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Weh dem, der lügt!

Franz Grillparzer: Weh dem, der lügt! - Kapitel 11
Quellenangabe
typecomedy
booktitleWeh dem, der lügt!
authorFranz Grillparzer
year1993
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-004381-6
titleWeh dem, der lügt!
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1840
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(Edrita, die schon während des letzten sichtbar geworden ist und Ruhe gebietend zurückgewinkt hatte, tritt jetzt vor.)

Edrita.
     Stoß nicht ins Horn!

Galomir (sie erblickend).
Ah. Ah.

Edrita.
     Ich bin's! Was mehr?

Galomir.
          Eh, fangen, fangen!
(Er hascht nach ihr.)

Edrita.
Was braucht's zu fangen, die du ja schon hast.
Laß mir ein bißchen Raum, sitz ich zu dir.

Galomir (hastig rückend).
Eh, eh!

Edrita.
     Du wirst mich doch nicht fürchten?

Galomir.
Du schuld an allem!

Edrita.
     Ich? Was fällt dir ein!

Galomir.
Der Vater!

Edrita.
     Nu, er wird wohl etwas zürnen,
Doch, sprech ich ihn, setzt alles sich ins Gleis.

Galomir.
Nein, nein!

Edrita.
     Nun, dann bist du mein Bräutigam
Und ich die Braut, du mußt, du wirst mich schützen.

Galomir.
Ha, ha!

Edrita.
     Ei, das gefällt dir!

Galomir (mit dem Finger drohend).
          Du!

Edrita.
               Wie, nicht?
Je, weil ein wenig etwa ich gelacht,
Als du in Graben fielst? Das war ein Sprung.

Galomir (den Arm reibend).
Ah.

Edrita.
     Schmerzt's noch etwa?

Galomir (nach unten zeigend).
          Uh!

Edrita.
               Und auch der Fuß.
Ein Ehmann muß an manches sich gewöhnen.
Nun ziehst du aus und willst die beiden fangen?

Galomir (nach ihr greifend).
Du, du!

Edrita.
     Nur mich allein? Wo bleibt dein Mut?
Nein, nein! Du selber mußt die Flücht'gen haschen.
Sie sind nicht fern!

Galomir (aufstehend).
     Ah! Wo?

Edrita.
          Nicht grad vor dir,
Doch auch nicht weit. Sind zwei, doch du bewaffnet.
Hier lehnt dein Spieß.
(Da Galomir danach langen will.)
     Er liegt auch gut am Boden.
Und dann dein breites ritterliches Schwert.

Galomir (ans Schwert schlagend).
Ah, oh!

Edrita.
     Ich weiß, dein Arm ist stark. Nur neulich
Schlugst du dem Stier das Haupt ab einen Streichs.
Doch war der Kampf nicht billig. Du bewaffnet,
Er blank und bar. Gib künftig auf den Vorteil,
Dann kämpft ihr gleich mit gleich. Allein auch so.
Ich will mich nur auf jene Seite setzen.
(Sie setzt sich auf die andere Seite. Er macht ihr Platz.)
Hier ist dein Schwert, das gut und stark. Doch schmucklos.
Was gibst du mir, so knüpf ich dir ein Bändchen,
Das, etwa blau, ich trug an meinem Hals
(sie macht eine Schleife am Halse los)
Wie, schau nur, dies. Das knüpf ich an dein Schwert.

Galomir (mit offner Hand ihr ins Gesicht greifend).
Eh!

Edrita.
     Nur gemach! – Das wär' ganz artig, deucht mir.
Zieh aus dein Schwert und lehn es zwischen uns,
So machen sie's bei der Vermählung auch,
Da liegt ein Schwert erst zwischen beiden Gatten.

(Er hat das Schwert neben sie gelehnt.)

Edrita (das Band um das Schwertheft windend).
So knüpf ich denn – dann so – und wieder so
(Sie hustet wiederholt.)

Galomir.
Wie?

Edrita.
     Ei, ich bin doch allzu scharf gelaufen.
Nun steht es schön. Nicht wahr? Ei, ei, wie artig.

(Sie schlägt wie erfreut die Hände zusammen; die Jünglinge, die schon früher leise vorgetreten, sind ganz nahe.)

Edrita (das Schwert umstoßend).
O weh, es fällt!

Galomir.
     Mein Schwert!

Edrita.
          Heb's auf vom Boden.

(Sie tritt mit dem Fuße darauf. Galomir bückt sich.)

Edrita (stehend und auf Leon sprechend).
Nur hier! Da liegt sein Speer. Nimm ihn nur auf.
(Zu Galomir herabsprechend.)
Was zögerst du?

Galomir (immer gebückt).
     Der Fuß –

Edrita (Atalus nach der andern Seite winkend).
          Du hier herüber.
(Zu Galomir.)
Ja so, mein Fuß, er steht auf deinem Schwert.
Der böse Fuß!
(Zu den beiden.)
     Nur hier.

Galomir (sich vom Boden aufrichtend).
          So heb ihn.
(Er erblickt Leon, der, auf der linken Seite stehend, den Spieß gerade gegen seine Brust hält.)
               Ah!
(Er sinkt auf den Sitz zurück.)

(Atalus ist indessen von der andern Seite gekommen und hat das Schwert aufgenommen.)

Edrita (steht auf und eilt auf Leons Seite).
Du, reg dich nicht, sonst bringen sie dich um!

Atalus.
Mich weht es an, hab ich doch nun ein Schwert!

Edrita (mit den Händen zusammenschlagend).
Ei, das ist gut, ei, das ist gut! Fürwahr!
(Zu Atalus.)
Du, droh ihm auch!

Atalus (mit gehobenem Schwerte).
     Hier bin ich.

Leon (zu Galomir).
          Mir tut leid,
Muß also ich an Euch die Worte richten.
Es war nicht meine Wahl, doch ist's geschehn,
Und da es ist, benütz ich es zur Rettung.
Bleibt sitzen, Herr, Ihr seid in unsrer Macht.
(Seinen Gürtel lösend.)
Mit dieser Schnur bin ich genötigt, Herr,
Zu binden Euch an dieses Baumes Stamm.
Es hält nicht lange gegen Eure Kraft,
Doch sind wir fern, kehrt ruhig zu den Euern.

Edrita.
Ich halte dir den Spieß, doch regt er sich,
Ist flugs er wieder dort in deiner Hand.
(Galomirn den Speer zeigend, den sie umgekehrt gefaßt hat.)
Du sieh! – Ja so!
(Sie kehrt ihn um. Zu Atalus.)
     Du, droh ihm – droh ihm auch!

(Während Galomir nach Atalus blickt, der einen Schritt näher getreten, zieht Leon rasch die Schnur zwischen Galomirs Leib und Arme, auf die er sich rückwärts stützt, und bindet letztere am Baume fest.)

Galomir.
Ah, oh!

Leon.
     Euch wird kein Leid, wenn Ihr Euch fügt.

Edrita.
Du, bind ihn fest, er hat wohl Kraft für viele.

Leon.
Es ist getan, und wohl für jetzt genug.
Kommt, Atalus, Ihr seid mir anvertraut.

(Atalus tritt zu ihm.)

Edrita.
Ich nicht? Da sorg ich denn nur selbst für mich.
(Laut, wobei sie aber den Kopf verneinend schüttelt.)
Wir gehn nun grade in den Wald hinein.

(Galomir hat indessen heftige Bewegungen gemacht.)

Leon.
Er macht sich los.

Edrita (zu Atalus).
     Sorg du!

(Atalus nähert sich ihm.)

Edrita (leise zu Leon).
          Wenn auch! Wenn auch!
Allein genügt er nicht, Ihr seid bewaffnet,
Und zieht er unsre Leute zu sich her,
Wird frei der untre Weg, der näh're, beßre,
Und so erreichen wir den Strom vor ihnen.
Leb wohl denn, Galomir, auf lange, hoff ich.

Leon.
Und kehrt Ihr zu dem Vater dieses Mädchens,
Sagt ihm, nicht ich –

Edrita.
     Ich selber, meinst du, nicht?
Ich selber nahm die Flucht? Nun, sei bedankt
Um all die Sorglichkeit für meinen Ruf.
Doch weiß ich ja, daß du die Wahrheit sprichst;
So laß uns schweigen, dann sind wir am wahrsten
Und brauchen um nichts minder unsern Fuß.
Komm, Atalus!
(Sie geht nach der rechten Seite ab.)

Leon
(Atalus nach sich ziehend).
     Ja, kommt!

Atalus.
          Er regt sich immer.
Ich dächt', ein ringer Streich –

Leon.
     Was fällt Euch ein!

(Er zieht ihn fort. Beide Edriten nach, ab.)

Galomir (ihnen nachsehend, dann gegen seine Bande wütend).
Ah! – Schurken – Oh – Mord Donner! – Oh, das Band!
(Er versucht, mit den Zähnen sich der Schnur zu nähern.)
Geht nicht! Und dort mein Horn. Blas an!
(Das Haupt hinabgeneigt.)
     Geht auch nicht.
(Rüttelnd)
Verdammte Schurken!
(Er sinkt ermüdet auf den Sitz zurück. Plötzlich mit einem listigen Gesichte.)
     Ih!
(Es ist ihm gelungen, den rechten Arm zum Teil aus dem Bande zu ziehen, er rüttelt aber gleich wieder von neuem.)
          Sei ruhig, Mann!
(Laut rufend.)
Uh! Uh! – Hört nicht! – Der Arm! Es geht! Der Arm.
Geht, Galomir, der Arm – Ah! Eh!
(Er hat den rechten Arm aus dem Bande gezogen und greift sogleich nach dem Horne.)
     Er bläst.
(Stößt ins Horn. Horchend.)
Horch! – Nein!
(Macht sich mit dem andern Arme los, den Weg der Fortgegangenen am Boden verfolgend.)
     Da! Da! In Wald – Eh, eh, kein Schwert.
(Auf die leere Scheide schlagend. Er bleibt am Ausgange rechts stehen und stößt von neuem ins Horn. Ein entfernter Ruf antwortet.)
Ah. Ha! Wo Männer, wo?
(Neue Antwort, näher.)
     Ah, dort. Heran.

(Einer der Burgmänner kommt. Es ist der Schaffer. Nach und nach sammeln sich mehrere.)

Schaffer.
Seid Ihr's?

Galomir.
     Ja, ja!

Schaffer.
          Saht Ihr die Flücht'gen?

Galomir (auf den Weg der Abgegangenen zeigend).
               Ah!

Schaffer (nach rückwärts zeigend).
Kommt dort hinüber. Dort ist unser Pfad.

Galomir (auf den Weg rechts zeigend).
Da, da!

Schaffer.
     Allein, der Herr befahl –

Galomir.
          Nein, da.

Schaffer.
Doch sie entwischen uns, ich sag's Euch, Herr.
Nach dortaus treffen allseit sich die Pfade.

Galomir.
Ich selber sie gesehn. Gebunden. – Da.
(Auf den Baum zeigend.)

Schaffer.
Sie banden Euch?

Galomir (den Weg bezeichnend).
     Nur da. Und mir ein Waffen.
(Er nimmt einem der Knechte den Kolben, ihn schwingend.)
Aha! – Nur da!

Schaffer.
     Nun denn, wenn Ihr befehlt,
Doch wasch ich nur in Unschuld meine Hände.

(Sie gehen nach rechts ab.)

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