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Wenn de Scharrnbulln brummt

Ludwig Frahm: Wenn de Scharrnbulln brummt - Kapitel 14
Quellenangabe
typenarrative
booktitleWenn de Scharrnbulln brummt
authorLudwig Frahm
year1916
firstpub1916
publisherRichard Hermes
addressHamburg
titleWenn de Scharrnbulln brummt
pages86
created20140307
sendergerd.bouillon@t-online.de
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De Guirlann'

Zuletzt wurde es mir denn doch zu striepig von wegen all die Quasselei. Ich baller ans Glas und rufe: »Ich bitte ums Wort!«

Erst hörte Hein Möller, was unser Präsident ist, es noch nicht gleich. Das zweitemal aber kriegt er es klug un grölt:

»»Silentium! – Silentium für Herrn –«« nun mußte er erstmal den Zigarrenqualm bischen um sich weg fuchteln – »»für Herrn Paul Schneider!««

Und da steh ich denn auf und sage:

»M'ne Herrn, mit das Geschenk era für unsern lieben Sangesbruder Fritz Sötebeer in Anlaß seinera Übersiedelung nach Langenhorn und damit verbundenera Verheiratung, da kommt doch wohl nix nach. Aber mir scheintera, wir können unsern lieben Sangesbrudera doch nicht wie einen dummen Jungen aus unsern Kreise scheiden lassen. Sehn Sie mal, er hat uns das Banner gemahlen, wie es der beste Kunstmaler nicht hätte schöner machen können. Und was hat das gekostet? Die Auslagen, 9,20 Mark. Und von Vergoldung unserer Lyra und Transperents und Geschichten, da will ich weiter gar nicht von reden. Wir sind verpflichtet, m'ne Herren, ihm eine Owahtschon zu bringen. Und da hab' ich'n prachtvolln 69 Einfall. Was 'ne Tante von mir ist – und natürlich auch ihr Mann – die haben ehrgestern silberne Hochzeit gefeiert, und da haben sie eine dicke, prachtvolle Guirlande um die Tür zu gekriegtera. Indem sie nun aber ein Ladengeschäft haben, so sitzt die Guirlandera da gewissermaßen, wie soll ich mich ausdrücken, im Wegera. Was meinen Sie, m'ne Herrn, dazu, wenn wir diese Guirlande unserm lieben Sangesbruder Fritz Sötebeer stiften tun?«

»»Ja! – Man los! – Prachtvull!«« riefen die andern. Ich aber fuhr fort und sagte: »Natürlichermang müssen wir eine passende Tafel mit Einschrift, ich will mal sagen, unser Vereinswirt Jan Hagen leiht uns seinen ›Willkommen‹, dazu haben. Den ganzen Kitt nageln wir ihm denn nächtlicherweise um die Haustür, und wenn er dann am andern Tage mit seiner jungen Ehehälfte einzieht« –

»»Minsch, se is ja all tweeundottig.««

»Hol din Rand!«

»»Hett he mi ja sülm seggt.««

»einzieht, sage ich, dann wird das eine große Ehre für ihn sein, und ich meine, unser Verein hat auch keinen Schaden davon. Denn daß die Langenhorner das zu wissen kriegen, daß der Verein ›Blondel‹ aus Barmbeck das getan hat, dafür will ich schon sorgen, so wahr ich Paul Schneider heißera.«

»»Minsch, sett di dal,«« rief Hinnerk Niemeyer, der mir gegenüber saß und gab mir'n Schubs vor die Brust, »»du hörst ja, dat se mit all tein Fingern dorför sünd, sett di dal, du sweetsch ja all, un drink mal!««

 

Erst wollte keiner recht mit mir. Zuletzt aber entschloß sich Willem Mackeprang als treue Seele mitzugehn.

70 Wir nehmen uns denn ja nu zwei große Rucksäcke, schneiden die Guirlande in zwei Teile und prampen ihr darein. Als wir aber aufn Bahnhof von der Vorortsbahn kommen, da wolln sie uns da nicht mitnehmen von wegen das große Willkommen-Schild. So laufen wir denn flink nach der Straßenbahn und kommen noch eben mit. Es war so gegen acht Uhr. Willem Mackeprang is so'n ganzen Vorsichtigen, un wie wir denn so auf'n Perron von der Bahn stehen, spuckt er mal über Bord – er raucht immer'n Brösel mit türkschen Scheck – un fragt: »»Minsch, weest du denn nu ok, wo de Maler sin Dezimal in Langenhorn upslagen hedd?««

»Wenn ik dat nich wüßt, muß ik jo Black sopen hebben; siehst du, erst fahren wir mit die Onibus nach Langenhorn, und wo die hält, da gehn wir noch'n paarhundert Schritt weiter un denn die erste Straße rechts ab. Da wohn'n man'n paar Leute. Denn wieder linksrum un gleich das erste Haus rechter Hand, das ist es. Ne, mein Lieber, auf das Flach bin ich peinlich, da kannst dich auf mich verlassen. Unser Wirt, der kommt beinahe jede Woche in Langenhorn, der hat es mir ganz genau bezeichnet.« –

Wie wir denn nun in Ohlsdorf mit all unser Gepäck ankommen, hält die Onibus schon fix und fertig parat, un der Kutscher sitzt schon auf'n Bock, kukt aber noch mal sich um und fragt: »»Wüllt Ji noch mit?««

»Natürlich wüllt wi noch mit. Wüllt wi nich noch Een' mitnehm'n?«

»»Ne, dat geiht nich mehr, ik hev all Söß mitnohm', un verspät' hev ik mi ok all.««

So laden wi denn unsern Kram oben auf den Onibus un steigen oder kriechen vielmehr in die Mausefalle hinein.

71 Dunner, war die aber voll. Ich denke, die Leute wollen sich zu Smooraal räuchern lassen, so prampenvoll war der Kasten, und drei Herrens pafften man immerzu, als wenn ein Kleinmann backt.

Nu erzähl du mal weiter, Willem Mackeprang.«

 

»»Je, du büst mi'n Schönen, lettst mi vor den Knast sitten. Na, minetwegen. Also wi sitt nu in de Onibus mit'n ganzen Barg Minschen, Kerls, Fruens un Kinner. Telln kunn ik se nich, denn in de Onibus weer dat stickenbalkendüster. Dar hüng' en lütte Lamp; awer as jemand se ansteeken wull, wehrn sik twee Damen dargegen mit Hänn' un Föt. Se kunn' so keen Luft mehr kriegen, säden se. De Wagen rummel nu ümmer eben wieder. He rummel so dull, dat ik un min Maat uns nich mal verstännigen kunn'. Blot en lütt kralle Fru, de uns gegenöwer seet, kunn mit ehr hogen Tenor, as wi Sängers seggt, sik verstännig maken. Se kunn snacken von all', wat dat up de Welt gifft. Von Gurkeninmaken, Hunn'tüchterie, slechte Kökschen, Rezepte gegen alle Krankheiten. Se wüß de Pries von alle Ding', de wi Minschen brukt, un wo man am billigsten köpen kunn. Jeden Satz slöt se mit Je! un den nien füng' se darmit an. Toletz vertell se ehr Nahwersch to rechter Hand en lange Geschicht von en Fruenverein. Up de anner Siet seet en öllerhaften Mann. He weer blot arig duhn un sleep de meiste Tied. Wenn he awer von dat Wagenstöten upwak un sin Nahwersch ehr Vördrag hör, denn meen he, he müß ok sin' Verscheel darto seggen un säd jedesmal: »Da haben Sie ganz recht, da bin ich ganz Ihre M–M–Meinung.« Dar weern ok'n paar Kinner mit in de Onibus, de bald inslöpen un denn bilütten von de Bank fülln. Dat Upsammeln hölp doch nicht veel, 72 un so bleeven se int Stroh tins de Föt liggen. Ünnerwegens steeg noch en jungen Minschen in, un as he seeg, dat de annern Kerls ok smöken, steek he sik ok en Zigarr an. He smeet den Rietsticken int Stroh, un da füng' dat an to sengeln. Ik greep flink nah een von de Kinner, dat dat keen Füer füng'. Dat hedd mi awer aisch beschummelt; denn wat ik to faten kreeg, weer keen Kind, dat weer en Hund, un de beet mi, ahn sik lang' to besinn', in de Hand, dat dat Blot man so pieplings dalström.

Ünner disse un ähnliche Ümstänn' güng' de Fahrt wieder. To beide Sieden von de Strat weern Lichter in de Hüser un Lantern' an de Straten to sehn. De Lüd steegen eennahenanner ut, un toletz höll de Wagen still. De Fohrmann röp: Endstatschon. Wi klattern denn ja nu ok rut, packen unse Guirlann' up den Puckel un schöben uns wieder. Erste Strat rechts aff, denn links üm de Eck un denn dat erste Hus rechter Hand. Richtig, dat stimmt all. Dar weer dat Hus. Wi sökt uns bi den Stall mit veele Mög en ole Kist oder Höhnerbuer, packt de Guirlann' ut, langt Hamer un Nagels ut de Tasch un fangt an, de Husdör to bekränzen. Ik stünn' up de Kist, un Paul lang' mi ümmer en frischen Nagel her. He säd all paarmal: »Mi is grad, as wenn in dat Hus wat pultert un snackt.«

»»Sett di keen Rupen in'n Kopp«, begösch ick em, »de Maler kümmt erst morgen.««

Up eenmal kümmt een Kerl rechts üm de Eck von dat Hus un en annere links, un ehrer wi uns recht besinn' künnt, swenkt se uns dar mit gatliche Bessensteels oder Knüppels welk in de Jack, de weern nich von slechte Öllern: »Wi wüllt Ju dat Fewer mal affschrieven. Wat hedd dat hier up sik? Wüllt Ji hier 73 inbreeken oder ehrliche Lüd bi nachtslapen Tied vernarrn hebben? Rut mit de Sprak!«

»»Wi–wi–wi wulln man blot den Maler en Guirlann' üm de Dör maken.««

»Wokeen' Maler?«

»»De hier morgen intreckt, Fritz Sötebeer.««

»Hier treckt keen Maler in, dat Hus hört mi, verstaht Ji mi.«

»»Wi sünd hier doch recht in Langenhorn, un verbistert sünd wi doch ok nich. Erst rechts, denn links, un denn dat erste Hus rechter Hand.««

»Langenhorn? – ne, in Lemsahl sünd Ji.«

Toletz dämmer dat denn bi uns up. Wi weern in Ohlsdörp in de verkehrte Onibus steegen, un anstatt mit de Langenhörner weern wi mit de Poppenbüttler Onibus föhrt. Mit den Mann, wo wi unsen nächtlichen Besök makt harrn, söhn' wi uns ok wedder ut, he geev uns noch en Sluck mit up den Weg un säd: »Denn kamt man god to Hus; de Guirlann' lat man sitten, dar freut min Fru sik öwer, se hedd öwermorgen Geburtsdag, un sowat is ehr noch garnich baden wordn.«

Awer so veel segg ik: Keen Guirlann', keen Ständchen, keen Owahtschon to nachtslapen Tied bringt wi wedder. Is't ni wahr, Paul?«« 74

 

*

 

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