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Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten

Josef Ruederer: Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
booktitleWallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten
authorJosef Ruederer
year1899
publisherGeorg Bondi Verlag
addressBerlin
titleWallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten
pages3-256
created20020423
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1899
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Der Pfarrer von Sankt Leonhard trat jeden Morgen, wenn er die heilige Messe gelesen hatte, an das offene Fenster seines Studierzimmers und schaute, ob Regen, ob Sonnenschein war, zur Kirche der heiligen Barbara hinüber, und der Pfarrer von Sankt Barbara trat gleichfalls jeden Morgen, wenn er die heilige Messe gelesen hatte, an das offene Fester seines Studierzimmers, und schaute, ob Regen, ob Sonnenschein war, zur Kirche des heiligen Leonhard hinüber.

Dabei rauchte der Pfarrer von Sankt Leonhard gewöhnlich eine Pfeife und sah ganz verdrießlich vor sich hin, der von Sankt Barbara aber rauchte keine Pfeife und sah ganz zufrieden vor sich hin.

Und da sich die beiden Pfarrhöfe auf Rufweite gegenüberlagen, hätten die hochwürdigen Herren wieder einmal gute Gelegenheit gehabt, die schönste Unterhaltung zu beginnen.

Diesmal hätte freilich der Pfarrer von Sankt Barbara gelacht, und zwar sehr höhnisch, mit unverhohlener Schadenfreude.

Der von Sankt Leonhard aber hätte sich nicht lange auf solche Auseinandersetzungen eingelassen, sondern höchstens in brummigem Tone erwidert:

»Unterstehen Sie sich, und werfen Sie uns da herüben noch einmal Schwindel und Aberglauben vor, Sie . . . . Sie, Erzgauner da drüben.«

»Die Heilige hat eben ihr Wunder wiederholt,« hätte der Pfarrer von Sankt Barbara mit gläubigem Aufblick erwidert.

»Jawohl, aber mit einer kleinen, nicht unwesentlichen Abänderung, das werden Sie zugeben müssen.«

Und das war auch ganz richtig. Der arme Geiger hatte damals noch einmal spielen müssen, um die Wahrheit seiner Worte zu beweisen. Erst dann schenkte man ihm Glauben und Leben. Dem Katzenbräu-Leonhard war das in Gnaden erlassen worden, die Mundharmonika ein zweitesmal vor der Heiligen in Bewegung zu setzen, seine hochbegeisterten Landsleute glaubten ihm schon auf das erste Wort.

Da hatten es die Leonharder schon schlimmer mit ihm vor, an ihrer Spitze der rasende Lebzelter, der für dreißig schrie.

Zu ihm war der Leonhard im ersten Fieber gelaufen, denn er sagte sich in seiner Dummheit:

»Wenn der Alte den Schuh sieht, dann stürzt er überwältigt zur Erde und giebt mir heute noch meine vielgeliebte Barbara zum ehelichen Weibe.«

Der Alte aber blieb ganz aufrecht stehen und gab ihm statt der vielgeliebten Barbara eine tüchtige Maulschelle.

Dann rannte er von Haus zu Haus, bis endlich das ganze Dorf auf den Leonhard zustürzte und ihn mit Fäusten und Stöcken zur Kirche der bestohlenen Heiligen hinüberstieß. Dort verlangten die Leonharder mit erhobenen Stimmen von den ganz verblüfften Einwohnern entweder die Probe oder den Tod des Tempelschänders.

Erst nach und nach begriffen die Barbarer, worum es sich handelte. Sie sahen bald auf ihren ganz verzweifelten Sündenbock, bald auf die tobenden Leonharder und wußten nicht recht, was sie sagen sollten.

Endlich aber kam Leben in die versteinerte Masse, und da stürzten sie plötzlich mit lautem Hosiannageschrei vor dem Katzenbräu-Leonhard nieder wie vor einem Heiligen.

»Er hat's vollbracht,« schrieen sie und küßten den Saum seiner Kniehosen.

»Gestohlen hat er, gestohlen . . . .« wetterten die Leonharder.

»Nehmt euch in acht mit euren Worten,« riefen die Barbarer in drohender Haltung.

»He, he, he!« meckerten die Leonharder. »Wer hat's denn gesehen?«

Wer es gesehen hatte? Auch darum waren die Barbarer gar nicht verlegen.

Gleich humpelte ein alter Dorfbettler, ein schlichter Mann mit weißem Silberhaar, herbei, der zur selben Zeit in der Kirche gewesen war, dort wieder kam ein altes Frauchen mit Krücken und gab freudige Zeugenschaft, die Ministrantenbuben hatten es von der Sakristei aus beobachtet, ein Blinder sogar hatte das Wunder schauen dürfen, und schließlich wollte das ganze Dorf dabei gewesen sein.

»Elende Lügenbrut,« schrieen die Leonharder.

Wie eine Alarmtrompete wirkte dies Wort auf die halbverkrachten Barbarer. Aller schwer verhaltener Grimm brach mit einemmale heraus und entlud sich als schreckliches Gewitter auf die hochmütigen Leonharder.

Was im Orte war an Waffen, an landwirtschaftlichen Geräten, am Feuerspritzen, wurde aus den Häusern gerissen, und nun sausten unter dem Geläute der Sturmglocken die Fäuste mit jener hohen Kraft hernieder, die jedes selbsterlebte Wunder gläubigen Seelen zu verleihen pflegt.

Selbst als die Leonharder schon lange in ihr Dorf zurückgetrieben waren, ruhten ihre erbitterten Gegner nicht eher, als bis der letzte Mann in sein Haus geworfen war und nicht mehr muckste. Dann erst trugen sie ihren wunderbegnadeten Leonhard mit wildem Jubel zur heiligen Barbara hinüber.

Ihr Pfarrer erteilte den Segen und ließ das Tedeum singen.

Der Pfarrer von Sankt Leonhard aber ging unruhig im Zimmer des alten Zachen umher, dem der ganze Schädel blutig gehauen war.

»'s ist zu dumm,« sagte er vor sich hin und lachte wie einer, dem gar nicht zum Lachen ist.

»Alle meine Wunden wollt' ich geduldig tragen,« wimmerte der Zachen in seiner Bettstatt, »wenn nur nicht das schöne Geschäft kaput ginge!«

Das war's ja gerade, was auch dem Pfarrer durch den Kopf ging.

Es brauchte nur irgendwo ein neues Wunder zu geschehen – die Leute krochen auf allen Vieren hin wie die Fliegen zum süßen Leim.

»Glauben Hochwürden nicht,« lispelte der Zachen wieder, »daß unser heiliger Leonhard bald auch einmal wieder was recht schönes vollbringt?«

»Albernes Zeug!« brummte der Pfarrer. »Bildest du dir ein, das geht so alle Tage, wie beim Bäcker mit den frischen Semmeln?«

Jahre mußten verstreichen, bis man dem heiligen Leonhard wieder ein bescheidenes Wunder glaubte, vorerst war's mal aus mit ihm.

»O, du, mein Gott!« stöhnte der Lebzelter.

»Ja, da kann man halt nichts machen,« meinte der Pfarrer achselzuckend.

Das Wunder war zu groß, zu deutlich, es sprang so sehr in die Augen, daß alle andern dagegen schwächlich erscheinen mußten. Darüber war sich der erfahrene Seelsorger schon lange im Reinen.

Ächzend hob der Zachen seinen verbundenen Kopf vom Kissen und deutete vorwurfsvoll auf seine Tochter:

»An der ganzen Geschichte ist dein Liebhaber schuld, der elende Katzenbräu-Leonhard. Oh, wenn der Bursche nur noch einmal zum Fenster hereinsteigen wollte – lebendig käm' er mir nicht mehr hinaus.«

Das Mädchen in der dunkeln Ecke gab keine Antwort, der Pfarrer aber war aufmerksam geworden.

Dieser Leonhard, der an Heiligen Diebstahl beging, war auch imstande, trotz aller Gefahren nächtlicherweile wieder einzusteigen, meinte der Pfarrer. Warum er seine Meinung für sich behielt, wußte er eigentlich selbst nicht, jedenfalls aber sah er die gute Barbara auf den künftigen Einbruch ihres Leonhard noch bedeutungsvoller an als sonst und strich ihr beim Weggehen freundlich die Wangen.

»Laß den Alten nur schimpfen,« sagte er. »Der heilige Leonhard wird's doch noch recht machen.«

»Ach was, der heilige Leonhard,« meinte Barbara wegwerfend, »der hilft mir auch nichts mehr.«

»Kann man nicht wissen, ich geb' die Hoffnung für euch noch nicht auf.«

Und zu Hause sann er beim Scheine seiner Lampe noch lange nach. Besonders das saubere Mädel, die Barbara, wollte ihm nicht aus dem Kopf, und je länger er an sie dachte, um so ruhiger und vergnügter wurde er an diesem Unglückstag. Mit dem angenehmen Gedanken an sie legte er sich sogar zu Bette und träumte von ihr in verschwommenen Umrissen, daß sie es sein werde, die den ganzen Schwindel mit dem Wunderschuh wieder ans Licht der Sonne bringe.

Aber Träume bedeuten das Gegenteil.

Das mußte der besorgte Pfarrer von Sankt Leonhard gleich am andern Morgen erfahren, wo ihn die Dankesglocken von Sankt Barbara mit vollen Tönen erweckten.

Laut und wuchtig ließen sie ihre ehernen Stimmen über das ganze Land ertönen, um die ungeheure Wallfahrt gebührend einzuläuten, die jetzt von Osten und Westen, von Norden und Süden einmütig unternommen wurde.

Die Leonharder hatten gar nicht für möglich gehalten, daß es überhaupt so viele Menschen geben könnte, die jetzt in Sankt Barbara täglich zusammenströmten. Unermüdlich kamen die Pilger herbei, denn jeder wollte den Wunderschuh und vor allem den frommen Leonhard sehen, dem er zugeflogen war.

Die ersten Wochen erschienen Landleute zu Fuß und zu Wagen, dann rückten die Mönche und barmherzigen Schwestern an, in langen Prozessionen, und als die Glockentöne immer noch weiter weckten, fuhren hochfeine Herrschaften aus Schlössern und Städten vor, mit vielzackigen Kronen auf den Equipagen und auf den Knöpfen ihrer Lakaien.

Ähnliches war weder in Sankt Leonhard noch in Sankt Barbara jemals erschaut worden.

In Sankt Leonhard sah man's auch jetzt nicht, denn jeder fromme Wallfahrer, kam er barfüßig oder in Lackschuhen, glaubte die ewige Seligkeit zu verlieren, wenn er nicht in dem Orte seine Lebsucht befriedigte, wo das Wunder geschehen war.

Die glücklichen Barbarer mußten Baracken bauen, weil die Häuser nicht mehr genügten, der Katzenbräu aber hüpfte wie besessen in seinen Sudkesseln herum.

Sein Bier tranken die wackern Pilger wieder, als ob's der Pfarrer dreimal geweiht hätte, und in seinem Hause durfte er verlangen, was ihm beliebte, weil die vornehmen Herrschaften alle bei ihm wohnen wollten, um dem wunderbegnadeten Leonhard so nahe wie möglich zu sein. Außerdem waren schon krummnasige Herren mit schweren Uhrketten und blitzenden Ringen bei ihm erschienen, die gegen schwere Bezahlung sein ganzes Besitztum samt dem wunderbegnadeten Leonhard in eine Aktiengesellschaft verwandeln wollten, ja ein frommer Minister hatte ihm sogar für die allernächste Zeit eine Klingelbahn nach dem gesegneten Wallfahrtsorte versprochen.

Drüben die Leonharder schwindelte es. So etwas hatten sie in ihrer schlichten Weise niemals für möglich gehalten, und besiegt durch die Größe der Thatsachen, rafften sie sich nach einigen Monaten auf zu einem heroischen Entschluß.

Sie wollten die Klügeren sein, sie wollten nachgeben. In geheimer Sitzung beschlossen sie, ihren heiligen Leonhard nicht mehr der heiligen Barbara vorzuenthalten.

Ihr Pfarrer war wütend. Er hatte sich im Vertrauen auf de Lebzelters Tochter schon manches zurechtgelegt und schimpfte nun ganz gehörig.

»Eine charakterlose Gesellschaft seid ihr,« fuhr er den Alten an.

»Es ist halt ein Versuch,« meinte der Zachen, »man muß alles probieren bei den schlechten Zeiten.«

Und Barbara faltete bittend die Hände. Auch sie hoffte sich etwas Ersprießliches von der Wiedervereinigung der Heiligen, wie ihr plötzlich so versöhnungsfreudiger Vater und die Leonharder.

»Na, so geht zum Teufel!« schrie der Pfarrer.

Zum Teufel wollten die Leonharder nicht, sondern zur heiligen Barbara, um die uralte Sitte der gemeinsamen Wallfahrten endlich wieder zu erneuern.

Gleich am nächsten Sonntag machten sie den längst schuldigen Gegenbesuch.

Aber da kamen sie schön an. Die Barbarer ließen sie überhaupt gar nicht ins Dorf hinein, geschweige denn in die Kirche. Sie hatten von dem wahnsinnigen Vorhaben ihrer Nachbarn noch rechtzeitig Wind bekommen und standen nun wie eine Mauer an der Grenze zusammen. Da winkten sie ab mit Händen und Füßen, und als sie den heiligen Leonhard auf seiner schwankenden Tragbahre erblickten, stimmten sie ein satanisches Gelächter an.

»Tragt ihn nur wieder hinüber,« riefen sie, »wir haben jetzt selbst unsern heiligen Leonhard.«

Und ob sie ihn hatten! Von der heiligen Barbara sprach schon bald keine Seele mehr. Alles galt der neue heilige Leonhard mit seinem Wunderschuh.

Um den vielbegehrten Jüngling saßen jetzt vornehme Damen in seidenen Kleidern, seidenen Unterröcken und seidenen Strümpfen herum, die ihn mit zärtlichen Blicken verfolgten. Jede wollte erst dann an den vollen Erfolg ihrer Wallfahrt glauben, wenn sie mit ihm in Berührung gekommen war und sein täppisches Lachen vernommen hatte, jede wollte die andere überbieten an hoffnungsfroher Hingabe, um so in den Besitz der höchsten Gnaden zu gelangen.

»Leonhard! Leonhard!« tönte es lockend von allen Seiten.

Dem so zärtlich Gerufenen war das anfangs ganz recht. Er wußte zwar nicht, was er sagen sollte, aber er grinste mit dem ganzen Gesichte, wenn die schöngewachsenen Frauen andächtig in seine hochgeschossene Nase wie in einen Feldstecher hineinblinzelten und mit ihren Sammethänden seine mausgraue Joppe ehrfürchtig betasteten.

Als das aber immer so fortging vom Morgen bis zum Abend, da begann er wieder einmal nachzudenken. Er grübelte nach über diese sonderbare Wirkung des Wunders und mußte sich sagen, daß er sich eigentlich etwas ganz anderes erwartet hatte.

Die festen Brüste, die herrlichen Arme, die feinen Gesichter, die kostbaren Brillanten, das prickelte ja wohlig von den Nagelschuhen bis unter die pomadisierten Haare, aber mitten in diesem nie geschmeckten, sinnverwirrenden Duft sehnte er sich plötzlich nach dem kräftigen Stallgeruch seiner Barbara, die er nie vergessen konnte.

Und da fühlte er sich kreuzunglücklich in der Rolle, die er täglich spielen mußte. Er hörte auf zu lachen, er verzog sein Gesicht, und schließlich heulte er.

»Laßt mich 'naus!« schrie er eines Tages, als es ihm gar zu dumm wurde. Dann rannte er einige Stunden über die Felder, verfluchte die ganze Wundergeschichte und verfluchte die parfümierten Weiber.

»Das sind so Wallungen,« sagte der Pfarrer. »Die werden sich geben.«

Der Leonhard wußte nicht, was Wallungen waren.

»Sie sind der Widerstand, den dir der böse Feind entgegensetzt,« erwiderte feierlich der Pfarrer. »Aber sei gewiß, du wirst ihn siegreich überwinden.«

Jetzt war der Bursche so klug wie zuvor.

»Die Leonharder wollten mit ihrem Heiligen herüber zu uns,« sagte er zögernd.

»Ja, aber was geht das uns an?« fragte der Pfarrer verduzt.

Oh, den Burschen ging es sehr viel an. War doch der Zachen mit seiner Tochter wieder dabei gewesen. Da hätte er vielleicht Versöhnung feiern und die liebe Barbara endlich heiraten dürfen.

Ganz entsetzt prallte sein Seelsorger zurück:

»Was fällt dir ein? Daran ist nicht zu denken!«

Der gottbegnadete Leonhard, der Mann mit dem Wunderschuh, der reine Jüngling – heiraten! Und noch dazu die Tochter eines Leonharder Spitzbuben – das wäre ja! Welche von den vornehmen Damen glaubte dann noch an seine himmlische Sendung, an seine ungeschwächte Wunderkraft? Nein, das gab's nicht, das war unmöglich, das war ausgeschlossen für alle Zeiten.

»So? Dann freut mich die ganze Heiligkeit nicht mehr,« sagte patzig der Bursche.

Der Pfarrer zog die faltige Stirn noch dichter zusammen.

»Was soll das heißen?«

Verlegen sah der Bursche auf die Seite.

»Nun ja, wenn mir das ganze Wunder nicht einmal so viel einbringt, daß ich die Barbara kriege, dann . . .«

»Dann?« forschte der Pfarrer.

»Nun ja, dann . . . dann . . .« stotterte der Leonhard und wußte nicht mehr weiter vor diesen stechenden Augen.

»Ich möchte dir's raten,« sagte der Pfarrer mit eisernem Nachdruck. »Jetzt gehst du 'mal sofort zu der heiligen Barbara und betest zehn Rosenkränze zur Buße für deine Versündigung und zwanzig Avemaria noch extra, damit dir deine dummen Heiratsgedanken auf immer vergehen. Marsch!«

Der Bursche that wie ihm befohlen war, aber weil die Gebete nur der Zahl nach und ohne Andacht verrichtet wurden, halfen sie nichts. Die Heiratsgedanken blieben, und der Leonhard versündigte sich weiter gegen das Wunder.

»Es ist überhaupt gar keines gewesen,« sagte er ganz kalt zwei Wochen später am Biertisch. »Nein, es ist kein Wunder gewesen. Ich selber hab' den Schuh langsam heruntergezupft, damit ihr's nur wißt.«

Jetzt wäre er bald wieder geschlagen worden wie damals, als er aus dem liebeswarmen Bette seiner Barbara direkt in die rauhen Arme seiner Landsleute lief.

»Was? Du wagst eine solche Lüge,« hieß es, »wo's das ganze Dorf gesehen hat?«

»Wer hat's denn gesehen?« fragte der Leonhard.

Alle hatten es natürlich gesehen.

»Jawohl,« sagte höhnisch der Leonhard, indem er die blitzenden Zähne fletschte.

»Er ist verrückt geworden,« raunte der Biertisch und klapperte mit den zinnernen Stammkrügeln, damit die andern nichts hören sollten.

Der Leonhard aber gab noch nicht nach.

»Ein Schwindel ist's!« schrie er durch die ganze Stube hin. »Und das sag' ich, so wahr ich nächstens bei dem Zachen seiner Tochter 'mal wieder einsteigen werde.«

Alle sahen sich an.

»Bei der Barbara? Ja, was soll denn das sein?«

»Das sind so Wallungen,« sagte der Pfarrer beschwichtigend. »Sie gehen schon vorüber.«

Draußen aber nahm er seinen neuen Dorfheiligen auf die Seite und drohte ihm mit kräftigen Rippenstößen, daß ihm einstens der böse Feind den ganzen Hintern mit glühenden Zangen zerkratzen werde, und zwar ohne Erbarmen, immerfort, so . . . so . . . so . . .

»Ach, nein, ach, ja nicht,« jammerte der Bursche, der vor der Hölle eine gräßliche Angst hatte.

»Nun gut,« sagte er Pfarrer aussetzend, »dann wirst du endlich diese frevelhaften Reden lassen und nicht mehr an die Barbara denken.«

Es half ihm alles nichts – er mußte der Heilige bleiben.

»In Gottes Namen,« sagte er seufzend. Dann setzte er sich unter die vornehmen Herrschaften und nahm sich vor, niemals wieder in seinem Leben um ein Wunder zu bitten.

Unten der Biertisch steckte noch lange die Köpfe zusammen.

Glücklicherweise hatten die andern Leute nur des Burschen letzte Drohung vernommen, diese aber machte am andern Morgen schon die Runde durch Sankt Leonhard.

»Schau, schau,« schmunzelte der dicke Pfarrer, »schau, schau, schon so bald.«

Besser hatte er's ja gar nicht wünschen können. Seine Schutzbefohlenen waren mit ihrer unsinnigen Wallfahrt gehörig abgeblitzt, und der neue heilige Leonhard drängte mit allen Kräften zur tugendhaften Barbara.

Mit Befriedigung wartete nun der Pfarrer auf das losbrechende Geschrei, das bald genug zum Fenster hereindrang.

Die Leonharder nahmen den Mund gar voll, als sie von den lüsternen Absichten des sogenannten Heiligen Kunde bekamen. Sie hatten die erlittene Demütigung noch nicht vergessen und rieben sich kampfbereit die Hände.

»Der soll uns kommen! Wir warten so schon lange auf ihn,« sagten sie.

Ihre Nachbarn gaben sehr gereizte Antworten auf eine solche Zumutung und erklärten das ganze Gerede für freche Überhebung. Ihrem wunderbegnadeten Leonhard fiele es gar nicht ein, diese häßliche Barbara noch einmal aufzusuchen.

Jetzt ging der Pfarrer bedächtig zum Zachen.

»Deine Tochter ist nicht mehr sicher bei dir,« sagte er. »Jede Nacht kann der Leonhard anrücken, und du bist ein alter Mann.«

Der Lebzelter hatte schon alle Vorbereitungen für einen möglichst feierlichen Empfang des nächtlichen Besuchers getroffen und behauptete, sich gar nicht zu fürchten.

»Das geht unmöglich,« sagte der Pfarrer. »Nicht du, das ganze Dorf muß Barbara beschützen, und ich selbst will sogar ein besonderes Opfer bringen: Ich will Barbara in mein Haus nehmen.«

Der Lebzelter erstarb vor Ehre und Dankbarkeit, Barbara aber zog am andern Tage in den Pfarrhof, begleitet von den Segenswünschen ihres Vaters und von sämtlichen Leonhardern.

In feierlicher Prozession schritt sie inmitten alles Volkes, und hinter ihr trugen ihre Schwestern den heiligen Leonhard, der noch immer so erstaunt aussah, als wollte er fragen:

»Was ist denn jetzt da wieder los?«

Seine andächtige Gemeinde gab ihm keine Antwort, sondern sang mit frommen Gefühlen die vorgeschriebenen Gebete. Die guten Leute nahmen es bitter ernst mit ihrer Aufgabe und wollten den Barbarern schon zeigen, daß sie entschlossen waren, bis zum äußersten zusammen zu halten, wenn es galt, die Ehre einer unbescholtenen Jungfrau zu verteidigen.

Und Barbara war auf dem besten Wege, in ihren Augen wieder eine zu werden.

»Eine saubere Jungfrau! Ihr sollt euch was schämen,« riefen lachend die Nachbarn drüben.

Mit hoheitsvoller Miene gingen die Leonharder über diese Sticheleien hinweg. Sie beteten immer fleißiger, sie wurden immer frömmer und sahen all ihr Heil und ihre Zukunft in der neu erstehenden Reinheit ihrer arg bedrängten Barbara. Nicht von heute auf morgen vollzog sich dieses Wunder, aber eines Tages war es geschehen, und alle Leonharder glaubten daran wie auf höhere Weisung. Den vorlauten Gegenzeugen versteckten sie stundenweit bei armen, verschwiegenen Leuten, und jener Nacht, wo sie des Zachen Tochter blau geprügelt hatten, wollte sich niemand im Dorfe besinnen.

Da waren die Barbarer schon mit besserem Gedächtnis gesegnet.

»Wenn wir reden wollten!« sagten sie höhnisch.

Und sie redeten nur nicht, weil ihr wunderbegnadeter Jüngling damals sein redlich Teil an der Sache hatte.

Die Leonharder nahmen das zarte Schweigen von der richtigen Seite und handelten um so ungestörter. Alle Wochen zogen sie mit ihrem neuen Wunderkinde durch das Dorf und flehten den Himmel an, daß er's schützen möge vor den unzüchtigen Schandthaten des frechen Leonhard.

Das wurden den Barbarern endlich zu dumm. Sie gaben ihrem Jüngling eine ständige Ehrenwache, und als sie sich nun seiner wie eines schweren Verbrechers versichert hatten, riefen sie, um der Sache ein Ende zu machen:

»So, entweder zeigt ihr uns jetzt sofort den Leonhard bei eurer Barbara drüben, oder ihr seid eine ganz gewöhnliche Schwindelgesellschaft. Punktum!«

»Vielleicht geduldet ihr euch ein bischen,« sagte lächelnd der behäbige Pfarrer und riet seiner Gemeinde, nur fleißig die Prozessionen fortzusetzen, die immer besser besucht wurden.

Schon kamen Landleute aus der Umgegend, schon konnte der Zachen wieder eine seiner Verkaufsbuden eröffnen, einmal erlebten die Leonharder sogar die Freude, einen Pilger bei sich zu sehen, der von dem Wunderschuh so gut wie gar keinen Erfolg gehabt hatte.

Der fromme Mann war äußerst aufgebracht über die Zustände in Sankt Barbara. Das Bier sei noch schlechter als zu Zeiten der gemeinsamen Wallfahrten, in den Wirtshäusern gäbe es kaum einen Platz, die Preise seien unverschämt, und den neuen heiligen Leonhard bekäme nur der zu Gesicht, der dem Katzenbräu die Nase mit Geld stopfe.

Die Leonharder sagten, das sei eine Gemeinheit und bewirteten den wackeren Pilger aufs beste.

Da wurde er gesprächiger und erzählte noch mehr.

Die einfachen Leute hielten sich von Sankt Barbara schon ferner, dagegen kämen immer noblere. Augenblicklich sei sogar eine wirkliche Prinzessin beim Katzenbräu abgestiegen, die für unermeßliches Geld gleich das ganze Haus auf lange gemietet habe und dem wunderbegnadeten Leonhard Tag und Nacht auf dem Kragen sitze.

Wieder schüttelten die Leonharder die Köpfe und meinten, da seien bei ihnen doch gesündere Verhältnisse.

Ihre neuerstandene Jungfrau aber, die alles gehört hatte, erzählte mit thränenden Augen ihrem geistlichen Schutzherrn von der Prinzessin.

»Na, sei nur gut,« beschwichtigte er und klopfte ihr gütig das Mieder. »Die wird auch nicht ewig da drüben bleiben.«

Barbara haßte diese vornehmen Weibsbilder überhaupt alle, ob's die Prinzessin war, oder eine andere.

»Was liegt denn dran?« fragte der Pfarrer mit ganz eigentümlichem Lächeln, »um dich sitzen vielleicht in ganz kurzer Zeit ebenso feine Mannsbilder herum.«

Vor einer solchen Aussicht bekreuzte sich Barbara heimlich. Sie faßte die Sache etwas anders auf als der gemütliche Pfarrer und war von nichts weiter entfernt als von gewöhnlichem Brotneid, denn sie hatte unter ihrer neuen Würde so wie so schon genug zu leiden.

Ohne sie zu fragen hatten ihr die Leonharder diese Jungfräulichkeit aufgezwungen. Jetzt saß sie da mit ihr, und ihre Landsleute liefen des Nachts mit Spießen und Laternen durchs Dorf, um den angekündigten Besuch ihres Burschen zu verhindern.

Die Barbara aber bedankte sich für dieses Wunder. Sie wäre bereit gewesen, die ganze verdammte Jungfernschaft heute noch ohne Gewissensbisse ihrem Herzallerliebsten wie die erste zu schenken, ja, sie hätte dazu sogar noch gelacht und den dummen Leonhardern was ordentliches gepfiffen.

Freilich mußte sie das alles für sich behalten. In ihrer Dachkammer aber weinte sie ganze Nächte lang vor Eifersucht, und sie wäre noch unglücklicher gewesen, hätte sie einen Blick in des Katzenbräu festlich gestimmtes Haus werfen können.

Dort ging es gar flott her seit dem Einzug der Prinzessin.

Der Leonhard mußte Champagner trinken und mit der Mundharmonika aufspielen, wie damals vor der heiligen Barbara.

Bis ins kleinste wollte die hohe Dame womöglich das Wunder in eigener Person erleben. Wenn nun der Leonhard tüchtig herumhobelte, dann schwelgte sie immer in reinstem Entzücken und warf ihm zum Danke ihren zierlichen Lederschuh an den Schädel, bis man die Beulen sah. Gleich darauf zog sie ihn mit ihren weißen Armen wieder an sich, daß dem Burschen die ganze Welt vor Augen tanzte.

Und dabei lachte sie immer so herzlich, die gütige Prinzessin.

Sie war gekommen mit einem Troß von Wagen und Koffern, von Bedienten und Kammerjungfern. Hundert Kleider hatte sie mitgebracht, vierzig Schlafröcke, ein großes Klavier, zwei Papageien, eine Badewanne, in der zwei Platz hatten, vier hellbraune Möpse und auch noch einen sehr gebrechlich aussehenden Herrn mit blendender Glatze und gelber Gesichtsfarbe, ihren Gemahl. Der schlich mit verdrießlichem Gesichte die Hintertreppen auf und nieder. Zu den Wundern des angebeteten Leonhard schien er wenig oder gar kein Vertrauen zu haben. Einmal sagte er sogar zum alten Katzenbräu, er habe schon so viel erlebt, daß er überhaupt nicht mehr imstande sei, zu glauben.

Um so inniger glaubte die Prinzessin selbst, und der schwerfällige Leonhard hätte gar nicht aus Fleisch und Blut sein müssen, wenn er nicht schließlich auch mit voller Inbrunst an die Prinzessin geglaubt hätte.

Er wurde ja mit goldenen Ketten behangen, er wurde gehätschelt, daß es ihm eiskalt über den Rücken lief, und prügelte ihn die Prinzessin in Stunden übler Laune auch mal mit der Reitpeitsche durch, so that das noch lange nicht so wehe, wie die Hiebe der Barbarer und Leonharder. So pfiffig war auch der Leonhard, und darum schlug er sich seine verlassene Barbara allmählich aus dem Sinn.

Was blieb ihm denn auch andres übrig? Er bekam sie ja doch nicht. Halb aus Verzweiflung, halb aus Liebe gab er sich der Prinzessin hin und spielte ihr munter die Harmonika auf.

Mit großer Genugthuung bemerkten die Barbarer diese Wandlung. Sie waren von Haus aus dankbare Menschen, die ein Verdienst zu würdigen wußten. Darum stellten sie die Ehrenwache ein und ließen den gottbegnadeten Jüngling wieder in Freiheit herumlaufen.

Nun war es aber die Prinzessin, die sich nicht lumpen ließ. Aus edler Erkenntlichkeit gab sie den Barbarern ein glänzendes Fest, wie sie ein solches noch niemals gesehen hatten.

In allen Straßen wurden dickleibige Fässer feurigen Weines aufgestellt, auf dem Marktplatz wurde ein großer Ochse gebraten, und zum Schlusse warf die Prinzessin von ihrem Balkon aus Gold- und Silberstücke auf die entzückte Menge hinab. Da ließ das trunkene Dorf die gütige Spenderin mit solchem Geschrei leben, daß sich die Leonharder ganz aufgeregt fragten, wann denn endlich die Strafe des Himmels auf das verruchte Sodom herniederfahren werde.

Und diesmal brauchten sie nicht lange zu warten, das Verderben kam. Unbemerkt schlich es von der Seite daher in lockender, trügerischer Gestalt, und ehe sich noch die Barbarer besannen, hatte es sie schon bei der Gurgel gepackt. Gleich am andern Morgen kam es gezogen, als sich die Zechgenossen noch den Schlaf aus den Augen rieben.

Eine Amerikanerin fuhr beim Katzenbräu vor mit einem Gefolge, das noch dreimal so groß war, wie das der Prinzessin. Die Dame war sehr jung, sehr schön und sehr nervös. Ohne viele Umstände sagte sie dem Katzenbräu, sie sei gekommen, um drei Monate hier zu bleiben und den wunderkräftigen Leonhard auf so lange zu pachten. Dann bot sie dem glücklichen Vater kurzweg das doppelte, was die Prinzessin bezahlte, wenn er diese Dame noch heute auf die Straße setze.

Der Katzenbräu wurde sehr verlegen. Er wollte schon gern eine solche Riesensumme verdienen, aber er nannte sich einen ehrlichen Mann, der abgeschlossene Verträge gewissenhaft zu halten pflege. Außerdem sei die Prinzessin eine sehr feine, hohe Dame, der man so etwas doch nicht anthun könne, und überhaupt . . .

Die Amerikanerin zuckte die Achseln und bot ganz gelassen das Fünffache, wenn bis morgen früh zehn Uhr das ganze Haus vom Dach bis zum Keller geräumt sei.

Jetzt hielt der Katzenbräu nicht länger mehr Stand, denn mit dieser Summe konnte er ganz Sankt Barbara kaufen, und wenn's ihm paßte, Sankt Leonhard nebst einigen Ortschaften noch dazu. Er ging zur Prinzessin und sagte ihr auf.

Das war ein schöner Schrecken! Die Ärmste fiel von einer Ohnmacht in die andere; dann tobte sie, weinte und wollte dem Alten mehrmals die Augen auskratzen. Aber das war alles umsonst, denn der Katzenbräu nannte sich einen Mann, der abgeschlossene Verträge gewissenhaft zu halten pflege.

Da hörte die Prinzessin endlich zu weinen auf und erklärte plötzlich in ruhigstem Tone, daß sie morgen schon in aller Frühe das Dorf verlassen haben werde.

Und sie hielt getreulich, was sie versprochen hatte, zur großen Freude des Katzenbräu und aller rechtlich denkender Barbarer. Am andern Morgen war sie richtig verschwunden, aber mit ihr war noch ein anderer verduftet, der gottbegnadete Leonhard, und das freute den Katzenbräu schon weniger und die Barbarer erst recht nicht.

Ein gellender Wutschrei hallte durch das ganze Dorf von der einen Ecke zur anderen. Männlein und Weiblein liefen mit gerungenen Händen vor dem Katzenbräuanwesen zusammen und betrachteten verzweiflungsvoll die endlose Auffahrt der Amerikanerin, die nun statt des wunderkräftigen Leonhard nur noch den zurückgelassenen Gemahl der durchgebrannten Prinzessin vorfand.

Alles wollte die junge Dame trösten, alles wollt sie bitten, noch einige Tage zu warten, da der Leonhard ja doch bald wiederkäme, aber die Amerikanerin ließ mit allen Zeichen des Abscheus die Pferde wenden, und hinter ihr flohen die erschreckten Pilger in hellen Haufen von der Stätte des grausen Zusammenbruchs eiligst hinweg.

Mit lautem Jammergeschrei zogen sie nach Sankt Leonhard hinüber, wo zu Ehren der Jungfrau wieder mal eine große Prozession durch die Straßen marschierte. Die Flüchtlinge schlossen sich an und erzählten noch ganz aufgeregt, was sie eben mit Schaudern erlebt hatten.

»Schützt unsere Barbara,« riefen die Leonharder. »Des Katzenbräu elender Sohn ist durchgebrannt und lauert ihr auf.«

»Ach, wenn's nur wahr wäre,« stöhnte die Jungfrau aus tiefstem Herzensgrunde.

Aber ihre Seufzer wurden erstickt von dem Schlachtgeheul der anrückenden Barbarer.

Die guten Leute waren den ungetreuen Pilgern nachgelaufen und stürzten sich nun mit voller Wucht auf die andächtigen Nachbarn.

»Ihr habt uns unsern Leonhard gestohlen,« tobten sie. »Gebt ihn heraus, oder wir bringen euch um.«

Jetzt wurden die frommen Bittgänger böse:

»Was? Wir haben gestohlen? Euer sauberer Leonhard will unsere Barbara stehlen. So liegt die Sache.«

Die Barbarer stimmten ein wütendes Gelächter an. Sie wußten es am besten, daß der Leonhard diesmal wirklich nicht zur Barbara gegangen war, und durften den Gegenbeweis nicht ausspielen, wenn sie sich nicht noch lächerlicher machen wollten, als sie so schon waren. Weil sie aber neue Sündenböcke brauchten, schrieen sie immer noch ärger:

»Den Leonhard wollen wir haben! Ihr habt ihn verzaubert, ihr habt ihn verhext! Ihr seid schuld an der ganzen Geschichte.«

Ganz gelassen gingen die Leonharder in ihrer Prozession weiter, und von allen Seiten strömten noch neue Pilger herbei.

Wütend sahen die Barbarer auf die zunehmenden Massen:

»Aha, jetzt gedeiht das Wallfahrtsgeschäft mit eurer sogenannten Heiligen. Aber, wartet nur, wir setzen einen Preis aus für ihre neue Jungfernschaft, und unsere Burschen sollen sich darum bewerben, damit der Schwindel ein Ende hat.«

»Schützt unsere Barbara!« riefen die Pilger aufs höchste erschrocken. Alle scharten sich um die Bedrängte, wie um eine Märtyrerin, die von wilden Tieren zerrissen werden soll.

Das reizte die Barbarer zur sinnlosen Wut entfesselter Stiere:

»Unser Leonhard wird sich befreien – er wird auch wieder seine Wunder wirken wie früher – er wird wiederkommen, ja er wird wiederkommen . . .«

»Na, da soll er wiederkommen,« lachte der dicke Pfarrer.

»Er ist wiedergekommen!« tönte plötzlich eine schrille Stimme dazwischen.

Der Erzengel Gabriel wäre nicht jubelnder begrüßt worden, wenn er plötzlich in Flammen herniedergestiegen wäre, als diese Himmelsbotschaft von den Barbarern.

In seliger Verzückung sahen sie nach ihrem Dorfe hinüber. Dort stand der, der gerufen hatte, ihr Pfarrer, an seinem Fenster und winkte leichenblaß, sie sollten alle nach Hause gehen.

Das ließen sich die Barbarer nicht zweimal sagen. Wie die Narren hüpften sie in ihr Dorf zurück und eilten mit Purzelbäumen und Juchzern zum Katzenbräu:

»Wo ist er? Wo war er? Wo war er? Wo ist er?«

Der Pfarrer wehrte sie ab:
»Ihr könnte ihn jetzt nicht sehen . . . . er ist noch sehr . . . . angegriffen . . . . Ihr müßt euch noch einige Tage gedulden.«

Das war freilich kaltes Wasser auf die hochgestimmten Seelen, denn alle Barbarer hätten den Wiedergekehrten am liebsten auf die oberste Spitze ihres Kirchturms getragen, um den Leonhardern zu sagen:

»Da schaut her! Da ist der Leonhard wieder. Jetzt seid ihr die Blamierten, denn ihr habt ihn uns doch nicht entreißen können.«

So aber mußten sie mit langen Nasen abziehen, und wußte gar nicht wo aus und wo ein, denn sowohl der Pfarrer als der Katzenbräu sahen trotz der plötzlichen Rückkehr des gottbegnadeten Leonhard recht kummervoll in die Welt.

»Also kann er noch keine Wunder wirken?« fragten sie ganz leise, um ja die Ruhe des Kranken nicht zu stören.

Der Pfarrer machte ein schmerzliches Gesicht.

»Vorerst noch nicht,« sagte er gedämpft. »Das wichtigste ist aber, daß der kranke Jüngling heimgekehrt ist.«

Damit ging er in das leere Haus zurück, wo er mit dem Katzenbräu ratlos auf die Erde starrte.

Der Pfarrer von Sankt Leonhard aber lachte zur selben Stunde, daß ihm der Bauch wackelte, und der totkranke Jüngling saß mit der Prinzessin im vornehmsten Weinlokal einer großen Stadt.

Seine gütige Gebieterin hatte ihm einen Frack angezogen und einen Zylinder aufgesetzt, was dem wunderthätigen Leonhard wie dem Pudel im Cirkus zu Gesicht stand. An allen Ecken juckte es ihn, und schon nach zehn Tagen fühlte er sich im Trubel dieser ungeheuren Stadt so einsam wie niemals zuvor. Schon begann er die Peitsche der Prinzessin schmerzlicher zu empfinden als auf dem Lande, schon fürchtete er sich vor allen Menschen, die ihm begegneten und ihn so sonderbar anschauten.

Eines Abends aber fing er zum großen Zorne seiner hohen Gönnerin bitterlich zu weinen an. Seine Barbara war ihm wieder eingefallen, seine Barbara, die er treulos verlassen hatte, und die er um keine Prinzessin vergessen konnte. Bei der nächsten Gelegenheit dachte er durchzubrennen.

Das hatte der Pfarrer von Sankt Leonhard ja gerade gewollt!

Auch er hätte es gern gesehen, wie die Barbarer, wenn der reine Jüngling wieder zurückgekehrt wäre und plötzlich auf der Spitze des Kirchturmes gehangen hätte, nur wünschte er ihn in Sankt Leonhard hoch oben zu sehen, nicht bei der wunderthätigen Heiligen. Für diesen Spaß wäre er bereit gewesen, was ganz besonderes zu spenden, ja, er hätte sich vielleicht sogar herbeigelassen, die Unschuld der neuen Heiligen dafür zu opfern.

»Paß auf, ich krieg' dich doch noch,« sagte er wie die Köchin vor der Mausefalle, wenn er wieder mal eine Nacht auf den Leonhard gewartet hatte.

Am andern Morgen flehte er denn vor versammeltem Volk den Schutz des Himmels für die verfolgte Jungfrau herab und segnete mit immer breiterem Schmunzeln die wachsende Zahl der Pilger und Pilgerinnen.

Vierzehn Tage sahen das die Barbarer mit an. Der wunderbegnadete Leonhard war jetzt zurückgekehrt, also brauchten sie sich nicht weiter zu kümmern. Allerdings war er immer noch krank, so krank, daß ihn nur der Herr Pfarrer besuchen durfte, sonst keine Seele.

Doch die Barbarer verzagten nicht. Den ganzen Tag gingen sie in den leergeblasenen Baracken spazieren, um sich die Zeit zu vertreiben, oder sie besprachen in den öden Kneipen mit unwilligem Kopfschütteln die immer größeren Wundererfolge der neuen Heiligen von Sankt Leonhard.

»Daß man machtlos dagegen ist,« sagten sie und erhöhten den Preis um Barbaras Jungfernschaft, den noch keiner erworben hatte.

Zahllose Burschen waren schon hinübergegangen, aber regelmäßig mit blutigen Köpfen zurückgekehrt, denn die Leonharder paßten auf, und den Barbarern verging mit den Tagen alle Freude auf ein Wiedersehen.

Immer gereizter rotteten sie sich vor dem Katzenbräuanwesen zusammen. Dort, hinter einem dichtverhangenen Fenster im dritten Stocke ruhte ja ihre ganze Hoffnung, und die Barbarer suchten mit gierigen Augen durch den grünen Vorhang zu dringen, ob sich denn der kranke Leonhard immer noch nicht von seinem Schmerzenslager erheben wollte.

»Lange dauert es schon,« brummte einer einmal, und hundert andere wollten ihm beipflichten.

»Nun ja, es wird schon werden,« beruhigte ein zweiter, und ein dritter drängte sich an den alten Katzenbräu, der eben zur Thüre herauskam.

»Geht's denn immer noch nicht besser?«

»Wir sind genau so weit wie am ersten Tage,« war die Antwort des tiefgebeugten Vaters.

»Das ist aber doch sonderbar,« murmelten die Leute.

Und drüben die Leonharder fingen zu lachen an.

»Wo ist er denn, euer Leonhard? Wo ist er denn?«

»Ja, wo ist er denn?« fragte auch der dicke Pfarrer, wenn er seinen ganz geknickten Kollegen nach der Messe am Fenster sah.

Der alte Zachen gab ihm eines Abends die Antwort darauf. Er stürzte plötzlich ins Zimmer, als ob ihm der Satan auf den Fersen folge:

»Herr Pfarrer! Herr Pfarrer . . . Der Leonhard ist da!«

»Bei uns herüben?«

»Nein,« sagte der Zachen, »auf dem Felde draußen will ihn einer gesehen haben.«

Der Pfarrer war etwas ernüchtert. Immerhin beschloß er diesmal besondere Maßregeln zu treffen. Er befahl seinen Leuten schon um acht Uhr ins Bett zu gehen und verbot dem Zachen irgendwie Lärm zu schlagen.

Dann trat er an das Fenster und sah lange nach Sankt Barbara hinüber, auf das die Dämmerung langsam herabsank. Mit grauen, trübseligen Schatten schlich sie einher wie der Katzenjammer, der das ganze Dorf umsponnen hielt.

Wieder hatten die frommen Bewohner vierzehn Tage gewartet, wieder waren sie durch die leeren Baracken gestiegen, mit bangen Sorgen für die Zukunft.

Der gottbegnadete Leonhard aber rührte sich noch nicht.

Jetzt verloren die Barbarer ihre mühsam bewahrte Haltung. Ein dumpfer Groll zog durch die gläubigen Seelen, anfangs noch mehr gegen das allgemeine Unglück gerichtet, allmählich aber nahm er bestimmte Formen an, und heute entlud er sich mit zügellosere Gewalt aufs Haupt des Pfarrers und seines Spießgesellen, des alten Katzenbräu.

Vollzählig wie immer stand das ganze Dorf vor dem Fenster des Leonhard und lugte in der Dunkelheit zu dem matten Lichte hinauf, das hinter dem Vorhang allabendlich angezündet wurde, wie eine Wallfahrtskerze in der Kirche.

Da drang auf einmal die unsichere Kunde durch die schweigende Menge, daß derselbe Leonhard, vor dessen Lager sie eben in finsterer Verzweiflung warteten, ganz kerngesund nicht weit vom Dorfe auf freiem Felde herumlaufe.

Den Barbarern drohte das Hirn zu erkalten. Zwar fanden sie sich nach dem ersten Schrecken wieder und erklärten dieses Gerücht als einen rohen Gaunerstreich der pietätlosen Leonharder, aber argwöhnisch, wie sie das vergebliche Warten gemacht hatte, ließen sie eilig den alten Katzenbräu auf die Straße kommen.

»Wo ist der Leonhard?« fragten sie, und ihr Ton verriet nichts gutes.

»Auf seinem Zimmer,« lautete die mißvergnügte Antwort.

»Wirklich?«

»Na, wo denn sonst?«

Wo sonst? Die Leonharder behaupteten ihn heute Abend gesehen zu haben. Ob der Katzenbräu das schon wisse?

Nein, das wußte er allerdings noch nicht, der unglückliche Katzenbräu. Mit Entsetzen nahm er die Schreckensnachricht entgegen. Die Barbarer hatten ihn scharf in die Augen genommen und merkten gleich, wie er zitterte.

»'Raus mit dem Leonhard,« schrieen sie, »wir wollen ihn haben, denn er muß uns helfen.«

Ängstlich bat sie der Katzenbräu stille zu sein, der Leonhard habe heute einen besonders schlechten Tag.

»Ach was,« schrien die Leute, »wir waren die ganze Zeit so still, daß er schon lange gesund sein müßte. Jetzt setzen wir uns einmal herein zu dir und gehen nicht eher fort, bis uns der heilige Leonhard in aller Glorie erschienen ist.«

Der Katzenbräu mußte gute Miene zum bösen Spiele machen und anzapfen lassen. Als geiziger Filz that er das ungern, aber er hoffte, die Kerle würden im Rausche den Leonhard vergessen und wieder von dannen ziehen.

Freilich in dieser Hoffnung sollte er bitter getäuscht werden. Die Barbarer blieben bis zum grauenden Morgen, sie fraßen alle Vorräte bis auf die Knochen und soffen die Fässer leer – nun aber, als es nichts mehr zu zehren gab, wurden sie erst recht ungemütlich:

»Wo ist der Leonhard? Wo ist er? Wir fragen zum letztenmal!«

Und da sie keine Antwort bekamen, warfen sie die letzte Scheu über den Haufen, die sie von dem geheimnisvollen Zimmer bis jetzt zurückgehalten hatte und stürmten die Treppe hinauf.

Dem Katzenbräu gingen die Haare aus vor Angst und Verzweiflung. Er hörte, wie sie die Thüre einschlugen, er hörten ihren gräßlichen Wutschrei, als sie das Zimmer leer fanden, und nun hörte er mit bangem Schaudern, wie die rasenden Bestien sein ganzes, schönes Haus samt allem, was darin war, den Stockwerken nach ohne Schonung in Trümmer schlugen. Da klirrten die Fensterscheiben, da krachten die Spiegel, da flog das Porzellan an die Wände und dazwischen tönte das Geheul der gläubigen Barbarer, die auf so schnöde Weise um ihren Heiligen betrogen waren.

»Wo ist der Leonhard?« kam es immer weiter herunter, und traf es den Katzenbräu selber, der wie gelähmt auf seinem Stuhle geblieben war.

An seinem schuldbeladenen Haupte schlugen die Barbarer zum Abschied noch sämtliche Trinkgeschirre entzwei, denn er hatte diesen Sündenhandel mit der Amerikanerin geschlossen, er hatte den Fremden die Taschen geleert, er hatte den Leonhard entwischen lassen und hatte ihnen alles zerstört, ihre Existenz, ihren Glauben und vor allem ihre Ehre.

Aber auch der Pfarrer, der sie so schändlich belogen hatte, sollte nicht zu kurz kommen, meinten die Barbarer und rannten in weiten Sätzen zur Kirche hinauf.

»Wo ist der Leonhard!« tönte es auf einmal in das stille Studierzimmer herein. Dem Pfarrer schwante nichts gutes. Er schlug ein Kreuz und floh in die hinterste Ecke.

Aber immer näher und immer wilder schallte es von unten herauf:

»Wo ist der Leonhard? Wo ist der Leonhard?«

Ja, wenn das der Pfarrer gewußt hätte! Er hätte ihn ja vergolden lassen und seine Füße geküßt, er hätte die heilige Barbara vom Hochaltare genommen und den Burschen darauf gesetzt, aber so konnte er nur die Hände ringen und mit klopfendem Herzen dem Höllenspektakel lauschen.

Schon flogen Steine ins Zimmer, schon schlug es gegen die Hausthüre mit Stecken und Beilen, schon kroch der Pfarrer unter das Sofa und stammelte ein Sterbesprüchlein, da – plötzlich ward es totenstill, als ob ein vernichtender Hagelschlag mitten im ärgsten Wüten eingehalten hätte. Und es fing auch nicht wieder an, es blieb ganz still, erst nach einigen Minuten tönte ein schwaches Gemurmel herauf, wie ferner, verschwindender Donner.

Da nahm der Pfarrer sich endlich zusammen und kroch aus seinem Versteck wieder hervor. Als er aber mit aller Vorsicht den Kopf wieder aufrichtete, da blieb er stehen wie die Barbarer, regungslos und festgebannt, und schaute mit weitaufgerissenen Augen nach Sankt Leonhard hinüber.

Dort stand der dicke Pfarrer am Fenster und rauchte mit freundlichem Lächeln seine Pfeife wie jeden Morgen.

Das wäre nichts auffälliges gewesen, doch, was der Pfarrer von Sankt Barbara auf dem steilabfallenden Giebel des Pfarrhofes entdeckte, das trieb ihm den Schweiß aus allen Poren und seinen Schutzbefohlenen nicht minder.

Von der schwindligen Höhe sandte der dicke Kamin schwere Rauchwolken zum hellblauen Morgenhimmel, daneben aber schlotterte einer herum im kurzen Hemde, das über und über mit schwärzlichem Ruße gefärbt war.

Und dieser verschlagene Flüchtling war kein anderer als der langgesuchte, gottbegnadete Leonhard!

Schon die halbe Nacht stand er dort oben, denn der dicke Pfarrer hatte ihm so tüchtig eingeheizt, daß er den Weg nicht mehr zurückkonnte, den er geflohen war.

Sprachlos sah es sein Seelsorger, sprachlos sah es seine Gemeinde. Wie geblendet standen sie, und so mancher der tiefgläubigen Barbarer meinte wieder vor einem jener Wunder zu stehen, mit denen die beiden frommen Gemeinden in den letzten Monaten so überreich gesegnet waren.

Nur der Pfarrer von Sankt Leonhard schien diesmal an kein Wunder zu glauben. Er rauchte ganz gemächlich seine Pfeife zu Ende, und manchmal blinzelte er zu den vernichteten Barbarern herüber, als wollte er sagen:

»Na, da habt ihr euren Heiligen, holt ihn doch, und gebt ihm den Preis, den ihr ausgesetzt habt für die Jungfernschaft.«

Aber die Barbarer wollten nichts mehr wissen von Preisen und Jungfernschaften. Sie sahen nur noch ihre Niederlage und sahen ihren heiligen Leonhard in seiner jämmerlichen Verfassung.

Darum gingen sie hin und holten ihn. Nicht im Triumphzug wie damals, als er das Wunder vollbracht hatte, sondern ganz verschüchtert, ganz demütig, in Sack und Asche.

Dann schlichen sie in die Kirche auf Geheiß ihres Pfarrers, der plötzlich that, als sei er vom Himmel erleuchtet worden, seine Schafe auf eine neue, verheißungsvolle Bahn zu geleiten.

Dort nahmen sie die ganz vergessene, heilige Barbara herunter, die sich vor Ehre gar nicht mehr auskannte, und nun zogen sie mit ihr lautlos nach Sankt Leonhard hinüber, wo eben zum Danke für die wunderbare Errettung der tugendhaften Jungfrau eine feierliche Prozession aus der Kirche rückte.

Langsam schritten die Pilger unter Posaunenklängen einher, und sie wehrten es nicht, als sich die Nachbarn mit ihrer Schutzpatronin ganz am Ende des Zuges anzuschließen wagten.

Als sich dann im allgemeinen Gedränge die heilige Barbara etwas nach vorn schob, da schauten die Pilger freilich fast ebenso erstaunt drein wie der heilige Leonhard, der seine Wundergenossin nach so langer Trennung wieder erblickte, aber sie duldeten auch das. Erst dann wurden sie etwas unruhig, als des Katzenbräu tiefgeknickter Sohn in seinem Büßerhemde herbeiwankte und zerknirschten Herzens auch ein bischen teilnehmen wollte.

Der dicke Pfarrer beruhigte sie wieder und gab vor allem Volke ein herrliches Beispiel christlicher Versöhnung. Er nahm den reuigen Sünder freundlich beim Arm und führte ihn zum Erstaunen aller Pilger mit lächelnder Miene neben die sanft errötende Barbara.

Dann aber wandte er sich zu seinem Kollegen, der vor eifrigem Beten kaum mehr die Lippen zubrachte und sagte leise, aber doch sehr deutlich:

»Ich hab' nichts dagegen, wenn der Leonhard und die Barbara ihre Wunder von jetzt an gemeinsam wirken, aber das sag' ich Ihnen, eine solche Blamage wie mit der Prinzessin kommt mir dann nicht mehr vor. Verstanden?«

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