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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Kapitel 74
Quellenangabe
typereport
booktitleWanderungen durch die Mark Brandenburg, Band I
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5291-X
titleWanderungen durch die Mark Brandenburg
created19990616
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1880
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Nun kamen Ihro Majestät in Garz an! Die Umspannung besorgte Herr von Lüderitz aus Nackel, als erster Deputierter des ruppinschen Kreises. Dieser hatte einen Hut auf mit einer weißen Feder! Als nun die Anspannung geschehen war, ging die Reise gleich fort.

König: »Wem gehört das Gut hier links?«

Fromme: »Dem Herrn von Lüderitz; es heißt Nackel.«

König: »Was ist das für ein Lüderitz?«

Fromme: »Ihro Majestät, der in Garz beim Vorspann war.«

König: »Haha! der Herr mit der weißen Feder. – Säet Ihr auch Weizen?«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät.«

König: »Wieviel habt Ihr ausgesäet?«

Fromme: »Drei Wispel, zwölf Scheffel.«

König: »Wieviel hat Euer Vorfahr ausgesäet?«

Fromme: »Vier Scheffel.«

König: »Wie geht das zu, daß Ihr soviel mehr säet als Euer Vorfahr?«

Fromme: »Wie ich schon die Gnade gehabt, Ihro Majestät zu sagen, daß ich siebenzig Stück Kühe mehr halte als mein Vorfahr, mithin meinen Acker besser instand setzen und Weizen säen kann!«

König: »Aber warum bauet Ihr keinen Hanf?«

Fromme: »Er gerät hier nicht. In kaltem Klima gerät er besser. Unsere Seiler können den russischen Hanf in Lübeck wohlfeiler kaufen, und besser, als ich ihn bauen kann.«

König: »Was säet Ihr denn dahin, wo Ihr sonst Hanf hinsäet?«

Fromme: »Weizen!«

König: »Warum bauet Ihr aber kein Färbekraut, keinen Krapp?«

Fromme: »Er will nicht fort; der Boden ist nicht gut genug.«

König: »Das sagt Ihr nur so; Ihr hättet sollen die Probe machen.«

Fromme: »Das hab ich getan; allein, sie ist mir fehlgeschlagen, und als Beamter kann ich viel Proben nicht machen; denn wenn sie fehlschlagen, muß doch die Pacht bezahlt sein.«

König: »Was säet Ihr denn dahin, wo Ihr würdet Färbekraut hinbringen?«

Fromme: »Weizen!«

König: »Na! so bleibt beim Weizen! Eure Untertanen müssen recht gut im Stande sein?«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät! Ich kann aus dem Hypothekenbuche beweisen, daß sie an funfzigtausend Taler Kapital haben.«

König: »Das ist gut!«

Fromme: »Vor drei Jahren starb ein Bauer, der hatte eilftausend Taler in der Bank.«

König: »Wieviel?«

Fromme: »Eilftausend Taler.«

König: »So müßt Ihr sie auch immer erhalten!«

Fromme: »Ja! es ist recht gut, Ihro Majestät, daß der Untertan Geld hat; aber er wird auch übermütig, wie die hiesigen Untertanen, welche mich schon siebenmal bei Ihro Majestät verklagt haben, um vom Hofedienst frei zu sein.«

König: »Sie werden auch wohl Ursach dazu gehabt haben.«

Fromme: »Sie werden gnädigst verzeihen: es ist eine Untersuchung gewesen und ist befunden, daß ich die Untertanen nicht gedrückt, sondern immer recht gehabt und sie nur zu ihrer Schuldigkeit angehalten habe! Dennoch bleibt die Sache, wie sie ist: die Bauern werden nicht bestraft; Ihro Majestät geben den Untertanen immer recht, und der arme Beamte muß unrecht haben!«

König: »Ja! daß Ihr recht bekommt, mein Sohn, das glaub ich wohl: Ihr werdet Euerm Departementsrat brav viel Butter, Kapaunen und Puters schicken.«

Fromme: »Nein, Ihro Majestät, das kann man nicht; das Getreide gilt nichts. Wenn man für andre Sachen nicht einen Groschen Geld einnähme, wovon sollte man die Pacht bezahlen?«

König: »Wohin verkauft Ihr Eure Butter, Kapaunen und Puters?«

Fromme: »Nach Berlin.«

König: »Warum nicht nach Ruppin?«

Fromme: »Die mehrsten Bürger halten Kühe, soviel, als sie zu ihrem Aufwand brauchen! Der Soldat ißt alte Butter; der kann die frische nicht bezahlen!«

König: »Was bekommt Ihr für die Butter in Berlin?«

Fromme: »Vier Groschen für das Pfund. Der ruppinische Soldat aber kauft die alte Butter für zwei das Pfund.«

König: »Aber Eure Kapaunen und Puter könnt Ihr doch nach Ruppin bringen?«

Fromme: »Beim ganzen Regiment sind nur vier Stabsoffiziere, die gebrauchen nicht viel; und die Bürger leben nicht delikat; die danken Gott, wenn sie Schweinefleisch haben.«

König: »Ja, da habt Ihr recht! Die Berliner essen gern was Delikates. – Na! macht mit den Untertanen, was Ihr wollt; nur drückt sie nicht!«

Fromme: »Ihro Majestät, das wird mir nicht einfallen und keinem rechtschaffnen Beamten.«

König: »Sagt mir einmal: wo liegt hier Stölln?«

Fromme: »Stölln können Ihro Majestät nicht sehen. Die großen Berge dort links sind die Berge bei Stölln, auf welchen Ihro Majestät alle Kolonien übersehen können!«

König: »So? das ist gut! Dann reitet mit bis dahin.«

Nun kamen Ihro Majestät an eine Menge Bauern, die Roggen mäheten, zwei Glieder machten, die Sensen strichen und Ihro Majestät so durchfahren ließen!

König: »Was Teufel wollen die Leute? Die wollen wohl gar Geld von mir haben?«

Fromme: »O nein, Ihro Majestät! Sie sind voll Freuden, daß Sie so gnädig sind und die hiesige Gegend bereisen.«

König: »Ich werd ihnen auch nichts geben! Wie heißt das Dorf hier vorn?«

Fromme: »Barsikow.«

König: »Wem gehört's?«

Fromme: »Dem Herrn von Mütschefall.«

König: »Was ist das für ein Mütschefall?«

Fromme: »Er ist Major gewesen unter dem Regiment, das Ihro Majestät als Kronprinz gehabt haben.«

König: »Mein Gott! lebt er noch?«

Fromme: »Nein; er ist tot, die Tochter hat das Gut.«

Nun kamen wir ins Dorf Barsikow, wo der Edelhof eingefallen ist.

König: »Hört! Ist das der Edelhof?«

Fromme: »Ja!«

König: »Das sieht ja elend aus! – Hört einmal: den Leuten geht's hier wohl nicht gut?«

Fromme: »Recht schlecht, Ihro Majestät! Es ist die größte Armut.«

König: »Das ist mir leid! – Sagt mir doch: es wohnte hier vor diesem ein Landrat. Er hatte viel Kinder; könnt Ihr Euch nicht auf ihn besinnen?«

Fromme: »Es wird der Landrat von Jürgaß zu Ganzer gewesen sein.«

König: »Ja, ja! der ist's gewesen. Ist er schon tot?«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät. Er ist 1771 gestorben, und es war was Besondres damit: in vierzehn Tagen starb er, seine Frau, die Fräulein und vier Söhne. Die andern vier Söhne mußten dieselbe Krankheit ausstehen, die wie ein hitzig Fieber war, und obwohl die Söhne, weil sie in Diensten waren, in verschiedenen Garnisonen standen und kein Bruder zum andern kam, so bekamen sie alle viere doch dieselbe Krankheit und kamen nur so eben mit dem Leben davon.«

König: »Das ist ein verzweifelter Umstand gewesen! Wo sind die noch lebenden vier Söhne?«

Fromme: »Einer unter Zieten-Husaren, einer unter den Gensdarmes! Einer ist unter dem Prinz Ferdinandschen Regiment gewesen und wohnt auf dem Gute Dessow. Der vierte ist der Schwiegersohn vom Herrn General von Zieten. Er war Lieutenant beim Zietenschen Regiment; Ihro Majestät haben ihm aber in diesem letzten Kriege, wegen seiner Kränklichkeit, den Abschied gegeben; nun wohnt er in Ganzer.«

König: »So?... Macht Ihr sonst noch Proben mit ausländischem Getreide?«

Fromme: »O ja! Dieses Jahr habe ich spanische Gerste gesäet. Allein sie will nicht recht einschlagen; ich gehe wieder ab. Aber den holsteinischen Staudenroggen find ich gut!«

König: »Was ist das für Roggen?«

Fromme: »Er wächst im Holsteinischen in der Niederung. Unterm zehnten Korn hab ich ihn noch nie gehabt!«

König: »Nu, nu! nicht gleich das zehnte Korn!«

Fromme: »Das ist nicht viel! Belieben Ihro Majestät, den Herrn General von Görtz zu fragen, die werden Ihnen sagen, daß dies im Holsteinischen nicht viel ist.«

Nun sprachen sie in dem Wagen eine Weile von dem Roggen. Mit einem Male riefen Ihro Majestät aus dem Wagen: »Na! so bleibt bei dem holsteinischen Staudenroggen und gebt den Untertanen auch welchen.«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät!«

König: »Aber macht mir einmal eine Idee: Wie hat das Luch ausgesehen, ehe es abgegraben war?«

Fromme: »Es waren lauter hohe Hüllen, dazwischen setzte sich das Wasser. Bei den trockensten Jahren konnten wir das Heu nicht herausfahren, sondern wir mußten's in großen Mieten setzen. Im Winter nur, wenn's scharf gefroren hatte, konnten wir's herausfahren. Nun aber haben wir die Hüllen herausgehauen, und die Gräben, die Ihro Majestät machen lassen, ziehen das Wasser ab. Nun ist das Luch so trocken, wie Ihro Majestät sehen, und wir können unser Heu herausfahren, wann wir wollen.«

König: »Das ist gut! Halten Eure Untertanen auch mehr Vieh wie sonst?«

Fromme: »Ja!«

König: »Wieviel wohl mehr?«

Fromme: »Mancher eine Kuh, mancher zwo, nachdem es sein Vermögen verstattet.«

König: »Aber wieviel halten sie wohl sämtlich mehr? Ohngefähr nur!«

Fromme: »Bis einhundertundzwanzig Stück!«

Nun mußten Ihro Majestät wohl den Herrn General von Görtz gefragt haben, woher ich ihn kennte, weil ich wegen des holsteinischen Roggens zu Ihro Majestät sagte: Sie möchten nur den General nach dem Roggen fragen; und hat der Herr General vermutlich, der Wahrheit gemäß, geantwortet: »daß er mich im Holsteinischen kennengelernt und daß ich daselbst Pferde gekauft hätte, auch in Potsdam mit Pferden gewesen wäre«. Mit einemmal sagten Ihro Majestät:

»Hört! Ich weiß, Ihr seid ein Liebhaber von Pferden. Geht aber ab davon und zieht Euch Kühe dafür; Ihr werdet Eure Rechnung besser dabei finden.«

Fromme: »Ihro Majestät ich handle nicht mehr mit Pferden. Ich ziehe mir nur etliche Füllen alle Jahr.«

König,: »Zieht Euch Kälber dafür, das ist besser!«

Fromme: »Oh, Ihro Majestät, wenn man sich Mühe gibt, ist kein Schade bei der Pferdezucht. Ich kenne jemand, welcher vor zwei Jahren tausend Taler für einen Hengst von seinem Zuwachs bekam.«

König: »Der ist ein Narr gewesen, der sie gegeben hat!«

Fromme: »Ihro Majestät, es war ein mecklenburgischer Edelmann.«

König: »Er ist aber doch ein Narr gewesen.«

Nun kamen wir auf das Territorium des Amts Neustadt, wo der Amtsrat Klausius, der das Amt in Pacht hat, auf der Grenze hielt und Ihro Majestät vorbeireisen ließ. Weil mir aber das Sprechen schon sehr sauer wurde, Ihro Majestät immer nach den Dörfern fragte, so hier in Menge sind, und ich immer den Gutsbesitzer mit nennen und sagen mußte, welche von ihnen Söhne im königlichen Dienst hätten, so holt ich den Herrn Amtsrat Klausius an den Wagen heran und sagte: »Ihro Majestät, das ist der Amtsrat Klausius vom Amt Neustadt, unter dessen Jurisdiktion die Kolonien stehen.«

König: »So, so! das ist mir lieb! Laßt ihn herkommen!»Von hier an«, so bemerkt Fromme, »sprach der König meist mit dem Amtsrat Klausius, und ich (Fromme) schreibe nur, was ich selbst noch so nebenbei gehört habe.« – Wie heißt Ihr?«

Amtsrat: »Klausius!«

König: »Klau-si-us. Na, habt Ihr viel Vieh hier auf den Kolonien?«

Amtsrat: »Achtzehnhundertsiebenundachtzig Stück Kühe, Ihro Majestät! Es würden weit über dreitausend sein, wenn nicht die Viehseuche gewesen wäre.«

König: »Vermehren sich auch die Menschen gut? Gibt's brav Kinder?«

Amtsrat: »O ja, Ihro Majestät; es sind itzt funfzehnhundertsechsundsiebenzig Seelen auf den Kolonien!«

König: »Seid Ihr auch verheiratet?«

Amtsrat: »Ja, Ihro Majestät!«

König: »Habt Ihr auch Kinder?«

Amtsrat: »Stiefkinder, Ihro Majestät!«

König: »Warum nicht eigene?«

Amtsrat: »Das weiß ich nicht, Ihro Majestät, wie das zugeht.«

König (zu mir): »Hört: ist die mecklenburgische Grenze noch weit von hier?«

Fromme: »Nur eine kleine Meile. Es sind aber nur etliche Dörfer, die mitten im Brandenburgischen liegen. Sie heißen Netzeband und Rossow.«

König: »Ja, ja! sie sind mir bekannt. Das hätt ich aber doch nicht geglaubt, daß wir so nah am Mecklenburgischen wären.« (Zum Herrn Amtsrat Klausius:) »Wo seid Ihr geboren?«

Amtsrat: »Zu Neustadt an der Dosse.«

König: »Was ist Euer Vater gewesen?«

Amtsrat: »Prediger.«

König: »Sind's gute Leute, die Kolonisten? Die erste Generation pflegt nicht viel zu taugen!«

Amtsrat: »Es geht noch an.«

König: »Wirtschaften sie gut?«

Amtsrat: »O ja, Ihro Majestät! Ihro Exzellenz, der Minister von Derschau, haben mir auch eine Kolonie von fünfundsiebenzig Morgen gegeben, um den andern Kolonisten mit gutem Exempel vorzugehen.«

König (lächelnd): »Haha! mit gutem Exempel! Aber sagt mir: ich sehe ja hier kein Holz; wo holen die Kolonisten ihr Holz her?«

Amtsrat: »Aus dem Ruppinischen.«

König: »Wie weit ist das?«

Amtsrat: »Drei Meilen.«

König: »Das ist doch sehr weit! Da hätte müssen gesorgt werden, daß sie's näher hätten!« (Zu mir:) »Was ist das für ein Mensch, der da rechts?«

Fromme: »Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht gehabt hat.«

König: »Bin ich denn hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! Warum ist das hier so hoch eingezäunt?«

Fromme: »Es ist das Maultiergestüte.«

König: »Wie heißt die Kolonie?«

Fromme: »Klausiushof.«

Amtsrat: »Ihro Majestät sie kann auch Klaushof heißen.«

König: »Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie?«

Fromme: »Brenkenhof.«

König: »So heißt sie nicht.«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät; ich weiß es nicht anders!«

König: »Sie heißt Bren-ken-ho-fi-ushof! – Sind das die Stöllnschen Berge, die da vor uns liegen?«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät!«

König: »Muß ich durchs Dorf fahren?«

Fromme: »Es ist eben nicht nötig; aber der Vorspann steht drin. Wenn Ihro Majestät befehlen, so will ich vorreiten und den Vorspann aus dem Dorf herausnehmen und hinter die Berge legen.«

König: »O ja, das tut! Nehmt Euch einen von meinen Pagen mit.«

Nun besorgte ich den Vorspann, richtete mich aber doch so ein, daß, sobald als Ihro Majestät auf den Bergen waren, ich auch da war. Als Ihro Majestät ausstiegen aus dem Wagen, ließen Sie sich einen Tubum geben und besahen die ganze Gegend und sagten dann: »Das ist wahr, das ist wider meine Erwartung! Das ist schön! Ich muß Euch das sagen, alle, die Ihr daran gearbeitet habt! Ihr seid ehrliche Leute gewesen!« (Zu mir:) »Sagt mir mal: Ist die Elbe weit von hier?«

Fromme: »Ihro Majestät, sie ist zwo Meilen von hier! Da liegt Werben in der Altenmark, dicht an der Elbe.«

König: »Das kann nicht sein! Gebt mir den Tubum noch einmal her. – Ja, ja; es ist doch wahr! Aber was ist das andre für ein Turm?«

Fromme: »Ihro Majestät, es ist Havelberg.«

König: »Na! Kommt alle her!« (Es waren der Amtsrat Klausius, der Bauinspektor Menzelius und ich.) »Hört einmal: der Fleck Bruch, hier links, soll auch noch urbar gemacht werden und, was hier rechts liegt ebenfalls, so weit als der Bruch geht. Was steht für Holz drauf?«

Fromme: »Elsen und Eichen, Ihro Majestät!«

König: »Na! die Elsen können gerodet werden, und die Eichen, die können stehen bleiben; die können die Leute verkaufen oder sonst nutzen! Wenn's urbar ist, dann rechne ich so dreihundert Familien und fünfhundert Stück Kühe; nicht wahr?«

Nun antwortete keiner; zuletzt fing ich an und sagte: »Ja, Ihro Majestät; vielleicht!«

König: »Hört mal, Ihr könnt mir sicher antworten: Es werden mehr oder weniger Familien! Das weiß ich wohl, daß man das so ganz genau sogleich nicht sagen kann. Ich bin nicht da gewesen, kenne das Terrain nicht; sonst versteh ich's so gut wie Ihr, wieviel Familien angesetzt werden können.«

Bauinspektor: »Ihro Majestät, das Luch ist aber noch in großer Gemeinschaft.«

König: »Das schadet nicht! Man muß eine Vertauschung machen oder ein Äquivalent dafür geben, wie sich's tun läßt am besten. Umsonst verlang ich's nicht.« (Zum Amtsrat Klausius:) »Na! hört mal: Ihr könnt's an meine Kammer schreiben, was ich urbar will gemacht haben; das Geld dazu geb ich!« (Zu mir:) »Und Ihr geht nach Berlin und sagt es meinem Geheimen Rat Michaelis mündlich, was ich noch will urbar gemacht haben.«

Nun setzten Ihro Majestät sich in den Wagen und fuhren den Berg hinunter; es wurd umgespannt. Weil nun Ihro Majestät befohlen hatten, daß ich bis an die Stöllnschen Berge Sie begleiten sollte, so ging ich an den Wagen und fragte: »Befehlen Ihro Majestät, daß ich noch weiter mit soll?«

König: »Nein, mein Sohn; reitet in Gottes Namen nach Hause!«

Soweit die Unterredung, die Fromme großenteils direkt mit dem Könige geführt. Er fügt aber seinem Bericht noch einiges hinzu, was er nachträglich über den Verlauf der Reise erfahren hat. Dies lautet in Frommes Aufzeichnungen (an Gleim) wie folgt:

Herr Amtsrat Klausius brachte sodann Ihro Majestät bis nach Rathenow, wo Sie im Posthause logiert haben. In Rathenow sind Ihro Majestät über Tafel ungemein vergnügt gewesen, haben mit dem Herrn Obristlieutenant von Backhoff von den Carabiniers gespeist, und haben der Herr Obristlieutenant von Backhoff selbst erzählt, daß Ihro Majestät gesagt hätten:

»Mein lieber Backhoff! ist Er lange nicht in der Gegend von Fehrbellin gewesen, so reise Er hin! Die Gegend hat sich ungemein verbessert. Ich hab in langer Zeit mit solch einem Vergnügen nicht gereist. Ich nahm die Reise mir vor, weil ich keine Revue hatte, und es hat mir so sehr gefallen, daß ich gewiß wieder künftig solch eine Reise vornehmen werde! – Hör Er mal: Wie ist es Ihm gegangen im letzten Kriege? Vermutlich schlecht! Ihr habt in Sachsen auch nichts ausgerichtet... Ich hätte können was ausrichten; allein ich hätte mehr als die Hälfte meiner Armee aufgeopfert und unschuldig Menschenblut vergossen. Aber dann wär ich wert gewesen, daß man mich vor die Fähndelwache gelegt und mir einen öffentlichen Produkt gegeben hätte. Die Kriege werden fürchterlich zu führen.«

Nachher haben Ihro Majestät gesagt:

»Von der Schlacht bei Fehrbellin bin ich so orientiert, als wenn ich selbst dabeigewesen wäre! Als ich noch Kronprinz war und in Ruppin stand, da war ein alter Bürger – der Mann war schon sehr alt! –, der wußte die ganze Bataille zu beschreiben und kannte den Walplatz sehr gut! Einmal setzt ich mich in den Wagen, nahm meinen alten Bürger mit, welcher dann mir alles zeigte, so genau, daß ich sehr zufrieden war mit ihm. Als ich nun wieder nach Hause reiste, dacht ich, du mußt doch deinen Spaß mit dem Alten haben! Da fragte ich ihn: ›Vater, wißt Ihr denn nicht, warum die beiden Herren sich miteinander gestritten haben?‹ – ›O jo, Ihro Königliche Hoheiten, dat will ick Se wohl seggen. As unse Chorförst is jung west, hat he in Utrecht studeert, und doa is de König von Schweden as Prinz ok west. Doa hebben nu de beede Herrn sich vertörnt un hebben sich bi de Hoar kricht. Un dat is nu de Pike davon!‹«

Ihro Majestät haben wirklich so plattdeutsch gesprochen.

Weiter kann ich von der Reise keine Beschreibung machen. Denn Ihro Majestät haben zwar noch viel gesagt und gefragt, es würd aber wohl schwer sein, es alles zu Papier zu bringen.

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