziemender Weg zeigt, hinzugehen, um ein Amt zu übernehmen, das ist gerade so, wie wenn jene jungen Leute Löcher durch die Wand bohren.«

4. Der Arbeiter ist seines Lohnes wert

Pong Gong Pong Gong wird unter den Jüngern des Mong als zwölfter genannt. befragte den Mong Dsï und sprach: »Mit einem Gefolge von mehreren Dutzend Wagen und mehreren hundert Menschen bei den Fürsten umherzuziehen und sich von ihnen ernähren zu lassen: ist das nicht allzu anspruchsvoll?«

Mong Dsï sprach: »Außer auf rechtmäßige Weise darf man auch keine Schüssel Reis von anderen annehmen. Auf rechtmäßige Weise dagegen konnte Schun von Yau das Weltreich annehmen, ohne daß man es anspruchsvoll nennen konnte. Oder haltet Ihr es für anspruchsvoll?«

Der andere sprach: »Nein, aber ein Gelehrter, der nichts leistet, soll auch nicht essen.«

Mong Dsï sprach: »Wenn Ihr nicht einen gegenseitigen Austausch der Arbeitserträge durchführt, so daß, was auf dem einen Punkte übrig ist, zum Ausgleich eines Mangels auf einem andern Punkte verwendet wird, so haben die Bauern Korn im Überfluß und die Frauen Tuch im Überfluß. Wenn Ihr für Ausgleich sorgt, so bekommen auch Tischler und Wagner alle ihre Nahrung von Euch. Wenn nun ein Mann da wäre, ehrfürchtig und bescheiden, der die Lehren der alten Könige bewahrt und auf die Nachwelt überliefert, und Ihr wolltet nicht für seinen Unterhalt sorgen: weshalb wollt Ihr die Handwerker wichtiger nehmen als einen, der Liebe und Pflicht verbreitet?«

Der andere sprach: »Tischler und Wagner haben von Anfang an die Absicht, ihren Lebensunterhalt zu suchen; wenn aber der Edle für die Wahrheit eintritt: tut er das auch mit der Absicht, seinen Lebensunterhalt dabei zu suchen?«

Mong Dsï sprach: »Was geht Euch seine Absicht an? Wenn er sich Verdienste um Euch erworben hat, die es wert sind, daß er ernährt werde, so ernähret ihn! Belohnt Ihr eigentlich die Absicht zu verdienen oder die geleisteten Dienste?«

Der andere sprach: »Die Absicht zu verdienen.«

Mong Dsï sprach: »Angenommen, hier ist jemand, der Euch die Ziegel zerbricht und frischgetünchte Wände beschmiert Nach Dschau Ki wäre zu übersetzen: »der mit Ziegelscherben in den Sand malt und nachher wieder auslöscht«. Das Bild verliert aber dadurch an Drastik.. Er hat dabei die Absicht, von Euch ernährt zu werden: Würdet Ihr ihn ernähren?«

Der andere sprach: »Nein.«

Mong Dsï sprach: »Dann belohnt Ihr also doch nicht die Absicht zu verdienen, sondern die Verdienste.«

5. Wie man der bösen Nachbarn Herr wird

Wan Dschang Wan Dschang ist der dreizehnte unter Mongs Jüngern, später noch viel genannt. befragte den Mong Dsï und sprach: »Sung Sung lag südlich vom heutigen Schantung zwischen Tschu und Lu; die Nachkommen der Schangdynastie hatten den Staat als Lehen. Das Gespräch muß wohl in das Jahr 311 fallen, in dem sich Mong in Sung aufhielt. Der König, um den es sich handelte, ist der König Kang (Yän), der seit 318 den Königstitel sich beigelegt hatte. Es besteht eine bemerkenswerte Dissonanz in der Beurteilung seiner Persönlichkeit zwischen Wan Dschang hier und Sï-Ma Tsiän. In Sï-Ma Tsiäns Werk wird er als Tyrann schlimmster Sorte in der Art von Giä und Dschou Sin geschildert, der den Zorn der ganzen Welt und die gerechte Strafe auf sich herabgezogen habe. Hier wird er als von gutem Willen beseelt, aber vom Neid der Nachbarstaaten verfolgt dargestellt. Offenbar muß man eine Entwicklung zum Schlimmen infolge von Verbitterung annehmen. Er hatte viel zu leiden unter den Angriffen der Nachbarstaaten und scheint gegen Ende seines Lebens in eine Art Cäsarenwahnsinn verfallen zu sein. Das war aber lange nach der hier erwähnten Zeit. Mong Dsï scheint ihn jedoch besser durchschaut zu haben als Wan Dschang. Übrigens muß erwähnt werden, daß auch in Liä Dsï II, 21 und Dschuang Dsï XXVII, 18 der König von Sung als Wüterich erscheint. ist ein kleiner Staat. Er ist nun im Begriff, ein königliches Regiment durchzuführen, aber die großen Nachbarstaaten Tsi und Tschu mißgönnen's ihm und greifen ihn an. Was ist da zu machen?«

Mong Dsï sprach: »Der Heilige Tang Hier ist die ausführliche Erzählung der in I, B, 9 erwähnten Vorgänge gegeben. Die Geschichte weicht von Schu Ging etwas ab. Dschau Ki zitiert ein Parallpomenon zum Schu Ging, nach dem Tang 2 mal 11 = 22 Staaten bekämpfte. wohnte in Bo und hatte Go zum Nachbarstaat. Der Graf von Go war zuchtlos und versäumte die Opfer. Tang schickte jemand zu ihm und ließ ihn fragen: ›Weshalb bringst du die Opfer nicht dar?‹ Jener antwortete: ›Ich habe keine Opfertiere dazu.‹ Tang ließ ihm nun Rinder und Schafe bringen, aber der Graf von Go aß sie auf und opferte doch nicht. Tang schickte wieder jemand hin und ließ ihn fragen: ›Weshalb bringst du die Opfer nicht dar?‹ Jener antwortete: ›Ich habe keine Opfer-Hirse dazu.‹ Da schickte Tang die Menge der Leute von Bo hin, daß sie für ihn pflügten. Die Alten aber und die Schwachen brachten den Arbeitern das Essen. Der Graf von Go aber kam mit seinen Leuten und fing die, die den Wein, Reis und Hirse brachten, und nahm es ihnen weg. Die es nicht hergaben, schlug er tot. Nun war auch ein Knabe, der Hirse und Fleisch für die Arbeiter brachte. Den schlug er tot und nahm die Sachen weg. Im Buch der Urkunden heißt es: ›Der Graf von Go behandelte einen Nahrungsträger als Feind.‹ Damit ist eben dies gemeint. – Weil er nun diesen Knaben umgebracht hatte, züchtigte ihn Tang. Und die ganze Welt sprach: ›Er begehrt nicht den Reichtum der Weltherrschaft, er will nur einem gewöhnlichen Mann und einer gewöhnlichen Frau aus dem Volk zu ihrer Rache verhelfen.‹

Tang begann nun seine Züchtigungen von Go aus. Elf Fürsten züchtigte er, aber er hatte keinen einzigen Feind auf der Welt. Als er die Fürsten im Osten züchtigte, da waren die Westbarbaren unzufrieden. Wandte er sich nach Süden, so waren die im Norden unzufrieden und sprachen: ›Warum nimmt er uns zuletzt vor?‹ Das Volk hoffte auf ihn, wie man in großer Dürre auf den Regen hofft. Die Marktleute ließen sich nicht aufhalten. Die Bauern gingen ruhig ihrer Arbeit nach; denn er richtete die Fürsten, aber mit dem Volke hatte er Mitleid. Wie wenn zur rechten Zeit ein Regen fällt, so war alles Volk hocherfreut. Im Buch der Urkunden heißt es: ›Wir warten unseres Herrn. Wenn unser Herr kommt, wird er uns aus unsrer Not erlösen.‹

Als der König Wu vom Hause Dschou Vgl. Schu Ging V, III, 7. Auch hier wird Schang Schu J Piän zitiert. noch nicht alle zu Untertanen hatte, züchtigte er die im Osten und beruhigte die Männer und Frauen des Volks. Sie brachten in Körben dunkle und gelbe Seide Dunkel (blau) ist die Farbe des Himmels, gelb die der Erde. und sprachen: ›Wir wollen unserem König von Dschou dienen, so finden wir Ruhe.‹ So gingen sie als Untertanen zu der großen Stadt von Dschou. Die Vornehmen taten dunkle und gelbe Seide in ihre Körbe, um die Vornehmen von Dschou zu bewillkommnen. Das niedrige Volk brachte Schalen mit Reis und Kannen mit Suppe, um das niedrige Volk von Dschou zu bewillkommnen. So rettete jener das Volk wie aus Wasser und Feuer. Er nahm nur einfach ihre Unterdrücker weg.

Im Großen Schwure Vgl. Schu Ging V, I, B, 8. heißt es: ›Meine Macht will ich ausbreiten, ich will in seine Grenzen einfallen und die Unterdrücker wegnehmen und Ruhm erwerben wie Tang.‹

Der Fürst von Sung führt nicht »ein königliches Regiment« Im Text ist noch ein Zusatz, der das Wort des Wan Dschang nochmals zitiert.. Wenn er wirklich ein königliches Regiment führte, so würden alle Leute auf Erden ihre Häupter erheben und nach ihm ausschauen und ihn zum Fürsten begehren. Dann brauchte er Tsi und Tschu trotz ihrer Größe nicht zu fürchten.«

6. Macht des Beispiels

Mong Dsï redete zu Dai Bu Schong Hier haben wir wohl den Mann vor uns, der zunächst versuchte, den König von Sung auf gute Bahnen zu bringen, was dann später mißlang. Süo Gü Dschou war ein gleichgesinnter Minister, der aus Süo stammte., dem Kanzler von Sung, und sprach: »Ihr wollt, daß Euer König gut sei? Ich will frei heraus Euch sagen, wie Ihr's machen müßt. Angenommen, ein Herr aus Tschu wünschte, daß sein Sohn die Sprache von Tsi lerne; wird er einen Mann aus Tsi als Lehrer für ihn nehmen oder einen Mann aus Tschu?«

Jener sprach: »Er wird einen Mann aus Tsi als Lehrer für ihn nehmen.«

Mong Dsï fuhr fort: »Wenn nun aber der eine Mann aus Tsi ihn lehrt und alle Tschuleute fortwährend dazwischenreden, so mag er ihn täglich schlagen, damit er die Sprache von Tsi lerne, und er wird's doch nicht fertig bringen. Wenn er ihn aber mit sich nimmt und bringt ihn in einem Quartier der Hauptstadt von Tsi Der Name des Stadtviertels war Dschuang Yü. unter, so wird er in ein paar Jahren so weit sein, daß er ihn täglich schlagen kann, damit er die Sprache von Tschu rede, und er es nicht fertig bringen wird.

Ihr seht in Süo Gü Dschou einen guten Menschen und habt ihn in die Umgebung des Königs gebracht. Wenn nun in der Umgebung des Königs alt und jung, hoch und niedrig lauter Süo Gü Dschous wären, wen hätte dann der König, in dessen Gesellschaft er schlecht sein könnte? Wenn aber in der Umgebung des Königs unter alt und jung, unter hoch und niedrig keiner ist wie Süo Gü Dschou, wen hat dann der König, in dessen Gesellschaft er gut sein könnte? Was soll ein einziger Süo Gü Dschou in Sung ausrichten können?«

7. Warum sich Mong von den Fürsten fernhielt

Gung-Sun Tschou Ober den Jünger Gung-Sun Tschou (den zweiten in der Reihe) vgl. Buch II, A, 1 ff. fragte den Mong Dsï und sprach: »Was hat es für einen Sinn, daß Ihr die Fürsten nicht aufsucht?«

Mong Dsï sprach: »Unter den Alten war es Brauch, daß, wer nicht Beamter war, nicht den Fürsten aufsuchte. Duan-Gan Mu Duan-Gan war, wie aus Schï Gi, Lau Dsï Liä Dschuan zu schließen ist, eine Stadt in We, mit der Laotses Sohn belehnt wurde. Doch kommt Duan-Gan auch als Name vor. Duan-Gan Mu stammte aus Dsin. Er war arm und ging bei dem Konfuziusjünger Dsï Hia in die Lehre. Ebenso wie Tiän Dsï Fang, der Lehrer des Dschuang Dsï, ließ er sich in We nieder. Seine hier erzählte Handlungsweise erinnert lebhaft an seinen jüngeren Zeitgenossen Dschuang Dsï. Der Fürst Wen von We (425-387) hörte übrigens nicht auf, den Duan-Gan Mu ehrerbietig zu behandeln, und schließlich gelang es ihm auch, Zutritt bei ihm zu finden. Dadurch steigerte sich sein Ruhm als guter Fürst so sehr, daß Tsin ihn nicht anzugreifen wagte. Vgl. das Nähere bei Chavannes, Mémoires Historiques de Se-Ma Ts'ien, Band V. Paris 1905, pag. 141 f. Über Siä Liu ist weniges bekannt. Er lebte in Lu zur Zeit des Fürsten Mu (409-377), von dem II, B, 11 erzählt ist, daß er die Weisen schätzte. kletterte über die Mauer, um dem Fürsten Wen von We zu entgehen. Siä Liu Duan-Gan war, wie aus Schï Gi, Lau Dsï Liä Dschuan zu schließen ist, eine Stadt in We, mit der Laotses Sohn belehnt wurde. Doch kommt Duan-Gan auch als Name vor. Duan-Gan Mu stammte aus Dsin. Er war arm und ging bei dem Konfuziusjünger Dsï Hia in die Lehre. Ebenso wie Tiän Dsï Fang, der Lehrer des Dschuang Dsï, ließ er sich in We nieder. Seine hier erzählte Handlungsweise erinnert lebhaft an seinen jüngeren Zeitgenossen Dschuang Dsï. Der Fürst Wen von We (425-387) hörte übrigens nicht auf, den Duan-Gan Mu ehrerbietig zu behandeln, und schließlich gelang es ihm auch, Zutritt bei ihm zu finden. Dadurch steigerte sich sein Ruhm als guter Fürst so sehr, daß Tsin ihn nicht anzugreifen wagte. Vgl. das Nähere bei Chavannes, Mémoires Historiques de Se-Ma Ts'ien, Band V. Paris 1905, pag. 141 f. Über Siä Liu ist weniges bekannt. Er lebte in Lu zur Zeit des Fürsten Mu (409-377), von dem II, B, 11 erzählt ist, daß er die Weisen schätzte. schloß seine Türe und ließ den Fürsten Mu von Lu nicht herein. Die beiden gingen allerdings zu weit. Wenn ein Fürst dringend danach verlangt, so mag man ihn wohl sehen. Yang Ho Die hier erwähnte Geschichte steht in Lun Yü XVII, 1. wollte den Meister Kung bei sich sehen, aber er verschmähte es, dabei die Ordnungen hintanzusetzen. Nun ist es Sitte, wenn ein Minister einem Manne ein Geschenk macht, und jener ist nicht zu Hause, wenn er es empfängt, daß dann der andre hingehen muß und den Minister besuchen. Yang Ho wartete nun ab, bis Meister Kung ausgegangen war, und sandte ihm ein gebratenes Schwein. Meister Kung wartete ebenfalls ab, bis jener ausgegangen war, und ging dann hin, ihn zu besuchen. Damals hatte Yang Ho den Anfang gemacht, wie hätte man ihn nicht besuchen sollen?

Meister Dsong sprach: ›Die Leute, die immer die Schultern hochziehen und verbindlich lächeln, sind härter dran als der Bauer im Sommer‹ Wörtlich: als »Sommer-Feldbewässern«. Eine sehr gute Deutung des Dschong I ist: »Die Leute, die sich immer mit verbindlichem Lächeln bücken müssen, sind schlimmer dran als ein Wippbrunnen im Sommer«. (Über den Wipp- oder Ziehbrunnen vgl. Dschuang Dsï XII, 11..

Dsï Lu Dsï Lu = Dschung Yu, bekannter Jünger des Kung. sprach: ›Mit innerlich Fernstehenden reden, wobei man einem die Verlegenheit am Gesicht ansieht, das ist etwas, worauf ich mich nicht verstehe.‹

Sieht man die Sache von diesem Standpunkt an, so kann man wissen, welche Gefühle der Edle hegt.«

8. Allmähliche Besserung

Dai Ying Dschï Dai Ying Dschï war Minister in Sung. Die Geschichte fällt also wohl ebenso wie Abschnitt 5 und 6 ins Jahr 311. sprach: »Nur den Zehnten zu nehmen und die Grenz- und Marktzölle aufzuheben, geht heuer noch nicht an. Ich will sie erleichtern und im nächsten Jahr dann abschaffen. Was sagt Ihr dazu?«

Mong Dsï sprach: »Angenommen, ein Mann stiehlt täglich seinem Nachbarn ein Huhn. Und es sagt jemand zu ihm: ›Das schickt sich nicht für einen anständigen Menschen.‹ Jener aber sagt: ›Ich will es einschränken und nur jeden Monat ein Huhn stehlen. Im nächsten Jahr dann will ich's aufgeben.‹ – Wenn man erkannt hat, daß etwas ungerecht ist, so muß man es sofort sein lassen und nicht bis zum nächsten Jahr warten.«

9. Warum Mong streitet

Gung-Du Dsï Gung-Du Dsï wird als vierter unter Mongs Schülern genannt. sprach: »Die Außenstehenden alle nennen Euch streitsüchtig, Meister; darf ich fragen, wie es sich damit verhält?«

Mong Dsï sprach: »Ferne sei es von mir, den Streit zu lieben. Ich kann nicht anders.

Lange ist es schon, daß die Welt steht, und immer folgten auf Zeiten der Ordnung Zeiten der Verwirrung. Zu Yaus Zeiten überfluteten die Wasser ringsum das Land der Mitte, und Schlangen und Drachen wohnten darin. Die Menschen hatten keine feste Stätte. In den Niederungen machten sie Pfahlbauten Wörtlich: »Nester«. Es liegt aber ganz unzweifelhaft eine später mißverstandene Erinnerung an Pfahlbauten vor, ebenso wie das Wohnen in Höhlen offenbar einer alten Erinnerung entspricht., in den Bergen gruben sie sich Höhlen. Das Buch der Urkunden Dschau Ki gibt für die Stelle eine außerkanonische Schu-Ging-Stelle an. In I, III, 11 ist wenigstens die Sintflut erwähnt. sagt: ›Die wilden Wasser schrecken mich.‹ Die ›wilden Wasser‹ sind eben jene Sintflut. Er befahl dem Yü, sie zu ordnen. Yü grub die Erde aus und leitete die Wasser in das Meer, er entfernte die Schlangen und Drachen und trieb sie in die Marschen. Das Wasser floß nun in festen Betten, das sind die Ströme Yangtse, Huai, Huangho und Han. Gefahren und Hindernisse waren entfernt. Die Vögel und Tiere schädigten nicht mehr die Menschen. So bekamen die Menschen ebenes Land, darauf sie wohnen konnten.

Als Yau und Schun gestorben waren, da verfiel der Weg der Heiligen. Tyrannen kamen nacheinander auf. Sie zerstörten Wohnungen und Häuser, um Teiche und Seen anzulegen, so daß das Volk keine ruhige Stätte mehr fand. Sie ließen die Felder öde liegen und machten Gärten und Parke daraus, so daß das Volk keine Nahrung und Kleidung mehr hatte.

Ruchlose Reden und grausame Taten kamen abermals auf. Die Gärten und Parke, die Teiche und Seen, die Sümpfe und Marschen mehrten sich, Vögel und Tiere kamen wieder hervor. Und als es auf Dschou Sin Es ist beachtenswert, daß Giä, der Tyrann am Schluß der Hiadynastie, nicht genannt ist, sondern Dschou Sin direkt anschließt. Es sieht fast so aus, als folge Mong hier einer anderen Überlieferung als III, A, 4, zu welcher Stelle hier eine Parallele vorliegt. kam, da war die Welt wieder in großer Verwirrung. Der Fürst von Dschou half dem König Wu. Dschou Sin wurde hingerichtet, das Land Yän Yän lag angeblich im Osten des Staates Lu, in der Nähe des heutigen Yändschoufu. Die Überlieferung folgt hier nicht dem Schu Ging, nach dem der Staat Yän erst unter Tschong, dem Sohne Wus, vernichtet wurde. Vgl. Vorrede zum Schu Ging v. 51-52. Mau Si Ho nimmt an, daß es sich um eine mehrfache Unternehmung handelte. Fe Liän ist ein sagenhafter Minister des Tyrannen Dschou Sin, der auch im Fong Schen Yän Yi (vgl. Übersetzung von Grube, Die Metamorphosen der Götter, Leyden 1912) eine große Rolle spielt. Sein Grab wird an verschiedenen Plätzen gezeigt. Es handelt sich hierbei offenbar um »Hünengräber«. wurde bekämpft und nach drei Jahren sein Fürst beseitigt. Der gottlose Minister Fe Liän wurde in einen Winkel am Meer getrieben und dort zu Tode gebracht. Im ganzen wurden vernichtet fünfzig Staaten, und es wurden entfernt und abgetan die Tiger, Panther, Nashörner und Elefanten. Und alle Welt ward hocherfreut. Das Buch der Urkunden Auch diese Stelle findet sich im kanonischen Schu Ging nicht. sagt: ›Erhaben und leuchtend waren König Wens Pläne, erhaben und kräftig war König Wus Durchführung, zur Hilfe und Lehre für uns Spätergeborene, alles recht und ohne Tadel.‹ Abermals verfiel die Welt, und der Weg ward verdunkelt. Ruchlose Reden und grausame Taten kamen abermals auf. Es kam vor, daß Diener ihre Fürsten mordeten, es kam vor, daß Söhne ihre Väter mordeten. Meister Kung war besorgt darob und schrieb ›Frühling und Herbst‹. Das Werk ›Frühling und Herbst‹ ist das Werk eines königlichen Mannes So nach Dschau Ki. Andererseits wird die Stelle aufgefaßt: »Die Frühlings- und Herbstannalen enthalten Angelegenheiten des Himmelssohnes«, wobei vorausgesetzt wird, daß der Staat Lu, dessen Geschichte während der Jahre 721-479 die Frühlings- und Herbstannalen behandeln, durch den Fürsten von Dschou mit dem Kaiserhaus verbunden sei. Die Vorstellung, daß Kung als »ungekrönter König« hier über die Welt zu Gericht gesessen, wird von diesem Standpunkt aus – im Sinne Kungs sicher mit allem Recht – abgelehnt. Das angeführte Wort des Kung findet sich nicht in den Lun Yü.. Darum sagte Meister Kung: ›Daß ich gekannt sein werde, verdanke ich ›Frühling und Herbst‹, daß ich verdammt werden werde, verdanke ich ›Frühling und Herbst‹‹.

Ein heiliger König stand nicht mehr auf. Die Fürsten ließen ihren Lüsten freien Lauf. Müßige Gelehrte führten quere Reden. Yang Dschus Die Lehren Yang Dschus sind in Liä Dsï erhalten. Mong Dsï wirft ihm Anarchismus vor; nicht ohne Berechtigung, da bei seinem individualistischen Pessimismus natürlich kein Raum für die Verehrung des Fürsten war. Mo Di, der Lehrer der allgemeinen Menschenliebe, war im Gegensatz zu Yang Dschu politisch interessiert. Er nahm den Großen Yü für sich in Anspruch. Da er die konfuzianische Gliederung der menschlichen Gesellschaft verwirft, nennt ihn Mong einen vaterlosen Gesellen. Mong legt den größten Wert auf die Organisation der Gesellschaftsstruktur, die durch Mo Di gefährdet schien. und Mo Dis Die Lehren Yang Dschus sind in Liä Dsï erhalten. Mong Dsï wirft ihm Anarchismus vor; nicht ohne Berechtigung, da bei seinem individualistischen Pessimismus natürlich kein Raum für die Verehrung des Fürsten war. Mo Di, der Lehrer der allgemeinen Menschenliebe, war im Gegensatz zu Yang Dschu politisch interessiert. Er nahm den Großen Yü für sich in Anspruch. Da er die konfuzianische Gliederung der menschlichen Gesellschaft verwirft, nennt ihn Mong einen vaterlosen Gesellen. Mong legt den größten Wert auf die Organisation der Gesellschaftsstruktur, die durch Mo Di gefährdet schien. Worte erfüllten die Welt. Was heute auf der Welt geredet wird, ist entweder von Yang oder von Mo beeinflußt. Yang lehrt den Egoismus, darum führt er zur Auflösung des Staats. Mo lehrt die unterschiedslose allgemeine Liebe, darum führt er zur Auflösung der Familie. Ohne Staat und Familie kehrt man in den Zustand der Tiere zurück ... Hier ist eine Stelle aus I, A, 4, als Ausspruch Gung-Ming I's bezeichnet, in den Text eingedrungen..

Wenn die Lehren Yangs und Mos nicht verstummen, kann die Lehre des Meister Kung nicht zur Geltung kommen. Denn diese verkehrten Reden betören das Volk, und Liebe und Pflicht müssen verkümmern. Durch die Verkümmerung von Liebe und Pflicht bringt man die Tiere dazu, Menschen zu fressen; ja, die Menschen werden einander noch auffressen.

Ich bin besorgt darüber. Ich will die Lehren der alten Heiligen verteidigen, Yang und Mo abwehren und ihren frechen Worten ein Ziel setzen, damit diese ruchlosen Reden sich nicht ausbreiten. Denn wenn sie Einfluß haben im Herzen, so bringen sie Schaden beim Handeln. Wenn sie Einfluß haben auf das Handeln, so bringen sie Schaden bei der öffentlichen Ordnung. Wenn abermals ein Heiliger aufsteht, wird er an diesen meinen Worten nichts zu ändern haben.

Vor alters beschränkte der große Yü die Sintflut, und die Welt kam in Ruhe. Der Fürst von Dschou ließ auch den Grenzstämmen im Osten und Westen seine Liebe angedeihen, vertrieb die wilden Tiere, und die Leute bekamen Frieden. Meister Kung vollendete ›Frühling und Herbst‹, und die aufrührerischen Knechte und mörderischen Söhne bekamen Angst ... Hier ist das Zitat aus dem Schï Ging von III, A, 4, das hier zum mindesten überflüssig ist, eingedrungen..

Jene vaterlosen und herrscherlosen Gesellen hätte also auch der Fürst von Dschou bekämpft. Auch ich begehre, der Menschen Herzen recht zu machen, ruchlose Reden zum Schweigen zu bringen, verkehrte Werke zu bannen, frechen Worten ein Ziel zu setzen, um so das Werk jener drei Heiligen fortzuführen. Wie sollte es mir nur um Streit zu tun sein! Ich kann nicht anders. Wer mit seinen Worten Yang und Mo bannen kann, der ist ein Genosse der Heiligen.«

10. Der Asket

Kuang Dschang Kuang Dschang ist ein Mann aus Tsi, aus der Umgebung des Königs Süan. sprach: »Tschen Dschung Dsï Tschen Dschung Dsï, aus vornehmem Geschlecht von Tsi, lebte in Wu Ling in der Nähe des heutigen Tsinanfu von der Welt zurückgezogen. Er erinnert in seinem Gebaren an die bei Dschuang Dsï erwähnte Richtung des Schen Dau (vgl. Dschuang Dsï, pag. XIX) oder an den »gerechten« Wanderer Huan Schong Mu bei Liä Dsï (VIII, 20). ist doch wirklich ein genügsamer Weiser. Er wohnte in Wu Ling. Drei Tage lang hatte er nichts gegessen, seine Ohren waren dick geworden und seine Augen trübe. Am Brunnen stand ein Pflaumenbaum. Die Maden hatten schon die meisten Früchte zerfressen. Da schleppte er sich hin und aß. Dreimal mußte er schlucken, ehe er wieder hören und sehen konnte.«

Mong Dsï sprach: »Ich bin auch der Meinung, daß unter den Gelehrten von Tsi Tschen Dschung Dsï ist wie der Daumen Der Daumen heißt auf Chinesisch: der große Finger. unter den Fingern. Dennoch: genügsam kann man ihn nicht nennen. So wie Tschen Dschung Dsï es meint, kann man nur leben, wenn man ein Regenwurm ist. Der Regenwurm frißt verwitterte Dammerde und trinkt in der Tiefe das Grundwasser Wörtlich: die gelben Quellen, d. h. die Wasser der Unterwelt.. Tschen Dschung Dsï bewohnt ein Haus. Ist das von einem strengen Heiligen wie Be I oder von einem Räuber Dschï Über den »Räuber Sohle« vgl. Dschuang Dsï, Buch VIII, pag. 65f., wo er ebenfalls mit Be-I, dem uneigennützigen Prinzen von Gu Dschu, als Gegensatz zusammengestellt ist – allerdings, um ebenso wie jener verworfen zu werden. Hier ist der Sinn: »Bei der Befriedigung der Lebensbedürfnisse darf man nicht zu genau sein mit Beziehung auf die Herkunft.« Es kommt auf dasselbe heraus wie in Liä Dsï VIII, 20. erbaut? Er lebt von Korn. Ist das von einem strengen Heiligen wie Be I oder von einem Räuber Dschï gepflanzt? Das weiß kein Mensch.«

Kuang Dschang sprach: »Was tut das? Er flicht Sandalen, sein Weib spinnt Hanffaden; damit verdienen sie sich ihren Unterhalt.«

Mong Dsï sprach: »Tschen Dschung Dsï stammt aus einem vornehmen Haus in Tsi. Sein Bruder Dai So nach Dschau Kis Kommentar. Ändere fassen »Dai Go« als Namen auf. Dieser Bruder mußte seinem Gehalte nach in Tsi Minister (»King«) gewesen sein. bezog aus der Stadt Go ein Einkommen von 10 000 Scheffeln. Weil er dieses Einkommen seines Bruders für unrecht Gut hielt, darum wollte er nichts davon genießen. Weil er seines Bruders Häuser für unrecht Gut hielt, darum wollte er nicht darin wohnen. Er trennte sich von seinem Bruder und verließ seine Mutter und ließ sich in Wu Ling nieder.

Einst kam er heim. Da traf es sich, daß sein Bruder eine lebende Gans zum Geschenk erhielt. Er runzelte die Stirn und sprach: ›Wozu soll der Schnatterer?‹ Am andern Tag schlachtete seine Mutter die Gans und gab sie ihm zu essen. Sein Bruder aber kam dazu und sprach: ›Das ist Fleisch von dem Schnatterer.‹ Sofort ging er hinaus und erbrach sich.

Was ihm die Mutter gab, das aß er nicht; was sein Weib ihm gab, das aß er. In seines Bruders Haus wohnte er nicht, aber in Wu Ling wohnte er. Das ist doch nicht folgerichtig Nach Dschau wäre zu übersetzen: »Wie kann er dabei (bei diesen Grundsätzen) mit seinesgleichen (anderen Menschen) zusammen leben?«! Tschen Dschung Dsïs Grundsätze lassen sich nur wirklich durchführen, wenn man ein Regenwurm ist.«

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