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Joseph Christian von Zedlitz: Waldfräulein - Kapitel 18
Quellenangabe
typepoem
authorJoseph Christian von Zedlitz
titleWaldfräulein
seriesJoseph Christian von Zedlitz, Band 2
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071203
projectid746515f6
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Achtzehntes Abentheuer.

Wie die Schwalben zu Möspelbrunn ein Nest bauen.

O Spessart, edler Forst, du bist
Der Wälder Preis zu jeder Frist;
Doch war noch nie so grün dein Kleid,
So frisch und duftig nie wie heut
Dein Veilchenrasen; nie am Quell
Blühten Vergißmeinnicht so hell;
Es war von Perlen so bethaut
Noch nie das rothe Haidekraut;
Noch sangen in der Bäume Kron'
Die Vögel nie so süßen Ton;
Nie spreitete sein stolz Gefieder
Der Spielhahn noch so trotzig wider;
Noch trug je sein Geweih so stolz
Der Edelhirsch wie heut zu Holz! –
Von Möspelbrunn, dem alten Schloß,
Wo eben jetzt die Freude groß,
Durch deine Tiefen, edler Wald,
Ein lauter Jubelruf erschallt;
Ja selbst der See, aus dem sich's hebt,
Bis tief in seinen Grund erbebt! –
Es tönen Zimbeln dort und Geigen,
Es stampft das junge Volk den Reigen,
Die Alten sitzen beim Pokal,
Beim reichen, freud'gen Hochzeitsmahl:
Der Bräut'gam ist Herr Aechter traut,
Waldfräulein aber ist die Braut,
Und nie ward je das Aug' gewahr
Ein wonnetrunk'ner Liebespaar! –
Als nun der Gäst' erles'ne Schaar
Zumeist des Festes selig war,
Herr Aechter sacht die Braut erkürt,
Und heimlich sie von dannen führt,
Mit ihr in's Brautgemach zu gehn. –
Und als sie kommen an die Stelle,
Finden sie an des Eingangs Schwelle
Die beiden Goldpantoffel stehn.
Sie stellt' dahin als Brautgeschenke
Die Spessartfee, wie ich gedenke,
Zum Zeichen, daß der Bann jetzt aus,
Und Glück und Freude weil' im Haus! –

O Nacht, zieh' deine Schleier zu,
Laß deine stillsten Schatten dunkeln;
Nur die Gestirne mögen funkeln
Und leuchten ihrer holden Ruh!
Indeß sie ihre Seelen tauschen,
Laß, Spessart, deine Wipfel rauschen!
Zum Schlummer, wenn sie liebesmüd',
Sing' ihnen zu ein hohes Lied!
»Das Leben ist so lang und leer,
Was bot' es, wenn die Lieb' nicht wär'?«
O öffnet Euern Busen weit,
Laßt ein die ganze Seligkeit,
Denn wißt, daß wenn Ihr ausgeliebt,
Die Erd' Euch keine zweite gibt,
Und daß, so lang ihr Zauber währt,
Ihr jede andre leicht entbehrt!
Die Lieb' ist gleich des Himmels Blau,
Nehmt es, und er ist öd' und grau! –

Und nun lebt wohl, die bis hierher
Ihr wolltet horchen dieser Mähr!
Aus ist das Lied, das ich Euch sang,
Vielleicht währt's schon bis jetzt zu lang! –
Um die Ihr durftet Sorge hegen,
Ihr seht, sie sind auf guten Wegen;
Waldfräulein ist ein freudig Weib,
Herr Rechter treu mit Seel' und Leib.
Die, nach dem langen Trennungsschmerz,
Liegen nun beide Herz an Herz;
Wie sie entschlafen Kuß, auf Kuß,
Sind sie erwacht mit gleichem Gruß!
Und als sie früh im Erker stehn
Und nach des Spessarts Waldgrund sehn,
Wie er in Gold glüht allgemach –
Da klappert laut der Storch vom Dach!
Lenzschwalben stiegen herbei, die singen,
Die hellen Stimmen vernehmlich klingen:
»Wir kommen zu dir, wir kommen zu dir,
Wir bauen ein Nest, wir bleiben hier!
Bald zwitschern drin die Jungen fein!
Bald wiegt Waldfräulein ein Söhnlein klein!
Wir kommen zu dir, wir kommen zu dir,
Wir bauen ein Nest, wir bleiben hier!« –

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