Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Spielhagen >

Was will das werden? Zweiter Theil

Friedrich Spielhagen: Was will das werden? Zweiter Theil - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Spielhagen
titleWas will das werden? Zweiter Theil
publisherVerlag von L. Staackmann
printrun6. Auflage
year1895
firstpub1885
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20151204
Schließen

Navigation:

II.

Es war mir bei dieser Gelegenheit ergangen, wie das ja öfter im Leben vorkommt: daß man mit jemand ein Gespräch beginnt ohne eine andere Absicht als die einer ganz harmlosen Plauderei und dabei zu einem folgenschweren, den weiteren Lebensgang bestimmenden Resultat gelangt, welches freilich wohl schon ausgereift in der Seele lag, aber doch jetzt erst gleichsam geboren und zum Entschluß erhoben wird. Von diesem Abend an war ich entschlossen, nicht nur dem Theater zu entsagen, – das hatte schon so ziemlich festgestanden, – sondern alles Ernstes Handwerker zu werden.

Verzweiflung war es keineswegs, was in diesem Falle die treibende Kraft war. Ich hatte mich Lamarque gegenüber einen schlechten Schauspieler genannt. Das war ich nicht; ich war eben nur ein mittelmäßiger, wie es tausende gibt, und die ihren Platz doch ausfüllen, ja, derer das Theater nicht entraten kann: zu den geringeren Rollen braucht man keine Genies, und wenn man sie brauchte, wo sollen sie herkommen? Lamarque hatte auch darin recht: ich hätte wohl mehr leisten können, wenn ich ernstlich gewollt hätte. Aber ich wollte nicht, wenigstens jetzt nicht mehr, wo bei der größeren Sicherheit, die ich mir angeeignet, ein energisches Streben doch wohl von einem bescheidenen Erfolge begleitet gewesen wäre. Ich hatte den Respekt vor der Schauspielkunst verloren. Sie schien mir gar keine wirkliche Kunst, sondern die reine Anempfindung, wie sie in jedem ästhetisch normal veranlagten Menschen thätig ist, in Verbindung mit einer Fertigkeit, zu der man den Körper durchgearbeitet hat, daß das Gesicht jede Miene, der Leib jede Stellung anzunehmen vermag, Arme und Beine zu jeder Bewegung geschickt sind, die Kehle zu jedem Ton gestimmt ist; und die, wie auch schwierig zu erlangen, im besten Falle den equilibristischen Duft nicht los werden kann. Ein Künstler, meinte ich, sei der, welcher die Gebilde seiner Phantasie zum reinen und vollen Ausdruck zu bringen imstande sei, nicht die der Phantasie irgend eines anderen, oder gar von hundert anderen. Und dessen Phantasie wieder nichts anderes sei, als das Organ einer großen und hohen Seele, welche für das Weltbild, das sie in sich trägt, und das im Grunde doch nur ihr eigen Abbild ist, nur einen Ausdruck: den des Kunstgebildes hat. Gegenüber diesem gewaltigen und völlig einheitlichen, vom Zentrum des in sich selbst harmonischen Ich ausstrahlenden künstlerischen Schaffen erschien mir das Thun des Schauspielers so kleinlich, zerfahren, haltlos, unharmonisch und banausisch, daß ich ihm nur mit Reservation den Titel zusprach, den gerade er sich mit Vorliebe vindiziert. Denn wenn man ihn Künstler nennen muß, meinte ich, wie soll man dann die Phidias und Raphael, die Mozart und Beethoven, die Shakespeare und Goethe nennen? Gewiß, daß die Monteurs und Führer einer Dampf-Lokomotive überaus nützliche und sehr ehrenwerte Mitglieder der menschlichen Gesellschaft sind; daß wir ohne sie keine Freude und keinen Vorteil von der großen Erfindung haben würden; daß sie sogar Eigenschaften, physische und moralische, besitzen müssen, die der Erfinder keineswegs zu besitzen brauchte – wer würde nicht lachen, fiele es jemand ein, sie mit den Stephenson, Watts und derengleichen zu rangieren und zu den Heroen der Menschheit zu zählen?

Ich dünkte mich kein Heros, aber es lebte ein Etwas in mir, das selbst bei den größeren Rollen – und ich hatte gelegentlich selbst die größten meines Faches zu spielen bekommen – stumm blieb, und was vielleicht noch schlimmer war: sich, wenn nicht gegen die ganze Rolle, so doch gegen diesen und jenen Zug derselben, eine einzelne Aeußerung vielleicht nur, empörte. Denn die Rolle sagte nicht, was ich so gern gesagt hätte; oder sagte, was meiner Empfindung nach besser ungesagt geblieben wäre; oder von dem darzustellenden Charakter, sollte er sich nicht selbst untreu werden, gar nicht gesagt werden konnte. In allen diesen Fällen – und es waren eben keine Ausnahmen, sondern die Regel – spielte ich eben so regelmäßig schlecht. Ich konnte mich immer nur selbst spielen. Und nicht einmal das. Denn, traf es sich zufällig, daß der darzustellende Charakter mit dem meinen zusammenzufallen und meine Gedanken und Empfindungen auszusprechen schien, so war mir, als ob ich nackend wäre, schämte mich wie Adam im Paradiese und spielte womöglich noch schlechter.

Nein, ich hatte nicht das Zeug zu einem echten Schauspieler.

Aber ein rechter Dichter wäre ich so gern gewesen! Es war der Traum meiner Knaben- und Jünglingsjahre; und ich träumte ihn jetzt, da ich die Jünglingsjahre hinter mir zu haben glaubte, noch manchmal, den köstlichen Traum in seltenen Weihestunden. Aus denen ich seufzend erwachte, froh, daß niemand Zeuge des Wahnsinns gewesen. Oder ist es nicht Wahnsinn, zu wähnen, daß man etwas sei, etwas vermöge, wovon wir keinen Menschen überzeugen können, daß wir es seien, daß wir es vermögen? Ich hatte früher und später ein paar Gläubige gefunden: zuerst Jettchen Israel, dann Maria und Adalbert, auch Professor Hunnius, zuletzt Adele und den Herzog; aber dann hatten sie mich immer, jeder in seiner Weise, lieb gehabt. Mußte man mich persönlich lieb haben, um ein Verständnis für meine dichterischen Qualitäten zu gewinnen? Dann aber – konnte ich sonst niemand davon überzeugen, jenes Verständnis nicht erzwingen, – war ich eben nur ein Prophet in der Wüste und mochte das undankbare, nutzlose Geschäft ruhig aufgeben.

Denn als ein Prophetentum erschien mir immer das dichterische Thun, als eine heilige Durchwärmung und Durchleuchtung der spröden und kalten Menschenherzen mit dem Feuer der Schönheit und Wahrheit, von welchem eben das Herz des Dichters selbst, damit er davon spenden könne, ganz sonnenhaft durchglüht sein müsse. Wer den Beruf leichter nahm; mit geschickten Händen den Kleinkram des Lebens und der Seele kaleidoskopisch durcheinander wirrend, die Hörer und Leser nur über eine müßige Stunde wegtäuschen wollte, der war in meinen Augen ein Gaukler und Spaßmacher, ein Dichter nicht. Alles, was gläubigen Jahrhunderten die Religion gewesen: die Löserin und Befreierin von den Banden der Unwissenheit, dem Druck der Knechtschaft, der Last der eingeborenen, durch traurigste Verhältnisse genährten Brutalität – das, meinte ich, müsse einem Geschlecht, welches, der Kirchenzucht entwachsen, nun der Zuchtlosigkeit zu verfallen drohe, die Kunst sein, die Dichtkunst zumal, als die höchste aller Künste: Lehrerin und Trösterin, Heils- und Segenspenderin, deren Aufgabe mithin völlig der der Religion glich, nur daß sie diese Aufgabe tiefer und weiter zu fassen und die Lösung des Menschenrätsels, welche die Religion in ein Jenseits verlegte, in dem Diesseits anzustreben und zu vollenden habe. Sie, im Bunde mit Vernunft und Wissenschaft, der Menschheit nicht allerhöchsten, aber der ihren ebenbürtigen Kraft.

Diese meine Auffassung von dem Wesen und der Aufgabe der Dichtkunst hatte ich in meinem »Thomas Münzer«, in welchem ich mich natürlich ganz von dem Einflusse des Herzogs losgemacht und wieder auf meine eigenen Füße gestellt hatte; dann in einem »Cromwell«, in einem »Saulus« (mit freier Benutzung von Adalberts großartiger Skizze) und anderen Stücken zum Ausdruck zu bringen gesucht. Die Theateragenten nahmen meine Manuskripte an, und ich hörte niemals wieder etwas von denselben; oder schickten sie mir auch (was meistens der Fall) als »völlig unaufführbar« zurück. Darüber hatte ich die Hoffnung, als dramatischer Dichter durchzudringen, allmählich verloren, und der Einblick in das Theaterwesen hatte mich diesen Verlust leichter ertragen lassen. In seinem Wirken abhängig zu sein von der Geldgier der Agenten, der Unbildung und Engherzigkeit nur auf ihren äußeren Vorteil bedachter Direktoren, der Eitelkeitsraserei der Schauspieler, der Launen und der Frivolität eines zusammengelaufenen Haufens, der sich Publikum nennt – das schien mir eine traurigste Sklaverei, die auch den Freigebornen, der sich auf sie einläßt, in der Hoffnung, der Stärkere zu bleiben, auf die Dauer korrumpieren müsse. Hatte ich mich doch schon dabei ertappt, auf Stoffe zu sinnen, die dem Geschmack des Publikums mehr entsprächen, und auf Rollen, für die mir der Schauspieler »dankbar« sein würde, weil sie ihm »auf den Leib« geschrieben, das heißt Puppen waren, an denen er seinen bunten Mätzchenkram vorteilhaft aufhängen mochte!

Auf dem Wege ging es nicht weiter, und wollte ich nicht weiter. Ich versuchte es mit derjenigen Erzählungsform, welche meiner Ansicht nach der dramatischen am nächsten steht: der Novelle – an einen Roman wagte ich mich noch nicht. Ich meinte, es gehöre dazu eine reichere Welt- und und Menschenkenntnis, als über welche ich gebieten konnte; vor allem aber auch eine sichere Beherrschung der Technik, die ich mir nicht zusprechen durfte. Daß auch ohne diese Requisiten unzählige Romane geschrieben werden, wußte ich recht wohl. Nur war ich immer zweifelhaft, wer mehr zu bedauern sei: die Aermsten, deren Kunst gerade so weit reicht, aus elf Romanen den zwölften zu machen, oder das Publikum, das an dieser Dutzendware Geschmack findet.

Meine Novellen hatten keinen besseren Erfolg als meine Dramen; alle waren sie mir von den Verlegern und Redaktionen als »unbrauchbar«, »unverwendbar«, oder wie die betrübenden Ausdrücke lauteten, zurückgeschickt worden bis auf die, welche ich überhaupt nicht wieder zu sehen bekam, und die in dem Papierkorb ihr klägliches Ende gefunden haben mochten. Wenn ich dennoch von Zeit zu Zeit diese Arbeiten wieder aufnahm – wie ich denn jetzt eben wieder an einer Novelle schrieb – so war es ohne Hoffnung auf ein besseres Resultat, nur, weil ich eben nicht müßig sein konnte und in der ganzen Schauspielerei nichts sah als einen geschäftigen Müßiggang.

Nun hatte das Gespräch mit Lamarque auf dem Nachhauseweg vom Fischfang mir jenen geschäftigen Müßiggang in einem schlimmeren Lichte als je erscheinen lassen: als eine weitere Fessel nämlich, die ich abzustreifen habe, um mich so von dem letzten Rest aristokratischer Vorurteile hoffentlich endgültig zu befreien.

Denn, wenn ich der Wahrheit die Ehre geben wollte, mußte ich mir eingestehen, daß ich schon längst nur noch Schauspieler war und Kraft und Zeit an diese Nichtigkeiten und Unwürdigkeiten verzettelte, weil sie mir ein Brot gewährten, das ich sonst mit meiner Hände Arbeit hätte erwerben müssen. Als ob es nicht der bloße Schein gewesen wäre, der diese Sorte geschminkter Arbeit von der ungeschminkten des wirklichen Handarbeiters unterschied, bei der doch wenigstens die Seele frei blieb! Und es eben gerade diese Freiheit war, nach der ich von frühester Jugend auf gestrebt, und der ich, wenn es sein mußte, noch jedes und auch das schwerste Opfer gebracht hatte!

Ja, ich durfte, wie ich nun mein Leben im Zusammenhang zu sehen mich bemühte, sagen, daß es bestanden hatte in einem zuerst instinktiven, dann bewußten Streben nach einem Zustand, in welchem die Seele für ihre Aeußerungen keinen Widerstand zu befahren hat, weder ein inneres Hemmnis, noch einen Druck von außen. Ich glaubte gefunden zu haben, daß vielen Menschen dies Bedürfnis nach Freiheit nur in einem geringen Maße innewohnt, weitaus die meisten es gar nicht empfinden und geborene Sklavenseelen sind, die sich jeder Gewalt beugen, welche die Herrschaft über sie anstrebt. Wahrhaft freigeborene hatte ich in meinem Leben nur zwei gekannt: den Vater, den die unverwüstliche Naivität seines liebevollen Gemütes himmelhoch emporhob über die menschliche Elendigkeit; sodann Adalbert, der in der souveränen Genialität seiner Natur von sich sagen durfte, daß er niemals nötig gehabt, sich von einer Kette loszuringen. Ich nun, weichen empfänglichen Sinnes, wie ich war, und geneigt, einem stärkeren Eindruck leicht nachzugeben, ja, diesen Eindruck, mochte er nun von Menschen oder Dingen kommen, in der Phantasie Proportionen annehmen zu lassen, welche die Wirklichkeit weit übertreffen, hatte einen viel schwereren Stand gehabt. Die Schauer religiöser Empfindungen, die Feierlichkeit der Kirche und ihres Apparates, die Scheu vor dem, was mit dem Anspruch legitimer Autorität vor uns tritt – ich hatte alles zuerst in seiner Vollgewalt auf mich wirken lassen, um freilich, sobald ich dahinter kam, daß ich ein betrogener Selbstbetrüger, und, was ich für göttlich und allem Zweifel entrückt gehalten, doch eben auch nur ein Produkt des Menschenwitzes und ach! oft welcher kläglichen, egoistischen Klügelei war, ohne Erbarmen den gleißenden Schleier zu zerreißen, der mir das Götzenbild so lange verborgen hatte, und nie wieder vor demselben zu knieen.

Aber wenn ich mich manchmal selbst über die fanatische Heftigkeit wunderte, mit welcher ich jetzt nach Wahrheit strebte und verlangte, daß ihr die gebührende Ehre erwiesen werde, so waren freilich die Schicksale meines Lebens wie ausgesucht gewesen, um eine angeborene Neigung, mich durch den Schein blenden zu lassen, gründlich zu zerstören. Ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre, hätte ich in soweit geordneten Familienverhältnissen aufwachsen können. Nun aber war das Gegenteil der Fall gewesen. Ich hatte einen Vater, der mir nicht Vater sein durfte, eine Mutter, die mir nicht Mutter sein wollte; wiederum an Stelle jener beiden jemand gefunden, der in der Fülle seiner Liebe mir beide ersetzte. Meine geistigen Geschwister waren nicht meine leiblichen; in Gott weiß welchem fremden Menschen konnte ich einem leiblichen Geschwister begegnen, und empfand vor einer solchen Möglichkeit nach meinen entsetzlichen Erfahrungen am herzoglichen Hofe ein erklärliches und berechtigtes Grausen. Wiederum existierten Onkel und Tanten, Vettern und Kousinen, die ich niemals mit diesen traulichen Namen ansprechen würde, denen ich ewig ein Fremder bleiben mußte. Wie mochte es anders sein, als daß mir mit der so gründlich zerstörten Heiligkeit der heiligsten aller Institutionen: der der Familie, auch die Heiligkeit aller anderen problematisch geworden war? ich anfing darüber zu grübeln, ob in denselben nicht ebenfalls der Schein sich breit mache, all das Unheilige zu verbergen, das sich dahinter versteckt? Und der wahrhaftige Mensch, der sich mit dem Haß gegen diese Scheinheiligkeit erfüllt, nicht eben nur die Aufgabe auf Erden habe, so weit seine Kräfte reichen, diese Scheinheiligkeit zerstören zu helfen und der Wahrheit zum Siege den Weg zu bahnen?

Eben diese Aufgabe nun glaubte ich energischer anfassen zu können, wenn ich, nach dem Vorgang des Vaters, den letzten Rest der kläglichen Anmaßung, etwas anderes und besseres vorstellen zu wollen, als es dem Gros der Menschheit beschieden ist, fahren ließe, und ein Mann des sogenannten gemeinen Volkes würde: ein Arbeiter und Handwerker, wie er es gewesen war. Hatte er ein völliges Glück in der Entsagung gefunden, weshalb sollte mir nicht ebenfalls gelingen, dies Höchste zu erreichen? Und die Entsagung war mir ja so leicht gemacht! war eigentlich keine mehr! Man entsagt doch nur dem, was man hat. Und was hatte ich? Nicht Vater, Mutter, nicht Geschwister oder Verwandte; nicht Haus und Hof und Besitz irgend welcher Art; nicht Rang und Stand; keine Heimat, höchstens ein bei dem Mangel aller Legitimationspapiere, selbst eines Geburtsscheines, sehr bestrittenes Heimatsrecht. Die paar Illusionen aber, die mir noch etwa im Kopfe spukten, mochten mit dem andern in den Kauf gehen!

So stand mein Entschluß fest!

Mich aus meinen augenblicklichen Verhältnissen zu lösen, war herzlich leicht. Die Geschäfte der kleinen Truppe, zu der ich gehörte, gingen in diesem Jahre noch ganz besonders schlecht. Einen Direktor hatten wir eigentlich nur dem Namen nach, um dem Dinge vor den Augen des Publikums doch ein gewisses Ansehen zu geben. Im übrigen spielten wir bereits seit vier Wochen »auf Teilung«, und den anderen war es ganz genehm, wenn durch mein Ausscheiden der Divisor in den schmalen Dividendus sich um eines verringerte. Man mußte dann freilich einige Stücke vom Repertoire streichen; aber das war kein Verlust, da dem wenig zahlreichen Publikum völlig gleichgültig war, was gespielt wurde, wenn nur gespielt wurde; und es so noch öfter als zuvor Gelegenheit hatte, Lamarque zu sehen, den es sich mit Recht zu seinem Liebling erkoren. Er hatte sich zum Winter ein Engagement an einem der besseren kleinen Berliner Theater zu verschaffen gewußt. Ich freute mich darüber seinethalben, der damit den Fuß auf die erste Sprosse der Leiter setzte, deren letzte zu erreichen er berufen und entschlossen war; und auch ein wenig um meinetwillen. Wir waren in der kurzen Zeit Freunde geworden, da ich ihn aufrichtig bewunderte und er keinerlei Veranlassung hatte, in mir einen Rivalen zu sehen. So nahm ich denn keinen Anstand, ihm mein Geheimnis mitzuteilen.

Auch ich wollte nach Berlin.

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.