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Wanderjahre in Italien

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 113
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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Ich will von dem Schicksal der unglücklichen Gemahlin Manfreds und seiner Kinder reden, denn die Erzählung gehört zum Teil in dieses Schloß.

Nachdem Manfred bei Benevent gefallen war, entwich seine Gemahlin Helena mit ihren Kindern aus der Sarazenenburg Lucera, wo sie zurückgeblieben war, nach der Meeresküste, um ein Schiff zu besteigen und sich zu ihren Verwandten nach Epirus zu retten. Da Widerwinde unglücklicherweise das Auslaufen der Galeere aus dem Hafen Trani verhinderten, begab sich die Königin vertrauensvoll in den Schutz des Kastellans der Burg dieser Stadt; hier aber lieferte sie der geängstigte Schloßvogt am 6. März 1266 den nachsetzenden Reitern Karls von Anjou aus. Sie blieb zunächst im Gewahrsam der Burg Trani, samt ihren Kindern. Diese waren Beatrice, damals sechs Jahre alt, Enrico, vier Jahre alt, und die jüngsten, Federico und Anzolino (oder Enzius).

Einen Monat später ließ der König Karl Helena vor sich bringen, nach Lago Pesole, wo er selbst sich damals befand; der deshalb am 5. April von dort an Pandolfo di Fasanella, den Justitiar der Terra di Bari, erlassene Befehl ist uns noch erhalten. Daß die Gefangene auf dieser peinvollen Fahrt zu dem Verderber ihres Glücks von ihren Kindern begleitet wurde, ist nicht als wahrscheinlich anzunehmen.

Die Witwe Manfreds erschien im Trauergewande vor dem herzlosen Sieger in demselben Schlosse, welches jahrelang ihr und ihres Gemahls beliebtester Lustsitz gewesen war, und es war kaum erst ein Monat vergangen, seitdem der edle Manfred unter dem Steinmal bei Benevent bestattet worden war. Karl hatte die unglückliche Fürstin schwerlich aus Neugierde, oder um sich am Anblick ihres Elends zu weiden, vor sich bringen lassen, sondern er mußte dabei irgendeinen politischen Zweck im Auge haben. Da nun aus wenig späteren Briefen des Papstes Clemens IV. und des Königs hervorgeht, daß es sich darum handelte, den Infanten Don Arrigo von Kastilien mit einer Tochter des Despoten Michael von Epirus zu vermählen, so liegt die Vermutung nahe, daß die Hinüberführung Helenas nach Lago Pesole mit diesem Plan in Verbindung stand.

Don Arrigo, ein Bruder des erwählten römischen Königs Alfonso des Weisen, mit Karl von Anjou nahe verwandt, hatte diesen zu seinem italienischen Eroberungszuge mit großen Summen ausgerüstet, welche ihm nicht erstattet waren. Der König Karl wollte ihn anderweitig entschädigen und überhaupt den Gläubiger loswerden, dessen baldiges Erscheinen von Tunis her in Italien er fürchtete. Er hinterging ihn mit Heiratsplänen und vorgespiegelten Aussichten einer großen Laufbahn im Orient. Die Verhandlungen wegen der Vermählung Don Arrigos mit einer Tochter des Despoten Michael, des Vaters der Witwe Manfreds, sind unzweifelhaft; aber da diese Tochter in diesen Briefen nicht mit ihrem Taufnamen genannt wird, so ist die neuerdings mit Entschiedenheit aufgestellte Behauptung, daß unter ihr Helena selbst zu verstehen sei, doch nicht zweifellos.

Ein solcher Plan, die junge Witwe Manfreds, welche die Insel Korfu und mehrere andere Landschaften in Griechenland als ihr Heiratsgut rechtlich beanspruchte, mit dem kühnen ruhelosen Don Arrigo zu vermählen, konnte wohl aus manchen Gründen vom Papst gefaßt werden, aber mit der Staatskunst Karls von Anjou sich niemals vereinigen lassen. Denn gab er diese Verbindung zu, so mußte Helena, selbst wenn nur sie allein, ohne ihre Kinder, die Freiheit erhielt, ihren neuen Gemahl unfehlbar zum Prätendenten Neapels machen, während Don Arrigo eines starken Rückhalts an Kastilien, an noch anderen Mächten und an den Ghibellinen Italiens sicher war, welchen außerdem sein eigener Bruder Don Federigo, Manfreds Waffengefährte bei Benevent, angehörte. Der Vermählungsplan war kaum minder gefährlich, wenn etwa statt Helenas eine dritte Tochter Michaels die Gemahlin des Infanten werden sollte. Eine solcher aber ist nicht bekannt; wir wissen nur, daß Helena eine Schwester Agnes hatte, welche mit Wilhelm Villehardouin, dem Fürsten Achajas, vermählt war.

Wir hören nichts weiter über jene rätselhafte Zusammenkunft der unglücklichen Gefangenen mit Karl, und wir kennen auch nicht den Gegenstand der dort ihr gemachten Anerbietungen und Forderungen. Der Anblick der Schönheit und Jugend und des grenzenlosen Unglücks seines Opfers rührte nicht das gefühllose Herz des Eroberers, welcher seinen Thron nur behaupten konnte, wenn alle Prätendenten vom Hause Schwaben unfähig blieben, ihn jemals einzunehmen. Auch nahm er alsbald Besitz von Korfu und den anderen Ländern Helenas.

Wohin die Königin nach jener Zusammenkunft gebracht wurde, wissen wir nicht; nur die größte Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß sie von Lago Pesole sogleich in die Burg zu Nocera gesetzt ward, einer Stadt, die zwischen Castellamare und Salerno liegt. Die erste Urkunde, welche von ihrer dortigen Anwesenheit redet, ist ein Schreiben Karls, datiert aus Capua am 13. März 1267; er ernannte darin zum Burgvogt Noceras den Ritter Radulfo de Faiello, und übertrug ihm zugleich die Bewachung der dort eingeschlossenen Witwe Manfreds, ohne daß ihrer Kinder dabei Erwähnung geschah.

Man hat behauptet, daß Helena sofort von diesen getrennt ward, daß Karl die Söhne Manfreds erst in die Burg Canosa, sodann nach Castel del Monte bringen ließ, während die Prinzessin Beatrice zu Neapel eingekerkert wurde. Eine so teuflische Grausamkeit, diese kleinen Kinder der Mutter zu entreißen, darf dem König Karl wohl zugetraut werden, wenn auch die Tatsache selbst, wenigstens für das Jahr 1266, nicht ganz zweifellos erwiesen ist. Es war auch keineswegs ein religiöses oder menschliches Gefühl, was den Anjou bewog, das Leben der jungen Erben Manfreds zu schonen, da es doch nur eines Winkes bedurfte, um ihnen das Schicksal der Kinder Eduards zu bereiten. Er ließ sie leben, weil sie ihm anfangs wegen ihres zarten Alters unschädlich, später aber aus Staatsgründen sogar nützlich erschienen.

Die Königin Helena erlebte in ihrem Kerker zu Nocera die schnellen Erfolge und dann den jähen Fall jenes Konradin, welchem ihr Gemahl Manfred einst die Krone seines Vaters, Konrads IV., genommen hatte, um sie selbst zu tragen. Wenn der Schloßvogt die Kunde von dem siegreichen Heereszuge Konradins und seines Verbündeten Don Arrigo von Kastilien zu ihr dringen ließ, so mußte ihr Herz von Hoffnung und Furcht zugleich bestürmt werden. Denn beim Annahen des jungen Hohenstaufen erhoben sich viele Städte Apuliens für ihn, und auch das getreue Andria zog die Fahne des Hauses Schwaben auf und vertrieb die Besatzung Karls, welche sich nach Castel del Monte flüchten mußte. Wenn nun statt Konradins Karl von Anjou auf dem Schlachtfelde bei Tagliacozzo erlegen wäre, so würden Helena und ihre Kinder entweder die Freiheit erlangt oder durch einen schnellen Blutbefehl den Tod gefunden haben, ehe die Retter vor den Toren des Kerkers erscheinen konnten. Doch das Haupt Konradins fiel in Neapel, und der blutgesättigte Sieger ließ den Kindern Manfreds das Leben, die er nicht mehr fürchtete.

Nur noch ein paar Jahre schmachtete Helena im Kerker zu Nocera. Sie wurde hier mit Kargheit ernährt, doch sind die Vorstellungen derer übertrieben, welche behaupteten, daß Karl von Anjou sie einer Bettlerin gleich behandeln ließ. Die Summe von vierzig Unzen Goldes, die für den Unterhalt der Königin und ihrer Dienerschaft jährlich ausgeworfen war, konnte freilich nur zur Bestreitung des Nötigsten ausreichen, doch war der Witwe Manfreds wenigstens eine Dienerschaft und der Gebrauch eines Teils ihrer Habe aus früheren Tagen gelassen worden.

Über die Zeit, wo die Unglückliche durch den Tod von ihren Qualen erlöst wurde, klärt uns endlich ein Reskript Karls I. auf. Es ist aus Sutri im römischen Etrurien am 11. März des Jahres 1271 an den Burgvogt Noceras gerichtet, welchem befohlen wird: «Wir gebieten Dir, daß Du alsbald nach Empfang dieses die dienenden Frauen (domicellas) und die ganze Familie der weiland Helena, der Schwester des Despoten, mit ihren Sachen frei aus dem Schloß Nocera abziehen lassest, ohne daß ihnen eine Kränkung oder Belästigung von irgendwem widerfahren darf. Du sollst ihre Namen und Zunamen dem Magister Nicolaus Buczellus aufschreiben, damit er jene mit einem sichern Geleite dorthin versehen kann, wohin sie zu gehen wünschen.» Dieser Erlaß macht es gewiß, daß Helena im Jahre 1271 in ihrem Gefängnis allein lebte, von ihren Kindern durch die barbarische Grausamkeit Karls von Anjou getrennt; denn unter der «Familie», von welcher dort gesprochen wird, ist selbstverständlich, und nach altem italienischen Sprachgebrauch nur die Dienerschaft zu verstehen. Da nun dieser insgesamt der freie Abzug aus dem Schlosse gestattet wurde, so geschah das infolge des Todes der gefangenen Königin. Die Witwe Manfreds starb, neunundzwanzig Jahre alt, in den letzten Tagen des Februar oder den ersten des März 1271, und in irgendeiner Kirche Noceras wird man sie begraben haben. Ich suchte in dieser Stadt vergebens nach einer Kunde ihrer Gruft. Niemand weiß dort etwas zu sagen, und auch die Burg auf dem Berge über Nocera, worin Helena gefangensaß, ist längst zerfallen und jetzt eine der schönsten Schloßruinen Italiens.

Vom 18. Juli 1271 ist das Inventar der Nachlassenschaft der Verstorbenen datiert, welches der Burgvogt Noceras, Enrico di Porta, auf königlichen Befehl aufgenommen hat. Dieses Schriftstück verzeichnet den Bestand alles dessen, was die Königin mit sich in den Kerker hatte nehmen dürfen: Schmucksachen, Perlen und Edelsteine, silbernes Tafelservice, Bronzen, einen Schrank von Elfenbein, die Garderobe, deren meiste Stücke mit dem Zusatz «vetus et consumptum», alt und abgenutzt, bezeichnet sind, Teppiche, Mäntel, Kleider von Goldbrokat, fadenscheinige Rester vergangener Herrlichkeit.

Der Tod ihrer Mutter konnte nur der Wendepunkt zu schlimmerem Elend für die unseligen Kinder Manfreds sein, von denen die ältesten jetzt groß genug geworden waren, um ihr Schicksal ganz zu begreifen. Und Worte fehlen uns, dessen Furchtbarkeit auszusprechen. Wir wissen nicht, wo sich die drei jungen Prinzen damals befanden. Selbst ihre Schwester Beatrice war der Mutter entrissen worden, denn auch von ihrer Anwesenheit in Nocera verlautet kein Wort. Erst am 5. März 1272, also ein Jahr nach dem Tode Helenas, wird sie erwähnt als Gefangene im Schlosse San Salvatore a Mare zu Neapel, welches heute dell' Ovo heißt.

Beatrice scheint dort mit einiger Schonung und Rücksicht behandelt worden zu sein; sie empfing zu ihrem Unterhalt täglich zwei Goldtari, und zu ihrer Aufwartung hatte sie eine Dienerin («donzella»). Neben ihr saß in derselben Burg gefangen die Tochter des Grafen Jordanus Lancia, eines Oheims von Manfred. Dieser einst mächtige und glänzende Mann war bei Benevent gefangen worden, dann aus einem scheußlichen Kerker in Frankreich entronnen und wieder aufgegriffen, wonach man ihm auf Befehl des Königs die Augen ausgestochen und Hand und Fuß abgehauen hatte, so daß er seiner Qual durch Erhungern ein Ende machte.

Das Castell dell' Ovo war damals sowohl ein Staatsgefängnis als auch wegen seiner entzückenden Lage im Meer ein beliebtes Lustschloß der Anjou. Zur Zeit, als Beatrice darin gefangensaß, wohnten daselbst junge Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses. Und seltsamerweise saß in einem Verlies desselben Kastells damals ein Mann, welcher sich für den König Manfred ausgegeben hatte und im Jahre 1273 ergriffen worden war. Dieser Betrüger wurde später im Castel del Monte eingesperrt.

Nichts verlautet unterdes von den Brüdern Beatrices. In den Registern des Hauses Anjou findet sich während der ganzen Regierung Karls I. keine Erwähnung von ihnen. Offenbar wollte der König den Glauben verbreiten, daß sie gestorben seien. Und selbst unter der Regierung seines Sohnes und Nachfolgers Karl II. datiert die erste Spur ihres Daseins vom Jahre 1291, wo sich die drei Prinzen nachweislich im Castel del Monte befanden.

Doch wo sonst sie während dieser langen Zeit gewesen waren, wissen wir nicht. Aktenstücke des Jahres 1284, welche das Castel del Monte und seine Staatsgefangenen betreffen, erwähnen ihrer mit keinem Wort; weil aber dieses Stillschweigen seine Gründe hatte, so darf daraus nicht geschlossen werden, daß die Söhne Manfreds sich damals noch nicht in diesem Lustschloß ihrer Ahnen befunden haben. Vielmehr würde nichts der Annahme entgegentreten, daß sie schon seit langen Jahren gerade dort gefangensaßen.

Unterdes brach die große Katastrophe herein, welche plötzlich als rächende Nemesis über den Tyrannen Karl von Anjou das Gericht hielt: die Sizilianische Vesper. Die heldenmütigen Sizilianer erhoben sich im Jahre 1282: sie gaben die Krone ihres Landes Don Pedro von Aragon, dem Gemahl Constanzas, der Tochter Manfreds aus seiner ersten Ehe mit Beatrice von Savoyen. So erschienen die Hohenstaufen wieder in Sizilien als ein aragonisches Königshaus. Der Erbprinz und Sohn Karls I. wurde zwei Jahre später, am 5. Juni 1284, in der Seeschlacht im Golf Neapels geschlagen und selbst gefangen. Der siegreiche Admiral der Sizilianer, Ruggiero Loria, erschien sofort vor dem Castel dell' Ovo, und er erzwang hier die Auslieferung der Tochter Manfreds. So wurde die Prinzessin Beatrice nach einer achtzehn Jahre langen Gefangenschaft erlöst, im Triumph nach Messina gebracht und dort von ihrer Schwester, der Königin Constanza, in Empfang genommen. Diese vermählte sie bald darauf mit Manfred, dem Sohne des Markgrafen von Saluzzo.

Von den Kindern des Königs Manfred erlangte sie allein die Befreiung. Daß aber die drei Prinzen damals im Juni des Jahres 1284 sich nicht mit ihr im Castel dell' Ovo befanden, ist klar: denn waren sie dort, so würde wohl Beatrice ohne ihre unglücklichen Brüder die Burg nicht verlassen, eher die Fortsetzung ihrer eigenen Gefangenschaft vorgezogen haben. Und gerade hier hätte auch der Admiral die Befreiung der Prinzen fordern müssen, trotz der aragonischen Staatsgründe, welche später deren Erlösung verhinderten.

Die Söhne Manfreds waren nach dem Tode Konradins die einzigen legitimen Erben der staufischen Rechte; deshalb forderte weder Loria ihre Auslieferung aus der uns nicht bekannten von Neapel entfernten Burg, wo sie damals gefangengehalten wurden, noch tat dies Don Pedro, obwohl Leben und Tod des Erbprinzen Karl in seiner Gewalt lagen. Aber wenigstens wurde ihr eigenes Leben durch die Gefangenschaft dieses Prinzen gerettet, denn sein Vater Karl I. durfte es jetzt nicht wagen, die Kinder Manfreds umzubringen. Der grausame Despot starb, in Wut und Verzweiflung, zu Foggia am 7. Januar 1285.

Erst im November 1288 erlangte sein Nachfolger Karl II., hauptsächlich durch die Vermittlung des Königs von England, seine Befreiung aus dem Gefängnis in Katalonien; aber unter den Bedingungen, welche ihm dabei auferlegt wurden, befand sich keine, die das Schicksal der Söhne Manfreds betraf. Don Giacomo, der Sohn des im Jahre 1285 verstorbenen Königs Pedro und Constanzas, wurde als Herr Siziliens anerkannt: die Kinder Manfreds blieben in ihrer Kerkernacht.

Es ist ein unauslöschlicher Schimpf für diese ersten Aragonen Siziliens, daß sie ihre unglücklichen Verwandten hilflos verschmachten ließen. Selbst ihre Schwester, die Königin Constanza, tat nichts für sie. Sie kam im Jahre 1297 nach Rom, und hier schlossen die feindlichen Häuser Anjou und Aragon Frieden und Familienverschwisterung. Die Tochter Manfreds vermählte ihre eigene Tochter Violanta mit Robert von Neapel. Unter dem Lärm jener Versöhnungsfeste ward der verhungernden Söhne Manfreds nicht oder nur mit Kälte und wahrscheinlich nur so weit gedacht, daß man die Stimme des Gewissens mit einigen Bitten um Erleichterung ihrer Haft beschwichtigte. Und doch war die Königin Constanza, welche der Papst absolviert hatte, zur bigotten Betschwester geworden: als solche starb sie im Jahre 1302 zu Barcelona.

Zu ihrer Entschuldigung wollen wir annehmen, daß sie den Forderungen gegenüber, welche ihr der Papst, Neapel und Aragon entgegenstellten, machtlos blieb, und außerdem: die Religion der Großen reicht nur bis dorthin, wo die Staatsgründe anfangen, denn weiter hinaus wird Religion zur Torheit!

Um alle Hoffnungen getäuscht, welche die Ereignisse seit der Sizilianischen Vesper in ihnen erweckt haben mußten, hatten jetzt die drei Söhne Manfreds keine andere Zukunft vor sich als ewige Gefangenschaft, wie einst ihr edler Oheim Enzius.

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