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Weltmusik

Karl Henckell: Weltmusik - Kapitel 63
Quellenangabe
typepoem
booktitleWeltmusik
authorKarl Henckell
year1918
publisherVerlag von Franz Hanfstaengl
addressMünchen
titleWeltmusik
created20040117
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1918
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Ostern

            Und wir schritten durch Schleier, und jeder sah
        Wie blind der Erde Gefild,
Und wieder hob sich auf Golgatha
        Im Nebel das blutige Bild

Und wieder bebte der Erde Grund,
        Versank die Lichtwelt in Nacht,
Und die Liebe neigte sich todeswund
        Und sprach: »Es ist vollbracht!«

O die wir gewandelt in Dunkelheit
        Und gelitten in Kreuz und Not,
Wir hungern nach wahrer Gerechtigkeit
        Und dürsten nach neuem Gebot.

Wir recken die schaffenden Hände zum Licht
        Für unser Leben und Land,
Und aus dem Schoße der Himmel bricht
        Ein Strahl, der die Finsternis bannt.

Wir schöpfen die Himmel, wir schöpfen den Strahl
        Aus des eigenen Volkes Schoß,
Und wir erzeugen in Krampf und Qual
        Der Menschheit schöneres Los.

Und wir schreiten in stählender Lüfte Wehn
        Durch der kreißenden Erde Gefild – –
Und das blutende Leben muß auferstehn
        In erblühender Zukunft Gebild.

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