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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Kapitel 222
Quellenangabe
typereport
booktitleWanderungen durch die Mark Brandenburg, Band I
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5291-X
titleWanderungen durch die Mark Brandenburg
created19990616
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1880
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Bernhard Daniel Schmidt,
Pastor zu Fahrland 1751 bis 1774

Bernhard Daniel Schmidt war der Vater unsres »Schmidt von Werneuchen«. Tragen wir ihm schon um deswillen ein gewisses Interesse entgegen, so wächst dasselbe unter dem Eindruck jener Aufzeichnungen, die wir von Pastor Moritz', seines Nachfolgers, Hand in der Chronik finden. Pastor Moritz war ihm nicht hold, konnte ihm nicht hold sein, da er unter der »légèren Praxis« seines Amtsvorgängers zu leiden hatte; dennoch tritt einem in diesem letzteren eine unverkennbar liebenswürdige Persönlichkeit entgegen. Wir geben nun die einzelnen Sätze, wie sie sich zerstreut in der Chronik finden.

»Bernhard Daniel Schmidt, bis dahin Feldprediger beim Cadettencorps, bekam die Pfarre durch Cabinetsordre und trat sie 1751 an, am 6. Februar.«

»Er vermählte sich am 13. Juli obengenannten Jahres (1751) mit Sophie Samson, ältesten Tochter des Stallmeisters Samson zu Potsdam. Sie starb am 7. Juli 1752.«

»Anfang der sechziger Jahre verheiratete sich Prediger Schmidt zum zweiten Male. Er hatte Vermögen mit der Frau und liebte Windmacherei.«

»Prediger Schmidt hat die Pfarre um mehrere ihrer Einnahmen gebracht. Er nahm alles leicht. Die Tonne Most erhalte ich noch immer nicht, trotzdem sie in der Matrikel steht. Er hat's einschlafen lassen, wie manches andre. Wenn ihm diese Einnahme nichts war, durfte er annehmen, daß sie seinem Nachfolger auch nichts sein würde? Was fürchtete er? Er stand ja bei allen Herren der Kammer und der Forst in ausnehmendem Crédit! Jene gaben ihm eine Woorte, diese gaben ihm die Planken dazu, und das alles, weil er ein so einnehmender Herr war, der ihre ganze Gesellschaft immer zu lachen machte. – Nun ist es zu spät. Bei meinem Anzuge wußte ich von diesen Dingen nichts. Die ›vornehme Frau‹ verschmähte es, mit mir darüber zu reden.«

»Gleich bei seinem Amtsantritt sagte Pastor Schmidt: Von Ostern bis Johanni wird täglich, aber nur vormittags Schule gehalten; von Johanni bis Michaeli nur zweimal in der Woche.«

»Herr Schmidt stand gut zu seinem Küster. Als ihm dieser Anzeige machte, daß er am andern Tage verreisen wolle, antwortete jener: ›Warum sagt Er mir das? Hab ich Ihm denn schon gesagt, wohin ich morgen verreisen will?‹«

»Prediger Schmidt hatte die Pforte machen lassen. Er pflegte durch dieselbe nach seiner Plantation oder Woorte zu gehn, in kurzem Schlafrock, à la main die Flinte

»Pastor Schmidt liebte Wortspiele nicht nur in seinen Predigten, sondern auch bei sonstigen Vorfällen. Bei der Leichenrede von einem Weinmeister sprach er vom Weinberge, und beim Tode eines Leinewebers mußte aus ›Hiob‹ die Weberspule herhalten.«

»Bei Pastor Schmidt war alles flott und kurz angebunden. Sein eigner Küster sagte: ›Und wenn ich an einem Tage an drei Orte kam, so fand ich meinen Pastor auch da. Er scheute sich nicht vor dem Teufel. Wenn er Beichte hielt, so sagte er: »Heran, ihr Sünder, bekennt und bessert euch«, und damit war es aus.‹«

Hiermit schließen die Aufzeichnungen über Schmidt. Es ist kaum möglich, in zehn, zwölf Sätzen ein vollständigeres Charakterbild zu geben: ein Lebemann, Jäger, Anekdotenerzähler, splendid, nie kleinlich, sich und andern es leicht machend, voll Verständnis für die Bauernnatur, derb, humoristisch und deshalb beliebt. Daneben konnte sein ernster Nachfolger nicht bestehen, dessen Leben wir nun, nach seinen eigenen Worten, geben.

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