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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Kapitel 50
Quellenangabe
typereport
booktitleWanderungen durch die Mark Brandenburg, Band I
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5291-X
titleWanderungen durch die Mark Brandenburg
created19990616
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1880
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Das 24. Regiment im Kriege gegen Frankreich
1870 und 1871

Auch im siebziger Kriege gegen Frankreich gehörte das 24. Regiment zur 6. Division, die jetzt vom Generallieutenant von Buddenbrock kommandiert wurde. Brigadekommandeur war Oberst von Bismarck, Regimentskommandeur Oberst Graf Dohna. Bataillonskommandeure: 1. Bataillon Major von Lüderitz, 2. Bataillon Major Rechtern, Füsilierbataillon Major von Sellin, derselbe, der schon vor Düppel eine Sturmcompagnie gegen Schanze V geführt hatte.

Die beiden hervorragenden Aktionen der 6. Division während des siebziger Krieges waren Vionville und Le Mans.

Vionville. Zwischen neun und zehn Uhr traf die 6. Division Buddenbrock auf dem so berühmt gewordenen Plateau südlich von Flavigny und Vionville ein; rechts rückwärts stand die 5. Division Stülpnagel im Feuer. Schwere Stunden kamen. Flavigny und Vionville wurden durch mehrere Bataillone der 6. Division genommen, während sich das Regiment 24 in langer Front von den Tronviller Büschen her, an der alten Römerstraße entlang, bis nach Vionville hin entwickelte. Dem gegen eine feindliche Batterie (nördlich Vionville) vorgehenden Füsilierbataillon von Sellin gelang es bei dieser Gelegenheit unter furchtbaren Verlusten ein Geschütz zu nehmen, das einzige, welches die Franzosen in dem Ringen am 14., 16. und 18. August verloren haben. Alle Offiziere des Bataillons waren tot und verwundet, die Fahnenspitze weggeschossen und die Stange in zwei Stücke gespalten.

Im verlustreichsten, passiven Feuergefecht kam die Mittagsstunde heran, und glühend strahlte die Sonne auf die ermattende Mannschaft nieder. Unsere Überflügelung, erst durch das französische 6. und im weitem Bogen durch das 3. und 4. Corps, wurd immer sichtbarer und gefahrdrohender, und keine Reserven waren zur Hand. So, den letzten Schuß im Lauf, wich endlich drei Uhr nachmittags das zusammengeschmolzene Regiment auf Dorf Tronville zu zurück. Ganze Compagnien waren führerlos. Wir hatten 54 Offiziere und 1200 Mann verloren.Ausführlicheres über die Vierundzwanziger bei Vionville und Le Mans gibt 1. das Generalstabswerk, 2. von der Goltz, »Kämpfe der 2. Armee vor Le Mans«, und 3. Woermann und Becher, »Fortsetzung der Geschichte des Infanterieregiments Nr. 24«.

Le Mans. Nicht so blutig verlief Le Mans. Aber die Strapazen, die dem endlichen Siege voraufgingen, zählen zu den größten, die dieser Krieg unsern Truppen auferlegte. »Wie der ganze Tag«, so heißt es in einem uns vorliegenden Briefe, »so wird uns auch der Abend des 10. Januar unvergeßlich bleiben. Es trat nämlich ein Schneefall ein, wie wir ihn in Frankreich noch nicht erlebt hatten. Die Flocken fielen so groß und dicht, daß wir in wenigen Minuten Schneemännern ähnlich waren. Und so saßen wir denn an demselben Wege, wo die erstarrenden Leichen vieler gefallenen Feinde den tapferen Widerstand derselben kundtaten, um mehrere Feuer geschart und gedachten mit dankerfülltem Herzen unserer Lieben daheim, ein Gedanke, der in solcher Lage für den Soldaten der süßeste, der liebste ist. Um ungefähr elf Uhr nachts brachte uns ein Marsch von einer guten halben Stunde hungrig, müde und am ganzen Körper fröstelnd in unsere Quartiere, die wir auf einigen erbärmlichen Fermen, auf Böden oder in den Ställen bezogen, um am Morgen weiter gegen Le Mans vorzugehen.«

Dem Kriege folgten die »Tage der Okkupation«. Unser Regiment gehörte jener aus vier Divisionen kombinierten Armee zu, die, bis zu völliger Zahlung der Kriegsschuld, in Frankreich zu verbleiben hatte. Speziell die Standquartiere der Vierundzwanziger waren Reims, Vitry-le-François, Étain, Verdun, von welch letzterem Ort aus sie, nach Abmarsch aller andern Truppenteile, mit den Vierundsechzigern als letzte Staffel folgten.

Am 19. September 1873 zogen sie unter einem Jubel, den selbst ein wolkenbruchartig herniederstürzender Regen nicht hindern konnte, in ihre alte Garnisonstadt Ruppin wieder ein.

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