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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Kapitel 309
Quellenangabe
typereport
booktitleWanderungen durch die Mark Brandenburg, Band I
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5291-X
titleWanderungen durch die Mark Brandenburg
created19990616
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1880
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Großbeeren

»Unsre Gebeine sollen diesseits
Berlin bleichen, nicht jenseits.«
General von Bülow

Zwei Meilen südlich von Berlin liegen die berühmten Felder von Großbeeren. Wer häufiger die Eisenbahn benutzt die daran vorüber ins Anhaltische und Sächsische führt, wird es nicht selten erlebt haben, daß Fremde, die bis dahin lesend oder plaudernd in der Ecke saßen, plötzlich sich aufrichten und, mit dem Finger auf die weite Ebene deutend, halb zuversichtlich, halb frageweise die Worte sprechen: »Ah, c'est le champ de bataille de Großbeeren!«

Und wie die Fremden davon wissen, so natürlich vor allem auch die Berliner, die den »Tag von Großbeeren« an jedem 23. August in pflichtschuldiger Dankbarkeit feiern. Aber sie feiern ihn, ohne sich zu vergegenwärtigen, wie der Sieg errungen wurde. Niemand weiß mehr von den Einzelnheiten oder gar von dem Gesamtgange der Schlacht zu berichten, und was von den Berlinern gilt, gilt auch von den Bewohnern des Dorfes selbst. Ich trieb mühevoll einen Tagelöhner auf, der den Schlachttag noch miterlebt und aus seinem Versteck heraus ein paar Tschakos oder Bajonettspitzen gesehen hatte. Das war alles. Über die gleichgültigsten Details hinaus war seinem Gedächtnis nichts verblieben. Vollends verloren aber ist der, oder war es wenigstens früher, der von den beiden in Nähe der Kirche stationierten Invaliden irgendwelchen Aufschluß erwartete. Sie wußten absolut nichts von jenem Schlachtfelde, das jahraus, jahrein zu ihren Füßen lag und dessen bestellte Wächter sie waren, und nichts von jenem Kirchhof, um dessen Besitz einst so heiß gestritten ward.

Und so mag sich denn im nachstehenden ein Überblick über die damalige politisch-militärische Situation und daran anschließend eine kurze Beschreibung der »Bataille« geziemen.


Die Schlacht bei Großbeeren
am 23. August 1813

Napoleon, als der Waffenstillstand abgelaufen und Österreich dem Bündnisse Rußlands und Preußens beigetreten war, richtete sein Hauptaugenmerk auf Berlin. Er beschloß, sich desselben zu bemächtigen, und ordnete zu diesem Zwecke die Bildung einer aus dem 4., 7. und 12. Corps bestehenden Armee an, an deren Spitze er den Marschall Oudinot stellte. »Sie werden mit einer solchen Armee«, hieß es in einer dem Marschall um die Mitte des August zugebenden Generalordre, »den Feind rasch zurückdrängen, Berlin einnehmen, die Einwohner entwaffnen, die Landwehr auflösen und die Haufen schlechter Truppen zerstreuen.« Infolge dieser Ordre betrat Oudinots Armee, deren Sammelplatz Luckau gewesen war, am 19. die Mark, rückte gegen Baruth und stand am 22. abends in dreimeiliger Entfernung von Berlin: das 4. Corps Bertrand bei Jühnsdorf, das 7. Corps Reynier bei Wietstock, das 12. Corps Oudinot zwischen Trebbin und Thyrow. Oudinot nämlich, wie gleich hier hervorgehoben werden mag, hatte nicht bloß den Oberbefehl über das Ganze, sondern auch noch den Spezialbefehl über das letztgenannte 12. Corps.

Am andern Tage sollte der Vormarsch gegen Berlin fortgesetzt werden, zu dessen Schutze die vom Kronprinzen von Schweden (Bernadotte) kommandierte Nordarmee zwischen Ruhlsdorf, Heinersdorf und Blankenfelde Stellung genommen hatte. Der nächste Tag mußte voraussichtlich einen ernsten, vielleicht sogar den entscheidenden Zusammenstoß bringen.

Und dieser Zusammenstoß fand auch wirklich statt. Eh ich jedoch eine Darstellung desselben gebe, versuch ich eine Schilderung der sich gegenüberstehenden Streitkräfte.

Die Oudinotsche Armee, 70 000 Mann stark, bestand aus neun Divisionen, von denen fünf fremden Nationalitäten angehörten: zwei waren sächsisch, eine bayerisch, eine württembergisch und eine italienisch. Aber auch die verbleibenden vier französischen Divisionen ließen an Zuverlässigkeit allerhand vermissen, da man bei der letzten Aushebung auf das ersatzpflichtige Alter keine Rücksicht genommen, vielmehr blutjunge Leute, die fast noch im Knabenalter standen, mit herangezogen hatte. Besonders unzuverlässig war die zum 7. Corps Reynier gehörige Division Durutte, die zum größten Teil aus Réfractairs, das heißt aus solchen, die sich der Aushebung bis dahin zu entziehen gewußt hatten, aus Déserteurs und Verbrechern gebildet war. Von den Befehlshabern kamen nur Oudinot und Reynier in Betracht, aber auch hinsichtlich ihrer blieb manches zu wünschen. Oudinot machte den Oberbefehl nicht genügend geltend, ja vermied sogar die persönliche Berührung mit seinen Untergeneralen, während Reynier unlustig und erbittert über die Zurücksetzung war, die Napoleon ihn beständig erfahren ließ.

Die diesseitige Nordarmee war viel stärker und umfaßte bis gegen 100 000 Mann. Aber auch die dieser zugehörigen Truppenteile waren von gemischter Nationalität und unterstanden, was der Hauptübelstand war, einem Oberbefehlshaber, der, ohne jedes Herz für die Sache, nur seinem persönlichen Interesse nachhing»Bernadotte«, so schreibt ein Offizier aus dem Jahre 13, »entwarf beständig Pläne, die durch Kühnheit in Erstaunen setzten, und gedachte beispielsweise Magdeburg und Stettin mit Sturmleitern zu ersteigen, kam aber der Entscheidungsmoment heran, so nahm er rückwärts Stellungen. Er wurd in allem nur durch eine Rücksicht bestimmt: sich und seine schwedische Hilfstruppe keiner Niederlage auszusetzen.« – ein Übelstand, der noch schwerer ins Gewicht gefallen wäre, wenn nicht der Geist der beiden preußischen Heerführer, Bülow und Tauentzien, und kaum minder der in ihren Landwehren, aller mangelhaften Ausbildung und Bewaffnung unerachtet, anzutreffende preußische Kampfesmut eine Balance geschaffen hätte. Jedenfalls standen wir hinter der Oudinotschen Armee nicht zurück und hatten keinen Anspruch darauf, von Napoleon als »schlechte Truppe« und sogar als »Gesindel« bezeichnet zu werden. Der nächste Tag sollte denn auch zeigen, daß er die Rechnung ohne den Wirt gemacht und »l'enfanterie prussienne« sehr unterschätzt hatte.


Beginn der Schlacht

Der rechte französische Flügel, das 4. Corps Bertrand, dirigierte sich am 23. in aller Frühe schon von Jühnsdorf gegen Blankenfelde, das bereits am voraufgegangenen Tage durch das diesseitige IV. Corps unter General Tauentzien besetzt worden war. Es entspann sich alsbald ein leichtes Gefecht, das bis gegen die Mittagsstunde fortgeführt wurde. Zu dieser Zeit wandte sich Bertrand an den links neben ihm stehenden Reynier und ließ ihn wissen, »daß er auf hartnäckigen Widerstand gestoßen sei, weshalb er Blankenfelde nur dann nehmen könne, wenn im Zentrum energischer vorgegangen und er (Bertrand) dadurch degagiert würde«. Da sich Reynier zu solchem »energischen Vorgehn« nicht bereit erklärte, ja mit Rücksicht auf das noch weit zurück befindliche Linke-Flügel-Corps Oudinot auch kaum erklären konnte, so schlief das Gefecht am rechten Flügel (Blankenfelde) ein und ward auch im ganzen Laufe des Tages nicht wieder aufgenommen.

Bertrands Forderung, »im Zentrum energischer vorzugehn«, war unerfüllt geblieben, aber ein Vorgehen überhaupt hatte nichtsdestoweniger stattgefunden und zur Wegnahme des durch drei diesseitige Bataillone besetzten Dorfes Großbeeren geführt.

Infolge davon war das Zentrum der vorgeschobenste Punkt der französischen Angriffslinie geworden; der rechte Flügel bei Jühnsdorf stand um eine Meile, der linke, zwischen Trebbin und Thyrow, um anderthalb Meilen zurück. An ebendiesem linken Flügel befand sich auch das Oberkommando.

Die Stellung bei Freund und Feind war um fünf Uhr die folgende:


Die Entscheidung Von fünf bis sieben

General Reynier, als ihm gemeldet wurde, daß die preußische Vorhut auf Heinersdorf zurückgezogen sei, ließ seine Truppen auf einem Hügelzuge, der sich in Front Großbeerens von der Kirche bis zur Windmühle und von dieser wieder bis nach dem Vorwerke Neubeeren zieht, ins Bivouac rücken. Er gewärtigte keines Angriffs mehr, der ihm ebensosehr der vorgerückten Stunde wie des in Strömen fallenden Regens halber unwahrscheinlich, ja beinah unmöglich erschien, und antwortete dem sächsischen Divisionsgeneral, der ihn vor der List und Entschlossenheit der Preußen warnte: »Sie kommen nicht.«

Aber sie kamen doch.

Um dieselbe Stunde nämlich, als unsere drei Bataillons starke Vorhut aus Großbeeren abmarschiert und zum Überfluß auch noch Ordre von Ruhlsdorf her eingetroffen war, »bis in die Verschanzungen vor Berlin und demnächst bis über die Spree zurückzugehen«, entschloß sich General Bülow, den ihm gegenüberstehenden Reynier anzugreifen und das verlorengegangene Großbeeren zurückzuerobern. Er rief seine Brigadegenerale zusammen, um ihnen den von ihm gefaßten Entschluß mitzuteilen. Er habe sich schon am Tage vorher von der Aktionsunlust des Oberkommandierenden überzeugen können, der seinen Mangel an Eifer mit seinem Mißtrauen in den Wert der ihm unterstellten »neuen Truppen« zu begründen versucht habe. Diese »neuen Truppen« aber seien, was ihnen in diesem und jenem auch fehlen möge, vom besten Geiste beseelt und bedurften nur einer entschlossenen Führung, um sich aufs neue zu bewähren, wie sie sich schon vor dem Waffenstillstand und neuerdings wieder bei Luckau bewährt hätten. Jedenfalls sei es sein Wille, nicht ohne ein vorgängiges ernstes Gefecht das Feld zu räumen. »Unsere Gebeine«, so schloß er, »sollen diesseits Berlin bleichen, nicht jenseits.« Alle Generale stimmten ihm zu, wonach er ohne weiteres nach Ruhlsdorf hin melden ließ: »er werde mit dem III. Corps avancieren und Großbeeren innerhalb einer Stunde wiedernehmen«.

Als die Truppen von diesem Entschlusse hörten, erfüllte sie plötzlich ein Geist der Zuversicht, und wiewohl sie durch vierundzwanzig Stunden hin nicht Holz und nicht Stroh, kaum Kommißbrot und Branntwein und eigentlich nichts als Regen und wieder Regen gehabt hatten, verlangte doch jeder nach Kampf und brach in hellen Jubel aus, als es hieß: »An die Gewehre!«

Die Dispositionen zum Angriff waren schnell getroffen und lauteten:

Die Brigade Krafft, gefolgt von der Brigade Thümen, avanciert gegen die Hügelposition zwischen Kirche und Windmühle.

Die Brigade Prinz von Hessen-Homburg avanciert gegen die Position zwischen der Windmühle und dem Vorwerk Neubeeren.

Die Brigade von Borstell endlich führt eine Seitenbewegung aus und sucht den Frontangriff auf Großbeeren aus der diesseitigen linken Flanke zu soutenieren.

Es war sechs Uhr, als sich die genannten Brigaden in drei Linien von Heinersdorf her in Bewegung setzten.

Mit Erstaunen hörte Reynier die Meldung, daß das gesamte Bülowsche Corps gegen Großbeeren heranrücke. Rasch indessen fand er sich zurecht, und bevor noch unsere Kolonnen auf halbem Wege heran waren, hatten die Truppenteile seines Corps folgende gutgewählte Stellungen inne:

Sächsische Division von Sahr:
Grenadierbataillon von Sperl in Großbeeren selbst;

Brigade von Bose (mit dem Regiment von Low in Front) zwischen Kirche und Windmühle;

Brigade von Ryssel zwischen Windmühle und Neubeeren.

Sächsische Division von Le Coq:
im Rücken von Großbeeren, zwischen diesem und der genshagenschen Heide.
Französische Division Durutte:
rechts neben der Division Le Coq, also zwischen dieser Division und der nach Genshagen fahrenden Straße.

Sämtliche Geschütze des Reynierschen Corps, sechzig an der Zahl, waren in die Front gezogen worden und erwiderten sofort das Feuer, das Oberst von Holtzendorf aus vierundsechzig preußisch-russischen Sechs- und Zwölfpfündern auf eine Distance von 1800 Schritt eröffnet hatte. Zunächst schien das feindliche Feuer im Vorteil bleiben zu sollen: mehrere preußische Geschütze waren demontiert, und eine zerschossene Batterie mußte zurückgenommen werden; als aber um ebendiese Zeit die schwedische reitende Batterie von Cardell in die diesseitige Geschützfront einrückte, gab Oberst von Holtzendorf Befehl, bis auf 1200 Schritt zu avancieren. Alle Batterien jagten vor, und im selben Augenblicke fast, wo sich die Wirkung dieses Vorgehens erkennen ließ, ließ General von Bülow die bis dahin in Deckung zurückgehaltenen Brigaden Krafft und Thümen im Sturmschritte gegen Dorf und Kirche vorbrechen.

Ein erbitterter Kampf entspann sich. Das 1. Bataillon Kolberg griff Großbeeren in der Front an, während rechts daneben Major von Gagern an der Spitze des 5. Reserveregiments auf die den Kirchhofshügel verteidigenden Sachsen eindrang und das hier stehende Regiment von Low zersprengte.Bei diesem Kampfe ging die alte Kirche von Großbeeren in Flammen auf und wurd erst in den zwanziger Jahren durch eine neue, nach einem Schinkelschen Plan erbaute, ersetzt. In Nähe derselben erhebt sich auch das gußeiserne Monument das zu direkter Erinnerung an den 23. August 1813 errichtet wurde. Es trägt die Inschrift: »Die gefallenen Helden ehrt dankbar König und Vaterland.« Neue Bataillone, die Reynier aus der hinter dem Dorfe haltenden Division Le Coq in die Front zog, stellten das Gefecht zwar wieder her, und ein Vorbrechen sächsischer Ulanen parierte sogar siegreich einen diesseitigen Reiterangriff. Aber dies war auch der letzte glückliche Moment auf gegnerischer Seite. Denn in demselben Augenblicke fast, wo sich die sächsische Kavallerie dieses Erfolges rühmen durfte, wurde die gesamte feindliche Position von zwei Seiten her umfaßt, indem die gerade jetzt den Lilo-Bach passierende Vorhut der Borstellschen Brigade Großbeeren von Osten her, die Brigade Prinz von Hessen-Homburg aber die mehr nach Westen hin gelegene Hügelposition zwischen der Windmühle und dem Vorwerk Neubeeren erstürmte. Durch diese Bewegung von links und rechts her war die ganze in Front stehende Division Sahr abgeschnitten und hatte nur noch für ihren Rückzug zu kämpfen. Diesen bewerkstelligte sie geschickt und ging in guter Haltung, wenn auch unter erheblichen Verlusten, auf die genshagensche Heide zurück.

Hiermit war die Wiedereroberung Großbeerens ausgeführt. Allerdings, da von den neun Divisionen der Oudinotschen Armee nur drei wirklich engagiert gewesen waren, lag es in der Möglichkeit, unsern Erfolg wieder bestritten zu sehen, und in der Tat wurde der Versuch dazu gemacht, als bei Dunkelwerden die Spitze des noch vollkommen intakten 12. Corps in verhältnismäßiger Nähe des Schlachtfeldes erschien. Aber auch dieser Versuch, an dem sich namentlich Kavallerie beteiligte, schlug fehl, und um neun Uhr schwieg das Gefecht.Über dies abendliche Kavalleriegefecht find ich das Folgende: Der Marschall Oudinot, als er mit dem 12. Corps von Trebbin her in Ahrensdorf eingetroffen war, schickte die leichte Kavalleriedivision Fournier vor, um Reynier, von dessen Rückzug er noch keine Kenntnis hatte, zu soutenieren. Diese Division Fournier stieß in der Dunkelheit auf das bei Neubeeren stehende Leibhusarenregiment das sich nunmehr seinerseits ohne weiteres auf die Vorhut obengenannter Division stürzte. Diese, völlig überrascht und unkundig des Weges, wurde von den Husaren, immer am Waldrande hin, auf Großbeeren zu getrieben. Aber den Husaren folgte wieder das Gros der französischen Kavalleriedivision, und so ging es in wilder Jagd in den bunten Haufen der am Windmühlenberge stehenden Bataillone hinein. An dieser Stelle schloß sich ein diesseitiges Ulanenregiment und den Ulanen wiederum eine Husarenabteilung an, die samt und sonders die Hetze mitmachten, ohne zu wissen, wem es galt und wohin es ging. Oberstlieutenant von Zastrow und Major von Reckow wurden umgeritten, und als letzterer am Boden lag, schrie nachstürmende Landwehrkavallerie: ›Schlagt ihn tot.‹ Er war für einen Franzosen gehalten worden, und nur die Dazwischenkunft des Majors Friccius entriß ihn der Gefahr und rettete sein Leben.« Unbehelligt gingen alle drei Divisionen vom Corps Reynier auf Löwenbruch und Wietstock, die Corps Bertrand und Oudinot aber auf Saalow und Trebbin zurück.

Der erste Versuch Napoleons, sich Berlins zu bemächtigen – der zweite führte zur Schlacht bei Dennewitz –, war gescheitert und hatte dem Corps Reynier, insonderheit den beiden sächsischen Divisionen, einen starken Verlust bereitet. Allein diese letztgenannten verloren 28 Offiziere und 2096 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen. 14 Kanonen und 52 Munitionswagen waren außerdem eingebüßt worden. Unser Verlust bezifferte sich auf nicht mehr als 1100 Mann, alle vom Bülowschen Corps. Auf Seite der Schweden war nur ein Offizier verwundet worden.

Berlin jubelte und betätigte seinen Jubel. Elf Wagenreihen, mit Brot und Tabak, mit Bier und Branntwein beladen, setzten sich nach dem Bivouac von Heinersdorf hin in Bewegung. Auch von Eberswalde, Charlottenburg und Oranienburg erschienen Transporte.

Der Kronprinz von Schweden erließ anderen Tages aus dem Lager von Ruhlsdorf ein Bulletin, in welchem er mit nicht allzugroßer historischer Treue die Begebenheiten der letzten Tage bekanntmachte. Hinsichtlich des Generals von Bülow und seines Corps hieß es wörtlich: »General von Bülow erhielt Befehl, den Feind anzugreifen. Er führte diesen Befehl mit derjenigen Entschlossenheit aus, die den geschickten General bekundet. Seine Truppen marschierten mit ebenjener Ruhe, die während des Siebenjährigen Krieges die Soldaten des großen Friedrich auszeichnete.« General von Bülow selbst enthielt sich begreiflicherweise jedes Hinweises auf die »Soldaten des großen Friedrich«, unterließ aber nicht, das Tatsächliche richtigzustellen. »Ich faßte«, so heißt es in seinem Bericht an den König, »den Entschluß, den Feind anzugreifen, und wurde dazu durch einen nachträglichen Befehl des Kronprinzen autorisiert. Unter Einschluß der mir zugeteilten russischen Batterien sowie der Kosaken haben die Truppen Ew. Majestät allein gefochten.«

Im übrigen war es keine große Schlacht gewesen. Einem energischen, aber wie gewöhnlich erfolglosen Artilleriekampfe war eine Dorferstürmung gefolgt, welcher es, aller Tapferkeit unerachtet, doch insoweit an allem Heldischen gebrach, als wir den Schlüssel der Position: die Kirchhofsstellung, in erheblicher Überzahl angriffen. Es bleiben aber solche vor den Toren einer Hauptstadt geschlagenen Schlachten immer ganz besonders im Gedächtnisse der Menschheit, einfach deshalb, weil die Zahl der durch solche Kämpfe zu direkter Dankbarkeit Verpflichteten um vieles größer ist als bei Provinzial- oder gar Auslandsschlachten. Und so kommt es denn auch, daß Großbeeren – beispielsweise weit über das im übrigen sehr verwandte Dennewitz hinaus – ein Lieblingstag in unserer berlinisch-brandenburgischen Geschichte geblieben ist, fast so beliebt und gefeiert wie Fehrbellin.

Als ein gefälliges Spiel des Zufalls mag dabei noch hervorgehoben werden, daß es, wie bei Fehrbellin, so auch bei Großbeeren, ein Prinz von Hessen-Homburg war, der durch einen im entscheidenden Moment geschickt ausgeführten Angriff zum Siege mitwirkte.

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