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Waldwinter

Paul Keller: Waldwinter - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Keller
titleWaldwinter
illustratorProf. Wilh. Poetter
publisherBergstadtverlag
series284. - 293. Auflage
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060803
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Vereinsamt

Durch die beiden kampf- und abwechselungsbedürftigen Freunde erfuhr ich von einem Weltereignis, das bis dahin gewiß schon Millionen und aber Millionen Herzen in Spannung hielt und von dem zu mir in meine Einsamkeit noch nicht die leiseste Kunde gedrungen war.

Auf einem Birschgange traf ich den Oberförster. Es war Ende November. Er blieb bei mir stehen.

»Wollen wir wetten?« fragte er.

»Was wetten?« fragte ich.

»Daß der Sternitzke der blödsinnigste Kerl im ganzen kultivierten Europa is!«

»Ich wette nicht!«

»Na, das is Ihnen aber auch gesund; denn Sie hätten schmählich verspielt, sag' ich Ihnen. Denken Sie mal, dieses Schaf hält's mit den Engländern!«

»Was? Wie? Mit den Engländern? Was hält er denn mit ihnen?«

»Nu, gegen die Buren natürlich.«

»Wieso gegen die Buren? Haben denn die Engländer gegen die Buren etwas?«

Er sah mich erbost an.

»Sie! Wenn Sie jemanden uzen wollen, suchen Sie sich einen Dümmern als mich.«

»Aber, so hören Sie doch erst! Ich hab' wahrhaftig keine Ahnung; ich hatte ja über sechs Wochen keine Zeitung mehr in der Hand. Absichtlich hab' ich das getan!« Da blieb er stehen und sah mich zweifelnd an. Dann nahm sein Gesicht einen mitleidigen Ausdruck an.

»Haben Sie schon mal die Geschichte von Adam und Eva gehört?« fragte er.

»Aber so kommen Sie doch zur Sache! Sie hören doch, daß ich wirklich ununterrichtet bin. Also was ist los in Südafrika?«

Eine Stunde lang sprach er, ohne abzubrechen. Er konnte ganze Zeitungsartikel auswendig, führte Depeschen an, kannte genau alle Verlustziffern auf beiden Seiten, zeichnete mit seinem Stocke Kartenskizzen in den Sand und setzte mir am Schlusse auseinander, die Engländer seien total »verratzt«, und in kurzer Zeit würden die Buren nicht nur Südafrika, sondern überhaupt ganz Afrika beherrschen. Wir Deutschen seien natürlich ganz auf der Burenseite – mit Ausnahme von Sternitzke, was aber bloß eine Ehre für die Buren sei.

Schließlich hörte ich gar nicht mehr auf den Schwadroneur, sondern machte mich los von ihm.

Ich traf Waldhofer in der Gaststube und fragte ihn, warum er mir nichts erzählt habe von dem ausgebrochenen Kriege. Da sagte er:

»Passen Sie auf, es wird eine lange, aufregende und traurige Geschichte! Und was nützt unsere Aufregung, ja unsere Sympathie? Nichts! Sie werden noch viel darüber hören und lesen und wohl selbst sprechen und schreiben. Diesen Winter wollte ich Ihnen ganz ungestört erhalten.«

»Ich danke Ihnen! Aber ich bitte Sie doch, mir jetzt alle Tage Ihre Zeitung zur Verfügung zu stellen.«

»Wie Sie wünschen! Ich muß Ihnen sowieso die Mitteilung machen, daß unsere Burgeinsamkeit eine kleine Unterbrechung haben wird.«

»Darf ich wissen wodurch?«

»Ja natürlich! Da muß ich Ihnen zunächst eine kleine Vorgeschichte erzählen. Als meine Tochter Ingeborg auf der Schule war, wohnte sie bei einer Frau von Soden. Auch mein Sohn Walter verkehrte in der Familie. Frau von Soden war Witwe – das heißt, ihr Mann war verschollen. Sie hatte einen Sohn, der Jura studierte, und zwei Töchter. Das älteste von den Mädchen hat vor einem reichlichen Jahr geheiratet, während Marianne, die jüngste Tochter, nur etwa zwei Jahre älter ist als Ingeborg. Wir waren mit der Familie sehr befreundet, namentlich durch meinen Sohn. Er war mit Elisabeth, der älteren Tochter, gerade ein Vierteljahr verlobt, als er starb. Heute habe ich die Nachricht erhalten, daß Frau von Soden einem langjährigen Leiden erlegen ist. Da will ich mit Ingeborg hinfahren. Wir werden wohl dann die Marianne mit hierher bringen. Bei ihrem Bruder, der jetzt vor dem Assessor steht, will ich sie nicht lassen. Der hat keine Zeit, das Kind zu trösten. Und zu ihrer verheirateten Schwester wird sie am Ende nicht wollen. Also wollen wir versuchen, ihr über das erste hinwegzuhelfen. Sie werden übrigens durch das Mädchen gar nicht gestört werden; es ist ein stilles, schüchternes und etwas vergrübeltes Kind.«

»Aber ich bitte Sie, Herr Waldhofer, bei Ihren Dispositionen über Ihr Haus mich gar nicht in Frage zu ziehen. Werden Sie lange abwesend sein?«

»Ich denke fünf oder sechs Tage. Den Haushalt wird wohl der Sohn vorläufig mit der alten Pflegerin der Frau von Soden fortführen. Also kann Fräulein Marianne abkommen.«

»Und Sie reisen noch heute?«

»Ja, Baumann besorgt bereits einen Wagen.«

Ingeborg trat ein. Sie hatte verweinte Augen und war schwarz angezogen. Das dunkle Gewand und das rosige Gesichtchen standen in hübschem Gegensatz, und sie war in diesem eleganten Trauerkleid eine wirkliche Dame.

Das hinderte sie freilich nicht, mir in ihrer gesprächigen Weise viel vorzuerzählen und vorzuschluchzen von der guten, guten Frau von Soden, und was sie alles hätte leiden müssen, und daß sie so sehr viel Ärger mit ihrem Manne und auch mit ihrem Schwiegersohne gehabt hätte, und daß die Marianne das klügste, das beste und das schönste Mädchen der Welt sei.

Ich würde ja schöne Augen machen über die Marianne; mit der dürfe ich mich aber gar nicht, gar nicht necken. Das würde fürchterlich unpassend sein.

Ich versprach, Fräulein von Soden mit einem grenzenlosen Respekt entgegenzutreten, und sagte dann, daß ich Ingeborgs Abreise herzlich bedaure.

»Ach,« sagte sie, »was Sie essen, kocht sowieso die Frau Baumann. Daran wag' ich mich gar nicht.«

»Weil noch manchmal etwas verdirbt, wenn der Herr Doktor die Güte haben,« sagte Baumann, der unbemerkt eingetreten war. »Der Wagen ist in einer Stunde unten am Schloßberg.«

Ich gab ihnen das Geleit. Baumann fuhr auf einem Schubkarren einen Reisekoffer vor uns her und mußte, da es stark bergab ging, so gewaltig bremsen, daß er mich zu jeder anderen Zeit sehr belustigt hätte. Aber heute hatte ich tatsächlich ein kleines Abschiedsweh im Herzen. Wegen sechs Tagen!

Der Wagen hielt unten auf der Straße. Der Reisekoffer wurde aufgeladen, Waldhofer und Ingeborg stiegen ein, ein kurzes Abschiedswort – fort waren sie.

Ich stand allein auf der nebligen, toten Dorfstraße, und mir war so eigen zumute, als ob das ein Abschied auf lange sei. Nun war ich wirklich vereinsamt. Wunderbar, und da dachte ich an das fremde Mädchen, nach dem Waldhofer und Ingeborg fuhren. So vereinsamt war sie, daß ein paar Freunde in einem stillen Waldwinkel sich ihrer annehmen mußten. Es gibt viele einsame Leute auf der lauten, überhasteten Erde, und die Einsamkeit ist für den Starken eine Wohltat, aber für den Schwachen eine Qual. Ich wandte mich nach Baumann um; er war verschwunden. Er hatte sich wohl nicht getraut, mit mir zurückzukehren. So ging ich die Dorfstraße entlang, um den Schloßberg herum und gelangte in ein Seitental. Unten auf der Talsohle war ein kleiner, langgestreckter See. Am Ufer war ein Kahn, der nicht angeschlossen war. Ich stieg in das Gefährt und stieß leise ab. Aber ich war nicht geschickt im Rudern und kam bald an den Rand. Unter einem Erlenstrauche landete ich. Ich zog das Ruder ein und sank in Träume. Weiße Wolken zogen über mir am Himmel, ein müdes Herbstlied zitterte durch die Erlen. Ich saß regungslos still.

Da hörte ich Schritte und Stimmen. Ich blickte auf und sah in einer Biegung des Uferweges auf eine Sekunde zwei Menschen auftauchen – Hartwig und die junge Schmiedstochter. Bald unterschied ich des Mädchens leidenschaftliche und kaum noch gemäßigte Stimme: »Das konnste mir ni ontun, Joseph, das konnste ni –«

»Loß mich ei Ruh –«

»Sie mag dich doch ni, die Ingeborg – und ich – und – ich-«

Sie weinte bitterlich.

»Sie mag mich ni! – Natürlich – a su an Lump – der Vater im Zuchthause – und ich – rausgeschmissa – rausgeschmissa!«

»Siehste, Joseph, und wenn sie olle nischt meh vo dir wissa wull'n – ich – ich – ich häng' on dir – und wenn du salber ei's Zuchthaus kämst – du bist eemol mei Liebster – drei Johre schun – ich häng' on dir bis zum Tude –«

Er wandte sich ab.

»Ich konn's ni – ich breng's ni fertig – 's is aus mit mir -«

»Joseph, bin ich dir denn su zuwider?«

»Ja – meinetwegen – ja! – Die ganze Welt is mir zuwider – und du ooch –«

»O du heilige Mutter Gottes!« – – –

Da gingen die zwei jungen Menschenkinder im Herbstnebel dahin, ein jedes mit dem tiefen Gram um seine verschmähte Liebe.

Die Geschlechterliebe ist die Liebe, die am wenigsten Glück auf die Welt bringt. Eine Mutter hat jeder, einen Freund so mancher, eine Liebste, die ihn wahrhaft glücklich macht, selten einer.

Ich ging nach der Burg, und als ich hinkam, hatte ich nicht das Heimatgefühl wie sonst. Heute mutete mich alles an als Ruine, und ich wußte, daß ich ohne Waldhofer und Ingeborg den Winter hier oben nicht würde überstanden haben. Unsere Heimat ist immer bei unseren Freunden. Melancholisch blickte ich vom Bankettsaal in den Burghof hinunter. Ich versuchte, ihn durch meine Phantasie zu beleben mit gepanzerten Rittern, schönen Frauen und edlen Pagen. Es gelang nicht. Ich sah nur den Tod und die Einsamkeit.

Ein paar Spatzen kamen auf die Burgmauer; sie schüttelten ihr Gefieder und flogen zurück ins Tal.

Auch ich hätte mich aus meiner Einsamkeit ins Tal retten können oder zur Arbeit; ich tat es nicht. Es wäre eine müde Schwermut in mir, und doch war sie ganz süß.

Die Sehnsucht ging aufs Wandern, und für die Jugend ist die Sehnsucht die bangste und doch auch die wonnigste, die kein erkennbares Ziel hat, die hinausschweift dorthin, wo sich die Blicke verlieren, ins Blaue oder ins Graue. So – als wenn man vor dem eigenen zugeschlagenen Schicksalsbuche stünde!

Sehr zeitig ging ich schlafen. Und als ich im Bett lag, da wollte mir in dem altertümlichen Gemach die Romantik lebendig werden – die Scheu kam wieder, die Furcht.

Erst spät fiel ich in schweren Schlaf.

Die folgenden Tage gelang es mir, zu arbeiten, und ich war auch einmal im Dorfe. Bei Sternitzke traf ich den jungen Lehrer. Er wohnte jetzt dort und sagte mir, nächsten Sonntag sei seine Hochzeit. Eine ganz stille Hochzeit. Aber er war doch glücklich. Auch weil der Baron seine Wünsche wegen der Lehrerstelle erfüllt hatte. Ich ging zeitig nach Hause. Dort wurde mir aber die Einsamkeit wieder so drückend, daß ich beschloß, einen Gang durch den Wald zu machen, obgleich das Wetter durchaus nicht einladend war. Baumann gab mir im Hausflur eine Ansichtspostkarte. Sie war von Ingeborg und lautete:

Geehrter Herr Doktor! Mein Vater und ich senden Ihnen viele Grüße. Wir sind ganz wohl, aber es war alles so furchtbar traurig. Freitag kommen wir mit der armen Marianne nach Hause. Auf Wiedersehen!

Ingeborg Waldhofer.

Wie ich mich über diese Karte freute! Freitag kamen sie, und heute war Donnerstag. Gott sei Dank! Es war mir auf einmal viel wohler zumute, und ich schritt lustig den Schloßberg hinab. Ich hatte die Büchse zu Hause gelassen. Nicht als Jäger wollte ich in den Wald gehen, heute an diesem glücklichen Tage.

Der Sturm zerrte an meinem Mantel und trieb mir spitzen Regen ins Gesicht. Davon wurden mir die Wangen glühend, die nasse Luft machte meine Glieder geschmeidig, und ich wanderte rascher als sonst. So entfernte ich mich ein gut Stück von der Burg. Der See lag längst hinter mir; einen steilen Abhang stieg ich hinauf und machte nur einmal kurze Rast in einer Jägerhütte, die heimlich aus dem Fichtendickicht hervorschaute. Dann erklomm ich die Höhe. Ein Hochplateau breitete sich oben aus. Grauer melancholischer Schimmer lag auf den Wiesen. Aber ich mußte einmal darüber hinweggehen, und so ging ich und ging im Kreise.

Es wurde dunkel ehe ich es gedacht. Ich wandte mich zur Rückkehr. Ich suchte die Jägerhütte; aber ich fand sie nicht. Hatte ich sie übersehen? Da stand auch ein wunderlicher Baum mit zwei Stämmen am Wege, eine Zwillingsbildung, die mir vorhin sicher aufgefallen wäre. Nun gab ich genauer acht auf den Weg – es war nicht der rechte!

Ich hatte oben auf den Wiesen einen falschen Pfad eingeschlagen. Sicher war ich zu weit rechts. Ich beschloß, den nächsten Querweg nach links einzuschlagen, dann mußte ich ja wieder auf den richtigen Pfad kommen. Es dauerte lange, ehe ein schmaler Rain meinen Weg kreuzte. Ich bog also nach links ein. Zu beiden Seiten stand so dichtes Gesträuch, daß ich Mühe hatte, auf dem schmalen Pfade vorwärts zu kommen. Dazu wurde der Weg sumpfig, und der Sturm erhob sich stärker und stärker.

Jetzt war es ganz Nacht. Sollte ich umkehren? Es war eine Torheit, von dem breiten Wege abzugehen. Müde halte ich inne. Wie der Sturm heult und der feine Regen auf die Blätter klopft! Und es ist so finster! Ich stehe ganz ruhig und lausche in die Nacht hinein.

Da! – ein prasselnder Knall – ein Schuß! Was ist das? Ist ein Jäger in der Nähe? Ich stehe wie angewurzelt. Ein Wild bricht durchs Gezweig. Gleich darauf teilen sich die Äste. Zehn Schritte nur von mir entfernt. Ein Mann erscheint.

Es ist Hartwig!

Mit großen entsetzten Augen schaut er mich an und ich ihn. Jeder weicht einen Schritt zurück – zwei –

»Sie!«

»Hartwig!«

Ich bin wie gelähmt – er auch!

Da zuckt er empor.

»Verraten! Aufgelauert! Ins Zuchthaus soll ich – ins Zuchthaus – ich – und Sie – und Ingeborg –«

»Hartwig – nicht schießen – nicht! Jesus Christus –!«

Ein Blitz! Nacht! –

Es saust um mich – es saust mir in den Ohren – es wirbelt mir im Gehirn – die Stirn – der Druck – die Augen – ah – ich – ich kann sie nicht aufmachen – es tut etwas weh – aber wo – wo? Wie das braust – wogt – schüttelt – zuckt – rollt – dröhnt! Ich liege wohl im Meere! Nein, ich bin gestorben!

Schlafen, schlafen – still liegen! Still – still!

Da – es braust wieder.

Jetzt!

Ich öffne die Augen!

Ach, es bleibt Nacht! Nur schlafen! – Ich bin müde!

Es schmerzt mich etwas!

Und ich erwache! Ich kann denken.

»Du?« -

Er kniet über mir, Hartwig, der Mörder, kniet über mir!

»Hilfe! Hilfe!«

Die Stimme erstickt mir.

Er packt mich fest – ich bin verloren.

Nacht!

Ich fliege! – Ja, ich fliege!

Jetzt wieder bin ich auf der Erde. Ich liege fest; ich kann die Augen öffnen.

Da steht er wieder – Hartwig, der Mörder – mein Mörder!

Ich will sprechen – ich rolle die Zunge – jetzt gelingt's.

»Hartwig – ich – ich will nicht sterben – Hartwig!«

Da stürzt er auf die Erde.

»Nein, nein, nein! Sie sollen nicht sterben! Ich will sterben – nur bleiben Sie leben! Ich war verrückt – hören Sie – ich war verrückt!«

Ich schaue ihn an. Die Augen brennen und tun weh. Da halt er mir ein Fläschchen an den Mund und läßt mich trinken.

Ich trinke. Da werde ich stärker.

»Fürchten Sie sich nicht! Ich trage Sie nach Hause!«

Es ist wohl ein Traum? Ich fürchte mich nicht. Ich schlinge den Arm um den Hals meines Mörders. Nur den rechten Arm; der linke tut weh.

Ach, bin ich schwach! Aber er trägt mich gut. Ich höre, wie er rasch atmet.

Es geht bergauf; es regnet noch. Und ich bin so schwer. Da streichle ich ihm die Stirn.

»Die Ingeborg liebt mich ja nicht, Hartwig.«

Da zittert er, zittert so, daß er mich an den Wegrand setzen muß. Und er weint rasend. »Nun bin ich ein Mörder wie mein Vater! – Wie mein Vater! – und das ist mein letzter Gang in der Freiheit –«

Dann nimmt er mich wieder.

»Aber Sie leben! Und wenn Sie sterben, gelt nein, – Sie werden mich nicht verfolgen – gelt nein?«

»O nein – ich – ich –«

Es ist wieder Nacht.

Da sehe ich Licht.

»Wie fühlen Sie sich?«

Das ist Waldhofer.

Eine Lampe brennt.

Dort steht Ingeborg. – Dort eine Fremde!

Sie hat große, schwarze Augen. Und ein Mann ist da.

»Ich bin der Arzt. Seien Sie unbesorgt. Sie müssen jetzt nur ganz ruhig bleiben – ganz ruhig liegen. Nicht rühren!«

Ich blicke sie alle an.

»Bin ich zu Hause?«

»Ja, auf der Burg.«

»Hartwig hat mich gebracht?«

»Ja, Hartwig.«

»Wo ist er?«

»Bitte, regen Sie sich nicht auf. Fragen Sie morgen.«

»Ist es schon Freitag?«

»Es ist Donnerstag-Nacht!«

»Da sind Sie schon da?«

»Wir kamen eher.«

»Herr Waldhofer – - lassen Sie Hartwig frei gehen – ja – bitte!«

»Das geht nicht!«

»Lassen Sie ihn – frei! – Ich kann nicht viel reden – er muß frei sein! Ich will es! Ich bitte! Er muß –«

Sie sehen sich alle an. Der Arzt zuckt die Achseln, dann nickt er.

Da kommt Waldhofer zu mir. Er küßt mich auf den Mund. »Ich habe Sie lieb, mein Freund! Hartwig wird frei sein! Ruhen Sie jetzt!«

Ich schließe die Augen. Der Schlaf kommt.

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