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Joseph Christian von Zedlitz: Waldfräulein - Kapitel 7
Quellenangabe
typepoem
authorJoseph Christian von Zedlitz
titleWaldfräulein
seriesJoseph Christian von Zedlitz, Band 2
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071203
projectid746515f6
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Siebentes Abentheuer.

Wie Caprus ein Weib begehrt.

Nothburga hatte einen Sohn,
Der war an dreißig Jahre schon,
Und hatt', so lang er auf der Welt,
Nicht aus dem Wald den Fuß gestellt.
So bald der Schnee im Forste schwand,
Und frei der Waldbach war vom Eise,
Und das Gesträuch in Knospen stand,
Die Störche kamen von der Reise,
Und Lenz, der junge König werth,
Mit Blüth' und Kränzen wiederkehrt:
Zog Caprus aus dem Köhlerhaus
Noch tiefer in den Wald hinaus,
Den er nicht eher mehr verließ,
Als bis auf's Neu' der Eiswind blies. –
Es baute Caprus Jahr um Jahr,
Dort wo das Holz am dicksten war,
Den Meiler auf. Auf ebnem Grund
Legt er im Kreis die Scheite rund,
Stülpt dann den Mantel drauf, wie's recht,
Ein wohl erfahrner Kohlenknecht;
Und wenn er ihn bedeckt mit Fleiß,
Entstammet er die Gluten heiß! –
So brennt am abgelegnen Ort
Der Meiler hübsch gelassen fort.
Er aber liegt im Schatten müßig,
So wie das Wild im Haidekraut;
Nur wenn der Ruh' er überdrüssig,
Er manchmal nach dem Feuer schaut.
Sonst lebte unser Caprus hier
Ganz wie das edle Waldgethier,
Und gab mit Denken spat und früh
Sich eben nicht besondre Müh! –
Auch war der Köhler grade nicht
Der schönste Mann von Angesicht:
Die Augen klein, und schief der Blick,
Die Nase breit, die Lippen dick,
Den Kopf auf kurzen Hals gestammt,
Die Haare struppig, ungekämmt,
Geschwärzt von Ruß die Hand und Wange –
So stand mit einer mächt'gen Stange,
Gehüllt in dicken, schwarzen Rauch,
Er auf dem Meiler oben drauf,
Und prüft und schürt, so wie's der Brauch,
Die Flamm' im glüh'nden Kohlenhauf! –

Nichts nahte diesem Orte je,
Wenn nicht vielleicht ein scheues Reh
Sich nahebei das Wasser sucht,
Und stutzt, und kehrt zur schnellen Flucht;
Oder im Holz ein Spielhahn schnalzt,
Und früh, noch eh der Tag graut, balzt.
Nur Caprus Mutter einzig dringt
Manchmal in diese Oed', und bringt
Vorräthe her von Zeit zu Zeit,
Zu zehren in der Einsamkeit.
Es war dabei von keiner Seit'
Ein Uebermaß an Zärtlichkeit;
Zum Willkomm kaum ein kurzer Gruß.
Nothburga liebt das Plaudern nicht,
Wenn sie nicht schilt, spricht sie auch nicht;
Auch Caprus ist von wenig Worten,
Und redet nur so viel er muß;
Er öffnet seines Mundes Pforten
Zum Essen nur; doch wenn er satt,
Er auch wohl andre Wünsche hat!
»Ich bleib' nicht länger mehr allein, –
Ruft er dann aus – ich will jetzt frein!
Ich will ein Weib!« drauf schweigt er still.
Die Alte dann: »Warum nicht gar,
Das hat noch Zeit bis über's Jahr!«
Und packt zusammen ihr Geräth',
Und macht sich auf den Weg und geht.
Und wie sie kam, so zieht sie fort,
Ohn' Willkomm, und ohn' Abschiedswort!
»Ich will durchaus ein Weib, ich will –«
Caprus noch einmal wiederholt –
Dann geht er mürrisch hin, und kohlt.
So war manch Jahr dahingeschwunden,
Und noch hatt' er kein Weib gefunden! –
Seit in der Alten hartem Zwang
Waldfräulein wund die Hände rang,
War eine Woche schon dahin;
Ach! die Erinnerung an ihn
War einzig ihr zum Trost geblieben!
Da eines Tags, als sie vom Schlummer
Erwachte zu des Tages Kummer,
Als sie geträumt von ihrem Lieben,
Rief ihr die Alte: »Mach dich fertig,
Und sei mit mir zu gehn gewärtig!«
Füllt einen Brodkorb bis zum Rand,
Nimmt einen Stecken in die Hand,
Und gibt der Maid den Korb zu tragen. –
Waldfräulein wagte nicht zu fragen,
Wohin der Weg führt, den sie gehn;
Ein Rettungsweg, sie zu befrein,
Hofft sie im Stillen, werd' es sein!
Bin ich nur, denkt sie, fern vom Haus
Erst einmal aus dem Wald hinaus,
Was immer dann auch mein Geschicke,
Den ersten Mann, den ich erblicke,
Will knieend ich um Hilfe flehn! –
Doch wie sie frisch auch vorwärts schreiten,
Nicht dünner wird der Wald, noch lichter,
Er schließt nur finsterer und dichter
Sich um sie her von allen Seiten;
Da sinkt der armen Maid der Muth,
Kein Ende sieht sie der Bedrängniß;
Was sie auch immer strebt und thut,
Umsonst, nichts endet ihr Gefängnis!! –
O daß hinströmen könnt' ihr Schmerz,
Erleichtern würd' es ihr das Herz:
Doch zitternd vor der Alten Zorn
Hält sie zurück der Thränen Born,
Und schluckt hinab die salz'ge Welle! –
So kommen endlich sie zur Stelle.
Da steht am Kohlenbrand geschäftig
Caprus, und rührt die Flamme kräftig.
Waldfräulein starrt ihn an voll Graus;
Die Alte packt den Vorrath aus,
Dann stößt sie mit verdrossnem Sinn
Waldfräulein schön dem Caprus hin.
»Hier ist das Weib, das du begehrt,
Der Zufall hat sie mir beschert!«
Und ohne sonst ein andres Wort
Geht flugs sie ihres Weges fort;
Und in der Macht des Köhlers hart
Läßt sie die Jungfrau hold und zart! –

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