Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hilda Bergmann >

Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten

Hilda Bergmann: Von Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten - Kapitel 5
Quellenangabe
typefairy
booktitleVon Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten
authorHilda Bergmann
year1928
firstpub1928
publisherGebrüder Stiepel
addressReichenberg
titleVon Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten
pages123
created20181128
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Vom Wolkenmann und von der Wetterhexe.

»Ja, das macht alles die Wetterhexe!« sagte Lina, die Magd, als der Regen kein Ende nehmen wollte und Hans Jörgel umsonst die Nase an die Fensterscheibe drückte, um ein Stückchen blauen Himmels zu erspähen. »Die lockt die Wolkenkühe allesamt herbei und wenn sie sie milkt, dann rinnt der Regen über unsere Köpfe. Und wenn der nicht bald ein Ende nimmt, reißt uns der Mühlbach noch Haus und Stall fort und wir können sehen, wo wir bleiben.« Es tropfte und strömte, rieselte und goß nun schon zwei Wochen bald schwächer, bald stärker vom grauen Himmel herunter und es sah so aus, als wolle es überhaupt nicht mehr 32 aufhören. Der Mühlbach war schon aus seinen Ufern getreten und hatte die angrenzenden Wiesen überschwemmt, der Fluß im Tale floß grau und zornig dahin und trug auf seinen hochgehenden Wogen Baumstämme fort, als wären es Zahnstocher. Der Müller hatte eine steile Sorgenfalte auf der Stirn und die Müllerin seufzte: »Wenn nur das Wasser uns nicht Haus und Stall fortschwemmt.«

»Da muß man zur Wetterhexe gehen und sie bitten, daß sie es aufhören läßt, zu regnen,« dachte Hans Jörgel bei sich und fragte die Magd eifrig, wo die Wetterhexe denn wohne und wie man den Weg zu ihr fände. Aber Lina hatte keine Zeit für den Kleinen, denn eben war ein Schwall Wassers in den Hühnerstall eingebrochen und die erschrockenen Tiere mußten in die Mühle gebracht werden. »Im Land Nirgendwo, wo Himmel und Erde zusammenstoßen,« rief sie zurück. »Der Weg dahin heißt Findmichnie und führt erst der Nase nach, dann links um die Ecke und zum Schlusse drei Meilen weit in die Unendlichkeit.« Damit lief sie davon und Hans Jörgel blieb allein mit seinen Gedanken zurück. »Das müßte sich doch finden lassen,« dachte er. »Vater und Mutter sorgen sich so sehr. Da muß jemand mit der Wetterhexe reden!« Und leise schlich er aus der Stube und durch die Hintertüre ins Freie, wo die Blumen die Köpfe hingen und die Bäume die Nässe von den Zweigen schüttelten. Aus den Wellen des Mühlbaches kam ein klägliches Rufen: »Hilfe, Hilfe, sonst muß ich ertrinken.« Hans Jörgel gewahrte ein junges Häschen, das sich verzweifelt gegen das Ertrinken wehrte. Er sprang hin, packte es glücklich bei den langen Ohren und zog es heraus. Nein, wie dem armen Häschen das Wasser aus dem Felle rann! »Warte, ich reibe dich trocken, sonst bekommst du einen Schnupfen,« sagte Hans Jörgel eifrig und trocknete das Häschen mit seinem Taschentuch ab. »Danke herzlichst,« erwiderte das Häschen. »Kann ich vielleicht mit einem Gegendienste aufwarten? Ich weiß, wo die 33 fettesten Kohlblätter stehen und der saftigste Klee wächst.« »Nein, Kohl und Klee brauche ich nicht,« entgegnete Hans Jörgel. »Aber wenn du mir den Weg zur Wetterhexe zeigen könntest, wäre mir ein großer Gefallen geschehen!« Das Häschen legte nachdenklich die Pfote an die Nase. Nein, den wisse es leider nicht. Aber es könne den freundlichen Knaben in den Wald zum Urgroßvater Uhu führen, der sei unermeßlich alt und weise und so gebildet, daß er alle Sprachen des Waldes verstehe. Vielleicht könne er Auskunft geben. Nur bis zum Uhu selbst könne es nicht mitkommen, denn unerklärlicherweise habe der Urgroßvater manchmal Appetit auf junge Häschen und da sei es besser, wenn man sich nicht zu nahe an ihn heranwage.

So führte das Häslein den neugierigen Hans Jörgel tief, tief in den Tannenwald hinein. Auch hier tropfte es von den Ästen und rann aus den grauen Bärten der alten Bäume. Aber das gute Moos saugte das viele Wasser rasch mit seinen dicken Polstern ein und allerwärts kamen aus dem Waldboden die lustigen Pilze. Der Birkenschwamm und der Fliegenpilz, die Ziegenlippe und die Bärentatze. Denn diesem Völklein ist nichts so lieb, als ein lauer Sommerregen.

Unter dem Hexenpilz saß ein Pilzweiblein und strickte. »Können Sie mir vielleicht sagen, wo die Wetterhexe wohnt?« fragte Hans Jörgel und lüftete sein nasses Hütlein.

»Einundzwanzig, zweiundzwanzig,« zählte das Pilzweiblein statt zu antworten und wurde rot vor Zorn. »Sie haben mich 34 jetzt ganz aus der Ordnung gebracht und ich muß von vorne anfangen! Und zum Schluß kann ich dann alles auftrennen! Nein, was es doch für unhöfliche Leute auf der Welt gibt!« Und es kehrte Hans Jörgel erbost den Rücken.

»Mach' dir nichts draus, der Uhu wird dir schon Auskunft geben,« tröstete das Häslein den betroffenen Hans Jörg. »Die Pilzleute wissen ohnehin nicht viel; in ein paar Stunden kommen sie hervor und nach ein paar Tagen sind sie schon wieder dahin. Die verstehen nichts von der Welt.«

Der Urgroßvater Uhu wohnte im dunkelsten Dickicht im Herzen des tiefen Tannenwaldes. »Er verträgt das grelle Tageslicht nicht, es tut seinen Augen weh!« flüsterte das Häschen. »Aber er hat mehr gesehen und erfahren, als alle Tiere im Walde und er ist so klug, daß es keine Geheimnisse für ihn gibt. Doch ich muß umkehren, Hans Jörgel, du weißt, wegen seines Appetits auf junges Hasenfleisch. Man kann da nicht vorsichtig genug sein!«

Und das Häslein gab dem Buben die Pfote, bedankte sich nochmals für die Lebensrettung und lief mit zurückgelegten Löffeln den Weg zurück.

In dem Dunkel des Walddickichts saß der Uhu. Seine runden, glühenden Augen standen weit offen, die Ohren mit den Federbüscheln waren aufgestellt. Längst hatte er das Knacken von Hans Jörgels Schritten vernommen. Er wartete und lauschte und sah dem herankommenden Knaben stocksteif und bitterböse entgegen.

»Guten Tag, lieber Herr Uhu,« grüßte Hans Jörgel höflich. »Man hat mich zu Ihnen geschickt, weil Sie das klügste Geschöpf im ganzen Walde sind. Ich muß Sie um eine Auskunft bitten.«

Der alte Uhu schloß die Augen halb. Trotz seines unermeßlichen Alters, seiner großen Klugheit, seiner vielen Erfahrungen tat es ihm sehr wohl, daß man ihn für das klügste Geschöpf im ganzen Walde hielt. Aber er regte sich nicht, nur seine 35 Federbüschel an den Ohren rührten sich leise. Ja, er war ein sehr vornehmer Vogel, der Urgroßvater Uhu.

»Ich suche nämlich den Weg zur Wetterhexe,« sagte Hans Jörgel ein wenig ängstlich. Er war ja kein junger Hase, aber der Uhu fing an, ihm unheimlich zu werden mit seinem Schweigen und seinen runden, glühenden Augen.

Jetzt kniff er eines von ihnen zu. »Wie meinen Sie? Ich habe nicht verstanden!« knarrte er.

Hans Jörgel wiederholte sein Anliegen. »Wetterhexe? Ich kenne sie nicht. Habe sie nie gesehen. Aber die Nebelfrau hat mir von ihr erzählt. Na, wohl bekomms, wenn Sie zu der wollen!«

»Frißt sie vielleicht Kinder?« fragte Hans Jörgel und bekam eine Gänsehaut.

»O nein,« knarrte die rostige Stimme des alten Uhus. »Aber aussehen soll sie, daß einem wochenlang aller Appetit vergeht. Na, wohl bekomms!« Und er schüttelte sich, daß die Federn nur so flogen.

»Ich muß mit ihr reden,« schrie Hans Jörgel, damit der Uhu ihn verstände. »Wenn es fortregnet, reißt uns der Bach Stall und Mühle fort. Es ist höchste Zeit, daß es aufhört!« »Na, dann gehen Sie zur Nebelfrau, die kennt den Weg zur Wetterhexe,« entgegnete der Uhu. »Zuerst durch den großen, großen Wald, dann über die große, große Wiese. Dort finden Sie die Nebelfrau. Adieu!« Und der ururalte Uhu hob die Flügel und flog weiter ins Dickicht hinein.

Hans Jörgel ging durch den großen, großen Wald. Noch immer tropfte es von den alten Tannen und Fichten und zwischen den Stämmen schwebten graue Nebelfetzen. »Da kann die Nebelfrau auch nicht weit sein,« dachte Hans. Wirklich wurde der Wald 36 lichter, das Geäst durchsichtiger und der Knabe kam auf eine große, große Wiese. Hier sah er ganze Ballen des grauen Nebels gehäuft und in ihrer Mitte saß die Nebelfrau, spann und sang.

»Nebeltücher und Nebelschleier
spinne ich über Wald und Weiher,
werfe ich über Hang und Wiesen,
wickle ich um die Bergesriesen.
Niemand kann mehr zwei Schritte gehn,
wenn meine Nebel ihn grau umwehn.«

Und indes sie so sang, entquollen ihren Händen neue Flocken und Schwaden des dünnen Gespinstes und legten sich feucht um Hans Jörgels Gestalt.

»Ach liebe Nebelfrau,« bat jetzt der Knabe. »Ich möchte so gerne den Weg zur Wetterhexe finden. Können Sie ihn mir vielleicht weisen?«

Die Nebelfrau zog einen der grauen Vorhänge fort und Hans Jörgel sah die große, große Wiese vor sich. »Zuerst über die große, große Wiese,« sagte die Nebelfrau und deutete mit dem Finger hinaus. »Dann auf den großen, großen Berg. Und oben ist das Häuslein der Wetterhexe.«

Die Nebel verzogen sich, denn die Nebelfrau hatte zu spinnen aufgehört, und Hans Jörgel wanderte weiter. Auf der großen, großen Wiese weideten zu seinem Erstaunen Kühe, kleinere und größere graue Kühe von seltsam unförmiger Gestalt. Sie begleiteten seinen ganzen Weg, sie bedeckten die Abhänge des großen, großen Berges und es schien, als würden sie während des Weidens von Augenblick zu Augenblick größer und unförmiger. »Die sind doch ganz anders, als unsere Kühe daheim,« dachte Hans Jörgel verwundert und stapfte weiter. Gut, daß er gewohnt war, mit Kühen umzugehen, er hätte sich sonst weiß Gott in dieser unermeßlichen Herde gefürchtet. Die Kühe grasten eifrig bergauf 37 zu und Hans Jörgel lief mit. Es war ja auch schon höchste Zeit, daß er die Wetterhexe antraf und sie beschwor, den Regen enden zu lassen. So war er eine gute Weile gestiegen, da ertönte von der letzten Höhe des Berges eine Stimme, die halb rief und halb sang:

»Wolkenkühlein, eins, zwei, drei,
Wolkenkühlein, kommt herbei,
daß euch fleißig melken kann
Wetterhex und Wolkenmann.
Regen soll zur Erde sinken,
daß die Wiesen drin ertrinken,
Bäche aus den Ufern treten,
Menschen um Erhörung beten.
Wolkenkühlein, kommt heran,
daß ich fleißig melken kann.«

Und vor den Augen des verwunderten Hans Jörgel, der nun endlich die Höhe des Berges erklommen hatte, stand ein kleines Häuslein und vor ihm ein graues Weiblein mit Melkeimer und Melkstühlchen in den Händen und das Weiblein schnalzte mit der Zunge und rief: »Hierher, meine guten Tierchen, alle hierher! Habt ihr auch genug gefressen, hi, hi, hi, damit ich euch tüchtig melken kann? Sie sollen auf der Erde unten noch Wasser bekommen, daß nur mehr die Kirchtürme hervorsehen, wie zur Zeit der großen Sündflut!«

Während bei diesen Worten die schwerfälligen, grauen Ungetüme wirklich herantrotteten, das Weiblein sich niederließ und zu melken begann, wobei aber immer nur Wasser und wieder Wasser in den Melkeimer floß, kam aus dem Winkel, wo Hans Jörgel stand, ein so bitterliches Weinen und Schreien, daß die Wolkenkühe scheu wurden und auseinanderliefen, wobei sie den Melkeimer umstießen und seinen Inhalt ausgossen. 38

Huh, machte die Wetterhexe, denn das war sie, ein böses Gesicht und zog Hans Jörgel aus seinem Winkel. Und wie sah sie nur aus! Ja, jetzt konnte das Büblein begreifen, warum der Uhu so über sie gesprochen hatte. Graue, struppige Haarsträhnen hingen ihr ins Gesicht, die Augen schielten und im Munde hatte sie einen einzigen langen, gelben Zahn. Nein, sie war nicht hübsch anzusehen, die Wetterhexe. Mit ihren knochigen Händen packte sie Hans Jörgel und zog ihn hervor.

»He, Wolkenmann,« schrie sie mit lauter Stimme. »Ein Menschlein ist da! Komm schnell, ich habe ein Menschlein gefangen.«

Da hörte man auch schon ein entferntes Rollen und Grollen, das näher und näher kam und das so klang, als ob zwanzig Kegelkugeln übereinanderkollerten.

»Hierher, hierher,« rief die Wetterhexe und winkte nach einer Stelle, von der ein ungeschlachter Riese mit großen 39 Schritten einherkam. Hans Jörgel schlotterten die Knie vor Angst und er wäre am liebsten in ein Mausloch gekrochen.

»Ho, ho,« lachte der Wolkenmann und sah auf Hans Jörgel herab wie auf einen Käfer am Wege. »Was will denn der Knirps hier bei uns? Den kann ich ja mit meinem kleinen Finger zerdrücken, wenn ich will. Was soll ich denn mit dem beginnen?«

Die Wetterhexe aber sang:

»Wolkenmann, Wolkenmann,
laß es regnen, was es kann,
laß es donnern und gewittern,
daß die höchsten Berge zittern;
eine Sündflut schick' zur Stund'
und die Erde geh' zugrund.«

Da faßte Hans Jörgel seinen ganzen Mut zusammen und obgleich sein Herz ihm bis an den Hals hinaufschlug, trat er zum Riesen hin und sagte ihm, wie es drunten auf der Welt zugehe, wie die Wiesen alle unter Wasser ständen und die Blumen und Tiere ertrinken müßten und wie am Ende gar 40 noch die Mühle fortgerissen würde vom wilden, angeschwollenen Mühlbach. »Hm,« sagte der Riese und strich seinen Bart. »Das war gar keine üble Rede für so einen kleinen Menschling. Ich will mir einmal die Erde ansehen!« Sprachs und zog ein Fernrohr aus der Tasche, mit dem er auf die Erde herabguckte. »Es hat genug geregnet,« sagte er zur Wetterhexe. »Laß einmal das Melken für eine Weile sein, Frau.« »Ja, ja,« kicherte diese und lachte, daß man ihren gelben Zahn sah. »Wenn ich meine Kühlein melke, dann regnets unten bei euch und wenn ich meinen Melkeimer ausschütte, gibts einen hübschen, ausgiebigen Wolkenbruch. Verstehst du jetzt, Kleiner, woher das viele, viele Wasser kommt?«

»Und wenn ich meine Kegelkugeln rollen lasse, dann hört ihr es donnern,« schmunzelte der Wolkenmann. »Heute habe ich alle meine Kegel getroffen, drum bin ich so gut aufgelegt. Also frisch, Frau, lasse die Windhunde einmal heraus, daß die Erde trocken wird, ich habe dem Knirpslein hier besseres Wetter versprochen.«

»Na, wenns sein muß,« sagte die Wetterhexe, »und weil du so guter Laune bist, Wolkenmann, so will ich dir den Willen tun.« Sie ging zu ihrem grauen Häuschen, an dem war eine Reihe verschlossener Türen. »Das sind die Ställe meiner lieben Windhunde,« sagte die Wetterhexe. »Paß auf, wie die herausspringen werden, wenn ich aufsperre. Die werden sich freuen, daß sie ins Freie dürfen!« Neugierig kam Hans Jörgel näher. Die Wetterhexe erschreckte ihn jetzt nicht mehr, trotz ihres wilden Aussehens. »Da drin steckt meine große, graue Dogge Nord,« sagte die Wetterhexe. »Die können wir heute nicht brauchen. Daneben wohnt der wilde Föhn, der muß auch im Stall bleiben. Aber hier das flinke Windspiel West und seine Brüder wollen wir herauslassen.«

Sie öffnete die Türe und hui, fuhr es heraus, überkugelte sich und schnaubte, raufte und heulte. Und sofort fuhren die 41 Windhunde den Wolkenkühen an die Beine, daß sie zu laufen anfingen, dahin und dorthin, immer schneller und schneller, bis die grauen Ungetüme verschwunden waren und der blaue Himmel lächelnd über Hans Jörgel stand.

»Schön habt ihr den Himmel ausgeputzt,« lobte die Wetterhexe ihre Windhunde. »Dafür sollt ihr auch ein Stück Zucker bekommen. Jetzt schaut noch auf die Erde hinunter und blast sie hübsch trocken.« Da besann sich Hans Jörgel darauf, daß unten in der Mühle Vater und Mutter und Lina, die Magd, nicht wüßten, wo er wäre, und daß er jetzt eilends nach Hause müßte und ihnen sagen, daß nun besseres Wetter käme. Er bedankte sich also fein höflich beim Wolkenmann, gab auch der Wetterhexe die Hand und die sagte: »Bekommst noch eine Handvoll Sonnenstrahlen mit auf den Weg, Büblein, damit du besser heimfindest.«

Wirklich guckte jetzt die Sonne hinter einem Vorhang hervor und lachte Hans Jörgel an. Mit einem Jauchzer sprang der Kleine den großen, großen Berg hinunter. Auf der großen, großen Wiese glänzten die Regentropfen in den bunten Kelchen der Blumen, der große, große Wald dampfte von Feuchtigkeit und duftete nach Moos und Erde, alles leuchtete in den schrägen Sonnenstrahlen und freute sich, daß der lange Regen geendet hatte. Die Waldschnecken krochen auf Blüte und Blatt, die Mücken spielten in der Luft, die Gräser und Blumen richteten sich auf und schüttelten die Nässe ab.

»Wie war es bei der Wetterhexe?« knarrte die Stimme des Uhus aus dem Walddickicht, als Hans Jörgel vorüberkam. »Sie läßt schön grüßen, Herr Urgroßvater,« lachte das Büblein. »Zum Waschen und Kämmen hat sie keine Zeit, weil sie Wetter machen und Wolkenkühe melken muß.« »Wie ist es dir gegangen?« fragte das Häslein unter einem Busch hervor, machte ein Männchen und stellte die langen Ohren auf. 42

»Danke gut,« sagte Hans Jörgel. »Wie du siehst, haben die Windhunde den Himmel ausgeblasen und wir haben das schönste Wetter. In der nächsten Zeit mußt du nicht fürchten, daß der Mühlbach dir den Pelz wäscht.« Der Bach ging wirklich ganz zahm und bescheiden seinen Gang. Das viele Wasser hatte sich verlaufen, das Mühlrad klapperte, aus dem Schornstein stieg blauer Rauch. Unter der Haustür stand die Mutter und guckte nach Hans Jörgel aus. »Ich bringe euch schönes Wetter,« rief das Büblein und fiel der Mutter um den Hals. Aber niemandem verriet es, daß es auf dem Wege Findmichnie zu Wetterhexe und Wolkenmann gekommen war und was es dort erlebt hatte. 43

 


 

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.