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Was da kriecht und fliegt!

Ernst Ludwig Taschenberg: Was da kriecht und fliegt! - Kapitel 42
Quellenangabe
typereport
authorErnst Ludwig Taschenberg
titleWas da kriecht und fliegt!
publisherVerlag von Wiegandt, Hempel & Parey
printrunZweite, neu bearbeitete Auflage
year1878
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectidb063374f
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Die Hornisse.

P. W. F. Müller, reformirter Pfarrer. Im Magazin der Entomologie von Germar und Zinken, genannt Sommer III, 56. (Halle 1818.)

( Vespa crabro)

»Es war im Anfange des Monats Mai 1811, erzählt uns ein eifriger Bienenvater, als ich, eines Tages in meinem Bienenstande beschäftigt, eine große weibliche Hornisse in demselben umherschwärmen sah. Anfänglich beachtete ich sie wenig, da sie sich aber mehrere Tage hinter einander erblicken ließ, vermuthete ich, sie habe im Sinne, irgend wo ein Nest anzulegen. Ich gab nun genauer auf sie Acht und sah sie in der obersten, dritten Etage des Standes in einen leeren Bienenkorb aus Stroh einstiegen, der auf einem Brette stand. Einige Minuten nachher verließ sie denselben wieder, und als ich ihn nun besichtigte, fand ich das bereits angefangene Nest. Es hing oben in der Mitte des Bodens, hatte die Größe eines französischen Thalers und bestand aus einer äußern dünnen Hülle oder Schale in Form einer hohlen Halbkugel, in deren Höhlung inwendig das erste Bruttäfelchen, an einem Säulchen hangend, befestigt war. Es enthielt erst sieben Zellen, die noch nicht mit Eiern belegt waren. Als bald hierauf die Hornisse wieder ankam und in den Korb eingegangen war, hob ich ihn vom Brette aus und erblickte sie beschäftigt, die äußere Rinde ihres Baues zu vergrößern; sie ward aber durch diese Störung sogleich unruhig, fuhr einige Male summend und erbost rings um ihr kleines Nest herum und machte Miene, aus dem halb umgewendeten Korbe nach mir hinzufliegen, als ich schnell, aber behutsam, ihn wieder umwendete und aus sein Brett stellte. Da ich mir vorgenommen hatte, die sich hier so ungesucht darbietende Gelegenheit zur Erforschung der Hornissen-Oekonomie so gut wie möglich zu benutzen: so mußte ich vor allen Dingen das Thier an das Aufheben und Umwenden des Korbes und die durch leise Erschütterung hervorgebrachte beständige Unruhe gewöhnen. In dieser Absicht hob ich an diesem und einigen folgenden Tagen, so oft die Hornisse nach Hause kam und ich zugegen war, wohl 15 bis 20 Mal jeden Tag den Korb aus und wendete ihn um. Bald war sie an diese Beunruhigung so gewöhnt, daß ich den Korb, doch immer mit Vermeidung jeder starken Erschütterung, herabnehmen, umwenden und nach Belieben allen ihren Arbeiten zusehen konnte, ohne daß sie sich nur im geringsten stören ließ. Das Nest und die Bruttafel waren jetzt schon ansehnlich vergrößert, und mehrere Zellen fanden sich mit Eiern belegt. Die Hornisse baute fleißig; sie blieb, wenn sie ausgeflogen war, 6, 8 bis 10 Minuten aus und brachte ihre Baumaterialien, nämlich einen runden Ballen abgebissenen, faulen Holzes von der Größe einer Wicke und von dunkelbrauner Farbe, den sie im Fliegen zwischen dem Kinn und der Brust eingeklemmt trug. Ohne sich im geringsten, wenn sie eben eingeflogen war, durch das Herabnehmen des Korbes stören zu lassen, lief sie zum Baue, stand still, nahm den mitgebrachten Ballen zwischen die Kniee der Vorderbeine und biß nun, indem sie denselben gleichzeitig fortwährend zwischen den Knieen und dem Kinne gegen sich herum rollte und an den Bau andrückte, Stückchen los, die, im Munde geknetet und mit zäher Feuchtigkeit vermischt, den Zellen oder der äußern Schale angesetzt und mit den Freßzangen von beiden Seiten angedrückt und geebnet wurden. Dies alles geschah mit ausnehmender Geschwindigkeit und so, daß sich die abgebissenen Stückchen nicht ganz lostrennten, sondern wie ein Faden von einem Knaule gleichsam loswickelten. Auf diese Weise wurde die äußere Hülle des Nestes täglich immer mehr vergrößert, wobei die Hornisse stets gegen sich baute und an dem Rande, wo sie vorhin aufgehört hatte, wieder anfangend und unter der Arbeit zurückweichend, den über eine Linie breiten, neu angesetzten Streifen in einer Schneckenlinie nach und nach herumführte. Nach Verlauf einer oder zweier Minuten war der mitgebrachte Vorrath jedesmal verbraucht, worauf sie sogleich wieder ausflog und neuen Stoff, immer von der nämlichen Farbe, holte. Wenn ich den herabgenommenen Korb noch in den Händen hatte, und die unterdessen zurückgekehrte Hornisse ihn aus dem gewohnten Platze vermißte und ängstlich suchte, hielt ich ihn nur einige Augenblicke lang dorthin, ohne ihn niederzusetzen. Sie flog sogleich hinein, und ich setzte meine Beobachtungen fort. Sie war jetzt schon so zahm und zutraulich, daß ich sogar den umgewendeten Korb aus dem etwas dunklen Bienenstande hinaus in den Garten tragen konnte ohne daß sie, selbst während des Gehens, sich in ihrem Geschäfte stören ließ, sondern immer fortbaute. Ich wagte es endlich, sie anzurühren, und streichelte sie mit dem Zeigefinger leise und sanft vom Brustschilde über den Rücken hin; auch das litt sie geduldig.

Eines Tages hatte ich sogar das überraschende Vergnügen, sie Eier legen zu sehen. Ich hatte den umgewendeten Korb vor mir außerhalb des Bienenstandes und bemerkte, daß sie sehr angelegentlich mehrere Zellen untersuchte, die, wie ich schon vorher genau wußte, noch leer waren. Gerade wie es die Bienenkönigin zu machen pflegt, die ich schon mehrmals bei diesem Geschäfte belauscht hatte, besichtigte sie mit Kopf und Fühlern das Innere der Zellen, wendete sich sodann um und senkte die Spitze des Hinterleibes weit in dieselbe hinab. In dieser Stellung verharrte sie 8 bis 10 Sekunden, und wenn sie nun den Leib herauszog, saß das Ei auf dem Boden der Zelle.

Jetzt hatten sich die Beschäftigungen der Hornisse schon etwas vermehrt. Mehrere Eier waren ausgeschlüpft und Würmchen in den Zellen befindlich; auch für diese mußte sie jetzt Sorge tragen. Ich bemerkte nun, daß sie nicht immer zwischen Kinn und Brust eingeklemmte Baumaterialien herbeischleppte, sondern von Zeit zu Zeit bei ihrer Rückkehr einen Ballen Futter zwischen den Freßzangen trug und, mit dem Kopfe in die Zellen schlüpfend, fütterte. So lange die Larven noch klein waren konnte ich diese Thätigkeit nicht genau beobachten, aber um so deutlicher, als sie größer wurden. Die Hornisse setzte sich vor dem jedesmaligen Füttern zuerst auf die Bruttafel hin, knetete den schon zerbissenen Klumpen Speise unter beständigem Herumrollen zwischen den Vorderknieen vor meinen Augen noch einmal tüchtig durch, biß sodann ein Stück ab und legte es dem in der Zelle aufgerichteten Wurme auf den Mund, der es auffaßte und mit heftiger Begierde in kurzer Zeit verzehrte; und so fuhr sie von Zelle zu Zelle fort, bis der Vorrath ausgetheilt war. Um zu erfahren, was für Speise sie den Larven darreiche, nahm ich ihr mehrmals mit einer langen Nadel oder einem spitzen Hölzchen das Eingebrachte weg. Es bestand immer aus zerbissenen weichen Theilen verschiedener weichflügliger Insekten, aus zerbissenen Bienen, oder von den Bienen herausgeworfenen Drohnen oder Arbeitsbienenbrut. Ich versuchte nun, ihr in diesem Geschäfte zu helfen und das Futterholen zu erleichtern, und reichte ihr zuerst mit der Spitze eines Stäbchens einige Tropfen verdickten Honigs. Sie nahm ihn sogleich mit dem Munde ab und fütterte im nämlichen Augenblicke einige Maden damit. Nun gab ich ihr von den Bienen herausgerissene unzeitige Brut, auch einige lebende Bienen; sie nahm ohne Umstände alles an, biß die Beine und übrigen trocknen Theile ab, knetete alles zu einem weichen Breie und theilte ihn aus. So gewöhnte ich sie nun, täglich Speise von mir zu erhalten, oft 10 bis 15 Mal an einem Tage, daß sie in dieser Hinsicht nicht zahmer und zutraulicher werden konnte als sie es wirklich war. Wenn ich den Korb umwendete und ihr eine lebendige oder todte Biene darreichen wollte, richtete sie sich jedesmal bei der Annäherung meiner Hand schon von weitem auf, sich auf die hintern Beine setzend, und nahm mit Begierde das Dargebotene von meinen Fingern, zerknetete es augenblicklich und fütterte die Jungen. Auch diesen letzteren gab ich öfter einige Tröpfchen Honig oder zerdrückte Bienenbrut auf den Mund, und dieses Futter schmeckte ihnen ebensogut, als wenn sie es von ihrer gewöhnlichen Ernährerin empfangen hätten.

Die ältesten der vorhandenen Larven waren nun ausgewachsen; sie überspannen die Oeffnung ihrer Zelle und gingen ihrer Verwandlung entgegen. Am 15. Juni schlüpften die ersten jungen Hornissen aus; es waren zwei, denen am folgenden Tage noch mehrere folgten. Einige Tage verweilten sie im Neste, dann flogen sie aus, brachten Baumaterial und Futter und halfen der Mutter bei der Vergrößerung des Nestes und beim Füttern. Sie ließen sich übrigens in allem ebenso behandeln wie die alte Hornisse, weil ich sie von ihrem ersten Ausschlüpfen an durch Anrühren, Füttern und öfteres Besichtigen des Nestes daran gewöhnt hatte.

Geschäfte hatten mich bisher verhindert, die Dauer der verschiedenen Stände des Insekts genauer zu ermitteln; jetzt war ich auch darauf bedacht. Ich bezeichnete mir auf der Bruttafel, die ich genau untersuchte, und die bereits die Größe des untern Theils einer Theetasse erreicht hatte, mehrere noch leere Zellen mit einem Tröpfchen Farbe mittels eines Pinsels. Am folgenden Morgen (15. Juni) waren sie mit je einem Eie besetzt, und schon am 20. Morgens erblickte ich die ausgeschlüpften, lebendigen Würmchen. Diese waren am 29. Morgens ausgewachsen und fingen an, sich einzuspinnen. In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli sowie am Morgen des letzteren schlüpften sie aus. Ich sah mehreren zu, wie sie, nachdem das Gespinst inwendig ringsum losgenagt war, das Deckelchen in die Höhe hoben und hervorkamen. Ihre Farbe war noch blaß. Um sie ferner in ihrem Treiben specieller in's Auge fassen zu können und nicht mit den übrigen 18 bis 20 Geschwistern zu verwechseln, bezeichnete ich mir einige von ihnen sogleich mit einem Tröpfchen blauer Farbe an den Fühlern. Das erste Geschäft einer jeden frisch ausgeschlüpften Hornisse war, sich einige Augenblicke lang Fühler und Beine zu reinigen, dann aber in die so eben verlassene Zelle mit dem Kopfe zu schlüpfen und sie von dem darin befindlichen Unrathe zu reinigen. Dieser Reinigungsprozeß füllte fast die Zeit einer Viertelstunde. Hierauf mischten sie sich unter die übrigen und halfen schon in der ersten halben Stunde ihres Daseins die innere Oekonomie besorgen. Den ihnen begegnenden älteren Hornissen, welche die eingetragene Speise kneteten, nahmen sie sogleich einen Theil ihres Brockens, der ihnen abgebissen und gleichsam dargeboten wurde, aus dem Munde ab und fütterten die Würmer. Zwei Tage lang blieben sie ruhig im Neste, den dritten aber sahen sie sich in der Welt um und brachten, gleich den andern, bald Futter, bald Stoff zum Bauen heim. Die leeren Zellen wurden nach einigen Tagen wieder mit Eiern belegt. Vom 10. Juni an hatte unterdessen die Mutterhornisse nebst den übrigen geschlechtslosen Arbeitern, die etwas kleiner als sie waren, die zweite Bruttafel angefangen, die einen halben Zoll unter der ersten an mehreren Säulchen befestigt hing und nach und nach zur Größe eines Tellers erweitert wurde. Gleichzeitig vergrößerten sie auch der Länge nach die Deckhülle, die überdies von außen hie und da neue Schichten angesetzt bekam – jedenfalls zum bessern Halt – in dem Maße, daß sie weit über die Bruttafel hinweghing und, nach unten verschmälert, die Form eines großen Eies erhielt, an dessen Spitze unten nur noch eine vier Zoll große Oeffnung blieb. Dies hinderte mich in meinen Beobachtungen, ich riß daher die Schale von unten an bis zur Mitte wieder hinweg, um das Innere genauer betrachten zu können, und trennte auch jeden folgenden Tag von dem, was sie wieder angebaut hatten, einige Stücke los, um mir die Einsicht in das Nest zu behaupten. Bei einer solchen Operation drängte ich immer zuerst die auf der Schale sitzenden Hornissen mit einem Stäbchen hinweg, was sie sich auch gutwillig gefallen ließen. Weil mir aber doch nach und nach die Menge der Thiere zu groß ward, suchte ich ihrer zu starken Vermehrung entgegenzuarbeiten und verwundete jeden Tag mit einer Nadel einige Würmer, die alsdann von den Hornissen aus den Zellen gezogen wurden. Schon war in einer neuen Tafel auch männliche Brut angesetzt, und ich sah der Erbauung einer vierten für die künftige Mutter entgegen, als meinem Neste ein unvorhergesehenes Unglück widerfuhr. Die alte Mutterhornisse, die noch immer jeden Tag ausflog, blieb auf einmal aus; sie mußte durch irgend einen Feind oder sonstigen Unfall um das Leben gekommen sein. Das Nest war nun weisellos. Die Arbeiter, 40-50 an der Zahl, waren zwar noch eine Zeit in gewohnter Weise thätig und besorgten die vorhandene Brut, die noch zum Theil ausschlüpfte. Nach und nach war aber ihr Eifer gelähmt, sie verloren sich mehr und mehr und bald darauf stand das Nest – – leer.«

Der aufmerksame Beobachter fügt noch einige Bemerkungen zur Geschichte seines Hornissennestes hinzu, und nachdem er erklärt hat, wie auch bei einer größern Anzahl seiner Einwohner die fortgesetzten Beobachtungen um deßwillen nicht mit größern Schwierigkeiten verknüpft gewesen seien, weil er die hinzukommende Brut immer in derselben Weise wie die alte Hornisse an die Störungen gewöhnt gehabt hätte, fährt er fort: »Oft nahm ich das mit 30 bis 40 Hornissen besetzte Nest von seinem Standorte hinweg und trug es in den Garten, um dort meinen Kindern oder den mich besuchenden Freunden die Arbeiten dieser Thiere und das Innere ihrer Wohnung zu zeigen. Ich trug den Korb stets umgewendet, und nie fuhr eine Hornisse zornig heraus, sondern alle arbeiteten ruhig fort ohne sich im Geringsten stören zu lassen, ein Theil baute an den Zellen, ein anderer an der äußern Schale, andere fütterten oder liefen umher. Im Beisein der Zuschauer reichte ich ihnen sodann Futter, das sie auch sogleich austheilten. Die Hornissen, welche unterdeß ihre Geschäfte beendigt hatten, flogen aus dem Korbe heraus, zwischen mir und den Umstehenden hindurch in's Feld, um neue Vorräthe einzusammeln. Mittlerweile aber hatten sich die von ihrem Ausfluge zurückgekehrten Hornissen zu 10 bis 15 an der leeren Stelle des Bienenstandes versammelt, wo ihre Wohnung sonst stand, und schwärmten ängstlich umher. Ich eilte nun hin, hielt den Korb einige Augenblicke, ohne ihn niederzusetzen, an seinen gewohnten Standort, und sogleich flogen die umherschwärmenden hinein; ich konnte nun mit den so eingefangenen wieder zu meiner Gesellschaft zurückkehren und sie die von neuem beginnenden Arbeiten bewundern lassen.«

Mit wenig Worten sei noch hinzugefügt, welchen natürlichen Verlauf der Bau nimmt, wenn keine Störung eintritt, wie in dem eben vor unseren Augen entstandenen. Im Herbste, besonders Anfangs Oktober, entwickeln sich auch Männchen und Weibchen, deren Stätten in unserm Neste schon im Baue begriffen waren, wie wir gehört haben. Jene sind ebenfalls nicht unthätig und besorgen besonders die Reinigung der innern Theile. Ende des genannten Monats wird aber unbarmherzig von allen herausgezogen und getödtet, was sich noch von Larven und Puppen im Baue vorfindet, und bald darauf gehen auch infolge der rauhen Witterung und des Futtermangels die sämmtlichen geflügelten Bewohner zu Grunde bis auf einige wenige kräftige und vorher bei einem Ausfluge befruchtete Weiber. Diese überwintern in einem erstarrten Zustande in irgend einem der gewohnten Schlupfwinkel, besonders unter dem Moose am Fuße eines Baumes, im Innern eines morschen Baumstammes, einer hohlen Wurzel u. a., nicht aber an der Geburtsstätte selbst, welche in den meisten Fällen kaum den nöthigen Schutz liefern dürfte. Zugleich mit anderem Gethier feiern sie im nächsten Frühlinge ihr Auferstehungsfest und sorgen in der vorher erzählten Weise für die Fortpflanzung ihrer Art.

Die Weiber sind größer als die Arbeiter, und zwischen ihnen und diesen stehen rücksichtlich der Größe die stachellosen Männer mit längerer Fühlergeißel; in der Färbung sind sonst keine Unterschiede zwischen allen wahrzunehmen.

Das Nest, um von diesem noch einige Worte hinzuzufügen, ist ziemlich zerbrechlicher Natur und besteht aus bei weitem gröberem Stoffe als das der Wespen. Mürbes Holz und junge Rinde, mit Speichel vermengt und zwischen den Kinnbacken tüchtig durchknetet, bilden die Hauptstoffe; es bleibt sich hierin und somit auch in der Farbe durchaus gleich, so lange die Mutterwespe allein baut, wird aber in Stoff und Farbe mannigfaltiger, sobald sie in den Arbeitern Hilfe erhält. Die Rinde junger Eschen scheint ihnen sehr genehm zu sein, und ich habe öfter Gelegenheit gehabt, zu beobachten wie daumenstarke Stämmchen dieses Baumes von ihnen ringförmig bis auf den Splint nach und nach abgeschält wurden, wodurch jungen Eschenpflanzen manchmal nicht unbedeutender Schaden zugefügt wird. Unser Berichterstatter, der auch hierauf seine Aufmerksamkeit gelenkt hat, fand u. a. die Blätter einer Moosart ( Hypnum purum) unter dem frisch herbeigeschafften Baumateriale heraus. Nach der Größe der Gesellschaft richtet sich natürlich auch die des Baues. Auf dem hiesigen zoologischen Museum findet sich ein noch unvollendetes Nest, das am Balkenwerke eines Hausbodens angebaut worden war, von Halbkugelform, 31,4 cm. Höhe bei 47 cm. Durchmesser am untern Ende, mit 5 Bruttafeln und in Färbung dem gestreiften, innern Aussehen einer Baumtorte nicht unähnlich. Die Bruttafeln sind nicht doppelt wie bei der Honigbiene, sondern einfach, ihre Zellen mit der Mündung nach unten gerichtet und an der geschlossenen Bodenseite durch einige Säulchen von etwa der Länge einer Zelle an die vorhergehende Wabe befestigt, so daß sie stockwerkartig auf einander folgen. Die Made muß sich also nothwendig am Boden festhalten, um nicht herauszufallen; dies geschieht mit einer schröpfkopfartigen Einrichtung an ihrer Leibesspitze.

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