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Vorschule der Ästhetik

Jean Paul Richter: Vorschule der Ästhetik - Kapitel 40
Quellenangabe
typetractate
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 5
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleVorschule der Ästhetik
pages7-514
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1804
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§ 67

Langsamkeit des Epos; und Erbsünden desselben

Aber wie anders steht alles im Epos! Hier werden die Sünden gegen die Zeit vergeben und die gegen den Ort bestraft. Aber mit Recht beides! In der Vergangenheit verlieren die Zeiten die Länge, aber die Räume behalten sie.

Der Epiker, er fliege von Land in Land, zwischen Himmel und Erde und Hölle auf und ab: er muß wenigstens den Flug und den Weg abmalen (der Dramatiker überträgts dem außer-dichterischen Bühnenschmücker), und in einem Roman (dem Wand-Nachbar des Epos) ist das schnelle Ort-Datum von einer andern entlegnen Stadt so widrig als in Shakespeare das fremde Zeit-Datum. Dem Epos, das die Vergangenheit und die stehende Sichtbarkeit der Welt aufstellt, ist langsame Breite erlaubt. Wie lange zürnt Achilles, wie lange stirbt Christus! Daher die Erlaubnis der ruhigen Ausmalerei eines Achilles-Schildes, daher die Erlaubnis der Episode. Die gefoderte Menge der Mitspieler hält, wie die Menge der Uhrräder, den Gang der Maschine an; denn jede Nebenfigur will Raum zu ihrer Bewegung haben; eigentlich aber wird die Handlung nicht langsamer, nur breiter, nicht verlängert, sondern vervielfacht. Insoferne Romane episch sind, haben sie das Gesetz der Langsamkeit vor und für sich. Der sogenannte rasche Gang, den der unverständige Kunstrichter als ein verkappter Erholung-Leser fodert, gebührt der Bühne, nicht dem Heldengedicht. Wir gleiten über die Begebenheiten-Tabelle der Weltgeschichte unangezogen herab, indes uns die Heirat einer Pfarrtochter in Vossens Luise umstrickt und behält und erhitzt. Das lange Umherleiten der Röhre des Ofens erwärmt, nicht das heftige Feuer. So rauschen im Candide die Wunder oder wir vor ihnen ohne Teilnahme vorüber, wenn in der Klarisse die langsam heraufrückende Sonne uns unendlich warm macht. Wie in jener Fabel siegt die Sonne über den Sturm und nötigt den Mantel ab. Yoricks ganze Reise in Frankreich besteht in drei Tagen; das ganze fünfte Buch des Den Quixote füllet ein Abend in einer Schenke. – Aber die Menschen, besonders lesende, dringen sehr auf Widersprüche. Die interessanteste Geschichte ist stets die weitläuftigste; diese ist aber auch die langsamste; und gerade darum begehrt sie der Leser desto beschleunigter; wie das Leben soll das Buch zugleich kurz und lang sein. Ja, jede schnelle Befriedigung reizt seinen Durst nach einer noch schnellern. Sollt' es nicht auch eine ästhetische Tugend der Mäßigkeit geben? Und geziemet geistiger Heißhunger und Heißdurst einem wohlgeordneten Geiste?

Oft ist der langsame Gang nur ein Schein der Exposition. Wenn in der Exposition des ersten Kapitels im Roman – so wie es immer im Epos geschieht – den Lesern gleichsam die ganze ferne Stadt schon entwölkt und aufgestellt wird, auf welche ein Weg von vier starken Bänden (sie sehen immer die Stadttürme) sicher und gerade hinführt – wie ein uns sehr wohl bekannter Autor im Titan und sonst tat und tut –: so klagt man allgemein unterwegs, weil man hoffen dürfen – sagt man –, schon im zweiten Kapitel anzulangen und mithin das Buch zuzumachen. Glücklicher und kurzweiliger sind die Schreiber, welche in ihren Werken spazieren gehen und nicht eher als die Leser selber erfahren, wo sie eintreffen und bleiben!

Nur dann schleicht die Handlung, wenn sie sich wiederholt; und sie stockt nur dann, wenn eine fremde statt ihrer geht; nicht dann aber, wenn die große in der Ferne in immer kleinere in der Nähe, gleichsam der Tag in Stunden, auseinanderrückt; oder wenn sie mit einem Widerstande ringt und auf einer Stelle bleibt; denn wie in der Moral ist der Wille hier mehr als der Erfolg. Aber gleichwohl verdient Herders lange bitterliche, fast komische Klage über seine und fremde Neigung, bei einem Epos einzuschlafen, hier Erwägung, ja einige Rechtfertigung. Herders bekannten Gründen läßt sich noch dieser beifügen. Es geht nämlich dem epischen Gedichte viele Teilnahme nicht sowohl durch dessen angeborne Wunderwirtschaft verloren – denn Wunder auf Erden sind Natur im Himmel – als durch dessen Kälte, ja Härte gegen die beiden Leibnizischen Sätze des Grundes und des Widerspruchs oder gegen den Verstand, dessen Freundschaft man so sehr zum Motivieren zu suchen hat. – Nur Homer, die erste Ausnahme unter allen Dichtern, bleibt wohl auch hier die letzte; er mag wagen, wie er will, so wagt er kaum. Die Ilias gibt allerdings im Doppelkriege der Götter und Menschen für- und gegeneinander eigentlich die Menschen den Göttern preis, und die Götter wieder dem Göttervater als dem Allmächtigen; und überall könnte Jupiter als Maschinen-, Menschen- und Götter-Gott den Krieg in der ersten Zeile der Anrufung entschieden haben; aber die Götter sind bei Homer nur höhere Menschen, welche wieder nur mit menschlichen Mitteln (Träume, Zureden) die niedern bewegen; – der Olymp ist nur die Fürstenbank, und die Oberwelt ist die Bürgerbank, und die handelnden Wesen sind, wie auf der Erde, nur durch Grad unterschieden; – ferner: die Leidenschaften spalten den Himmel so wie die Erde in zwei Teile, und diese vier Durchkreuzungen verstecken jede Maschinengötterei hinter Handlungen; – ferner: wie die Bürgerbank länger und wirkender als die Fürstenbank ist, so ist in der Ilias das Menschenvolk das immer fortfechtende Heer, und die Götter sind nur Hülftruppen – und man fürchtet und hofft (so schön sind die Wunder gemildert) mehr die Macht der Menschen als die Allmacht der Götter; – ferner waren ja den Sagen der Griechen die Götter nur frühere Bewohner und Mitspieler auf dem Erdenschauplatz, und mithin war deren späteres Eingreifen in eine Heldengeschichte so wenig ein Maschinenwunder als das Eingreifen eines eben gebornen Tatengenies in die jetzo laufende oder zurücklaufende Weltgeschichte; und endlich wurde durch den Held Achilleus, der zugleich Halbgott und Halbmensch war, das Götter- und Menschengedicht schön-mitspielend ebenso zu einer Mensch-Gottheit gehälftet, und es wurde darnach dessen festgegründetem Erdboden der bewegende Himmel zugemessen. Gleichwohl ließen sich doch die ästhetischen Bedenklichkeiten machen, daß Homer sich im Himmel eine willkürliche Hülfe bereithalte für die Erde, eine Pallas, welche den Diomedes mit Siegen über Menschen und Mars beschenkt, einen Apollon, der Gräben füllt und Mauern stürzt, und sogar einen Jupiter, der den Mitkampf der Götter eigenmächtig bald aufhebt, bald freigibt. Aber auf der andern Seite wird Jupiter selber wieder von dem ohne allen Leibnizischen Satz des Grundes entscheidenden und entschiednen Schicksal regiert, welches die Erd- und Himmel-Achse ist, um die sich Menschen und Götter drehen. Und sind nicht jeder, sogar kleinster Erzählung unvermittelte vermittelnde Gewalten unentbehrlich? – Der für Homer entscheidende Preis ist wohl, daß uns mitten in unserem Unglauben an seine Götter, als die frühern Übermenschen, doch deren Machtvollkommenheiten nicht stören.

Ganz anders geht es uns mit dem Land- und Insel- und Seefahrer, dem schönen süßen Halbhelden der Äneide, die so gut wie von einem Paris die Parisiade oder Pariade heißen könnte. Mit der Mattigkeit desselben wächst zugleich die Notwendigkeit und Zahl und Unleidlichkeit der Hülfgötter. Virgil hätte also recht gehabt, daß er dieses Heldengedicht zum Feuer-Tode des Herkules verdammte, wenn dadurch am Gedichte, wie am Herkules nur der sterbliche Teil eingeäschert worden, nämlich Äneas, der unsterbliche aber (die Episoden und Beschreibungen) zum Vergöttern geblieben wäre.

Aber noch mehr verlorner Verstand regiert in Miltons verlornem Paradies. Der Krieg der geschlagnen Teufel gegen den Allmächtigen ist, sobald dieser nicht selber seine Feinde unterstützt und krönt, ein Krieg der Schatten gegen die Sonne, des Nichts gegen das All; so daß dagegen bloße Ungereimtheiten fast verschwinden, solche wie z. B. eine gefährliche Kanonade zwischen Unsterblichen – die einfältigen Schildwachen und Schweizer von Engeln vor dem Edentore, damit die Teufel nicht waagrecht einschleichen, welche dafür nachher steilrecht anlangen, u. s. w. Aber man braucht diesem großen Dichter nur seine Hülfmaschinen von Hülfengeln wegzunehmen, so ist ihm geholfen, und durch die Menschen wird er göttlicher als durch die Engel.

Das deutsche Epos trieb es am weitesten, und zwar, wie die deutsche Philosophie, nicht zum Erlassen, sondern gar zum Vernichten des Verstandes. Das Verhältnis des Gottsohns zum Gottvater – eigentlich zwei Helden in einem Gedicht – die Allmacht und Macht beider über Engel, Teufel und Menschen – die Unmöglichkeit der kleinsten Abweichung des Messias vom ewigen Willen – das ganze Item des Gedichts, der sinnlichen Widersprüche nicht zu gedenken, daß derselbe Zorn über die Menschen abgeteilt nur im Vater-Gott, nicht auch im Sohn-Gott wohne – alles dies wurde von den Lesern der Messiade schon zum ersten Male zu oft gesagt und geklagt; jeder wurde von der Hauptgeschichte so lange gestört, bis Episoden sie ablösten. Die alte Orthodoxie ist hier das homerische Schicksal; aber nur schlimmer; denn dieses gibt, wie die Oper, nur sinnliche Unbegreiflichkeiten, jene aber metaphysische; und eine Unbegreiflichkeit kann so wenig motivieren als motiviert werden.

Alles dieses lädt eben der epischen Langsamkeit eine neue Schwere auf, und Herder und wir schlafen watendfahrend auf dem tiefen Sandweg ein. Denn da das Heldengedicht einmal so sehr die Freiheiten der epischen (gallikanischen) Kirche benützt und also, anstatt des Motivierens durch Tatsachen, so oft nur englischen Gruß und unbefleckte Empfängnis ihrer Göttersöhne und Göttertaten darbietet: so zieht sich die unmotivierte Hauptfabel fast zu einem geschmackvollen Rahmen der motivierten Episoden ein und zurück, welche dann als Gemälde breiter ausfallen als selber der beste goldne Rahm. Dies aber kann am Ende Länge geben, diese Nachbarin der Langsamkeit, und zur Unabsehbarkeit der epischen Fabel trifft noch die ebenso weite möglicher Episoden.

Herder rechnet viel von seiner epischen Schläfrigkeit dem fortgehaltenen Eintone des Silbenmaßes an – aber dieser geht doch auch durch viele Dramen ohne Nachteil hindurch, und Eintönigkeit gibt wie im Leben anfangs Genuß, dann Langweile, endlich Angewöhnung. Der rechte Grund, das wahre Kopfkissen, das die Leser oft zu Schlafgesellen schlafender Homere macht, ist das Stehen und Schleichen der Handlung. Episoden verträgt und verlangt lieber der Anfang als später Mitte und Ende bei dem gewachsenen Interesse; aber gleichwohl ist, wie schon gedacht, der ganze eilfte Gesang der Messiade eine beschreibende Episode. Dieses farniente des Lesers nimmt im Messias immer mehr gegen das Ende durch die Schwanengesänge der Engel zu, welche den Leser zu einem wohlgebildeten Endymion umzaubern und einsingen. Nur dadurch fielen die Freunde der ersten Gesänge von den letzten, ungeachtet aller Pracht der Versbauten, erkältet ab, obgleich der Anfang des Gedichtes nur Leser, die erst zu versöhnen und zu bilden waren, antraf, das Ende aber schon zugebildete und versöhnte fand.

§ 68

Motivieren

Das Motivieren ist selber zu motivieren, könnte man oft sagen. Was kann es heißen, als die innere Notwendigkeit in der äußern Aufeinanderfolge anschauen lassen! Es ist auf vier Arten möglich – daß erstlich entweder innere Erscheinungen durch äußere entstehen, oder zweitens äußere durch innere, oder drittens äußere durch äußere, oder viertens innere durch innere – Aber es gibt Bedingungen: die physische Welt bedarf, als der Kreis des Zufalls, wenigen Motivierens; ich habe schon gesagt, daß der Autor die Gewalt und das Geheimnis besitzt, z. B. nach Gefallen einen Sohn oder eine Tochter zu zeugen. Ein uns allen sehr wohl bekannter Autor beging oft den Fehler, z. B. ein Gewitter zu motivieren durch Wetteranzeigen vorher; aber er wollte vielleicht dabei mehr den seltenen Wetterpropheten zeigen als den gewöhnlichen Dichter. Unbedeutende geistige Handlungen bedürfen ebensowenig des Bewegmittels; so hatte z. B. der Verfasser der Reisen ins mittägliche Frankreich gar nicht nötig, das Hervorziehen eines auf der Brust liegenden Bildes durch besondern Schmerz des Drucks den Kunstrichtern in etwas wahrscheinlich zu machen. Freilich der Künstler, mehr sich seiner Willkür und deren verschiedenen möglichen Richtungen bewußt und, ungleich dem Leser, weniger den Eindruck des Vergangenen fühlend als die Wirkung der Zukunft, motivieret leicht zu viel. Allein eben die überflüssige Ursächlichkeit erinnert an die Willkür; wir wollen am Ende Motive und Ahnen des Motivs haben; und zuletzt müßte der Dichter mit uns in die ganze Ewigkeit hinter uns (a parte ante) zurück- und hinauslaufen. Nein, wie der Dichter, gleich einem Gotte, vorn am ersten Tage der Schöpfung seine Welt setzt, ohne weitern Grund als den der Allmacht der Schönheit: so darf er auch mitten im Werke da, wo nichts Altes beantwortet oder aufgehoben wird, den freien Schöpfung-Anfang wiederholen.

Je niedriger der Boden und die Menschen eines Kunstwerks und je näher der Prose: desto mehr stehen sie unter dem Satze des Grundes.

Glänzt aber die Dichtung von Gipfeln herab; stehen die Helden derselben wie Berge in großem Licht und haben Glieder und Kräfte des Himmels: um desto weniger gehen sie an der schweren Kette der Ursächlichkeit – wie in Göttern ist ihre Freiheit eine Notwendigkeit, sie reißen uns gewaltig ins Feuer ihrer Entschlüsse hinauf; und ebenso bewegen sich die Begebenheiten der Außenwelt in Eintracht mit ihren Seelen. Die Poesie soll überhaupt uns nicht den Frühling erbärmlich und mühsam aus Schollen und Stämmen vorpressen, indem sie eine Schneekruste nach der andern wegleckt und Gras nach Gras endlich vorzerret; sondern sie soll ein fliegendes Schiff sein, das uns aus einem finstern Winter plötzlich über ein glattes Meer vor eine in voller Blüte stehende Küste führt. Für das luftige ätherische Geisterreich der Poesie ist der Prozeßgang der Reichgerichte der Wirklichkeit viel zu langsam: die Sylphide will auf keiner Musen-Schnecke reiten.

Das Epos bedarf weniger Motivierungen als das Drama, nicht nur, weil dort höhere Gestalten in höherem Elemente gehen, sondern auch, weil sich dort mehr die Welt, hier aber die Menschen entwickeln.

Das Bewegmittel muß aber nicht nur eine fremde Notwendigkeit enthalten, auch eine eigne. Es muß der Vergangenheit so scharf angehören als ihm die Zukunft. Dies ist das Schwerste. Der ganze innere Kettenschluß oder die Schlußkette muß sich in die Blumenkette der Zeit verkleiden, alle Ursachen sich in Stunden und Orte. Daher sind die willkürlichsten und schlechtesten Motivierungen der Begebenheiten – weniger der Entschlüsse – die durch das Gespräch; wohin kann sich nicht der Fluß der Rede verirren, zersplittern, versprützen! Wenn man einen Wassertropfen braucht, um glühendes Kupfer aufzusprengen: wo ist er noch leichter zu schöpfen? – Bloß im Weiberauge, vollends von Weiberlippen begleitet. – Das Kunstgespräch muß, wie ein englischer Garten, mit aller Freiheit seiner Windungen die gerade Einheit zum Ziele verfolgen und verknüpfen; Fragen, Antworten sind innere Taten; diese werden Mütter neuer Fragen und Antworten, also neuer Töchter, und so könnte ein kurzes Gespräch eine ganze umgekehrte und alles umstürzende Tatenkette in zehn Zeilen ausschmieden; und es ginge von Willkür zu Willkür fort, wenn nicht der Dichter gerade diesen Schein dialogischer Freilassung als Decke über das scharfe Fortführen der alten, früher angelegten Gesinnungen und Taten zu werfen und zu breiten versuchte. Im Kunstwerk regiert die Vergangenheit, weniger die Gegenwart, mehr die Zukunft.

Viele kleinere Bewegmittel für eine Sache wirken – nie im Leben – (schon weil sie nicht sowohl anzuschauen sind als bloß einzusehen) nicht halb so reich als ein gewichtiges, das den Geist treibt und füllt; es ist aber eben, wie wir alle in und außer Kanzeln wissen, leichter, hundert schwache Gründe zu geben als einen starken.

Manche, z. B. Schiller, machen verschloßne versteckte Charaktere zu Segelmitteln ihrer Handlung, weil sie die Verstellung aus entgegengesetzten Kompaßpunkten für entgegengesetzte Ziele können blasen lassen.

Demantharte Stärke eines Charakters versteinert Dichter und Handlung, weil er schon alles auf der Schwelle entscheidet. Wasserweiche Schwäche tut noch mehr Schaden, weil in ihr die Handlung zerschwimmt und ohne Anhalt umhertreibt.

Der Charakter als solcher läßt sich darum nicht motivieren, weil etwas Freies und Festes im Menschen früher sein muß als jeder Eindruck darauf durch mechanische Notwendigkeit, sobald man nicht unendliche Passivität, d. h. die Gegentätigkeit eines Nichts annehmen will. Manche Schreiber machen die Wiege eines Helden zu dessen Ätzwiege und Gießgrube – die Erziehung will die Erzeugung motivieren und erklären – die Nahrung die Verdauungkraft – –; aber in dieser Rücksicht ist das ganze Leben unsere Impfschule; inzwischen setzt diese ja eben die Samenschule voraus.

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