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Waldwinter

Paul Keller: Waldwinter - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Keller
titleWaldwinter
illustratorProf. Wilh. Poetter
publisherBergstadtverlag
series284. - 293. Auflage
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Weihnachten

Baumann hüstelte verlegen, als er mir am Abend dieses 22. Dezember die Lampe gebracht hatte. Ich ließ ihn hüsteln und wartete, bis er von selbst mit der Sprache herausrücken würde. Es kam auch bald.«Ich – ich möchte mal was sagen, wenn's dem Herrn Doktor nicht peinlich wäre –«

»Nein, es ist mir nicht peinlich, Baumann. Also was ist los?«

»Ja – so leicht ist's nicht rauszukriegen. Wenn der Herr Doktor belieben, so ist doch übermorgen heiliger Abend.«

»Dagegen habe ich nichts einzuwenden. Es ist mir ganz angenehm so.«

»Ja, und es ist hier Sitte bei uns, daß man beschenkt wird.«

»Aha!«

Worauf zielt der Alte hinaus?

»Wenn mir nun der Herr Doktor versprechen würden, nichts zu verraten, so würde ich dem Herrn Doktor einen kleinen Wink geben.«

»Sehr freundlich! Ich werde reinen Mund halten! Also winken Sie ruhig drauf los.«

Da sah er mich pfiffig an.

»Der Herr Doktor werden beschenkt werden.«

»Ich? Nicht möglich, Baumann! Von wem denn?«

»Von Herrn Waldhofer und von Ingeborg und vom Oberförster, und vom gnädigen Fräulein weiß ich's nicht genau.«

Ich war verblüfft.

»Ja,« fuhr Baumann fort, »und wenn dann der Herr Doktor so mit leeren Händen daständen und nichts wieder zu schenken hätten, das würde doch peinlich sein. In der Stadt sind der Herr Doktor nicht gewesen, und ein Paket kommt auch nicht.«

Da legte ich dem braven Kerl beide Hände auf die Achseln.

»Baumann, Sie sind ein Staatskerl! Ein Prachtkerl sind Sie! Jawohl, es wäre nicht bloß peinlich, es wäre scheußlich für mich gewesen. Wir großstädtischen Junggesellen denken gar nicht an sowas. Sie haben mich wirklich vor einer schauderhaften Verlegenheit bewahrt. Ich danke Ihnen herzlich, Sie famoser Baumann.«

»Bitte ergebenst! Und wenn der Herr Doktor die Güte haben wollen: die Tanne mit dem blauen Bändchen ist unten im Wohnzimmer.«

Das war lange her, daß ich an den stillen Bergwald glaubte, in dem das gute Christkindlein mit seinen tausend Engeln die Weihnachtsbäume schmückt. Es war doch ein süßer Glaube. Aber auch jetzt packte mich's mit gewaltigem Christfestzauber, als ich im stillen Burggemach die Tanne schmücken sah.

Das Konfekt war alles schon an kleinen roten Fäden zum Anbinden bereit, und Ingeborg und der Assessor entwickelten eine so eifrige Tätigkeit, daß für Marianne und mich wenig zu tun übrig blieb. So sahen wir meist der verliebten Geschäftigkeit der beiden zu.

Das ist ein Zauber! Jede Nichtigkeit hat eine so große Bedeutung, es ist ein Interesse da an allem, was sonst unwert erscheint, und immerfort eine Freude im Herzen, nein mehr: ein mühselig unterdrücktes, heißes Aufjubeln. Man entfernt sich ein bißchen, man schmollt ein bißchen, nur um sich immerfort wiederzufinden. Die Augen leuchten, die Wangen glühen, das rote Blut jagt durch den jungen Leib, die Seele drängt nach außen. Nicht wie ein Sonnentag liegt das Leben vor dem Auge, nein, wie eine einzige Minute der Wonne.

Als ich die beiden so sah, wußte ich, daß ich aus dem echten Becher der Liebe noch nicht getrunken hatte. Und die Frage tauchte auf, ob mir der goldene Trank nicht auf immer versagt bleiben würde.

Marianne zeigte sich anders gegen mich als sonst. Sie war nicht mehr kühl abweisend, sondern sehr freundlich zu mir und erschien heiterer als gewöhnlich. Nur einmal, als ich sie leise fragte: »Ist das nicht ein Glück?« verfinsterte sich ihr Gesicht. Und es sah doch so reizend aus, wenn der ohnedies große Assessor auf einem Stuhle stand, und die niedliche Ingeborg als »Handlanger« ihm Schokoladenringe zureichte mit ihren kleinen Händen.

Schließlich kam noch der Oberförster.

»Guten Abend! Wollte mich bloß mal erkundigen, wie die Herren und Frau Paten heimgekommen sind, namentlich die beiden letzten. Ah, Christbaum putzen! Kann ich mich wohl auch nützlich machen?«

»Jawohl, Herr Oberförster! Sie können die Nüsse vergolden.«

»Sehr gern, Herr Assessor! Geben Sie nur die Nüsse und das Gold und den Kleistertopp her! – Also Sie sind ja ein großes Stück gelaufen, Herr Doktor. Schlitten mußte ja mitten auf dem Wege umkehren.«

»Es tat uns leid um die Pferde.«

Er lächelte hinterlistig.

»Jawohl, um die Pferde! Natürlich um die Pferde. Sie sind ein Gemütsmensch! Wenn Pferde in Betracht kommen, laufen Sie tausend Meilen. Wollen Sie vielleicht morgen mit mir nach der Stadt fahren? Oder tut's Ihnen auch wieder leid um die Pferde?«

»Ich werde sehr gern mit Ihnen fahren,« unterbrach ich den peinlichen Mann.

»Schön! Also Punkt acht im ›Silbernen Löffel‹. Und nu woll'n wir mal vergolden. Es hat mal 'n Kaiser oder sowas gegeben, der hat sich die Pferde vergolden lassen, jedes Stück mit einem Dukaten. Glauben Sie das, Herr Doktor?«

»Nein!«

»Ich ooch nich! Überhaupt Geschichte is 'n ziemlicher Mumpitz. ›Fürs Gewesene gibt der Jude nichts‹ und ›Nichts Gewisses weiß man nich‹. Das is meine Meinung über Geschichte. Stimmt das?«

»Ich weiß nicht. Wissen Sie, Herr Oberförster, wie Sie sich neben den jungen Damen am Christbaum ausnehmen?«

»Na wie?«

»Wie Rübezahl, der in den Himmel gekommen ist.«

»Freut mich! Aber den Rübezahl spiel' ich nicht, nur den Knecht Ruprecht. Unten bei Sternitzkes. Eigentlich ist's ja 'ne Bemogelei gegen die Kinder, aber 's macht Spaß. – Is ja erbärmliches Zeug das Blattgold! Das bleibt alles an meinen Fingern hängen. Und auch an meinem Anzuge!«

»Damit Sie halt auswendig auch so ein goldner Mensch sind wie inwendig,« sagte Ingeborg.

Der Oberförster guckte sie verdutzt an. Nach einer ganzen Weile erst brachte er heraus: »Was sagten Sie?«

»Ich meine, daß Sie unser lieber, goldner Herr Oberförster sind,« sagte das Mädchen.

Er machte ein sehr dummes Gesicht.

»Goldner Herr Oberförster? Sie! Wenn das 'n verkappter Heiratsantrag sein soll, dann bedaure ich; ich bleibe ledig! Ich laß mich nich ankriegen!«

»O, wie schade! Wie schade!«

Er knurrte, aber dann lachte er immer geschmeichelt vor sich hin, während er sich mit den Nüssen zu schaffen machte. Schließlich stellte sich heraus, daß er von den fünfundzwanzig ihm übergebenen Nüssen sechzehn aufgegessen und neun vergoldet hatte; von welch letzteren nach dem einstimmigen Urteil der Weihnachts-Jury sechs Stück für den Christbaum unbrauchbar waren. – – –

Am andern Morgen fuhr uns Sternitzke nach der Stadt. Er hatte einen neuen Fuchs, von dem er behauptete, er sei achtjährig, während der Oberförster jede Garantie übernahm, daß das Vieh hoch aus dem Schneider heraus sei. Ich enthalte mich jeder Parteinahme und konstatiere lediglich, daß wir trotz der vorzüglichen Schlittenbahn nicht allzu zeitig in der Stadt ankamen.

Unterwegs sagte der Oberförster:

»Ich möchte Sie mal im Vertrauen auf was aufmerksam machen. Sie werden morgen abend beschenkt werden! Von Waldhofer, Ingeborg und Baumann! Ich wollte Sie nicht in Verlegenheit kommen lassen.«

Ich mußte lachen.

»Schönen Dank, Herr Oberförster,« sagte ich. »Aber ich war schon von Baumann vorbereitet.«

»Von Baumann! Is das 'n Quatschkopp! Das ärgert mich! Ich wollte Ihnen einen Dienst erweisen.«

»So gut wie geschehen, Herr Oberförster.«

Wenn ich sonst als Großstädter mal in eine kleine Stadt kam, fiel mir immer die Stille, die Leere, die ganze Kleinlichkeit auf. Heute fühlte ich, daß ich in städtisches Leben kam. Aufmerksam betrachtete ich die Schaufenster, an denen wir langsam vorbeifuhren, betrachtete sie zur großen Genugtuung des Oberförsters, der mich mit echtem Lokalstolze auf die verschiedenen Sehenswürdigkeiten aufmerksam machte.

Ich fühlte, daß es unrecht sei, über die »Naivität« des »Provinzlers« zu spotten, der gelegentlich in der Großstadt über die ausgestellten Herrlichkeiten seine unverhohlene Bewunderung ausdrückt, unrecht und auch töricht, denn etwas Wertvolles hat er vor dem übersättigten Großstadtmenschen voraus: die viel größere Befähigung zur Freude. Der Genuß ist der Feind der Freude.

»Wollen wir zuerst eine Tasse Kaffee trinken, Herr Doktor? Hier ist unser Café.«

»Ja, es ist mir angenehm.«

Wir stiegen aus, und Sternitzke fuhr weiter nach seiner Ausspannung.

Das »Café« bestand aus einem Konditorladen und einem »Lesezimmer«, in welchem nur ein einziger rechteckiger Tisch stand. Aber aus dem »Lesezirkel« waren etwa zehn Journale da.

Ich gestehe, daß ich mich wie ein Heißhungriger auf die zum Teil sehr alten Journalnummern stürzte. Und als ich sie aufschlug, war mir's, als ob mich eine heimische Stimme berührt habe, als ob ich wieder in Verbindung gesetzt sei mit einer Welt, der ich gehörte, und der ich nun fern war. Ich blätterte, blätterte und fühlte, daß mir die Wangen dabei rot wurden. Ich hatte ein inniges Behagen an ein paar mittelmäßigen Genrebildchen und ein lebhaftes Interesse an allen zeitgeschichtlichen Darstellungen. Ich betrachtete lange ein Bild Paul Krügers, ebenso die neueste Aufnahme Kaiser Wilhelms, und war entzückt, als ich eine Bühnenkünstlerin konterfeit fand, über deren Spiel ich mich manchmal früher geärgert hatte. Ich fand den Roman eines guten Bekannten, den ich schon im Manuskript gelesen, und überflog nun einige Bruchstücke, ich las sogar ein paar Weihnachtsgedichte und fand sie hübsch. Auch einige Witzblätter waren da, und die erheiterten mich so, daß mir beinahe wie einem naiven Landbewohner die Frage aufgetaucht wäre, »wo nur die Leute das immer alles hernähmen«.

»Sie, hier steht ja Ihr Name gedruckt.«

Auch Gerstenberger hatte geblättert.

»Wo?« fragte ich mit Eifer.

»Nu hier! Sind Sie etwa damit gemeint?«

»Zeigen Sie her!«

Es war eine sehr wohlwollende Rezension über eines meiner Bücher, und ich gebe zu, daß ich das unendlich selige Gefühl noch einmal empfand, das ich hatte, als ich mich als blutjunger Mensch in einer Zeitung das erstemal gedruckt sah. Der Oberförster las die Rezension mit mir durch und schaute mich dann mit einem köstlichen Gemisch von Überraschung, Verwunderung und Respekt an.

»Sehn Sie mal an,« sagte er, »das hätt' ich ja gar nicht gedacht von Ihnen!«

»Nicht wahr?« fragte ich belustigt. »Ich bin ein doller Kerl?«

»Doller Kerl jawohl nich, aber es is eine dolle Sache, so ganz öffentlich rausgestrichen zu werden. Geben Sie her, ich werd' mir das Ding in mein Notizbuch abschreiben. Das muß ich mal Sternitzken zeigen! Das alte Mohorn wird Augen machen, sage ich Ihnen; er wird's gar nicht glauben wollen, daß Sie so ein kluger Kauz sind. Is mir selber ganz rätselhaft.«

Ich ließ den guten Grünrock schreiben und blätterte weiter. Zufällig stieß ich auf ein paar Aphorismen, die ich kurz vor meiner Weltflucht einer Zeitschrift zur Verfügung gestellt hatte.

»Da sehen Sie mal, Herr Oberförster, hier stehe ich schon wieder.« Ich zeigte auf meinen Namen.

»Tatsächlich,« sagte er. »Es is wirklich doll! Lassen Sie mich mal lesen.«

Er las und las, und dabei verfinsterte sich sein Gesicht. Das hatte ich erwartet. Endlich schüttelte er sein weises Haupt und sagte:

»Nehmen Sie's mal nich übel, aber das is Quatsch. Dabei kann sich kein vernünftiger Mann was denken. Das sind ja ganz verrückte und verdrehte Gedanken!«

»Oho,« protestierte ich, »die Zeitschrift hat mir für die paar Zeilen 25 Mark gezahlt.«

»Na hör'n Sie mal,« sagte er, »das glaube ich einfach nich! 25 Mark für sowas! Wird denn das überhaupt bezahlt?«

»Die literarischen Arbeiten? Selbstverständlich! Ich habe schon mal 5000 Mark auf einmal bekommen.'

Es machte mir riesig Spaß, gerade ihm das zu sagen. Er sah mich von der Seite ganz vorwurfsvoll an.

»Ja,« fuhr ich fort, »und ich habe einen Freund, der hat mit einem Buche 65 000 Mark verdient.«

Da griff er nach der Klingel und läutete Sturm. Das Mädchen kam hereingestürzt.

»Haben Sie Kognak?« schrie er sie an.

»Bedaure, nein!«

»Dann muß ich nach der Stadt. Nach dem ›Weißen Roß‹. Adieu – Sie – Sie – Sie Aufschneider Sie! Sie Oberschwindler Sie! – ah, hol' Sie – der Deibel!«

»Auf Wiedersehen, Herr Oberförster!«

Ich lachte mich aus, las noch eine Weile und schlenderte dann nach dem Marktplatze, um meine Einkäufe zu besorgen.

Der heilige Abend war gekommen. Mit frohem Herzen war ich am Morgen erwacht. Das mußte ja ein guter Tag werden.

Schon beim Frühstück lag Festfreude auf allen Gesichtern. Es war, als wohnten lauter Kinder im Hause, und das Christkindlein guckte zu allen Fenstern herein. Am Vormittage schneite es zwei Stunden lang, und als dann die Sonne kam, lag die ganze Flur vor uns in strahlendem Festschmuck.

Nachmittags war eine Einbescherung für arme Kinder in der Schule. Ein Weihnachtsbaum war geschmückt, ein Podium in der Schulstube aufgeschlagen, und es wurde ein kleines Weihnachtsspiel aufgeführt, wenn ich nicht irre, von Frieda Schanz. Ingeborg war daran beteiligt, sie spielte die ältere Schwester Elisabeth und erzählte den kleineren Geschwistern, den Schulkindern, die Geschichte von der Geburt des Heilandes.

Es waren viele Leute da; für uns hatte der Lehrer Leuthold einige Stühle besorgt. Wir saßen in der ersten Reihe, links von mir der Oberförster, rechts der Assessor. Der Assessor hatte sicher alle großen Opern gesehen, aber er war wohl nie so ergriffen gewesen wie heute, als Ingeborg mit leiser, schlichter Stimme sang:

»Und als sie kamen zur Stadt vom Feld,
Da lag das Kindlein, das Heil der Welt,
Von Gott geschickt.« – – –

Der Oberförster feierte seine größten Gefühlsorgien, als die Kinder ein Schlittenlied sangen und sein Liebling, Fritz Sternitzke, beim Strophenschluß jedesmal nach dem Takte mit einer großen Schlittenschelle läutete. Ich kannte das liebliche Getön schon vom vorigen Tage her; der »Fuchs« hatte die notwendige »Requisite« für die Aufführung »freundlichst zur Verfügung stellen müssen«. Wenn nun die Stelle kam, wo die Glocke einsetzen sollte, fing der Oberförster schon vorher an mit den Armen zu schlagen, um den jungen Künstler dadurch zu einer Entfaltung aller seiner Mittel zu begeistern. Schellte dann der Junge, daß einem die Ohren dröhnten, so schmunzelte der Alte in freudigem Stolze und wandte sich nach links und rechts: »Doller Kerl – was?«

Noch einer wurde mit leuchtenden Blicken betrachtet, das war der Lehrer Leuthold. Seine junge Frau saß ein bißchen abseits von mir; aber ich sah doch, daß bei der schlichten, innigen Ansprache ihres Mannes an die Kinder ihr Gesicht leuchtete und ihre großen, hübschen Augen voll Wasser standen.

Nach der Feier und der Einbescherung fand eine »amerikanische« Versteigerung des Christbaumes statt. Der Oberförster hatte es von vornherein auf den Baum abgesehen und kam in die Wolle, als der Assessor und ich uns kräftig bemühten, ihm die Beute abzujagen. Dabei warteten wir immer bis knapp vor dem Zuschlagen. Schließlich verpaßte es aber der Assessor, der sich nach Ingeborg umsah, einmal, und Gerstenberger behielt den Baum.

Nun stellte sich der Oberförster vor die strahlende Schuljugend und hielt folgende Rede:

»Liebe Kinder! Es ist heute heiliger Abend. Da ist der Herr Jesus geboren. Der Herr Lehrer hat euch das schon mitgeteilt und auch, daß der Christbaum eigentlich an den Baum im Paradiese und an den Kreuzesbaum erinnern soll. Na ja, das is alles richtig und sehr hübsch, aber der Christbaum soll uns noch an was anderes erinnern. Nämlich an was? Ja, wo is der Baum her? Aus dem Walde is er, und der Herr Baron hat ihn gestiftet und stiftet außerdem noch dreißig Mark pro Weihnachtsfest. Da sollt ihr dankbar sein und im Walde keinen Schaden machen, verstanden? Keine Äste abbrechen, keine Blumen mit den Wurzeln ausreißen, keine Vögel ausnehmen, kein Wild scheu machen und in keine Schonung laufen! Vor allen Dingen aber kein Feuer machen! Der Deibel fährt euch ins Genicke, wenn ich einen erwische. So, das wollte ich euch bloß hier beim Christbaum noch sagen, und nun räubert ihn!«

Hallo, nun ging's los. Vom Podium sprangen die Kinder, und alle umringten den Oberförster, jedes wollte ihm einmal die Hand geben. Er war mit allen freundlich und immer wieder griff er in seine Hosentasche, die eine unergründliche Fundgrube von Nickelstücken zu sein schien. – Zum Abendbrot gab es auf der Burg den üblichen schlesischen Weihnachtskarpfen. Dann ging ich noch einmal hinauf in den Bankettsaal. Ich trat ans Fenster und schaute ins Tal hinunter. Und da blitzten gerade in einem ganz einsamen Hause auf der Berglehne gegenüber die ersten Christbaumlichter auf.

Tiefe Rührung überkam mich, so, als müßte ich jetzt die zwei kleinen, süßen Kinderhände küssen, die so viel Licht und Freude in die Welt gebracht haben, und deren Segen durch Jahrhunderte gegangen ist, auch bis an jene stille Hütte des deutschen Waldes.

Ganz still stand ich und schaute immer hinab ins Tal. Hier flammte es auf, dort – dort – überall, und der freundliche Schein drang durch das Dunkel zu mir herauf.

Da hörte ich über mir ganz leise Mariannens weiche Stimme:

»Ein Kindlein ward geboren,
Ein Kindlein lieb und hold,
Des ihr von ganzem Herzen
Euch alle freuen sollt.«

Auch sie stand am offenen Fenster und schaute hinab. – Es klopfte. Baumann trat ein. Zum ersten Male vergaß er, mir eine Verneigung zu machen. Da mußte etwas passiert sein. Er hatte ganz verweinte Augen und brachte die Worte kaum heraus, als er sagte:

»Der Herr Doktor sollen so gut sein und runterkommen.«

»Was ist denn los, Baumann?«

Er schüttelte bloß den Kopf und ging mir voran.

Im Wohnzimmer strahlte mir das Christbaumlicht entgegen. Alle Hausgenossen waren versammelt, sogar Frau Baumann war da. Ein auffallender Ernst lag auf aller Gesichter, und der kleinen Ingeborg standen Tränen in den Augen. Da kam mir Waldhofer entgegen und sagte bewegt:

»Meine Tochter Ingeborg wird sich verloben.«

Dann trat er zu dem Paare, nahm zwei Ringe und reichte sie ihnen hin.

»Im Namen Gottes!«

Der Assessor steckte Ingeborg den Ring an den Finger und sie ihm den seinigen, wobei sie einen ganzen Strom Tränen vergoß. Aber dann schluchzte sie tief auf, und ein seliges Lachen mischte sich drein, und sie hing an seinem Halse. Ein paar Sekunden nur, dann flog sie zu ihrem Vater, und bei dem blieb sie lange. Der ernste Mann wollte wohl ein Segenswort sprechen, er brachte es nicht fertig; die Lippen zuckten ihm nur, und er legte die Hand auf den goldigen Scheitel seines Kindes.

Hierauf ging Ingeborg zu Marianne. Deren Augen leuchteten warm, beinahe traurig:

»Gott beschütze dich, Ingeborg!«

Unterdessen heulte Baumann zum Steinerweichen. Als sich Ingeborg ihm näherte, öffnete er laut weinend beide Arme und zog sie zärtlich an seine Brust. Er küßte sie und schob sie dann seiner Frau zu, die tränenlos, aber mit kupferrotem Gesicht neben ihm stand.

Schließlich blieb bloß ich noch übrig. In einer anderen Gemütsstimmung würde ich jetzt den Baumann nachgeahmt haben, so aber reichte ich Ingeborg nur die Hand. Muß denn bei Verlobungen geflennt werden? Es muß wohl! Es schadete ja auch nichts, nicht einmal der Stimmung der Stunde. Bald ging eine vergnügte Einbescherung los.

Waldhofer schenkte mir die erste Ausgabe von Hallers Gedichten und einen wertvollen Brief Eichendorffs.

Ich wollte diese großen Geschenke gar nicht annehmen, aber ich mußte es, und es erschien mir peinlich, daß ich ihm nur meine eigenen Werke und eine gute Radierung von der Universität, an der auch sein Sohn Walter studiert hatte, als Gegengabe bieten konnte. Er war sehr erfreut, weil ich ihm von meinen eigenen Werken trotz wiederholter Aufforderung bisher nichts vorgelegt hatte.

Auch Marianne schenkte ich eine Ausgabe meiner Bücher. »Wenn ich Ihr Freund sein darf,« sagte ich, »so müssen Sie mich wohl kennen lernen, und daraus können Sie's am leichtesten.«

»Ich danke Ihnen von Herzen!«

Ich sah, daß sie sich sehr freute.

Sie schenkte mir eine prächtige Zeichnung der Burg Waldhof.

»Ich muß Ihnen eine eigene Zeichnung geben,« sagte sie; »denn es gibt keine verkäuflichen Bilder vom Waldhofe.« »Sie hätten mir kein lieberes Geschenk machen können.«

Ich faßte sie an der Hand und hielt sie ganz fest. Da schloß sie auf einen Augenblick lächelnd die Augen. Das traf mich wie ein Blitz. Aber dann machte sie sich rasch los: »Hören Sie nur, wie Ingeborg jubelt!«

Ja, diese kleine Braut war ganz außer sich über ihre Geschenke und küßte immer abwechselnd ganz närrisch ihren Vater und ihren Bräutigam. Ein Kind mit dem goldenen Reif an der Hand!

Mir schenkte Ingeborg eine Handarbeit, ein Ruhekissen mit der nicht gerade originellen, aber hübsch gestickten Aufschrift: »Nur ein Viertelstündchen!« Von mir bekam sie eine reizende Frauenhaube und ein silbernes Pincenez mit Fensterglas. Sie hatte mir früher einmal verraten, daß sie sich ein solches »rasend leidenschaftlich« wünsche, aber nicht die Courage habe, den Vater darum zu bitten. Jetzt lachte sie hell auf über meine Geschenke und nahm sie bald beide in Gebrauch. Der Assessor fand seine Braut entzückend in der Haube, aber gegen das Tragen des Zwickers erhob er Widerspruch.

»Wenn der Herr Doktor die Güte haben wollen, so haben wir auch etwas einzubescheren.«

Baumann hatte einige Laubsägearbeiten für mich sehr geschickt gearbeitet, einen Zigarrenkasten und einen Krawattenkasten, und Frau Baumann verehrte mir drei Paar selbstgestrickte Strümpfe, an deren Dauerhaftigkeit kein Zweifel war. Es war klar, daß ich mich bei dieser Gelegenheit auch einmal gegen die guten, stets dienstfertigen Alten erkenntlich zeigte, und Baumann schwamm in Dankbarkeit und Freude.

Da entstand plötzlich ein fürchterliches Gepolter vor der Tür. Es rasselte, schnaufte, dröhnte, plusterte und spuckte. Ein Ungeheuer schob sich ins Zimmer. Der erste Eindruck, den ich von diesem schauderhaften Dinge hatte, war der eines fürchterlichen Höhlenbewohners aus vorsündflutlicher Zeit.

Schwapp, bekam ich mit einem Rutenbesen einen Schlag an die Beine.

»Mach nich so 'n blödsinniges Gesicht und steh nich hier im Wege rum, du Esel! Ich bin der Knecht Ruprecht, verstehst du das nich? Hausvater, komm mal her!«

»Knecht Ruprecht, was willst du?«

»Sind das alles deine Kinder?«

»Jawohl, Eure Furchtbarkeit!«

»Der Lange dort auch?«

»Der ist heut abend eben mein Schwiegersohn geworden.«

»Schwiegersohn – ähä – ähä! Donner Saxen ja! Schwiegersohn! Hab' mir bald sowas gedacht neulich – doch halt, halt, ich bin ja der Ruprecht! – Folgt der Kerl gut?«

»Es macht sich!«

»So! Das is ihm gesund! Sonst tät ich ihn masserakerieren! Der andere Junge is auch deiner?«

Waldhofer nickte.

»Pflegesohn!«

»Ähä – angenommenes Kind. Findling oder sowas. Hat er Fehler?« »Ich weiß keinen.«

»Weißt keinen? Schäm' dich! Ich sage dir, er ist ein Riesenschwindler. Von 5000 Mark aufwärts bis 65 000 Mark schwindelt er. Komm mal her, Junge! Also, wieviel hat dein Freund mit dem Buche verdient?«

»65 000 Mark.«

»Nu, du Satansbraten, du! Du Halunke! Ich schneid' dir die Ohren ab! Ich steck dich in den Sack und verkauf dich den Zigeunern! Ah, mach, daß du wegkommst, Kerl, kriegst nischt! Wie ist's mit den Mädels?«

»Sie sind brav.«

»Brav? Freut mich! Sehen ja auch beide recht hübsch sauber und zusammengerafft aus. Na, Kinder, schert euch mal ans Klavier und singt mal: ›Stille Nacht!‹ Fix, ihr Jungs, helfen! Wer was falsch macht, dem bringe ich Takt bei. Ich dirigiere. A – fis – f – g! Nu los! 1, 2, 3, 4, 5! Los! Halt! Halt! Ton zu hoch! Paßt doch besser auf! A – fis – f – g! Allegro!«

»Sch-Sch-Stille Nacht!«

Wir sangen, und ich glaube, wir sangen ganz hübsch. Als wir fertig waren, sagte der Knecht Ruprecht: »Es war passabel – die Mädels bissel zu quietschig und die Jungens bissel zu brummig. Aber sonst passabel! Sollt was haben dafür, Kinder!«

Er griff in den ungeheuren Getreidesack, den er auf dem Rücken trug, und beschenkte uns alle. Mir verehrte er ein Kistchen Zigarren von meiner Lieblingssorte.

Als er fertig war, fragte Waldhofer: »Sag' mal, verehrtester Herr Knecht Ruprecht, kommst du vielleicht auch zum Oberförster Gerstenberger?«

Ruprecht verfiel in Nachdenken. Endlich sagte er langsam: »Gerstenberger – Gerstenberger – äh ja – alter Krauter unten im Dorfe – am Waldrande, nicht wahr?«

»Ja, neben der Brücke mit den zwei Geländern,« ergänzte ich.

»Gehn dich gar nichts an, die zwei Geländer,« schnauzte er mich an. »Ja, also was ist's mit dem Gerstenberger?«

»Wir würden dich bitten, ihm einige Geschenke von uns zu überbringen.«

»Geschenke, ähä! Hat er Fehler, der Gerstenberger?«

»Massig!« lachte Ingeborg.

»Massig? Wieso?« fragte Ruprecht gereizt. »Zum Exempel, was hat er denn für einen Fehler, wenn ich fragen darf?«

»Er kneipt zu viel Kognak!« sagte der Assessor.

»Er lügt!« sagte ich.

»Er schimpft die Welt zusammen!« schrie Ingeborg.

»Er raucht wie ein Schlot alle Stuben voll!«

»Er kämmt sich niemals!«

»Es fehlen ihm schon seit sechs Wochen zwei Knöpfe an der Weste!«

»Er hat immer schmutzige Stiefel!«

»Er ist greulich unmusikalisch!«

»Er ißt die Nüsse, die er vergolden soll!«

»Er verzieht seine Patenkinder!«

»Er ärgert seine Wirtin zu Tode!«

»Er spart nichts!«

»Er will nicht heiraten!«

»Er hat erst neulich gerichtlich bestraft werden müssen!«

»Er mag niemals Manschetten tragen!«

»Er haut zu!«

»Er will den Schulkindern den Deibel ins Genicke jagen!« Ruprecht war unterdessen bis zur Türe retiriert.

»Hört auf! Mir platzen die Ohren! Er – er – kurz und gut – er ist ein Ober-Halunke – ein Riesen-Patent-Ausstellungs-Haderlump. – Möcht' ich wissen, warum ihr so einem schlechten Kerl was schicken wollt –«

»Weil er auch einige Tugenden hat!«

»Nein, weil er sich bessern soll!«

»Nein, weil es sonst immer schlimmer mit ihm wird!«

»Ja – hm ja – hält' ich gar nicht gedacht, daß der Kerl, der Gerstenberger, so viel Fehler hat. Aber es stimmt! Mit Ausnahme vom Kognakkneipen, das is 'ne Übertreibung, und vom Unmusikalischsein, das is 'ne gemeine Verleumdung. Na ja, ich will ihm alles ausrichten, und nu gebt mal euren Kram für den Gerstenberger her; ich muß weiter.«

»Hhä – Schlafschuhe – viel zu sein und zu weich für den Klotz – wird er sich sein einpacken und in den Schrank stellen -«

»Drei Flaschen Kognak – tja – is brauchbar. Bravo! Is sehr brauchbar.«

»Was is 'n das? Zigarrenschere? Ich – nein der Gerstenberger, der beißt doch die Zigarrenspitzen mit den Zähnen ab. Aber sie is niedlich! Er wird sie auch im Schrank aufheben.«

»Das ist ja gar 'n Buch. Is wohl vom Doktor? La – ›Laokoon. Von Lessing.‹ Hab' ich gar noch nix gehört davon. Wird er lesen. Immer rin in den Sack!«

»Ah, Tabak – das ist gescheit! – Und Socken und eine feine Sonntag-Abend-Zigarrenspitze und eine silberne Uhrkette und ein Schock Nüsse.«

»Ich sage euch, der Kerl kriegt viel zu viel von euch. Er wird sich totheulen vor Freude. Nu bleibt hübsch artig alle mitsammen, und ich wünsch' gute Nacht!« Wir dachten, der Knecht Ruprecht würde noch einmal in anderer Form wiederkommen, aber er kam nicht. Er hatte nur in Baumanns Kammer Toilette gemacht und war weitergegangen.

Die Christbaumlichter verlöschten; wir saßen um den runden Tisch und tranken von Waldhofers bestem Wein. Da sagte der Assessor:

»Es ist doch ein glückliches Gefühl, wenn man wieder festen Boden unter die Füße bekommt. Es war mir furchtbar, als sich nach dem Tode der Mutter unser Haushalt auflöste. Ich war zu sehr gewöhnt an das geordnete Familienleben; ich bin ja von Kindheit an gar nicht herausgekommen.«

»Die Leute werden sich wundern, daß wir so rasch nach dem Tode Deiner Mutter uns verlobt haben,« sagte Ingeborg.

»Die Leute geht's nichts an!«

»Was tut das der Mutter!« sagte Marianne zu ihrem Bruder. »Sie ruht. Und du bist an die Liebe gewöhnt – du mußt das haben.«

»Ja,« sagte Waldhofer, »es ist mit dem Innehalten solcher Trauerzeiten wie mit dem Tragen von Trauerkleidern. Äußere Trauer ist leicht, da halten die Menschen sehr streng darauf.«

Der Assessor zog seine Braut an sich.

»Wenn ich erst Rechtsanwalt bin und der Wagen ein bißchen lauft, dann gründen wir uns ein Heim – das liebste Heim auf der Erde, und dann kommt Marianne zu uns und ist bei uns zu Hause.«

»Ach, das wäre schön,« sagte Ingeborg. »Wenn Sie aber doch noch einmal selber heiratete?« »Das wird sie nicht,« sagte Marianne.

»Nein, das wird sie sicher nicht,« bestätigte der Assessor mit aller Bestimmtheit und mit einem kleinen Seufzer.

Damit sprang die Unterhaltung schon auf etwas anderes über; es ging mich eigentlich persönlich doch nichts an, wie diese Menschen ihre Zukunft zu gestalten dachten, und doch war mir's, als sei mir etwas Wehes gesagt worden. Ich wurde still. Die ganze fröhliche Weihnachtsstimmung fiel von mir ab. Es war mir so, als müßte ich lauten Widerspruch gegen etwas erheben und könnte es nicht und dürfte es nicht.

»Sie sind recht nachdenklich, Herr Doktor,« sagte Marianne, und stieß leicht mit ihrem Glase an das meine.

Ich tat ihr Bescheid und sah sie traurig an. Da blickte sie mich einen Augenblick forschend an; dann erschrak sie, eine heiße Röte zuckte über ihr Gesicht, und das Glas fiel ihr aus der Hand und zerbrach in Scherben. – – –

Was in den nächsten Minuten nach dem kleinen Unfall gelacht und gesprochen wurde – ob ich selbst gelacht, selbst geredet habe – das alles weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, daß mir der Kopf brannte, und daß ich wünschte, allein zu sein.

Da kam Baumann und bat, die Herrschaften möchten doch etwas Warmes anziehen und einmal in den Hof kommen; er hätte noch eine kleine Überraschung. Ich folgte mit den anderen der Einladung.

Im Hofe bot sich uns ein hübsches Bild.

Auf dem niederen, halb zerfallenen Turme wuchs eine kleine Fichte. Baumann war auf den Turm gestiegen und hatte den Baum mit Lichtern geschmückt. Es war windstill und ganz dunkel, und nun sah es aus, als schwebe ein leuchtender Christbaum hoch in der Luft. Den Talbewohnern mußte wohl das Bild vorkommen wie eine überirdische Erscheinung.

Um mich herum wurden Rufe der Bewunderung laut. Ich ging leise über den Hof und blieb in der Nähe der Brunnenlinde stehen.

Da kam jemand auf mich zu – Marianne! Ich konnte kein Wort sagen.

Sie kam mir ganz nahe. Ich sah ihr schönes, weißes Gesicht. Tiefer Gram lag darüber.

Und sie sprach leise zu mir: »Sie können nicht mein Freund sein – Sie dürfen nicht mein Freund sein – nein, Sie dürfen nicht!«

»Aber ich muß es; ich muß es, so lange ich lebe!«

Ich faßte ihre Hand, und einen Augenblick ließ sie's geschehen. Dann sagte Sie: »Lassen Sie mich! – Es wäre ein großes Unglück! Glauben Sie es mir –«

»Es wäre das Glück, Marianne, es wäre das süßeste Glück auf der Erde!«

Sie sah mich traurig an, dann wurde ihr Gesicht kalt. »Es kann nicht sein!« sagte sie und ging zu den anderen. – –

Ich stürmte nach meinem Zimmer, sank auf einen Stuhl und begrub das Gesicht in die Hände.

Heiliger Gott, nun war's doch geschehen!

Nun gab es kein Ausweichen, kein Flüchten mehr, nun hatte ich die Linie übertreten, die das gefährliche Reich der Liebe umgrenzt, und von da es keine Rückkehr gibt.

Das Reich der Liebe, in dem die Wunderhaine stehen und die Inseln der Seligen schwimmen auf blauen Meeren, das Reich der Liebe, in dem die trostlosesten Wüsten der Verzweiflung sind und die Klippen des Todes ragen.

Geblendet von einer neuen Sonne, berauscht von einer neuen Lust, durchschüttert von neuer Qual, so trieb mich wonnig-unselige Unrast, indes draußen der Weihnachtsfriede schwebte über der Menschenerde. >

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