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Wandertage in Hellas

Isolde Kurz: Wandertage in Hellas - Kapitel 9
Quellenangabe
typereport
booktitleWandertage in Hellas
authorIsolde Kurz
year1913
firstpub1913
publisherGeorg Müller
addressMünchen
titleWandertage in Hellas
pages247
created20141227
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Apollontempel von Korinth, im Hintergrund Akrokorinth

 

Korinth und der Isthmus

Von Nauplia auf bekannter Strecke nach Korinth zurück. Am sandigen Ufer erhebt sich Neu-Korinth, das weisse, glühende Städtchen am Meere, wo wir im sauberen Gasthof Tôn Xenôn, dessen Wirt sogar des Deutschen mächtig ist, Mittag machen. Eine Stunde landeinwärts am flachen Fusse von Akrokorinth liegen, von Zypressen beschattet, die Ruinen der antiken Stadt, soweit sie durch die Grabungen der Amerikanischen Schule ans Licht geholt sind. Man betritt sie auf der gepflasterten Strasse, die einst diesen Haupthandelsplatz der griechischen Welt mit seinem Hafen, dem Lechäon, verband. Ergreifend blicken uns von einem überragenden grünen Buckel die sieben schweren dorischen Tempelsäulen schon von weitem entgegen.

Das also war Korinth, die Stadt des Reichtums und der Lüste, wo die grossen Kaufherren und Reeder mit Staatsmännern und Philosophen wetteifernd um die Gunst der Lais warben, und wo sich Diogenes von der Gnade des grossen Alexander nichts erbat als das 146 bisschen Sonnenschein, das jener ihm mit seinem Leibe verdeckte. So breitete sie sich am Fusse des schroffen Berges aus, der der Aphrodite heilig war, und sandte ihre Mauern von der steilthronenden Hochburg bis ans Meer hinunter. Es geht ein mit tiefstem Reize gemischtes Grauen von diesen toten Strassenzügen aus, als ob man in die Züge eines historischen Leichnams blickte. Denn eine Stadt ist auch eine Persönlichkeit, so oft sie zerstört und aus den Trümmern neu erbaut werden mag. Nicht nur die Anlage bleibt der Hauptsache nach dieselbe, die neuen Ansiedler übernehmen von den verschwundenen Vorgängern Sitten und Ueberlieferungen, Tugenden und Laster, die aus den Bedingungen des Bodens entsprungen sind. Diese mit ihrem Handelsgeist und ihrer ganz ungriechischen Ueppigkeit war halbphönizischen Wesens und verehrte auf Akrokorinth und dem Isthmus semitische Gottheiten, wenn sie ihnen auch wie ihrer Astarte-Aphrodite und ihrem Melkart-Palämon hellenische Namen gab.

Aufgang zur Agora, Korinth

Schon der erste Eintritt durch die schön gepflasterte, leise ansteigende Strasse, die auf beiden Seiten von langen Säulenhallen und zur Rechten noch von einer hinter den Säulen liegenden basarähnlichen Flucht von Läden gesäumt ist, macht einen prunkvollen Eindruck, der noch dadurch gesteigert wird, dass dieser stolze Aufgang zuletzt in eine flache Marmortreppe übergeht, die auf die Agora mündet. Von den Propyläen, die in römischer Zeit den Durchgang bildeten und mit den goldenen Viergespannen des Helios und des Phaëthon gekrönt waren, sind nur die Fundamente erhalten. Auf dem Marmorwürfel neben einem Absatz dieser Treppe zeigt man die Stelle, wo der Apostel Paulus den Korinthern, deren Ruhm nicht fein war, gepredigt haben soll.

Vortreffliche Arbeit haben die Amerikaner gemacht: alles ist so wohl geordnet und aufgeräumt, dass man die Anlage der Stadt mühelos überblickt. Ein hoher, stehen gelassener Erdkegel zeigt die Tiefe der Grabungen an.

Das Brunnenhaus der Pirene, Korinth

Korinth war eine Brunnenstadt; wenn man den dürstenden attischen Boden kennt, so überrascht dieser Ort vor allem durch seinen sprudelnden Wasserreichtum. Links von der flachen Marmortreppe geht es zu dem berühmten Quellhaus der Pirene hinab, das von der ursprünglichen sechsfachen Brunnengrotte durch den wachsenden Prunksinn allmählich zum kellertiefen Wasserpalast erweitert wurde; den umkleidete der grossspurige Herodes Attikos, der sein Gold über alle Griechenstädte ausstreute, zuletzt noch ganz mit Marmor. Das Wasser der Pirene entspringt hoch oben auf Akrokorinth und tränkt die neue Stadt wie einst die alte. Ein reizender Anblick muss das gewesen sein, als es noch aus all den zerstörten Nischen und Kanälen in das grosse, mit Säulen geschmückte Hauptbecken plätscherte! Rechts von den Propyläen umschliesst eine mit Triglyphen verzierte Marmorbalustrade ein zweites kleineres Brunnenhaus, zu dem man geheimnisvoll auf sieben Stufen unter den Boden hinabsteigt.

Marktplatz von Korinth mit Triglyphenbrunnen, rechts Apollontempel und der stehen gelassene Erdkegel

Noch weiter rechts führt der Weg zu einer langen Flucht von aneinanderstossenden Verkaufsgewölben, wovon eines in ganzer Höhe erhalten ist. Man ahnt die Pracht der Teppiche und Goldkleinodien und 148 was sonst an Erzeugnissen einheimischen Kunstfleisses und an überseeischen Handelsartikeln in diesen Läden zum Verkaufe auslag. Zwischen ihrer Rückseite und dem hier senkrecht anschliessenden grünen Hügel mit den stämmigen Tempelsäulen zwängt sich noch eine schmale, strassenlange Säulenhalle ein, die bei schlechtem Wetter einen angenehmen Spazierweg gebildet haben mag und die durch ihre Enge sofort die Vorstellung von dem Reiz des antiken Strassenverkehrs, wo jeder jeden kannte, hervorruft. Auf diesem niederen Bühl, der mitten im Strassengeflechte seine natürliche Gestalt behalten hat, thronen stadtbeherrschend, die sieben aufrechten Säulen mit ihrem Gebälke, die der Phantasie genügen, um den ganzen Tempel darin zu sehen. Eine schmale Steintreppe führt hinauf. Wie wohltuend der lebendige grüne Hügel als Träger des Heiligtums, wo wir Heutigen gleich alles ebnen und überpflastern! Von oben sieht man die ganze Marmorwüste im weissen Glaste stumm und geisterhaft ausgebreitet. Es ist eine Stimmung, die dem einsamen Beschauer fast den Atem nimmt. Eine Stadt, die mit ihren Strassen und Plätzen, ihren Brunnen und Gewölben wieder an die Sonne tritt, sieht uns doch noch mit ganz anderen Augen an, als ein einzelner Palast oder eine Tempelruine. In der engen Halle da unten könnte die Braut von Korinth im weissen Schleier und Gewand vorüberhuschen. Zum grösseren Teil sind es Reste der von Cäsar gegründeten Römerstadt, denn das griechische Korinth, das als Ephyra seinen Ursprung auf den schlauen Sisyphos zurückführte, war ja durch den Handelsneid der Römer mit Feuer und 149 Schwert ausgetilgt worden, und ausser dem hochgelegenen Apollontempel hatte die rasende Flamme nur wenige Griechenwerke verschont. Der grosse Julius glaubte wohl die Tat zu sühnen, als er hundert Jahre später seine Kolonisten auf dem entweihten Boden ansiedelte und die Mauern der Stadt wieder aufrichtete. Aber was half das den unglücklichen Abkommen der echten Korinther, die als Sklaven in alle Welt verschleppt waren?

Der Glaukebrunnen, Korinth

Geht man von den Säulen des Apollontempels in der Richtung nach Akrokorinth weiter, so kommt man zu dem geheimnisvollen, aus einem freistehenden mächtigen Felsblock gehauenen Quellhaus Glauke, so genannt nach der unglücklichen Braut des Jason (die anderwärts Kreusa heisst), weil die Aermste vor dem fressenden Feuer des Brautgewandes, das ihr Medea gesandt hatte, in den Fluten dieses tiefen Brunnens Rettung suchte. Ganz nahe dabei wurde in alten Zeiten das Grabmal gezeigt, in dem die Kinder der schrecklichen Kolcherin liegen sollten. Gerne wüsste man auch, wo das Grab des Bellerophontes war, des Stadtheros von Korinth, der mit Athenes Hilfe den Pegasus gezäumt und mit ihm in den Olymp zu reiten gesucht hat. Und sein Erzbild mit dem Flügelross, aus dessen Huf ein Brunnen sprang zur Erinnerung an die Sage, dass der Pegasus das Wasser der Hippokrene aus dem Boden gestampft habe. Die Agora, auf der ein Wald von Statuen und die meisten Tempel standen, ein grosser Teil der Strassen und die beiden Vorstädte stecken noch in der Erde. Wer weiss, was der unausgehobene Boden für Schätze bergen mag.

150 Allzulange hat uns das Spukbild des alten Korinth festgehalten. Der lange Frühlingstag beginnt sich zu neigen, als wir nach Akrokorinth aufbrechen, und die venezianischen Mauern über den rötlich-grauen Felsenschroffen sind nicht so nahe, wie sie scheinen. Zuerst führt der Weg über hängende, blumige Matten, tritt dann bei einem schönen Quellhaus, das in den lebenden Felsen gehauen ist, in die öde Steinregion und windet sich an baumlosen, fast senkrechten Bergflanken hin, in deren Schründen nichts mehr wächst als die starkduftenden Asphodelen und mannshohe Euphorbien mit ganz unwahrscheinlichen Riesendolden. Scharfer Seewind weht über die Bucht von Korinth herüber, die in leuchtender Bläue vor unsern Füssen liegt, durch die hornartig vorspringende Halbinsel Perachora von dem grossen Korinthischen Meerbusen abgetrennt. Auch Helios, der erste Herr des Berges, hat trotz der vorgerückten Stunde noch bedeutende Macht, obwohl er nach der Sage seine Rechte an Aphrodite abgetreten hat, die nach ihm hier oben mit dem Schwarm ihrer gefälligen Priesterinnen die weltbekannte lockere Wirtschaft führte. Mir zwar ist er ein alter vertrauter Freund, der mir kein Leides tut, aber auf den Kyrios, der seine Tage im grimmen Norden verbracht hat, richtet er seine giftigsten Pfeile, und ehe das unterste Festungstor erreicht ist, bereitet er sich schon zum Niedergang. Hier aber beginnt erst der steilste Aufstieg zwischen den mächtigen mittelalterlichen Festungswerken nach dem Gipfel, wo sich der ungeheure Abgrund des Raumes auftut. Nach keinem Gipfel der Erde hat sich jemals meine raumhungrige Seele wie 151 nach diesem gesehnt. Das Auge möchte zum Adler werden, der von einem Meere zum andern seine Kreise zieht, der an den nackten Bergmauern der Argolis und den hohen Schneegipfeln der arkadischen Kyllene hinschwebt und über der blauen Fläche des gebirgumschlossenen korinthischen Busens ruht. Es möchte den dunklen Kithäron und den nackten, kühnen Helikon überfliegen, auf dem königlichen Schneehaupt des Parnassos rasten und sich dann rückwärts zum Saronischen Meerbusen wenden, um noch mit dem letzten Tageslicht die Inseln Aegina und Salamis und die lange attische Halbinsel bis hinab zum Kap Sunion zu ereilen. Aber die ungeduldige Sehnsucht ist machtlos gegen die Notwendigkeit, sie kann den Sonnenrossen, die sich geneigt haben, nicht in die Zügel fallen und sie weiss ja, dass der Weg noch weit ist und dass uns beim Abstieg in der steinigen Oede die mondlose Nacht nicht überraschen darf. Also soll es uns versagt sein, von der höchsten Spitze von Akrokorinth halb Griechenland mit einem Blicke zu umfassen, und wenn das Auge seinen Durst gestillt hat, den des Gaumens am oberen Pirenequell zu löschen, der so köstlich frisch und durchsichtig wie Luft ist, weil ihn der Stromgott Asopos dem schnöden Sisyphos geschenkt hat zum Lohn, dass dieser ihm die Liebschaft seiner Tochter mit Zeus verriet, wofür der Gottlose im Hades die verdiente Strafe leidet? Wenigstens suchen wir über eine Einsattelung hinweg noch den niedrigeren, gleichfalls befestigten westlichen Gipfel zu erreichen – Pente Skuphia heisst er –, zu dem ein fast ebener Weg unterhalb des ersten Tores von Akrokorinth hinüberführt; nun aber türmt 152 sich südlich von diesem eine höhere Kuppe, die Skona, auf, die den Blick auf den Saronischen Busen versperrt.

Und jetzt heisst es schleunigst umkehren, ehe uns das heilige Dunkel ganz umschattet. In der Abendkühle geht der Abstieg leicht vonstatten, und nach einem glücklich abgelaufenen Abenteuer mit zwei jungen Stieren, die in der Hitze ihres Durstes beinahe die gleichfalls durstige Kyría von dem schöngefassten Bergquell am Abhang in die Tiefe gestossen hätten, kehren wir wohlbehalten nach Alt-Korinth und von da im Wagen in die neue Stadt mit ihren Platanenalleen zurück, wo uns im Gasthof ein schmackhaftes Abendbrot und ein sehr reinliches Nachtlager erwartet.

Aber näher zu euch, wo eure Haine noch wachsen,
Wo sein einsames Haupt in Wolken der heilige Berg hüllt,
Zum Parnassos will ich

singt Hölderlin, und dorthin wollen auch wir.

Da jedoch der Hagios Joannes, der uns nach Itea bringen soll, nicht am diesseitigen Ausgang des Kanals in dem neugegründeten Poseidonia, sondern drüben an der Ostküste anlegt, müssen wir zuvor von Korinth aus den ganzen Isthmus im Wagen durchqueren, um hernach dieselbe Strecke noch einmal im Kanal zurückzulegen.

Am hellen windigen Morgen geht die Fahrt zwischen ebenen Aeckern und rotglühenden Mohnfeldern über die schmalste Stelle der Landenge der Richtung der alten Mauern nach, die einst den Peloponnes gegen 153 den herandrohenden Xerxes schützen sollten. Der Kutscher fährt uns nahe zu den erhaltenen Resten, damit wir aussteigen und sie besichtigen können. Hier war auch die von Theseus gezogene Grenze zwischen dem Gebiet des jonischen und des dorischen Stamms. Wohnstätten sahen wir keine; der windgefegte Isthmus hat etwas Oedes und Unwirtliches. Nur einmal begegnete uns ein Trupp barfüssiger Burschen und Mädchen, die letzteren, wie überall, mit verhülltem Munde. Aber wundervoll ist der Rückblick auf die hohe, jetzt rötlich schimmernde Felsenburg und auf die blaue, von Bergen herrlich umzirkte Bucht von Korinth.

Nach einer Stunde Wagenfahrt senkt sich der Weg im Anblick des Saronischen Golfes jählings in einen holprigen und gedrangen Engpass, der hart am Rand einer tiefen grünen Mulde hinläuft: hier war der Schauplatz der isthmischen Spiele, das einstige Stadion im heiligen Bezirk, wo der Kampf der Wagen und Gesänge stattfand; nur an der regelmässigen Gestalt erkennt man in der langen, von Bäumen bewachsenen Wiesensohle die einstige Rennbahn.

Wir eilen, unser Gepäck unter dem Schutze des Publikums am Landungsplatz von Isthmia niederzulegen und erkundigen uns dann nach der genauen Lage der Heiligtümer. Schmerzlich vermissen wir hier die Liebenswürdigkeit und Aufgewecktheit der attischen Bevölkerung, die uns beim Aufsuchen der alten Stätten immer so freundlichen Vorschub geleistet hat. Wohin sich der Kyrios mit seinem besten Neugriechisch wendet, da blickt ihm aus den unbeweglichen Mienen ein stumpfes 154 ›Kannnitverstahn‹ entgegen, bis ein paar Weiber mit gleichzeitiger Erleuchtung eine Nachbarin herausklopfen, die das Orakel von Isthmia zu sein scheint. Diese Frau, aus deren lebendigen Augen ein attisches Feuer strahlt, versteht das Griechisch des Kyrios, versteht was wir wollen und gibt uns einen Jungen mit, der uns zu den heiligen Orten führen soll. Der versieht sich mit einem zweiten Jungen zum Beistand und beide schleppen uns wohl eine Stunde lang hinter dem hochliegenden kleinen Kirchlein des Hagios Joannes hügelauf und -ab. Doch bei allem Suchen kommt nichts weiter zum Vorschein als die obersten Sitzreihen des Theaters, jene höchsten Stufen, von denen die Mörder des Ibykus den Kranichzug vorüberfliegen sahen. Vom Tempel des Poseidon, dem der Isthmus geweiht war, von dem unterirdischen Heiligtum des Meergottes Palämon, für den Theseus die isthmischen Spiele gestiftet hatte, zeigt sich keine Spur, und an den ehrwürdigen Fichten-, d. h. Pinienhain, dessen Zweige die isthmischen Sieger krönten, erinnern nur wenige verstreute Kiefern, wie sie überall auf korinthischem Boden wachsen.

Ganz erhitzt und atemlos finden wir uns endlich auf dem Landungsplatz wieder ein, haben aber noch eine geraume Weile zu warten, bis vom Piraeus her der Hagios Joannes in Sicht kommt, denn einen Fahrplan gibt es nun einmal nicht in Griechenland, für die Schiffahrt so wenig wie für die Eisenbahn. Dann werden wir mit dem Pascha aus Epidauros, der auch wieder da ist, und seinem weissen und schwarzen Gefolge zusammen in ein Motorboot gepackt und weit draussen auf der dunklen 155 starkbewegten See auf den Dampfer befördert, der vor der Mündung des Kanals liegt und uns erst aufnimmt, nachdem der Obolus für die Durchfahrt entrichtet ist.

Kanal von Korinth

Scharf und peinlich gerade, als wäre er mit dem Rasiermesser geschnitten, klafft der Kanal wie eine offene Wunde. Er ist so geradlinig, dass man von einer Mündung in die andere blickt, und so eng, dass man bei der Einfahrt anzustossen glaubt. Grosse Schiffe können hier nicht fahren, darum nehmen die Lloyddampfer nach wie vor den Umweg um den Peloponnes. An beiden Endpunkten sind Leuchttürme errichtet, und Laternen begleiten ihn auf seinem ganzen Lauf; auch ziehen sich zu beiden Seiten schmale Wege hin. An den nackten gähnenden Wänden, deren Höhe ganz beträchtlich ist, sprosst schon da und dort ein Baum oder grünes Buschwerk; die Natur bemüht sich, die Gewalttat des Menschen zu verdecken, die vielleicht später nur noch an der widernatürlich geraden Richtung kenntlich sein wird. Bei längerem Aufenthalt hätten wir uns gewiss zuvor die Punkte angesehen, wo die wiederholten Durchstichversuche der Alten noch zu erkennen sind. Sie konnten mit ihren ungenügenden Mitteln gar nicht einmal bis auf den Felsgrund kommen, so schwer ist es dem Menschen, sagt der alte Pausanias bei diesem Anlass, göttliche Einrichtungen mit Gewalt zu ändern. Was würde er für Augen machen, stände er jetzt da oben am Rand und sähe, wie unser Hagios Joannes sich durch den blauglänzenden Engpass langsam und vorsichtig dem andern Meere nähert, während die Stewards uns an Bord die Mahlzeit auftragen.

 

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