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Wandlungen. Erster Band

Fanny Lewald: Wandlungen. Erster Band - Kapitel 7
Quellenangabe
authorFanny Lewald
titleWandlungen. Erster Band
publisherVerlag von Friedrich Vieweg und Sohn
year1853
correctorreuters@abc.de ohne Rechtschreibprüfung
senderbruce.welch@gmx.de
created20171207
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Sechstes Kapitel.

Erst tief in der Nacht hatte Friedrich den Schlaf gefunden. Als er am Morgen erwachte und die matte Herbstsonne auf die grauen Wände seiner Stube fiel, das Bücherbrett, den Arbeitstisch und sein Lager zu beleuchten, kam eine tiefe Niedergeschlagenheit über ihn. Entbehrung und Sorge waren ihm vertraut gewesen von seiner Kindheit an, er hatte jetzt weniger davon zu leiden, als in manch früheren Tagen, die Aussicht auf reichlicheren Lebenserwerb trat ihm immer näher, und doch kam er sich heute ärmer vor als sonst, hoffnungsloser, als er es noch je gewesen. Was konnte aus einem Leben werden, welche Blüthen konnte es treiben, das eines reichlich nährenden Bodens, einer schnell und warm reifenden Sonne entbehrte, das, durch Nichts begünstigt, Alles aus sich selbst erzeugen mußte?

Sein Fleiß, seine Lust an wissenschaftlichem Bestreben däuchten ihm thöricht, seine Kenntnisse nichtig. Die erstrebte Gelehrsamkeit erschien ihm todt und reizlos neben der Fülle von Leben, welche die glücklichen Aristokraten genossen hatten. Er hatte Reichthum und Bildung, bevorzugte Verhältnisse und die aus ihnen hervorgehende edle Einfachheit des Benehmens nie in solcher Weise vereint gesehen, als in der Familie seines neuen Freundes. Was ihn im Einzelnen angezogen und abgestoßen, ihm bald beneidenswerth, bald geringfügig gedäucht hatte, Rang, Besitz, Bildung der äußeren Form, Kunst und Luxus, das Alles war ihm gestern in einem Bilde allgemeiner Schönheit, harmonischer Entwicklung erschienen, von dem er sich unfähig fühlte, das Auge abzuwenden, obschon das Anschauen ihm zum Schmerze wurde, wenn er auf sich und sein Geschick zurückblickte.

»Leben! Leben!« rief er. »Sich zur Schönheit entfalten in gleichmäßiger Ausbildung aller Kräfte!« – Aber hatte das nicht auch Larssen gewollt? Und wohin hatte es ihn gebracht? Wohin konnte es Friedrich führen, dem nicht die Mittel zu Gebote standen, über welche Jener einst hatte verfügen können? Ein stummer Schmerz, der sich nicht zur Entsagung zu gestalten vermochte, bemächtigte sich seiner. Er zürnte der Vorsehung, die ihn mit hochstrebender Seele in Niedrigkeit geboren werden ließ, und der Tag, der vor ihm lag, flößte ihm in seiner Entmuthigung ein Grauen ein. Er war niedergeschlagen bis zum Lebensüberdrusse, weil er ein paar Stunden Glückes genossen hatte.

Da kam die treue, so oft verspottete Gefährtin unseres Lebens, die Gewohnheit, ihm zu Hülfe. Der Schlag der Thurmuhr schreckte ihn erlösend aus seiner Verzagtheit empor. Es war halb neun Uhr, um neun begann das Collegium, und so gering er noch vor wenig Minuten die Wissenschaft im Vergleich zum Leben geachtet hatte, würde er es sich nicht verziehen haben, das Collegium zu versäumen; aber dieser Tag und viele andere Tage schwanden dahin, ehe er das Gleichgewicht seiner Seele wiederzufinden, und sich zu einem Kampfe mit den Verhältnissen zu rüsten vermochte, aus dem er sich gelobte, als Sieger hervorzugehen. Die Jugend hat das Vorrecht, an die Erfüllung ihrer idealen Wünsche zu glauben, darin liegt ihre Kraft und ihr Glück, und wer ein Ideal im Herzen trägt, nach dessen Erlangung er trachtet, hat an demselben einen mächtigen Bundesgenossen gewonnen.

Was Friedrich bisher als Ziel angesehen, die Erwerbung von Kenntnissen, die Erlangung eines Amtes, das dünkten ihm plötzlich nur Mittel für seine Zwecke zu sein. Er blickte weit über das friedliche Asyl eines Pfarrhauses in die Welt hinaus, die sich vor ihm erschlossen hatte. Die geselligen Genüsse, welche ihm als Unternehmer der Bälle zu Theil werden mußten, und die er noch vor wenig Tagen so hoch angeschlagen hatte, daß er sie als eine dauernde Erinnerung zu erwerben gewünscht, schienen ihm jetzt so gleichgültig, daß er von der ganzen Ballunternehmung zurückgetreten sein würde, hätte nicht die Lust an dem Zusammenwirken mit dem Freunde ihn daran festgehalten.

Auch machte der Umgang desselben sich bald wohlthuend auf Friedrich geltend. Um zwei Jahre älter als dieser, durch frühe Reisen, weiten Menschenverkehr und einen gewählten Umgang in seinem Vaterhause vielseitig gebildet, mit dem wirklichen Leben vertraut und durch seine glücklichen Verhältnisse vor den harten Berührungen desselben bewahrt, hatte er sich zu einem über seine Jahre weltgewandten Menschen entwickelt, ohne daß er die Gefühlswärme und Begeisterung der Jugend darüber eingebüßt. Er war sich deutlich der Vorzüge bewußt, welche Rang und Reichthum seines Vaters ihm verliehen, er verstand sie für sich zu nutzen, aber er brauchte sie fast ebenso gern, Anderen damit förderlich zu sein, als sich selbst. Sein weiches Herz machte ihn teilnehmend für fremdes Leid, eine Lust zu eingreifendem Handeln, ihn geneigt, das Schicksal derjenigen lenken und bessern zu wollen, die seine Theilnahme gewonnen, und er scheute nicht leicht ein persönliches Opfer für solche Zwecke. Aber dieselbe Herzensweiche, welche ihn für Andere thätig sein ließ, machte ihn auch empfindlich und scheu vor unangenehmen Berührungen, so daß Zurückhaltung und Wohlwollen, abweisende Kälte und großmüthiges Entgegenkommen, verständige Ueberlegung und Handeln nach augenblicklichen Empfindungen in ihm wechselten, und seine nächsten Bekannten ihn schätzten und liebten, während Fremde ihn oft für hochmüthig und launenhaft zu halten berechtigt waren.

Zu seinem Freunde hatten ihn die besten Seiten seines Wesens hingezogen. Friedrich's geistvolles Gesicht war ihm in einem Collegium über neuere Literatur aufgefallen, ein Ausdruck von Schwermuth oder Leiden ihm anziehend geworden, und Alles, was er durch Dritte von ihm erfahren, hatte dazu gedient, diese Theilnahme zu erhöhen, welche er auch seinen Eltern für ihn einzuflößen wußte, so daß der junge Theologe bald ein gern gesehener Gast des Heidenbruck'schen Hauses wurde.

Drei Wochen mochten vorüber sein, der Winter war im Anzuge und die Zeit gekommen, in welcher Regina Königsberg verlassen sollte. Friedrich hatte ihrer wohl gedacht, aber sie nur selten wieder gesehen, als er von seiner Mutter erfuhr, daß am folgenden Tage der Hausrath des Unterofficiers versteigert werden würde. Er erschrak vor diesem Gedanken, obschon er seit Wochen davon sprechen hören und viele Berathungen über die Auction in seiner Gegenwart verhandelt worden waren. Es schmerzte ihn, als solle ihm ein Stück seines Lebens, ein Theil seiner Erinnerungen entrissen werden.

Im Dämmerlichte ging er in die kleine Wohnung hinüber, die er lange nicht betreten hatte. Der Unterofficier war zu dem Fuhrherrn gegangen, der die Besorgung der wenigen Sachen übernommen hatte, welche den Scheidenden in die neue Heimath folgen sollten. Regina war allein zu Hause. Ein Kasten und ein Bettsack standen gepackt im Flur, im Zimmer brannte die kleine Oellampe, bei deren Schein Friedrich so oft neben seiner Freundin gesessen. An dem Nähpulte, an dem er die Mutter sonst täglich arbeiten gesehen, saß jetzt Regina. Als er eintrat und sie zu ihm emporblickte, trafen ihre Augen ihn tief bis in's Herz. Sie hatten denselben Ausdruck von Trauer, der ihn so fest an die Mutter gekettet hatte. Wie mit einem Zauberschlage erwachte die geliebte Vergangenheit in seinem Geiste, ihm diesen Augenblick noch schmerzlicher zu machen. Von den Fenstern waren die Vorhänge, von den Wänden die Bilder abgenommen, die er so oft betrachtet, die ihm in dieser Stunde höheren Werth zu haben schienen, als alle Kunstwerke der Welt. Das Bett, in dem Frau Baltig gestorben, war leer, der Hausrath aus dem Glasschrank verschwunden, es sah so kahl, so dürftig aus, und mitten in dem kahlen Raume saß das stille, einsame Kind.

»Du arme Regina!« rief er aus.

»Ach ja!« entgegnete die Kleine seufzend, und Beide schwiegen dann wieder. Friedrich ging im Zimmer umher, dann setzte er sich zu dem Mädchen.

»Was nähst Du?« fragte er, wie man gewöhnlich die gleichgültigsten Fragen thut, wenn man recht viel und recht Schweres auf dem Herzen hat.

»Einen Pompadour zur Reise!« antwortete Regina.

Er blickte auf ihre Arbeit. »War das nicht ein Kleid von der Mutter?« fragte er; die Kleine nickte bejahend, und wieder entstand eine Stille, bis er zu wissen begehrte, wann sie abreisen würden.

»Ueber übermorgen!«

»Und wo werdet Ihr bleiben, wenn morgen Eure Sachen verkauft sind?«

»Bei Deiner Mutter! Wir schlafen heute zum letzten Male hier.«

Der Ton, mit dem sie sprach, war voll tiefem Leiden, aber sie weinte nicht mehr und nähte während des Sprechens ruhig fort. Des Jünglings Auge folgte jeder ihrer Mienen, während er nach dem Ausdruck für sein Empfinden suchte. Endlich legte er seinen Arm um ihren Hals und sagte: »Wir sitzen hier auch zum letzten Male zusammen, und ich werde Dich vielleicht nicht mehr allein wiedersehen, Regina! Du weißt, wie lieb ich die Mutter gehabt habe und wie gut sie zu mir gewesen ist, bleibe Du mir also auch gut und wenn – –«

Da warf sich Regina laut weinend an seine Brust, umklammerte ihn angstvoll und brach schluchzend in die Worte aus: »Sag' Deiner Mutter, ich will bei ihr bleiben!«

Es war ein bitterer Schmerz für Friedrich, ihr diesen Wunsch nicht gewähren zu können; selbst kaum fähig, seine Thränen zu unterdrücken, suchte er das Mädchen zu trösten. »Es wird eine Zeit kommen,« sagte er, »in der ich Dir vergelten kann, was Deine Mutter mir gewesen ist. Ich werde Dich nicht vergessen, vergiß Du mich auch nicht, und wenn Du Dir einmal nicht zu helfen weißt im Leben, so sag es mir!«

»Und dann wirst Du kommen?« fragte die Kleine.

»Ja! gewiß!«

»Und Du wirst mir auch helfen?«

»So gut ich irgend kann!« Da sah sie ihn fest an, gab ihm die Hand, fiel ihm nochmals um den Hals und schien des Weinens und der Traurigkeit, wie Kinder pflegen, müde zu sein. Ihr Gesicht erhellte sich, sie zeigte Friedrich ein Paar warme Schuhe, die der Vater ihr gekauft und hatte Fragen und Erzählungen aller Art zu machen, so daß sie ganz heiter geworden war, als er sie verließ, während er selbst der Traurigkeit nicht Herr zu werden vermochte.

Spät am Abend ging er zu Erich. Da er ihn nicht zu Hause traf, wollte er sich entfernen, aber die Baronin, welche von einem Besuche heimkehrend in den Flur trat, forderte ihn auf, den Sohn bei ihren Töchtern zu erwarten. Er fand dieselben allein in dem Arbeitszimmer ihrer Mutter, und schon nach den ersten Minuten einer gleichgültigen Unterhaltung fragte ihn Cornelie plötzlich, indem sie ihre dunklen Augen forschend auf ihn richtete: »Warum sind Sie so traurig, Herr Brand?« Friedrich erschrak vor der unerwarteten Frage; er mußte voraussetzen, daß sie wohlgemeint sei, aber es wurde ihm schwer, darauf zu antworten.

»Ich habe einen Abschied bestanden!« sagte er ablehnend. Dennoch klang seine Bewegung in den Worten durch, und Helene, ihn mitleidig anblickend, rief mit jener süßklagenden Stimme, die ihn am ersten Abende in ihrem Gesange so mächtig erschüttert hatte: »Wenn ich Ihnen doch helfen könnte!«

»Sie wollen mir helfen?« wiederholte er erröthend und fügte dann schnell gefaßt hinzu: »Es fehlt mir Nichts!«

»Aber Sie haben gewiß schon viel gelitten!« fuhr Helene fort.

»Woher glauben Sie das?« fragte er, indem seine Scheu, sich beobachtet, verrathen zu sehen, mit seiner Freude über Helenens Theilnahme kämpfte.

»Weil Sie eigentlich niemals ganz heiter sind, und es ist doch so schön, fröhlich zu sein!«

Da er schwieg, entstand eine kleine Pause. Cornelie arbeitete ohne aufzublicken an ihrer feinen Stickerei. Ihr Gesicht sah noch ernster aus als gewöhnlich, und Helene, welche es empfand, daß Friedrich's Auge in ihrer Seele zu lesen trachtete, fühlte sich davon verwirrt. Von der Stille beängstigt, schien es ihr eine Erleichterung zu sprechen, aber ihre Gedanken waren so schnell vorwärts und rückwärts gegangen, daß sie den Faden der Unterhaltung nicht zu finden vermochte, bis Cornelie durch einige hingeworfene Fragen über Friedrich's Verhältnisse ein Gespräch einleitete, in welchem der Letztere bald die Rolle des Erzählers übernahm; und wie es in aufgeregten Zuständen, die uns unvorbereitet überraschen, zu geschehen pflegt, hatte er gar bald zu seinem eigenen Erstaunen ihnen sein ganzes Leben mitgetheilt. Was er Allen verborgen, was er selbst vor Erich zu enthüllen Scheu getragen, die Entbehrungen und Schmerzen seiner Kindheit, seine Liebe für die verstorbene Freundin, die Sorge um ihr armes Kind, das Alles theilte er in flüchtigen Worten den beiden Schwestern mit. Er nannte keine Namen, er gab ihnen keine bestimmten Thatsachen, er klagte weder Menschen noch Schicksal an, denn er fühlte sich plötzlich mit ihnen versöhnt. Er sah ruhig und liebevoll in die Vergangenheit zurück, denn es schien ihm, als sei er fortan allem Leid entronnen. Plötzlich aber überfiel ihn ein Gefühl der Angst und der Beschämung. Es peinigte ihn, so lange von sich gesprochen zu haben, er stand auf und empfahl sich, weil er den Freund nicht länger mehr erwarten könne.

Die Schwestern waren betroffen, sie baten ihn zu bleiben, er lehnte es mit einer gewissen Heftigkeit ab, vor der sie verstummten, und nachdem diese drei jungen Herzen sich in freudiger Erschlossenheit gefunden hatten, trennten sie sich in einer Weise, welche Keiner von ihnen sich zu erklären vermochte, welche Allen quälend war.

Weder Helene noch Cornelie sprachen von Friedrich, so lange sie den Abend im Kreise der Familie verweilten. Erst als sie sich in ihrem Zimmer befanden, drückte Cornelie den Wunsch aus, dem abreisenden Mädchen zu helfen, aber Friedrich hatte ihren Namen nicht genannt.

»Ich habe den ganzen Abend nur an sie gedacht,« sagte Helene, »und möchte sie gern sehen! Ich stelle sie mir anders vor, als Kinder sonst zu sein pflegen,.

»Weshalb das?«

»Weil Friedrich anders ist, als andere Menschen!« rief Helene. »Sieh!« fuhr sie dann fort, »als er am ersten Abende bei uns davon sprach, daß der Roman der Armen, der Nothleidenden noch nicht geschrieben sei, und der Graf behauptete, in solchen Verhältnissen sei keine Poesie, keine Schönheit zu finden, da stimmte ich ihm aus voller Ueberzeugung bei, und jetzt – –«

»Und jetzt?« fragte Cornelie.

Helene antwortete nicht gleich. Erst nach einer langen Pause sagte sie: »Er selbst, Friedrich, muß der Dichter werden, der das Volk schildert in seiner Schönheit! Wer hat je mit dieser Einfachheit von seinem Leben, mit solcher Liebe von seinen Entbehrungen, mit solcher Schönheit von Schmerz und Leid zu uns gesprochen, als er? Es ist mir überhaupt, als hätte ich heute zum ersten Mal erfahren, wie Menschen zu einander reden sollten, und was es heißt mit einem Menschen sprechen!«

»Helene!« rief Cornelie im Tone der höchsten Bestürzung.

»Was verwunderst Du Dich?« entgegnete Helene. »Hat er Dich nicht ergriffen wie mich, der Hinblick auf das Leben dieses reinen Herzens, das tausendfach mehr Glück verdient als wir, und Nichts erhalten hat als Leid und Sorge? Aber wie schön, wie poetisch ist sein Leiden gegen das trockene Glück, von dem die Andern wissen! In seiner Armuth ist er reicher als wir Alle!« –

Cornelie hatte mit starrem Ernste zu ihr hinübergeblickt, jetzt warf sie sich der Schwester an den Hals und weinte.

»Worüber weinst Du?« fragte diese. »Liebst Du ihn?«

»Ich? Helene! ich?«

»Nun warum weinst Du denn?« »Ueber Dich!« – – entgegnete Cornelie, »denn Du liebst ihn!«

Helene antwortete nicht, sie ließ sich in dem Sessel am Kamine nieder und hüllte ihr Gesicht in ihre Hände. Cornelie stand ihr eine Weile gegenüber, als erwarte sie, daß Jene sprechen würde; da sie aber schwieg und in ein stilles Sinnen versank, sagte Cornelie: »Laß uns die Kleine nicht vergessen über ihn! Friedrich hat uns gesagt, die Fortreisenden wohnten seinen Eltern gegenüber, es werde morgen dort eine Auction abgehalten, das Haus muß also wohl zu finden sein!«

»Ja! wir wollen hin!« rief Helene, aber Cornelie verneinte das. »Wir nicht! Larssen wird hingehen, wenn wir ihn darum bitten, er hat uns sonst ja schon in solchen Dingen beigestanden, ich will gleich an ihn schreiben!« sagte sie.

Helene konnte des Dankes kein Ende finden. Sie küßte Cornelie während diese schrieb, man schellte einem Diener, übergab ihm den Brief zu früher Besorgung am nächsten Tage, und Cornelie fing zu überlegen an, was dem Kinde dienlich und für alle Fälle brauchbar sein könnte.

Ruhiger, als die nur mit dem Herzen lebende Helene, sah Cornelie, mit Angst der Schwester plötzlich auflodernde Liebe für Friedrich, und suchte sie durch den Hinweis auf das arme Mädchen zu zerstreuen. Als aber Helene ihr Lager gesucht hatte, da kniete Cornelie neben demselben nieder, faßte die Hände der Schwester und sagte, das Gesicht an ihre Wange geschmiegt: »Sprich vor Niemand, vor Niemand, Helene! wie Du vorhin zu mir gesprochen hast, und bete um Selbstüberwindung, denn es wäre ein Unglück, hättest Du sie nicht!«

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