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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Kapitel 268
Quellenangabe
typereport
booktitleWanderungen durch die Mark Brandenburg, Band I
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5291-X
titleWanderungen durch die Mark Brandenburg
created19990616
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1880
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Die Wendische Spree

An Bord der »Sphinx«

Daß ich des Großen Werdepunkt erseh,
Hinauf zur Quelle denn der Wend'schen Spree,
Die, rätselvoll, in Sumpf und Sandes Mitten,
Im Dunkel ruht, bezweifelt und bestritten.

Am 6. Juli vormittags empfing ich folgende vom Tage vorher datierten Zeilen: »Sehr geehrter Herr. Es würde mich außerordentlich freuen, Sie an einer Bootexpedition teilnehmen zu sehen, die seitens der ›Sphinx‹ am 7. früh von Köpenick aus unternommen und bis Teupitz ausgedehnt werden soll. Es handelt sich, nach vorgängiger Passierung befahrener Wasserstraßen, um ein Vordringen bis zu den See- und Quellgebieten der ›Wendischen Spree‹, Gebiete, die selbst Ihnen vielleicht auf Ihren märkischen Wanderungen unerschlossen geblieben sind. Einer brieflichen Rückäußerung bedarf es nicht; ich und einige Freunde sehen Ihrem Eintreffen am 6. abends mit Bestimmtheit entgegen. Sie finden uns an Bord. Ihr Backhusen.« – In einer Nachschrift war hinzugefügt, daß die »Sphinx« bereits im Laufe des Tages an der Südspitze der Köpenicker Schloßinsel vor Anker gehen werde.

Diese Zeilen versetzten mich in eine Aufregung, als ob es sich um ein Vordringen bis zu den See- und Quellgebieten des Nils gehandelt hätte. Und so wird es immer sein. Die Erfüllung eines Lieblingswunsches, sei der Wunsch selber, wie er wolle, berührt uns wie Weihnachtsfreude. Das Herz bleibt ein Kind. Ich war sofort entschlossen, an der Expedition teilzunehmen, breitete den »Kreis Teltow« vor mir aus und schwelgte vorweg in den blauen Seeflächen, die, auf der bunten Rappardschen Karte, den ganzen Weg zwischen Köpenick und Teupitz ausfüllen. Hand in Hand mit dem Kartenstudium ging ein Studium des Bergbaus, Abschnitt »Hydrographische Beschaffenheit des Spreeflusses«. Was ich dadurch an Orientierung gewann, sei auch dem Leser nicht vorenthalten.

An der Brücke von Köpenick treffen zwei Flüsse beinahe rechtwinklig zusammen: die eigentliche Spree und die Wendische Spree, letztere auch »die Dahme« geheißen. Die Wendische Spree, mehr noch als die eigentliche, bildet eine große Anzahl prächtiger Seeflächen, die durch einen dünnen Wasserfaden verbunden sind. Ein Befahren dieses Flusses bewegt sich also in Gegensätzen, und während eben noch haffartige Breiten passiert wurden, auf denen eine Seeschlacht geschlagen werden könnte, drängt sich das Boot eine Viertelstunde später durch so schmale Défilés, daß die Ruderstangen nach rechts und links hin die Ufer berühren. Und wie die Breite, so wechselt auch die Tiefe. An einer Stelle Erdtrichter und Krater, wo die Leine des Senkbleis den Dienst versagt, und gleich daneben Pfuhle und Tümpel, wo auch das flachgehendste Boot durch den Sumpfgrund fährt. So diese Wasserstraße. An ihren Ufern hin, ähnlich wie im Spreewald, hielten sich, bis in unsere Tage hinein, die wendischen Elemente. Wer die Gegend kennt, nennt sie deshalb die »Wendei«. Sie hat wenig Dörfer, keine Städte; selbst der Eisenbahnzug geht nur wie eine Erscheinung durch sie hin.

So ungefähr waren die Resultate, die mir Buch und Karte bei flüchtigem Studium an die Hand gaben.


Vor Anker in Köpenick

(Reisevorabend)

Am 6. abends war ich in Köpenick. Ich hatte die Wahl, ob ich von der Land- oder Wasserseite her an Bord gehen wollte, entschied mich aber für letzteres. Alle Dinge haben ihr Gesetz. Wer zu einer Parforcejagd geladen ist, muß in einem roten Frack kommen oder wegbleiben. Also zu Wasser. Ein Boot führte mich um die Schloßinsel herum bis an die Ankerbucht, in der die »Sphinx« still und friedlich unter einem Dach weit vorgestreckter Ulmenzweige lag. Ein leiser Rauch stieg anheimelnd aus ihrem Küchenschornstein auf. Nach kurzem Anruf faßte ich eines der zwischen Mast und Schiffswandung straff ausgespannten Taue und kletterte die Stufen, bloße angenagelte Brettstücke, hinauf. Ich fand die Reisegesellschaft bereits versammelt. Es waren: Kapitän Backhusen, Lieutenant Apitz, Supercargo Nettermann. Zu diesen drei Herren, die sich als Mitglieder des Seglerklubs bereits bei mancher Regatta bewährt hatten, gesellte sich, als einziger Nicht-Gentleman an Bord, das Faktotum Mudy. Er vereinigte in sich alle niedrigeren Schiffsgrade, vom Vollmatrosen bis zum Kajütenjungen, und führte jeden dieser Titel nicht nur als scherzhaften nom de guerre, sondern mit allervollster Berechtigung. Mit dem Stoßruder in der Hand hatte er sein halbes Leben auf Rüdersdorfer Kalk- und Linumer Torfkähnen zugebracht. Seine Dienste, wie immer die der Subalternen, waren unentbehrlich. Er war auch Koch.

Nach Begrüßung und Vorstellung durch den Kapitän baten alle drei Herren, sich auf eine gute halbe Stunde verabschieden zu dürfen, da eine meine eigenen Interessen mitberührende Frage, die der Verproviantierung, noch zum Abschluß zu bringen sei. Mudy werde mittlerweile die Honneurs machen, wenn ich es nicht vorzöge, mich im Köpenicker Schloßpark zu ergehen. Ich entschied mich für den Park. Mudy blieb mir immer noch; man hat nirgends so viel Zeit zu Personalstudien wie an Bord eines Schiffes. Eine schmale Falltreppe führte mich ans Ufer; dann, meine Richtung auf das Schloß zu nehmend, erreichte ich ein großes, von einem Kiesweg eingefaßtes Wiesenrondell. Um diesen Kiesweg herum, in weiter gespanntem Bogen, wuchsen Buschwerk und Unterholz auf, aus deren dichtem Gewirr einzelne alte Bäume, Eichen und Akazien, emporstiegen. Die Akazien füllten die Luft mit Wohlgeruch. Es war ein köstlicher Abend. In den Nischen des Buschwerkes standen halbzerbrochene Sandsteinfiguren, Urnen und trauernde Engel, anzeigend, daß hier in halbvergessenen Tagen irgendein prinzeßlicher Vorleser, irgendein Mitglied von Hofstaat oder Kapelle begraben worden sei. Nun schlugen die Nachtigallen darüber. Eine dieser Begräbnisstätten – nicht aus Pietät, sondern aus Gärtnerlaune – war von einem Blumenbeet umgeben. Alles Grün fehlte; nur Lilien, weiße und rote, drängten sich dicht durcheinander. Diese prätentiöse Pracht wirkte beinah unheimlich. Ein junges Köpenicker Paar ging an mir vorüber, das vielleicht Auskunft geben konnte. »Wer liegt hier?« fragt ich. »Da liegt der Flötenspieler«, lautete die Antwort. Und dabei kicherten beide.

Ich schlenderte noch den Kiesweg auf und ab, als ich meine Reisegefährten von der Schloßbrücke her zurückkommen sah. Es folgten ihnen drei Paar Träger mit großen Deckelkörben, die den angekündigten Proviant herantrugen. Die Körbe über den schmalen Steg hin direkt an Bord zu schaffen war unmöglich; ihr Inhalt mußte also vom Ufer aus in Einzelstücken herübergereicht werden, etwa wie sich Bauarbeiter die Steine zureichen. Dies gab mir Gelegenheit, die Verproviantierung der »Sphinx« im Detail kennenzulernen. Der Eindruck, den ich davon empfing, war ein gemischter, denn alles Tröstliche, was er mit sich brachte, wurde durch ebensoviel Beängstigendes balanciert. Durch welche Gegenden mußten wir kommen, um zu solchen Vorsichtsmaßregeln gezwungen zu sein! Es wurden eingeschifft: 120 Flaschen Tivolibier, 120 Flaschen Sodawasser, 30 Flaschen Bordeaux, 3 Filets, 2 Schock Eier, 1 Butterfaß, 1 Zuckerhut, 1 Baumkuchen, 6 Flaschen Scharlachberger und 1 Dutzend Flaschen Champagner. Mehr noch als diese durch Zahl oder Gewicht bemerkenswerten Quantitäten imponierte mir die Liste der »Kleinigkeiten«; sie füllte einen halben Bogen und wies über hundert Nummern auf. Ich zitiere daraus nur folgendes: eine Muskatnuß, ein kleines Reibeisen dazu, Salveiblätter, um Aal, und Dilldolden, um Schlei zu kochen. Alle diese Dinge, groß oder klein, verschwanden ohne Schwierigkeit in dem Rumpf des Schiffes; die Butter, das Fleisch erhielten ihren Platz auf großen Eisblöcken, und eh eine halbe Stunde um war, war auch die letzte Flasche »gestaut«.

Damit hatten die Vorbereitungen ihr Ende erreicht; Ruhe trat an die Stelle der Arbeit, und während Mudy im Vorderraum des Schiffes sich um den Tee bemühte, saßen wir auf der Rundbank zwischen dem Steuer und dem Kajüteneingang und plauderten.

Es war um die elfte Stunde; in der dunklen breiten Wasserfläche spiegelten sich die Sterne, zugleich auch die Lichter aus Häusern und Villen, die, im Grünen halb versteckt, das Ufer des Flusses einfassen.

Ich fragte nach dem Schiff, nach seiner Bauart, nach seinen Schicksalen, vor allem auch nach dem Seglerklub, dem die »Sphinx« als eines der schönsten Boote angehört. Kapitän Backhusen, im allgemeinen kein Mann der Rede, war plötzlich in seinem Element und nahm gern das Wort.

»Ich weiß nicht, um welche Zeit der Klub ins Leben trat, aber seit einer Reihe von Jahren ist er da. Er hat wohl an hundert Mitglieder oder mehr, und die Zahl seiner Boote wird nicht geringer sein. Zwischen Treptow und dem ›Eierhäuschen‹ ankert seine Flottille, die eine Musterkarte schöner und lieblicher Namen aufweist: ›Sturmvogel‹ und ›Greif‹, ›Komet‹ und ›Blitz‹, ›Libelle‹ und ›Forelle‹, ›Undine‹ und ›Albatros‹. Wir haben Korsos und Regatten, Preisrichter und Preisverteilungen! Chronometer, Flaggen und Becher. Der große Ehrenbecher muß von Jahr zu Jahr immer neu erworben werden; da dies selten glückt, so wandert er meist von Hand zu Hand. Aber das weckt keinen Neid; es herrscht eben ein kameradschaftlicher Geist.«

»Die Folge gemeinschaftlich überstandener Gefahren.«

»Was Sie scherzhaft aussprechen, trifft doch schließlich im Ernste zu. Aller Sport, der sonst nur Spiel wäre, hat seine Gefahr, aber keiner mehr als der Segelsport. Ob es an uns liegt oder an der Perfidie unserer Gewässer, laß ich dahingestellt sein; nur soviel, es vergeht kaum ein Jahr, wo nicht die Spree hierherum ihr Opfer fordert. Und immer nimmt sie uns die Besten. Ein solcher war auch Heinecke, der auf Neu-Spreeland wohnte, unser Seglerveteran. Dazu aller Menschen Freund. Er hatte ein neues Boot bauen lassen, fuhr hinaus, kenterte und ertrank. Das machte einen großen Eindruck. ›Wenn das dem passieren konnte‹, sagte sich jeder und sah einen Augenblick mißtrauisch auf die eigene Kraft.«

»Und der Unfall ereignete sich hier, auf der Spree selbst?«

»Nein, weiter aufwärts, auf der Müggel. Sie ist das tückischste unter allen Wässern. Geradeso tückisch, wie sie unschuldig aussieht. Plötzlich springt ein Wind auf, wirft sich in die Segel und legt das Boot auf die Seite. Wer sich dann an Mast und Planke hält, der mag gerettet werden; wer es aber durch eigene Kunst ertrotzen will, der ist verloren. Er verfitzt sich im Kraut und geht in die Tiefe. Die guten Schwimmer und die guten Segler, gerade sie sind es, die der Müggeltücke verfallen.«

»Aber muß es denn immer die Müggel sein?«

»Nein. Es ist freilich die schönste Wasserfläche weit und breit, nicht zu sprechen davon, daß die Gefahr ebenso anzieht, wie sie schreckt. Aber dennoch ist das Ansehen der Müggel im Niedergehen. Sie muß mindestens die Herrschaft teilen. Wir bevorzugen jetzt die Wendische Spree. Dort finden auch unsererseits die Regatten statt, deren ich schon flüchtig gegen Sie erwähnte.«

»Man hört so selten davon.«

»Gewiß. Die Berliner haben keinen Sinn dafür. Man merkt ihnen nicht an, daß sie von den Fischerwenden abstammen. Aber was sie in ihrer Totalität vermissen lassen, das suchen die einzelnen wieder auszugleichen. Und diese einzelnen sind wir. Ich wollte, Sie wären einmal zugegen, wenn der Mai anbricht und an unseren Ankerplätzen alles Leben und Erwartung ist. Wir sind dann in derselben Erregung, wie wenn Oxford und Cambridge an der Brücke von Twickenham ihren Wettkampf führen.«

»Und der Schauplatz dieser Wettkämpfe ist jetzt die Wendische Spree?«

»Ja, oder doch zumeist. Es ist dasselbe Terrain, das Sie morgen kennenlernen werden. Trotz der Müggel eine pompöse Wasserfläche; die Themse bietet nichts Ähnliches. Bei ›Café Lubow‹, halben Wegs zwischen Köpenick und Grünau, beginnt unsere Segelbahn, durchschneidet der Länge nach den Langen See und läuft dann an der Krampenbaude vorbei auf unser Flaggenschiff zu, das, weithin sichtbar, im breiten Seddin-See das ersehnte Ziel aller unserer Anstrengungen bildet. Das Ziel und den Drehpunkt. Jetzt, mit seitwärts gedrücktem Steuer, die Biegung um das Flaggenschiff herum, und mit verdoppeltem Eifer geht es die Segelbahn bis ›Café Lubow‹ zurück. Eine Strecke von rund drei Meilen. Ich darf sagen, es wird dabei mehr Kunst gezeigt, als mancher von uns Spreefahrern erwarten möchte.«

»Und wer entscheidet über Sieg und Preis?«

»Die Schiedsrichter. Und dieses Schiedsrichteramt ist nun freilich das Schwerste von allem. Es handelt sich nämlich immer wieder darum, durch minutiöseste Rechnungen festzustellen, wie viele halbe und viertel Sekunden Vergütigung jedes Boot im Verhältnis zu seiner Größe zu empfangen oder zu gewähren hat. Nur nach dem Resultat dieser Berechnung werden die Preise verteilt, so daß es vorkommen kann, daß das drittschnellste Boot leer ausgeht und das drittlangsamste gewinnt.«

»Es würde mich freuen, an einer dieser Regatten teilnehmen zu dürfen.«

»Da lad ich Sie auf nächstes Jahr an Bord der ›Sphinx‹. Sie sollen uns willkommen sein. Ja, es ist ein Vergnügen, wie es kein größeres gibt, solche Wettfahrt mit vollen Segeln, zumal wenn es stark windet und nun allerhand Unberechenbarkeiten hier zu Havarien führen, dort Boot und Mannschaft mit Niederlage bedrohen. So das letzte Mal. Wir musterten einunddreißig Fahrzeuge, ein wundervoller Anblick; aber nur fünfundzwanzig erreichten das Ziel. Die anderen sechs hatten Schiffbruch gelitten. Der ›Elektra‹, unserem schönsten und größten Boot, brach der Mast glatt über Deck ab und stürzte samt der Takelage in den Seddin-See; der ›Styx‹ rannte fest; der ›Forelle‹ platzte von dem mächtigen Segeldruck die Wantenverbolzung und hob sich aus dem Schiffskörper heraus; der ›Sturmvogel‹ zog Wasser und mußte Gummiplatten auf die Lecks nageln, um sich zu halten. Ein nicht geringerer Unfall traf die ›Undine‹. Ihr riß der Leitwagen aus, der das Segel hält, und zwar gerad in dem kritischen Moment des Lavierens. Aber Willy Krüger, der sie führte, setzte sich als lebender Ballast auf den Leitwagen und ließ sich halb durch die Wellen schleppen. So glückte es ihm, die Regatta wenn nicht siegreich, so doch ruhmreich mit auszusegeln.«

»Das klingt gut. Es würde mich nach dem allen kaum wundernehmen, Ihren Seglerklub zu einer Vorschule für unsere Flotte heranwachsen zu sehen.«

»Ich sage dazu nicht nein. Ein jeder nach seinen Kräften. Wie Sie wissen, haben die Mittelgrafschaften Englands ihren vollen Anteil an dem Flottenruhm der Nation. Lord Nelson war ein Predigerssohn. Das Binnenland hat die Sehnsucht nach der See, und aus dieser Sehnsucht erwächst immer das Beste. Nicht aus der alltäglichen Routine. Wollen Sie glauben, daß wir zwischen »Café Lubow« und der Krampenbaude mehr als einen Chinafahrer ausgebildet haben?«

»Sie scherzen.«

»Durchaus nicht. Ich nenne Namen. Einer dieser Chinafahrer war Viktor von Graefe, der, zu Mehrung des von Vater und Bruder her ererbten Ruhmes, das Seine getreulich beigetragen hat. Wenigstens nach unserer Vorstellung.«

»Und zwar als Chinafahrer?«

»Gewiß. Es mögen jetzt zwanzig Jahre sein, daß er in Stettin eine Brigg bauen ließ, sie befrachtete und mit ihr nach England ging. Er war Schiffsreeder und Kapitän zugleich. Mit ihm war unser alter Eichmann, ein Freund und Klubgenosse, der die Dienste eines Steuermanns versah. In England wurde die Fracht gewechselt; dann ging es in großer Tour erst bis Ceylon, dann von Ceylon bis Hongkong. In den ostasiatischen Gewässern verblieben die Freunde längere Zeit, wurden für die Linie Singapore-Kalkutta gechartert und befuhren dieselbe eine Reihe von Malen. Ihre Ladung war abwechselnd Tee und Reis. Sie verdienten ein bedeutendes Stück Geld und trafen nach Ablauf von dritthalb Jahren wohlbehalten an unserer pommerschen Küste wieder ein. Ihre Studien zu solcher Weltumsegelung aber – denn ich glaube fast, daß sie ihren Rückweg um das Kap Hoorn nahmen – hatten sie auf der Müggel und dem Seddin-See gemacht.«

Unter solchem Geplauder war Mitternacht herangekommen; die Lichter am Ufer hin erloschen, nichts leuchtete mehr als die Johanniskäfer im Gebüsch und die Sterne zu unseren Häupten. Die Frische des Abends steigerte sich zu nächtlicher Kühle, und ein Frösteln überlief uns, trotzdem längst energischere Getränke an die Stelle des von Mudy präsentierten Tees getreten waren. Kapitän Backhusen mahnte zum Aufbruch. In der Kajüte drückte noch die Schwüle des Tages, so daß wir übereinkamen, die Tür nicht zu schließen. Zum Schutze gegen Mücken und Motten wurde dicht am Steuer ein Windlicht aufgestellt, das wir unmittelbar darauf von all den Unholden umschwärmt sahen, die ohne diese Vorsichtsmaßregel unsere Nachtruhe gestört haben würden. So aber schliefen wir unbelästigt unserem ersten Reisetag entgegen.

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