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Wallenstein's erste Liebe. Zweiter Band

Karl Herloßsohn: Wallenstein's erste Liebe. Zweiter Band - Kapitel 13
Quellenangabe
authorKarl Herloßsohn
titleWallenstein's erste Liebe. Zweiter Band
publisherA. Hartleben's Verlag
yearo.J.
firstpub1844
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171101
projectid8ef46a07
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XII.

Die Gräfin Camilla van Meer verlebte zwei schreckliche Tage. Es tobte und wogte in ihrer Brust wie von Stürmen und Flammen. Sie wälzte sich rastlos auf ihrem Lager, bald weinend, bald Verwünschungen ausstoßend und Rache brütend. Sie wies jeden Trost, jede Theilnahme ihrer Dienerinnen zurück. Ihre Ruhe und Entsagung nach dem letzten Auftritt war nur eine erheuchelte gewesen. Sie fühlte es, daß sie für diesmal den Köcher ihrer Drohungen und Liebkosungen erschöpft, sie mußte neue Waffen suchen. Darum schied sie scheinbar wehrlos und geknickt. Sie wollte, sie konnte den Mann nicht aufgeben; jetzt war es weniger die Liebe als der Haß, welcher dies erheischte, der Haß gegen ihre unbekannte Nebenbuhlerin. Eine solche nur konnte ihr Albrecht's Herz geraubt, seinen Sinn von ihr gewendet haben. Diese Nebenbuhlerin mußte sie erforschen und verderben. Jetzt fiel ihr Marga ein. Mossoun, diesen Namen führte die Alte in Brüssel, war doch schon damals die Vermittlerin ihres Verhältnisses mit Albrecht, die Vertraute ihres Liebeshandels und ihrer Geheimnisse. Die Alte war auch in Prag offenbar mit Waldstein noch in Verbindung; denn als sie dieselbe zufällig auf der Straße getroffen, erkannt und durch ihren Diener in ihre Wohnung beschieden, gab ihr Marga zuerst die Nachricht von seiner Anwesenheit und übernahm die Botschaft an ihn. Seitdem war das Weib freilich wie verschwunden; aber offenbar wußte sie mehr über Albrecht's gegenwärtige Verhältnisse, über eine neue Verbindung, die sie selbst angedeutet. Mossoun mußte gefunden werden. Camilla erinnerte sich beiläufig der Gegend, wo ihr die Alte ihre Wohnung bezeichnet hatte. Dorthin – in einen unscheinbaren Mantel gehüllt, eine Halbmaske vor dem Gesicht, mit einer vollen Börse und einem Dolch im Gürtel – lenkte sie in der Abenddämmerung allein ihre Schritte. Mossoun mußte ihre Nebenbuhlerin kennen oder sie erforschen oder – dieser Gedanke durchblitzte sie mit einem neuen Hoffnungsstrahle – einen Liebestrank bereiten. Das Weib hatte sich dieser Kunst in Brüssel mehrfach berühmt. Damals bedurfte Camilla keines solchen Mittels, um Albrecht's Liebe zu erregen und zu fesseln, jetzt aber gedachte sie dieselbe vom neuen zu entflammen.

Sie gelangte in den Aujezd; da fand sie einen Knaben, dem sie sich in deutscher Sprache verständlich machen konnte. Ungern und schüchtern, aber durch ein blankes Silberstück verlockt, geleitete er sie bis an das unheimliche Haus. Hier deutete er auf die hoch über dem Erdboden befindliche Thür und entfloh dann rasch zwischen den Trümmerhaufen.

Camilla rief hier mehrmals mit lauter Stimme Mossoun's Namen und warf endlich ergrimmt einen Stein an die Pforte. Marga erschien an einem der Luglöcher und nachdem sie die Gräfin erkannt und sich überzeugt, daß diese allein war, öffnete sie die Thür und ließ die Strickleiter hinab. Camilla sprang hinauf und folgte der Alten in das Vordergemach. Hier erleuchtete nur eine Lampe das armselige Geräth. Die Gräfin warf sich in einen Stuhl.

»Mossoun!« sagte sie, »warum bist Du nicht wieder zu mir gekommen, warum verbirgst Du Dich vor mir?«

»Habt Ihr doch meiner Dienste nicht bedurft, hab' ich doch Eure Botschaft gewissenhaft bestellt.«

»Mossoun,« fuhr die Gräfin fort und ihre Augen schossen Blitze, »Du mußt aufrichtig sein, sonst biet' ich Dir dies« – sie warf die Börse auf den Tisch, »oder dies« – sie zog den Dolch und ließ dessen Schneide im Lichte funkeln.

»Ihr wißt, gnädige Frau!« grinste die Alte, »ich fürchte weder das Eine, noch das Andere. Mit dem Letzteren habt Ihr immer nur gedroht, bei dem Ersten aber stets Wort gehalten.«

»Wer, wer,« fragte Camilla heftig und ihr Busen wallte auf, »ist Albrecht's neue Geliebte, seine Braut sogar? Du sprachst davon. Ich muß ihren Namen kennen. Du weißt mehr davon. Du weißt alles! Ich ermorde Dich, wenn Du nicht sprichst!«

»Bei unserem Christengotte sei es geschworen,« betheuerte Marga, »ich weiß ihren Namen nicht, weiß nicht einmal etwas Bestimmtes über seine neue Liebe oder die Braut gar. Ich hab' Euch nur so gesagt, was ich unter dem Volke hörte, was ich selbst vermuthete und was der gnädige Herr selbst entfernt andeutete, er sei nicht frei mehr und seine hochgeborenen Verwandten haben ihm eine gar vornehme Frau zugedacht; eine Familienverbindung nannte er es. Beiläufig das! Ihr habt mir ja nicht Auftrag gegeben, mehr zu erforschen, gnädige Gräfin; Ihr wart rein Sturm und Ungewitter und wolltet sie ermorden. Da dachte ich mir denn, Ihr habt sie schon. Seither ist mir die ganze Sache aus dem Sinn gekommen. Doch, wenn Ihr es verlangt; gut, gut! Ich will mich aufs Kundschaften legen; Ihr wißt, darin bin ich bewandert und in wenig Tagen sollt Ihr erfahren, wer Eure Nebenbuhlerin, wie sie heißt, welche Augen und Haare und sogar welch ein Heiratsgut sie hat. Das will ich, gnädige Frau!«

»Nebenbuhlerin,« wiederholte Camilla mit bitterer Geringschätzung, »Nebenbuhlerin? – Nenn' das Wort nicht mehr. Ich liebe Waldstein nicht, ich hasse ihn, nein – ich verachte ihn, ich selbst hab' ihn seines Wortes entbunden. Aber nur kennen will ich sie, Du weißt, wir Weiber sind neugierig, und wissen will ich, ob mir bescheidene Ergebung ziemt oder der Spott mich trösten wird.«

In diesem Augenblicke trat ahnungslos Walperga herein; sie hatte ein einfaches weißes Gewand, einen Blumenkranz im Haar, die silberbeschlagene Laute in der Hand.

»Wer ist das?« rief die Gräfin aufspringend, es durchzuckte sie wie ein elektrischer Schlag, ihre Hand faßte unwillkürlich nach dem Dolch – die Nebenbuhlerin war gefunden, die mußte es sein und keine andere! Sie kannte Waldstein's leidenschaftliche Erregbarkeit; beim Anblick dieses Mädchens konnte er nicht kalt bleiben; vor dieser Schönheit mußte die ihrige erbleichen. Hier also barg er seinen Schatz, die Alte war die Wächterin und das Mädchen selbst die Gesuchte? Alle Furien der Eifersucht und Rache flogen durch ihre Brust, sie bebte, sie wollte umsinken, sie sah ihr Spiel rettungslos verloren; aber sie ermannte sich, nur Geistesgegenwart konnte ihr einen Ausweg schaffen – sie kämpfte die Gewalten nieder in ihrer Brust und setzte sich scheinbar ruhig.

»Meine Tochter,« versetzte Marga, und es durchzuckte sie wie ein Blitz, daß sie Waldstein's Warnung nicht besser beachtet, »das Kind, das Ihr in Brüssel bei mir gesehen und oftmals beschenkt. Sie ist seitdem recht gewachsen.«

»Tritt näher, liebes Mädchen,« sagte die Gräfin und stimmte den Ton zur Milde herab, und ließ ein freundlich Lächeln auf ihrem Gesichte spielen; »dasselbe Kind aus Brüssel – Deine Tochter? Du bist sehr hübsch geworden und – wie groß! Doch wie ich seh', spielst Du die Laute und singst wohl gar?«

»Wir lebten bisher hier von der Musik,« berichtete Marga, »Walperga sang, ich schlug das Tamburin auf den Plätzen und Straßen; das mußten wir jedoch aufgeben, seit ein toller Cavalier, ein Schläger und Trunkenbold uns mit Haß und Spott verfolgt. Seitdem leben wir nun hier als Einsiedlerinnen.«

»Ihr armen Leute,« warf die Gräfin ein; »sing' mir ein Lied, Walperga, eines von der Liebe Qual und Schmerz, von ihrer Rache Lust, von Untergang und Tod – von, von –« Ihre Augen glühten, sie vergaß ihre Rolle.

»Ein solches weiß ich nicht,« versetzte Walperga bescheiden, aber nicht ohne Würde, »doch kenn' ich manches traurige, wenn Ihr darnach verlangt, gnädige Frau.«

Sie nahm die Laute und sang ein Lied von Frühlingslust und abendlicher Pracht und einem Wandersmann, der müde niedersinkt am Waldesrain und eingeht zur ewigen Ruhe. Ihn kennt kein Mensch, ihm drückt keiner die Augen zu, nur die Vöglein aus den Bäumen blicken theilnehmend auf ihn herab und singen ihm ein Grablied, und der Mond, der über den Bergen emporzieht, küßt ihm auf die bleiche Stirn und Wange der Erde letzten Liebeskuß.

Walperga hatte nicht um der Zuhörerin, sondern um des Liedes willen mit seelenvoller Begeisterung gesungen; die Gräfin hatte ihre Stirn auf die Hand gestützt, reiche Thränen rollten unter dieser nieder und netzten den Tisch.

»Es ist genug, Walperga,« sagte Marga unruhig werdend; denn ihre Unvorsichtigkeit schien ihr unheilvolle Folgen zu verheißen, »Du kannst nun gehen; ich habe mit der gnädigen Frau allein zu sprechen.«

Walperga wollte die Hand der Gräfin, wie es sich ziemte, küssen. Diese entriß sie ihr aber und machte eine heftige, erschreckende Bewegung, als hätte sie eine Schlange gestochen; rasch aber faßte sie sich, streichelte ihr die Wange und sagte mit milder Stimme: »Hab' Dank, mein Kind – schlaf' wohl, mein Kind! Ein andermal singst Du mir mehr von Deinen schönen Liedern. Mein Kopf ist heute so wüst – und brennt. Gott sei mit Dir!«

Walperga entfernte sich leise.

Camilla saß noch eine geraume Frist schweigend und überlegend da, sie hatte nach des Mädchens Entfernung den Dolch aus der Scheide genommen und kritzelte und bohrte mit seiner Spitze gedankenlos, wie es schien, in der Fläche des Tisches, auf den sie sich lehnte.

»Bist Du,« fragte sie plötzlich auffahrend, »seit meiner Sendung öfter bei Waldstein gewesen?«

»Auch nicht ein einzigmal,« entgegnete Marga; »habt Ihr mir doch keinen Auftrag gegeben.«

Camilla wollte noch eine zweite Frage thun, doch unterdrückte sie dieselbe und fuhr fort: »Mossoun, ich kann Dir vertrauen, daß Du mir alles sagst! – Bedenk', ich kann auch böse werden; aber ich belohne Dich, wenn Du treu bist. Erforsch' mir die, mit der sich Albrecht verloben will. Ich muß sie um jeden Preis kennen, und dann noch eins, das wichtigste! Du rühmtest Dich in Brüssel, daß Du einen Trank bereiten könntest, der zur Liebe zwingt, die Leidenschaft weckt, die erloschene neu aufregt. Solch einen Trank verschaff' mir! – Glaub' nicht, daß ich ihn für Albrecht brauche; denn Du dienst ihm doch und würdest mich verrathen, darum würde ich es Dir nicht sagen. Er gilt einem Anderen, mir selbst! Ich vertraue Dir das Geheimniß meiner Seele; ich möcht' in Lieb' entbrennen für einen Mann, den ich nicht liebe, der mir aber Glück, Reichthum, Glanz und alle Erdenfreuden bieten will. Du siehst, daß ich des Herrn von Waldstein entrathen kann. Nur das Herz will nicht – wenngleich der Verstand – das spröde Herz soll Dein Trank bezwingen. Schaff' mir den Trank; nicht wahr, wir Beide müssen dann davon trinken, dann ist's vollbracht.«

»Ich weiß nicht, gnädige Frau,« versetzte Marga überrascht und verlegen – denn welchen Plan mochte die Gräfin wieder ausbrüten – »ob ich die Zusammensetzung noch so verstehe wie damals, und dann, gnädige Frau, gab's Fälle, wo er nicht gewirkt, so daß ich selbst nicht ganz daran glaube.«

»Du glaubst, alte Heuchlerin, nur willst Du nicht, allein Du sollst mir nicht entgehen! Fürchte meinen Dolch! – Fürchtest Du den nicht – dann nimm mein Gold. Was liegt Dir d'ran, ob und wen ich lieben will – und wer mich lieben könnte!«

»Wie Ihr so wunderlich seid, gnädige Frau – freilich will ich Euch dienen. Daß Euch der Trank, den ich brauen kann, zur Liebe stimmt, dessen glaube ich versichert zu sein; nur ob er auch zugleich auf einen Anderen einwirkt, dessen bin ich nicht gewiß. Und wozu bedarf's auch dessen; liebt er Euch doch – Ihr wollt nur Eure Gegenliebe.«

Camilla starrte die Alte forschend an, dann sagte sie: »Wozu der Worte? Gieb einen Trank, der den, welcher ihn trinkt, zur Liebe zwingt; ich will lieben, ich werd' ihn trinken, wenn Dich das beruhigt. – Und dann erzürn' mich nicht; betrüg' mich nicht, sonst bringe ich Dich auf den Scheiterhaufen, Hexe!«

»Wie Ihr nur seid, Ihr hohen Herrschaften,« grinste Marga – »entweder dient man Euch darin, was Euch behagt, und man ist ein Engel; oder man kann nicht helfen und heißt eine Hexe. – Ihr sollt den Liebestrank haben – aber es ist heute Vollmond – Ihr müßt bis zum ersten Viertel warten, früher hab' ich die Kräuter nicht. – Fragt in drei Wochen nach! – Doch ehebevor muß ich mich wohl nach Herrn Waldstein's Braut, nach Eurer Nebenbuhlerin erkundigen. – War's nicht so?«

Die Gräfin biß sich in die Lippen – ihr neuer Plan hatte sie dem Weibe gegenüber vergeßlich gemacht und aus ihrer ersten Rolle beinahe herausgerissen. – Sie faßte sich aber rasch, sprang auf – bohrte den Dolch tief in das Holz und sagte: »Das ist die Hauptsache; erkundschafte vor allem die! – Ich kann und mag Dir nun alles sagen, Mossoun! Magst Du mich auch verrathen – ich will nichts Arges, beabsichtige nichts Schlimmes; ich will nur dem Spott entgehen. Höre: Mich liebt ein gar vornehmer Mann und begehrt meine Hand, doch ist er nicht jung und kann in männlicher Schöne mit Albrecht sich nicht messen. – Eh' ich die Hand ihm reiche, möcht' ich ihn lieben – darum Dein Zaubertrank', und eh' ich ihn liebe, möcht' ich wissen, ob Albrecht's Geliebte schön, ob sie seiner werth in äußerem Reiz, mit einem Wort: ob sie mir nachsteht, ob mich überbietet, damit bei meiner Wahl sein Spott mich nicht treffen kann. Ist sie nur reich, nur vornehm und nicht schön, hat sein Verstand sie nur gewählt, nicht sein Herz auch: dann Mossoun, brauch' ich meiner Wahl mich nicht zu schämen, dann stehen wir auf gleicher Stufe, der Neid schweigt und der Frieden ist geschlossen. – Und das ist mein Geheimniß.«

»Dank Euch, Frau Gräfin, für das Vertrauen! Mossoun wird es nicht mißbrauchen. Ihr sollt die Botschaft haben und den Trank. – Gott geb' Euch Frieden in das Herz und lass' Euch einen falschen Mann vergessen, wenn es sein muß. – Ja, man muß sein Gemüth nicht ganz und gar verzweiflungsvoll an einen Mann hängen, das bereitet Schaden. Ich hab' es selbst erfahren. Geht in Gott, gnädige Gräfin, habt Dank für Euer reiches Geschenk; ich dien' Euch gern und nach meinen besten Kräften!«

Sie nahm die Leuchte und geleitete die Gräfin bis zur Ausgangsthür; hier stieg sie zuerst die Strickleiter hinunter und half dann der edlen Frau hinab, und indem sie jene zugleich löste, sagte sie zu Camilla: »Ich darf Euch nicht allein gehen lassen, gnädige Frau – Ihr würdet den Weg nicht finden und es ist hier auch nicht geheuer.«

»Ich fürchte nichts,« antwortete die Gräfin, »auch das nicht, was etwa noch schlimmer wäre, als der Tod!«

Marga begleitete sie bis in die Altstadt, in das Rothe Haus.

Als sie zurückkehrte, saß Walperga in der Wohnstube, die nach der Moldau führte, und las in einem französischen Buche. Sie wandte das Haupt nach der Eintretenden und fragte:

»Das also ist die Gräfin van Meer, von der Ihr mir erzählt, daß Herr von Waldstein –? Ich kannte sie nicht wieder; Kinder haben für dergleichen ein schwaches Gedächtniß.«

»Daß er sie geliebt,« lächelte die Alte, »wer kann das wissen; er hatte seine Abenteuer dort. Allein sie – sie liebt ihn noch und kümmert sich gar sehr um ihn und verfolgt ihn als einen Treulosen. Weiß Gott, was sie im Schilde führt! Er trug mir auf, sie zu entfernen. Wie könnt' ich das? Ich mußt' ihr sagen, daß er sich vermählen würde mit einem vornehmen Fräulein – bloß um sie abzuschrecken. Nun will sie ihre Nebenbuhlerin kennen. Und einen Liebestrank soll ich ihr kochen. Nun, bei ihm schlägt keiner mehr an – für sie, meine ich.«

»Das Weib ist mir grauenhaft,« sagte Walperga halb für sich, »es überlief mich wie ein Todesodem, als sie mich berührte. Mit welchen Leuten befaßt Ihr Euch, Mutter!«

»Alte Bekanntschaft läßt sich nicht verleugnen,« versetzte Marga, »ich hab' ihr auch verschwiegen, daß Herr von Waldstein zu uns kommt; sie hätte sonst einen Verdacht geschöpft und ihren eifersüchtigen Haß auf Dich geworfen. Nun – ich will ihr einen Liebestrank brauen, der weder ihr noch jemand anderem schaden soll.«

»Dies Weib kann er nicht lieben,« fuhr Walperga wie selbstvergessen fort, »und hat er es geliebt, er kann es nicht ferner lieben!«

»Freilich, mein Töchterchen, es war so eine Jugendthorheit, die man leicht vergißt. Aber Dich, Dich, Marinka, liebt Herr Albrecht, und auf ritterliche, auf ehrenhafte Weise! Wer weiß, was noch erfolgen kann! Wär' alles klar, er brauchte sich Deiner nicht zu schämen und könnte offen um Dich freien. Dein stolz Gemüth hat auch seine Stunde gefunden; Du liebst ihn wieder, Marinka!?«

Walperga erhob das Haupt, es war, als ob sie gedankenlos den Worten der Mutter zugehört, jetzt rief sie dieselben ins Gedächtniß und ordnete sie; rasch erhob sie sich, sagte kalt: »Gute Nacht, Mutter!« und verschwand.

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