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Vorschule der Ästhetik

Jean Paul Richter: Vorschule der Ästhetik - Kapitel 67
Quellenangabe
typetractate
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 5
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleVorschule der Ästhetik
pages7-514
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1804
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Man muß die Verblendung des Alters haben – welche noch schlimmer ist als die der Jugend, weil jenes selten seine Heilung erlebt und weil ihm die Jahre mehr Krankheitmaterie als Arzeneien zuführen –, um zu glauben, die höchste Freiheit und Besonnenheit der jetzigen Zeit werde sich je eigenhändig selber ermorden oder sich anketten an ihre Besiegte. Überhaupt, soll ein junger Mensch großen Männern nicht schon darum widersprechen dürfen, weil sie ihm erlauben, ja raten, ihnen beizufallen? Denn setzt nicht die Annahme eines großen Gedankens dieselbe Kühnheit des Urteils und der Prüfung voraus als dessen Abweisung? – Was aber doch diese Alten – vom Berge weniger als vom Tale – notdürftig entschuldigt, ist der gestorbene Beweis, den Campe im alten Deutschen Museum von der Unsterblichkeit der Seele versuchte. Wie dieser nämlich zeigte, daß die Seelen unsterblich sein müßten, weil sonst ihr Untergang in die Gottheit, welche unveränderlich ist, eine andere Idee, folglich Veränderlichkeit hineinbrächte: so können strenge Stilistiker sagen, daß sie, wenn gewisse Autoren ihre Unsterblichkeit einbüßten, ja ganz die Unveränderlichkeit ihres Vorstellens verlören, woran die Jahre sie gewöhnet hätten, was doch zu absurd sei. Ich würde das letzte Kapitel, nämlich

das neunte,

den Stilistikern

nie im Wachen so derb lesen, als ich es diese Nacht im Traume mit der Reichunmittelbarkeit der Schlafkammer wirklich gelesen, vielleicht weil ich mich zu lange auf die heutige Vorlesung vorbereitete. Das Schwächste kann ich geben.

»Sie erliegen, sorg' ich,« (begann ich) »Bäotarchen, es seien nun Ihrer 7 oder 11. – Wir brauchen nur miteinander ins Paulinum in die Universitätbibliothek zu gehen, welche zum Glücke in der Messe täglich offensteht. – Lesen Sie hier in des Herrn v. Schönaichs ganzer Ästhetik in einer Nuß oder neologischem Wörterbuch 1754, das dieser Epopöen-Schmierer gegen Klopstock und Haller weniger geschrieben als gebellt. Ihm ist geschmacklos an Klopstock: fallender Flug S. 149; die Augen saugenWas auch die damalige Göttinger Zeitung tadelte und was Wieland nachher fast zu oft miteinander reimte. – der Abend der Welt statt jüngster Tag; mit segnenden Blicken belohnen S. 44; das Leben herabbluten S. 67; einweihender Blick; weinende Wolken; wandelndes Jauchzen; Fähigkeiten entfalten S. 117; – an Haller: grüne Nacht; furchtbares Meer der ernsten Ewigkeit, nebst den 5 nächsten Versen S. 255; Kleid der Dinge; den Ernst dem Spiele vermählen S. 47; – und endlich die neuen Worte: himmelab, felsenan, entstürzen, entthronen, anstarren, Endpunkt, betauet, ausschaffen, ausbilden, Ausguß, Ferne – –

Gott, wie arm und eng war der Deutsche anno 1754! sagen Sie 1804. Aber werden nicht sogar Bäotarchen dasselbe anno 1854 von unserer Jahrzahl sagen? Gibt es einen bessern Beweis als dieser rohe Schönaich, der jetzo nur noch stiller Geister-Redakteur einiger Institute ist, wie sehr der kühne Genius am Ende einen kühnen Geschmack erschafft? – Können Herders sämtliche Werke, an welchen man jetzo die Darstellung nicht verwirft wie zuerst, oder bloß duldet wie später, sondern hochhält, euch nicht bekehren und auf Voraussetzungen einer kühnern Zukunft, eines befreiten Jerusalems bringen? – Schon im Jahr 1768 klagte dieser fruchttreibende GeistDessen sämtliche Werke I. B. der schönen Literatur S. 76 etc. die damaligen Deutschen der matten Eigenschaften und noch matterer an, als die ihr habt und vererben wollt; der Ankläger behielt das Schlachtfeld und Recht; aber die jetzigen Ankläger werden es ebenso gegen euch gewinnen, ob ihr gleich euer welkes Laub aus dem Herbste noch forttragt und festhaltet im Frühling der Zeit. – Rinnt nicht die Zeit dahin, wie die Spree durch unsern Garten?Hier setzte der Traum mich und die andern auf einmal in den berlinischen Tiergarten; aber ganz natürlich. Freilich ist die Lebzeit der Kraftgenies vorüber, und ihr schließt mit Recht auf einen gleichen Untergang der jetzigen; aber blieb nicht davon die Wirkung eines freiern Geschmackes zurück? Wißt ihr denn, daß zwar jede poetische Natur in eure schauen kann, aber nicht ihr in ihre? Aber da ihr es nicht wißt, so hofft ihr, das bloße Anführen poetischer Meinungen, z. B. eines Novalis, sei auch deren Widerlegen, selber für den Verfasser, als wäre nicht der Schein der Ungereimtheit dem Verfasser ebensogut begegnet wie euch. Wenn ein großer Kopf von euerem sich unterscheidet, so setzt ihr lieber voraus, daß er sich, als daß ihr ihn nicht verstanden; und wie bei Türken, muß gerade der Kopf Kopfsteuer erlegen, welcher zu groß gewachsen, um durch das Steuermaß zu gehen.Nach Büsching tragen die Kopfgeld-Einnehmer in Konstantinopel stets ein Maß in der Tasche, das die steuerfreien Köpfe – wenn sie noch durch dasselbe gehen – leicht bezeichnet. –

Hat euch denn je die Nachricht, ein Werk sei dunkel und sei nur für Auserlesene, z. B. Platon, davon abgeschreckt oder nicht vielmehr dazu angezogen? Und habt ihr dann die Finsternis darin jemand anderem vorgeworfen als dem Autor und eure Blindheit für etwas anderes gehalten als für seine Nacht? – Im ganzen ist es daher recht, wenn alles Große (von vielem Sinne für einen seltenen Sinn) nur kurz und dunkel ausgesprochen wird, damit der kahle Geist es lieber für Unsinn erkläre als in seinen Leersinn übersetze. Denn die gemeinen Geister haben eine häßliche Geschicklichkeit, im tiefsten, reichsten Spruch nichts zu sehen als ihre eigne alltägliche Meinung, und sie tun dem Autor den Schabernack an, daß sie ihm beifallen; den göttlichen Heiligen-Geistes-Sohn einer Maria lassen diese Zimmermänner als ihre eigne Baute taufen. – Übrigens wirkt für die Fähigen Unverständlichkeit wie für Kinder, sie lernen daran verstehen; fast alles Lernen fängt – sonst ist es Erfinden – mit Nachbeten an; die öftere Erinnerung einer Meinung gebiert schon endlich ihre lebendige Anschauung. Es gilt auch geistig Herschels Satz, was nur ein vierzigfüßiges Teleskop entdecke, wiederfinde doch ein zwanzigfüßiges.

Ihr bedient euch, Bäotarchen, entweder der einfältigsten oder der unsittlichsten Waffen in euerem Bauern-Kriege gegen die Poetiker, wenn ihr es so macht, daß ihr ewig schreiet: sie liegen schon tot auf dem Schlachtfelde, es ist schon vorbei und das Publikum unserer Meinung. Ihr hofft, durch das Erklären pro mortuo (für gestorben) von weiten zu töten; bei den Griechen aber bedeutete das falsche Gerücht eines Todes nichts als ein langes Leben. Die junge Partei überdauert schon physisch die alte, wird selber physisch alt, behält die Strebungen und ändert nur die Hoffnungen, Einsichten und Wege dazu, – und so erstieg von jeher eine Zeit die andere.

In allen Kriegen glauben die Menschen dadurch Unparteilichkeit zu zeigen, daß sie solche fodern vom Feinde; hingegen wider den Feind, denken sie, erlaube ja das Kriegrecht ein paar Streiche zu viel; – der Feind machts von seiner Seite wieder so. Demnach, meine Stilistiker, ists nicht völlige Unparteilichkeit, wenn Sie an den Poetikern Grobheit, Heftigkeit etc. zwar tadeln – dies lob' ich –, aber den nämlichen Enthusiasmus des Zürnens an vergangenen Männern erheben. Das Wenigste wäre meines Bedünkens, daß Sie die Skaliger, Salmasius, Scioppius, Meursius, Gronov und alle Humanisten anfielen, oder auch den Hutten mit seinen Helferhelfern in den epistolis obscurorum, welche in der Tat dem armen M. Ortouin scherzend Diebstahl und Ehebrechen vorrückten. Ja ich hätte von euch erwartet, daß SieEs wäre eine psychologische Aufgabe, die Sprünge in diesem Traume z. B. von Ihr zu Sie, von der Leipziger Universität-Bibliothek in den Berliner Tiergarten philosophisch zu motivieren oder überhaupt in allen Träumen. An einem andern Orte davon mehr! z. B. an Luther gedacht hätten, der, wie man liest, so hart gegen den Papst und Heinrich schrieb, daß man die Feder draußen vor der Stubentüre auf dem Papiere kratzen und knarren hörte, wiewohl das Geschriebne nachher noch stärker lärmte. Dasselbe gilt von Lessing. Führt überhaupt nicht mehr diesen, noch weniger einen Herder unter eure Bunds-Genossen hinein. Werdet ihr denn von Herders Geiste durch ein ganzes Leben, das ein ewiger Kampf gegen die Prose der Zeit, gleichsam hinter der Fahne des großen Zeit-Feindes Hamann, seines Freundes, gewesen, so wenig innen oder selber von euren ihn mißdeutenden Feinden so sehr geblendet, daß ihr über seinen Kampf gegen unmoralische Zufälligkeiten und andere Mängel eurer Feinde je die angeborne Feindschaft mit eurer Welt vergessen konntet? – Freilich gibt es Minuten, wo der beste Mensch – folglich er auch – den Zufall, den er nie anwerben würde, gern als Freiwilligen für sich kämpfen sieht, z. B. im Seekrieg einen fremden Wind von Merkel; im spanischen Landkrieg gegen Mexikaner Hunde; aber die Hunde«.....

Die wenigen, meine Herren, die noch von Ihnen dastehen, – denn ich sehe wohl, wie jetzo die holde Abendsonne von Goldzweig zu Goldzweig niederhüpft und den Torschluß und Torgroschen den Einnehmern des letzten ansagt; und doch schmerzt es, wenn ein Hörsaal davongeht – sollten wenigstens das wenige anhören, was ich verspreche. Als ich nämlich bis dahin in meinem keifenden Traume gekommen war, Treffliche, erfuhr ich recht an mir die Gesetze des Traums, indem er auf einmal die Hitze in mir in ein hitziges Volk außer mir verwandelte und dieses auf mich Sturm laufen ließ; mich hingegen oben auf die wahre Festung Malta (der jetzige Landung-Krieg trug vielleicht bei) aufpflanzte wie eine Haubitze. Unter mir, in einem schwarzen Meer wie aus Dinte sah ich alles schiffen und heranfeuern, um mich und Malta, wo möglich, zu erobern. Sie griffen mich – wie spielt aber der Traum und bedient sich der Metonymie, nämlich der causa pro effectu! – mit lauter Druckersachen an – mehre Pfund Schwabacher, desgleichen Klein-Cicero wurden aus Matrizen verschossen – zugespitzte Ausrufung-Zeichen und lange Gedankenstriche fuhren vor mir vorbei und statt des zerhackten Bleies sogenannte Gänsefüße – das Feuer aus Schriftkästen war fast fürchterlich, und die Stück- und Schriftgießereien arbeiteten unaufhörlich. Sie schrien, ob ich jener Paul wäre, welcher Großmeister der Insel werden wollte, und ob ich nicht wüßte, wozu ich mich in dem 10ten Artikel von Amiens anheischig gemacht. Welche Verwechslung! Hier verkehrte (und es ist so leicht zu erklären) der Traum mich in einen Engeländer und die Bäotarchen in Franzosen. – Ja dies hat sogar einen schwachen Sinn. Ich aber, so unendlich gesichert durch meinen Felsen, suchte bloß sie drunten recht zu ärgern und zu erbittern und rief durch ein Sprachrohr (ich rollte es aus Kartaunenpapier zusammen) folgende unangenehme verdrüßliche Sachen hinab: »O ihr Bäotarchen oder Hoch- und Deutsch-Meister deutscher Meister, ich verteidige die unsichtbare Kirche als RitterDiese Verteidigung ist das 4te Gelübde der Malteser Ritter. und fechte gegen die Ungläubigen. Diese seid ihr. Ich will es euch hinabschreien, was ihr ewig wollt – etwas zu essen. Dürftet ihr es nur heraussagen, was ihr eigentlich meint und preiset: so würdet ihr gerade an einem Homer, Aristophanes, Platon und so an der rechten Poesie und Philosophie nichts reell-gut finden als die – Gelehrsamkeit, welche daraus als ein Erwerb-Mittel zum höchsten Gute eines behaglichen Lebens im Staate zu holen ist. Schießt immer mit Drucker-Ahlen und Vignetten herauf, ihr achtet doch unsere großen deutschen Dichter nur, weil sie meistens gelehrt sind; auch in ihren Staatsämtern leben. Ein bloßer reiner Dichter steht bei euch sogar unter einem Philosophen, weil dieser doch, er sei noch so leer, zu etwas taugt, nämlich zu einer philosophischen Professur. Einer, der über Gedichte lieset, ist euch lieber als einer, der sie lieset oder macht; malo unam glossam quam centum textus, sagt ihr, und für Hermanns Metrik gebt ihr gern die 123 verlornen Tragödien Sophokles' hin, falls nur noch 7 die Metrik zu erläutern bleiben. Freilich zeigen die Göttinger gelehrten Anzeigen gern einen Dichter an, aber sie sehen doch auf Geburtadel durch klassischen Boden, durch Rom, Venedig, Padua, London, Paris, Madrid; denn sie schätzen ein Gedicht, das in der Sprache geschrieben ist, welche den Gelehrten als Gelehrten interessiert und welches fast jede ist, die angeborne, wie natürlich, ausgenommen.

Wir wünschen doch zu wissen, sagt ihr unten in eurem mittelländischen Meere, ob man am neuen romantischen Mondschein nur eine Pfeife Tabak anzünden oder einen einzigen Tannenzapfen zum Ausfliegen des Samens abdürren könne; und der erste beste Kanonenofen tu' es eher. Eben hat mich einer von euch mit einigen Ungerschen Schriften durchs Ohrläppchen geschossen und es für einen gebohrten Demanten gebohrt; aber ich fahre fort: So ist wahrlich die Sache; der einzige Philosoph, den ihr statt aller Platons und Jacobis verdient, ist euer Bahrdt gewesen, der Repräsentant eurer Philosophie, welche den alten physischen Satz, 'daß die Natur das Leere zwar fliehe, aber nur bis zu einem gewissen Grade' zu gleicher Zeit erfand, befolgte und bewies. Poeten genießet ihr freilich, aber erst als Zugemüse zur feisten Lebenprose; gleich jenen belgischen Matrosen schmauset ihr zu euerem Hering eine unschätzbare Tulpenzwiebel auf; denn jene soll euch das gemeine Leben würzen und kränzen, aber nicht vertilgen, sonst, sagt ihr, wäre man ja so schlimm daran, als wenn die platonische Liebe zu gar keiner Sache führte, die ihr Gegenteil ist. Himmel, wie wollt ihrs einmal im Himmel aushalten, falls ihr nicht das Glück habt, verdammt zu werden? – Euer mir ganz verhaßter Fehler ist der, daß ihr oft einerlei Liebe gegen einerlei Werk mit eueren Feinden zu teilen glaubt. – Da ein geniales Werk die Menschheit ausspricht, so kann jeder in ihm ein Ich finden und herzen; und daher gibt es nun über geniale Schöpfungen gerade so viele Meinungen als Menschen; und der Schöpfer wird so oft durch das Lob der Ähnlichkeit geärgert als durch den Tadel der Unähnlichkeit erquickt; denn es gibt zwei Parteien. Die erste seid ihr, ihr Schützen und Teufel drunten; (von der zweiten red' ich nicht, welche mit Sokrates im Phädrus eine Lysias-Rede für ungemein verständig, kunstreich und doch nichtig erklärt) – nämlich das rechte Werk für euch, das so publik wird als ein Publikum und das ein Publikum einem Publikum lieset, ist nicht ein plattes, witz-, kraft-, blumen-, bilder- und herzloses Werk, sondern gerade eines, das alle gefoderten Blumen, Bilder, Rührungen und so weiter allerdings wirklich vorzeigt, aber dabei doch die Gemeinheit des Alltagsinnes widerspiegelt in der Glorie gedruckter Talente. Also wie gesagt, man schreibe nicht nur das höchste Werk, auch sogar das schlechteste, man wird gleichwohl wenig bemerkt; aber ein talentvolles gebe man... Sogar einen Schiller preiset ihr unaufhörlich, weil er, obgleich ein Genius, euch doch vermittelst desselben durch eben das so leicht aussöhnte, wodurch er die Poetiker erbitterte, durch seine Lehrdichterei; und ihr könntet vergnügt die Häher sein, welche die duftende Nelke zerpflücken, um deren Samen zu verschlucken.Eine spätere Nachschrift oder Nachlese soll am Ende der Vorlesung das obige Urteil wenigstens mit der Achtung ausgleichen, welche man dem großen Dichter schuldig ist.... Am besten immer ein Werk gebe man euch, worin nicht das Herz, aber doch der Magen verklärt erscheint, voll Leipziger Lerchen und Borsdorfer Äpfel, die zu poetischen Venus-Tauben und Paris-Äpfeln verdauet sind – – ein Werk, worin wie auf der Leipziger Messe, auf welcher 300 Buchhändler und 600 KaufleuteS. Leipz. Adreß-, Post- und Reisekalender auf 1803 sind, sich gerade so halb und unparteiisch Lesen und Essen, – – (schießt, schießt, mit Antiqua, Kapitallettern und Winkelhaken! ich ründe dennoch den Satz) Herz und Magen, Geist und Leib einteilt« – – Hier wurd' ich von einem als Ladstock abgeschossenen Buchdruckerstock so auf die Herzgrube getroffen, daß ich erwachte. Aber unter dem Aufwachen warf ich den unten im Mittelmeer haltenden Schützen noch eilig einen stachlichten Einfall hinab, um sie zu ärgern, weil sie durch mein Erwachen verschwinden mußten, ohne Zeit zur Replik zu gewinnen; sie hießen, sagt' ich schon mit halboffnen Augen, wie die Deutschen eben das Herzgrube, wo eigentlich der Magenmund anfinge...

Meine Herren, es ist ja fast keiner mehr von uns sichtbar und noch da, wenn ich mich abrechne; so sehr läutet die fatale Sperrgeld- oder Fersengeld-Glocke uns fort? Ich wollte den Faden der Untersuchung anders spinnen und an ihn die Sterne, die Nachtigallen, die Blüten um uns her anreihen; aber alles rennt. Ist denn das Herz nichts? Welche herrliche Nachtgedanken und Spat-Gefühle mag das Leipziger Tor schon ausgesperret oder erquetscht haben! Warum wohnt nicht lieber die ganze Stadt außerhalb der Tore? – Wie klagt die Nachtigall herüber! Die Poesie, von einer gewissen Seite genommen.... Ich rede vergeblich sehr schnell; niemand steht. – Nun wenn alle Welt galoppiert, so tu' ichs auch und werde ein Proselyt des Tors; ich sehe nicht ab, warum ich meinen Groschen vergeude. Ich billige jeden, der läuft. – –

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