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Was da kriecht und fliegt!

Ernst Ludwig Taschenberg: Was da kriecht und fliegt! - Kapitel 3
Quellenangabe
typereport
authorErnst Ludwig Taschenberg
titleWas da kriecht und fliegt!
publisherVerlag von Wiegandt, Hempel & Parey
printrunZweite, neu bearbeitete Auflage
year1878
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectidb063374f
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I. Käfer.

( Coleoptera, Eleuterata.)

Der Puppenräuber und seine Gehilfen.

( Calosoma sycophanta)
siehe Bildunterschrift

a. Goldheime ( Carabus auratus.) b. brauner Sandkäfer ( Cicindela hybrida.) c. Puppenräuber d. Larve des letzteren. (Alles in natürlicher Größe.)

Du sitzest gedankenvoll in Deinem Lustgarten, über das Buch hinwegblickend, dessen Inhalt Dir Anlaß zum Nachdenken gab; eine leise Bewegung neben Dir in dem kunstgerecht verschnittenen Buchsbaume, welcher die breiten Sandwege in zierlichen Linien beiderseits einfaßt, lenkt Dich ab. Ein Käfer stürzt in demselben Augenblicke kopfüber herunter auf den Weg, wälzt sich auf dem Rücken, zappelt mit den rothen Beinen, bis er sie wieder unter sich fühlt, und läuft dann eiligst davon, um auf der andern Seite im kleinen Buchsbaumhaine wieder zu verschwinden. Wie etwa eine Figur, die Du in Deiner Jugend beim Schattenspiele an der Wand hingleiten ließest zur allgemeinen Heiterkeit Deiner schaulustigen Spielgenossen, so erschien und verschwand er vor Deinen Blicken. Doch war er Dir kein Fremdling, Du erkanntest ihn an seinen grünlich goldenen, längsfurchigen Flügeldecken, den schlanken kräftigen Beinen und den fadenförmigen Fühlhörnern am Kopfe, und erinnerst Dich noch recht wohl, daß er Dir als Goldschmied, Goldhenne ( Carabus auratus. a) namhaft gemacht worden ist.

Ein anderes Mal wandelst Du zwischen Getreidefeldern und mit Dir wandeln bemerkt oder unbemerkt noch eine Menge anderer Geschöpfe, so klein, daß ihnen die wogenden Kornfelder wie mächtige Waldungen erscheinen müßten, die ein Orkan zu entwurzeln droht, wenn anders sie nach menschlichen Begriffen urtheilen könnten. Unter den vielen und mancherlei sind auch eine Menge von Laufkäfern, die sich geschäftig tummeln, kreuz und quer laufen, auch einmal stehen bleiben vor einem Unglücklichen, welchen der Fuß des unachtsamen Wanderers halbtodt trat, um ihn – auszusaugen, und sollte es ihr eigener Bruder sein. Ist der Weg vorzugsweise sandiger Natur, so findest Du wohl auch eine Art unter ihnen, welche Dich sogar zu necken scheint. Du siehst vor Dir ein Wesen auffliegen, welches nicht wie eine Fliege, oder Biene, oder wie ein Schmetterling fliegt, also wohl etwas anderes sein mag; da fliegt wieder eins und hier abermals. Du verfolgst das eine mit Deinen Augen und bemerkst, daß es sich in einiger Entfernung wieder auf den Weg niederläßt; aber noch hast Du Dich nicht so weit genaht, um zu sehen, was es denn eigentlich sei, wenn Du auch einen Käfer darunter vermuthest, da ist es auch schon wieder auf und davon. Das ärgert Dich. Du willst Deine Wißbegierde befriedigen und diesen scheuen Käfer, welcher so herausfordernd sich vor Dir immer wieder hinsetzt, um der genaueren Betrachtung von Neuem sich zu entziehen, gern gründlich beschauen. Verlegenheit macht erfinderisch. Du wickelst Dein Taschentuch in einen Knäuel, schleuderst dasselbe geschickt nach dem kleinen Flüchtlinge und – er ist gefangen, wenigstens sähest Du ihn nicht abermals auffliegen. Behutsam wird nun das Tuch gelüftet, doch der Gefangene ist schlauer als Du denkst und flinker als Du selbst. Eben willst Du ihn erfassen, da schlägt er einen Haken um Deine Finger, und im nämlichen Augenblicke tragen ihn seine Flügel schon weit in das Getreidefeld, seinen schützenden Wald, hinein. In dieser Hinsicht thut es ihm kaum einer der andern Käfer nach, die alle mehr Zeit brauchen, um ihre harten Flügeldecken zu erheben und die darunter umgeklappten und gefalteten eigentlichen Flügel auszubreiten. Du solltest Dich jetzt zufrieden geben? Nimmermehr. Du wiederholst den Fangversuch noch einmal an einem andern und – mit glücklicherem Erfolge. Der zugleich mit dem Tuche Gefaßte strampelt gewaltig mit seinen dünnen Beinchen und beißt wild mit den spitzen Freßzangen um sich. Trotz seines Sträubens kannst Du Dir ihn nun genau betrachten und findest, daß er ein gar hübsches Thier sei, zierlich von Wuchs und angenehm in Färbung) auf der Oberseite nämlich hellbraun, schwach kupferglänzend, die Flügeldecken mit gelbweißen Zeichnungen, einem Halbmonde an jeder Schulter und Spitze und einer schräg-gebrochenen Querbinde etwas hinter der Mitte verziert. Die Unterseite glänzt grün, ebenso die stellenweise kupfrigen Beine, welche außerdem noch mit langen, weißen Härchen dicht besetzt und ungemein schlank sind. Am Kopfe quellen die schwarzen Augen stark hervor, sitzen fadenförmige, eingliedrige Fühler, vorn lange, zweizähnige, mehr oder weniger weißgefärbte Kinnbacken (Freßzangen), deren Wurzel theilweise von dem weißen Kopfschilde bedeckt wird. Merke Dir schließlich noch den Namen Deines kleinen Gefangenen: brauner Sandkäfer ( Cicindela hybrida. b), Tiger der Kerfe, wie ihn Linné nennt, und setze ihn wieder in Freiheit, nach welcher er ja schon längst mit dem Aufgebote aller seiner Kräfte gerungen hat.

Auf Wald- und Wiesenwegen nicht minder, wie zwischen den Feldern begegnen Dir wieder andere Laufkäfer, die meisten in einfarbig schwarzem Gewande, welche mit grünen, blauen, erzfarbenen Schimmer, namentlich im Sonnenscheine herrlich blitzen. Der allergrößte seiner europäischen Genossen findet sich in den Gebirgswäldern von Krain, Istrien, Siebenbürgen und dem Banat einzeln und am Tage versteckt. Des Nachts geht er auf Beute aus und läßt sich durch Fleischköder am besten fangen. Von Farbe ist er kohlschwarz, und da seine Flügel verkümmert und deren Decken zusammengewachsen sind, so kann er nicht fliegen. Solch Blendwerk findet sich bei andern Laufkäfern, besonders den größeren, gar nicht selten, öfter keine Spur von Flügeln, verwachsene oder zweitheilige Decken darüber, etwa wie angemalte, blinde Fenster an unsern Häusern, welche angebracht wurden, um der Gleichförmigkeit keinen Abbruch zu thun. Im Baue dieser Käfer ist aber mit dem Schönen auch das Nützliche verbunden: denn wie wollten die armen Thiere mit ihrem weichen Rücken bestehen, wenn die harten Decken ihren Schutz versagten?

Da die Laufkäfer im Allgemeinen die Feuchtigkeit lieben, so finden, sie sich in Menge an dem kiesigen Meeresstrande und den flachen Ufern der Flüsse und Bäche; hier fallen uns die kleinen und kleinsten unter ihnen, obwohl sie anderwärts nicht fehlen, besonders in die Augen. Bei heiterem Himmel laufen sie geschäftig hin und her, knüpfen Bekanntschaften an mit den kleinen Fliegen oder Mücken und den Tausenden winziger Thierchen, welche vom Lande her die angenehme Kühlung, oder vom Wasser her die wärmende Sonne oder wohl gar die Gesellschaft heranlockt, langen sich auch ein und das andere zu, wenn das anhaltende Umherlaufen sie ausgehungert hat. Bei trübem Wetter stecken sie unter Steinen und angeschwemmtem Röhricht und treiben da ihr Unwesen. Jene bieten ihnen allerwärts, wo sie dieselben finden, an Feldrainen, Waldrändern, ausgedörrten Berghängen u. a. erwünschte Verstecke. Lüfte nur einen und den andern, und außer reichen Ameisenkolonien findest Du ein buntes Gemisch von kleinen Finsterlingen, als da sind schildförmige Kellerasseln, wurmförmige Tausendfüßler, langschwänzige Raub- und hochbeinige Laufkäfer, welche mit noch andern ängstlich durch einander krabbeln und eifrig bemüht sind, in den Löchern und Gängen oder in ihrem Grasegarten nebenbei sich Deinen neugierigen Blicken zu entziehen. Frühjahr und Herbst tummeln sie sich vorzugsweise unter Steinen. Stellenweise findet sich da auch ein Käfer in größeren oder kleineren Familien beisammen, an Vorderleib und Beinen blaßroth, an Augen und Bauch schwarz gefärbt und mit gerieften, blauschwarzen, hinten gestutzten Flügeldecken versehen, welcher die sonderbare Gewohnheit hat, seinen Feinden »durch blauen Dunst« unangenehm zu werden und darum Bombardierkäfer ( Brachinus) genannt worden ist. Der Sammler bemerkt diese Eigenschaft am besten, wenn er ihn nach der gewöhnlichen Art, Käfer einzutragen, in ein Fläschchen mit Weingeist wirft – dann spritzt er aus dem Hintertheile einen Dunststrahl, welcher nur in schwächerem Grade dasselbe Zischen verursacht, wie geschmolzenes Blei beim Gießen in kaltes Wasser.

Wenn ich in den Wäldern des Oberharzes spazieren ging, hatte ich die für Sammler nachahmenswerthe Gewohnheit, die schuhhohen, halbverwesten Wurzelstöcke abgeschlagener Fichten, mit dem Fuße so lange zu bearbeiten, bis sie zusammenbrachen. Außer dem vielen, unberücksichtigt gelassenen Gezücht störte ich in der Regel zwei größere Laufkäferarten in ihrer Ruhe, einen bronzeglänzenden und einen schwarzblauen ( Carabus sylvestris und catenulatus). Ueberall wo sich verborgene Plätzchen finden, stellen sich auch Laufkäfer ein. Obgleich meist Freunde der Finsterniß, lassen sie sich doch durch die wärmenden Strahlen der Sonne aus ihren Verstecken hervorlocken und beleben Wald und Feld, Wiese und Haide, Garten und öde Steinhaufen, jede Oertlichkeit vorherrschend bestimmte Arten. Daß viele von ihnen eigentlich nächtliche Thiere seien, sieht man gar leicht. Sitze nur bis zum späten Abend in der Sommerzeit bei offenem Fenster hinter Deiner Lampe und Du kannst sicher darauf rechnen, daß ein und der andere Laufkäfer (besonders aus den Gattungen Harpalus und Amara) zu Deinem und seinem Erstaunen vor Dir auf dem Papiere erscheint, oder durch das Geräusch, welches er beim Anfliegen an die Lampe, an eine Wand oder sonstigen Gegenstand verursacht, Dir einen kleinen Schrecken einjagt.

Dürfen wir uns aber wohl wundern, überall diesen flüchtigen Gesellen zu begegnen, wenn wir erfahren, daß von den in runder Zahl 8500 durch die Käferkundigen beschriebenen Arten 1270 in Europa heimathen?

Einen haben wir noch übersehen, der es seiner Schönheit wegen und um seiner Verdienste willen wohl verdient, etwas näher betrachtet zu werden: den Puppenräuber (Bandit, Mordkäfer), in der Entomologen-Sprache » Calosoma sycophanta«, welches zu Deutsch wörtlich der »ränkevolle Schönleib« heißen würde. Er ist von unsern europäischen Laufkäfern unbedingt einer der prächtigsten, verbreitet aber denselben unangenehmen Geruch, wie die andern. Seine breiten, regelmäßig gefurchten Flügeldecken glänzen golden, einmal mehr mit grünem, das andere Mal mit rothem Scheine, der vordere und ganze untere Theil des Körpers stahlblau, die, Freßwerkzeuge, Fühler, mit Ausnahme ihrer ausgeblichenen Spitze, und die kräftigen Beine rabenschwarz. Das Männchen erkennt man leicht, wie fast bei allen Laufkäfern, an den erweiterten Gliedern (1-4) der vordersten Füße, von denen hier drei mit einer dichten Bürste kurzer Borstenhaare auf der Sohle bekleidet sind. Auch hat dieser Käfer, wie wenige seiner Größe unter den Läufern, vollkommen entwickelte Flügel. Man findet ihn vorzugsweise in Kiefernwäldern, und zwar am zahlreichsten in solchen Jahren, die durch Raupenfraß ausgezeichnet sind. Er ist also dazu berufen, das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen zu helfen. Man hat in einem solchen Falle beobachtet, wie einer den eiergeschwellten Hinterleib des Weibchens der Nonne anfraß, wie ein und derselbe Käfer wohl zehn bis fünfzehn Mal einen Baum bestieg, sich mit einer Raupe der Föhreneule hinabstürzte, diese würgte und dann sein Spiel von Neuem begann. In offenem Kampfe, ohne Hinterlist und ohne Furcht geht der Puppenräuber auf seine Beute los. Die weit größere, etwas behaarte Spinnerraupe schlägt, wenn angegriffen, mit den freien Körpertheilen tüchtig um sich; er aber läßt nicht los und stürzt mit ihr vom Baume. Auf der Erde angelangt, wird die Balgerei fortgesetzt, er unsanft umhergeschleudert, aber alles umsonst für das ausersehene Schlachtopfer; geschwächt und ermüdet muß sich die Raupe zuletzt in ihr Schicksal ergeben. Der mühsam errungenen Beute froh, setzt sich der Sieger vor ihr zurecht, die vorderen Klauen in sie, die hinteren in den Erdboden einschlagend, stützt den Kopf auf die am Munde sitzenden, kurzen Fühler, Taster genannt, und verarbeitet mittels der Kinnbacken und der übrigen Theile seiner zusammengesetzten Freßwerkzeuge das Fleisch zu einem Breie, welchen er schließlich mit den Tastern in die innere Höhle hineinschiebt. Sollte ihm bei seinem Mahle ein Ruhestörer zu nahe kommen, so strampelt er mit seinen Hinterbeinen abwehrend, beißt auch wohl um sich, bis er den Zudringlichen verjagt hat.

Alle Laufkäfer leben vom Fleische anderer Insekten, der Regenwürmer, Schnecken u. a., welche sie lebendig anfallen, oder wenigstens nur im frischen Zustande annehmen, sind also ein kräftiger Beistand für den Landbauer und Forstmann, welche beide sie ja recht in Schutz nehmen sollten! Von manchen der mittelgroßen Arten (besonders aus den Gattungen Zabrus, Amara, Harpalus) steht jetzt fest, daß sie, wenn auch nicht ausschließlich, doch vorzugsweise von pflanzlichen Stoffen leben, und daß namentlich einer die Roggenähre ihrer noch milchigen Körner wegen arg zerzaust, so wie seine Larve die jungen Saaten durch Auskauen der Herzblätter zu zerstören im Stande ist. Es gilt dies von dem bei den Landwirthen übel berüchtigten Getreide-Laufkäfer ( Zabrus gibbus).

Die Larve Wegen ihrer verborgenen Lebensweise einerseits und den Schwierigkeiten andererseits, die sich einer künstlichen Zucht der Laufkäfer entgegenstellen, sind im Vergleich zu der großen Anzahl derselben erst sehr wenige Larven bekannt. Die frühere Meinung, daß sie übereinstimmend gebaut seien, hat sich durch neuere Entdeckungen nicht bestätigt; denn man hat unter ihnen die verschiedensten Formen kennen gelernt; nur so viel ist gewiß, daß sie Fleischfresser sind, wenn die vollkommenen Insekten sich auf diese Weise ernähren, Gräser fressen, wenn es jene thun. Ihnen zur Seite steht noch eine andere, an Arten vielleicht noch einmal so reiche Käferfamilie, die Kurzflügler (Staphylinen), lange, schmale Thiere mit kurzen, den Leib zur größern Hälfte freilassenden Flügeldecken. Häufig in Gesellschaft mit den Laufkäfern führen sie wie ihre Larven dasselbe räuberische Leben und übertreffen sie wo möglich noch an Gefräßigkeit. Beide Familien sind somit für den Haushalt der Natur von der höchsten Wichtigkeit und als Vertilger von pflanzenfressenden Insekten, Regenwürmern und Schnecken kräftige Beschützer für Wald und Flur. Man beschirme sie, man beschirme den Maulwurf, sowie die Insektenfresser unter den Vögeln, und die Noth mit dem Ungeziefer wird theilweise beseitigt sein. des Puppenräubers (Fig. d) hat starke, sichelförmige Freßzangen, eine enge Mundöffnung und so weit von dieser abgerückte Anhängsel, daß sie sich nur saugend ernähren kann. Der Kopf ist klein, trägt viergliedrige Fühler und dicht hinter ihnen auf je einer halbkugeligen, hornigen Wulst sechs, fast in einen Kreis gestellte einfache Augen. Zwei gleiche Klauen bewaffnen jedes der sechs schwarzen, hornigen Beine. Die zwölf Ringe des Hinterleibes, deren vorderster am längsten, tragen auf der Rückseite je ein horniges Schild, nehmen aber nach dem Alter des Thieres oder nach seinem Sättigungsgrade verschiedene Gestalt an, so zwar, daß der ganze Umriß des Leibes lanzettförmig erscheint, wie in unserer Figur, wenn reichliche Nahrung ihn füllt. Das letzte Glied läuft in eine Art von Cylinder aus und trägt beiderseits einen starken, nach oben gekrümmten Haken. Auch den Bauch schützen Hornplatten, welche in der Regel heller gefärbt sind, als die oberen. In den Nestern der Processionsraupe, die wir später näher kennen lernen werden, hausen sie gern und öfter in Mehrzahl. Wehe der einen unter mehreren, welche sich zu gütlich gethan hat! Angeschwollen und träge liegt sie dann da, und die noch hungernde flinkere Schwester dürfte es vorziehen, angelockt durch die strotzende Fülle, sie statt der Raupen zu verzehren. Ebenso sieht man sie geschäftig an Bäumen in die Höhe laufen und sich gleich den Käfern mit Raupen umherbalgen. Haben sie sich unter ihren räuberischen Kameraden wacker bis zu ihrer vollen Größe durchgebissen und sind den feindlichen Angriffen der überall schwärmenden Schlupfwespen glücklich entronnen, so suchen sie die Mutter Erde auf, arbeiten sich eine eiförmige Höhlung und gehen schlafen. Die Haut spaltet sich im Nacken und die Puppe windet sich aus derselben hervor. Sie läßt, wie alle Käferpuppen die künftige Form und sämmtliche Theile des Puppenräubers erkennen: den Kopf mit den Augen, Freßwerkzeugen und Fühlern, den Mittelleib, die sechs Beine und den neungliedrigen Hinterleib, der an den Rändern dieser Glieder braune Borstenhärchen trägt; nur die Flügel liegen als noch unentwickelte Läppchen dem Körper angedrückt vor der Brust. Eine ähnliche Lage haben die Fühler, Taster, in die Höhe gezogenen Beine, welche Theile einzeln in zarte Häutchen eingeschlossen sind. Die Zeit der Entwickelung vom Eie bis zum geschlechtsreifen Käfer mag etwa in Jahresfrist beendigt sein, mindestens nicht über diese hinausreichen; sichere Beobachtungen über diesen Gegenstand anzustellen, hat seine großen Schwierigkeiten.

Häufiger als der Puppenräuber kommt eine kleinere, auf der Rückseite des Körpers vorherrschend bronzefarbene Art, der kleine Kletterlaufkäfer ( Calosoma inquisitor) vor, der dieselbe Lebensweise führt. Somit haben wir in diesen beiden Arten kletternde, in den Sandkäfern fliegende Laufkäfer, während das übrige Heer aus flüchtigen Fußgängern besteht, weshalb der Name Laufkäfer die große Familie sehr wohl kennzeichnet. Bei der großen Mannigfaltigkeit ihrer Körpertracht stimmen alle in den kräftigen, zum Laufen eingerichteten Beinen, in den eingliedrigen, faden- oder borstenförmigen Fühlern und in dem Baue ihrer Kinnladen überein. Der äußere der beiden Laden nämlich ist tasterförmig und besteht aus zwei Gliedern, so daß die Laufkäfer außer den vier Tastern, welche fast allen Käfern zukommen, ein überzähliges Paar zu haben scheinen, um die Mundöffnung mithin sechs bewegliche, fühlerartige Anhängsel, auch Freßspitzen genannt, gestellt sind.

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