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Weltbrüder

John Galsworthy: Weltbrüder - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
authorJohn Galsworthy
titleWeltbrüder
publisherVerlag Bruno Cassirer
year1911
translatorLise Landau
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.7et
created20140802
modified20150422
projectidc5b902e2
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Vierunddreißigstes Kapitel

Thymians Abenteuer

Am selben Nachmittag schlüpfte Thymian, ihr Rad führend und einen kleinen Koffer in der Hand, vom Old-Square in eine Seitenstraße hinein. Ihre Last am Rande des Trottoirs niedersetzend, ließ sie ein leises Pfeifen vernehmen. Gleich darauf erschien eine Droschke, und ein Mann in zerlumpten Kleidern, der plötzlich wie aus dem Boden gewachsen dastand, bemächtigte sich ihres Koffers. Aus seinem hageren, unrasierten Gesicht sprach hungerndes Elend.

»Scher dich fort!« sagte der Droschkenkutscher.

»Lassen Sie ihn,« murmelte Thymian.

Der Mann hob den Koffer hinauf; dann blieb er still wartend neben dem Wagen stehen.

»Armer Kerl,« dachte sie; »da ist gleich etwas, wofür wir zu wirken haben!«

Der Wagen schlug jetzt die Richtung nach dem Park ein, indes Thymian auf ihrem Zweirad folgte und sich bemühte, möglichst gleichmütig umherzuschauen.

»Das ist nun,« dachte sie bei sich, »das Ende des alten Lebens. Ich will nicht romantisch sein und mir einbilden, daß ich irgend etwas Besonderes vorhabe; ich muß das alles als etwas Selbstverständliches betrachten.« Sie dachte plötzlich an Purceys Gesicht – »dieser Mensch« – wenn er sie jetzt hätte sehen können, da sie eben in Begriff war, ihr behagliches bequemes Dasein von sich zu werfen. »So wie ich dort bin,« überlegte sie, »lasse ich's die Mutter wissen; sie kann morgen hinauskommen und alles selbst sehen. Ich mag keine hysterischen Szenen wegen meines Verschwindens. Sie müssen sich eben an den Gedanken gewöhnen, daß ich mit dem wirklichen Leben in Berührung kommen will. Ich kann mich von dem, was vielleicht die Leute denken, nicht zurückhalten lassen!«

Ein näherkommendes Auto ließ sie erschreckt die Stirn runzeln. War das etwa ›dieser Mensch‹? Aber wenn es auch nicht Purcey und sein ›Prima Damyer‹ war, so war es doch jemand, der so sehr zu seiner Art gehörte, daß es fast auf dasselbe herauskam. Thymian lachte leise auf.

Im Park tanzte und glitzerte ein stilles Leuchten auf dem Blattwerk und dem Wasser, und dasselbe stille, glitzernde Leuchten schien die Augen des Mädchens zu erhellen.

Der Droschkenkutscher warf ihr heimlich einen bewundernden Blick zu. »Hübsches Dingelchen, das!« schien er zu sagen.

»Großvater badet hier,« dachte Thymian. »Der Gute! Mir tut jeder leid, der alt ist.«

Der Wagen fuhr weiter unter dem Schatten der Bäume und kam auf die Hauptstraße hinaus.

»Ich möchte wissen, ob wir nur ein Ich in uns haben,« sann Thymian. »Manchmal ist mir, als besäße ich zwei – Onkel Hilary würde verstehen, was ich meine. Das Pflaster fängt schon an greulich zu riechen, und morgen beginnt erst der Juni. Ob Mutter mein Fortgehen sehr empfindet? Herrlich wär's, wenn man das nicht empfände!«

Der Wagen bog in eine schmale Straße mit kleinen Läden ein.

»Es muß schrecklich sein, in so einem kleinen Laden zu verkaufen; wie furchtbar viel Menschen sind auf der Welt! Kann überhaupt irgend etwas von irgend welchem Nutzen sein? Martin sagt, worauf es ankommt, ist, daß jemand seine Aufgabe erfüllt. Aber was hat man für eine Aufgabe?«

Die Droschke kam an einen großen ruhigen Platz.

»Ich will nicht soviel nachdenken,« sagte Thymian bei sich. »Das bringt nur Unruhe. Wenn Vater mir nun mein Taschengeld nicht mehr gibt? Dann müßte ich mir als Stenotypistin oder so etwas Ähnliches mein Brot verdienen. Aber er wird mir's nicht entziehen, wenn er sieht, daß ich's ernst meine. Außerdem wird's Mutter auch nicht zulassen.«

Die Droschke bog jetzt in die Euston Road ein, und wieder wandte sich des Kutschers gutmütiges Gesicht mit einem neugierigen Anstarren zu Thymian.

»Was für eine gräßliche Straße,« dachte Thymian, »und was für mürrische, häßliche, niedrige Gesichter alle Leute in London zu haben scheinen! Als ob sie sich aus nichts was machen und grad nur zusehen, wie sie über den Tag hinwegkommen. Ich habe auf dem ganzen Weg nur zwei wirklich hübsche Gesichter gesehen!«

Der Wagen hielt vor einem kleinen Tabakladen am Südende der Straße.

»Ob ich hier wohnen soll?« fragte sich Thymian.

Durch die offene Haustür führte ein enger Flur zu einer engen mit Linoleum belegten Treppe. Sie hob ihr Rad und führte es hinein. Ein jüdisch aussehender junger Mensch, der aus dem Laden auftauchte, näherte sich ihr.

»Ihr Herr Freund läßt Ihnen sagen, Sie möchten in Ihren Zimmern bleiben, bis er kommt.«

Seine warmen, rötlich-braunen Augen verweilten liebevoll auf ihr.

»Soll ich Ihnen Ihr Gepäck raufbringen, Fräulein?«

»Danke sehr, ich werde schon allein fertig.«

»'s ist im ersten Stock,« sagte der junge Mensch.

Die kleinen Zimmer, die Thymian betrat, waren stickig, aber reinlich und nett. Nachdem sie ihren Koffer im Schlafzimmer, das auf einen kahlen Hof hinausging, niedergesetzt hatte, ging sie ins Wohnzimmer und öffnete das Fenster. Unten, auf der Straße, waren der Kutscher und der Zigarrenhändler in ein Gespräch geraten. Thymian nahm den Ausdruck auf ihren Gesichtern wahr; es lag etwas von pfiffiger Neugier darin.

»Wie widerwärtig und gräßlich die Menschen sind!« dachte sie, unfroh auf den Verkehr hinabstarrend. Alles schien so düster, so hoffnungslos und öde da draußen in der grauen Hitze und dem Treiben, als ob irgend ein riesenhafter Teufel mit einem riesenhaften Ameisenhaufen sein Spiel triebe. Der Geruch von Petroleum und Dung stieg ihr in die Nase. Das alles war so furchtbar groß und trostlos; es war so häßlich! »Ich werde nie etwas leisten,« dachte Thymian; »nie – niemals! Weshalb nur Martin nicht kommt?«

Sie trat in ihr Schlafzimmer und öffnete ihren Koffer. Mit dem Duft von Lavendel, der ihm entströmte, tauchte das Bild ihres weißen Schlafzimmers zu Hause auf und die Bäume des grünen Gartens und die Amseln im Gras.

Der Schall von Schritten auf der Treppe ließ sie ins Wohnzimmer zurückgehen. Martin stand an der Tür.

Thymian lief auf ihn zu, blieb aber mitten auf dem Weg plötzlich stehen. »Ich bin da, wie du siehst. Weshalb hast du grad diese Wohnung gewählt?«

»Ich wohne zwei Häuser daneben; und ein junges Mädchen wohnt hier – eine der unsern. Sie wird dich in alles einführen.«

»Ist sie eine Dame?«

Martin zuckte die Schultern. »Sie ist, was man eine Dame nennt,« entgegnete er; »aber ein tüchtiger Mensch ist sie trotzdem. Sie würde sich durch nichts abschrecken lassen.«

Bei diesem Lobspruch trat in Thymians Gesicht ein sonderbarer Ausdruck. »Du traust mir nicht,« schien er zu sagen, »und dem Mädchen traust du. Du hast mich hier einquartiert, damit sie auf mich acht gibt!«

»Ich möchte dies Telegramm abschicken,« sagte sie laut.

Martin las das Telegramm. »Du hättest nicht so feig sein und deiner Mutter sagen sollen, was du vorhast.«

Thymian wurde dunkelrot. »Ich bin nicht so kaltblütig wie du.«

»Es ist eine ernste Angelegenheit,« erklärte Martin. »Ich sagte dir gleich, daß du lieber nicht hierher kommen solltest, wenn du es nicht aus ehrlichem Herzen tust.«

»Wenn du willst, daß ich hier bleibe, dann sei, bitte, ein bißchen freundlicher zu mir, Martin.«

»Du mußt wissen, was du tust,« erklärte Martin.

Thymian stand am Fenster und biß sich auf die Lippen, um ihre Tränen zurückzuhalten. Da hörte sie eine freundliche Stimme hinter sich: »Ich finde es so wunderschön von Ihnen, daß Sie gekommen sind!«

Ein junges Mädchen in Grau stand da – schlank, zart, nicht hübsch, mit einer Nase, die ein klein wenig nach einer Seite neigte, mit leislächelnden Lippen und großen, schimmernden, grünlichen Augen.

»Ich bin Mary Daunt. Ich wohne über Ihnen. Haben Sie schon eine Erfrischung genommen?«

In der freundlichen Stimme dieses Mädchens mit den leise lächelnden Lippen und den schimmernden Augen, glaubte Thymian etwas wie Spott zu entdecken.

»Ja, danke; ich möchte jetzt gleich wissen, was meine Arbeit hier sein wird.«

Die Graue blickte Martin an.

»Oh! Hat's damit nicht bis morgen Zeit? Sie sind sicherlich ermüdet. Mr. Stone, sagen Sie ihr doch, sie soll sich ausruhen!«

Martins Blick schien zu sagen: »Bitte, laßt doch dieses weibische Geschwätz!«

»Wenn es dir ernst ist, wirst du dieselbe Arbeit haben, wie deine Kollegin hier,« sagte er. »Du hast keine besonderen Fähigkeiten. Alles, was du tun kannst, wird sein: recherchieren und feststellen, in welchem Zustande die Wohnungen und die Kinder sich befinden.«

Das Mädchen in Grau sagte freundlich: »Nämlich, wir haben nur mit der Hygiene und den Kindern zu tun. Es scheint grausam, daß wir uns um die Erwachsenen und die Alten nicht kümmern; da aber unser Fond für alle Bedürfnisse bei weitem nicht ausreicht, muß unsere Hauptsorge der Zukunft gelten.«

Ein Schweigen folgte. Dann fügte das Mädchen mit den schimmernden Augen sanft hinzu: »1950!«

»1950,« wiederholte Martin. Es klang wie eine Glaubensformel.

»Ich muß dies Telegramm abschicken,« äußerte Thymian.

Martin nahm es ihr ab und ging hinaus.

Als die beiden Mädchen in dem kleinen Zimmer allein blieben, sprach zuerst keines von ihnen. Die Graue beobachtete Thymian ein wenig scheu, als ob sie nicht recht wüßte, was sie von diesem jungen Geschöpf zu halten hätte, das so reizend aussah und so mißtrauisch um sich blickte.

»Ich finde, es ist so lieb von Ihnen, daß Sie gekommen sind,« sagte sie endlich. »Ich weiß, wie gut Sie's zu Hause haben; Ihr Vetter hat mir oft davon erzählt. Finden Sie ihn nicht auch wundervoll?«

Auf diese Frage gab Thymian keine Antwort. »Ist das nicht eigentlich eine scheußliche Beschäftigung?« sagte sie dann – »in anderer Leute Häuser herumzuspionieren?«

Das graue Mädchen lächelte. »Es ist ziemlich unangenehm, manchmal. Ich bin jetzt seit einem halben Jahr dabei; man gewöhnt sich dran. Die größten Grobheiten habe ich, glaube ich, schon zu hören bekommen.«

Thymian schauderte zusammen.

»Wissen Sie,« äußerten die leise lächelnden Lippen des grauen Mädchens, »Sie werden bald die Empfindung haben, daß Sie darüber hinwegkommen müssen. Wir alle sind uns natürlich klar darüber, was hier unsere Aufgabe ist. Ihr Vetter ist einer der besten von uns: nichts scheint ihm den Mut rauben zu können. Er hat so eine reizende Art von ironischer Güte. Ich arbeite mit ihm lieber als mit irgend einem andern.«

Sie blickte über ihre neue Gefährtin hinaus in jene Welt da draußen, wo der Himmel nur aus Telegraphendrähten und gelbem, heißem Staub zu bestehen schien. Sie bemerkte nicht, wie Thymian sie von Kopf bis Fuß maß, mit einem Anstarren, das feindselig und eifersüchtig, aber auch rührend zugleich war, als ob sie großen Respekt vor der Überlegenheit dieses Mädchens empfände.

»Ich bin überzeugt, ich werde das nicht können!« sagte sie plötzlich.

Das graue Mädchen lachte. »Oh, das dachte ich anfangs auch.« Dann mit einem bewundernden Blick: »Aber ich glaube, es ist fast schade um Sie; Sie sind so hübsch. Vielleicht sollte man Sie für statistische Arbeiten verwenden, obgleich das furchtbar langweilig ist. Wir wollen mal Ihren Vetter fragen.«

»Nein, ich will alles mitmachen oder nichts.«

»Gut,« sagte die Graue; »ich habe heute noch ein Haus zu inspizieren. Wollen Sie mitkommen, sich das einmal ansehen?«

Sie zog ein kleines Notizbuch aus einer Seitentasche ihres Rockes.

»Ich kann ohne eine Kleidertasche nicht auskommen. Man muß etwas haben, was man nicht liegen lassen kann. Ich habe vier Handtäschchen und zwei Dutzend Taschentücher im Laufe von fünf Wochen verloren, ehe ich wieder auf die gute, alte Kleidertasche zurückgekommen bin. In dem Haus wird's recht arg aussehen, fürchte ich.«

»Mir macht das nichts,« entgegnete Thymian kurz.

In der Ladentür stand der junge Zigarrenhändler, um die Abendluft zu genießen. Er begrüßte sie mit einem höflichen, aber ungewollt pfiffigen Lächeln.

»Gut'n Abend, meine Damen,« sagte er; »hübscher Abend heut'!«

»Eigentlich ein gräßlicher, kleiner Kerl,« sagte das graue Mädchen, als sie den Damm überschritten hatten; »aber er besitzt einen so netten Sinn für Humor.«

»So?« sagte Thymian.

Sie hatten sich in eine Nebenstraße gewandt und vor einem Hause Halt gemacht, das offenbar einst bessere Tage gesehen hatte. Seine Fenster waren geborsten, von den Türen war die Farbe herunter, und unten im Erdgeschoß sah man einen Haufen Lumpen, bei dem ein bösartig aussehender Mensch hockte, und ein helles Feuer. In Thymian stieg ein Gefühl des Ekels auf; sie nahm einen fauligen Geruch wahr wie von schwärenden Abfällen. Sie sah ihre Begleiterin an. Das graue Mädchen las, mit seinem leisen Lächeln auf den Lippen, in ihrem Notizbuch. Und in Thymians Seele erwachte eine Empfindung, die beinahe Haß war, gegen dieses Mädchen, das eine so geschäftsmäßige Ruhe zeigen konnte bei solchem Anblick und solchen Düften.

Die Tür wurde von einer jungen Frau mit rotem Gesicht geöffnet, die aussah, als ob sie eben geschlafen hätte.

Das graue Mädchen ließ die schimmernden Augen auf ihr ruhen.

»Ach, erlauben Sie, daß wir einen Augenblick eintreten?« fragte sie. »Es wäre so freundlich von Ihnen! Wir sollen nämlich einen Bericht liefern.«

»Hier gibt's nichts zu berichten,« erklärte die junge Frau. Aber schon war das graue Mädchen rasch an ihr vorbeigeschlüpft.

»Natürlich, das weiß ich; aber sehen Sie, es ist auch nur der Form wegen.«

»Ich habe die meisten Sachen weggeben müssen,« sagte die junge Frau wie entschuldigend, »nachdem mein Mann gestorben is. Man hat 'n schweres Leben.«

»Ja, aber nicht schwerer als meines – immer die Nase in andrer Leute Haushalt stecken müssen.«

Die junge Frau schwieg, sichtlich erstaunt.

»Der Wirt sollte Ihre Wohnung besser in Stand setzen,« sagte das graue Mädchen. »Das Nebenhaus gehört ihm auch, nicht wahr?«

Die Frau nickte. »Es is ein schlechter Wirt. In der ganzen Straße hier is es überall dasselbe. Nichts lassen sie einem machen.«

Die Graue war zu einer Korbwiege hinübergegangen, in der ein halbnacktes Kind strampelte. Ein häßliches, kleines Mädchen mit dicken, roten Wangen saß auf einem Stuhl daneben, dicht an einem offenen Schrank, in dem man eine Anzahl alter Fleischknochen gewahrte.

»Ihre Kücken?« fragte das graue Mädchen. »Was sind die lieb!«

Ein Lächeln erhellte das Gesicht der jungen Frau.

»Gesund sind sie wenigstens,« meinte sie stolz.

»Das ist mehr, als man von sämtlichen Kindern hier im Hause sagen kann, vermute ich,« murmelte die Graue.

Die junge Frau entgegnete seufzend, als gäbe sie einem alten Kummer Ausdruck: »Die drei vom ersten Stock, die geh'n noch; aber die Gesellschaft von ganz oben, da lass' ich sie nich mit zusammenkommen.«

Thymian sah die Hand ihrer neuen Freundin über des Kindes Kopf streifen wie eine bleiche Taube. Die Frau, die auch diese Bewegung sah, nickte. »Stimmt,« sagte sie, »jedesmal muß man sie reinemachen, so oft sie in die Nähe von die Kinder oben kommen.«

Das graue Mädchen warf Thymian einen raschen Blick zu.

»Offenbar gibt es für uns da oben zu tun,« schien er zu sagen.

»Eine schmierige Gesellschaft!« murmelte die junge Frau.

»Das ist recht arg für Sie!«

»Is es! Ich arbeit' den ganzen Tag in der Waschanstalt, wenn da genug zu tun is. Ich kann mich um die Kinder nich kümmern – sie laufen überall 'rum.«

»Recht arg,« wiederholte das graue Mädchen vor sich hin. »Ich will das extra vermerken.«

Mit dem kleinen Buch zugleich, in das sie eifrig schrieb, hatte sie ihr Taschentuch herausgezogen und fallen lassen. Der Anblick dieses Taschentuches auf dem Fußboden erweckte in Thymian eine eigene Befriedigung, wie man sie empfindet, wenn man bei geistig überlegenen Personen den Mangel einer Tugend entdeckt, die einem selber eignet.

»Na, wir wollen Sie nicht aufhalten, Frau – Frau –?«

»Cleary.«

»Cleary. Wie alt ist die Kleine da? Vier? Und die andere? Zwei? Liebe Dinger. Adieu.«

Im Korridor draußen flüsterte das graue Mädchen: »Ich finde es so nett, wenn man sich einbildet, besser zu sein als seine Umgebung; es hat so was Tröstliches und Frohes. Wollen wir uns nun die Hölle da oben ansehen?«

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