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Wanderjahre in Italien

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 102
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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Manfredonia

1874

Nach Foggia zurückgekehrt, beeilten wir uns, nach Manfredonia zu fahren, um dieses einzige noch fortdauernde Denkmal des Heldenkönigs Manfred zu sehen. Die Entfernung beider Städte voneinander ist genau die von Rom und Tivoli. Die Fahrstraße führt durch die Ebene fort, welche zur Linken von dem langen Bergrücken des Garganus abgeschlossen wird, während sie sich zur Rechten unabsehbar ausdehnt und am Horizont verliert.

Diese Ebene rings um Foggia ist der obere Teil des Tavoliere Apuliens. Sie erinnert an die Campagna Roms, wo auch vom Oktober bis in das Frühjahr hinein Tausende von Schafen weiden, die vom Abruzzenland und der Sabina dorthin getrieben werden. Aber sie ist grasreicher und steppenartiger und weniger malerisch, weil sie eine vollkommene Fläche für das Auge darbietet.

Nach dem Garganus hin und vorwärts gegen Manfredonia ist der Tavoliere fast ganz baumlos. Die Stelle der Bäume und Sträucher nehmen die hohen Schäfte des Fenchels ein, welche schöne Blütenbüschel von goldgelber Farbe tragen. Wie auf dem römischen Gefilde wuchern auch hier die Asphodelen, die Labien und die Menthe, und all das balsamische Kraut, welches Schafe und Rinder lieben. An manchen Stellen war es wie ein wogendes Blumenmeer.

Die grüne Steppe ist, soweit das Auge reicht, mit gemauerten Höfen überstreut. Sie enthalten Vorratshäuser, Wohnungen für Hirten und Verwalter, Hürden, eine Halle für Fuhrwerk und Gerätschaften und dergleichen mehr. Aus jeder solcher Wirtschaft ragt eine kleine Pyramide hervor, deren Spitze ein Schornstein ist. Das sind Öfen, worin der Schafkäse bereitet wird; sie sind die charakteristischen Gestalten dieser endlosen Triften, wie es für die Campagna von Rom die mittelalterlichen Türme und die antiken Grabmäler sind. Auf der ganzen Strecke bis nach Manfredonia hin bemerkte ich nur einen einzigen alten Turm, und dieser stand an der Straße selbst, ehemals ihr Wacht- und Zollturm und dann eine Soldatenstation, als das ganze Gebiet des Garganus von Briganten voll war.

Die warme Jahreszeit hatte sich diesmal auch in Apulien verspätet, denn der Mai war auffallend kalt. Deshalb mochten noch viele Herden auf dem Tavoliere zurückgeblieben sein, statt ihre Sommerquartiere in den Bergen zu beziehen. Wir sahen davon genug, und von jeder Sorte: Rinder, Schafe, Ziegen, Büffel, Rudel von verwilderten dickbehaarten Eseln und von Pferden. Die Hirten zu Roß, die Lanze in der Hand, und zottige Hunde, wie in Etrurien und in Latium.

Der Anblick dieser apulischen Steppe versetzt den Reisenden in weit entlegene Länder und in eine vergangene Zivilisation, und doch ist diese wesentlich italisch und schon den Zeiten angehörig, als das apulische Land noch Daunia hieß. Durch alle Jahrhunderte erhielt sich hier der Urzustand des Hirtenlebens; er begleitete als ein kaum veränderter Naturbestand alle politischen und sozialen Wandlungen Italiens und dauert noch in der Gegenwart fort.

Der Tavoliere umfaßt 800 italienische Quadratmeilen oder 300 000 Hektar. Er dehnt sich durch die ganze Capitanata aus und setzt sich südwärts fort bis in die Provinzen von Bari, in die Basilicata und die Terra von Otranto. Dieses Weideland ist nicht in solcher Ausdehnung, wohl aber zu einem großen Teil, seiner Bestimmung nach älter als die Zeit der Eroberungskriege der Römer in jenen Gegenden, welche sodann, wie man annimmt, unkultiviertes Eigentum des Staates blieben und dazu bestimmt wurden, die Zölle der öffentlichen Weiden zu vermehren. Wie weit der Tavoliere noch während des römischen Kaiserreichs, sodann zur Zeit der Herrschaft der Goten und Byzantiner dem «ager publicus» zugehörte, oder ihm entzogen ward, kann nicht ermittelt werden. Im späteren Mittelalter, zur Zeit der Normannen und der Hohenstaufen, erscheint das apulische Weideland durchaus wieder als königliche Domäne, unter dem Begriff «Regie Difese».

Doch erst am Anfange des 15. Jahrhunderts wurde die Verpachtung der königlichen Weiden systematisch eingeführt. Alfonso I. von Aragon gab das Gesetz, wonach alle Besitzer von Herden in den Berglandschaften gezwungen wurden, jene gegen Abgabe auf dem Tavoliere überwintern zu lassen. Eine darauf bezügliche Verwaltung wurde eingesetzt, unter dem Titel «Dogana della mena delle pecore in Puglia». Sie soll dem Fiskus die jährliche Summe von 300 000 Goldfloren eingebracht haben.

Wanderstraßen für die Herden wurden durch den Tavoliere abgesteckt und wie Chausseen mit Grenz- und Meilensteinen versehen. Sie heißen «Tratturi».

Nichts ist sonderbarer als diese Tratturi. Sie durchziehen einen großen Teil Süditaliens von den Abruzzen Aquilas, vom Gran Sasso und vom Monte Majella bei Sulmona herab bis zu den Bergen in Kalabrien, wo sie ihr Ende nehmen. Seit Jahrhunderten sind sie dieselben geblieben, und es haben sich Millionen von Schafen und Rindern auf ihnen bis zum heutigen Tage gleichmäßig fortbewegt, wie nur immer die Armeen Roms es auf der Via Flaminia oder Appia getan haben.

So zieht sich der Tratturo hin als ein grüner Streif Erde von 40 bis 80 und 100 Meter Breite. Auf ihm wandern die Herden fort, im Herbst in die Ebene herabsteigend, im Mai zu den heimatlichen Bergen zurückkehrend. Ich bin oft in Etrurien und Latium solchen Wanderzügen von Herden begegnet, wenn sie, zuweilen bis 5000 Köpfe stark, die gewöhnliche Fahrstraße anfüllten, alles hemmend, was ihnen entgegenkam. Ihr Anblick war seltsam und bisweilen furchterregend, wenn die Herde aus Rindern bestand. Ich werde nie eine Hirtenszene in Cervetri vergessen, wo ich ein paar tausend gehörnte Rinder vorüberstürmen sah, hinter sich die mit Lanzen hoch zu Roß einhersprengenden Hirten, ihre Generale.

Wie sonderbar muß erst der Anblick der einherziehenden Herden auf dem Tratturo Apuliens sein. Zu ihren Zeiten wandern sie hier Tag für Tag fast ohne Unterbrechung fort. Eine zusammengehörende Herde nennt man hier «punta» – sie besteht aus einer Menge von bisweilen 10 000 Stück. Jede «punta» ist eine wohlgeordnete wandernde Republik; denn sie zerfällt wieder in Unterabteilungen von 300 bis 400 Stück, von denen jede sechs und mehr gewaltige Hunde bei sich hat. Zur Seite reiten die Hirten; den Zug schließt eine Menge von beladenen Maultieren und Pferden. So bewegen sich diese geregelten Massen auf dem Tratturo fort, wo das Vieh auch wandernd immer etwas Gras und Kraut abzurupfen findet.

Von Manfredonia her begleitet ein Zweig des Tratturo in einiger Entfernung die Fahrstraße. Wir fuhren dort auf ihm eine Strecke entlang, um den Weg abzukürzen. Dann sah ich später den großen Tratturo Apuliens, wo er, von den Abruzzen kommend, an den Mauern der Stadt Andria vorbeizieht und südwärts sich in die Provinz Bari wendet. Dort steht ein Grenzstein mit der Inschrift: «P. T. 1810», das heißt «Publico Tratturo». Er stammt demnach aus der Zeit, wo Murat König von Neapel war. Ich betrachtete diesen Stein mit Respekt, wie ein geschichtliches Monument, und zeichnete seine Ziffern in meine Schreibtafel ein. Dieses Zwangssystem der öffentlichen Weiden im Tavoliere (pastorizia sforzata) wurde übrigens schon im vorigen Jahrhundert als ein den Interessen des Ackerbaus schädliches Institut wiederholt angegriffen und die Ansicht aufgestellt: daß jene ausgedehnten Triften in Kulturland zu verwandeln und den Pächtern im Wege des Abkaufs als Privateigentum zu überlassen seien. Unter dem französischen Regiment wurde in der Tat jenes System aufgehoben durch ein Gesetz vom 21. Mai 1806. Aber die bourbonische Regierung führte im Jahre 1817 den alten Zustand im Tavoliere wieder ein. Endlich wurde nach der Annexion Neapels an das Königreich Italien durch das Gesetz vom 26. Februar 1865 das Edikt von 1817 wieder aufgehoben und die Befreiung der Weidetriften durch Abkauf festgestellt.

Der Weidezwang soll demnach aufhören, die Tratturi sollen verschwinden, die Pächter Eigentümer werden, und der Hirte soll sich in den Bauer verwandeln. Dieser Plan kam bereits teilweise zur Ausführung, aber er stößt auf vielen Widerspruch und große Hindernisse. Eine Reihe von Schriften ist darüber veröffentlicht worden, von denen ich nur zwei nenne: «Studien und Vorschläge über das Gesetz der Befreiung des Tavoliere Apuliens» vom Deputierten Giuseppe Andrea Angeloni (Neapel 1872), und «Der Tavoliere Apuliens oder die ökonomisch-industrielle Zukunft Italiens und Deutschlands» vom Ingenieur Consolini (Neapel 1872), ein Programm und Statut der internationalen Kreditbank, welches dem Fürsten Bismarck gewidmet ist. Diese beiden Schriften verteidigen die Aufhebung des Weidezwanges, aber andere Stimmen haben sich erhoben und erheben sich noch täglich gegen den Plan der Regierung. So brachte die «Unità Nazionale» Neapels am 1. Juli dieses Jahres einen bemerkenswerten Aufsatz «über die Aufhebung der Tratturi», worin der Verfasser nachweist, daß diese Maßregel die Viehzucht Süditaliens zerstören, mit ihr auch den Ackerbau beeinträchtigen und ein Chaos von Rechtsverletzungen, von Streitigkeiten und Prozessen erzeugen müsse.

Die große Lebensfrage des Tavoliere, schon seit zehn Jahren Gegenstand des Studiums für die italienische Regierung und der Debatten im Parlament, schwebt demnach noch unentschieden. Da wir keine berufenen Richter darüber sein können, so wollen wir uns mit dieser Frage nicht den Kopf zerbrechen, sondern unsere Straße weiterziehen und beobachtende Blicke auf die Gefilde werfen. Sie sind in Wahrheit vollkommene Einöden.

Auf der ganzen Strecke von drei Stunden Wegs bis nach Manfredonia berührten wir keinen Ort, es sei denn hie und da ein vereinzeltes Hirtengehöft. Die Via Appia von Cisterna bis Terracina und das pontinische Sumpfland zu ihrer Seite sind zehnmal belebter als diese apulische Landschaft. Auf der übrigens sehr gut gehaltenen Fahrstraße begegneten wir kaum drei bis vier Wagen, worunter sich die Post befand, und nur ein paar Reiter trabten sie entlang, um einer mitten in der Wildnis gelegenen Meierei zuzueilen.

Doch kamen uns hie und da Gruppen von Menschen zu Pferd und zu Fuß entgegen, anscheinend tief ermüdet von langer Wanderung. Weiber und Männer trugen den herkömmlichen langen Pilgerstab (bordone) in der Hand, an dessen Spitze ein grüner Fichtenzweig mit Pinienzapfen und ein in brennend roten Farben gemaltes Heiligenbild befestigt waren. Sie sahen seltsam und fremdartig aus. Woher sie kamen, zeigten sofort jene Symbole; denn der Pinienzweig war ohne Frage dort oben auf dem Garganus gewachsen, und das Heiligenbild stellte den geflügelten Drachentöter S. Michael dar. Diese Pilger kamen hoch vom Vorgebirge aus der wunderbaren Kapelle des Erzengels herab, wo am 8. Mai das große Pilgerfest gefeiert worden war und sich noch den ganzen Monat hindurch fortsetzte. Noch viele Tage später, selbst noch bei unserer Rückreise von Tarent her, begegneten wir an den lachenden Ufern des Aufidus solchen Scharen der vom Garganus heimkehrenden Pilger. Wir näherten uns unterdes immer mehr diesem Gebirge, welches wir stets zur Linken hatten. In meilenweiter Linie, wie eine unübersteigliche chinesische Mauer emporgetürmt, streckt es sich nach dem Adriatischen Meer aus. Es zeigt jetzt seine mächtigen Gliederungen, wild zerrissene Felsenkegel, Schluchten und Täler, finstere Pinien- und Eichenwälder und Abhänge, grünend von Olivenkultur, aber nur wenige kleine Ortschaften zu seinen Füßen. Die Luft war durch Wolken verdunkelt, welche für unsern Blick auch die hochgelegene Pilgerstadt Sant Angelo verdeckten. Es war empfindlich kalt geworden; wir hüllten uns ein so gut wir es vermochten, als durchreisten wir diese Landschaft mitten im Winter.

Auf der Hälfte des Weges rasteten wir ein wenig an einer Schmiede, welche zugleich Schenke war. Viele Hirten standen dort mit einem Rudel zottiger Esel, welche sie beschlagen oder von Schäden heilen ließen. Diese verwilderten Menschen und Tiere, große Blutlachen auf dem Boden, die berußten schwarzen Gebäude und neben ihnen ein Sumpf, durch welchen ein Fluß nach dem Meer seinen stillen Lauf nahm, bildeten die bizarrste Szene einer vollkommenen Räuberherberge. Wir forderten einen Trunk Wein, uns zu erwärmen, worauf der Wirt aus einer großen Kanne einen echten Räuberwein einschenkte, schwarz wie Tinte und nicht genießbar.

Von dort an steigt das Land zu öden Hügeln auf, die noch den Golf von Manfredonia verdecken. Wir fuhren an einem Steinbruch vorbei, aus welchem das Material für die Bauten in Foggia gezogen wird. Er hatte das Aussehen von Syrakuser Latomien in kleinen Verhältnissen. Der Kalkstein, welcher dort gebrochen wird, ist von der zartesten weißen Farbe. Man zerschneidet ihn in kleine längliche Würfel. Er verhärtet erst an der Luft und wird fest wie Travertin.

Vier Millien vor Manfredonia kamen wir an den Ruinen einer verlassenen Abtei vorüber, mit höchst malerischen Portalen und einer wohlerhaltenen Tribüne von edlem romanischen Baustil. Sie war einst eine der reichsten Kommenden der Deutschritter und hieß «San Leonardo ordinis Theutonicorum». Nach der Angabe Ughellis warf sie die jährliche Rente von 20 000 Goldfloren ab. Außer ihr gab es in der Diözese Siponto noch zwei andere Abteien, die der Zisterzienser von «S. Giovanni in Lamis» und die berühmte Abtei der Benediktiner «Santa Maria de Pulsano», beide im Garganuslande, wo ihre schönen Kirchen noch fortbestehen. Heute bildet San Leonardo den Kern einer Meierei und wird nur von Hirten bewohnt.

Unterdes stieg unsere Ungeduld, das Meer und das ersehnte Ziel unserer Fahrt zu erblicken, denn es war bitter kalt, und der Sturmwind ermüdete uns. Der Himmel stand ostwärts von Gewittern überzogen, die uns beklagen machten, daß der erste Anblick dieses sonst in südlicher Lichtfülle strahlenden Meeres uns verlorengehen müsse. Als wir aber endlich die Höhe oberhalb San Leonardo erreichten, sahen wir vor uns ein Küstengemälde von wahrhaft überwältigender Schwermut und dunkler Pracht. Nimmer hätte auch die klarste und glänzendste Sommersonne solche Farben hervorgezaubert, wie sie jetzt der Abendhimmel im Kampf mit dem Schatten jener über dem Golf lagernden Wetterwolken hervorbrachte. Vor uns lag das Meer in unbeschreiblich finsterglühenden Farbentönen von tiefstem Schwarz, dunkelstem Grün und Blau, umfaßt von einem meilenweiten niedern Küstensaum, der in Violett schimmerte, während große Sümpfe und Maremmenseen, der Pantano Salso, und südwärts nach Barletta hin der See von Salpi bald vom zartesten Rosenrot, bald von grünen und gelben Farben glänzten. Nordwärts stand darüber in dunkler Majestät der Garganus, jetzt als riesiges Vorgebirge in das Meer gelagert zu seinen Füßen am Golf eine kleine Stadt mit einem altersgrauen Kastell und einem Leuchtturm am Hafen, worin ein paar schwarze Segelschiffe ankerten. Alles dies überflattert von Gewölk und Windessausen. Da riefen wir jubelnd den Namen Manfred und Manfredonia!

Eine halbe Stunde vor der Stadt steht, hart an der Fahrstraße und nicht weit vom Meer, eine kleine altertümliche Kirche mit Vorhalle in romanischem Bogenstil. Ihr Portal ruht auf Säulen, die von Löwen getragen werden. Die Fassade ist ein einfaches Viereck aus gelbem Travertin, ohne jede Gliederung. Ein Glockenstuhl und ein kleiner Turm erheben sich darüber. Auf dem verödeten, mit Gras bewachsenen Platz vor dem Portal steht melancholisch eine einzelne antike Säule ohne Kapitäl und liegen einige Bruchstücke eines antiken Tempels am Boden. Das ist alles, was von der alten Hafenstadt Sipontum übrigblieb, denn zu deren Stätte sind wir nun gelangt, und jene Kirche ist Santa Maria Maggiore, die ehemalige Kathedrale des Erzbistums und jetzt der einzige mittelalterliche Überrest der untergegangenen Stadt. Bis auf weniges Gemäuer im Boden ist das alte Sipontum heute völlig verschwunden, während noch um das Jahr 1525 Leandro Alberti so viele und große Ruinen davon übrig sah, daß er aus ihnen den Schluß zog: es müsse eine ansehnliche und edle Stadt gewesen sein.

Die Gründung des ursprünglich griechischen Orts (Sipus bei Strabo) verliert sich in der Mythe, denn von Diomedes soll er erbaut worden sein. Die Stadt lag an einer Einbiegung des großen Golfs und war noch als römische Kolonie ein belebter Hafenplatz. Als solcher dauerte sie, obwohl verfallen, bis auf die Zeit Manfreds fort. Nach der christlichen Legende war Sipontum eines der ältesten Bistümer Italiens und sein Bischof von S. Petrus ordiniert. Allein der erste bekannte dortige Bischof war Felix, welcher in einem Konzil des Jahres 465 genannt wird. Die uralte Kathedrale war Sitz der Erzbischöfe, doch diese verlegten ihn, wahrscheinlich aus Furcht vor den Raubzügen der Sarazenen, einige Zeit lang auf den Monte Gargano, und Leo IX. vereinigte Sipontum sogar mit Benevent. Nachdem die alte Kirche Santa Maria verfallen war, wurde sie am Anfange des 12. Jahrhunderts unter Paschalis II. neu gebaut. Diesem Bau gehört auch die merkwürdige Unterkirche an, zu welcher 21 Stufen hinabführen. Ihr Gewölbe wird von 20 kleinen Granitsäulen getragen, welche antik sind. Dicke moderne Rundpfeiler stützen dasselbe. In der Oberkirche, einem prächtigen Bau aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts, gehören auch die Außenmauern mit dem Portal noch dem 12. Säkulum an.

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