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Was da kriecht und fliegt!

Ernst Ludwig Taschenberg: Was da kriecht und fliegt! - Kapitel 91
Quellenangabe
typereport
authorErnst Ludwig Taschenberg
titleWas da kriecht und fliegt!
publisherVerlag von Wiegandt, Hempel & Parey
printrunZweite, neu bearbeitete Auflage
year1878
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectidb063374f
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Die vierfleckige Wasserjungfer.

( Libellula quadrimaculata)
siehe Bildunterschrift

a. Geschlossene Maske von außen gesehen, b. wenig geöffnete von innen, beide vergrößert, c. vierfleckige Wasserjungfer, d. erwachsene Larve mit vorgestreckter Maske, e. deren Haut. nachdem die Libelle ( Libellula vulgata) ausgeschlüpft ist.

Bange Gewitterluft lagert über dem sonst so kühlen Walde. An seinen offenen Stellen wagst Du kaum zu athmen, die Schwüle der Atmosphäre scheint es der beklommenen Brust zu verbieten. Je mehr Du Dich gedrückt fühlst, desto ungebundener und freier schwirrt Dir an den Ohren jeden Augenblick ein schlankes Insekt in wildem Fluge vorbei. Du kennst es unter dem Namen der Wasserjungfer, den wir Deutsche den Franzosen nachgebildet haben mögen, welche, immer galant, diese Thiere » Demoiselles« nennen. Ihre Bewegungen sind leicht und gewandt, ihre Kleidung seidenartig glänzend, bunt und mit den feinsten Spitzen besetzt, das ist wohl wahr, aber im Charakter haben sie mit niemandem weniger als den Jungfrauen Aehnlichkeit. Wer Okens Naturgeschichte studirt hat, lernte sie unter dem Namen Schillebolde (schillernde Bolde) oder Teufelsnadeln kennen. Der stets praktische Engländer hat die Thiere am besten charakterisirt, wenn er sie » Drachenfliegen« ( Dragon-flies) nannte; aber auch Pferdestecher ( horse-stringers) heißen sie dort im Volksmunde, wie bei uns je nach den Gegenden Augenstößer, Brettschneider, Himmelspferde.

Man möchte fast glauben, es ginge besagten Wesen jetzt wie den Katzen mit ihrem elektrischen Felle, die Nähe eines zur Entladung kommenden, oder mindestens drohenden Gewitters rufe in ihrem Organismus eine nicht bezwingbare Unruhe hervor. Hier läßt sich eine an einem Baumstamme oder auf dem Wege vor uns nieder; herrlich schillern ihre feinmaschigen, langen Flügel in allen Farben. Im nämlichen Augenblicke fährt sie ebenso wild auf wie sie sich niederließ. Dort stürzt eine wie ein Raubvogel in jähem Schusse auf eine unglückliche Fliege, gönnt sich aber nicht die Ruhe, sie sitzend zu verzehren, sondern verschlingt ihre Mahlzeit im Fluge, zugleich nach einem neuen Leckerbissen ausschauend mit den übermäßig großen Augen. Mehr als einmal ist es mir begegnet, daß eine Wasserjungfer flinker war, als ich und den Spanner, oder das sonstige Insekt, welches ich auf dem Zuge hatte, mir vor der Nase wegschnappte und nur das – – Nachsehen ließ. Manche lieben es, fortwährend im Kreise zu fliegen, besonders über Wasser, wobei sie fangen und verschlingen, was in ihr Bereich kommt, ihres Gleichen durch einige Bisse aus dem Jagdreviere verdrängen, vielleicht auch nebenbei ihre Eier in das Wasser fallen lassen. Andre kann man in tanzender Bewegung, mit der Hinterleibsspitze das Wasser berührend, bei letzterem Geschäfte beobachten. Durch solches und ähnliches Treiben und unermüdliche Flugfertigkeit unterhalten die Libellen fast allerwärts vom Mai bis gegen den Herbst an warmen Tagen den Spaziergänger, wenn anders er ihnen einige Aufmerksamkeit schenken will. An einem schönen Sommertage gegen Abend fesselte mich eine große Schaar lange Zeit durch ihren wilden Flug um die Krone einer mehr vereinzelt dastehenden alten Kiefer in dem uns benachbarten Walde. Von der Höhe herabsteigend sausten einzelne zwischen dem zerstreuten Buschwerke am Boden nach allen Seiten durch, an mir mit knisterndem Flügelschlage vorüber, um sich wieder zu voriger Höhe zu erheben, gleich einem wilden Heere, dem Zucht und Ordnung vollständig abhanden gekommen. Das Ganze schien ein übermüthiges Spiel, der Ausdruck des höchsten Behagens zu sein; denn es ging in jeder Hinsicht friedlich zu, keine packte die andere am Kragen, keine mochte einen Raub erhaschen; denn der Flug war zu wild, die Nachfolge zu schnell um andern kleineren Insekten in der Umgebung Raum zu lassen. Wenn ein und die andere, zu flüchtiger Ruhe auf dem Spitzchen eines dürren Reises sich niederließ, so war die wogende Athembewegung durch den ganzen Körper deutlich wahrzunehmen.

Schwirrend schweben
Sie dahin im Sonnenglanz;
Ja ihr Leben
Ist ein einz'ger Reigentanz!

Ist es rauh und windig, so sitzen sie fest und lassen sich viel eher mit den Fingern wegnehmen, als sonst mit den besten, noch so geschickt gehandhabten Fangwerkzeugen erwischen.

In Farbe, Größe, Art des Fluges und in dem Baue der einzelnen Glieder findet sich bei den verschiedenen Arten mancherlei Abwechslung, doch wird man bei allen größeren in letzterer Hinsicht durchschnittlich das wiederfinden, was jetzt an einer gemeinen, der vierfleckigen Libelle, etwas genauer betrachtet werden soll.

Der große, fast kugelige Kopf, durch einen dünnen Hals mit dem Rumpfe verbunden, zerfällt in drei gleiche Theile, die zwei seitlichen nehmen die prächtig schillernden, auf dem Scheitel zusammenstoßenden Netzaugen ein. Diese erreichen einen solchen Grad der Entwickelung, daß man bei günstig auffallendem Lichte und genauer Betrachtung auch ohne Linse die kleinen Felder (Facetten) auf ihrer gewölbten Oberfläche erkennen kann. Den dritten, vordern Theil bildet die Stirn, eine blasige, durch einen Quereinschnitt getheilte Austreibung, an welche sich nach unten die Oberlippe anschließt, wie der Schirm einer Mütze gestaltet und die Freßwerkzeuge etwa so schützend wie dieser die obere Gesichtspartie des Mützenträgers.

Die Mundtheile der Libellen sind vorzugsweise ausgebildet und kräftig, eine nothwendige Bedingung für die Räubernatur der geharnischten Amazonen. Die breiten Oberkiefer, mit vielen ungleichen, aber scharfen Zähnen bewaffnet, bilden eine kräftige Zange, darunter stehen die beiden kaum halb so breiten, in ein Bündel noch spitzerer Zähne endenden Unterkiefer, an deren Grunde ein eingliedriger Taster sitzt. Eine gewölbte, dreitheilige Unterlippe legt sich beim Schlusse des Mundes mit ihrem Vorderrande so an die Oberlippe, daß jene Mordwerkzeuge vollkommen eingeschlossen werden.

In dem eingedrückten Dreiecke, welches der Hinterrand der blasig aufgetriebenen Stirne einerseits und die vordern Augenränder in ihrer obern Hälfte andrerseits einschließen, erhebt sich noch eine kleinere, aber höhere blasige Auftreibung, jenes beinahe ganz ausfüllend. Am Grunde ihrer vordern, steilen Wand sitzt ein einfaches Auge, in jedem Winkel, wo sie seitwärts mit den beiden Netzaugen zusammenstößt, die zwei übrigen und neben letzteren je eine viergliedrige, aus dickem Grundglieds ruhende kurze Borste, die kaum zu bemerkenden Fühler. Bis auf letztere und die Augen ist alles mit feinen Härchen dicht besetzt.

Am Bruststücke bildet der vorderste Ring, schmaler und kürzer als die beiden andern, eine Art von Hals, der mittelste, größer und umfangreicher, als die beiden übrigen zusammengenommen einen breiten Rücken mit deutlicher Längsfurche; alle drei aber sind an der Brustseite so verschmälert und die Hinteren so schief nach vorn gerichtet, daß die Hüften der sechs Beine nicht nur sehr nahe zusammenkommen, sondern auch in höchst eigenthümlicher Weise vorgerückt sind. Dieser Bau, in Verbindung mit den Längenverhältnissen der Beine erlaubt es der Libelle, die erhaschte Beute mit den sechs Füßen vor die Mundöffnung zu drücken und jene während des Fluges in aller Bequemlichkeit zu verspeisen. Auf der entgegengesetzten, der Rückenseite gewährt er aber inwendig einen hinreichenden Raum zu Anheftungspunkten für die zahlreichen und kräftigen Flugmuskeln.

Die vier Flügel aller Libellen zeichnen sich durch die vielen hundert maschenartigen Zellen, durch ihre gestreckte Form und dadurch von denen der meisten andern Kerfe aus, daß die hintern fast ebenso gestaltet und ebenso groß sind, wie die vordern. Infolge ihrer Nacktheit und glasigen Haut bieten sie unter Umständen einen außerordentlich reichen Farbenschiller. Bei unserer Art steht am Vorderrande der Flügel und zwar an der Stelle, wo die vordern etwas eingezogen sind, und die man das »Knötchen« nennt, ein dunkles Fleckchen, welches mit einem zweiten, etwas größeren und der Spitze nahe gerückten, auf jeder Seite des Thieres vier Flügelflecke ergiebt, die ihm seinen Beinamen eingetragen haben. Ausfälliger in der Zeichnung sind außerdem die beiden dunklen, gelb genetzten Flecke an der Wurzel der in beiden Geschlechtern ganz gleich gebildeten Hinterflügel und die safrangelbe Färbung aller, besonders an ihren Vorderrändern. Noch sei bemerkt, daß die vordere Seite des »Flügeldreiecks« an den vorderen die kürzeste und besonders viel kürzer als die innere ist. Mit diesem Namen belegt man nämlich die im ersten Drittel der Flügel, zwischen der vierten und fünften aus der Wurzel entspringenden Längsader liegende Zelle, welche sich in manchen Fällen mit ihrer hintern Ecke weit nach rückwärts erstreckt.

Der etwas flachgedrückte, zehngliedrige Hinterleib ist wie das Bruststück gelbbraun gefärbt und stark behaart. Die schwarzen, borstenhaarigen Beine tragen hier, wie überhaupt bei allen Wasserjungfern nur drei Fußglieder.

Wie die eben beschriebene und alle anderen Arten dieser Zunft als wahre Drachenfliegen und Tyrannen die Lüfte beherrschen, so vernichten ihre Larven, bis sie erwachsen sind, in stehenden Gewässern alles Leben, so weit sie es bewältigen können. Gehen wir nur hin an die Wasserlachen oder Teiche, besonders solche, welche reich mit Pflanzen besetzt sind, da können wir unter dem vielen Gezücht, meist geboren, um daselbst nicht zu sterben, mindestens nicht in der Wurmgestalt, auch Thiere finden, wie sie Fig. d darstellt, kleiner und größer, je nach dem Alter, je nach der Art. Es sind Libellenlarven, ausgezeichnet durch zwei Eigenthümlichkeiten, denen wir jetzt etwas näher treten müssen.

Die erste, hier in der Abbildung versinnlichte, findet sich vorn am dicken Kopfe und ließe sich mit einem Arme vergleichen. Der Grundtheil, also der Oberarm, liegt in der Ruhe an der Kehle entlang und reicht bis zwischen die Vorderhüften oder noch weiter zurück. Unter einem Kniegelenke setzt sich der etwas längere, nach vorn breiter werdende Unterarm an jenen an, bedeckt ihn in der Ruhelage und läuft in die Hand aus, in den Vorderecken eingelenkte Haken oder schaufelartige, an den zugekehrten Rändern gezähnte Lappen, welche zusammen eine Schere oder eine Zange bilden. Man hat die Vorrichtung die Maske genannt, weil sie die Gesichtsgegend mehr oder weniger deckt. In Wirklichkeit ist sie die eigenthümlich umgebildete Unterlippe mit den Kinnladen am breiten Vorderrande. (Man vergleiche noch Fig. a und b, namentlich auch b in der nächstfolgenden Abbildung). Hat die Larve einen ihr genehmen Mitbewohner des Wassertümpels erspähet oder katzenartig beschlichen, so schnellt sie ihre Unterlippe weit hervor, ergreift das Opfer mit der Zange, zieht jene wieder ein, drückt die Beute gegen die Mundöffnung, an deren Oberseite die Kinnbacken liegen und das Zerbeißen der Nahrung besorgen.

Ich hatte im Spätherbste an zwanzig solcher Larven sammt dem schlammartigen Filze von Algen, in welchem sie zahlreich saßen, in ein Aquarium gesetzt. Im nächsten Frühjahre waren nur noch zwei oder drei derselben, jedoch sehr wohlgenährt, vorhanden. Das enge Beisammensein und der allmähliche Mangel an kleineren Thieren, welche während der Winterzeit nicht wieder beschafft werden konnten, mochten das gegenseitige Auffressen begünstigt haben. Meist waren den unglücklichen Opfern große Stücke aus den Körperseiten herausgerissen.

Die zweite Eigenthümlichkeit der Larven ist in ihrem Innern verborgen und bezieht sich auf die Athmung, welche durch sogenannte Darmkiemen erfolgt. Die beiden Hauptstämme der Luftröhren, welche alle Insekten der Länge nach an den Körperseiten durchziehen, verlieren sich hier in den Wänden des Mastdarms und verzweigen sich in zahlreiche, quere Hautfalten mit feinen Aesten; überdies gehen zwei dünne Luftröhren durch den Mastdarm seiner Länge nach. An der Leibesspitze stehen drei dreikantige, stachelartige Klappen, welche mittels eines starken Muskelapparates sich öffnen und schließen können und somit das Wasser in den sich erweiternden Darm eindringen lassen und durch Zusammenziehen derselben wieder ausstoßen. Wenn von den Larven in meinem Aquarium, welches am Fenster stand, eine beim Ausstoßen des Wassers mit der Leibesspitze zufällig die Oberfläche erreichte, so geschah es gar nicht selten, daß der ziemlich starke Wasserstrahl mit sehr vernehmbarem Geräusche an die Fensterscheibe gespritzt wurde.

Durch diese eben nur angedeutete Einrichtung werden die Darmkiemen nicht nur fortwährend vom Wasser umspült, um dessen Luftgehalt zum Athmen zu verwenden, sondern es werden gleichzeitig auch Stoßbewegungen erzeugt, welche die Larven vorwärts bringen, denn wir sehen sie im Wasser schwimmen, ohne merkliche Bewegungen der Beine, die auch keineswegs an Ruder erinnernde Vorrichtungen besitzen.

Die Larve der vierfleckigen Wasserjungfer steht mir leider nicht zu Gebote, um sie abbilden zu lassen, sie gehört jedoch dem Formkreise der hier gegebenen (Fig. d) an, hat eine sognannte Helmmaske, die die Mundöffnung allseitig bedecken, weil ihre breiten Unterkiefer gewölbt sind und mit den gezähnten Vorderrändern genau in einander greifen. Ferner hat sie keine Nebenaugen, siebengliedrige Borstenfühler vor den Netzaugen, versteckte Luftlöcher am Mittelleibe und kurze Schwanzspitzen. Dies alles in Uebereinstimmung mit ihren nächsten Verwandten. Von denselben unterscheidet sie sich nur durch einen ebenen, nicht vertieften Scheitel, kleine knopfförmige Augen, durch schräge Stachelspitzchen in der Mittellinie des oben stark gewölbten Körpers und durch kurze, nur bis zur Hälfte des Hinterleibes reichende Flügelscheiden, sobald sie erwachsen ist. Auch sind die verhältnißmäßig kurzen Beine stark behaart, während der übrige Körper fast nackt erscheint.

Die besprochenen, interessanten Wasserräuber nun häuten sich mehrere Male und bekommen dabei immer größere Flügelläppchen. Wie lange sie leben, weiß ich nicht anzugeben, unter Jahresfrist schwerlich, verschiedene Arten sind möglicherweise auch in der Lebensdauer ihrer Larven verschieden. Dem sei nun, wie ihm wolle, die reife Larve hat ihr Pfuhlleben überdrüssig und kriecht an einem Schilfstengel, an Baumstämmen, an Holzwerk, welches aus dem Wasser hervorragt oder in dessen nächster Nähe sich befindet, empor und erwartet, festgeklammert, mit Ungeduld den Augenblick ihrer Erlösung. Derselbe kommt. Das alte Gewand, oft von Moder und Schlamm beschmutzt, muß weichen, sein bisheriger Träger, nun angethan mit dem glänzenden Festkleide der Hochzeitsfeier, läßt es hinter sich (Fig. e). Die geharnischte Jungfrau ist geboren, noch zart und empfänglich für jeden Eindruck, bleich und unentschieden der Farbe nach, die feuchten Flügel wallen ihr wie Schleier von Spinnen gewebt am Rücken herab. Doch nur kurze Zeit währt dieser wahrhaft jungfräuliche Zustand. Luft und Licht trocknen, glätten, härten und färben alle Theile und fordern auf, die neu hinzugekommenen zu prüfen. Der erste Ausflug stählt die Kraft, die gefühlte Kraft macht kühn. Das bisher im Wasser erlernte Räuberhandwerk wird mit größerer Freiheit, Wildheit und Anmuth in der Luft fortgesetzt.

Unsere Art, welche beiläufig erwähnt, nördlich vom 45. Grade rings um die nördliche Halbkugel angetroffen wird, hat mit manchen andern Kerfen die Eigenthümlichkeit gemein, zeitweilig, aus bisher noch nicht zu erklärenden Gründen, in ungeheuren Schwärmen einen Landstrich zu durchziehen und die zufälligen Zuschauer in das größte Staunen zu versetzen. Bis zum Jahre 1863 waren bereits über vierzig solcher Züge von ihr bekannt geworden Man berichtet, daß gerade die vierfleckige Wasserjungfer im Juni des Jahres 1817 verschiedenen Ortes in unerhörten Schwärmen beobachtet worden sei. Bei Dresden flog ein Zug zwei Stunden lang von Nordost nach Südwest (13. Juni); bei Gotha (29. Juni), Braunschweig, Halberstadt, Aschersleben, Cönnern und noch anderwärts wurden in der letzten Hälfte des genannten Monats Schwärme beobachtet, aus Männchen und Weibchen bestehend, letztere jedoch in überwiegender Anzahl. Ebenso erzählt Rösel (Insektenbelust. II. 135.) von Wolken dieser Kerfe, welche in Schlesien und anderwärts gesehen worden seien. Ein englischer Beobachter aus der Grafschaft Suffolk sah einst von den kleinen Libellen ( Agrion) einen so bedeutenden Schwarm vom Meere her landeinwärts fliegen, daß durch sie auf ein Gefilde von vier Morgen, über welches sie wegflogen ein Schatten geworfen ward. Morren berichtet ( Bull, de l'acad. roy. des Sc. T. XX. p. 322) von einem Zuge der Libellula depressa, der am 16 Juni 1853 gegen 4 Uhr Nachmittags zu Hasseignics (Hennegau) in der Richtung von Südost nach Nordwest beobachtet wurde. Er dauerte Stunden und hatte eine Ausdehnung von ¾ Meilen.
Dr. Hagen (Stettiner entomol. Zeit. XXII p. 73. 1861.) gedenkt nicht nur eines von ihm beobachteten Zuges der Libellula quadrimaculata bei Königsberg i. Pr. im Juni 1852, sondern verbreitet sich an der angezogenen Stelle auch über die Literatur der Insektenzüge überhaupt. Als Hauptwerk über diesen Gegenstand bezeichnet er ein mit dem Jahre 1673 beginnendes Sammelwerk über dergleichen Notizen von van Bemmelen (Waarnemingen over het trecken van Insekten in Handelng. d. Nederl. Entom. Ver. 1857 D. I. Stk III p. 1-23.) Auch von Cornelius finden sich über diesen Gegenstand 2 Aufsätze in der Verh. des naturw. Vereins der pr. Rheinlande und Westfalens vom Jahre 1862 und 65. XIX p. 321 und XX p. 66-70.
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