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Was da kriecht und fliegt!

Ernst Ludwig Taschenberg: Was da kriecht und fliegt! - Kapitel 23
Quellenangabe
typereport
authorErnst Ludwig Taschenberg
titleWas da kriecht und fliegt!
publisherVerlag von Wiegandt, Hempel & Parey
printrunZweite, neu bearbeitete Auflage
year1878
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectidb063374f
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II. Hautflügler, Aderflügler, Immen.

( Hymenoptera, Piezata)

Die gemeine Kiefern-Blattwespe.

( Lophyrus Pini)
siehe Bildunterschrift

a. Larve, b. Puppengehäuse, c. weibliche Wespe, d. Männchen (nur c vergrößert).

In Föhrenwäldern, aber nur in solchen, hat gewiß schon jeder meiner geneigten Leser, der überhaupt auf dergleichen achtet, Jahr aus Jahr ein an den Nadeln oder Aestchen kränkelnder, krüppelhafter Kiefernbüsche, an den dazwischen stehenden Laubhölzern, am Stamme erwachsener Kiefern, an den Stengeln des Haidekrautes oder Grases, oder endlich zerstreut zwischen den abgefallenen Nadeln, besonders aber unter dem Moose am Fuße der Bäume kleine Tönnchen (Fig. b) bemerkt. Hat man eine Hand voll gesammelt, so findet man einen kleinen Unterschied in der Größe und Färbung derselben, indem einige mehr gelb, andere mehr grau, heller oder dunkler aussehen, niemals aber schwarz; solche giebt es zwar auch, sind hier aber nicht gemeint. Die einen zeigen sich vollkommen geschlossen, andere auf verschiedene Weise geöffnet: mit einem kleinen Loche an der Seite, oben an der Spitze, oder endlich mit einem größeren Querschnitte an derselben Stelle, als wenn ein Deckel davon abgenommen wäre, den man wirklich unter Umständen noch daran hängen sieht. Sie sind dünn, wie man im letzteren Falle leicht bemerken kann, dabei aber äußerst fest; denn es gehört ein gewisser Kraftaufwand dazu, sie zu zerreißen, indem man mit den Fingerspitzen den äußersten Rand faßt. Nur geringe Kenntniß von dergleichen Dingen ist nöthig, um diese Tönnchen für die Gehäuse (Cocons) von Puppen zu halten, und es fragt sich nur, wer sie angefertigt hat. Auch ist wohl aus den verschiedenen Oeffnungen derselben zu schließen, daß verschiedene Thiere aus ihnen hervorgekommen sein müssen, sehr wahrscheinlich, daß dasjenige ursprünglich hineingehörte, welches den Deckel abhob. Sorgfältige Beobachtungen haben gelehrt, daß die kleinen Seitenlöcher von Schlupfwespen, die nicht größeren, oben an der Spitze von Fliegen herrühren, welche beide als Schmarotzer den rechtmäßigen Herrn und Fabrikanten jener zierlichen Tönnchen vernichtet haben. Wer ist dieser nun? Vom Mai an bis in den Herbst hinein kann man ihn kennen lernen und um so sicherer, je häufiger seine Produkte, oder vielmehr die seiner Vorfahren, angetroffen werden. Es ist eine grüne, je nach ihrem Alter mehr ins Gelbe oder Braune spielende Raupe (Fig. a) mit eigentümlich gebogter, rauchgrauer oder schwarzer Zeichnung über der Wurzel eines jeden der ersten oder auch aller Bauchfüße. In der Regel erscheinen sie in mäßiger Anzahl, fressen hie und da einige Zweige kahl und verschwinden wieder; es ist aber auch schon dagewesen, daß sie sich zu Haufen von der Größe eines starken Menschenkopfes schaarten und in gedrängten Reihen, so daß sie die Stämme gelb färbten, auf die Bäume marschirten; hier hingen sie meist in solchen Mengen an den Aesten, daß man vor ihnen die Nadeln nicht sah und einen anhaltenden Sandregen zu hören glaubte. Als sie alles kahl gefressen, zogen sie weiter nach einer entfernteren Schonung, welche von dem Platze ihrer Verwüstungen durch einen Bach getrennt war. Zu Tausenden wimmelten sie am Ufer desselben, und da sie ihre Richtung nicht änderten, stürzten sie in das Wasser und ertranken. Tag für Tag wogten sie aus dem Innern jenes verwüsteten Bestandes ihrem sichern Tode zu, so daß der Bach während dieser Zeit lebendig zu sein schien.

Diese Larve hat viel Aehnlichkeit mit einer Schmetterlingsraupe, unterscheidet sich bei näherer Betrachtung aber sogleich von ihr durch die größere Anzahl der Füße. Wir zählen deren nämlich zweiundzwanzig, von denen die drei vordersten Paare länger sind und hornige Brustfüße, die andern, vom fünften Gliede anfangend, fleischige Bauchfüße bilden. Auch ist der Kopf dicker als er bei einer Schmetterlingsraupe zu sein pflegt, von Gestalt eines runden Brotes, hat kräftige Freßzangen und zwei kleine, dunkel umrandete Augen. Man hat diese Larven, wie die ihrer zahlreichen Verwandten, Afterraupen genannt. Eigenthümlich ist noch ihre Stellung und die Art, sich gegen ihre Feinde zu vertheidigen. Wenn sie beim Fraße auf der Kante einer Nadel sitzen oder auch im Kriechen ist ihr Körper nie genau derselben angedrückt, sondern das hinterste Ende krümmt sich schneckenförmig nach unten und haftet auf der Seite der Nadel. Bei der geringsten Störung schnellen sie den Vordertheil des Leibes bis zum ersten Paare der Bauchfüße in die Höhe, um dadurch die kleinen Schlupfwespen und Fliegen abzuwehren, welche ihre Eier gern an sie legen. Uebrigens ist ihre Gefräßigkeit nicht bedeutend, und nur die ungeheure Anzahl, in welcher sie bisweilen auftreten, ordnet sie den gefährlicheren unserer Kiefernfeinde bei.

Nach einer Zeit von ungefähr acht Wochen, bei ungünstigen Verhältnissen nach längerer, sind sie erwachsen. Während dessen häuten sie sich vier, fünf, vielleicht auch sechs Mal. An der Stelle, wo sich das Thier gerade befindet, bleibt es bei allen Häutungen, außer der letzten, ruhig sitzen, als ob ihm etwas fehle, endlich reißt die Haut des Kopfes und der vordern Rückenhälfte, in wenigen Minuten ist der Neugeborne daraus hervorgekrochen, und der dünne Balg bleibt als dunkles Klümpchen da sitzen, wo die Leibesspitze Platz gefaßt hatte. Anders gestaltet sich die Sache bei der letzten Häutung, welche einen Vorschmack der Verpuppung giebt, einen bedeutungsvollen Abschnitt in dem Larvenleben bildet und das an sich schon träge Thier um noch einige Grade tiefer stimmt in seiner vegetativen Lebensweise. Dies weiß es und sucht sich darum einen geeigneten Platz unter dem Moose, wenn es fühlt, seine Ruhe werde wenigstens einen Winter durch dauern, oder an den oben angeführten Stellen im Freien, wenn die weitere Entwicklung schnell von Statten geht. Nachdem die Afterraupe ihr letztes Gewand abgelegt, erscheint sie in auffallend anderer Gestalt, sie ist zusammengeschrumpft und runzelig geworden, etwas einwärts gekrümmt an beiden Enden, als wenn sie von Altersschwäche niedergebeugt würde. Hat sie sich vom letzten Kothe und einer flüssigen Substanz gereinigt, so fängt sie schon nach einigen Stunden oder aber nach ebenso viel Tagen an, ihren Sarg zu bereiten. Die Grundlage besteht aus wenigen Fäden, welche sie durch die mannigfachsten Krümmungen ihres Leibes und besondere Beweglichkeit ihres Maules mit diesem um sich herumzulegen weiß. Bald verdichten sie sich mehr und mehr und werden dann von innen heraus förmlich zusammengeleimt, so daß das undurchsichtige, pergamentartige Gehäuse schließlich zum Vorscheine kommt, welches wir oben schon erwähnten.

Schneidet man dasselbe gleich nachher aus, was mit großer Vorsicht geschehen muß, wenn man das Thier, indem es die ganze Höhlung vollkommen ausfüllt, nicht verletzen will, so findet sich die Larve fast noch in demselben Zustande, in welchem sie sich einspann, doch kann sie nicht mehr kriechen, sondern sich nur in der Weise wie die fußlosen Käfermaden durch Zusammenziehen und Ausdehnen ihrer Leibesglieder mühsam fortschleppen, ist auch nicht im Stande, die Schnittwunde ihres Gehäuses wieder zuzukleben. Oeffnet man ein unter Moos gefundenes im Februar oder März, bei rechtschaffenem Winter im April, so findet man die Larve gleichfalls noch in demselben Zustande, vorausgesetzt, daß mittlerweile nicht ein Schmarotzer sich an ihr gemästet hat. Erst zwei bis drei Wochen vor dem Ausschlüpfen des geflügelten Insekts streift sie ihre Haut ab, welche sie als dünnes, unscheinbares Plättchen bis zum Schwanzende zurückschiebt, und wird zu einer Puppe. Diese, gelblich und grünlichweiß gefärbt, mit schwarzen Augen, ist wenig vom vollkommenen Insekt verschieden, von der Bauchseite zeigt sie die deutlich entwickelten Freßwerkzeuge an dem etwas vorgeneigten Kopfe, gesägte, schräg abstehende, etwas geschwungene Fühler und die vollkommen ausgebildeten Beine, von welchen nur die Schenkel der hintersten durch die kurzen Flügelstümpfchen verdeckt werden. Während jener Zeit nun färbt sich, am Kopfe beginnend, die Puppe nach und nach dunkler und nagt nach Ablauf derselben in der Höhe ihrer Lage mit den Freßzangen ringsum das Gehäuse entzwei, und die Blattwespe kommt gemächlich herausspaziert mit etwas verdrückten, aber vollkommen entwickelten Flügeln, setzt sich neben die eben verlassene Hülle und ordnet ihren Staat, indem sie die Fühler und Flügel mit den kleinen Beinen wiederholt streichelt und letztere, die etwas feucht sind, auf diese Weise glättet.

Die Männchen sind beweglicher, spazieren bald umher, stellen wohl auch Fliegversuche an, während die größeren, dickleibigeren Weibchen (Fig. c) viel bequemer und fauler sich erweisen. Benutzen wir diesen Umstand, um sie uns etwas genauer zu betrachten, was um so nöthiger ist, als sie einerseits in ihrer Bildung wesentlich verschieden sind von allen bisher beschriebenen Thieren, andrerseits eine ganze Reihe von Vettern und Basen haben, die ihnen ungemein ähnlich sehen.

Zunächst fallen uns die vier dünnhäutigen, von zahlreichen Adern durchzogenen Flügel auf, die indeß niemals wie die Maschen eines Netzes verlaufen, sondern größere und kleinere Felder (Zellen) einschließen; die vordern zeigen ein gut Stück hinter der Mitte ihres Vorderrandes ein, gleich den Adern dunkelgefärbtes Hornplättchen, welches man das Randmal zu nennen pflegt, wie es bei allen nun folgenden Insekten (bis zu den Schmetterlingen) bemerkt wird. Man betrachte die Vorderflügel unserer Wespe an der Figur genauer, wie das bei allen Blattwespen nöthig ist, um ihre Gattungen zu unterscheiden, und rathe nun, was damit gemeint sei, wenn behauptet wird, sie habe eine Randzelle (Radialzelle) und drei Unterrandzellen (Kubitalzellen), deren erste unvollkommen wieder in zwei getheilt ist.

Der Körper zerfällt in drei Haupttheile, den deutlich getrennten, scheibenartigen Kopf, den Mittel- und Hinterleib, welche letztere beide auf das Innigste mit einander verbunden sind. Der schwarzbraune, nach unten schmutziggelbe Kopf trägt vorn ziemlich nahe bei einander schwarze, an ihrer Wurzel gelbe Fühler, welche in ihrer Mitte am dicksten sind und aus 19 bis 20 kurzen Gliedern bestehen, die nach der Innenseite wie die Zähne einer Säge vorstehen. Die mäßig großen, glänzend schwarzen Augen quellen zur Seite etwas hervor; außer ihnen stehen aber auf dem Scheitel dicht neben einander, fast in gerader Linie, drei schwarze Körnchen (Nebenaugen). Der im Vergleich zu dem Kopfe buckelige Brustkasten trägt unten sechs Beine, oben die vier Flügel. Er bleibt sich in der Färbung nicht immer gleich, in der Regel ist er schmutziggelb und auf dem Rücken mit drei schwarzen Flecken bemalt, einer nach hinten spitz verlaufend im Nacken, die beiden übrigen langgezogen, je zu einer Seite. Der hinterste Rand erscheint im allgemeinen schmal schwarz mit zwei gelben Tupfen. Die ganze Oberfläche ist durch tiefe Nähte etwas uneben und seicht, aber grob punktirt. Die Beine sind von derselben schmutziggelben Farbe, haben alle fünf Fußglieder, und jedes dieser eine Haftscheibe, so wie zwei Dornen am Ende jeder Schiene. Der achtgliedrige, hinten abgestumpfte, in seiner Mitte etwas erweiterte, von oben nach unten schwach zusammengedrückte Hinterleib ist gleichfalls gelb, mit Ausnahme einer schwarzen Binde über den Rücken des dritten bis sechsten Gliedes, die indeß nach beiden Seiten hin nicht immer scharf begrenzt ist. Am Bauche finden sich einige unbestimmt schwarze Stellen, besonders um den Legapparat, dessen wir weiter unten noch etwas ausführlicher gedenken werden. Somit hätten wir ein Bild vom Weibchen. Verschieden von ihm gestaltet sich das des schmächtigeren Männchens (Fig. d), welches sich durch seine außerordentlich zierlichen Fühler und die Farbe gleich auf den ersten Blick auszeichnet. Jene nämlich bestehen aus 15 bis 20 doppelten, nach der Spitze immer kürzer werdenden Kammzähnen, welche wieder äußerst zart gewimpert sind. Der ganze Körper, gröber und stärker punktirt als beim Weibe, ist durchaus schwarz, höchstens das äußerste Leibesende und die Freßspitzen, sowie an den Beinen die Schienen mit den Knien und die Füße sind gelb und zwar reiner als bei dem Weibe. Die gemeine Kiefern-Blattwespe wechselt in ihrer Färbung so, daß man bis sechszehn Abänderungen unterschieden hat. Bedenkt man nun, daß es außerdem noch etwa vierzehn davon verschiedene Arten giebt, welche alle auf Nadelholz leben und deren einzelne wiederum mehrfach variiren, wenn auch nicht in dem Maße, wie unsere: so wird es selbstredend in vielen Fällen nur dem Sachkenner möglich sein, die Arten genau und richtig zu unterscheiden. Man kann sich noch merken, wie kein Männchen einer andern Art so viel Schwarz an sich hat, als das eben beschriebene der gemeinen. Meist sehr vereinzelt findet sich eine, und zwar die größte Art ( Lophyrus nemorum), welche durch schönes Schwefelgelb in ihren Zeichnungen vor den übrigen schmutziggelben auszeichnet ist.

Die Lebensdauer dieser Insekten in ihrem geflügelten Zustande ist kurz; denn wenn in fünf bis sechs Tagen die Paarung und das Eierlegen nicht abgethan ist, so stirbt das Weibchen, ohne seine Mutterpflichten erfüllt, seinen Lebenszweck erreicht zu haben. In der Regel findet sich vor Ablauf dieser Zeit ein Liebhaber, sollte es nicht in der Nähe der Geburtsstätte sein und die Sonne gerade recht warm scheinen, so erheben sie sich schwärmend hoch in die Lüfte und setzen sich in Mengen an die Gipfel beschienener Föhren, wo die Begattung erfolgt.

Sofort kriecht nun das Weibchen mit vorgestreckten Fühlern suchend umher und wählt, wenn der Juli noch nicht vorüber ist, vorjährige Nadeln; später, vom August ab schwärmende Weibchen gehen an diesjährige Nadeln. Hat es die erwünschte Stelle ausfindig gemacht, so setzt es sich, gleichviel ob an der Spitze oder dem Grunde beginnend, auf die scharfe Kante der Nadel und schneidet mit seinem Legestachel das Fleisch bis auf die Mittelrippe durch. Jener ist ein sehr künstlich gebautes Werkzeug, von dem hier nur im allgemeinen, erzählt werden kann, daß es in Form eines Gartenmessers aus zwei Platten besteht, welche, an ihrer Außenseite und an der untern Kante durch Zahnreihen scharf, als Säge und Raspel zugleich wirken. Diese dicht an einander liegenden Platten können ein- und ausgestoßen werden – im gewöhnlichen Zustande sind sie eingezogen und daher nicht sichtbar –, und damit beim Sägen der Schnitt geregelt werde und nicht schief gehe, faßt das Thier die äußeren Nadelflächen mit zwei Hornplättchen, welche sich am Grunde der Säge befinden. Welch ein wunderbarer Mechanismus! Durch einen mit der Säge in Verbindung stehenden Eileiter läßt die Wespe ein Ei auf den Grund der Spalte so gleiten, daß es seiner Länge nach auf die Mittelrippe zu liegen kommt. Die Spaltöffnung wird mittels eines zugleich abfließenden Schleimes, welcher sich mit den Sägespänen vermengt, zugekittet. Auf diese Weise werden zwei bis zwanzig Eier in die Spalte einer Nadel gelegt, deren Kante durch eben so viele, von der Seite als Vierecke erscheinende, sich an einander reihende Kittklümpchen wieder geschlossen worden ist. Ein Weibchen ist im Stande, 80 bis 120 Eier in der angegebenen Weise zu legen, und zwar geschieht es immer an benachbarten Nadeln. Mit kurzer Unterbrechung behufs des Ruhens wird die Arbeit Tag und Nacht bis zu Ende fortgesetzt, und ein schneller Tod ist die Folge der gehabten Anstrengung. Je nach der Witterung ist ein Zeitraum von 14 bis 24 Tagen ausreichend, um das Ei zur Entwicklung zu bringen. Dabei schwillt es etwas an und der Kitt löst sich von selbst, so daß die junge Afterraupe ohne Mühe herauskriechen kann.

Berechnen wir die bei den verschiedenen Ständen bereits angeführten Zeiten ihrer Entwickelung, so ergiebt sich im günstigsten Falle eine Lebensdauer vom Eie bis zum Schwärmen der Wespe von etwa drei Monaten. Findet letzteres nach gewöhnlichen Witterungsverhältnissen zum ersten Male im April statt, so wird im Juli die zweite, gewöhnlich immer zahlreichere Brut schwärmen, und der Fraß der Raupen fällt somit in den Mai und Juni von der ersten, August und September von der zweiten Brut, welche unverwandelt im Gespinste überwintert und im nächsten Jahre tun Anfang macht. Indeß muß man nicht meinen, daß diese Regelmäßigkeit auch immer Statt habe; nach sorgfältig angestellten Beobachtungen kann die erste Generation im nächsten Frühjahre zur Entwickelung gelangen, oder im Nachsommer, ja selbst mit Ueberspringung eines ganzen Jahres erst im dritten, und nicht braucht die Brut des Spätsommers gerade den ersten Schwarm im folgenden Frühjahre zu bilden.

Merkwürdig und bei keinem anderen Insekt weiter beobachtet bleibt hierbei der Umstand, daß die Larven derselben Wespenart wenige Tage in ihrem Gespinste ruhen, in einem andern Falle mehrere Jahre. Im allgemeinen ist die Afterraupe gegen äußere Einflüsse ziemlich empfindlich, besonders in der zartesten Jugend und vor dem Verspinnen. Es fehlt nicht an Beispielen, wo man nach einer kühlen Nacht, einem heftigen Gewitterregen, nach Höhenrauch etc. ganze Familien todt in den verschiedensten Stellungen und Färbungen, theils auf den Nadeln, theils unter den Bäumen angetroffen hat. Außerdem sind sie als unbehaarte Larven, aber auch als Wespen und Puppen verschiedenen Insektenfressern eine angenehme Nahrung; die Puppen werden sogar von den Mäusen über Winter in großen Mengen zusammengeschleppt und ausgefressen. Von den beinahe vierzig verschiedenen Schlupfwespenarten, welche man aus den Buschhorn-Blattwespen ( Lophyrus) erzogen hat, kommt der größte Theil aus unsere Kiefern-Blattwespe. Trotz der zahlreichen Feinde, mit welchen die Natur gegen sie zu Felde zieht, läßt sich der Mensch dabei nicht genügen und hat allerlei Mittel ersonnen, ihrer allzu starken Vermehrung entgegenzutreten.

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