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Weltmusik

Karl Henckell: Weltmusik - Kapitel 37
Quellenangabe
typepoem
booktitleWeltmusik
authorKarl Henckell
year1918
publisherVerlag von Franz Hanfstaengl
addressMünchen
titleWeltmusik
created20040117
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1918
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Der Fliederstock

    Ein Fliederstock in vollem Schmuck
Und weißem Doldensegen
Gab mir nach dumpfem Winterdruck
Frohheimlich Herzerregen.

Viel duftige Kelchlein läuten mir
In leisen Feiertönen,
Sie läuten und bedeuten mir
Ein lieblich Weltversöhnen:

»Lausch auf den reinen Geisterklang
In Erdenlärm und -wüten,
Ein Himmel lebt – o sei nicht bang! –
Der Dichtung Licht zu hüten.

Ein Himmel lebt im Schönheitssinn
Werkfreudiger Gefährten,
Sie tragen durch den Haß dahin
Die Botschaft der Verklärten.

Sie tragen durch den Rauch und Brand
Zermalmender Gewalten
Den Stern der Menschheit in das Land
Unsterblicher Gestalten.

Das ist der stille Geisterzug,
Der deinen Weg umzittert
Und, ob die Faust der Zeit dich schlug,
Dich aufhebt unerschüttert.«

So klingt ein zart und stark Geläut
Mir aus den Fliedertrauben,
Das Herz sich alter Hoffnung freut
Und glüht in neuem Glauben.

Die Kunst, die wahr um Liebe wirbt,
Braucht nimmer zu verzichten,
Durch Treue, die im Sturm nicht stirbt,
Wird sie ihr Reich errichten.

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