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Joseph Christian von Zedlitz: Waldfräulein - Kapitel 16
Quellenangabe
typepoem
authorJoseph Christian von Zedlitz
titleWaldfräulein
seriesJoseph Christian von Zedlitz, Band 2
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071203
projectid746515f6
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Sechzehntes Abentheuer.

Wie Waldfräulein mit dem fremden Ritter zieht.

Waldfräulein und der Ritter zogen,
Neben des Kornfelds grünen Wogen,
Selbander fort; Er hoch zu Pferd,
Sie auf dem Maulthier, ihr beschert! –
Der Ritter wüßte gern zu sagen,
Wem er zu Dienst sich angetragen;
Doch wie er sinnt in seinem Geist,
Ihm nichts die rechte Fährte weist.
Waldfräulein scheint gar seltner Art,
Ganz schlicht, und doch vornehm und zart;
So zierlich ihres Leibes Glieder,
Und auch zugleich so treu und bieder
Die Züg' in ihrem Angesicht,
In aller Schönheit hehr und licht!
Umsonst! Der Ritter nichts ergründet,
Nichts, wer die Jungfrau sei, verkündet.
Da spricht er endlich: »Edle Dame,
Ihr scheint, obgleich am Weg allein,
Doch alles Adels voll zu sein;
So daß Euch wohl mein Dienst gebührt.
Wie ist, ich bitt' Euch, Euer Name,
Und welch Geschäft ist's, das Euch führt
Nach Franken her? O sagt, wohin
Steht in der Folge Euer Sinn,
Daß ich Euch mag mit Nutzen dienen?«
Die Maid drauf mit gelass'nen Mienen:
»Waldfräulein heiß' ich; meinen Herrn,
Der mir abhanden, such' ich fern!«
»Wo aber kommt Ihr her?« – »Vom Wald!« –
»Da habt Ihr luft'gen Aufenthalt« –
Der Ritter drauf, was unzufrieden,
Daß sie ihn also kurz beschieden.
Es dünkt ihm mächtig sonderbar,
Was eben doch natürlich war!
Waldfräulein schweigt, nicht weil sie will,

Sie schweigt, weil sie nichts wußte, still.
Er drauf die Rede weiter lenkt;
Die Jungfrau, lieblich und gelassen,
Gibt zwar Bescheid, doch was sie spricht,
Wie er's auch auslegt und bedenkt,
Gibt unserm Ritter wenig Licht,
Und will nach keiner Seite passen.
So daß es ihm am Ende scheint, –
Was jüngst auch Caprus schon gemeint,
Worin sie Beid' indeß geirrt, –
Die Jungfrau sei im Haupt verwirrt! –

Als sie ein gutes Stück geritten,
Da lugt von eines Berges Mitten
Das alte Schloß von Zabelstein
Gewaltig in das Land hinein;
Und dicht an seine Höh gelehnt
Sich eine große Wiese dehnt.
Da regt sich eine lust'ge Welt
Um manch ein schön geschmücktes Zelt;
Denn hier aus weitem deutschen Land
Sich Ritterschaft zusammenfand
Froh zu Trost und Lanzenbrechen,
Und in geschloss'ner Bahn zum Stechen.
Graf Wipprecht hatt' zu diesem Spiel
Geladen rings der Ritter viel';
Die sah man nun von allen Seiten
Sich auf dem grünen Anger breiten!

Und hier ein Häuflein, eines dort
Bequemt sich, wie es kann, dem Ort;
Die spannen Linnen für die Nacht,
Die halten bei den Rossen Wacht;
Die schlagen Pflöck' ein; auf der Bank
Putzt jener sich das Rüstzeug blank.
Hier brennt ein lustig Feuer auf –
Den Bratspieß her, den Hammel drauf! –
Ein Labsal für den durst'gen Schlund
Fliegt aus dem Fasse dort der Spund!
So treibt denn, bis die Nacht heran,
Ein jeder was er mag und kann! –

Auch unser Zug setzt sich zurecht;
Den Boden ebnen rings die Knecht',
Worauf sie dann das Zelt erheben;
Sie haben drin für diese Nacht
Zwei Lagerbetten angebracht;
Die Rosse stehn am Pflock daneben,
Und niederstreckt, davon nicht weit,
Der Troß sich, um ein Feuer breit.
So ist denn, in und außerm Zelt,
Alles bereit und wohl bestellt.
Die Nacht, mit trauter Dunkelheit,
Beschattet schon die Gegend weit,
Und meint der Ritter: nun sei's Zeit,
Daß man des Schlafes sich erfreut!
Er sieht vorher, ob weich und gut
Das Lager, wo Waldfräulein ruht,
Mit Decken wann bedeckt der Schragen;
Und wie er Alles wohl befunden,
Geht er, in aller Artigkeit
Sein halbes Zelt ihr anzutragen. –
Vergebne Müh! fort war die Maid,
Die Jungfrau fehlt – sie war verschwunden! –

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