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Weltmusik

Karl Henckell: Weltmusik - Kapitel 51
Quellenangabe
typepoem
booktitleWeltmusik
authorKarl Henckell
year1918
publisherVerlag von Franz Hanfstaengl
addressMünchen
titleWeltmusik
created20040117
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1918
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An Italien

          Land des sonnenklaren Lichtes,
Deutscher Künstlersehnsucht Hort,
Spielball – weh! – des eitlen Wichtes,
Der dich kirrt mit falschem Wort!

Deinen leuchtenden Gefilden
Bleibt der Zug der Sehnsucht treu,
Ewigschönen Kunstgebilden
Wahrt die Seele fromme Scheu

Deines Volkes Hungerschreien
Höhnt des Kriegs gefräßige Saat –
Gott allein mag dir verzeihen
Deinen giftigen Verrat!

Dem geduldigen Vertrauen
Stießest du mit Gleisners Gier
Hinterrücks ins Herz. Ein Grauen
Faßt uns. Weh, Verräter, dir!

Was dein großer Dichter Dante
Für des Judas Tat erschaut,
Der in höllisch Eis ihn bannte,
Wo nur Blut und Geifer taut –

Wo des Satans Klauen weiden
Ihm die Haut ab Glied um Glied,
Und er muß am schwersten leiden, 

»Quell' anima lassú che a maggior pena«
Disse il maestro – é Giuda Scariotto.
Inferno XXXIV 61

Weil er seinen Freund verriet –

Deinem schändlichen Verschulden
Winkt die Sühne sinnverwandt:
Selbstzerfleischung mußt du dulden
Und erstarrst im eignen Brand.

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