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Wanderjahre in Italien

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 80
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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Das Bourbonenschloß Caserta

1866

Eine halbe Stunde vor Neapel hält der römische Eisenbahnzug wenige Minuten bei Caserta. Orangenduft weht dem Reisenden aus offenen oder versteckten Gärten entgegen, während er mit Verwunderung auf die gewaltige Barock-Fassade eines Prachtschlosses in unmittelbarer Nähe der Station blickt. Wenn er des Landes nicht kundig ist, ahnt er kaum, daß dieses Schloß wie eine riesige Kulisse eine ganze belebte Stadt seinem Blicke fast verbirgt; er erinnert sich flüchtig an die jetzt vertriebene Dynastie, welche vor mehr als hundert Jahren diesen Luxusbau errichtet hat, und rollt durch das blühende Land voll Ungeduld weiter nach dem großen Neapel.

Der Palast von Caserta verdient aber doch einen Besuch. Er galt am Ende des 18. Jahrhunderts als einer der großartigsten und schönsten Europas, und noch spiegelt er die letzte Epoche des absoluten Königtums ab, dessen bourbonisches Prinzip gewesen war: «tel est mon bon plaisir.» Alle durch Größe und Pracht berühmten Residenzen von Königen gehören den Zeiten vor der Französischen Revolution an, zumal der Epoche Ludwigs XIV. und XV.

Als Karl III. von Bourbon, der Stifter des letzten Herrscherhauses von Neapel, dessen einzige Zierde er war, das Schloß Caserta zu bauen unternahm, gab es schwerlich eine Stimme, die ihn nutzloser Verschwendung anklagte, sondern jedermann pries ihn, weil er ein Denkmal des Friedens, der Künste und des Glanzes der neapolitanischen Monarchie erschuf, womit er selbst die Bauwerke von Versailles und das berühmte Schloß La Granja, welches sein eigener Vater Philipp V. im Jahre 1716 erbaut hatte, zu überstrahlen gedachte. In der Tat war es dieser Wetteifer, der den ehrgeizigen König trieb, die Schlösser von Portici, Caserta und Capo di Monte zu errichten, da die Residenz in Neapel selbst schon seit Philipp III. bestand, und er ihr nur das große Theater San Carlo hinzufügen konnte.

Der Baumeister Casertas war Luigi Vanvitelli, welchen Karl aus Rom kommen ließ, während sein eigener berühmter Architekt Carasale, durch den er jenes Theater San Carlo hatte erbauen lassen, mit Undank belohnt oder wegen begünstigten Unterschleifs im Castel San Elmo gefangen saß, wo er im Elend starb. Der König Karl begann den Bau des Schlosses im Jahre 1752; er vollendete ihn nicht; er bestieg im Jahre 1759 den spanischen Thron und übergab das Königreich Neapel seinem Sohne Ferdinand IV., welcher den Palast Caserta weiter baute. Der materielle Bau kostete die Summe von sieben Millionen Dukaten, ungerechnet die innere Ausrüstung durch Möbel und Kunstgegenstände.

Das riesige Bauwerk, 780 Fuß lang, 125 Fuß hoch, mit vier Höfen, mit kaum zählbaren Gemächern, wirkt durch seine imposante Masse, durch die Großartigkeit der Anlage, die durchgehende Klarheit und Sicherheit, die Ruhe und das Ebenmaß der Verhältnisse. Dies ist freilich alles, was man zum Lobe seiner Architektur sagen kann. Es ist ein weiter Abstand von Bramante und Palladio zu Vanvitelli; was dazwischen liegt, die Blüte der Rokoko-Periode mit ihrer Überladung, aber auch mit ihrer wunderbaren Fülle, ist hier abgetan, und die uniforme Nüchternheit der modernen Zeit kommt zur Darstellung. Es ist das Genie der Prosa, ein geheimnisloser nackter Verstand, ins Große gehend.

Das Schloß Caserta konnte schwerlich durch das Leben des neapolitanischen Hofes jemals ganz erfüllt werden; es hätte dazu des Glanzes der spanischen oder französischen Monarchie bedurft. Bald genug, nach dem Ausbruche der Französischen Revolution, wurde dieser ungeheuere Palast das sorgenvolle Sanssouci des Königshauses unter Stürmen von Empörung, Krieg und Restauration voll quälerischer Despotenfurcht und schlaflosem Argwohn.

Heute ist hier alles tot und leer. Die langen Reihen der Fenster sind mit grauen Jalousien geschlossen; kein Kerzenschein flimmert aus den Prunksälen am Abend; kein Ton erschallt; keine Karosse fährt durch das hohe und prachtvolle Portal. Nur zwei Soldaten unter Gewehr wandeln dort auf und ab. Sind sie die respektvolle Ehrenwache für ein großes Monument der geschichtlichen Vergangenheit, welche die Gegenwart ausgelöscht hat? Nein! Sie hüten dies unbrauchbar gewordene Bauwerk für den neuen Besitzer, welcher wahrscheinlich niemals dort wohnen wird. Es könnte die Briganten, die auf dem Monte Taburno lagern, gelüsten, nächtlicherweile herabzusteigen und in den Gemächern des Schlosses nachzusehen, ob ihr legitimer verjagter König dort einige Kostbarkeiten für sie zurückgelassen hat.

Im Innern des Portals und des Bogenganges, welcher die ganze Tiefe des Schlosses zwischen den Höfen durchzieht und geradezu auf den Park führt, sitzen Kustoden schläfrig auf Stühlen; sie haben nichts mehr zu tun. Die Schildwache vor der Hauptwache erlaubt dem Neugierigen, auch wenn er nicht mit einer Eintrittskarte aus der Präfektur versehen ist, diese großartige Treppe bis zum obersten Aufsatz zu besteigen.

Das Treppenhaus in Caserta, hoch und luftig, bequem und glanzvoll, mit Säulen, Gemälden, Stukkaturen überreich ausgestattet, ist der Musterbau dieser Art; keines der berühmten Treppenhäuser in Palästen Italiens kann mit ihm wetteifern. Die Scala regia Berninis im Vatikan weicht ihm wenigstens in Eleganz. Über diese glänzenden Marmorstufen und durch die strahlende Vorhalle von dorischen Säulen aus sizilianischem Stein hätten sich Könige und Königinnen des größten Reichs mit ihrem Troß von Kavalieren und Hofdamen gehobenen Gefühls auf- und abbewegen können, zu Festen in den Sälen, zum Lustwandeln im Park, zu den Jagden und Spazierfahrten. Für den neapolitanischen Hof war all diese Pracht doch zu groß, auch in der Zeit der Königin Karoline. Ich glaube, daß hier rechte volle Lebensfreude niemals geherrscht hat, daß sich hier der Hof der Neapolitaner gelangweilt hat. Die Ebene Casertas ist einförmig, und es fehlt das Meer.

Ein Gefühl langweiliger, geistloser Leere ergreift den Besucher in den Prunkgemächern und Sälen, wo nichts als genial und bedeutend sich bemerkbar macht. Nur der Reichtum an dem herrlichsten Marmor jeder Art macht erstaunen.

Als das Schloß begonnen wurde, waren Herkulanum und Pompeji aufgefunden worden. Manches antike Material wanderte nach Caserta hinüber, eine Menge von Säulen gab der Serapistempel von Pozzuoli für das Schloß her. Mosaizisten, Maler, Holzschneider, Stukkaturarbeiter strengten sich an, diesen königlichen Palast zu einem Museum aller Künste damaliger Zeit zu machen. Aber die Malereien von Bonito, Mengs, Hackert und andern Meistern, die damals Größen waren, sind heute nicht mehr genießbar.

Als Goethe Caserta besuchte, wo er sich zwei Tage lang aufhielt, fand er dort Hackert, der im Auftrage des Königs Gemälde ausführte, während Tischbein an dem Porträt der schönen Miß Emma beschäftigt war. Sein Urteil über den Palast ist vollkommen zutreffend; er fand ihn ungeheuer, escorialartig, königlich, aber unbelebt und durch seine leeren Räume unbehaglich. Manche Teile des Innern waren damals erst im Entstehen begriffen; einige sind sogar heute unvollendet geblieben.

Ich fragte in Caserta, wozu man dieses Riesenschloß zu verwenden beabsichtige, und jedermann war in Verlegenheit mir darauf Antwort zu geben. Die Umwälzung Italiens hat überhaupt die Folge gehabt, daß eine große Zahl zum Teil kolossaler königlicher Gebäude leer und inhaltslos an den Fiskus gekommen sind, ohne daß man weiß, was mit ihnen anzufangen sei. Die entthronten Fürsten haben eine ganze Reihe von Palästen, Residenzen und Lustschlössern zurückgelassen. Was soll damit geschehen? Wodurch kann das gigantische Schloß von Parma ausgefüllt werden? Auch die vom Staate nicht mehr anerkannten Orden lassen in Italien viele burgähnliche Abteien und Konvente leer. Womit sollen diese großen, oft prächtigen Bauwerke, in deren Zellen und Höfen schon jetzt die Spinne webt und das Gras wächst, wieder belebt werden? Sie stehen obenein meistenteils an abgelegenen, oft mühsam zu erreichenden Orten, also außerhalb des Verkehrs.

Zu diesen Monumenten einer abgestorbenen Zeit werden sich auch manche Kirchen gesellen, denn die Zahl der Gotteshäuser ist größer, als das Bedürfnis der Gegenwart und Zukunft sein kann. So viele Hunderte von verlassenen, großen Bauwerken können schwerlich mehr durchweg für die Zwecke der modernen Gesellschaft dienstbar gemacht werden, denn es gibt schon Museen, Hospitäler und Kasernen mehr als genug.

Mancher Bauten wird sich die Industrie bemächtigen können, wie es bereits geschehen ist und geschieht. Das einst prachtvolle Schloß der Prinzen Ludovisi in Sora ist heute für eine Tuchweberei eingerichtet. Die Zentralisation Italiens, der Fall der ehedem mit fürstlichen Rechten ausgestatteten Kirche und die Aufhebung ihrer geistlichen Korporationen wird demnach dieses Land um die dritte ansehnliche Ruinenmasse vermehren. Zu den Monumenten des Altertums und der früheren wie späteren Feudalzeit werden sich die Trümmer des Kleinfürstentums und der Kirche gesellen.

Die Zeit hält in bestimmten Epochen ihr Scherbengericht, welchem nichts entrinnen kann. Sie hat das Privilegium des Vandalismus, auch ohne daß sie mit gewaltsamer Hand zerschlägt. Sie raubt den Denkmälern der Architektur, die einst lebensvolle Produkte der menschlichen Gesellschaft waren, das Bedürfnis der Gegenwart, welches ihre Seele ist, und sie zerfallen dann, wie ein toter Körper zerfällt. Das Gesetz des moralischen Unterganges der Menschenwerke hat freilich und glücklicherweise seine Ausnahmen; das Pantheon Agrippas steht noch heute aufrecht; es verdankt seine Rettung der Kirche, die es in ihren Dienst zog. Wir wollen hoffen, daß die Italiener Patriotismus genug besitzen werden, um die prachtvollen Abteien von Monte Cassino, Pavia, San Martino und andere Denkmäler der Kunst noch für lange Zeit zu erhalten. Auch Caserta dürfte solchen Schutz beanspruchen.

Zu einem Schloß gehört auch ein Park. Man wird von einem solchen im sonnigen Lande Neapels, in einer durch ihre Schönheit berühmten Natur alle Fülle und allen Zauber des Südens erwarten, doch man findet nichts davon im Parke Casertas. Er stimmt in seinem Charakter durchaus zu der imposanten Einfachheit des Palastes, und vielleicht machte gerade dies den mächtigsten Eindruck: ein ungeheures Feld zu den Hügeln des Hintergrundes aufsteigend, durchschnitten von einem breiten Wege, der Länge nach daneben von einem Wasserkanal durchflossen. Dieser fällt von der Höhe herab in Kaskaden, bildet sodann Teiche, die von Marmorgruppen in edler Einfachheit verziert sind, und wird wieder zum Flusse, welcher endlich unterirdisch fortströmt, um als Wasserleitung in Neapel auszumünden.

Der Wassersegen, den diese große Stadt empfängt (er ist freilich nicht ausreichend), ergießt sich demnach aus dem Füllhorn jener königlichen Ubertas, welche diesen Prachtpalast erschuf, aber ihn doch zugleich mit dem öffentlichen Wohle der gesamten Residenz in Verbindung brachte und dadurch den Egoismus seines Ursprungs minderte. Es ist bekannt, daß diese karolinische Wasserleitung aus dem Berge Taburnus durch das kühne großartige Brückenwerk von drei Bogenreihen übereinander über dem Tale Maddaloni nach dem Garten von Caserta geführt ist. Dieser Ponte alla Valle ist unter dem Könige Karl von Vanvitelli erbaut worden und hat so viel gekostet als der Palast selbst, nämlich sieben Millionen Dukaten.

Nichts belebt die Buschwerke und Alleen des Parks, oder die großen Wiesenflächen, als zahllose Fasanen. Da sie alle von derselben braunen Farbe des Gefieders sind, so vermehren sie noch den Eindruck der Monotonie des Ganzen. Über diese armen Geschöpfe legitimistischer Abkunft ist neuerdings eine fatale Seuche hereingebrochen, so daß sie zu Hunderten abstarben, die unschuldigsten von allen Höflingen der Bourbons. Es gibt im Park auch manchen schönen Versteck, kleine Anlagen, Meiereien, Kioske, ein Rokokoschlößchen im Wasser und dergleichen Lieblingspartien der Königin Karoline. Ich verdankte die Kenntnis davon nicht dem Kustoden, sondern einem Turiner Offizier, der vom Schlachtfelde von Custozza in seine Garnison nach Caserta zurückgekehrt war und meinen Führer machte.

Ein paar Millien vom Schloß entfernt liegt der Hügel von S. Leucio; er verdankt seine Berühmtheit einer philanthropischen Anwandlung des Königs Ferdinand IV., welcher dort eine Musterkolonie zu gründen beschlossen hatte. Sein Edikt vom Jahre 1789, dem Jahr der Französischen Revolution, beginnt wörtlich so: «In der großartigen Wohnung von Caserta, welche mein erlauchter Vater begann, und die ich fortsetzte, fand ich nicht die Stille und Einsamkeit, welche ich für das Nachdenken und die Erholung des Geistes bedurfte, sondern nur eine andere Stadt mitten in der Campagna, mit denselben Ideen des Luxus und der Pracht einer Hauptstadt. Ich suchte daher einen abgelegeneren Ort, gleichsam eine Einsiedelei, und ich fand dazu den Hügel von S. Leucio wohl geeignet.» Man erwäge dies Selbstbekenntnis eines Königs – was war Caserta schon damals? Ein verfehltes Sanssouci, wohin dem Monarchen, der damals noch, trotz seiner plebejischen Grundnatur, einige höhere Impulse von außen erhielt, der ganze Bacchantenzug des großen Hoflebens auf den Fersen folgte. Der König also, der sentimentalen Mode der Zeit Rechnung tragend, bedeckte jenen Hügel mit Gebäuden und Fabriken, und setzte in diese eine Kolonie von 31 Familien, deren Pflicht es war, glücklich zu sein. Er gab ihnen einen Kodex ikarischer Gesetze, an deren Spitze die völlige Gleichheit aller geschrieben stand. Sie trugen alle das gleiche Kleid; sie hatten nicht Unterschied von Stand und Rang. Die Familienhäupter wählten Älteste, ihre Magistrate für ein Jahr und ihre Richter in Zivilsachen. Die Ehen wurden durch freie Wahl geschlossen; es gab kein Heiratsgut; der König setzte die neue Familie in ein neues Haus und versorgte sie mit allen Werkzeugen, deren ihre Handarbeit bedurfte. Die Testamente waren abgeschafft. Das Gut des Erblosen fiel der Gemeinde zu. Alle Kinder mußten Schulunterricht genießen; außerdem wurde jedes nach Talent und Neigung in einer Kunstfertigkeit ausgebildet.

Der König hatte diese Verfassung für seine Kolonie mit eigener Hand geschrieben, und er schloß sie mit diesen Worten: «Ich gebe euch diese Gesetze, Bürger und Kolonisten von S. Leucio; beachtet sie und ihr werdet glücklich sein.» Wenn man sich Ferdinand IV. zehn Jahre nachher vorstellt, fraternisierend mit Blutmännern, Brigantenchefs und einem Kardinal Ruffo, in der Mitte des schrecklichen Pöbels von Neapel als Lazzaronikönig, gefühllos bei dem Anblick des Leichnams des Herzogs Carracciolo, befriedigt durch das Blut der edelsten Männer, eines Cirillo und Pagano und so vieler anderer, so wird man Mühe haben zu glauben, daß es derselbe Monarch war, welcher die Republik freier, gleicher und glücklicher Bürger von S. Leucio gestiftet hatte. Und doch war sie sein Lieblingswerk gewesen und hatte seinen Namen in ganz Europa verherrlicht. Das war in Wahrheit die wunderbarste Eroberung, welche die französische Philosophie Voltaires und Rousseaus, welche überhaupt die Philosophie jemals seit den Tyrannenbändigern des Altertums gemacht hat. Schon dies war wunderbar, daß ein König wie Ferdinand IV., der sich damit vergnügte in einer Garküche als Koch verkleidet aufzutreten, überhaupt nur zu der Vorstellung kam, daß es so etwas wie «Nachdenken» gab. Die berühmte Kolonie S. Leucio also war für das Gefühl des Königs eine Art von philanthropischem Treibhaus neben seinem Palast zum Zeitvertreibe, wo der launische Despot die seltensten aller Geschöpfe auf Erden erziehen wollte, nämlich Menschen, die wirklich glücklich sind.

Das utopistische Problem wurde im ganzen gelöst; die Kolonisten arbeiteten, namentlich in Seide, und sie mehrten sich. In einigen Jahren verdoppelte sich ihre Zahl. Der Geschichtschreiber Colletta, welcher dies seltsame Phänomen in die Geschichte der Meinungen seiner Zeit aufgenommen hat, rühmt ihr Gedeihen, bis auch diese stille Gemeinde in den Strom der Revolution und der Parteileidenschaften hineingerissen wurde. Ihre Gesetze gingen unter; doch der bewohnte kleine Ort mit einem Kasino des Königs und noch tätigen Seidenfabriken besteht.

Ich bedauere es, daß ich ihn zu besuchen verhindert wurde – durch die Briganten, welche dort streifen. Diese bourbonischen Ritter vom Busch waren auch schuld, daß ich nicht zu der alten Stadt Caserta hinaufgelangte. Sie liegt nämlich mehrere Millien entfernt auf einem felsigen Höhenzuge über der modernen Stadt, halb in Ruinen, doch nicht ganz verlassen. Noch steht in mächtigen Trümmern das alte Grafenschloß der Gaetani von Rom. Denn diese erhielten einst in der Zeit, da Bonifacius VIII. den heiligen Stuhl bestieg, vom zweiten Anjou die Grafschaft Caserta zum Lehen. Sie blieb ihrem Hause bis zum Jahre 1750, wo sie Karl III. dem Herzoge von Sermoneta-Gaetani abkaufte, um sein Schloß anzulegen. Die alte Burg mag noch langobardischen Ursprungs sein; ihr mittelalterlicher Name ist Casa Erta, das steile Haus.

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