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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Kapitel 73
Quellenangabe
typereport
booktitleWanderungen durch die Mark Brandenburg, Band I
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5291-X
titleWanderungen durch die Mark Brandenburg
created19990616
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1880
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Friedrichs II. Besuch im Rhin- und Dosse-Bruch

Um acht Uhr morgens kamen Ihro Majestät auf Seelenhorst an und hatten den Herrn General Grafen von Görtz im Wagen bei sich. Ihro Majestät sprachen bei der Umspannung mit den Zietenschen Husarenoffiziers, die auf den umliegenden Dörfern auf Grasung standen, und bemerkten mich nicht. Weil die Dämme zu schmal sind, konnt ich neben dem Wagen nicht reiten. (Fromme ritt also vorauf oder hinterher.) In Dechtow bekamen Ihro Majestät den Herrn Rittmeister von Zieten, dem Dechtow gehört, zu sehen und behielten ihn – der Weg war hier breiter – neben sich, bis dahin, wo die Dechtowsche Feldmark zu Ende geht. Hier wurde wieder umgespannt und Hauptmann von Rathenow auf Karwesee, ein alter Liebling des Königs, trat an den Wagen heran.

Hauptmann von Rathenow: »Untertänigster Knecht, Ihro Majestät!«

König: »Wer seid Ihr?«

Hauptmann: »Ich bin der Hauptmann von RathenowVon Rathenow stand 1732 und die folgenden Jahre als Lieutenant beim kronprinzlichen Regiment in Neuruppin und war einer aus dem näheren Umgangskreise des Prinzen. Überhaupt werden wir im Verlauf des Aufsatzes sehen, daß der König überall alte Bekanntschaften erneuert und die fast ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Ruppiner Tage wieder lebendig werden fühlt. aus Karwesee.«

König: (die Hände faltend): »Mein Gott! lieber Rathenow, lebt Er noch? Ich dacht, Er wäre längst tot. Wie geht es Ihm? Ist Er gesund?«

Hauptmann: »O ja, Ihro Majestät.«

König: »Aber, mein Gott! wie dick ist Er geworden.«

Hauptmann: »Ja, Ihro Majestät, Essen und Trinken schmeckt immer noch; nur die Füße wollen nicht fort.«

König: »Ja! das geht mir auch so. Ist Er verheiratet?«

Hauptmann: Ja, Ihro Majestät!«

König: »Ist Seine Frau mit unter den Damen dort?«

Hauptmann: »Ja, Ihro Majestät!«

König: »Laß Er sie doch herkommen!« (Sogleich den Hut ab.) »Ich find an Ihrem Herrn Gemahl einen guten alten Freund.«

Frau von Rathenow: »Sehr viel Gnade für meinen Mann.«

König: »Was sind Sie für eine geborene?«

Frau von Rathenow. »Ein Fräulein von Kröcher!«

König: »Haha! eine Tochter vom General von Kröcher!«

Frau von Rathenow: »Ja, Ihro Majestät.«

König: »Oh, den hab ich recht gut gekannt. – Hat Er auch Kinder, Rathenow?«

Hauptmann: »Ja, Ihro Majestät! Meine Söhne sind in Diensten, und dies sind meine Töchter!«

König: »Na! das freut mich. Leb Er wohl, mein lieber Rathenow! Leb Er wohl!«

Nun ging der Weg nach Fehrbellin, und Förster Brand ritt als Forstbedienter mit. Als wir an einen Fleck von Sandschellen kamen, die vor Fehrbellin liegen, sagten Ihro Majestät: »Förster, warum sind die Sandschellen nicht besäet?«

Förster: »Ihro Majestät sie gehören nicht zur königlichen Forst; sie gehören mit zum Acker. Zum Teil besäen die Leute sie mit allerlei Getreide. Hier, rechter Hand, haben sie Kienäpfel gesäet!«

König: »Wer hat die gesäet?«

Förster: »Hier der Oberamtmann!«

König (zu mir): »Na! sagt es meinem Geheimden Rat Michaelis, daß die Sandschellen besäet werden sollen.« – (Zum Förster:) »Wißt Ihr aber auch, wie Kienäpfel gesäet werden müssen?«

Förster: »O ja, Ihro Majestät!«

König: »Na! wie werden sie gesäet? von Morgen gegen Abend oder von Abend gegen Morgen?«

Förster: »Von Abend gegen Morgen.«

König: »Das ist recht; aber warum?«

Förster: »Weil aus dem Abend die meisten Winde kommen.«

König: »Das ist recht!«

Nun kamen Ihro Majestät zu Fehrbellin an, sprachen daselbst mit dem Lieutenant Probst vom Zietenschen Husarenregiment (schon sein Vater stand als Rittmeister bei den Zietenschen) und mit dem fehrbellinischen Postmeister, Hauptmann von Mosch. Als angespannt war, wurde die Reise fortgesetzt, und da Ihro Majestät gleich danach an meinen Gräben, die im Fehrbellinschen Luch auf königliche Kosten gemacht sind, vorbeifuhren, so ritt ich an den Wagen und sagte: »Ihro Majestät, das sind schon zwei neue Gräben, die wir durch Ihro Majestät Gnade hier erhalten haben und die das Luch uns trocken erhalten.«

König: »Soso; das ist mir lieb! Wer seid Ihr?«

Fromme: »Ihro Majestät, ich bin der Beamte hier von Fehrbellin.«

König,: »Wie heißt Ihr?«

Fromme: »Fromme.«

König: »Haha! Ihr seid ein Sohn von dem Landrat Fromme.«

Fromme: »Ihro Majestät halten zu Gnaden, mein Vater ist Amtsrat im Amte Lähme gewesen.«

König: »Amtsrat! Amtsrat! Das ist nicht wahr! Euer Vater ist Landrat gewesen. Ich habe ihn recht gut gekannt. Sagt mir einmal, hat Euch die Abgrabung des Luchs hier viel geholfen?«

Fromme: »O ja, Ihro Majestät!«

König: »Haltet Ihr mehr Vieh als Euer Vorfahr?«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät! Auf diesem Vorwerk halt ich vierzig, auf allen Vorwerken siebenzig Kühe mehr!«

König,: »Das ist gut. Die Viehseuche ist doch nicht hier in der Gegend?«

Fromme. »Nein, Ihro Majestät.«

König: »Habt Ihr die Viehseuche hier gehabt?«

Fromme: »Ja!«

König: »Braucht nur fein fleißig Steinsalz, dann werdet Ihr die Viehseuche nicht wieder bekommen.«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät, das brauch ich auch; aber Küchensalz tut beinah ebendie Dienste.«

König: »Nein, das glaubt nicht! Ihr müßt das Steinsalz nicht kleinstoßen, sondern es dem Vieh so hinhängen, daß es dran lecken kann.«

Fromme: »Ja, es soll geschehen.«

König: »Sind sonst hier noch Verbesserungen zu machen?«

Fromme: »O ja, Ihro Majestät. Hier liegt die Kremmen-See. Wenn selbige abgegraben würde, so bekämen Ihro Majestät an achtzehnhundert Morgen Wiesenwachs, wo Kolonisten könnten angesetzt werden, und würde dadurch die ganze Gegend hier schiffbar, welches dem Städtchen Fehrbellin und der Stadt Ruppin ungemein aufhelfen würde; auch könnte vieles aus Mecklenburg zu Wasser nach Berlin kommen.«

König: »Das glaub ich! Euch wird aber wohl bei der Sache sehr geholfen, viele dabei ruiniert, wenigstens die Gutsherren des Terrains; nicht wahr?«

Fromme: »Ihro Majestät halten zu Gnaden: das Terrain gehört zum königlichen Forst, und stehen nur Birken darauf.«

König: »Oh, wenn weiter nichts ist wie Birkenholz, so kann's geschehen! Allein, Ihr müßt auch nicht die Rechnung ohne den Wirt machen, daß nicht die Kosten den Nutzen übersteigen.«

Fromme: »Die Kosten werden den Nutzen gewiß nicht übersteigen! Denn erstlich können Ihro Majestät sicher darauf rechnen, daß achtzehnhundert Morgen von dem See gewonnen werden; das wären sechsunddreißig Kolonisten, jeder zu funfzig Morgen. Wird nun ein kleiner, leidlicher Zoll auf das Floßholz gelegt und auf die Schiffe, die den neuen Kanal passieren, so wird das Kapital sich gut verzinsen.«

König: »Na! sagt es meinem Geheimden Rat Michaelis! Der Mann versteht's, und ich will Euch raten, daß Ihr Euch an den Mann wenden sollt in allen Stücken und wenn Ihr wißt, wo Kolonisten anzusetzen sind. Ich verlange nicht gleich ganze Kolonien; sondern wenn's nur zwo oder drei Familien sind, so könnt Ihr's immer mit dem Mann abmachen!«

Fromme: »Es soll geschehen, Ihro Majestät.«

König: »Kann ich hier nicht Wustrau liegen sehen?«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät; hier rechts, das ist's.«

König: »Ist der General zu Hause?«

Fromme: »Ja!«

König: »Woher wißt Ihr das?«

Fromme: »Ihro Majestät, der Rittmeister von L'Estocq liegt in meinem Dorf auf Grasung, und da schickten der Herr General gestern einen Brief durch den Reitknecht an ihn. Da erfuhr ich's.«

König: »Hat der General von Zieten auch bei der Abgrabung des Luchs gewonnen?«

Fromme: »O ja; die Meierei hier rechts hat er gebaut und eine Kuhmolkerei angelegt, welches er nicht gekonnt hätte, wenn das Luch nicht abgegraben wäre.«

König: »Das ist mir lieb! Wie heißt der Beamte zu Alten-Ruppin?«

Fromme: »Honig!«

König: »Wie lang ist er da?«

Fromme: »Seit Trinitatis.«

König: »Seit Trinitatis? Was ist er vorher gewesen?«

Fromme: »Canonicus.«

König: »Canonicus? Canonicus? Wie führt der Teufel zum Beamten den Canonicus?«

Fromme: »Ihro Majestät, er ist ein junger Mensch, der Geld hat und gern die Ehre haben will, Beamter von Ihro Majestät zu sein.«

König: »Warum ist aber der alte nicht geblieben?«

Fromme: »Ist gestorben.«

König: »So hätte doch die Witwe das Amt behalten können.«

Fromme: »Ist in Armut geraten!«

König: »Durch Frauenwirtschaft?«

Fromme: »Ihro Majestät verzeihen, sie wirtschaftete gut, allein die vielen Unglücksfälle haben sie zugrunde gerichtet; die können den besten Wirt zurücksetzen. Ich selber habe vor zwei Jahren das Viehsterben gehabt und habe keine Remission erhalten; ich kann auch nicht wieder vorwärtskommen.«

König: »Mein Sohn, heut hab ich Schaden am linken Ohr, ich kann nicht gut hören.«

Fromme: »Das ist schon eben ein Unglück, daß der Geheimde Rat Michaelis den Schaden auch hat!« (Nun blieb ich ein wenig vom Wagen zurück: ich glaubte, Ihro Majestät würden die Antwort ungnädig nehmen.)

König: »Na! Amtmann, vorwärts! Bleibt beim Wagen, aber nehmt Euch in acht, daß Ihr nicht unglücklich seid. Sprecht nur laut, ich verstehe recht gut.« (Diese mit kursiven Lettern gedruckten Worte wiederholten Ihro Majestät wenigstens zehnmal auf der Reise.) »Sagt mir mal: wie heißt das Dorf da? rechts.«

Fromme: »Langen.«

König: »Wem gehört's?«

Fromme: »Ein Drittel Ihro Majestät, unter dem Amte Alten-Ruppin; ein Drittel dem Herrn von Hagen; und dann hat der Dom zu Berlin auch Untertanen darin.«

König: »Ihr irrt Euch, der Dom zu Magdeburg!«

Fromme: »Ihro Majestät halten zu Gnaden, der Dom zu Berlin.«

König,: »Es ist aber nicht wahr, der Dom zu Berlin hat keine Untertanen.«

Fromme: »Ihro Majestät halten zu Gnaden, der Dom zu Berlin hat in meinem Amtsdorfe Karwesee drei Untertanen.«

König: »Ihr irrt Euch, das ist der Dom zu Magdeburg.«

Fromme: »Ihro Majestät, ich müßte ein schlechter Beamter sein, wenn ich nicht wüßte, was in meinen Amtsdörfern für Obrigkeiten sind.«

König: »Ja, dann habt Ihr recht! Sagt mir einmal: hier rechts muß ein Gut liegen, ich kann mich nicht auf den Namen besinnen; nennt mir die Güter, die hier rechts liegen.«

Fromme: »Buskow, Radensleben, Sommerfeld, Beetz, Karwe.«

König: »Recht! Karwe. Wem gehört das Gut?«

Fromme: »Dem Herrn von Knesebeck.«

König: »Ist er in Diensten gewesen?«

Fromme: »Ja! Lieutenant oder Fähnrich unter der Garde.«

König: »Unter der Garde?« (An den Fingern zählend.) »Ihr habt recht, er ist Lieutenant unter der Garde gewesen! Das freut mich sehr, daß das Gut noch in Knesebeckschen Händen ist. – Na! sagt mir einmal: der Weg, so hier den Berg hinaufgeht, geht nach Ruppin, und hier links ist die große Straße nach Hamburg?«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät!«

König: »Wißt Ihr, wie lang es ist, daß ich nicht bin hier gewesen?«

Fromme: »Nein!«

König: »Das sind dreiundvierzig Jahr! Kann ich Ruppin liegen sehen?«

Fromme: »ja, Ihro Majestät, der Turm, so hier rechts über die Tannen herübersieht, ist Ruppin!«

König (mit dem Glase aus dem Wagen lehnend): »Ja, ja, das ist er, ich kenn ihn noch. – Kann ich Tramnitz liegen sehen?«

Fromme: »Nein, Ihro Majestät, Tramnitz liegt zu weit links, dicht an Kyritz.«

König: »Werden wir's nicht sehen, wenn wir besser hinkommen?«

Fromme: »Es könnte sein, bei Neustadt, aber ich zweifle.«

König: »Das ist schade! Kann ich Bechlin liegen sehn?«

Fromme: »Jetzt nicht, Ihro Majestät; es liegt zu sehr im Grunde. Wer weiß, ob es Ihro Majestät gar werden sehen können?«

König: »Na! gebt Achtung, und wenn Ihr's seht, so sagt's! – Wo ist der Beamte von Alten-Ruppin?«

Fromme: »In Protzen beim Vorspann wird er sein!«

König: »Können wir noch nicht BechlinBechlin liegt nur eine Viertelmeile von Ruppin und war oft der Schauplatz der ausgelassenen Späße, die zur »kronprinzlichen Zeit« beim Regiment im Schwange waren. – Ein noch bevorzugterer Ort war das unmittelbar vorher genannte Tramnitz (vergleiche weiterhin das). liegen sehn?«

Fromme: »Nein!«

König.: »Wem gehört's itzo?«

Fromme: »Einem gewissen Schönermark.«

König: »Ist er von Adel?«

Fromme: »Nein!«

König: »Wer hat's vor ihm gehabt?«

Fromme: »Der Feldjäger Ahrens; der hat's von seinem Vater ererbt. Das Gut ist immer in bürgerlicher Familie gewesen.«

König: »Das weiß ich! Wie heißt das Dorf hier vor uns?«

Fromme: »Walchow.«

König: »Wem gehört's?«

Fromme: »Ihnen, Ihro Majestät, unter dem Amte Alten-Ruppin.«

König: »Wie heißt das Dorf hier vor uns?«

Fromme: »Protzen.«

König: »Wem gehört's?«

Fromme: »Dem Herrn von Kleist.«

König: »Was ist das für ein Kleist?«

Fromme: »Ein Sohn vom General Kleist.«

König: »Von welchem General Kleist?«

Fromme: »Der Bruder von ihm ist Flügeladjutant bei Ihro Majestät gewesen und steht itzt zu Magdeburg beim Kalcksteinschen Regiment, als Obristlieutenant.«

König: »Haha! von dem? Die Kleiste kenn ich recht gut. Ist dieser Kleist auch in Diensten gewesen?«

Fromme: »ja, Ihro Majestät; er ist Fähnrich gewesen unter dem Prinz Ferdinandschen Regiment.«

König: »Warum hat der Mann seinen Abschied genommen?«

Fromme: »Das weiß ich nicht!«

König: »Ihr könnt's mir sagen; ich suche nichts darunter. Warum hat der Mann seinen Abschied genommen?«

Fromme: »Ihro Majestät, ich kann's wirklich nicht sagen.«

Nun waren wir an Protzen heran. Ich wurde gewahr, daß der alte General von Zieten in Protzen vor dem Edelhofe stand. Ich ritt an den Wagen heran und sagte: »Ihro Majestät, der Herr General von Zieten sind auch hier.«

König: »Wo? wo? O reitet vor und sagt's den Leuten, sie sollen stillhalten; ich will aussteigen.«

Nun stiegen Ihro Majestät hier aus und freuten sich außerordentlich über die Anwesenheit des Herrn Generals von Zieten, sprachen mit ihm und dem Herrn von Kleist über mancherlei Sachen, ob ihm die Abgrabung des Luchs geholfen, ob er die Viehseuche gehabt, und empfahl das Steinsalz gegen die Viehseuche. Mit einemmal gingen Ihro Majestät beiseite, kamen wieder und riefen: »Amtmann!« (Dicht am Ohr:) »Wer ist der dicke Mann da mit dem weißen Rock?« (Ich ebenfalls dicht am Ohr:) »Ihro Majestät, es ist der Landrat von Quast auf Radensleben vom ruppinischen Kreise.«

König: »Schon gut!«

Nun gingen Ihro Majestät wieder zum General von Zieten und Herrn von Kleist und sprachen von verschiedenen Sachen. Herr von Kleist präsentierte Seiner Majestät sehr schöne Früchte. Sie bedankten sich; mit einemmal drehten Sie sich um und sagten: »Serviteur, Herr Landrat!« Als nun selbiger auf Ihro Majestät zugehen wollte, sagten Ihro Majestät: »Bleib Er nur da, ich kenn Ihn, Er ist der Landrat von Quast!«

Nun war angespannt. Ihro Majestät nahmen recht zärtlichen Abschied von dem alten General von Zieten, empfahlen sich den übrigen und fuhren fort. Ob nun wohl Ihro Majestät in Protzen die Früchte nicht annahmen, so nahmen doch Dieselben, sowie wir aus Protzen waren, ein Butterbrot für sich und für den Herrn General Grafen von Görtz aus der Wagentasche und aßen während des Fahrens immer Pfirsich. Beim Wegfahren glaubten Ihro Majestät, ich würde zurückbleiben, und riefen aus dem Wagen: »Amtmann, kommt mit!«

König: »Wo ist der Beamte von Alten-Ruppin?«

Fromme: »Er wird vermutlich krank sein, sonst wär er in Protzen beim Vorspann gewesen.«

König: »Na! sagt mir einmal: wißt Ihr wirklich nicht, warum der Kleist zu Protzen seinen Abschied genommen?«

Fromme: »Nein, Ihro Majestät, ich weiß es wahrhaftig nicht.«

König: »Wie heißt das Dorf hier vor uns?«

Fromme: »Manker.«

König: »Wem gehört's?«

Fromme: »Ihnen, Ihro Majestät, unter dem Amt Alten-Ruppin.«

König: »Hört einmal, wie seid Ihr mit der Ernte zufrieden?«

Fromme: »Sehr gut, Ihro Majestät!«

König: »Sehr gut? Und mir haben sie gesagt, sehr schlecht!«

Fromme: »Ihro Majestät, das Wintergetreide ist etwas erfroren; aber das Sommergetreide steht dafür so schön, daß es den Schaden beim Wintergetreide reichlich ersetzt.«

(Nun sahen Ihro Majestät auf den Feldern Mandel an Mandel.)

König: »Es ist eine gute Ernte, Ihr habt recht; es steht ja Mandel bei Mandel hier!«

Fromme: »Ja, Ihro Majestät; und hier setzen die Leute noch dazu Stiege.«

König: »Was ist das, Stiege?«

Fromme: »Das sind zwanzig Garben zusammengesetzt!«

König: »Oh, es ist unstreitig eine gute Ernte. – Aber sagt mir doch, warum hat der Kleist aus Protzen seinen Abschied genommen?«

Fromme: »Ihro Majestät, ich weiß es nicht! Mir deucht er hat vom Vater müssen die Güter annehmen. Eine andre Ursach weiß ich nicht.«

König: »Wie heißt das Dorf hier vor uns?«

Fromme: »Garz.«

König: »Wem gehört's?«

Fromme: »Dem Kriegsrat von Quast.«

König: »Wem gehört's?«

Fromme: »Dem Kriegsrat von Quast.«

König: »Ei was! Ich will von keinem Kriegsrat was wissen! Wem gehört das Gut?«

Fromme: »Dem Herrn von Quast.«

König: »Na! das ist recht geantwortet!«

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