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Walden oder Leben in den Wäldern

Henry Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern - Kapitel 13
Quellenangabe
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typeautobiography
authorHenry D. Thoreau
titleWalden oder Leben in den Wäldern
publisherEugen Diederichs
year1922
translatorWilhelm Nobbe
printrunDrittes bis sechstes Tausend
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Baker Farm

Manchmal wanderte ich durch Fichtenhaine, die wie Tempel oder wie Seeschiffe in die Lüfte ragten, bis obenhin geschmückt mit wogenden Zweigen, mit zitternden Lichtern, so sanft und grün und schattig, daß die Druiden ihre Eichenhaine verlassen haben würden, um hier Gottesdienst abzuhalten. Ich ging auch in den Zedernwald hinter dem Flintteich, wo die Bäume, würdig Walhalls Eingang zu schmücken, mit stahlblauen Beeren bedeckt, höher und höher ihre Wipfel hoben, und wo des Wacholders früchteschwere Ranken den Erdboden verdeckten. Oder ich wanderte zum Moore hinaus, wo Usneaflechten wie Blumengewinde von den Weißtannen herniederhingen, wo Krötenstühle – der Sumpfgötter runde Tische – am Boden wuchsen und wo noch viel schönere Pilze, Schmetterlingen, Muscheln oder Schnecken gleichend, manch alten Baumstumpf schmücken, wo der Maibusch und Hartriegel wächst, wo die roten Erlenbeeren wie Koboldaugen funkeln, und wo selbst an das härteste Holz sich die LianeCelastrus scandenz ist eine der schönsten Lianen. Gehört zu den aufrecht kletternden Sträuchern, mit breiten, elliptisch zugespitzten Blättern. Diese, aus den mittleren und östlichen Staaten Nordamerikas stammende Pflanze wird in Deutschland in den Gärten kultiviert. In der Heimat umschlingt sie die dicksten Bäume und erstickt sie. klammert, um es mit ihrer Umarmung zu ersticken – wo der wilden Stechpalme Beeren in all ihrer Schönheit den Beschauer Haus und Hof vergessen machen, wo er geblendet und gelockt wird durch andere, namenlose, wilde, verbotene Früchte, die allzu schön sind, als daß er sie pflücken und kosten möchte. Anstatt mich zu einem Professor zu begeben, machte ich häufig Besuche bei eigenartigen Bäumen, die man nur selten in dieser Gegend antrifft und die weit entfernt auf einer Weide, in Waldestiefen, im Moore oder auf einem Hügel standen. Ich pilgerte zur Schwarzbirke, von der hier einige schöne, zwei Fuß im Durchmesser starke Exemplare vorhanden sind, oder zu ihrer Verwandten, der Gelbbirke, die in ihrem losen, goldenen Gewand so lieblich duftete wie jene. Zur Buche ging ich hin, deren zierlichen Stamm, vollendet in jeder Einzelheit, malerische Flechten schmückten. Abgesehen von einigen verstreuten Exemplaren, kenne ich im ganzen Stadtbezirk nur einen einzigen kleinen Hain ansehnlicher Buchen. Tauben, die man einst mit Bucheckern hier in der Nähe fütterte, sollen ihn, so erzählt man, gepflanzt haben. Es ist der Mühe wert, dies Holz zu spalten, um die Silberfäden darin zu sehen. Die Linde suchte ich auf, die Hagebuche und Celtis occidentalis – die falsche Ulme. Von dieser haben wir hier nur ein schöngewachsenes Exemplar. Hier und da steht ein kräftiger Tannenstamm, ein Schindelbaum oder eine hervorragend schöne Hemlockstanne wie eine Pagode mitten im Wald. Viele andere könnte ich noch anführen. Das waren die Altäre, zu denen ich wanderte im Sommer wie im Winter.

Es geschah auch einmal, daß ich gerade in dem Ende eines Regenbogens stand, welcher die niedrigere Luftschicht erfüllte, Gras und Blätter ringsum in Farben tauchte und mich blendete, als ob ich durch gefärbtes Kristall sähe. Es war ein Meer von Regenbogenlicht, in welchem ich für kurze Zeit wie ein Delphin lebte. Hätte dieses Farbenspiel länger gedauert – meine Beschäftigung und mein Leben wären dadurch vielleicht getönt worden. Wenn ich auf dem schmalen Pfade neben den Eisenbahnschienen dahinwanderte, wunderte ich mich oft über den Lichtkranz um meinen Schatten und gern hätte ich mich den Auserwählten zugezählt. Ein Besucher teilte mir gelegentlich mit, daß die Schatten einiger Irländer, die vor ihm her gegangen seien, diesen Lichtkranz nicht gezeigt hätten, und daß nur Eingeborene auf solche Weise ausgezeichnet würden. Benvenuto Cellini berichtet in seinen Denkwürdigkeiten, daß nach einem entsetzlichen Traum oder nach einer Vision während seiner Haft im Schlosse St. Angelo, morgens und abends ein Lichtschein über dem Schatten seines Kopfes geschwebt habe, einerlei ob er in Italien oder in Frankreich sich aufgehalten habe. Dieser Kranz sei am deutlichsten gewesen, wenn der Tau frisch auf dem Grase lag. Das war vielleicht das gleiche Phänomen, wie das vorhin von mir erwähnte. Man kann es hauptsächlich morgens, aber auch zu anderen Stunden, ja selbst bei Mondschein beobachten. Obwohl es ein konstantes Phänomen ist, wird es gewöhnlich nicht bemerkt; es kann daher bei Menschen mit solch sensitivem Gemüt wie bei Cellini leicht den Ausgangspunkt abergläubischer Vorstellungen bilden. Der Meister fügt übrigens hinzu, daß er nur wenige Bekannte darauf aufmerksam gemacht habe. Sind aber diejenigen nicht wirklich ausgezeichnet, die wissen, daß sie überhaupt beachtet werden?

Eines Nachmittags wanderte ich durch die Wälder zum Fischen nach Fair Haven, um mit meinem knappen Gemüsevorrat etwas länger haushalten zu können. Mein Weg führte mich über »die schöne Wiese«, die zu Baker Farm gehörte. Dies stille Plätzchen wurde bereits von einem Dichter besungen, der also anhub:

»In keuscher Schönheit liegt vor Deinem Haus das Feld,
»Und zwischen moosbedeckten, früchteschweren Bäumen
»Leis murmelnd hüpft des Bach's goldgelbe Welle.
»Und friedlich wohnt die Bisamratte hier bei der lustigen Forelle.«

Bevor ich mich für Walden entschied, hatte ich daran gedacht, mich hier niederzulassen. Damals »stibitzte« ich mir Äpfel, sprang über den Bach und erschreckte Bisamratte und Forelle . . . Es war an einem jener Nachmittage, die unendlich lang vor mir zu liegen schienen, obwohl sie häufig, wenn ich aufbrach, schon halb verflossen waren, an einem jener Nachmittage, an denen gar vieles sich ereignen kann, und die einen wertvollen Teil unseres irdischen Lebens ausmachen. Ein heftiger Regenguß ging nieder, als ich kaum meine Wanderung angetreten hatte. Ich war gezwungen eine halbe Stunde lang unter einer Tanne zu stehen, wo ich mir aus einigen Ästen und aus meinem Taschentuch ein Wetterdach schuf. Als ich schließlich meine Angel über das Hechtkraut hinweg zum ersten Male auswarf, wobei ich bis zu den Hüften im Wasser stand, schwebte plötzlich ein dunkler Wolkenschatten um mich her, während der Donner mit solchem Nachdruck zu rollen begann, daß mir nichts anderes übrig blieb als zuzuhören. Das nenn' ich einen leichten Sieg der Götter, dachte ich bei mir, wenn sie mit solch gezückten Strahlen einen armen unbewaffneten Fischer in die Flucht jagen! Ich entschloß mich, in der nächstgelegenen Hütte Obdach zu suchen. Sie war eine halbe Meile weit von jeglicher Landstraße entfernt, lag aber desto näher am Teiche. Lange Zeit hatte niemand in ihr gewohnt:

»Diese Hütte baute einst ein Dichter!
»Doch nun ist auch für sie
»Die Sterbestunde nicht mehr fern . . .«

So dichtet die Muse. Einstweilen aber wohnte, wie ich sah, noch John Field darin, ein Irländer mit Frau und mehreren Kindern. Den Anfang der Reihe machte ein Knabe mit breitem Gesicht, der dem Vater bereits bei der Arbeit half und gerade jetzt aus dem Moor mit ihm dahergelaufen kam, um dem Regen zu entgehen. Den Schluß bildete das runzelige, sibyllenhafte, kegelköpfige Baby, das – gerade wie in den Palästen der Vornehmen – alsbald auf seines Vaters Knie saß und aus seinem Heim voll Nässe und Hunger heraus, von dem Vorrecht der Kindheit ausgiebig Gebrauch machte, den Fremden scharf ins Auge faßte und nicht wußte, ob es vielleicht der letzte Sproß eines edlen Stammes sei oder John Fields armseliger, hungernder Balg. Da saßen wir nun beieinander unter dem Teil des Daches, der am wenigsten undicht war, während draußen Donner und Regen wüteten. Ich hatte hier vor langer Zeit schon oft gesessen, ehe noch das Schiff gebaut war, auf welchem diese Familie nach Amerika fuhr. John Field war augenscheinlich ein ehrlicher, aber ein ratloser Mann, der schwere Arbeit tat. Auch seine Frau war eine biedere Seele, die ungezählte Mittagessen in der Nische des hohen Kamines kochte. Ihr rundes Gesicht war schweiß- und staubbedeckt, ihre Brust nicht verhüllt. Sie hoffte noch immer auf bessere Tage. Immer hielt sie einen Scheuerlappen in der einen Hand und doch war nirgends eine Spur seiner Tätigkeit zu sehen. Auch die Hühner hatten hier vor dem Regen Schutz gesucht. Sie spazierten im Zimmer auf und ab, als ob sie zur Familie gehörten und sahen mir zu »zivilisiert« aus, als daß ich sie mir gebraten hätte vorstellen können. Sie machten vor mir Halt, sahen mir in die Augen und pickten, um mir ihren Wunsch auszudrücken, gegen meine Stiefel. Inzwischen erzählte mir mein Wirt seine Lebensgeschichte. Ich erfuhr, daß er für einen benachbarten Farmer angestrengt im Moor arbeiten mußte. Er grub dort mit der Schaufel oder mit der Sumpfhacke eine Wiese um. Dafür erhielt er zehn Dollars pro Morgen und zugleich die Nutznießung des Landes (inklusive Dünger) für ein Jahr. Sein Ältester mit dem breiten Gesicht arbeitete fröhlich neben dem Vater, ohne zu ahnen, welch schlechten Handel jener geschlossen hatte. Ich versuchte ihm mit meiner Erfahrung zu Hilfe zu kommen und erzählte ihm, daß ich, einer seiner nächsten Nachbarn, wie ein Bummler aussehend, zum Fischen hierher gekommen sei, meinen Lebensunterhalt verdiene wie er selbst, und daß ich in einem wasserdichten, hellen und reinen Hause wohne, welches kaum mehr koste, als die Miete der von ihm bewohnten Ruine betrage. Ich setzte ihm auseinander, wie er sich in ein paar Monaten, wenn er nur wolle, seinen eigenen Palast bauen könne, ich betonte, daß ich weder Tee noch Kaffee, weder Butter noch Milch oder frisches Fleisch gebrauche, mich deshalb auch nicht für solche Dinge zu plagen habe. Andererseits sei eine sehr kräftige Nahrung für mich nicht notwendig, weil ich nicht hart arbeite; mein Lebensunterhalt koste mir darum so gut wie nichts. Er aber wolle Tee, Kaffee, Butter, Milch und Ochsenfleisch verzehren und müsse angestrengt schaffen, um solche Ausgaben bestreiten zu können. Die harte Arbeit verlange wieder kräftige Kost, um den Kräfteverbrauch im Körper zu ersetzen – kurzum: das alles sei so breit wie lang, oder vielmehr breiter als lang, denn er sei unzufrieden und setze obendrein seine Gesundheit bei dem Handel aufs Spiel. Als John Field nach Amerika auswanderte, hatte ihn aber gerade die Aussicht gelockt, dort an jedem Tage Tee, Kaffee und Fleisch genießen zu können. Und doch ist nur dort das echte Amerika, wo man in aller Freiheit sein Leben derart gestalten kann, daß man ohne diese Dinge auszukommen vermag, wo der Staat sich nicht bemüht, Sklaverei, Krieg und andere zwecklose Ausgaben zu unterstützen, welche direkt oder indirekt durch den Gebrauch dieser Dinge hervorgerufen werden. Ich sprach absichtlich zu ihm, als ob er ein Philosoph wäre oder einer sein möchte. Meinetwegen könnte man gern alle Wiesen der Erde in ihrem natürlichen Zustande lassen, wenn dadurch der Anfang zur Erlösung der Menschheit gemacht würde. Um zu wissen, was der eigenen Kultur am besten frommt, braucht man keine Geschichte zu studieren. Doch, o weh! Der Kultur eines Irländers muß man schon mit einer Sumpfhacke zu Leibe gehen. Ich sagte John Field, daß er für seine Arbeit im Moor dicke Stiefel und derbe Kleider gebrauche, die obendrein bald schmutzig und abgenutzt seien. Ich dagegen trüge leichte Schuhe und dünne Kleider, bezahle dafür kaum halb so viel wie er und dabei denke er vielleicht noch, ich sei wie ein Herr gekleidet! (Das war übrigens nicht der Fall!) Ich könne, so fuhr ich fort, in ein paar Stunden, wenn ich nur wolle, so viel Fische fangen, daß ich für zwei Tage daran genug hätte, und das sei obendrein keine Arbeit, sondern ein Vergnügen. Ich könne in ein paar Stunden Geld genug verdienen, um eine ganze Woche damit hauszuhalten. Wenn er mit seiner Familie einfach leben wolle, so möchte er mit Kind und Kegel im Sommer vergnüglich Heidelbeeren pflücken. Seufzend hörte John meine Worte an, sein Weib blickte, die Hände in die Hüften gestützt, starr vor sich hin und beide schienen zu überlegen, ob sie Kapital genug besäßen, ein solches Unternehmen anzufangen, oder Rechenkunst genug, um es durchzuführen. Für sie hieß es ohne Kompaß segeln. Sie konnten sich nicht vorstellen, wie sie schließlich in den Hafen einlaufen würden. Und so glaube ich denn, daß sie noch immer mutig sich durchs Leben schlagen, Angesicht gegen Angesicht, daß sie es sich blutsauer werden lassen, weil sie nicht geschickt genug sind, des Lebens starke Säule mit einem fein zugespitzten Keil zu sprengen, um dann Stück vor Stück zu bewältigen. Sie glauben, sie müßten wie bei einer Distel hart zupacken! Doch sie kämpfen unter ungeheuer nachteiligen Verhältnissen . . . John Field – ach! er vegetiert dahin, ohne zu rechnen, und darum gibts nichts als Mißerfolg.

»Fischen Sie auch bisweilen?« fragte ich ihn. »O ja, wenn ich mal gerade nichts zu tun habe, fange ich ab und zu eine Portion guter Barsche.« »Was nehmen Sie als Köder?« »Ich fange Weißfische mit Regenwürmern und benutze die Weißfische als Köder für die Barsche.« »Es wird das beste sein, wenn Du Dich gleich aufmachst«, sagte sein Weib mit glänzenden, hoffnungsfrohen Augen. Doch John blieb da.

Der Regen hatte inzwischen aufgehört und ein Regenbogen über den Wäldern im Westen versprach einen schönen Abend. So nahm ich denn Abschied. Als ich aus dem Hause trat, bat ich um ein Trinkgefäß. Ich wollte einen Blick in den Brunnen tun, um mein Bild von dieser Farm abzurunden. Doch, du lieber Himmel! Der Brunnen war seicht und versandet, das Seil war zerrissen und der Eimer für ewige Zeiten verschwunden, unterdessen hatte man das passende Kochgeschirr herausgesucht, Wasser augenscheinlich abgekocht und es nach langem Warten und gründlicher Überlegung dem Durstenden überreicht. Das Wasser hatte weder Zeit gehabt sich abzukühlen, noch sich zu setzen. Diese Sorte Haferschleim dient hier als Nährmittel, dachte ich bei mir, schloß die Augen, vermied durch einen weise dirigierten Tiefstrom den schmutzigen Bodensatz und trank aufs Wohl edler Gastfreundschaft so herzhaft wie nur möglich. Ich stehe meinen Mann, in Fällen, wo es sich darum handelt, gute Lebensart zu zeigen.

Als ich nach dem Regen des Irländers Haus verlassen hatte und meine Schritte nach dem Teich hinlenkte, erschien mir, der ich Schulen und Akademien besucht hatte, mein Wunsch, Hechte zu fangen und mich dabei durch einsame Wiesen, Sümpfe und Moore, durch entlegene, wilde Gegenden durchzuarbeiten, einen Augenblick lang abgeschmackt. Doch als ich den Hügel hinabeilte, hinein in den rotglühenden Westen, als der Regenbogen über meiner Schulter stand und von irgendwoher durch die gereinigte Luft ein leises Klingen sich hören ließ, da schien mein guter Geist zu mir zu sagen: Geh, fische und jage, weit und breit, tagaus tagein, weiter und breiter und ruhe aus an manchem Bach, an manchem Herd, ledig aller Sorgen, Gedenk an Deinen Schöpfer in Deiner Jugend.Siehe altes Testament, Prediger, Kapitel 12 Vers I. Steh' auf, bevor die Sonne erwacht, sei unbekümmert und zieh auf Abenteuer aus. Der Mittag soll an anderen Seen Dich finden, und wo auch immer die Nacht Dich überrascht: dort sei Dein Heim. Herrlicher denn hier dehnen sich nirgends die Wiesen, die schönsten Spiele spielt man hier. Wachse und blühe, wild wie Deine Natur es erheischt, wild wie dieses Schilf, wie dieses Dorngebüsch, das niemals englisches Heu werden kann. Laß den Donner rollen. Was kümmert's Dich, ob er des Landmanns Ernte Unheil bringt. Nicht solche Botschaft will er Dir verkünden. Suche Obdach unter der Wolke, derweil die anderen in Wagen und Hütten sich verbergen. Und wenn Du Dir Dein täglich Brot erwirbst: heiße das nicht Arbeit, sondern Spiel. Erfreue Dich am Land, doch erwirb es nicht. Weil es dem Menschen an Mut und Vertrauen fehlt, sind sie dorthin gelangt, wo sie sind – sie kaufen und verkaufen, und führen ein Leben wie Leibeigene. O Baker Farm!

»Dieser Landschaft holdeste Zierde
»Ist ein keuscher Sonnenstrahl . . .«

»Niemand eilt dorthin zum Spiel,
»Wo Gitter die Wiesen umgürten . . .«

»Mit keinem Menschen brauchst Du je zu rechten,
»Noch quälen Dich törichte Frager.
»Du bist in Deinem schlichten, braunen Wams
»Noch gerad' so demutvoll wie einst
»Als ich zum erstenmal Dich sah . . .«

»Ihr, die Ihr liebt,
»Und Ihr, die Ihr haßt,
»Kinder der heiligen Taube,
»Und Ihr, Guy FauxGuy Fawkes war das Haupt der sogenannten Pulververschwörung in England. Geboren 1570. Ließ sich 1604 mit anderen Fanatikern in eine Verschwörung gegen die protestantische Regierung ein und übernahm es, die Pulvermine anzuzünden, durch welche bei Eröffnung des Parlaments (5. November 1605) dasselbe samt König Jakob I. und seinen Ministern in die Luft gesprengt werden sollte. Die Verschwörung wurde entdeckt, Fawkes wurde verhaftet, gefoltert bis er gestand, und am 31. Januar 1606 hingerichtet. Genossen:
»Hängt alle niedrigen Gedanken
»An dieser Bäume unbeugsame Äste!«

Vom nahen Feld oder von der Straße, wo stets das Haushaltecho spukt, kommen die Menschen am Abend matt nach Haus. Ihr Leben spinnt sich freudlos ab, weil es fortwährend seinen eigenen Atem wieder einatmet. Ihr Schatten am Morgen und Abend reicht weiter als ihre täglichen Schritte. Aus weiten Fernen sollten wir an jedem Abend heimwärts ziehen, aus Abenteuern, Gefahren und Neuland heimkehren, mit neuer Erfahrung, mit neuem Charakter.

John Field hatte inzwischen seine Pläne geändert und mich, bevor ich zum Teiche kam, eingeholt. Er war entschlossen, heute nicht mehr im Moor zu arbeiten. Und nun holte der arme Bursche nur ein Paar winzige Fische heraus, während ich eine stattliche Anzahl fing. Solches Pech habe er immer, sagte er. Als wir dann die Plätze im Boot wechselten, tat das Pech dasselbe. Armer John Field! Ich hoffe, daß er diese Erinnerungen nicht liest, es sei denn, daß sie ihm zum Vorteil gereichen würden. Er will nach einem von der alten Welt ererbten Prinzip in dieser primitiven neuen Welt leben – will Barsche mit Weißfischen fangen! Das mag bisweilen ein guter Köder sein, meinetwegen. Soweit sein Auge reicht gehört alles ihm, und doch ist er ein armer Schlucker, der zur Armut geboren ward, dessen Eltern schon, wie er, die irländische Armut, vorsündflutliche Ansichten und versumpfte Gewohnheiten erbten. Erst dann wird er oder einer seiner Nachkommen in dieser Welt auf den grünen Zweig kommen, wenn ihren watenden, patschenden, sumpfstampfenden Füßen talaria an den Fersen wachsen.

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