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Was will das werden? Zweiter Theil

Friedrich Spielhagen: Was will das werden? Zweiter Theil - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Spielhagen
titleWas will das werden? Zweiter Theil
publisherVerlag von L. Staackmann
printrun6. Auflage
year1895
firstpub1885
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20151204
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Achtes Buch.

I.

Wenn es, wie ich glaube, das Los des genialen Menschen ist, einsam sein zu müssen, weil er nur so voll und ganz der Aufgabe, die zu vollbringen er in die Welt kam, leben kann, so ist es das Glück von uns anderen Sterblichen, liebend einem reineren und höheren Wesen dienen, verehrend zu ihm aufblicken, es zum Zentrum unsers Denkens und Empfindens machen zu dürfen.

Schon einmal war ich dieses hohen Glückes teilhaftig geworden: als ich, ein liebebedürftiges Kind, ein enthusiastischer Knabe, in dem Sargtischler, meinem Adoptivvater, einen jener seltensten Menschen fand, dessen reines Herz ganz Liebe, dessen Denken ganz still-tiefe Anbetung der Gott-Natur ist. Nach seinem Tode war ich verwaist gewesen und hatte mich schmerzlich so gefühlt, trotzdem ich mir sagte, daß der sanfte Träumer nicht für immer mein Leitstern hätte sein können; und der neue Stern, dem ich fortan würde folgen müssen, auch bereits an meinem Horizonte aufgegangen sei. Um freilich alsbald wieder von Wolken verdeckt zu werden, so daß ich manchmal wohl an seiner Wesenhaftigkeit irre wurde und die schöne Erinnerung, die mir von ihm geblieben, für ein Trugbild hielt, ein Spiel meiner Phantasie, welche zum anderenmale aus einem Menschen, wie die anderen auch, einen Halbgott gemacht.

Bis die Wolken sich verzogen, und er wieder heraustrat und hinein in die Wirklichkeit meines Lebens: kein Trugbild, wenn auch kein Halbgott, man müßte denn einen edelsten Menschen so nennen dürfen, – und ich wüßte nicht, weshalb man es nicht dürfte –: einen Menschen, in dessen Seele kein Falsch, so wenig wie in der Kinderseele meines ersten Vaters. Und der doch kein Träumer war, wie jener, sondern mit großem Blick das Leben überschaute, der Welt Geschichten aus dem Grunde kannte; und in dem ich deshalb meinen zweiten und rechten Vater: das Vorbild des nun mündigen, wie er, nach dem Höchsten strebenden, wie er, für seine Ueberzeugung zu allen Opfern entschlossenen Jüngling-Mannes lieben und verehren durfte.

Wunderbarerweise aber hatte er all diese Jahre im stillen sich nach mir gesehnt, wie ich mich nach ihm; und wiederum eine seltsamste Fügung war es, daß ich in sein Leben zum zweitenmale trat in einem Moment, wo er sich völlig verlassen fühlte, wie ich mich, und unglücklich, wie es nur ein Mensch sein kann, dessen Leben ganz Ehre und Treue und opferwillige Hingabe an seine Pflicht gewesen ist, und der in reifen Jahren von dem gräßlichsten aller Zweifel gepackt wird, ob jene Pflicht nicht doch am Ende ein Etwas, dem weiter so zu dienen, sich nicht verträgt mit der Ehre, welche man der erkannten Wahrheit, und der Treue, die man sich selber schuldig ist.

Unglückliche, bewunderungswerte Zeit, in welcher nur die Seelen derer von Zweifeln nicht zerrissen werden, die nie daran gezweifelt haben, daß, seinen weltlichen Vorteilen, wie man sie nun eben versteht, nachzutrachten, die einzige eines vernünftigen Menschen würdige Aufgabe sei!

Das ist der Fluch meines Standes, sagte der Oberst, daß er in einem leider allzugroßen Bruchteil aus Leuten besteht, die, bereits hervorgegangen aus einem der bevorzugten Stände, um in den am meisten bevorzugten zu treten, sich durch eine weite Kluft von der anderen Menschheit getrennt sehen, ja, nach der Weisung ihrer Vorgesetzten, sich nicht anders als so sehen dürfen; und, was das Schlimmste ist, infolge einer höchst einseitigen, rein fachgemäßen, von vielen noch dazu nur von der Oberfläche geschöpften Bildung gar nicht anders sehen können. Daher bei ihnen, wie bei allen, die nicht in der Sache und für die Sache leben, der übermäßige Wert, welcher auf das rein Persönliche gelegt wird; das Junkerhafte, das dadurch nicht schöner wird, weil es uniformiert ist; die krausen Auswüchse einer im übrigen ehrenwerten und notwendigen Kameraderie; die Anbetung des Erfolges; das Langen und Bangen nach der höheren Charge, nach raschem glänzendem Avancement, im Notfalle über die Köpfe der vielgeliebten Kameraden weg.

Und die anderen? fragte ich.

Die anderen, erwiderte er, sind wirkliche Soldaten, die nicht ewig sinnen und trachten, wie sie sich poussieren, sondern wie sie ihr Handwerk vervollkommnen können. Sie leben in der Sache und verdienen den Respekt, der ihnen gezollt wird, und dessen sie sich rein erfreuen dürfen, weil sie ihn nicht anmaßlich herausfordern und ertrotzen, wie jene. Dennoch befinden auch sie sich zu der übrigen Gesellschaft in einer problematischen, um nicht zu sagen, schiefen Stellung, welche aus dem eigentümlichen Verhältnis ihres Metier zur Gesamtkultur resultiert. Denn diese strebt mit aller Macht dahin, eben das Metier, dem sie sich geweiht haben, überflüssig zu machen; ja sie selbst tragen in dem Maße, als sie das Handwerk zur Wissenschaft steigern, zu diesem Zwecke bei und sollen dazu beitragen. Das wissen freilich selbst von den besten nicht viele; und die es wissen, verlangen, daß es ein esoterisches Geheimnis bleibe. Wehe dem, der das Geheimnis profaniert, indem er es öffentlich macht, wie er doch endlich muß, wenn er die letzten praktischen Konsequenzen seines Wissens gezogen sehen will. Dann ist der Verräter am Soldatenstande, womöglich am Vaterlande fertig.

Das waren denn bei diesem Manne nicht hypochondrische Grillen – er hatte es an sich erfahren. Seine Stellung war nicht völlig erschüttert, wie mir Graf Pahlen gesagt hatte, aber sie war erschüttert; man hatte ihm bereits zu verstehen gegeben, daß es besser sei, wenn er den Abschied nähme.

Es fragt sich nur: besser für wen, meinte er lächelnd. Für mich schwerlich. Ich habe meine Pflicht zu thun geglaubt und will auch nicht den Schein auf mich laden, als ob ich daran im mindesten zweifele. Muß man mich dem System opfern, nun gut, so thue man es. Mich ihm selbst zu opfern, nachdem ich seine schweren Mängel erkannt zu haben glaube, kann nur eine Ehre diktieren, die nicht die meine ist. Ebenso wie, daß ich die Autorschaft der Broschüre öffentlich ablehne. Wäre ich der Autor, so hätte ich mich genannt; da ich mich nicht genannt habe, bin ich es nicht. Teilte ich die in der Broschüre vertretenen Ansichten völlig, könnte ich allerdings nicht länger nach dem allgemeinen Dafürhalten, das ich zu ehren habe, Soldat sein. Ich thue es nicht. Mit meinen Ansichten, wie ich sie ausgesprochen – und andere unausgesprochene und die ich auszusprechen mich fürchtete habe ich nicht – kann man Soldat sein. Wurzelt doch meine Ueberzeugung eben darin, daß ein rechter Soldat, der auf der Höhe seiner Wissenschaft steht, heutzutage diese Ansichten haben muß – vielmehr: hat, und, wenn er sich scheut, damit hervorzutreten, einer heiligsten Pflicht nicht gerecht wird. Das ist Kardinalpunkt der Differenz zwischen mir und meinen Gegnern. Beweise man mir, daß ich in diesem Punkte unrecht habe, und ich lege auf der Stelle meinen Degen zu den Füßen meines Kriegsherrn.

Jene Broschüre, auf welche der Oberst anspielte, war dieselbe, von welcher schon der Graf gesprochen. Ich hatte sie jetzt gelesen, und ich glaubte, auf den Verfasser schwören zu können. Das statistische Material, – es handelte sich wesentlich um unser Rekrutierungssystem, dessen geflissentliche, aus einem falschen, aber hartnäckig behaupteten System resultierende Mangelhaftigkeit behauptet wurde – mochte der Graf geliefert haben; im übrigen war es Adalberts Werk. Das war sein Tiefsinn, der nicht ruhte, bis er auf den Grund der Dinge getaucht; das war die Kraft, die mit den schwersten Problemen spielen zu können schien; das war der Donner der Rede, den nur er zu entfesseln vermochte; das war die köstliche Ironie, mit der nur er einen minderen Gegner abzufertigen wußte. Das war, alles in allem, der Adalbert, wie ich ihn kannte von den Unterhaltungen her auf unsern einsamen Spaziergängen oder beim Dämmerschein seines Studierlämpchens der kleinen Stube rechter Hand in dem Hause der Strandstraße – nur nicht mehr der skeptische, in seinen eigenen Schmerz hineinwitzelnde Jüngling: ein gereifter, ganz in sein gewaltiges Talent hineingewachsener, bis an die Zähne mit dem schwersten Rüstzeug der Wissenschaft bewaffneter Mann, dessen Kraft und Bedeutung nicht besser gemessen werden konnten, als an dem Gegner, der ihm in einem hochgestellten Offizier erstanden war, und über dessen Leistung selbst die Offiziere, die zum Oberst kamen, die Achseln zuckten. Sie hatten Grund dazu und zur Anwendung des alten Wortes, daß Gott uns in Gnaden vor unsern Freunden bewahren möge.

Es waren fast alle jüngere Leute, diese Herren Offiziere, in deren Kreis, wie er sich wöchentlich einmal um den frugalen Theetisch des Oberst versammelte, ich als sein vertrauter Privatsekretär nun aufgenommen wurde: ohne Ausnahme über das Durchschnittsmaß intelligente Männer von solider Fachbildung, mit welcher einer und der andere auch schöne humanistische Studien zu verbinden gewußt hatte. Ich gestehe, daß ich mich soweit wohl in diesem Kreise fühlte, dessen feine, durch das militärische Dekorum kaum merklich erhöhte Formen meinem Geschmack zusagten; aber auch freilich nur so weit. Dann trat die tiefe Kluft hervor, welche zwischen den Ueberzeugungen dieser Männer und den meinen obwaltete; und ich konnte nicht anders als in ihnen, deren persönliche Liebenswürdigkeit mich anzog und fesselte, meine Gegner sehen. Um so gefährlichere, je bestrickender ihre Liebenswürdigkeit war, je glänzender der Nimbus, welchen ihr chevalereskes Wesen und Gebaren, die schöne Loyalität der von ihnen geäußerten und vertretenen Ansichten um eine Sache breiteten, welche mir unhaltbar schien und unvereinbar mit dem Fortschritt der Menschheit, wie ich denselben eben verstand.

Aber was bei mir in Gedanken leicht genug bei einander wohnte, das wühlte bei dem Oberst in den tiefsten Tiefen seines Gemütes und preßte dem gefesteten Manne rührende Klagen aus.

Das ist es ja eben, rief er, daß ich diese Welt, die so lange meine war, die ich so geliebt, verehrt, so lange für die beste aller Welten gehalten habe, untergehen sehe – unrettbar, wenn sie sich nicht zu Konzessionen versteht, die ich für unvermeidlich halte und eben darum befürworte, ohne freilich die Garantie übernehmen zu können, welche man von mir verlangt: daß es bei diesen Konzessionen bleibt, daß ihnen nicht wieder andere folgen und folgen müssen, schließlich gleichbedeutend mit dem Untergange jener schönen Welt. Noch halte ich nicht auf dem Punkte, von welchem aus sich diese Perspektive als eine Notwendigkeit ergibt. Hielte ich da, so müßte ich mich freilich mit dem Verfasser der Broschüre identifizieren.

Der Oberst kam immer wieder auf diese Schrift zurück.

Es ist ja sehr schmeichelhaft für mich, sagte er, wenn man mir die Autorschaft zutraut und mit derselben die Kapazitäten von zwei Männern. Ich bin überzeugt, daß dies nicht einer geschrieben hat, daß hier zwei am Werke sind. Nicht mehr als zwei: die bewundernswerte Kongruenz von Inhalt und Form wäre sonst nicht möglich gewesen. Auch muß, wer die Form gegeben hat, den Inhalt wenigstens nachträglich beherrscht haben und somit ein ganzer Mann sein, einer von denen, welche wir uns wünschen müßten, und die wir leider nun in das Lager unsrer Gegner getrieben haben.

Unsrer Gegner!

Ich hatte auf dem Punkte gestanden, ihm meine Vermutung mitzuteilen, und schwieg jetzt wieder. Mußte ich doch fürchten, daß darüber die freundschaftlichen Beziehungen Schaden leiden würden, welche sich nun zwischen ihm einerseits und Adele, ihrem Gatten und Adalbert andrerseits angeknüpft hatten.

Diese Anknüpfung war gegeben in dem Augenblicke, als Adele jenen Brief an den Oberst schrieb, welcher denselben auf meine Spur gebracht und – wie die Verfasserin vorausgesetzt – zu mir geführt hatte.

Ich kannte jetzt den ganzen Zusammenhang, der im Grunde sehr einfach war, wie wunderbar mir auch seiner Zeit das Eingreifen des Oberst in mein Schicksal erscheinen mußte.

Die erste Anregung war von Adalbert ausgegangen. Nachdem ich ihn an jenem Morgen aufgesucht, seinen juristischen Rat in meinem Kampfe gegen den Trau-schau-wem-Mann zu erbitten, und er das Verzweifelte meiner Lage erkannt hatte, war er zu Adele geeilt in der Hoffnung, daß sie mir in meiner Notlage beispringen könne. Umsonst: Adeles Kasse war leer gewesen; der Graf freilich in Besitz einer größeren Summe, welche aber zu anderen als den bestimmten agitatorischen Zwecken zu verwenden, ihm sein Gewissen verbot. Adalbert hatte dem zustimmen müssen; eine Rundschau der Freunde und Gesinnungsgenossen, bei welchen der Versuch einer Anleihe etwa gemacht werden könnte, zu keinem Resultat geführt. Zwar wußte man, daß man von Emil Israel für mich so viel haben könne, wie man wolle, aber man mußte sich sagen, daß ich einen derartigen Schritt niemals nachträglich sanktionieren würde. Ueberdies war der Rechtsanwalt, auf dessen Bureau Adalbert arbeitete, der Justiziarius des Bankierhauses Israel, Löbinsky und Kompagnie, und Adalbert selbst, in seiner Eigenschaft als oftmaliger Vertreter seines Chefs in Angelegenheiten der Firma, bei denen es sich um Millionen handelte, der wenigst geeignete Vermittler einer Privat-Anleihe im Betrage von ein paar tausend Mark.

Gut, hatte Adele gesagt, wenn Ihr meinem Bruder nicht helfen könnt, – geholfen muß ihm werden, und ich werde ihm helfen. Ihr müßt mir dann freilich zugeben: auf meine Weise. – Sie hatte nun ihren Plan entwickelt, der nach kurzem Bedenken des Grafen Zustimmung fand. Länger hatte sich Adalbert gesträubt. – Ihr habt ja recht, hatte er gesagt. Der Oberst kann helfen, wird helfen und ist der einzige meines Wissens, dessen Hilfe Lothar nicht ganz zu Boden drücken wird. Auch sehe ich kein Bedenken darin, wenn Ihr Euch ihm anvertraut, was ja freilich geschehen müßte. Zum Verräter taugt der Mann nicht, und er mag ja dann selbst mit Lothar überlegen, wie weit sie sich der übrigen Familie Vogtriz entdecken wollen. Ich habe mit einem Worte gegen Ihren Plan, gnädige Frau, nur eines: daß ich Lothar den Vogtriz nicht gönne.

Natürlich war das kein Einwand gewesen, den Adele gelten ließ. Es hatte dann noch eine Unterredung zwischen den beiden Männern unter vier Augen stattgefunden, in welcher, nach Adeles Aussage, ihr Gatte Gründe vorgebracht haben mußte, die Adalberts Widerstand vollends brachen. Adele kannte diese Gründe nicht; ich glaubte sie zu kennen. Ich hatte des Grafen Wort: »revolutioniert mir die Offizierei« nicht vergessen; und der letzte Zweifel, daß der Graf und Adalbert die Verfasser der Broschüre seien, war bei mir verschwunden, seitdem ich in derselben ein paar Stellen entdeckt hatte, wie sie fast wörtlich so Adalbert in der sozialdemokratischen Versammlung gesprochen. Kombinierte ich dies beides und nahm als drittes hinzu jene ebenfalls unvergessene Aufforderung des Grafen, (welche ich damals für einen Scherz gehalten) »ich solle ins Vogtrizsche Lager gehen und ihnen den Oberst als Gefangenen zurückbringen«, so hätte ich meinen können, bei der geheimen Unterredung der Verschworenen zugegen gewesen zu sein. Denn als solche erschienen sie mir jetzt, und ich – war ihr unfreiwilliger Helfer und Bundesgenosse, Werkzeug, Spion – was wußte ich! – jedenfalls ein Etwas, das man nicht sein kann, ohne Weißfisch-Blut in den Adern zu haben.

Ich aber hatte keinen Tropfen davon – Gott sei Dank! und so war ich denn wieder einmal in der Lage, in welcher ich mich auf dem Theater so oft befunden: eine Rolle spielen zu müssen, für die ich mich ein für allemal nicht eignete, und deren Sinn und Bedeutung ich dann regelmäßig in das Gegenteil verkehrt hatte. Nur daß, was ich dort in meinem schauspielerischen Ungeschick sehr gegen meinen Willen that, ich hier mit vollem Bewußtsein unternahm und ins Werk zu setzen strebte. Der Oberst war erstaunt, als er in der Gesellschaft der Offiziere hören mußte, daß ich mich auf die Seite der Gemäßigten schlug und in den Zwiegesprächen, welche wir des Abends auf seinem Zimmer pflogen und oft bis tief in die Nacht hinein fortsetzten, im Gegensatz zu meinen früher geäußerten Ansichten, mit allem Scharfsinn und aller Gelehrsamkeit, die ich aufzubieten vermochte, für die »erhaltenden Elemente« in der Gesellschaft und »die unzerstör- und unangreifbare Kontinuität der historischen Entwicklung« plaidierte.

Ging ich nun aus diesen Disputen kaum jemals als Sieger hervor, und wurde so meine Absicht, dem Oberst, ohne daß er es ahnte, ein Warner zu sein, auch in keiner Weise erreicht, ja, – da der verehrte Mann, durch meinen Widerspruch gereizt, nur noch immer stärkere oppositionelle Wehr und Waffen hervorsuchte, – geradezu in ihr Gegenteil verkehrt, so hatte ich andrerseits den unermeßlichen Gewinn, bei diesen Gelegenheiten tiefste Blicke in das reiche Geistes- und Gemütsleben des Mannes werfen und die seltsamen Erfahrungen kennen lernen zu dürfen, die allmählich seinen frommen Glauben an die allein seligmachende Kraft des konservativen Prinzips erschüttert und ihn schließlich in die Opposition getrieben hatten.

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