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Was will das werden? Erster Theil

Friedrich Spielhagen: Was will das werden? Erster Theil - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Spielhagen
titleWas will das werden? Erster Theil
publisherVerlag von L. Staackmann
printrun6. Auflage
year1895
firstpub1885
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20151204
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VII.

Seit jenem Winternachmittage war in meinen Gefühlen zur Mutter eine Wandlung eingetreten. Nicht, als ob ich sie nicht noch geliebt hätte – ich hätte ebensowohl aufhören können zu atmen – aber in meine Liebe hatte sich ein Etwas gemischt, das ich früher nicht gekannt hatte. Mir war es früher nur als ein Unglück erschienen, daß ich von ihr nicht geliebt wurde, jetzt fing ich an, darin ein Unrecht zu erblicken, welches sie mir anthat. Ich wäre darauf sicherlich nicht für mein Teil verfallen. Nun hatte ich mein Leid in dem des Vaters wie in einem Spiegel gesehen, und es stand nun in einem anderen, klareren Lichte vor mir. War doch, was da an dem guten Vater geschah, das bare Unrecht. Warum war sie seine Frau geworden, wenn sie nichts mit ihm zu schaffen haben wollte? ihn sich von Morgen bis in die Nacht hinein in der dunkeln Werkstatt abmühen ließ, ohne ihm ein freundliches Wort, einen freundlichen Blick zu gönnen, ja, ohne ihn tage- was sage ich? wochenlang auch nur zu sehen? Denn sie nahm, was sie früher wenigstens nicht gethan hatte, jetzt auch ihre Mahlzeiten allein, und das Geschirr, dessen sie sich dazu bediente, durfte von niemand sonst benutzt werden, als wenn eine Berührung von anderer Hand es verunreinigt haben würde. So durfte ich auch, wenn ich zu ihr kam, nur immer auf einem bestimmten Stuhle sitzen, den ich dann in eine Ecke zu tragen hatte, wo ich ihn das nächste Mal wieder vorfand – ein für sie unbrauchbares, durch mich entheiligtes Möbel. Der Vater sagte: Es liegt in ihren Nerven. Sie hat einmal ein schweres Unglück gehabt, das sie in eine lebensgefährliche Krankheit warf. Davon ist sie nie wieder völlig genesen, und nun treten die schlimmen Folgen nur deutlicher auf. Wir müssen Mitleid mit ihr haben.

Ach, er hatte ja mit aller Kreatur Mitleid: mit einer Fliege, die er sorgsam aus der Schale Wasser rettete und in die Sonne setzte; mit einem zertretenen Wurm im Wege, den er lieber, so schwer es ihm ankam, selber tötete, damit das arme Geschöpf nicht länger sich zu quälen brauchte! Wie sollte er nicht Mitleid haben mit ihr, welche er, wie ich jetzt weiß und damals wenigstens ahnen konnte, mit der Glut eines Jünglings hoffnungslos liebte?

Woher ich das ahnen konnte?

Aber hatte es sich denn nicht auch bereits, ihn jetzt mit verwunderter Neugier, jetzt mit ahnungsvollem Bangen erfüllend, in Sinnen und Herzen des Knaben-Jünglings zu regen begonnen? und war jenes Bild der Mutter und die heißen Thränen, die er bei dem Anblick desselben vergossen, für sein junges Herz nicht gewesen, was ein Frühlingsgewitter ist für die sprossende dürstende Saat?

Ich hatte das Bild nicht wieder gesehen und scheute mich, den Vater zu bitten, es mir noch einmal zu zeigen. Es bedurfte dessen auch nicht, denn, als wäre es nun in meiner Seele, sah ich es vor mir mit den kleinsten Einzelheiten, sobald ich nur die Augen schloß. Besonders des Abends vor dem Einschlafen. Sogar des Nachts im Traum; nur daß ich es dann nicht festzuhalten vermochte, wie im Wachen, sondern es sich verwandelte, immer wieder in weibliche Gestalten: in Frau Hopp oder ihre Tochter Christine, die mir im Alter gleich war, oder in Frau Israel oder Jettchen. Dann am Tage, wenn ich ihnen begegnete, sah ich sie, von denen ich geträumt hatte, mit scheuen Augen darauf an, ob sie mir wohl, was sie doch im Traum gethan, einen Kuß geben würden, wenn ich sie darum bäte.

Denn dies, ein einziges Mal von einem weiblichen Munde geküßt zu werden, war bei mir zur fixen Idee, zu einem Verlangen geworden, das mich verfolgte wie den Gelehrten, den Dichter das Problem, dessen Lösung ihnen vorschwebt, nur daß sie die fliehende, zerflatternde nicht ergreifen und festhalten können. Mein Problem wäre scheinbar leicht zu lösen gewesen: das Mädchen, das unsre kleine Wirtschaft besorgte, war ein hübsches leichtfertiges Ding mit blitzend weißen Zähnen in dem immer lächelnden großen Munde und großen grauen, begehrlichen Augen. Sie hätte mich sicher geküßt, wenn ich sie darum bat, ja, es fehlte nicht viel, so hätte sie es ungebeten gethan; aber ich hatte sie einmal des Abends in der Dämmerstunde auf dem Wall zwischen den Haselbüschen den tollen August küssen sehen – von ihr wollte ich keinen Kuß. Und wenn ich es mir recht überlegte, von den anderen auch nicht. Am wenigsten von Frau Israel, deren kleine kurzsichtige Augen beständig zwinkerten und stets etwas gerötet waren, und in deren Munde zwei obere Schneidezähne über die Unterlippe so weit vorragten, daß ich alles Ernstes zu überlegen begann, ob die gute Frau beim besten Willen wirklich einen Kuß geben könne, und Emil, der »oft« von ihr geküßt sein wollte, nicht aus Pietät gelogen habe. Bei Frau Hopp waren dergleichen Ausstellungen nicht zu machen; auch wußte ich, sie würde den armen Jungen aus reiner Gutherzigkeit so oft geküßt haben, wie er wollte. Aber gerade das war es. Ihr Kuß hätte mir immer noch viel höher gestanden, als der der hübschen Marie; aber ein rechtes Verdienst wäre doch dabei nicht gewesen. Sie küßte eben Mann und Kinder, Onkel und Tanten, Vettern und Kousinen – alles, was ihr in den Weg kam. Und dann, sie hatte ihr dickes blondes Haar nie ordentlich gemacht und trug beständig ausgetretene Schuhe. Und darin glich ihr Christine wie ein kleineres Ei dem größeren, nur daß dazu der Wildfang immer ein Kleid anhatte, das irgendwo aus der Naht geplatzt und ebenso irgendwo zerrissen, und – wenigstens während des Sommers – mit den Flecken derjenigen Kirschen betupft war, die gerade reif standen, und die sie sich mit Vorliebe selbst aus den Bäumen holte.

So blieb denn freilich niemand übrig, als Jettchen Israel, und sie war es, welche ich als Königin auf den leerstehenden Thron meines Herzens setzte. Nicht ohne einiges Zaudern. Denn in Wirklichkeit trug ich nicht das mindeste Verlangen danach, gerade von ihr geküßt zu werden, worauf es mir doch, als auf die Lösung des Problems, in erster Linie ankam. Aber eben weil der Preis des Sieges ein rein idealer war – die Tilgung eines Unrechts, das an mir geschah, und das ich immer mehr als eine Schmach zu empfinden begann – desto rühmlicher schien mir der Sieg, desto heroischer der Kampf. Es war die reine Donquichoterie. Der edle Don ist ja nicht blind; er sieht die Windmühlen, er sieht die Schafherde, so gut wie Sancho; aber er will sie nicht sehen; sie sollen nicht sein, was sie sind; sie sollen das sein, wozu er sie macht und machen muß, oder er ist nicht der Ritter ohne Furcht und Tadel, der eine aus den Fugen gegangene Welt einzurichten hat, sondern mag ruhig nach Hause gehen und mit seinem Sancho Kohl pflanzen und Schweine hüten.

So sah ich denn auch Jettchen vollkommen, wie sie war: ein in ihrem Wachstum verkümmertes, linkisches, verschüchtertes Mädchen, das, wenn sie sprach (was sie selten that), stark lispelte und dazu mit ihren sanften scheuen braunen Augen überall hinblickte, nur nicht auf den, welcher mit ihr redete. Aber ich wollte sie so nicht sehen; in meines Geistes Aug' war sie die Rose von Saron, eine schlanke Palme in der Wüste, ein Reh, das unter Lilien weidet; war sie vor allem Rebekka, die Tochter Isaaks von York. Hieß doch ihr Vater wirklich Isaak, und konnte ich mir doch einbilden, daß in den stets verschlossenen Räumen des oberen Stockes im Giebelhause all die märchenhaften Schätze aufgehäuft waren, welche das Auge des treuen Schweinehirten blendeten, als sich ihm die Geheimnisse des dunklen Judenhauses öffneten. Da zu der Rebekka selbstverständlich ein Ivanhoe gehörte, so war ich offenbar der nächste zu dieser rühmlichen Rolle, in die ich mich mit um so größerer Leidenschaft warf, als ich bald herausfand, daß sie nicht minder schwierig als rühmlich sei. Denn woher in aller Welt die belagerte Burg nehmen, in dessen Erkerzimmer die schöne Jüdin den kranken Helden pflegt (während der grimme Front de Bœuf ihren alten Vater auf einem Rost braten will)? woher das stolze Klosterschloß, in dessen Hof ich um sie, die bereits auf dem Scheiterhaufen steht, auf Tod und Leben mit dem wilden Templer kämpfe? Es fehlte eben in traurigster Weise an allen und jeden romantischen Requisiten, aber wann hätte sich ein Knaben-Jünglingsherz durch den Mangel an dergleichen Kleinigkeiten irre machen und von seinem Ziele abschrecken lassen! Zuerst konnte ich noch immer indirekt dadurch mich als Jettchens Ritter erweisen, daß ich ihren Bruder vor seinen verschiedenen Feinden in Schutz nahm, und das that ich denn auch auf die geringste Veranlassung hin in so übertriebener Weise, daß ich mit meiner Freundschaft für den »Judenjungen« binnen kurzem zum Gespött der gesamten Sekunda geworden war. Sodann, wenn die Abenteuer dem Helden nicht in den Weg kommen wollen, muß er sie eben aussuchen und bei dem Bestehen derselben daran festhalten, daß er mit jeder kühnen That, auch wenn die Beziehung auf seine Dame unerfindlich ist, doch stets seiner Dame dient und so einen Schritt weiter thut auf dem steilen und rauhen Wege zu dem erhabenen Ziel.

So war es ein steiler Pfad, den ich auf Wendeltreppen und Leitern mit dem »mallen Heinrich« bis auf die oberste Galerie des Nikolaiturmes hinaufklomm, und weiter bis in die höchste Spitze unter dem Wetterhahn. Das letztere aber that ich mit ganz augenscheinlicher Gefahr meines jungen Lebens, weil der »malle Heinrich« von der Galerie aus, trotzdem die Sonne glorreich leuchtete und eine große Flucht Tauben den Turm umkreiste, so weit er auch die blöden Augen aufriß oder mit den zugekniffenen in die Sonne blinzelte, keine Spur von blauen, grünen und roten, Ringelringel-Rosenkranz tanzenden Engeln entdecken konnte. Ach, er entdeckte sie auch oben durch die schmale Luke unter dem Wetterhahn nicht; und fing, während er da auf der Leiter hockte (die ich der sehr fraglichen Sicherheit wegen unten hielt), so bitterlich an zu weinen, daß mir vor Mitleid mit dem armen Menschen und vor Sorge um ihn (und auch wohl ein wenig um mich), trotzdem ein fürchterlicher Wind durch die Ritzen pfiff, der helle Angstschweiß von der Stirn tropfte, und ich trotz meines Heldentums Gott dankte, als wir endlich aus der wackelnden Turmröhre heraus und die Leitern und Treppen hinab wieder unten auf dem grasdurchwachsenen Pflaster des Kirchhofs standen.

Und rauh war auch der Pfad, den ich mit Fritz Brinkmann (Kutscher Brinkmanns Sohn) gegen Sturm und Wellen nach unserm Ankerplatz unter dem Wall an einem dunkeln Herbstabend zurückkreuzte. Fritz Brinkmann, mit dem ich das alte halbverrottete Boot in wochenlanger Arbeit kalfatert und segelfertig gemacht hatte, war der Meinung gewesen, wir sollten uns zu der Probefahrt einen stilleren Tag mit Nord-West wählen, da wir heute bei dem scharfen Süd-Ost leicht zu weit vom Lande ab und in die See treiben könnten, auch wenn sich »die« Boot regieren lasse, was er für sein Teil noch gar nicht beschwören wolle. Das war gewiß sehr verständig, und da Fritz bereits Halbmatrose war (sein Schiff lag im Hafen, um Israelschen Weizen nach England einzunehmen), so mußte er die Sache auch kennen. Aber wo wäre das Abenteuer geblieben, wenn man die Gefahrlosigkeit des Unternehmens beschwören konnte! So that er mir denn den Willen (wie ich auch sonst das fragliche Glück hatte, die Menschen mir leicht willfährig zu machen), und wir segelten stolz aus unsrer Bucht, um drei Stunden später, nachdem wir Mast und Segel verloren, heimzukehren, dem Tode nur um eines Haares Breite entronnen, und von der fürchterlichen Arbeit des Ruderns so erschöpft und zerschlagen, daß, als wir »die« Boot endlich wieder auf den Strand gezogen hatten und vom Strand aus den hohen Wall hinauf mehr krochen als schritten, die vertierten Piraten, welche ich so oft an eben dieser Stelle bekämpft, Mitleid mit den armen Schiffbrüchigen gehabt haben würden.

Wenn ich nun so die Genossen zu meinen Abenteuern nahm, wie diese selbst: aus dem Stegreif, so sind doch jene Streifereien in meiner Erinnerung die herrlichsten, wo ich auszog, niemand zur Begleitung als meine allzeit geschäftige Phantasie. Und ich dann, müde vom Umherstreifen, im dichten Forst dem Winde lauschte, der in feierlichen Kadenzen durch die hohen Fichtenwipfel strich, hingelagert am Rande des Grabens, in dessen braunklarem Wasser die Käfer geschäftig ruderten, während das Abendrot immer tiefer zwischen den dunklen Riesenstämmen entglomm, und am grünlichen Himmel über dem Walde die goldene Sichel des Mondes heller erglänzte, den Träumer zur Heimkehr mahnend. Und nun dem Heimkehrenden, ehe er sich's versah, die Nacht hereinbrach, die ihm vertraute Gegend in Dunkel und Geheimnis hüllend, aus der die Möglichkeit aller Gefahren von rechts und links hervorzulugen und zu wispern schien, und der melancholisch ahnungsvolle Ruf der wilden Schwäne, die unsichtbar hoch über ihm gen Süden zogen, in seinem jungen Herzen ein Bangen und Sehnen wachrief nach einem Glück jenseits der Erdenschranken, für welches das Menschenwort keinen Ausdruck hat.

Und für das er nun doch, war er in sein Kämmerchen zurückgekehrt, beim Schein des Lämpchens über Büchern und Papier nach einem Ausdruck suchte in holprigen Versen und unreinen Reimen, die, wenn sie keine Poesie waren (für die er sie hielt), im Gebiet der Prosa gewiß ebensowenig eine Stelle fanden.

Bei diesem ritterlich-poetischen Mühen war nun das eigentümlich, daß ich über den Mitteln anfing das Ziel aus dem Auge zu verlieren. Apoll schien mir zuzuwenden, was Amor, in dessen Dienst ich mich doch wußte, nicht gewähren mochte, bis der Gott seinen Heiligen auf einem seiner wunderbaren Wege dahin führte, wohin er selbst nun schon gar nicht mehr wollte.

Es war aber an einem Frühlingstage in der Dämmerstunde. Ich war drüben bei Israels. Der Vater Isaak arbeitete in seinem Comptoir, die Mutter schaffte in der Küche an dem bevorstehenden Abendessen, Emil hatte man auf irgend eine Kommission in die Stadt geschickt, so befand ich mich mit Jettchen allein in der Wohnstube, wo es niemals sehr hell war und jetzt schon zu dunkeln begann. Ich erinnere mich nicht, mit ihr jemals vorher allein gewesen zu sein; aber ich kann nicht sagen, daß mir deshalb heute das Herz lebhafter klopfte. Im Gegenteil: ich dachte gar nicht an sie, sondern saß in meine Träumereien verloren da, während sie an dem klappernden Klavier leise, wie um mich nicht zu stören, phantasierte. Sie hätte mich gern stören mögen: es waren keine goldenen Träume, die mich umgaukelten. Ich hatte die Mutter wieder einmal eine volle Woche nicht zu Gesicht bekommen, und seit einigen Tagen war auch der Vater, verstimmt über eine dringende Arbeit, die ihm mißraten war, gegen seine Gewohnheit teilnahmlos oder zum mindesten wortkarg für mich gewesen. Ich fühlte mich allein und verlassen, wie noch nie, in unserm einsamen Hause und war eben deshalb hinüber zu Israels geflüchtet. So, in mich hinein brütend, hatte ich Jettchens Gegenwart und ihres Spiels gar keine Acht mehr gehabt, als sie plötzlich zu singen begann. Ich hatte sie noch niemals singen hören, und das war es auch wohl, was mich aufhorchen machte. Sie sang mit ganz leiser, überaus zarter Stimme, daß es wie Schwalbengezwitscher war und nur durch die rhythmische Folge und herrliche Reinheit der Töne zu Menschengesang zu werden schien. Auch verstand ich erst, trotzdem ich ihr ganz nahe saß, den Text nicht, bis auch der dem betroffen Lauschenden zum Bewußtsein kam: ein Lied, das ich nie zuvor gehört hatte und seitdem nie wieder gehört habe, ohne voll Rührung jener Stunde zu gedenken, das schöne Volkslied von dem Armen, der sich so allein und verlassen weiß »wie der Stein auf der Straßen«. Wie paßte das doch so sonderbar auf mich und in meine Stimmung! Ich saß da mit starren Augen und klopfendem Herzen und blieb so, als sie jetzt endete und die zarten Hände von den Tasten auf den Schoß gleiten ließ. Ein paar Momente blieben wir so still nebeneinander, bis sie auf einmal die Hände vor das herabgeneigte Gesicht drückte und bitterlich zu weinen anfing.

Warum weinest Du, Jettchen? fragte ich erstaunt.

Weil auch Du so allein und verlassen bist, flüsterte sie.

Das Wort, das ich nicht erwartet hatte, traf mich ins Innerste.

Jettchen! stammelte ich.

Du armer Junge! rief sie schluchzend.

Und plötzlich hatte sie mich, der ich in meiner Erregung vom Stuhl aufgesprungen war, mit beiden Armen umschlungen und mich geküßt.

Und war dann, einem verschüchterten Vögelchen gleich, aus dem Zimmer gehuscht.

Ich aber stand an allen Gliedern zitternd da, und suchte mir klar zu machen, daß Jettchen mich geküßt hatte, daß mich ein weiblicher Mund zum erstenmal geküßt hatte.

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