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Was will das werden? Zweiter Theil

Friedrich Spielhagen: Was will das werden? Zweiter Theil - Kapitel 47
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Spielhagen
titleWas will das werden? Zweiter Theil
publisherVerlag von L. Staackmann
printrun6. Auflage
year1895
firstpub1885
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20151204
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XV.

Es konnte nicht anders sein, als daß in unserm kleinen Kreise, in welchem von den Männern drei fachmäßige Politiker waren, und der vierte, die politischen Dinge zu verstehen, sich wenigstens emsig bemühte, die Rede fast ausschließlich über die öffentlichen Angelegenheiten ging und immer wieder auf dieselben zurückkam, so oft und so ernstlich man sich auch im Interesse unsrer beiden Damen bemühte, das Gespräch in andere, friedlichere Bahnen zu lenken. Denn es ging bei den Debatten, in welchen Pahlen und der Professor meistens das Wort führten, nicht immer friedlich zu; die Schwerpunkte der Ueberzeugungen des russischen Nihilisten und des deutschen Fortschrittmannes lagen eben zu weit auseinander – eine Differenz, die, wie der Professor uns entwickelte, ihre völlige Erklärung fände, wenn man die Grundverschiedenheit der sozialen und staatlichen Verhältnisse hüben und drüben in Betracht ziehe; dazu den Einfluß erwäge, den das gesellschaftliche Milieu, in welchem ein Mensch aufwachse, auf seine Denkungsart, seinen Charakter ausübe.

Und da sollte ich meinen, rief er, daß Sie, Herr Graf, und ich freilich sehr ungleiche Brüder werden mußten, die infolgedessen unmöglich gleiche Kappen tragen können. Sie, der Abkömmling eines vornehmsten Adelsgeschlechtes, erzogen in der unmittelbaren Sphäre des Hofes – und was für eines! – Zeuge von Jugend auf märchenhaften Glanzes und einer Korruption ohnegleichen; mit scharfem Auge blickend in das krause Getriebe einer Macht, die grenzenlos scheint und es auch ist, wenn es an das Verderben geht, und sich als absolute Ohnmacht prostituiert, sobald sie einmal ausnahmsweise das Gute schaffen will, – ist es ein Wunder, wenn Ihr nur an soziale und moralische Extreme gewöhntes Auge auch in der Politik die Zwischenstufen nicht sieht? Der immer gewaltsam erregte, von Gewaltsamkeiten träumende Geist von den vermittelnden Elementen nichts weiß, oder doch nichts hält, nichts hofft? Nur eben wieder auf ein Wunder hofft, an ein Wunder glaubt, welches allein in dieses Chaos Ordnung bringen soll? Unsereiner glaubt an kein Wunder; unsereiner glaubt, daß in der großen und kleinen, äußeren und inneren Politik gerade so alles mit Wasser gekocht wird wie in der Küche. Nur daß in meiner elterlichen Schmalhans Meister war und gar so oft das Fleisch in die Suppe zu thun vergaß, wie ich ihm denn das im Dienst eines völlig abgehausten deutsch-böhmischen kleinsten Landedelmannes just nicht sehr verdenken kann. Da war denn die Not groß, die mich armen Jungen zuerst beten, und, als ich sah, daß dabei nicht viel herauskam, arbeiten lehrte. Bis zum vierzehnten Jahre mit der Fiedel und der Kehle – lachen Sie nicht, meine Damen: ich spielte eine ganz wackere Geige und hatte als Junge eine süße Stimme – sagten die Weiber – wenn dieselbe auch, wie ich vermute, seitdem in dem Staub der Schule, dem Qualm der Volksversammlungen und der Trockenheit unsrer Parlamentsdebatten kläglich zu Grunde gegangen ist. Aber was ich sagen wollte, lieber Graf, wir beide – Sie und ich – wir können eben nicht an demselben Strang ziehen; aber – um in dem Bilde zu bleiben – den Wagen nach derselben Seite ziehen, das können wir doch und wollen wir doch; und darauf wollen wir, wenn es Ihnen recht ist, miteinander anstoßen.

Anmutig höflich, wie immer, kam Pahlen der Anforderung nach; aber, wenn auch ein Lächeln seine Lippen umspielte, in seinen schönen Augen war finstre Nacht, und so hatte er denn kaum das Punschglas wieder niedergesetzt, als er mit vor Erregung bebender Stimme begann:

Ich muß mir den Vorwurf unseres Freundes schon gefallen lassen: überall in der Welt wird mit Wasser gekocht, nur wir Russen möchten mit Feuerwasser kochen. Auch hat er ja einsichtsvoll angedeutet, wie das so kommt. Aber, verehrter Herr Professor, Sie kennen unsre Verhältnisse doch nur aus der Lektüre und vom Hörensagen; ich aber, ich habe in dem Pandämonium gelebt, wenn man Leben nennen kann, woran man nicht zurückdenken darf, ohne daß einem das Blut in den Adern gerinnt, um im nächsten Moment –

Er ließ das Messer, nach welchem er gegriffen, wieder auf den Tisch sinken und fuhr, den Kopf in die Hand stützend, fort in einem heiseren Ton, als ob ihm die Kehle zugeschnürt würde, daß ich seine weiche tiefe Stimme kaum wiedererkannte:

In Sibirien liegt ein Ort – Nischnij-Kolinsk – ich weiß nicht wieviel Grade jenseits des Polarkreises. Es herrscht dort ewige Nacht, denn die Mitternachtssonne selbst, wenn sie kommt, wird um ihren matten Schein betrogen von den giftigen Nebeln, welche aus den unermeßlichen Sümpfen aufdampfen, die den Ort umgeben. Da, in diese Region, deren Schrecken der Phantasie eines Dante spotten, haben sie ein Zentralgefängnis für politische Verbrecher hineingebaut – für Menschen, die eine Mutter geboren, die ein Herz zum Fühlen, ein Hirn zum Denken hatten, deren ganzes Verbrechen eben nur darin bestand. O mein Gott, mein Gott! Wenn einmal eine Stunde kommt, in der ich Tyrannei Tyrannei sein lassen und die Hände in den Schoß legen möchte, wie andere Menschen auch, da brauche ich mir nur zuzurufen: Nischnij-Kolinsk! und ich bin bereit, meinen letzten Blutstropfen dafür hinzugeben, daß der Greuel des Despotismus, er trage sein Satansgesicht offen, oder hülle es in welche Maske immer, vertilgt werde vom Angesicht der Erde mit Feuer und Schwert, mit jeder Waffe, er, dem jede Waffe recht ist, und der zu jeder Pfaffen findet, die sie ihm segnen.

Er hatte jetzt das Gesicht mit beiden Händen verdeckt. Es war, als er es uns abermals zuwandte, noch sehr bleich, – wie eines Menschen, der einen fürchterlichen Schmerz zu ertragen hatte – aber sein Mund versuchte doch schon wieder zu lächeln, und auch seine Stimme gewann allmählich den alten Klang, als er jetzt, Adeles Hand ergreifend und an seine Lippen ziehend, sagte:

Verzeih, Geliebte? ich weiß, wie Deine holde Seele leidet, wenn ich mich so hinreißen lasse. Verzeihen auch Sie, lieben Freunde, den schwachen Augenblick, der mir ja, Gott sei Dank, selten kommt! Möchte ich doch fast behaupten, daß ich von uns allen sogar der größte Optimist bin. Oder wer wäre optimistischer als der Wundergläubige, zu welchem mich unser ehrwürdiger Freund hier gestempelt? Nun denn: ich acceptiere es, ich, der ich mein Volk als einen Leichnam gesehen habe und doch an seine Wiederauferstehung glaube. Nicht bloß meines Volkes! Krank, todkrank ist ja die ganze moderne Menschheit; und ich wiederhole meinen alten Satz, daß, wenn sie gesunden soll, die Genesung nur vom Haupte ausgehen kann, nicht von den Gliedern: von der Minorität der Erbpächter der Bildung und Intelligenz, nicht von der Majorität des großen Haufens. In ihm ist aufgespeichert die unermeßliche motorische Kraft, mittelst welcher der elektrische Strom erzeugt wird, den aber nur wir, die Wissenden, in die tausend und abertausend Kanäle zu leiten verstehen, die alle wieder einem Zentrum zustreben: der Befreiung des Menschengeschlechts. Wer mag die Kraft ermessen, die in unsern Bauern steckt! Ihre Emanzipation ist mißglückt – ich meine nicht die von Staatswegen, – bei uns ist dafür gesorgt, daß der Zar weit, und der Himmel hoch ist – sondern unsere, der Nihilisten, Anstrengungen, das platte Land in die Mitleidenschaft und Mitthatschaft der Revolution zu ziehen. Was thut's? Wir werden mit neuem Mut und mit besserer Einsicht ans Werk gehen und über kurz oder lang unsre Aufgabe lösen, weil wir, die wir die Intelligenz haben, alle wie einer, und einer wie alle, von der Notwendigkeit der Revolution überzeugt sind und sie ehrlich wollen. Ob Ihr Eure Aufgabe lösen werdet? Wir müssen es ja hoffen, aber für jetzt liegt die Sache nicht gut. Mit der Emanzipation der Handwerker und Arbeiter, wie sie auch bei Euch jetzt von oben beliebt wird, ist es ja selbstverständlich nichts. Aber mit der, welche jene Stände aus sich selbst heraus versuchen, wird es freilich ein anderes, aber kein besseres, wohl aber schrecklicheres Ende nehmen, solange sie auf sich selbst angewiesen bleiben, ihr Licht aus sich selbst schöpfen sollen, während die Gebildeten dem Treiben zusehen, mißtrauisch, ängstlich die einen, gleichgültig, stumpf die anderen, müßig die die einen, wie die anderen. Wer möchte Euren Stolz auf Eure Denker- und Dichterheroen nicht begreiflich finden! Und dennoch meine ich, neben diesem Glanz liegt ein schwärzester Schatten: die tiefe Kluft, welche gerissen ist und klafft zwischen dem kleinen Teil der Gebildeten unter Euch, die den Heroen auf ihrer steilen Bahn zu folgen vermochten, und der großen Menge, der das nicht möglich war. Diese Kluft zu füllen, ist die Aufgabe Eurer Zukunft; und ich wiederhole es: für jetzt scheint mir dieselbe kaum in Angriff genommen. Solange man in einem großen Volke, wie das Eure, die gebildeten, hochstehenden und einflußreichen Männer zählen kann, – an denen es weder in Frankreich, noch in England und am wenigsten bei uns, in Rußland, gebricht – welche leben und wirken in der Erkenntnis, daß in der grundmäßigen Umgestaltung der sozialen Verhältnisse die moderne Menschheit einzig und allein ihre Rettung zu finden vermag, glaube ich nicht an diese Umgestaltung und nicht an die Rettung.

Pahlen schwieg. Mir schwebte auf den Lippen eine Antwort, zu der mich Ellinors Blicke aufzufordern schienen. Als eine eben erst für die Freiheit Gerettete mußte sie den Zweifel des Grafen an unsrer Zukunft besonders übel empfinden. Aber auch ihr Vater hatte den Blick verstanden und, mir zuvorkommend, sagte er, sich zu Pahlen wendend, in seiner gütigen Weise:

Wer war es doch gleich, lieber Graf, der noch vor wenigen Tagen – an dem Abend, der unserm unvergeßlichen Freunde die ersehnte Freiheit und uns die traurige Gefangenschaft brachte – mit prophetischen Worten der europäischen Menschheit ihre Zukunft deutete und dabei einem gewissen Volke, das er heute im Hintertreffen sieht, die Führerrolle zuwies? Erinnern Sie sich nicht?

Pahlen nickte lächelnd, und in seinen glänzenden Augen, die er unverwandt auf den verehrten Mann gerichtet hielt, lag die Bitte, daß er fortfahren möge.

Er that es, jetzt das Wort an uns alle richtend: Dennoch kann ich unserm Freunde in dem Vorwurf, den er uns heute macht, nicht so ganz unrecht geben. Darin hat er ja sicher recht, daß die Emanzipation von oben herab, wie genialisch sie sich gebärdet, mit einem Fiasko endigen wird. Es ist die alte Geschichte von dem neuen Wein, der in alte Schläuche gefüllt werden soll – die alten Schläuche der Regierungsallweisheit und polizeilichen Bevormundung. Ach, der kurzsichtigen Weisheit, der lallenden Bevormundung, welche ihr Werk damit beginnen, daß sie die zu Emanzipierenden, oder doch den rührigsten, intelligentesten Teil derselben in die Fesseln eines Ausnahmegesetzes schlagen, um an dem widerstandslosen Körper ihre Heilkünste versuchen zu können! Scheinbar ungestraft: die Strafe wird ja nicht ausbleiben. Aber nicht bloß für die Reaktion, welche sich hinter ihren hastig und planlos aufgeworfenen Dämmen vor der Sturmflut sicher wähnt, sondern auch – wir werden es Ihnen leider einräumen müssen, lieber Professor! – für den Liberalismus, welcher die Pflicht hatte, gegen so gefährliche Versuche sein Veto einzulegen und es nicht gethan hat, oder nicht mit dem nötigen Nachdruck und Erfolg thun konnte, und damit freiwillig oder unfreiwillig, jedenfalls tatsächlich, auf die ihm gebührende Leitung in der sozialen Frage verzichtete; das heißt, da diese Frage denn doch wahrlich nicht bloß eine Magenfrage ist, sondern alle Gebiete unsers geistigen und sittlichen Lebens mit umfaßt, auf die Leitung und Fortführung unsrer Entwicklung im großen und ganzen. Kann es uns da wunder nehmen, wenn unsre augenblicklichen Zustände ein so fratzenhaft verzerrtes Bild gewähren? die untersten Klassen in den mittleren ihre schlimmsten Feinde sehen, und die Pfaffen und die Ritter über die Köpfe dieser hinweg mit jenen einen christlich-sozialen Bund flechten möchten? Nun wird ja dieser Liebe Müh vergeblich sein: das Gros der Demokratie wird sich von dem dargebotenen Zuckerbrot so wenig locken lassen, wie es sich durch die Peitsche des Sozialistengesetzes schrecken ließ; aber ich meine, der Liberalismus sollte sich an der Reaktion ein Beispiel nehmen und alles daran setzen, das Vertrauen der Demokratie, welches er nun einmal verscherzt hat, wieder zu gewinnen. Er kann das aber nur, wenn er die blasse Furcht vor den Konsequenzen der Prinzipien der Freiheit allewege, zu denen er sich theoretisch bekennt, praktisch überwinden lernt. Ist jemand nicht mehr Christ im Sinne der Kirche, halte er damit nicht hinter dem Berge, sondern gebe der Wahrheit die Ehre! Durch seine Vorsicht, durch sein Schweigen – wen täuscht er denn? Nicht die Kirche, die nur klug das räudige Schaf nicht sehen will; nicht die glaubenslose Menge, die ihm offen ins Gesicht sagt: Du bist ein Heuchler! Und wie auf dem religiösen Gebiete, so auf jedem anderen. Auf jedem wimmelt es von Leuten, die in dem Lande des Nachdenkens, oft mit saurer Mühe, Ueberzeugungen eingesammelt haben, welche sie, an der Grenze der That angelangt, verstecken, verleugnen, als ob sie allein solche Konterbande führten! als ob der Nachbar nicht der Mitgenosse Schmuggler wäre! als ob nicht, wenn nur jeder seine heimliche Ware deklarierte, dieselbe frei durchgehen müßte, da die Zollwächter nicht mehr wüßten, wohin mit dem Beschlagnahmten! In den Augen unsrer sogenannten guten Gesellschaft ist jeder Sozialdemokrat offiziell ein Lump. Vergangenen Winter hörte ich von einem unsrer ersten Geister in einer Vorlesung vor der besten Gesellschaft mit klassischer Ruhe den Ausspruch: wir mögen es nun zugeben oder nicht: in jedem von uns steckt ein Stück von einem Sozialdemokraten. Ich möchte, daß dieser tapfere Mann, oder ein anderer, der, wie er, die nötige Einsicht in unsre Verhältnisse hätte und dem es, wie ihm, an der Gabe der Darstellung nicht gebräche, uns, vielleicht in einem Dichterwerk oder wie immer, ein Bild unsrer Gesellschaft vorführte, welches jenes Wort nach allen Richtungen illustrierte. Ich möchte fast sagen: nur nach der einen Richtung, der nach oben: in den höheren und höchsten Schichten der Gesellschaft. Denn wie es in den unteren und untersten aussieht, das wissen wir alle, oder können es doch aus tausend mehr oder weniger gelungenen Darstellungen unschwer erfahren, besser noch: aus dem Studium der Wirklichkeit, die sich ja wahrlich nicht versteckt, sondern traurig, und zur Zeit trostlos genug, überall offen um uns breitet. Aber da oben! bei den zehn- und hunderttausend Privilegierten der Geburt, des Standes, der Wissenschaft und Kunst, des ererbten und erworbenen Reichtums: bei den Fürsten und Herren, den Großwürdenträgern in Militär und Zivil, bei den Männern des Katheders und der Kanzel, den Dichtern mit der Feder, dem Pinsel und dem Meißel, den Allmächtigen der Börse und des Hauptbuches; bei ihren Damen auch: den in sicherer Würde thronenden Gattinnen, den wohlerzogenen unnahbaren Töchtern – laßt uns prüfen, ob ihr Denken mit ihrem Reden, ihr Herzschlag mit ihrem Thun stimmt! Und wenn, woran ich nicht zweifle, es unter ihnen gar viele gibt, die das Joch der Heuchelei, welches ihnen die Gesellschaft, der scheinbar unbesiegliche Zwang der Verhältnisse auferlegen, bitter empfinden und doch nicht abzuschütteln wagen, lasset sie den Mut ihrer Gesinnung schöpfen aus dem Beispiel der wenigen unter ihnen – und es sind ihrer vielleicht so wenige nicht – die sich unter schweren Kämpfen zu diesem Mute durchgerungen und die Welt der Lüge überwunden haben und vor Kaiser und Reichstag mit dem Mönche von Wittenberg sprechen: hier stehe ich; ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Mögen sie dann immer da drinnen im Saal, die Höchst-, Hoch- und Hochwohlgeborenen, ihre Stirn in Falten ziehen, und auf der Gasse das leichtbewegliche Volk die Köpfe zusammenstecken und munkeln und raunen: Was will das werden? Wir trauern um den einen unter uns, der auf die Frage keine andere Antwort fand, als die trostlose: nichts will es werden; und ein Leben von sich warf, das fürder keinen Wert und keine Würde für ihn hatte. Wir anderen aber, wir stehen zum Leben in der festen Ueberzeugung, daß, was da werden will, werden wird; und ein Hohes und Herrliches werden wird, und eine neue glorreiche Phase der ewig strebenden Menschheit, so sie der Zeichen achtet, die da geschehen mit erschreckender Deutlichkeit in ihren Tiefen und wahrlich auch klar genug auf ihren Höhen für den, der Augen hat, um zu sehen, und Ohren, um zu hören.

Der Herrliche schwieg; die Augen der Lieben um ihn erglänzten im heiligen Feuer des Mutes und der Zuversicht, die er in ihre Seelen gegossen hatte; mir aber erzitterte das Herz in der Brust. Er hatte, während er die Aufgabe zeichnete, deren Lösung er von einem Dichter der Zukunft heischte, von keinem sonst bemerkt, seine Hand auf meine Hand gelegt.

Und ich hatte ihn wohl verstanden.

Und mir geschworen, ich wolle, wenn die Himmlischen mir gnädig seien, an diese Arbeit gehen, nach meiner besten Einsicht, mit meinen besten Kräften, mich im voraus gern bescheidend, so es mir auch nur gelänge, ein paar Bausteine herbeizuschaffen für den Meister, der nach mir kommen wird.

 

Ende.

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