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Wanderjahre in Italien

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 32
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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Seht, dort ziehen Mädchen, von Nonnen geführt, paarweise durch die Straße. Sie alle tragen ein schwarzes Kleid und ein weißes Brusttuch, ein weißes Kopftuch mit schwarzem Bande; vorauf ziehen die Kleinen, dann in aufsteigender Linie geht es so fort bis zu Mädchen von achtzehn bis zwanzig Jahren. Es sind Zöglinge irgendeines Instituts, welche spazierengehen. Sie begegnen sich mit einem Zuge von Jünglingen, die von Geistlichen spazierengeführt werden. Auch sie sind paarweise in aufsteigender Linie geordnet. Alle tragen schwarze Röcke und einen schwarzen Hut, selbst die kleinsten sind also ballmäßig angezogen, und wohl 30 bis 50 Knaben sieht man beisammen, ein komischer Anblick, da Frack und Hut ihnen ein zwerghaft veraltetes Ansehn geben. Wenn sich jene schwarzen Mädchen und diese Jünglinge begegnen, werfen sie sich sehnsüchtige Blicke zu und gehen stumm aneinander vorüber. Denn ach! Sie sind stumm, und ihre Ohren hören nicht, nur mit den Augen und mit den Händen telegrafieren sie sich ihre Unglückszeichen. Es ist unmöglich, alle diese Vereine und Körperschaften zu nennen, welche so paarweise und in sozialer Uniform Rom durchschreiten. Es sind Hunderte von pädagogischen Provinzen in dieser Stadt des geistlichen Sozialismus, Hunderte von kirchlichen Phalansterien, welche die Phantasie Goethes oder Fouriers zuschanden machen.

Seht, da kommt wieder ein anderer Zug von Jünglingen, schwarz uniformiert in kaftanartigen Röcken mit aufstehenden Kragen, welche ein roter Streifen verziert. Ein paar Mohren aus Afrika sind darunter, andere haben dunkelgelbe Gesichter. Sie sprechen in diesem Zuge Sprachen aus allen Zonen, europäische und asiatische und afrikanische, sie reden chinesisch, persisch, hindostanisch, malabarisch, abessinisch, koptisch und orangutisch. Das sind Schüler der Propaganda, spazierende junge Missionare. Aber die dort, die rotgekleideten, flachshaarigen Jünglinge, welche eben vorüberkommen, paarweise wie die andern, sprechen alle deutsch, denn es sind Zöglinge des Collegium Germanicum. Und so sehen wir noch andere Kollegien, bald hellblau gekleidete Jünglinge, bald weißgewandige und bald schwarze, Engländer oder Schotten, Nazarener und Nobili – wer möchte sie alle benennen!

Fürwahr, dieser Grasso Lucido, welcher uns schon einmal und immer wieder begegnete, ist doch gar zu zudringlich; aber er gedulde sich noch eine Zeit, denn wir haben noch ein wunderbares Schauspiel zu sehen. Folgt mir, Freunde, nach dem Lateran, und denkt euch, es sei der sonnengoldigste Junitag. Dort wird eine der größten Prozessionen über den Platz ziehen, alle Mönchsorden werden erscheinen und viele Körperschaften sich beteiligen, viele reizende Mädchen mit kleinen silbernen Kronen auf dem Haupt und mit Gewändern und Busentüchern, die nicht genäht, sondern mit tausend Stecknadeln zusammengesteckt und gleichsam in Mosaik gestickt sind, werden in der Prozession auftreten; auch das riesengroße Kreuz werden Kuttenmänner tragen, ohne es mit Händen zu berühren, sondern es wird auf der Brust des Trägers in einem ledernen Behälter stehen und so geschickt balanciert werden, als wäre dies die Produktion einer Kunstreiterbude. Diese unermeßliche Prozession wird mitten durch jenes Lazarett am Lateran schreiten, mitten durch die Reihen von Betten gehen, in welchen kranke Frauen und Mädchen liegen, und diese werden den Segen empfangen. Habt ihr je so etwas gesehen oder nur gehört, meine Freunde, daß kranke Mädchen Besuche empfangen, nicht von einzelnen guten Freunden, sondern vom römischen Volk und allen Quiriten? Seht, es stehen die Türen des Lazaretts sperrweit offen, grüne Buxuszweige und Blumen sind davor gestreut. Schweizerhellebardiere sind am Eingang aufgepflanzt, stattlich und rotgelb wie Königskerzen und wie Feuerlilien. Aber sie wehren den Eintritt niemand, und schon strömen Hunderte hinein, und wir mit ihnen.

Welch ein Anblick! Und wo sind wir? Wir treten sanft auf; wir dürfen uns an keinem Bette aufhalten, sondern nur vorüberschreiten. Seht, wie luftig und schön ist der Saal und wie reich ist er ausgeschmückt. Heute feiert die Krankheit ihr Fest und borgt von der Freude und von der Gesundheit Schminke und Putz; denn in diesem Rom will alles einmal Figur machen, der Glückliche und der Reiche, der Bettler und der Krüppel, ja selbst die Toten müssen ihre Feste haben. Seht die Betten zu beiden Seiten in langer Reihe, wie sind sie sauber und weiß, mit purpurroten Teppichen und Goldfransen und künstlichen Blumen ausgeziert! Jedes Bett sieht aus wie ein Gedicht von Matthisson oder von Geibel. In jedem sitzt aufrecht oder liegt schmachtend eine Frau oder ein Mädchen, schneeweiß angetan mit der saubersten Krankenjacke. Viele sehen aus – zum Davonlaufen, aber viele zum Krankwerden schön. Seht dort das Mädchen, wie sein Gesicht von Genesung verklärt ist und von dem unwiderstehlichen Zauber der Ermattung glänzt! Ihre schwarzen Augen funkeln wie illuminiert von Erinnerungen. Bald werden sie wieder Blitze sein. Ihr wollt stehenbleiben, gute Freunde? Das ist nicht erlaubt, denn seht, an diesem Bett steht der schmuckste junge Rittersporn mit geschultertem Gewehr als Ehrenhold, und er sieht aus, als stünde er an einer Pulvermine Schildwache. Und dort wieder, wo das junge Mädchen aufrecht sitzt, dessen Wangen rosige Fieberröte so schön anhaucht und dessen Blicke wie Feuerfliegen in die Irre schweifen, dort stehen gar alte gelbgekleidete Hospitaldienerinnen wie Parzen Schildwache. Fort also, fort, denn dieser Aufenthalt ist gefährlicher als die Malaria in der Mondnacht. Das war eine Lazarettszene aus diesem wunderbaren Rom!

Wer kann aber nun dem Grasso Lucido entrinnen? Eine Volksgruppe steht auf irgendeiner Straße, eine deklamierende Stimme erschallt es aus ihrem Kreise. Wir eilen herbei: Was gibt es hier? «Il legittimo Grasso Lucido.» Ein ganz frischer, blutroter Maueranschlag dort an der Ecke – wir eilen ihn zu lesen, denn was mag es geben? «Il legittimo Grasso Lucido.» Wir sitzen im Café Ruspoli – ein Zettelträger verteilt Zettel – was gibt es? «Il legittimo Grasso Lucido.» Dieser legitime Grasso Lucido hat also auch ein unbestrittenes Recht, die Augen aller Welt auf sich zu ziehen, ja er ist nichts Geringeres als die im Jahre 185o nach Christi Geburt mit einer silbernen Medaille patentierte Glanzwichse, welche gar keine korrosiven Zumischungen von Vitriol oder andern Säuren enthält, sondern jedes beliebige Leder nicht allein im höchsten Maß geschmeidig, sondern auch in einer ganz wunderbaren und unglaublichen Weise dauerhaft macht.

Sehen wir also einer solchen Vorstellung des Grasso Lucido unter dem Obelisk vor dem Pantheon zu. Dort stehen neben einem Tisch, welcher mit blechernen Wichsbüchsen überladen ist, zwei dieser Straßensophisten und reden stundenlang in nie endendem Redefluß über die Vortrefflichkeit des Grasso Lucido. Sollte man dem größten Philosophen die Aufgabe stellen, etwas zum Lob einer Glanzwichse zu sagen, so würde er in ein paar Sätzen damit zu Ende sein; aber dieser Mann dort, in schmierigem Rock und langer Samtweste, welche beide gleichsam mit Glanzwichse überzogen sind, spricht über die Materie des Grasso Lucido ohne Aufhören mehrere Stunden fort, immer zur Sache und immer mit ganz neuen Argumenten und genialen Ansichten von dem, was eigentlich der Grasso Lucido sei, und was er für ein Verhältnis zur Ökonomie, zur menschlichen Gesellschaft, zum verschiedenartigsten Leder, zur Kultur, zur Witterung, zur Sonne und zu den Sternen habe, und welches sein Einfluß auf das menschliche Gemüt sei.

In der ersten halben Stunde fallen dem Zuhörer die Schuppen von den Augen, er wird von der Vortrefflichkeit des Grasso Lucido beinahe überzeugt; allmählich aber beginnt er die Einzigkeit und ungeheuere Wichtigkeit des Grasso Lucido zu begreifen und gerät in Verwunderung, wie er bisher ohne ihn nur habe existieren können. Immerfort aber peroriert der Sophist vor dem Pantheon. Gorgias, Protagoras und Karneades sprachen nie schöner über die Gerechtigkeit als dieser Mann über den Grasso Lucido. Er verdient, daß man ihm in Padua einen eigenen Katheder über den Grasso Lucido stifte; er selbst nennt sich bereits Professor und wahrscheinlich auch Mitglied mehrerer gelehrter Akademien, und seinen Kollegen desgleichen; denn, sagt er, seht diesen Professore, er hat elf Bände über den Grasso Lucido geschrieben. «Nicht wahr, Professore, hast du es nicht in deinem zehnten Bande auseinandergesetzt, daß dieser echte und in ganz Europa einzige Grasso Lucido eine so wunderbare Eigenschaft habe, daß er selbst das härteste Ochsenleder durchdringt und so weich macht wie ein Stück Samt?» Der Professor bejaht es, daß er dies im neunten Bande von dem Grasso Lucido geschrieben habe, und ergießt sich nun, da jener heiser geworden ist, von neuem in das Lob dieses erstaunlichen Produkts.

Er demonstriert zuerst, was der Grasso Lucido an sich sei. «Man will behaupten», sagt er, «daß in diesem Grasso Lucido vernichtende Säuren und korrosive Substanzen enthalten seien – ich frage euch nun: Kann ein lebendiger Mensch Vitriol verschlucken? Glaubt ihr wirklich, daß es einen Mann gebe, der sich mit Schwefelsäure den Magen anfüllen könne? Seht her, ich will euch den Beweis liefern, denn ich will vor euren Augen diesen Grasso Lucido essen, und er wird mir weder den Tod geben noch Übelkeit zuziehen, vielmehr einen solchen Wohlgeschmack erregen, als wäre es die allersüßeste Polenta.» Hierauf verschlingt der Professore vor aller Augen eine ziemliche Quantität von Grasso Lucido, die Zuhörer aber sind bis in die Eingeweide hinein überzeugt, daß in diesem Präparat kein Vitriol enthalten sei. «Kauft also», ruft der große Philosoph, «profitiert von diesem höchst ökonomischen, genießbaren, unschuldigen und einzigen Grasso Lucido, das Schächtelchen nur zu 13 Bajocci. Sagte ich 13? Nein, nehmt es für 12. Sagte ich 12? Seht, ich gebe es für 10.»

Um nun zu beweisen, daß der Grasso Lucido alle ledernen Dinge blank mache, und zwar ohne Anstrengung, nimmt er zuerst ein Stück Papier und wichst dasselbe mit der größten Gemächlichkeit und mit einem Lächeln des Wohlbehagens; dann ergreift er einen Jungen und wichst ihm unter beständigem Deklamieren einen Stiefel. Der Junge strahlt im Antlitz vor Freude, denn es ist ihm noch nicht passiert, daß ihm jemand die Stiefel gewichst hat, noch hat er überhaupt, solange er lebt, gewichste Stiefel getragen. «Seht», sagt der Professore, «dieser Stiefel war eben erst gleichsam der Stiefel eines Schweins, und jetzt erglänzt er wie das reinste Silber, ja, ein kaum geborenes Kind könnte ihn mit leichtester Mühe blank machen.» Der Junge geht mit einem gewichsten und einem ungewichsten Stiefel von dannen, und drei Straßen entlang läßt er kein Auge von seinem blanken Stiefel und scheint sich und sein Glück darin zu spiegeln.

Dies war eine Vorstellung von dem Grasso Lucido, welcher uns in den Stand setzt, nicht allein in der feinsten Gesellschaft anständig zu erscheinen, sondern geradezu auf einen Ball zu gehen.

Der Ball wird weder beim Duca Torlonia, noch beim Duca Braschi gegeben, sondern ist weit mehr interessant und sehenswert als ein Tanz in fürstlichen Prunkgemächern im Kostüm der Zeit Ludwigs XIV. Es ist ein sogenannter Modellball in einem großen wüsten Saal in der Via Claudiana.

Es gibt in Rom eine eigene Menschenklasse, deren Leben so absonderlich und seltsam ist, daß es den Novellisten vielleicht mehr reizen sollte als das jener Blumen-Marien und Grisetten in Paris, welche die französische Literatur gegenwärtig zu Idealen der schönen Weiblichkeit und zu Musen der Poesie erhoben hat. Die römischen Figuren, welche hier einen Ball halten werden, sind nämlich Modelle der Künstler, Männer und Mädchen, die das traurige Los erdulden, viele Stunden des Tages als Figuren leblos dazusitzen. Sie erwerben ihren Unterhalt durch die schönen charakteristischen Formen ihres Leibes. In allen nur denkbaren Gestalten erscheinen sie. Heute ist das Mädchen, welches Modell steht, die Venus von Medici, morgen Diana, Ariadne, Madonna, eine Bacchantin, eine büßende Magdalena, eine Psyche, eine Göttin, eine Sklavin, eine Mirjam, eine Vestalin; heute nackt und morgen sittig verschleiert, mit bunten Gewändern drapiert, bald als Türkin, bald als Griechin, wieder im Kostüm von Albano, im Kostüm der Campagna und als Römerin. Immer ist das arme Geschöpf eine Figur, deren Aufgabe es ist, so sehr Statue zu sein als möglich und in der vom Künstler vorgeschriebenen Stellung auszuharren; denn einer Puppe gleich werden dem Modell Lage und Stellung des Leibes und der Glieder angeordnet, versucht, geändert, aufs neue gerichtet, bis die Figur in die regelrechte Position gekommen ist.

Es gibt außer den größern Akademien, in denen zu bestimmten Tagesstunden Akt gezeichnet wird, auch Privatakademien, die Besitzer von geeigneten Sälen eröffnen und wo gegen ein Eintrittsgeld Modelle gezeigt werden. Der berühmteste dieser Modellväter ist Nicola in der Via Claudiana, ein Mann, welcher eine erstaunliche Fertigkeit im Modellstehen besitzt und in der Kunst der plastischen Darstellung jeder beliebigen Figur es mit dem besten Schauspieler aufnehmen darf.

Ein solcher Saal gewährt einen sonderbaren und fremdartigen Anblick; ich habe ein Bild davon noch niemals angetroffen, und doch sollte eine solche Szene in guter Ausführung ein gar interessantes Genregemälde liefern. In einem öden Raume sitzt auf erhöhtem Postament das Modell, sei es Mann oder Mädchen, gleich einer Statue regungslos. Um sie her ein drei- oder vierfaches Amphitheater von Zeichnenden, ihrer vielleicht hundert, Menschen aus allen Ländern, Franzosen, Engländer, Deutsche, Amerikaner, Polen, Russen, Dänen, Belgier, Italiener. Ein jeder hat einen kleinen Tisch und eine kleine Lampe vor sich. Ein jeder zeichnet das Modell, je nachdem er sitzt oder steht, von vorn oder von hinten, oder von der Seite; der in Blei, dieser in Kreide, jener Aquarell, der eine schülerhaft, der andere stümperhaft, der dritte vortrefflich. Der eine zieht es ins Gemeine, der andere idealisiert es, und so verhundertfacht sich mit einemmal die Schaupuppe gleich einer Schrift in einer Abschreiberoffizin. Man erinnert sich wohl unwillkürlich an eine Druckerei, wo in einem gleich wüsten und angerauchten Saal die Setzer mit niedergebeugtem Kopf, ein jeder an seiner Lampe, stehen und abwechselnd zur Schrift aufschauen, abwechselnd zum Satz niederblicken. Indem die tiefste Stille herrscht und alle diese Zeichnenden dieselbe stumme auf und nieder gehende Bewegung des Kopfes machen, alle Blicke aber auf das bunt aufgeputzte leblos-lebendige Modell gerichtet sind, welches wie ein Götzenbild dasitzt, entsteht in dem unbeschäftigten Zuschauer eine gemischte Empfindung des Lächerlichen und des Mitleids mit dem gequälten Geschöpf. Denn dieses scheint von hundert Blicken gleichsam unablässig durchbohrt zu werden und zu einer neuen, unerhörten Todesstrafe verdammt zu sein, nämlich sich zu Tode sehen und zu Tode zeichnen zu lassen.

Schon zwei Stunden sitzt das Schlachtopfer in derselben Stellung; das Gesicht ist von Anstrengung gerötet, die Züge sind erschlafft, die Augen matt, ihr Auf- und Niederschlagen verrät allein die atmende Seele. Was denkt dieser aufgeputzte Körper? Gar nichts. Indes manchmal fliegt ein Lachen über ihren Mund, sie beißt die Lippen zusammen, um nicht in ein unsterbliches Gelächter auszubrechen und ihre ganze Position über den Haufen zu werfen. Sie kommt sich selbst lächerlich vor, oder die Zeichnenden kommen ihr im höchsten Maße albern und lächerlich vor; vielleicht hat sie einen blondhaarigen Pfuscher gesehen, welcher in einer komischen und ungeschlachten Stellung mit Begeisterung zeichnet, und dessen Figur und Erscheinung der jungen Römerin lachenerregend ist.

Solchen Modellen zu Ehren gibt der Besitzer der Akademie in der Karnevalszeit einen Ball, auf welchem sie im Kostüm erscheinen und wozu Künstler und Bekannte eingeladen werden, und auch der Fremde eine Karte erhalten kann.

Wenn man die römischen Nationaltänze in aller ihrer Mannigfaltigkeit und Anmut kennenlernen will, so muß man sie auf einem Modellball von Mädchen und jungen Männern tanzen sehen. Der Reiz wird noch erhöht durch den Wechsel der Kostüme, die man hier beisammen sieht, und unter denen die aus der Campagna und von Albano und das reichste von allen, die Tracht von Nettuno, besonders in die Augen fallen. Dazu wirkt auch die Musik, Mandolinen und Tamburins, eigentümlich national. Man sieht die Jugend Roms auch im Oktober in den Osterien und auf dem Felde ihre Nationaltänze tanzen; denn zur Zeit der Weinlese ziehen Scharen von Mädchen und jungen Männern vor die Tore, besonders vor die Porta Angelica, und man sieht sie dort auf der schönen Wiese unter dem Monte Mario, auf Wegen und in Schenken das Tamburin schwingen und tanzen. Abends kehren diese Mädchen mit Gesang heim. Indem sie durch die Straßen fahren oder zu Fuß einherkommen, einen blumenbekränzten Thyrsusstab vorauftragen, ein gellendes und sehr lebhaftes Lied singen, und einige auch Fackeln in den Händen halten, möchte man wähnen, einen Zug von Mänaden oder Bacchantinnen vorüberziehen zu sehn.

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