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Was da kriecht und fliegt!

Ernst Ludwig Taschenberg: Was da kriecht und fliegt! - Kapitel 41
Quellenangabe
typereport
authorErnst Ludwig Taschenberg
titleWas da kriecht und fliegt!
publisherVerlag von Wiegandt, Hempel & Parey
printrunZweite, neu bearbeitete Auflage
year1878
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectidb063374f
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Die Honigbiene.

Noch einige Bienengeschichten, welche Zeugniß von einer geistigen Fähigkeit ablegen, die man unmöglich mit dem nichtssagenden Begriffe »Instinkt« oder »Naturnotwendigkeit« abspeisen kann. Huber erzählt einen interessanten Fall, welcher zugleich einen Beweis für die große Gutmüthigkeit der Hummeln liefert. In einer Schachtel unter einem Bienenstocke befand sich ein Hummelnest. Dieses besuchten einige Honigbienen fleißig, um sich daselbst Honig zu stehlen oder zu betteln. Es war eine Zeit großen Mangels, und sie hatten sich fast des ganzen Nestes bemächtigt und dasselbe ausgeplündert. Einige Hummeln, welche trotz dieses Mißgeschicks darin blieben, flogen aus, um neue Vorräthe zu beschaffen, und als sie mit dem, was ihr eigner Hunger ihnen noch übrig gelassen hatte, zurückgekehrt waren, folgten die Bienen ihnen nach und verließen sie nicht eher, als bis sie ihnen auch diesen ihren Erwerb abgelockt hatten. Sie umringten sie, reichten ihnen ihren Rüssel und ließen ihnen nicht eher Ruhe, als bis sie den Inhalt ihres Honigbehälters mit ihnen getheilt hatten. Hierauf flogen die Hummeln nach neuem Vorrath aus, und dieses Freundschaftsverhältniß oder vielmehr diese Zudringlichkeit der Bienen dauerte länger als drei Wochen. Dann aber kamen Wespen herbei, vielleicht in derselben Absicht, und auch die letzten Hummeln verließen das Nest. – Der Pfarrer Jonas von Gelieu zu Colombier im Canton Neufchatel erzählt folgenden Fall, den er erlebt und bemerkt dabei, daß ihm außerdem noch zwei andere gleicher Art vorgekommen wären. Er hatte im Mai eines sehr günstigen Jahres seinen ersten, sehr starken Schwarm in einen großen Stockkorb eingefaßt. Die Bienen arbeiteten rüstig und füllten in kurzer Zeit denselben zur Hälfte an. Bald bemerkte er, wie Bienen eines Nachbarn, dessen Stand nur einige hundert Schritte von dem seinigen entfernt war, aus- und eingingen, ohne erkannt zu werden, und so viel Honig raubten, als seine Arbeiterinnen eintragen konnten. Er verengte das Flugloch um die Hälfte, stellte sich eine ganze Woche in müßigen Stunden in die Nähe seines Stocks und tödtete täglich mehrere hundert Räuberinnen, welche er stets an dem angeschwollenen Hinterleibe beim Herauskommen erkannte. Nichts hielt andere ab, sie kamen in immer größeren Mengen vom frühen Morgen bis zum späten Abend, alle Bemühungen, sie zu vertreiben, blieben erfolglos, und der so heimgesuchte Stock wurde schon aufgegeben. Eines Tages zeigten sich die rechtmäßigen Besitzerinnen desselben gegen Abend ungemein unruhig, wie sie zu thun pflegen, wenn sie ihre Königin verloren haben. Sie liefen nach allen Richtungen in dem vordern Theile und auf dem Flugbrette umher, berochen und betasteten sich abwechselnd, als ob sie einander etwas zu sagen hätten. »Sie wollten ihr Erkennungszeichen verändern«, was auch wirklich in der Nacht geschah. Alle den folgenden Tag sich wieder einstellenden Räuberinnen wurden angehalten und getödtet. Mehrere entkamen den aufmerksamen Wächtern, die den Eingang vertheidigten, berichteten ohne Zweifel den andern von der Gefahr, die ihnen gedroht hatte, und daß man nicht weiter ungestraft rauben könne. Auch nicht eine, welche etwa die Plünderung wieder anfangen wollte, wurde in den beraubten Stock eingelassen, der von nun an wunderbar gedieh.
Obgleich die Bienen dem Menschen befreundet sind und ihm nichts zu Leide thun, es müßte denn sein, daß man einer fliegenden gerade über den Weg geht, so stehen doch die Fälle nicht ganz vereinzelt da, wo sie beim Schwärmen furchtbar geworden sind. So im Jahre 1820 bei Treuenbrietzen. Ein offener Wagen ward von einem Schwarme angefallen und die Pferde nebst dem Kutscher dermaßen zerstochen, daß ein Pferd fiel und letzterer nur mit Mühe gerettet werden konnte. Eine ganz unerhörte Geschichte, und um so auffallender, weil sie einem »Bienenvater« begegnete, erzählt der Pastor Göze. Ein alter Schulmeister in der Grafschaft Mansfeld hatte eine starke Bienenzucht. Eines Morgens geht er hin nach seinen Bienen, ohne Kappe, weil sie ihn kennen und ihm noch nie etwas zu Leide gethan haben. Was geschieht? Die Bienen kommen aus allen Stöcken und fallen über ihn her, als ob sie rasend wären. Der alte Mann wehrt sich mit Händen und Füßen, so gut er kann, desto toller werden sie. Er fällt zu Boden, und sie stechen ihn – – todt. Als Leute dazu kommen, können sie den Unglücklichen nicht mehr herausfinden, so dick sitzen die Bienen auf ihm. Man schlägt, spritzt, schießt unter sie; ganze Eimer Wasser werden darüber gegossen. Alles vergeblich. Der Mann ist und bleibt todt und man muß ihn unter den Wüthenden liegen lassen, weil sie Miene machen, auf die Leute loszukommen. Nach und nach verziehen sie sich von selbst. Der Geistliche, welcher jenen traurigen Vorfall dem Pastor Göze berichtet hat, und dem Verunglückten eine Leichenpredigt zu halten hatte, erwähnt, daß die Thiere so erbost gewesen seien, daß sie noch die Leiche verfolgt hätten, so daß sich die Träger kaum hätten retten können. Die Ursache von dem Benehmen dieser Thiere hat man nie ermittelt; die Einen haben gemeint, vielleicht sei der Geruch des Mannes, durch Genuß von altem Käse verursacht, den Bienen so anstößig gewesen, die Andern, er möchte wohl einen andern Rock angehabt haben, in dem sie ihn nicht erkannt hätten.

( Apis mellifica)
siehe Bildunterschrift

Wabenstück mit a. Königin auf ihrer Zelle, b. Arbeitsbiene, c. Drohne, d. Hinterbein einer Arbeitsbiene, von innen gesehen. (d allein vergrößert.)

Ueber die Bienen ist zu allen Zeiten so unendlich viel geschrieben, Wahres und Falsches, daß es genau genommen überflüssig erscheint, schon Bekanntes zu wiederholen, zumal eigne Beobachtungen auf diesem Gebiete gänzlich fehlen. Wenn ich es aber dennoch thue, so geschieht es einmal, um das Insekt, welches unstreitig in seiner Lebensweise auf der obersten Stufe insektischer Kultur und zu den Menschen in so nahen Beziehungen steht, in diesen Bildern nicht fehlen zu lassen, und sodann, um die wichtigsten Züge aus seiner interessanten Geschichte in gedrängter Uebersicht zu geben.

Man meinte früher, der Staat der Bienen sei eine Monarchie und hätte einen König. Keineswegs; dieser König ist ein Weib. Darauf hat man den Ausspruch geändert und gesagt: Dieses Weibchen ist eine Königin. Wieder ein Irrthum. Sie herrscht nicht nur nicht, regiert nicht, leitet nichts, sondern sie wird selbst in gewissen Dingen beherrscht und zuweilen sogar in Einzelhaft gebracht. Sie ist aber ein Gegenstand öffentlicher und gesetzmäßiger Verehrung; denn sie ist die Mutter des Staates, jenes Musters aller Demokratien, wo jedes Glied in demselben Sinne wirkt, für einen Zweck arbeitet: ihn von Geschlecht zu Geschlecht in seiner Ordnung zu erhalten, wo niemand länger geduldet bleibt, als er brauchbar ist, und ausgestoßen wird, wenn er nicht mehr dem großen Ganzen dient. Den Kern der Bevölkerung bildet demnach die arbeitende Klasse, verkümmerte Weibchen, insofern verkümmert, als sie zur Fortpflanzung des Geschlechts unfähig sind. Der wunderbare Bau ihrer Stadt und die Erziehung der Jugend ist ihre Aufgabe, der Beruf, für welchen sie leben, in dem sie sterben, dem sie mit einer Beharrlichkeit, einer Emsigkeit nachgehen, daß wir Menschenkinder sie zum Sinnbilde des Fleißes erwählt haben. Die dickköpfigen, großäugigen Drohnen, welche das lautere Brummen noch besonders kenntlich macht, zeigen sich nur von Anfang Mai an in den Stöcken und mehren sich bis zum Juli. Dann werden sie getödtet und hinausgeworfen. Es sind die Männchen, welche bis dahin ihre Bestimmung erreichten und nun als ächte Bärenhäuter nur die mühsam errungenen Vorräthe verzehren, ihren an sich schon feisten Körper noch besser pflegen würden, wenn man ihnen ihren Appetit nicht für immer stillen wollte.

Die Biene entnimmt der Blume nichts als den edlen Luxus des Lebens. Sie legt ihre Frucht nicht in dieselbe, um von ihr ernährt zu werden und ihre Ammen zu verzehren. Statt ihr Ei hier den Zufälligkeiten des Pflanzenlebens preiszugeben, wie der Schmetterling für seine zukünftige Raupe thut, schont die Biene die Pflanze und ohne sie zu beschädigen, entlehnt sie von ihr die köstlichen Stoffe, aus denen ihre Kunst die Paläste aus Alabaster, Bernstein oder Gold aufführt, in denen ihre Kinder schlafen werden. Diese Unschuld der Bienen ist ebenso, wie ihre bewundernswerthe Kunst, eine ihrer hohen Eigenschaften. Ihr Stachel ist nur eine nothwendige Verteidigungswaffe, nicht gegen den Menschen gerichtet, mit welchem sie von selbst nie etwas zu schaffen hätte, sondern gegen die grausamen Wespen, ihre fürchterlichen Feindinnen. Die Biene fügt im Gegentheile niemandem Böses zu; sie lebt nicht von dem Tode, wie die Raubbienen und Mordwespen, welche manchmal in friedlicher Nachbarschaft ein und dieselbe Blume mit ihr besuchen, ihr harmloses Leben fordert kein anderes, sie belebt nur und befruchtet. Es giebt keine unbebaute Wüste, keinen öden Ort, den die Biene nicht belebt, an welchem sie nicht den zögernden Pflanzenwuchs befördert, die Blumen zum Aufbrechen antreibt, sie bewacht, erforscht; geschäftig trägt sie von einer Blume zur andern den gelben Staub und wird, was bisweilen nöthig, eine heilsame Vermittlerin zwischen ihnen. Dies beginnt im März. Wenn eine noch unsichere, aber mächtige Sonne die schlummernden Säfte erweckt, öffnen kleine Feldblumen, das wohlriechende Veilchen, das Gänseblümchen, in den Gärten die bunten Crocus ihre Kelche, die Weiden stecken ihre Blütenstämmchen auf und durchwürzen die Luft. In der noch kurzen Zeit milder Wärme sieht man ein kleines, blondes, ganz behaartes, aber sehr frostiges Wesen, welches ebenfalls wagt seine Flügel zu entfalten. Die Arbeitsbiene verläßt ihre Stadt, denn sie weiß, daß das Manna für sie und ihre Kleinen bereitet ist. Die gelehrige Blume senkt sich und giebt sich willig den unruhigen Bewegungen des Insekts hin, das Heiligthum, welches sie den Winden und den Blicken verschlossen hielt, öffnet sie ihren Lieblingen, und wenn diese alles vermengen und vermischen, sagt sie denselben Dank, überhäuft sie mit ihren Wohlgerüchen, belastet sie mit ihrem Honige und dem Staube, aus welchem sie das Wachs bereiten. Wie aber nehmen die Bienen diese reichen Geschenke an, wie tragen sie dieselben heim?

Die Zunge und die Beine sind bei allen, welche eintragen, die vielen wilden Bienenarten nicht ausgenommen, die wichtigsten Werkzeuge. Die weit vorgestreckte, von den übrigen zarten Mundtheilen umschlossene Zunge, welche im Stande der Ruhe als horniges Streifchen zurückgeschlagen an der Kehle liegt und vorn kurze Borstenwimpern trägt, leckt den Honigsaft auf – saugt ihn nicht – und führt ihn zum Munde. Er wird verschluckt und kommt in die vordere Abtheilung des Magens, eine Blase, welche deshalb auch Honigmagen genannt wird, und aus dem ihn die Bienen, zu Hause angelangt, als wirklichen Honig wieder von sich geben. Der Kopf, besonders das Bruststück, sowie ein Theil des Hinterleibes sind stark mit Haaren besetzt, mit Haaren, welche unter einer guten Glaslinse Verästelungen aufweisen, einem Moosrasen nicht unähnlich; selbst die Augen tragen, wie bei vielen anderen Insekten, Härchen von einfacherem Baue und ohne Nebenzweige. So streifen sie absichtslos bei dem Eindringen in viele Blumenkronen den zerstreuten Staub ab und wissen ihn geschickt mit ihren Beinchen herunter zu bürsten, um ihn an diesen anzusammeln. Mehr aber verarbeiten sie absichtlich, sich all ihrer Werkzeuge bewußt und vollkommen vertraut mit deren Gebrauche. Mit den scharfkantigen, aber zahnlosen Kiefern schneiden sie die kleinen Staubträger der Blüten auf, wenn sich diese nicht schon selbst öffneten, fassen ihren Inhalt mit den Vorderfüßen, schieben ihn dann auf die mittleren und von diesen auf die hintersten, welche mit den eigentlichen Sammelwerkzeugen ausgerüstet sind, dem sogenannten Körbchen. Die glatte, unbehaarte Außenseite ihrer Schienen ist nämlich der Länge nach eingedrückt und an ihren Rändern mit langer, steifer Haarreihe besäumt. In diese breite Furche drückt die Biene mit ihren Beinen den leicht haftenden Blütenstaub und eine aus den Drüsen unter der polirten Haut hervordringende Feuchtigkeit, ihr »Haaröl«, wie man es nennen könnte, wird von demselben, wie von einem Schwamme aufgesogen, so daß er in dicken Klumpen, als sogenannte »Höschen« anhaftet. Das erste mit der Schiene beinahe gleich lange und durchweg gleich breite Fußglied, die Ferse, ist an der Innenseite mit Reihen kurzer Härchen bürstenartig dicht bewachsen und heißt auch die Bürste, welche den zufällig an dem dichten Haarkleide hängengebliebenen Blütenstaub sammelt und ihn dem Körbchen des andern Hinterbeines mittheilt. Am äußern Winkel seiner Wurzel ist es in einen ohrförmigen Anhang verlängert ( Fersenhenkel in der Kunstsprache der Entomologen genannt), der beim Ausstrecken des Beines einen festen Schluß zwischen Schiene und Ferse herstellt und so an der Außenseite das Körbchen noch um ein gut Theil verlängert. Es leuchtet ein, daß bei schönem Wetter, wo sich die Staubbeutel von selbst öffnen, mehr Inhalt derselben eingetragen wird, als an sonnenlosen Tagen.

Hat die Biene ihre Tracht, so fliegt sie, geleitet durch ihren wunderbar entwickelten Ortssinn, auf dem kürzesten Wege nach Hause. Hier angekommen, läßt sie sich in der Regel auf dem Flugbrette nieder, um ein wenig zu ruhen, dann geht es eiligen Laufes in das Innere. Je nach der Natur der Schätze, die sie bringt, ist die Art, wie sie sich ihrer entledigt, eine andere. Der Honig wird entweder einer bettelnden Schwester gefüttert, oder in der Vorrathskammer ausgeschüttet. Einige Zellen enthalten Honig zum täglichen Gebrauche, andere, es sind zunächst die obersten jeder Wabe, dienen als Vorrathskammern für künftige Zeiten, von denen jede sofort mit einem Wachsdeckel geschlossen wird, sobald sie gefüllt ist. Die Höschen strampelt die Biene sich ab und stampft sie fest in einer von denjenigen Zellen, die an verschiedenen Stellen der Waben dazu bestimmt sind, die Vorräthe des sogenannten » Bienenbrotes« aufzunehmen, oder sie beißt einen Theil davon ab oder läßt ihn von einer Schwester abbeißen, um verschluckt zu werden, da der Blütenstaub im kleinen Laboratorium des Bienenkörpers in Wachs verwandelt wird. Harzige Bestandtheile von Nadelhölzern, den Knospen der Pappeln, Birken u. a. entlehnt, (das Stopfwachs, Vorwachs, Propolis, wie es die Bienenväter nennen) werden gleichfalls im Körbchen eingetragen; sie dienen zum Verkitten von Lücken und Ritzen, zum Verkleinern des Flugloches und, wenn es in einem Ausnahmefalle nöthig sein sollte, zum Einhüllen fremdartiger Gegenstände, welche ihrer Größe wegen nicht beseitigt werden, durch Fäulniß aber den Stock verpesten können. Es wird erzählt, daß man eine Maus, eine nackte Schnecke auf diese Weise eingekapselt in Stöcken gefunden habe. Auch Wasser wird gleich dem Honige aufgeleckt; denn es dient zu der eignen Ernährung, beim Bauen und zu der Bereitung des Larvenfutters, dasselbe wird je nach dem Bedürfnisse herbeigebracht und nicht in der Stadt aufgespeichert.

Neben dem Eintragen nimmt das Bauen nach einer andern Richtung hin die Thätigkeit des Volkes in Anspruch. Man hat gemeint, die Stadt werde durch eine besondere Innung, durch die Architekten erbaut, welche den von den Andern herbeigeschafften Stoff weiter verarbeiteten. Dem ist aber nicht so, sondern jede Arbeiterin kann jeden Dienst verrichten, nur mit dem Unterschiede, daß der junge Nachwuchs in den ersten Tagen nach seiner Geburt nicht ausfliegt, sondern nur häusliche Dienste verrichtet. Der Baustoff, das Wachs, tritt in kleinen Blättchen zwischen den Bauchringen hervor und wird von der Biene selbst oder einer Nachbarin abgenommen, wobei die Fersenhenkel mit Vortheil verwendet werden können, und wird mit den Füßen nach dem Munde geführt, die ja vielfach die Stelle der Hände vertreten. Das Blättchen wird zwischen den Zangen zusammengedrückt, und da diese gleichzeitig auch Zieheisen sind, kommt das Wachs in Gestalt eines Bandes darunter hervor. Die Hände, jene Zangen eben, und die nach vorn tastenden Fühler sind bei dem Baue unablässig thätig und geben ihm die mathematisch bestimmte, regelmäßige Form, wie sie die Menschenhand nur mit Beihilfe von Zirkel und Lineal darzustellen vermag. In einfacher, doppelter vielfach verschränkter Kette hängen die Bienen beim Bauen aneinander. Dies giebt ein eigentümliches Gekrabbel, denn jede muß sich wohl vorsehen, daß sie den Grund und Boden, d. h. die Nachbarin nicht unter den Füßen verliert. Die Geschäfte des Handlangers und des Meisters, sie sind hier in ein und derselben Person vereinigt. Bekanntlich sind die Zellen sechsseitig und liegen wagerecht neben einander, so zwar, daß immer zwei Wände der einen gleichzeitig eine Nachbarzelle bilden helfen, am Ende wird jede von einem schwach concaven, aus drei Rhomben zusammengesetzten Boden geschlossen, und jeder Rhombus liefert den dritten Theil vom Boden einer diametral gegenüberliegenden Zelle. Jede Zelle mißt 10 mm. in die Länge und von einer Seitenwand zur gegenüberliegenden deren 5. In der in einer Ebene liegenden Vorderansicht stellen diese Zellen mithin ein zierliches Netz von sechsseitigen Maschen dar und werden eine Wabe genannt; nach der entgegengesetzte Seite hat man dieselbe Ansicht, und indem diese Doppelwaben von oben nach unten gebauet werden, so hängen mit der Zeit ihre Scheiben wie Stalaktiten senkrecht herab. Sie sind in Zwischenräumen von Zellenlänge unter sich entfernt, erhalten hie und da wohl auch ein Loch. Solche Löcher wie jene Zwischenräume ermöglichen den Verkehr, sind die Straßen der Stadt. Nach unten hin runden sie sich unregelmäßig ab. Je kräftiger das Volk, je ergiebiger die Ausflüge, desto vollkommener ist der Innenraum des Stockes mit den Doppelwaben ausgefüllt.

Bauen und einheimsen sind nur Mittel zum Zwecke und hören auf – im Winter, von dem erst später die Rede sein wird – und wenn die eierlegende Königin fehlt. Der Zweck also ist die Erziehung neuer Brut. Die Sorgfalt um dieselbe, die Zubereitung und Darreichung des Futters und die weitere Pflege bildet die dritte Richtung für die emsige Thätigkeit der Jungfrauen im Bienenstaate.

Die oberen Zellenreihen werden zumeist als Vorrathskammern benutzt und sind gedeckelt, die unter ihnen gelegenen dienen der Brut. In jede, welche mit einem Eie beschenkt werden soll, kriecht erst die königliche Mutter hinein, um zu sehen, ob alles in Ordnung sei, dann kommt sie hervor, schiebt den Hinterleib hinein und ist sie wieder draußen, so sieht man hinten zur Seite der untern Wand nahe am Boden das Ei senkrecht Hingestellt. Es ist milchweiß, durchscheinend, reichlich zwei Millimeter lang, schwach gekrümmt und an seinem untern Ende kaum verschmälert. Dann geht sie weiter von Zelle zu Zelle in gleicher Absicht und unterbricht ihre Thätigkeit nur auf kurze Zeit, welche der Ruhe gegönnt wird. Bei ihrer Thätigkeit ist sie nicht vereinsamt, einige Arbeiterinnen begleiten sie, bilden ihren Hofstaat, sie reichen ihr Nahrung, streicheln sie mit den Fühlern, belecken sie mit der Zunge und erweisen ihr alle jene Aufmerksamkeiten, welche eben eine Biene ihrer – Königin zollt.

Der Anblick des Eies, der königlichen Gnade, ist für das Volk ein Mahnruf zu doppelter Thätigkeit, eine Aufforderung zur Uebernahme weiterer Sorgen. Sofort wird jede Brutzelle am Boden, noch hinter dem Eie, mit einem kleinen Häuflein weißer Gallerte versehen, welche aus Honig, Bienenbrot und Wasser im Laboratorium zubereitet ward. Am vierten Tage erscheint die Larve als ein geringeltes Würmlein, zehrt das Futter auf, streckt sich gerade mit dem Kopfe nach vorn, und Tag für Tag steckt diese und jene Biene ihren Kopf in die Zelle und läßt einige Tröpflein Honigbrei von der Größe eines Stecknadelknopfes fallen. Das behagt der Kleinen; denn sie wird schnell groß dabei, so daß sie nach sechs (sieben) Tagen erwachsen ist und die Zelle vollkommen ausfüllt. Ihr zarter, weißer Körper besteht aus einem hornigen Kopfe und elf, schwer unterscheidbaren Ringen, wie bei anderen ihrer Verwandtschaft. Mit ihrer Entwicklung nimmt das täglich gereichte Futter eine andere Zusammensetzung, einen andern Geschmack an. Sie hat sich während ihres schnellen Wachsthums weder gehäutet, noch entleert. Die um sie besorgten Pflegerinnen dehnen nun mit ihren Zähnen die Ränder der Zelle, biegen sie nach innen, um sie zu verengen und ergänzen das Fehlende durch einen platten Wachsdeckel, damit der Verschluß vollständig sei. Noch hört die Fürsorge für sie nicht auf. Die gedeckelten Brutzellen werden nicht verlassen, sondern sind von Bienen in dichtgedrängten Haufen belagert, werden gewissermaßen »bebrütet«, damit die der Weiterentwickelung nöthige Wärme nicht fehle. Im Innern aber spinnt die Made ein glasiges Gewebe um sich, streift ihre Haut ab und wird zu einer Puppe von der Beschaffenheit aller Hautflüglerpuppen. Am einundzwanzigsten Tage, vom Eie an gerechnet, wird der Deckel von innen abgestoßen und die junge Bürgerin spaziert hervor. Sofort ist eine oder die andere Schwester damit beschäftigt, die Zelle durch Glätten der Ränder wieder in die alte Form zu bringen, die Häute herauszuziehen und jene zur Aufnahme eines zweiten Eies fähig zu machen. Die Ueberreste bleiben manchmal theilweise sitzen; denn die Erfahrung hat gelehrt, daß die Zellen älterer, häufiger als Wiegen gedienter Bruttafeln etwas kleiner in Lumen sind als neue Zellen.

Die Neugeborne, um uns ihr nun zuzuwenden, reckt und streckt sich, wird freundlich von den Schwestern begrüßt, beleckt und gefüttert; doch kaum fühlt sie sich trocken und im Besitze ihrer vollen Kräfte, was nach einigen Stunden der Fall ist, so mischt sie sich unter das Volk und findet ihre Beschäftigung im häuslichen Kreise: Füttern, Brüten, Deckeln, Reinhalten der Wohnung, Wegschaffen der Bröken, welche beim Auskriechen abfallen, das dürften die Beschäftigen sein, welche den jungen Bienen in den ersten acht bis zwölf Tagen zufallen. Nach Verlauf dieser Zeit bekommt eine jede auch ihrerseits Sehnsucht nach Freiheit. Sie kommt nun, den Kopf rechts und links drehend, um die Umgebung genau betrachten zu können, rückwärts aus dem Flugloche auf das Flugbrett vor demselben, erhebt sich in kurzen Bogenschwingungen, läßt sich nieder, erhebt sich wieder, um die Bogen zu erweitern und zu Kreisen zu ergänzen, immer aber rückwärts vom Brette abfliegend. Jetzt erst ist sie ihrer Sache gewiß, daß sie bei der Heimkehr das Flugloch nicht verfehlen werde, mit einem kurzen Anlaufe erhebt sie sich in geradem raschen Fluge und ist in der Ferne verschwunden. Diese kann sie, wenn es sein muß, bis auf zwei Stunden Weges ausdehnen. Im Vollbesitz ihrer wunderbaren Naturanlagen, des Ortssinnes, des Mittheilungsvermögens, der scharfen Sinne des Geruchs und Gesichts und sich des zweckmäßigen Gebrauches aller ihrer Werkzeuge bewußt, unterzieht sie sich allen Tätigkeiten, wie es die Umstände eben gebieten.

Das Getriebe im Bienenstaate, welches wir so eben nach einander darzustellen versucht haben, welches in Wirklichkeit sich aber gleichzeitig abspielt, ist das alltägliche während des Sommers und steht auf seinem Höhepunkte in der sogenannten Trachtzeit (halber Mai bis halber Juli). Es kommen aber aufgeregtere Zeiten, Ereignisse vor, welche das Alltagsleben abändern und in ihren Folgen von großer Bedeutung sind.

Die Königin legt jährlich 50 bis 60tausend Eier, ihr Vorrath erschöpft sich daher, und das Volk, um sich zu erhalten, muß auch auf die Erziehung einer neuen Königin Bedacht nehmen, und zwar geschieht dies alljährlich bald nach der Ueberwinterung. Man bauet jetzt (April) eine neue Art von Zellen, den gewöhnlichen gleich an Form und Lage, nur größer im Innenraume. In diese legt die Königin genau in der früher angegebenen Weise je ein Ei. Die Arbeiter versehen die Zelle mit Futterbrei und verpflegen die junge Made bis zum achten Tage, dem Tage, an welchem sie erwachsen ist, deckeln die Zelle und bebrüten sie. Alles so, wie es bereits erzählt worden ist. Am vierundzwanzigsten Tage, nachdem das Ei gelegt worden war, öffnet sich der Deckel, diesmal aber kommt ein wohlbeleibtes, großköpfiges Männchen, eine » Drohne« hervor. Sie ist feister, im Hinterleibe nicht nur umfangreicher, sondern auch gerundeter an seiner Spitze, der Kopf kugeliger, die Augen wesentlich größer, indem sie auf dem Scheitel zusammenstoßen und auch nach unten mit stärkerer Wölbung weiter reichen; der Ferse fehlt der Henkel, der Leibesspitze der Stachel. Die Drohnen sind faule Gesellen, sie arbeiten nicht, sondern zehren nur von den Vorräthen, welche Andere mühsam erworben haben und halten um die heißen Mittagsstunden mit herabhängenden Beinen und kräftigem Gesumme in schaukelnder Bewegung einen Ausflug, um einige Bewegung zu haben.

Mit dem Erscheinen der Drohnen geht noch eine weitere Veränderung im Stocke vor sich. Meist an den Rändern der Waben entsteht eine dritte Art von Zellen, ihrer zwei oder drei für gewöhnlich, es können jedoch auch mehr werden. Dieselben haben eine senkrechte Lage und sehen mit der Oeffnung nach unten, sind nicht sechseckig, sondern walzig im Innern, etwas bauchig nach außen, mit größerem Aufwande an Baustoff und in größerem Maßstabe als die Drohnenzellen angelegt. Auch diese wenigen Zellen belegt die Königin mit je einem Eie, das bedienende Volk aber versorgt die ausgeschlüpfte Made mit besserem Futter, erweist ihre gesteigerte Pflege, deckelt die Zelle nach sechs Tagen, aber mit einem gewölbten Deckel, so daß dann die Zelle das Aussehen eines Gehäuses hat, welches manche Schmetterlingspuppe umhüllt. Die aufgeführten Unterschiede: andere Lage und Form der Zelle, besseres Futter, erhöhete Temperatur beim Bebrüten bewirken auch einen Unterschied in der Entwickelung der Larve, welche nach nur sechszehn Tagen ein wirkliches Weib, eine Königin ist.

Würde man sie herauslassen aus ihrer königlichen Zelle und die Beherrscherin der Stadt, das Oberhaupt des Staates wäre noch vorhanden, so gäbe es einen Kampf auf Leben und Tod, da zwei fruchtbare Weibchen einmal nicht neben einander in diesem Staate sein können. Das wissen die Pflegerinnen wohl und darum lassen sie die Neugeborne nicht heraus, wenigstens läßt sich diese Voraussetzung machen, wenn sie auch nicht in allen Fällen zutrifft. Sie kann ihr Unbehagen nicht unterdrücken und läßt einen tütenden Ton vernehmen. Derselbe Ton wird unter Umständen aus einer zweiten königlichen Zelle hörbar und durchdröhnt im verstärktem Maße die ganze Stadt; die bisherige Beherrscherin hört ihn und weiß nun, daß ihr wenigstens eine Nebenbuhlerin erstanden ist. Sie kann ihre Unruhe nicht verbergen, die Arbeiter wissen es gleichfalls, daß ein bedeutendes Ereigniß im Anzuge ist, und es bilden sich gewissermaßen zwei Parteien. Zu der einen halten die älteren, zu der andern die jüngeren Bienen. Die Unruhe ist gegenseitig und steigert sich von Minute zu Minute. Das wilde Durcheinanderlaufen der vielen Tausende des Volkes – denn im Vorgefühle der Dinge, die da kommen werden, flogen nur wenige aus – erzeugt in der überfüllten Stadt eine unerträgliche Hitze. Ein Theil lagert oder hängt in großen Trauben, stark brausend, vor dem Flugloche; das » Vorliegen«, wie es der Imker nennt, mahnt auch ihn zur Wachsamkeit. Die wenigen Bienen, welche heut beladen zurückkehren, gesellen sich meist zu den vorliegenden, eilen nicht wie sonst in das Innere, wo es immer unruhiger wird. Das Sausen und Brausen, das Krabbeln durch und übereinander hat seinen Höhepunkt erreicht und alle Bande der sonst so musterhaften Ordnung scheinen gelöst.

Jetzt, wie ein Wasserstrahl, der gewaltsam aus einer engen Oeffnung herausgepreßt wird, stürzt kopfüber, kopfunter ein Schwarm von zehn bis fünfzehntausend (alter) Bienen, die Königin unter ihnen, hervor, erfüllt, wie Schneeflocken bei dem dichtesten Falle, die Luft oder gleicht einer die Sonne verfinsternden Wolke. Beim Hin- und Herschwanken in der Luft giebt er einen eigenthümlichen, weit hin hörbaren, freudigen Ton, den » Schwarmgesang« von sich. Wohl zehn Minuten hält dieses Schauspiel an, dann verändert es seinen Charakter. Am Aste eines nahen Baumes oder an einem Stück Borke, welches der Bienenvater zu diesem Zwecke aufgestellt hatte, oder sonst wo an einem geeigneten Gegenstande bildet sich zuerst ein dichter, faustgroßer Knaul von Bienen, dem sich mehr und mehr zugesellen, bis sie sich zuletzt alle in eine schwarze, herabhängende »Traube« zusammengezogen haben, ihre Königin mitten darunter. Dies ist der Haupt- oder Vorschwarm, der wie alle andern etwa noch folgenden » Nachschwärme« nur an schönen Tagen, meist um die Mittagszeit »abgestoßen« wird und nicht weit zu gehen pflegt, weil die mit Eiern erfüllte Königin zu schwerfällig ist. Der Bienenvater, durch allerlei Vorzeichen auf dieses Ereigniß bereits vorbereitet, hat einen Kasten, eine Walze oder in welchen sonstigen Vorkehrungen er seine »Völker« unterzubringen pflegt, in Bereitschaft, kehrt vorsichtig die Traube hinein, verschließt den Stock mit dem Deckel und weist ihm seinen Platz an. Die weitere Entwickelung geht nun in der Weise vor sich, wie sie bereits geschildert worden ist.

Kehren wir jetzt zu der Stadt zurück, welche ihre Kolonie ausgesendet hat. Daselbst ist mindestens eine junge Königin aus der Zelle geschlüpft und von dem Anhange, der ihr schon vorher zugethan war, mit den schuldigen Ehrenbezeugungen begrüßt worden. Ein charakteristisches Zeichen dieses Kindes der Gnade, in welches das ganze Volk verliebt ist, besteht besonders darin, daß es lange schön goldgelbe Füße hat, durchsichtig wie Bernstein. Diese reiche Farbe schmückt auch den Bauch und findet sich endlich am Hinterrande der Rückenringe wieder. Elegant, schlank und edel, ist die Mutter davon freigesprochen, das Handwerksgeräth mit sich zu tragen, mit dem die Arbeiterinnen beladen sind, die Bürsten und Körbe und Fersenhenkel. Gleich allen Bienen trägt auch die Königin das Schwert, ich meine den Stachel, aber sie zieht es nie, ausgenommen in einem persönlichen Zweikampfe

Von einem solchen erzählt Huber. Zwei Königinnen hatten fast gleichzeitig ihre Zellen verlassen. Sobald sie sich zu Gesicht bekamen schossen sie zornentbrannt auf einander los und stellten sich so, daß ihre Fühler wechselseitig von den Kinnbacken des Gegners gehalten wurden, Kopf gegen Kopf, Brust gegen Brust, Bauch gegen Bauch, sie brauchten nichts weiter zu thun als das Ende des letzteren zu krümmen, um sich gegenseitig todt zu stechen. Das geschah aber nicht, keine hatte einen Vortheil vor der andern voraus, sie ließen vielmehr los und jede wich zurück. Nach wenigen Minuten wiederholte sich der Angriff auf dieselbe Weise und mit demselben Erfolge, bis durch eine Wendung die eine den Flügel der andern erfaßte, auf sie stieg und ihr eine tödtliche Wunde versetzte. Regel ist ein solcher Zweikampf nicht, vielmehr wird eine zweite Königin vom Volke selbst getödtet – wenn nämlich dieselbe nicht stark genug ist, um einen »Nachschwarm abzustoßen«. Dergleichen Nachschwärme sind am dritten, siebenten oder neunten Tage nach dem Hauptschwarme noch möglich. Ein solcher pflegt wegen der größern Beweglichkeit der Königin in weitere Fernen zu fliegen, ehe er zur Ruhe gelangt. Wir können jedoch hier nicht Rücksicht auf alle Möglichkeiten im Bienenstaate nehmen, sondern müssen uns auf die wesentlichen Punkte beschränken. Wir nehmen darum an, daß die junge Königin die alleinige Beherrscherin der Stadt sei. Zu derselben Zeit, in der die Drohnen ihren Ausflug halten, erhebt auch sie sich hoch in die Lüfte, es findet sich ein Männchen, welches sich mit ihr vereint. Nach kurzer Abwesenheit kehrt sie zurück und ist für ihre Lebenszeit, die vier Jahre und darüber dauern kann, befruchtet. Sechsundvierzig Stunden nachher beginnt sie mit dem Legen. Dies ist es, was man von ihr verlangt. Sie wird deshalb verehrt und zwar gerade im Verhältnisse ihrer Fruchtbarkeit. Wunderbare Einrichtung! Sie hat es in ihrer Gewalt, das Ei beim Legen zu befruchten oder unbefruchtet zu lassen, und fühlt es am Umfange der Zelle, in welche sie es legt, ob sie das Eine oder das Andere zu thun habe. Die Eier, aus denen die Männchen entstehen, sind nämlich nicht befruchtet und können ausnahmsweise auch einmal von einer Arbeiterin gelegt werden.

Ehe alles wieder seinen gewohnten Gang geht, muß sich noch eine aufregende Begebenheit abgespielt haben, die man kurz als » Drohnenschlacht« bezeichnet hat. Wenn nämlich kein Schwarm mehr in Aussicht steht, die Männchen somit ihre Rolle ausgespielt haben, schafft man sich dieselben vom Halse. Das Volk fällt über dieselben her, jagt sie allerwärts hin, treibt sie in eine Ecke, sperrt sie vom Futter ab, beißt sie, zerrt sie an den Flügeln oder sonst wo zum Flugloche hinaus oder sticht sie mit dem kürzesten Verfahren nieder. Auf die eigentümliche Erscheinung mag noch hingewiesen sein, daß beim Gebrauche der Waffe gegen einander dem angreifenden Theile kein Schade erwächst, während beim Stiche in das Fleisch des Menschen oder eines warmblutigen Thieres die Spitze des Stachels infolge seiner Widerhaken sitzen bleibt und die Biene dann sterben muß. Woher dieser Unterschied? Weil die Chitinmasse des Insektenkörpers nicht die Wunde schließt wie das elastische Fleisch, sondern das gestochene Loch ein Loch bleibt, aus welchem die Widerhaken den Rückweg finden.

Nachdem die Leichen aus der Stadt entfernt sind, kehrt die alte Ordnung ein, die Alltäglichkeit des Lebens wird nicht, weiter unterbrochen. Die Trachtzeit ist allerdings vorüber, wenigstens für Gegenden, wo kein Heidekraut blüht; die Quellen fangen an, sparsamer zu fließen, und teilweise müssen schon die Vorräthe besserer Tage in Anspruch genommen werden, oder – – es regt sich Lust zu Räubereien. Wenn nämlich vor und nach der Trachtzeit die Ernte knapp wird, so entwickeln manche Bienen eine besondere Anlage zum Stehlen. Sie suchen trotz der am Eingange zu jeder Stadt aufgestellten Wachen in dieselbe einzudringen und die vollen Magazine zu plündern, als wenn es Blumen wären. Gelingt es einer oder zweien irgendwo einzudringen, so bringen sie das nächste Mal mehr Kameraden mit, und die Räuberbande scheint organisirt zu sein. Ist eine Zuckerfabrik in der Nähe – das Leidwesen für jeden Imker – so fallen sie hier ein und tausendweise finden sie in derselben ihren Tod; denn schwer beladen fliegen sie, zum Heimgange sich anschickend, gegen die Fenster, arbeiten sich hier ab, fallen ermattet zu Boden und kommen um. Man fegt sie dann wohl zusammen und wirft sie in die Siedekessel, um den Zuckerstoff nicht zu verlieren. – Die Brutzellen mindern sich, obschon bei günstigem Wetter noch bis in den Oktober hinein Arbeiterinnen geboren werden. Man darf nicht meinen, daß am Ende der für das Ausfliegen geeigneten Zeit das Volk viel stärker sein müsse als eben um Johanni, wo es sich als Kolonie von seiner Mutterstadt abgezweigt hatte, im Gegentheil, es kann sogar zurückgegangen sein, wenn die Witterungsverhältnisse ungünstig waren, Krankheiten und anderer Unfälle gar nicht zu gedenken. Der Abgang der Arbeiter an solchen, welche verunglücken oder eines natürlichen Todes sterben, ist ein sehr bedeutender, und das Leben einer Biene während der Haupttrachtzeit währt durchschnittlich nur sechs Wochen. Wodurch will man diese Ansicht begründen? Eine Königin wird mehrere Jahre alt und die jungfräuliche Arbeiterin sollte eine so kurze Lebensdauer haben? Giebt man zu Anfange der Trachtzeit, in welcher sich die Biene selbstverständlich am meisten abnutzt, dem deutschen Volke eine italienische Die Honigbiene steht schon seit Jahrtausenden im Dienste des Menschen, läßt sich den Hausthieren zuzählen, ist sich aber in ihrer Lebensweise immer gleichgeblieben, wenn wir diese bei fortgeschrittenen Kenntnissen auch mit andern Augen ansehen, als die oft naiv urtheilenden Menschen des grauen Alterthums. Mit Rücksicht auf die Körperfärbung kann man sechs Spielarten unterscheiden. a. Die nordische oder deutsche Honigbiene ist schwarz und seidenglänzend, sofern nicht die fuchsrothe in Grau spielende Behaarung, die sich bis auf die Augen ausdehnt, aber mit der Zeit abreibt, den Grund deckt und röthlich färbt. Die Hinterränder der Leibesglieder und die Beine haben eine braunrothe Farbe. Diese Spielart breitet sich nicht nur über den ganzen Norden von Europa aus und war hier bis vor einigen Jahrzehnten die einzige, sondern ist auch, im südlichen Frankreich, in Spanien, Portugal, einigen Gegenden Italiens, in Dalmatien, Griechenland, in der Krim, auf den Inseln Kleinasiens und dessen Küstenstrichen, Algerien, Guinea, am Kap und in einem großen Theile des gemäßigten Amerika anzutreffen, b. Die italienische Biene ( Apis ligustica) mit braunrother Hinterleibswurzel und hochrothen Beinen der Königin, findet sich in den nördlichen Gegenden Italiens, in Tirol, in der italienischen Schweiz und wurde vor einiger Zeit massenhaft in die deutschen Stöcke eingeführt. Die Honigbiene vom Hymettus ( A. cecropia) scheint eine Mittelform von a und b zu sein, der letzteren ungemein nahe stehend, c. Eine sich von der vorigen durch ein gelbes Schildchen unterscheidende Abart lebt im südlichen Frankreich, in Dalmatien, dem Banat, auf Sicilien, der Krim, den Inseln und dem Festlande von Kleinasien, wie im Kaukasus. d. Die egyptische Biene ( A. fasciata) ebenfalls mit rothem Schildchen und mit weißer Behaarung, lebt in Egypten und breitet sich über Sicilien und Arabien, weiter nach Osten bis zu dem Himalaya-Gebirge und nach China aus. Für unsere Gegenden sind ihr die Winter zu kalt, und hat sich ihre Einführung daher nicht bewährt, e. Die afrikanische Biene, welche mit Ausnahme von Algerien und Egypten über ganz Afrika ausgebreitet ist, steht der egyptischen ungemein nahe und läßt sich nur durch sehr ausführliche Beschreibung von ihr unterscheiden. f. Die auffallend schwarze Biene von Madagaskar lebt nur auf dieser Insel und auf Mauritius. In Kaschmir, wo jeder Landwirth Bienen hält, scheint eine von den besprochenen zu unterscheidende andere Art vorzukommen, wie in heißen Ländern, namentlich im südlichen Amerika wilde Bienen angetroffen werden, die gleichfalls in Staaten leben und ihres Honigs wegen aufgesucht werden. Sie sind alle viel kleiner, anders gebaut, manche ohne Stachel, diese beißen sehr empfindlich, wenn sie sich vertheidigen wollen. Es sind die noch lange nicht hinreichend studirten Meliponen, die man wieder in mehrere Gattungen zerlegt und neuerdings in verschiedenen wärmeren Gegenden Europas (bei Bordeaux) zu züchten angefangen hat. befruchtete Königin, so ist nach sechs Wochen bis aus vereinzelte Bienen jenes verschwunden und durch ein Volk italienischer Bienen ersetzt, die man an der rothen Hinterleibswurzel ohne Mühe von unserer nordischen Spielart unterscheidet.

Während des Winters finden wir in der Stadt die vorderste Wabe durchaus mit Honig gefüllt und gedeckelt, die folgende mindestens an der Giebelseite und alle übrigen mehr oder weniger in ihrem obern Theile; weiter unten finden sich die mit Bienenbrot angefüllten Vorrathskammern, gleichfalls geschlossen, und die leeren Brutzellen. Nicht selten enthalten die ' Zellen zu ihrer untern Hälfte Bienenbrot und in der obern Honig, wie der Bienenvater zu seinem Verdruße bemerkt, wenn er zur Zeit der Stachelbeerblüte den »Honig schneidet« d. h. seine Ernte hält. Auf den Brutzellen sitzen die Bienen so dicht zusammengedrängt, wie es eben gehen will, in ihrer Winterruhe. Wie warmblütige Thiere sich durch dichtes Nebeneinandersitzen erwärmen, so erhöhen auch Kerfe durch dichtes Aufeinanderhocken die Temperatur und darum erstarrt die Biene nicht, wie ein einzelnes im Freien überwinterndes Insekt. Sie bedarf daher der Nahrung, mit welcher sie sich versorgt hat. Der Winter muß schon hart sein, und die Kälte dauernd anhalten, wenn im Stocke die Temperatur unter + 8° R. auf längere Zeit herabsinken soll. Diese Höhe ist aber nöthig und wird beständig erhalten durch Aufnahme von Nahrung, durch Bewegung (an kältern Tagen »braust« das Volk infolge der Bewegung) und durch den Winterschutz, den der Imker seinen Stöcken von außen angedeihen läßt. Weil aber das Fressen die Körperwärme und somit die Wärme im ganzen Stocke erhöht, so bedürfen die Bienen in kalten Wintern stets mehr Nahrung als in gelinden. Wenn die Luft im Freien den genannten Wärmegrad hat, läßt sich manche Biene zum Ausfliegen verlocken; ja man sieht an sonnigen Wintertagen, die nicht diesen Wärmegrad erreichen, einzelne Bienen im eiligen Fluge aus dem Stocke kommen, um Wasser einzunehmen, oder sich zu entleeren. Bei ihrer außerordentlichen Reinlichkeit giebt die Biene ihren Unrath nie im Stocke von sich, sondern nur im Freien. Sollte sie ihn wegen der Kälte zu lange bei sich behalten müssen, oder verdorbenen Honig genießen, der nicht gedeckelt war, so wird sie krank, beschmutzt ihre Wohnung, und der ganze Stock geht in der Regel zu Grunde. Wenn der Winter einen mäßigen Verlauf nimmt, ruht auch die Arbeit nicht, und sollten nur die Vorräthe aus den hintersten Räumen nach jenen mehr in der Mitte gelegenen gepackt werden, wo sie bereits aufgezehrt sind. Uebrigens fängt die Königin meist schon Mitte Februar an, Eier zu legen und zwar in einem kleinen Zellenkreise des Winterlagers.

Von den Witterungsverhältnissen und dem mit diesen zusammenhängenden Vorhandensein der Frühjahrsblumen hängt es ab, wann die Bienen das Winterlager verlassen. Durch hochtönendes Freudengesumme und kreisendes Umherschwärmen geben sie ihr Wohlbehagen zu erkennen, wenn sie zum ersten Male ihre enge Haft mit der neu auflebenden Landschaft, der die Sonne einathmenden Natur vertauschen können. Das erste Geschäft ist die Entleerung. Wenn es sich dann zufällig trifft, daß eine Hausfrau weiße Wäsche zum Trocknen in der Nähe aufgehangen hatte, so besitzt diese eine ganz besondere Anziehungskraft für die Bienchen, wie der braunpunktirte Buntdruck auf dem weißen Untergrunde bekundet. Hierauf geht es an ein Fegen und Ausputzen im Innern der Stadt, die Vorboten der in naher Aussicht stehenden Festlichkeiten. Die Leichen der abgestorbenen Schwestern, deren es immer giebt, werden hinausgeschafft, Beschädigungen an den Waben, durch das immerwährende Bekrabbeln kaum zu vermeiden, werden ausgebessert, die meiste Arbeit aber verursacht das Zusammenlesen und Beseitigen der Hunderte von Wachsdeckeln, welche beim Oeffnen der Vorrathskammern aus den Boden gefallen sind.

Wir sind nun wieder beim Anfange unserer Erzählung angelangt und haben die Einrichtung des dauernden Bienenstaates, im Gegensatze zu den einjährigen der Hummeln und gewisser Wespen in seinem regelrechten Entwicklungsgange kennen gelernt. An Unregelmäßigkeiten und Schicksalsschlägen verschiedener Art fehlt es auch in den wunderbaren Lebensverhältnissen dieser Thierchen nicht, doch würde es zu weit führen, auf dieselben hier näher einzugehen. Nur eines Umstandes möge noch in gedrängter Kürze gedacht werden. Angenommen, es verliere ein Staat durch irgend welche Zufälligkeiten sein Oberhaupt und habe wegen Mangel an königlicher Brut keine Aussicht auf die Erziehung eines neuen. Was geschieht dann? Je nach den Umständen sind nur zwei Möglichkeiten vorhanden. Entweder giebt es noch, wenn das Unglück eintritt, ungedeckelte Brutzellen mit Eiern oder Larven, oder diese sind sämmtlich gedeckelt. Im ersten Falle wird in größter Eile eine Zelle mit einem Ei oder einer sehr jungen Made zu einer königlichen umgebaut, indem man die benachbarten Zellen abträgt, um den nöthigen Raum zu gewinnen, und königliches Futter darreicht. Im zweiten Falle, der dieses Auskunftsmittel ausschließt, wird die Sache noch interessanter. Man erhebt eine kräftige, möglichst große Arbeiterin dadurch auf den Thron, daß man sie ihrer Arbeit entbindet, sie hegt und pflegt, sie gut füttert und ihr alle die Aufmerksamkeiten erweist, welche der gebornen Herrscherin zukommen. Bald fängt sie an, Eier zu legen. Durch Ruhe und Pflege entwickeln sich dieselben, da sie ja bei ihr als verkümmertem Weibchen in der Anlage vorhanden sind. Sie sind aber nicht befruchtet, liefern nur Drohnen, deren Maden daher zu groß für die gewöhnlichen Zellen sind, die mit einem gewölbten Deckel versehen werden müssen. Wegen des buckeligen Aussehens der Zellen hat man die ihnen entschlüpfenden Bienen »Buckelbienen« genannt. Ein gleiches Mißgeschick nur männlicher Geburten trifft die Stadt, deren Königin nicht zur Befruchtung gelangt ist, weil sie beispielsweise flügellahm war. Aber weder sie, noch die drohnenbrütige Arbeiterin wird vom Volke darum vernachlässigt und geringer geschätzt, weil sie ihre Pflicht unverschuldeter Weise nicht in der rechten Art erfüllen können.

Wie sich die Honigbiene durch ihr Leben in dauernden Staaten vor allen heimischen Bienen auszeichnet, so auch durch ein äußeres Erkennungszeichen; es schien ihr nämlich in ihren drei Formen die Endspornen an den Hinterschienen, mit welchen alle übrigen ausgerüstet sind.

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