Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ferdinand Gregorovius >

Wanderjahre in Italien

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 76
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
Schließen

Navigation:

Es war in den letzten Tagen des August 1268, nach der verlorenen Schlacht bei Tagliacozzo, als über diesen Strand gesprengt kamen fliehend und angstvoll der junge Konradin, Friedrich, Prinz von Österreich, der Graf Galvan Lancia mit seinen Söhnen und die beiden Grafen della Gherardesca, Verwandte des unglücklichen Ugolino von Pisa, welchen Dante unsterblich gemacht hat. Sie waren von Rom gekommen, denn so erzählt der Chronist Saba Malaspina, daß sie nach der Schlacht in jene Stadt geflüchtet waren, wo Guido von Montefeltre als Vikar des Senators Heinrich von Castilien zurückgeblieben war. Konradin war dort eingezogen «mit abgelegtem Pomp der Macht, nicht wie ein Oberhaupt, sondern wie einer, der seine Beute im Stich gelassen und entflohen war, heimlich, verstörten Sinnes» («latenter ingreditur mente captus»). Aber zugleich waren seine Feinde Johann und Pandolf Savelli, Berthold und viele Guelfen vom Schlachtfeld her nach Rom gekommen und wiegelten die Stadt auf: da rieten dem Jüngling seine Freunde, schnell zu entfliehen. Sie flohen gegen das Meer, um von dort Pisa zu erreichen und dann nach Sizilien zu gelangen. Sie suchten ein Schiff, das sie fortbrachte: die Leute im Schloß Astura gaben es ihnen, und also stachen sie in See. Aber Johannes Frangipani, der Herr von Astura, erhielt davon Kunde, und indem er aus den Kleinodien, welche Konradin hergegeben hatte, erkannte, daß die Flüchtlinge vornehme Herren seien, bemannte er sogleich ein anderes Schiff, setzte ihnen nach und führte sie in das Schloß zurück. Vergebens beschwor ihn Konradin, ihn und die Seinigen durch die Flucht zu retten, sie nicht in die Hände des blutgierigen Karl zu liefern; er mahnte ihn an die Dankbarkeit, die er dem Schwabenhause schulde, denn die Frangipani hatten vom Kaiser Friedrich große Lehen und Johann selbst den Ritterschlag erhalten. Konradin versprach ihm den reichsten Lohn; es heißt, er verpflichtete sich sogar, Frangipanis Tochter seine Hand zu geben. Der Herr von Astura schwankte, vielleicht gerührt von der Jugend, von der Anmut und dem Unglück Konradins, hauptsächlich aber, wie auch die Chronisten sagen, ungewiß, wo er größern Gewinn zu ziehen habe, von Konradin oder von Karl von Anjou.

Während sie so im Schloß hin und her unterhandelten, erschien Robert von Lavena, Kapitän der Galeeren Karls, vor dem Kastell und forderte Frangipani auf, ihm die Flüchtlinge auszuliefern. Saba Malaspina erzählt, daß Frangipani diese Unglücklichen in ein anderes Kastell in der Nähe gebracht habe, um nicht wider seinen Willen und ohne Ausbedingung des Lohns von Robert zur Überlieferung Konradins gezwungen zu werden. Aber dies Kastell wird nicht benannt.

Bald darauf erschien auch von der Landseite der Kardinal Jordan von Terracina, Rektor der kampanischen Grafschaft für den Heiligen Stuhl, mit Volk zu Fuß und zu Roß vor Astura und forderte die Auslieferung. Da gab der feige Verräter die edeln Herren, welche das Gastrecht bei ihm angesprochen hatten, um Judaslohn in die Hände der grausamen Feinde. Man führte sie durch den Wald in die Burg oberhalb Palestrina und von dort weiter durch die schönen Gefilde, welche Konradin kurz vorher siegreich durchzogen hatte, nach Neapel. Schon am 29. Oktober fielen die Edeln auf dem Schafott, Konradin zuerst, dann Friedrich, die tapfern Grafen della Gherardesca, der hochherzige Galvan Lancia, der Bruder jener schönen Blanca, welche dem großen Kaiser Friedrich Manfred geboren hatte, und seine beiden jungen Söhne Galeotto und Gherardo, die man in des Vaters Armen zuvor erwürgte.

Am Turm Astura auf dem einsamen Ufer kamen mir wieder alle jene fernen Stätten, welche die Geschichte der Hohenstaufen geheiligt hat, und die ich, Italien durchwandernd, besuchte, in die Erinnerung. Da trat auch vor mich die schöne blondgelockte Gestalt Manfreds vom Feld von Benevent, wie sie Dante erschien mit doppelter Wunde auf Stirn und Brust, und klagte: «I' son Manfredi, Nipote di Costanza imperadrice!» Ich ließ meine Blicke fern über das Meer schweifen, dorthin, wo das schöne Sizilien liegt und unter immer blühenden Gärten jenes alte, berühmte Schloß von Palermo steht, in dem einst Friedrich als Jüngling gelebt hatte, und von wo er dann nach Deutschland gezogen war. In der Erinnerung stand ich wieder im Dome Palermos, in jener Kapelle, wo in blutroten Porphyrsarkophagen Heinrich VI., Friedrich und die beiden Konstanzen ruhen, die Kronen auf dem Haupt und angetan mit der seidenen Dalmatika, deren Saum sarazenische Inschriften verzieren.

Wir gingen ins Schloß. Eine gemauerte Brücke verbindet es mit dem Lande, und eine Zugbrücke führt in das Innere. Aus dem kleinen Hof erhebt sich der achteckige Turm, und oben läuft um ihn her eine Terrasse, auf welcher eine einzige verrostete Kanone stand. Die Besatzung, acht Mann Artillerie, exerzierte eben im Hofraum, und Don Pasquale, Leutnant von Astura, sah von der Terrasse nieder wie einer, der gern irgendwo anders, nur nicht hier sein möchte. Er führte uns in sein kleines Turmgemach; er selbst malt gut und tröstet sich in seiner schauervollen Einsamkeit mit Zeichnen von pompejanischen Arabesken. Der Leutnant sagte uns, daß jeder dieser Küstentürme acht Mann Besatzung habe mit einem Marschall oder Offizier, und daß die Küstenwacht, aus Furcht vor mazzinistischen Handstreichen, nun strenger gehandhabt werde.

Wir besahen die kleinen Räume des Schlosses, traurige Turmzimmer, an deren Wänden die Spinne ihre Netze webt, und in deren Ritzen der Skorpion sich eingegraben hat; aber die Aussicht nach allen Fernen in die grüne Wüste landhinein und in die strahlende Meeresweite, über welche Wanderschiffe dahingleiten, ist ergreifend, ja ich möchte sagen, sie ist berauschend. Es ist ein Turm für einen Barden, hier die Harfe zu schlagen und mit einem Schwanenlied zu sterben, wenn die niedersinkende Sonne das Kap der Circe in Purpur malt. Dann, in dieser sirenischen Stille, wandelt es über das Meer, ein Schein, nicht in Worte zu fassen, ein Geist der Beseligung, ohne Namen; es ist, wie wenn Schlaf und Tod über See schweben, und jenes eilende Schiff, das um das Kap der Circe geisterhaft zu kreisen scheint, trägt vielleicht den Gott des Traumes, welcher Schlummer und Ruhe über die Wellen streut.

In sanften Übergängen wechselt die Stimmung. Wenn das Kap der Circe fort und fort an die homerischen Sagen erinnert und odysseische Gestalten vor die Seele führt, erhebt auch der alte Turm Astura seine Stimme und redet von ebenso großen und tiefsinnigen Sagen. Was verknüpft er nicht mit den Namen der Hohenstaufen und Karls von Anjou aus der Provence! Ehe man es gewahr wurde, ist man schon in den «Parzival» Wolframs von Eschenbach versenkt, und Konradin wird zum Parzival, der in die Welt hinausreitet, die heilige Blutschale des Grals zu finden, Elisabeth von Bayern aber wird zur Herzeleide, zu seiner Mutter, die ihn nicht will ziehen lassen, und so erscheinen Gottfried von Anjou, der Ritter Gawein und Feirefiz, Arthur und Titurel, das Gralschloß im wilden Walde, die Sarazenen, Harfner, Büßer, Pilger und tiefsinnige Weise des Morgenlandes.

Astura ist die Warte der Romantik, der deutsche Poetenturm in Italien. Er gehört den Romantikern wie die Blaue Grotte in Capri. In der Stille habe ich von ihm in ihrem Namen Besitz genommen und dies Sagenschloß für deutsches Nationaleigentum erklärt.

Aus der Zeit der Frangipani blieb nur der Turm allein, alles übrige Gemäuer ist späteren Ursprungs, denn schon ihm Jahre 1286 kamen die Sizilianer, welche den Mord Konradins durch die Vesper an dem Könige Karl so blutig gerächt hatten, unter ihrem Flottenhauptmann Bernardo da Sarriano vor das Schloß, zerstörten es bis auf den Turm und erstachen auch den Sohn Frangipanis. Heute sieht man an der Außenmauer das Wappen der Colonna, denn diese mächtigen römischen Ghibellinen besaßen einst das Schloß. Nach den Frangipani war es Lehn der Gaetani geworden, dann hatten es nacheinander besessen die Malabranca, die Orsini, die Colonna, welche es im Jahre 1594 an Clemens VIII. verkauften. Heute ist Astura ein Besitztum der Borghese.

Aber auch ältere historische Erinnerungen knüpfen sich an dies Astura. Schon vor der Schloßbrücke war mir ein Marmormosaikboden aufgefallen, welchen der Ufersand nur leicht bedeckt, und bald sah ich, daß dies Kastell mitten in den Wellen auf den Fundamenten eines großen römischen Palastes steht, welche noch von allen Seiten, und um vieles umfangreicher als das Schloß, unter der Flut heraufspiegeln oder frei hervorragen. Auf einer Sandbank war dieser Palast aufgebaut; vielleicht nennt deshalb Plinius Astura, die Kolonie Antiums, eine Insel, denn so bezeichnet er den alten Ort als Fluß und Insel. Strabo nennt den kleinen Fluß Storas (Στόρας ποταμός); Plutarch den Ort Astyra (τὰ ’Άστυρα), und er erzählt von einer andern tragischen Flucht, die hier ihre Szene hatte, von jener Ciceros. Fürwahr, meine Leser sollen nicht wenig erstaunen, zu erfahren, wie viel andre dunkle Erinnerungen dies Astura verbirgt, und wie es schon lange vor Konradin ein verhängnisvoller, den Eumeniden geweihter Ort gewesen ist.

Cicero besaß hier eine Villa. Er nennt sie oft in seinen Briefen und schreibt einmal von Astura aus an Atticus: «Est hic locus amoenus et in mari ipso, qui et Antio et Circaeis aspici possit.» (Es ist hier ein angenehmer Ort und im Meere selbst, den man von Antium und Circëi erblicken kann.) Er wohnte gern in diesem Landhaus, das ihm mehr als jede andere seiner köstlichen Besitzungen Einsamkeit und Muße bot. Kurz vor seinem Ende hielt er sich hier auf, ja Astura selbst brachte ihm das Verderben. Als er im Frühling vernahm, daß er auf die Proskriptionsliste gesetzt sei, flüchtete er dorthin; Plutarch erzählt, er habe hier ein Schiff bestiegen, um nach Mazedonien zum Brutus sich zu retten. Aber er schwankte in seinem Entschluß, er kehrte wieder um. Indem er nun nach Rom wollte, das Herz Oktavians zu erweichen, verließ er Astura in der Richtung auf die Stadt, doch nach zwölf Millien kehrte er plötzlich von Furcht bewegt wieder um. Nun ließ er sich in einer Sänfte gegen Gaeta tragen; unterwegs ereilten ihn an einer Stelle, die man noch heute bezeichnen will, nachfolgende Reiter und gaben ihm den Tod.

Wunderbar! Derselbe Oktavian holte sich, wie Sueton erzählt, in demselben Astura den Todeskeim. Er kam hierher vor seinem Ende, auf seiner letzten Reise nach Campanien. «Und nachdem er seine Fahrt begonnen hatte, gelangte er nach Astura, und wie er von hier wider seine Gewohnheit zur Nachtzeit ausfuhr, den günstigen Wind zu benutzen, zog er sich den Grund seiner Krankheit zu aus einer Dysenterie.» Er starb bald darauf in Nola, nachdem er kurz vorher in Capri gewesen war.

Aber hier endete der dämonische Einfluß Asturas noch nicht. Auch des Augustus Nachfolger Tiberius erkrankte in demselben Astura kurz vor seinem Tod. Dies sind die Worte des Sueton: «Er kehrte eilig nach Campanien zurück und verfiel in Astura sogleich in eine Krankheit. Er erholte sich ein wenig und schiffte dann nach dem Kap Circe.» Hier wurde er kränker, hielt sich jedoch aus Furcht aufrecht, schiffte nach Misenum, da er Capri nicht erreichen konnte, und fand dort seinen Tod.

Und was soll man dazu sagen, wenn eben dies Astura seine dämonische Gewalt auch an Tiberius' Nachfolger geltend gemacht hat? Denn kurz vor seinem Tode landete auch Caligula hier, und Plinius erzählt: » Ein Fischchen, Remora genannt, hängte sich an den Mast des Fünfruderers, welcher den Caligula von Astura nach Antium führte, und das betrachtete man als eine Vorbedeutung seines nahen Todes.»

«Astura mala terra, maladetta!» Und auch uns, harmlose Wanderer, sollte der verhängnisvolle Turm noch in atemlose Flucht und in schimpfliche Todesangst versetzen.

Als wir Astura verließen, beschlossen wir, nicht wieder den Weg am Meer entlang zurück zu nehmen, sondern durch den Urwald zu gehen, von dessen Pracht wir so viel gehört hatten. Der wegewirren Wildnis nicht kundig, nahmen wir mit uns einen Soldaten aus dem Turm, einen schönen, athletisch gebauten jungen Mann, der uns einige Millien begleiten und zugleich als Beistand nicht gegen Räuber, wohl aber gegen Büffel und Stiere dienen sollte. Wir wandten uns rechts, eine Weile am Strand entlang gehend, wo wir auf dem Ufer die prächtigsten schwarzen Stiere sahen, von so herrlicher Gestalt, daß Jupiter keine andere gewählt hat, als er die schöne Europa durch das Meer trug. Bald umgab uns der Wald. Wir gingen zwischen duftigen Myrtengebüschen und unter riesengroßen breitwipfeligen Eichen auf Waldpfaden fort und ergötzten uns an der Sommerdämmerung, welche überall durch die Wipfel ihre Lichter spielen ließ.

Der Wald bei Astura ist sehr schön. Ich dachte an die heimatlichen Küsten und ihre hochstämmigen Eichen, durch die das blaue Meer scheint, und konnte mich ganz in die Vergangenheit zurückversetzen. Dort ist es auch schön zu wandern und Reh und Hirsch zu belauschen, wenn sie im Busche stutzend und neugierig ihr gekröntes Haupt hervorstrecken; hier blickt aus dem Waldesschatten statt ihrer manchmal das schwarze Haupt eines Büffels oder die hochgehörnte Stirn eines wilden Rindes, und lange schöngefleckte Schlangen schlüpfen über den Pfad.

Der Pflanzenwuchs hier ist von einer tropischen Pracht; der Efeu umschlingt die majestätischen Eichen, Stamm neben Stamm, und bewundernd stand ich vor dieser noch nie in solcher Herrlichkeit gesehenen Naturkraft. Denn die Efeuranke selbst hat einen Stamm so dick wie ein Baum; so umstrickt sie die große Eiche, ringelt sich mit Gewalt um sie, wie die Schlange Laokoons, zieht sich zusammen, als wollte sie den ungeheuern Stamm mit den Wurzeln dem Boden entreißen und in herkulischer Umarmung ersticken, und tausend grüne Äste, Zweige und tanzende Ranken läßt sie herniederhängen und windet und knüpft ihre Schlingen durch alles knorrige und laubige Eichengeäst fort bis zum sonnigen Wipfel, welchen der Flügelschlag wilder Waldvögel umkreist.

Wir waren so in immer angespannter, froher Betrachtung einige Millien fortgegangen. Der Soldat von Astura hatte uns auf den Weg gebracht, der nun wieder an die Küste hinabführte, und verließ uns, als der Wald lichter wurde. Bald, so sagte er, würden wir in niedriges Gebüsch kommen und das Meer sehen. Wir gingen nun allein fort zwischen Myrten und Ölgesträuch in der heitersten Stimmung. Plötzlich sahen wir vor uns eine Herde, wohl mehr als hundert Stück beisammen. Wir blieben stehen. Ein Stier stutzte, hob die Stirn auf, sah uns mit majestätischem Ernst an, löste sich von der Herde ab und kam gegen uns. In diesem Augenblick machte mein Gefährte den verdammten großen weißen Malerschirm zu, und kaum hatte er das getan, als der Stier wild wurde und einen Sprung tat; sogleich setzte sich die ganze Herde gegen uns in Bewegung. Eine Staubwolke erhob sich im Walde, und wie wir in wilder Flucht davonsprangen, voll Angst immerfort umschauend, war es ein grauser doch schöner Anblick, im wirbelnden Staube diese mächtigen Geschöpfe daherstürmen zu sehen. Wir sprangen ins Dickicht, und über hohe Gebüsche setzten wir hinweg und schlüpften durch die Myrtensträucher und sprangen weiter, an den Händen von Dornen blutend, die uns zerrissen, hinter uns die wirbelnde Staubwolke, die herausblitzenden Hörner und das Gekrach der brechenden Büsche.

Ich sah niemals so die lebendige Physiognomie des Entsetzens als auf dem Angesicht meines Gefährten, und mein Schreck war um nichts geringer. Endlich wurde es still, wir waren im dichten Wald, und nichts mehr war zu sehen. Die wilde Herde war meerwärts fortgestürzt.

Wir holten jetzt Odem und gingen tiefer in die Wildnis hinein, immer nach den Stieren umschauend, bis wir gegen die Küste kamen und, da wir diese frei fanden, auf den Strand sprangen. Und nie habe ich die Meereswelle mit solcher Freude begrüßt. So mußte ich in Astura, auf den Spuren Konradins, selbst erfahren, was atemlose Flucht und Todesangst sei. Es war, als hätte mir irgendein Geist, der Dämon dieses Ortes, weil er mich von Erinnerung so tiefbewegt gesehen, von des armen Konradins Flucht ein lebendiges Nachgefühl geben wollen. Doch waren die Stiere der Wildnis barmherziger, als es einst die Menschen hier gewesen sind.

So wanderten wir weiter und ruhten wieder an den Trümmern des alten Palastes eine Stunde vor Astura, dessen melancholisches Schloß nun schöner die sinkende Sonne umstrahlte. Neue Sorge erfaßte uns, als wir hierauf den ganzen Strand bis Nettuno hin mit Herden erfüllt sahen. Einige lagerten noch am Meer, andere zogen sich schon aufwärts, denn es begann die Abendkühle, wo sie wieder zu Walde gingen. Als wir nun vorwärts schritten, war es wie ein Spießrutenlaufen an hundert und aber hundert spitzen Hörnern vorbei; aber die herrlichen Geschöpfe taten uns kein Leid, weil wir hinter ihrer Richtung an den Wellen blieben; auch kamen zwei stattliche Hirten, die ersten, die wir sahen, mit ihren Lanzen das Meer entlang gesprengt und flößten uns guten Mut ein.

Glücklich erreichten wir Nettuno und betrachteten von hier aus freudigen Gefühls die zurückgelegte Straße und das Schloß Astura, welches nun wieder in traumhafter Weite wie ein Schwan auf den abendlichen Wellen zu schwimmen schien.

 << Kapitel 75  Kapitel 77 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.